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Neu im VD 17: Buchbestand der St. Bartholomäuskirche in Röhrsdorf bei Meißen

Weiteres Projekt zur Erfassung kleinerer Bibliotheksbestände in der VD 17-Datenbank erfolgreich abgeschlossen! Nochmals 185 Nova gefunden!

Ein Beitrag von Friederike Willasch.

Emblematische Darstellung von Bibelsprüchen in einem Gebetbuch von 1692. Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Das Interesse von Bibliotheken und Institutionen an einem Nachweis ihrer Bestände im „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts“ (VD 17) ist groß – gerade auch bei kleineren Sammlungen. Die Staatsbibliothek zu Berlin als eine der VD 17-Trägerbibliotheken übernimmt immer wieder die Verzeichnung, wie etwa 2015 für die St. Nikolai-Kirchenbibliothek Spandau. Aktuell hat die Abteilung Historische Drucke die einschlägigen Bibliotheksbestände der St. Bartholomäuskirche in Röhrsdorf bei Meißen komplett im VD 17 erfasst. Und auch darunter befanden sich Drucke, die bisher nicht im VD 17 nachgewiesen waren.

Die Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf

Im Jahr 1737 wurde die St. Bartholomäuskirche zu Röhrsdorf im barocken Stil neu gebaut und 1750 zusätzlich aufgestockt, um Platz für ein Archiv und eine Bibliothek zu schaffen. Unterstützt wurde die Kirche dabei von ihrem Patronatsherrn Johann August von Ponickau (1718-1802). Er schenkte der Kirche 200 Bände theologischen Inhalts aus seiner Privatbibliothek, die zu einem Fundament des Bibliotheksbestandes wurden.

Die Bestände der Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf konnten außerdem durch Schenkungen und Nachlässe der ansässigen Pfarrer weiter wachsen. So stiftete zum Beispiel der Pfarrer Theodor Wilhelm Schmidt (1704–1779) der Bibliothek neben seiner Sammlung 100 Taler, deren Zinsen zur Anschaffung neuer Bücher verwendet werden sollten.

Der jetzt in der VD 17-Datenbank nachgewiesene Bestand der Kirchenbibliothek beläuft sich auf 1.570 Titel. Es handelt sich zu einem überwiegenden Teil um Dissertationen, von denen – kaum überraschend – ca. 70% theologische Dissertationen sind. Daneben finden sich insbesondere Funeralschriften wie Leichenpredigten, die auch im „Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften“ – herausgegeben von Rudolf Lenz – erfasst wurden. Eine große Anzahl der Leichenpredigten ist dabei Adeligen gewidmet und kann Einblicke in die Geschichte einiger sächsischer Adelsfamilien geben. Andere Gelegenheitsschriften des Bestandes wurden anlässlich von Festen und Einladungen, Einweihungen oder Amtsantritten angefertigt. Weitere typische Gattungen des Bestandes sind theologische Kommentare und Streitschriften, Gebet- oder Gesangbücher, darüber hinaus Predigten.

Interessant sind besonders die 185 bisher noch nicht im VD 17 nachgewiesenen Drucke, die – soweit konservatorisch möglich – durch die Staatsbibliothek zu Berlin im Rahmen des noch bis 2018 laufenden VD 17-Unika Projekts digitalisiert werden konnten. Sie stehen der Forschung jetzt über die Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zur Verfügung. Auch unter diesen Nova, die etwa 12% des VD 17-Bestandes der Kirchenbibliothek ausmachen, finden sich überwiegend Dissertationen und viele Gelegenheitsschriften. Bemerkenswert ist aber, dass ca. 40% der im Bestand vorhandenen Gebet- und Gesangbücher erstmalig im VD 17 verzeichnet werden konnten.

Bücher aus dem Besitz der Familie von Ponickau

Charakteristisch für viele Bände aus der Kirchenbibliothek ist die auffällige Prägung des Schriftzuges „Der Kirche zu Roehrsdorff“ auf dem vorderen Buchdeckel. Einige Bücher liefern darüber hinaus Hinweise auf ihre Vorbesitzer, wie handschriftliche Vermerke oder Supralibros. Allein der einstige Patronatsherr der Kirche, Johann August von Ponikau, hinterließ solche Spuren in 9 Exemplaren. Auf dem Titelblatt eines Gebet- und Andachtsbuches findet sich unten rechts – fast unbemerkt neben dem auffälligen schwarz-roten Titel – sein handschriftlicher Namenszug „J A v Ponicau“.

Namenszug von Johann August von Ponickau in einem Gebetbuch von 1700. Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Johann August von Ponickau stammte aus einem sächsischen Adelsgeschlecht und war Hofrat des Herzogs Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, bevor er nach dem Tod seines Vaters zunächst auf den Familienbesitz Klipphausen in der Nähe von Röhrsdorf zurückkehrte und später nach Dresden umzog. Am kursächsischen Hof in Dresden war der bibliophile Adelige überaus geschätzt und erhielt 1751 den Titel eines Geheimen Kriegsrats. Dank eines beachtlichen Erbes konnte Johann August von Ponickau eine ansehnliche Büchersammlung mit ca. 14.000 Bänden aufbauen, die er katalogisieren ließ und deren Benutzung er für wissenschaftliche Studien gestattete. Sein Interesse galt vor allem der sächsischen Geschichte.

Eine fast vollständige Erblindung und der Mangel an eigenen Nachkommen veranlassten ihn, nach einer geeigneten Unterbringung für seine Sammlung zu suchen. Neben der Stiftung an die Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf überließ er den Großteil seiner Privatbibliothek deshalb 1789 der Universität Wittenberg. Dort überstand sie Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst unsichere Zeiten, als napoleonische Truppen die Stadt Wittenberg besetzten und die Universitätsbibliothek überstürzt geräumt werden musste. Eine Verlegung des Bestandes nach Dresden gelang nicht rechtzeitig vor Beginn der Befreiungskriege 1813, sodass die Ponickau-Sammlung zwischengelagert werden musste und erst nach dem Krieg wieder zurück nach Wittenberg gebracht werden konnte. Mit den folgenden territorialen Verschiebungen wurde auch der Verbleib der Ponickau-Sammlung neu geregelt. Da die Universitäten in Wittenberg und Halle zusammengelegt wurden, zog die Ponickau-Sammlung nach Halle um und ist dort heute als Sondersammlung Bibliotheca Ponickaviana ein bedeutender Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt.

Namenszug von Johanna Sophia von Ponickau in einem Spener’schen Gebetbuch. Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Durch die Provenienzangaben ist der Bestand der Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf auch Ausdruck ponickauischer Familiengeschichte. Denn Besitzvermerke in etwa 70 Exemplaren – manchmal sind sogar mehrere Vorbesitzer zu identifizieren – weisen auf die verwandtschaftlichen Verzweigungen der Familie von Ponickau mit der sächsisch-meißnischen Adelsfamilie von Miltitz und mit der Familie von Löschbrandt hin. So vermerkte zum Beispiel Johanna Sophia von Ponickau, eine Tante Johann Augusts, die 1701 in die Familie von Miltitz einheiratete, ihren Namen handschriftlich in einem mit Goldschnitt und verzierten Schließen versehenen Gebetbuch. Die evangelischen Gebetbücher dienten der privaten Erbauung, was auch eine Erklärung dafür sein kann, dass etwa ein Viertel dieser Besitzvermerke aus dem Umfeld der Familie von Ponickau in Gebetbüchern auftritt. Diese Bücher waren für den Gebrauch bestimmt und überdauerten daher nicht immer Jahrhunderte. Eine vollständige Erfassung aller Ausgaben aus dem 17. Jahrhundert ist kaum möglich und jeder Nachweis ein Gewinn.

Ein Kooperationsprojekt wie dieses lebt von guter Zusammenarbeit und Unterstützung vor Ort: Unser Dank gilt Pfarrer Christoph Rechenberg und Holger Reichmann, die mit ihrem Engagement und den geleisteten Vorarbeiten dieses Projekt erst möglich gemacht haben.

Embleme christlicher Tugenden in Johann Arndts Paradiesgärtlein (1686). Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Projekt E.T.A. Hoffmann Portal geht in die zweite Runde

Hurra – unser Folgeprojekt zum E.T.A. Hoffmann Portal ist genehmigt! Nachdem die BETA-Version des Portals nun seit Mitte Dezember online ist, neigt sich das erste Projekt zur Einrichtung des Portals (HoPo1) langsam dem Ende zu. Derzeit arbeitet unsere Entwicklerin – bis zum offiziellen Launch – kontinuierlich an der Optimierung der Funktionalitäten und der Erweiterung von Textbeiträgen und interaktiven Elementen. Parallel stellen wir aber auch schon die Weichen für unser Folgeprojekt (HoPo2), das im Januar 2017 offiziell gestartet ist und zwei neue Schwerpunkte beinhaltet: die Digitalisierung von Hoffmanniana und die Erweiterung des Angebots auf Einflüsse und Rezeption.

Während der Fokus von HoPo1 auf der Einrichtung der Infrastruktur und der Vermittlung von E.T.A. Hoffmanns Leben und Werk lag, widmet sich HoPo2 der Produktion von digitalen Inhalten und der Vermittlung von einerseits Einflüssen auf Hoffmann und andererseits der Rezeption von Hoffmann durch andere Künstler*innen und Wissenschaftsbereiche. Aktuell arbeiten wir an der Erstellung einer Liste der zu digitalisierenden Materialien und testen den eigens entwickelten Digitalisierungs-Workflow. Das Folgeprojekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und gliedert sich in drei inhaltliche Arbeitspakete:

1 Digitalisierung der Werke Hoffmanns, seiner Einflüsse und seiner Rezeption

Geplant ist die Digitalisierung von etwa 2.000 Bänden, darunter Erstausgaben, illustrierte Drucke, Autographe, frühe Forschungsliteratur und Werke, die E.T.A. Hoffmann nachweislich besessen hat. Hinzu kommen in Auswahl Werke, die Hoffmann in seinem Schaffen beeinflusst haben, sowie Werke, die Hoffmanns Motive aufgreifen oder ganz grundsätzlich durch Hoffmann beeinflusst wurden.

2 Dokumentation der Einflüsse und der Rezeption E.T.A. Hoffmanns

Die vielfältigen Einflüsse auf Hoffmann und die Rezeption seines Schaffens sind bisher nicht zentral dokumentiert, vor allem eine medienübergreifende Zusammenstellung und Präsentation ist ein Desiderat. In enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft soll ein Arbeitsinstrument geschaffen werden, das die relevanten Informationen zusammenführt, diese mit digitalen Primärmaterialien verknüpft und visuell aufbereitet zugänglich macht. Das Projekt versteht sich in diesem Punkt ein weiteres Mal als Entwickler und Etablierer einer neuen Infrastruktur, auf deren Basis nach Projektende kontinuierlich weitere Inhalte verschiedener Institutionen aufgenommen werden können.

3 Aufbereitung von Inhalten für unterschiedliche Zielgruppen

Analog zu den Textbeiträgen und interaktiven Elementen, die im Projekt HoPo1 entwickelt und aufbereitet wurden, sollen nun in Kooperation mit Wissenschaft und Lehre Informationen zur Vermittlung von Hoffmanns Umfeld, seinen Einflüssen und der Rezeption durch andere Künstler*innen und Forscher*innen bereitgestellt werden. So soll beispielsweise eine Netzwerkdarstellung Hoffmanns Bekanntenkreis veranschaulichen und Personenkonstellationen verdeutlichen, eine grafisch aufbereitete Rezeptionsanalyse soll den Bezug Hoffmanns zu Persönlichkeiten wie Peter Tschaikowski, Thomas Mann oder Franz Kafka aufzeigen.

Bleiben Sie uns treu, verfolgen Sie die Entwicklungen und senden Sie uns Kritik und Anregungen!

Studentisches Projekt in der Eingangshalle

Weitläufige Verkehrsflächen - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Weitläufige Verkehrsflächen – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Die Diele ist die Visitenkarte eines Hauses. Was für Wohnhäuser gilt, hat durchaus auch seine Berechtigung für große, öffentliche Gebäude. Gemeinsam mit einer Gruppe von Studentinnen und Studenten wollen wir in den nächsten zwei Monaten überlegen, wie sich auch die ‘Diele’ unseres Hauses Potsdamer Straße trotz Denkmalschutz, knapper Kassen und baulicher Beschränkungen etwas angenehmer gestalten lassen könnte. Es handelt sich dabei nicht um Vorarbeiten zu einer größeren Umbaumaßnahme, diese steht mit der geplanten Generalsanierung erst in einigen Jahren ins Haus. Viel eher soll überlegt werden, wie vielleicht mit kleineren Veränderungen ansehnliche Effekte erzielt werden können.

Besonders in den Fokus genommen wird das südliche Ende der Eingangshalle, das ist der Bereich mit den zahlreichen Garderobenschränken vor der Leihstelle. Dieser Bereich hat seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1978 schon einige Nutzungsänderungen erfahren. Als ‘Kataloghalle’ vom Architekten konzipiert, standen Kataloge der Staatsbibliothek nur kurze Zeit im Mittelpunkt des Bereichs. Schon bald zog der Berliner Gesamtkatalog ein und dominierte mit seinen elektrisch bedienbaren Rollkatalogschränken diesen Teil der Eingangshalle. Später wurden hier PCs aufgestellt, welche vor allem für die Recherche im Bibliothekskatalog dienen sollten. Zu dieser Zeit wurde auch die Katalogauskunft wieder besetzt. Allerdings war die Katalogauskunft vom Eingang aus nicht sofort zu sehen. Aus diesem Grund wurde sie nach einigen Jahren in den besser sichtbaren I-Punkt verlegt. Heute erfolgt der Katalogzugriff von zuhause aus oder unterwegs auf dem mobilen Gerät. Katalogschränke werden nur noch sehr selten gebraucht. Die Benutzung der PCs und der ebenfalls dort aufgestellten Mikrofiche-Lesegeräte ließ mehr und mehr nach und so kam es zum heutigen, etwas verwaisten Zustand.

Ehemalige Mikrofichearbeitsplätze - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Ehemalige Mikrofichearbeitsplätze – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Sie als Nutzerinnen und Nutzer unserer Bibliothek können uns bei den Überlegungen unterstützen. Die am Projekt beteiligten Studentinnen und Studenten werden Sie in der Eingangshalle ansprechen und Sie haben dann die Möglichkeit, auch Ihre Vorstellungen und Wünsche in das Projekt einfließen zu lassen. Auch hier im Blog haben Sie natürlich die Möglichkeit, Ihre Hinweise und Kommentare zu hinterlassen. Was von allen Ideen dann tatsächlich verwirklicht wird, können wir allerdings noch nicht versprechen. Vielfältig sind die Beschränkungen, die Denkmal- und Brandschutz vorgeben, um nur die wichtigsten ‘Stakeholder’ bei diesem Projekt zu nennen. Trotzdem freuen wir uns auf die Ideen der Studierenden und auch auf Ihre. Wenn dann auch noch die Umsetzung gelingt, steigern wir die Aufenthaltsqualität für Sie!

Alte Katalogschränke in der Eingangshalle/Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Alte Katalogschränke in der Eingangshalle/Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Episoden

Neue Stimmen der Bibliothek: FaMISound!

Unter dem Titel „Stimmen der Bibliothek“  bieten wir Ihnen seit Mai 2017 Podcasts zu verschiedenen Themen rund um die Bibliothek an, kleine Hörreisen, immer mit einem Blick hinter unsere Kulissen.  Mit der Unterreihe „FaMISound“ wollen wir das Angebot jetzt ergänzen.

Die Auszubildenden des ersten und zweiten Ausbildungsjahrs zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz: FaMI) haben sich im Rahmen eines Projekts mit dem Thema ‚Benutzung der Bibliothek‘ auseinandergesetzt und dazu Interviews mit Kolleginnen und Kollegen geführt, die in verschiedenen Abteilungen mit Benutzungsthemen beschäftigt sind.

Aus diesen Interviews sind vier Folgen mit buntgemischten Inhalten entstanden. Hören Sie sich doch einmal eine Einführung in den StaBiKat an oder erfahren Sie, wie Sie ständig auf dem Laufenden bleiben können zu neuen Angeboten der Bibliothek. Folgen Sie den fragenden FaMIs in die Lesesäle und hören Sie in der Auftaktfolge, warum es sich überhaupt lohnt, einen Bibliotheksausweis der Staatsbibliothek zu besitzen. Freuen Sie sich auf insgesamt vier Folgen ‚FaMISound‘ – wir wünschen viel Spaß beim Zuhören.