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Filme streamen an der SBB – Testzugang zu Kanopy bis zum 28. Februar freigeschaltet

Sie möchten sich vor dem Start der Berlinale noch einmal Filmklassiker anschauen, um damit gut gerüstet in die nächste Runde der Internationalen Filmfestspiele Berlin zu gehen? Kein Problem, denn in den nächsten Wochen bietet die Staatsbibliothek zu Berlin ihren registrierten Benutzer*innen einen Testzugang zum vorwiegend englischsprachigen Streaming-Dienst Kanopy an.

Doch Kanopy ist nicht nur etwas für Cineast*innen: Filme haben als wissenschaftliche Quelle eine immer größer werdende Bedeutung und sind im Bereich der Kunst- und Kulturwissenschaften wichtige Forschungsgegenstände. Das Filmangebot von Kanopy bietet für Ihre wissenschaftliche Arbeit nicht nur umfangreiche Videos zu sämtlichen Fachgebieten, sondern auch wichtige Features wie etwa – falls vorhanden – das komplette Transkript des Filmes oder weitere Personalisierungsmöglichkeiten an.

Zum Zugang gelangen Sie direkt über diesen Link:

http://erf.sbb.spk-berlin.de/han/kanopy/

Bitte loggen Sie sich mit Ihrer Bibliotheksausweisnummer und Ihrem Passwort ein.

Einige Spielfilme aus der Criterion Collection sind leider nur für Nutzer*innen aus dem Raum Nordamerika freigegeben. Dennoch hat die Plattform viel zu bieten, da Kanopy mit einigen Filmemachenden und Film-Vertriebsgesellschaften direkt kooperiert, so dass das Angebot sehr umfangreich ist und von Spielfilmen über Dokumentationen bis hin zu Lehrvideos reicht.

Kanopy bietet den Streamingdienst Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt an und wird bereits von einigen Spitzenuniversitäten bzw. -bibliotheken wie Harvard, Yale, Princeton, Cambridge oder der New York Public Library angeboten.  Soll Kanopy in Zukunft auch über die Staatsbibliothek zu Berlin verfügbar sein? Dann sagen Sie uns Bescheid!

Wir sind sehr gespannt auf Ihr Feedback und freuen uns über Anmerkungen zu den Inhalten oder zur Usability! Für die Nutzung des Angebots empfehlen wir eine schnelle Internetverbindung.

Kontakt: fachinfo@sbb.spk-berlin.de

Tanz in den Mai. Neue E-Ressourcen für Theater, Tanz und Film

Wenn der Vorhang fällt, das Licht erlischt oder sich die Protagonisten von Theater- und Tanzdarstellungen vor ihrem Publikum verbeugen, ist es eigentlich schon zu spät: Die jeweilige Aufführung  ist für immer verloren, da sie nur durch das Zusammenwirken von Publikum und Darstellerinnen sowie Darstellern entsteht und beim Auflösen dieses Zusammenspiels auch wieder verschwindet. Die Flüchtigkeit von Tanz und Theater – die Theaterwissenschaft spricht hier von „Performativität“ – macht diese Kunstformen so reizvoll, aber auch zu einer großen Herausforderung für die Forschung. Die „Überreste“ einer Aufführung – Requisiten, Kostüme oder Textbücher – können lediglich Hinweise auf das jeweilige Ereignis bieten, die Aufführung selbst aber nicht mehr erlebbar machen.

Umso wichtiger sind für die Theater- und Tanzwissenschaft Dokumentationen beispielsweise in Form von Videoaufnahmen der Performances. Auch wenn es sich hierbei ebenfalls lediglich um Annäherungen handelt, nehmen Videoaufnahmen als Quellen eine zentrale Stellung in der theater- und tanzwissenschaflichen Forschung ein. Dank der Finanzierung durch BKM-Sondermittel konnte die Staatsbibliothek zu Berlin in den letzten Wochen einige elektronische Ressourcen dauerhaft erwerben, die reichhaltige Schätze für die Theater-, Tanz- und Filmwissenschaft bereithalten.

Nach dem Motto „alles neu macht der Mai“ und passend zum Welttanztag finden Sie hier einen Überblick über unsere neuen Ressourcen im Fachgebiet Theater, Tanz und Film:

Merce Cunningham April 16, 1919- July 26, 2009 / By Floor (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Merce_Cunningham_April_16,_1919-_July_26,_2009.png) – Ränder beschnitten – CC BY-SA 2.0 Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

 

Dance online, dance in video

Dance online bietet über 1300 Videos an – von Aufnahmen von Tanzproduktionen über Interviews mit bedeutenden Tänzerinnen und Tänzern bis hin zu zahlreichen weiteren Dokumentationen, die die Arbeit verschiedener Tanzkompanien festhalten. Ein Highlight aus der Sammlung: Merce Cunnigham revolutionierte den zeitgenössischen Tanz. In der Datenbank finden Sie ca. 50 verschiedene Videoaufnahmen seiner Tanzperformances sowie viele weitere Zeugnisse und können so die Geschichte des modernen Tanzes anhand diverser Quellen nachverfolgen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Theatre in video, vol. I

Theatre in video, vol. II

Über 700 Stunden Videomaterial – seien es die verschiedenen Interpretationen der Shakespeareschen Theaterstücke, Interviews mit Regisseur*innen und Theatermacher*innen oder weitere Quellen zu unterschiedlichen Theaterformen wie Puppentheater – lassen die (vor allem angloamerikanische) Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts nacherlebbar werden. Außerdem finden Sie Videoaufnahmen von weniger bekannten Stücken und Künstler*innen. Weitere Informationen finden Sie hier und hier.

 

Filmakers library online

Das interdisziplinäre Angebot an Filmdokumentationen bietet Quellenmaterial für ganz unterschiedliche Disziplinen zu den Themen Kultur, Politik, Gesellschaft und vielen mehr. Die Filme stammen von unabhängigen Filmemachern oder bekannten Produzenten wie beispielsweise der BBC. Funktionen wie die Zusammenstellung verschiedener Szenen zu einem Clip sind über einen persönlichen Account möglich. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Shakespeare in performance

Theater wäre ohne Shakespeare nicht zu denken. Kern dieser Sammlung sind die über 1000 Theatermanuskripte zu Shakespeare-Inszenierungen der Folger Shakespeare Library. Auch wenn der Text für viele Theaterwissenschaftlerinnen und Theaterwissenschaftler ein wichtiger Zugang zu einer Aufführung ist, bleibt er doch nur ein Element neben vielen anderen. Umso spannender werden (vor allem auch historische) Theatertexte, wenn sie mit konkreten Regieanweisungen und Kommentaren versehen sind, die Aufschluss über bestimmte Inszenierungspraktiken geben. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Alle genannten elektronischen Ressourcen bieten wir registrierten Benutzer*innen im Remote Access an, so dass Sie die Quellen auch im Fernzugriff nutzen können. Sämtliche enthaltene Videos stehen Ihnen im Streaming-Verfahren zur Verfügung und enthalten zusätzlich ein durchsuchbares Transkript des gesprochenen Textes. Die Angebote können jeweils gezielt durchsucht oder auch über verschiedene Sucheinstiege (beispielweise Titel, Personen, Genres) erkundet werden.

 

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Tanz in den Mai!

"Das Fräulein von Scuderi" (DDR/SE 1954/55, Eugen York) Quelle: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin ©DEFA-Stiftung/Eduard Neufeld

Rückblick: E.T.A. Hoffmann beim 30. Internationalen Filmhistorischen Kongress in Hamburg

Beim 30. Internationalen Filmhistorischen Kongress („Zwischen Revolution und Restauration. Kultur und Politik 1789–1848 im Spiegel des Films“) tauschten sich vom 23.–25. November in Hamburg Forschende über filmische Bearbeitungen literarischer Werke aus, die im Kern die Umbrüche zwischen der Französischen Revolution und der gescheiterten Revolution von 1848 verhandeln. Dass E.T.A. Hoffmann als Vertreter der Romantik in diesem Kontext nicht fehlen durfte, versteht sich von selbst. Drei Vorträge beschäftigten sich deshalb auch mit Verfilmungen von Werken Hoffmanns und immerhin vier der zahlreichen Verfilmungen wurden im Rahmen des cinefests 2017 im Kino Metropolis gezeigt:

  • Der Filmwissenschaftler und Leiter der Rowohlt Agentur für Medienrechte Michael Töteberg stellte den Neuen Deutschen Film ins Zentrum seiner Ausführungen und zog unter anderem den 1968/69 von Edgar Reitz gedrehten Film „Cardillac“ als Beispiel heran. Diese Verfilmung von Hoffmanns Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ (1819) siedelt den Stoff in der 1968er Gegenwart an und ist in Tötebergs Augen ein Beispiel für Literaturverfilmungen, die nicht zuletzt deshalb zustande kamen, weil klassische Stoffe dem Profil der neu begründeten Filmförderung entsprachen.
  • Auch bei Anett Werner-Burgmann standen Klassikerverfilmungen im Zentrum, allerdings diejenigen der DEFA aus den 1970er und 1980er Jahren. In Ralf Kirstens Verfilmung der „Elixiere des Teufels“ (1972/73) als deutsch-tschechoslowakische Produktion offenbart sich die Entstehungszeit nicht nur durch teilweise zeitgenössische Kostüme, sondern auch auf der Ebene der von Synthesizern geprägten Filmmusik. Obwohl der Film damit insbesondere ein jugendliches Publikum ansprechen wollte, fand Kirstens Werk nur wenig Anklang: Die Einflüsse der Nouvelle Vague und der Tschechoslowakischen Neuen Welle ließen einen Film entstehen, der für den Publikumsgeschmack zu intellektuell und zu schwer verständlich war.
  • Der Germanist Günter Dammann fokussierte ebenfalls auf eine DEFA-Verfilmung und skizzierte die Textgrundlagen von Eugen Yorks das „Fräulein von Scuderi“ (1955): Die Koproduktion mit der schwedischen Firma Pandora – die von westdeutschen Filmschaffenden zum Zwecke der Kooperation mit DDR-Filmern gegründet worden war – bezieht sich mindestens so sehr auf die 1847 erschienene Dramatisierung der Novelle durch Otto Ludwig wie auf den eigentlichen Text Hoffmanns.

Im Kino konnten die TeilnehmerInnen des Kongresses dann neben dem Film von Eugen York auch den frühen unter der Regie Richard Oswalds entstandenen Autorenfilm „Hoffmanns Erzählungen“ (1916) sowie zwei weitere Verfilmungen vom „Fräulein von Scuderi“ kennenlernen: Den Stummfilm „Juwelen“, der 1929 von Hans Brückner gedreht wurde, und den bereits erwähnten „Cardillac“ von Edgar Reitz. Während der bei seinem Erscheinen gefeierte Stummfilm „Hoffmanns Erzählungen“ in seiner technischen Konventionalität den Stand des deutschen Kinos um 1916 repräsentiert, verlegt „Juwelen“ die Handlung der Hoffmannschen Novelle in das Wien der damaligen Gegenwart und präsentiert einen der letzten Krimis als Stummfilm. Nicht zuletzt wegen des 1930 folgenden Umbruchs zum Tonfilm erhielt „Juwelen“ nur wenig Aufmerksamkeit. Heute sind leider nur noch etwa zwei Drittel des Films erhalten.

Schon diese kleine Filmauswahl zeigt, dass die Wirkung E.T.A. Hoffmanns auf den Film kaum zu überschätzen ist und nach wie vor reges Interesse der Forschung weckt. Weitere Informationen finden Sie im Katalog des Hamburger Kongresses, der neben einer großen Auswahlfilmographie zum Kongressthema auch informative Kurzeinführungen oder zeitgenössische Kritiken zu allen beim cinefest gezeigten Filmen bereithält.