20 Jahre Zeitungsabteilung im Westhafen

Heute vor 20 Jahren, am Montag, dem 22. September 1997, öffnete erstmals der Lesesaal der Zeitungsabteilung im Berliner Westhafen. Die provisorische Unterbringung in einem eigens zu diesem Zweck umgebauten ehemaligen Getreidespeicher war notwendig geworden, um das Haus Unter den Linden umfassend sanieren und restaurieren zu können.

Mit einem Bestand von mehr als 200.000 Originalbänden und über 250.000 Mikroformen, bei  aktuell 280 laufenden Zeitungsabonnements (davon 155 aus dem Ausland) ist die Zeitungssammlung der Staatsbibliothek zu Berlin die größte ihrer Art in Deutschland. Während viele Bibliotheken in den letzten Jahrzehnten aus Platz- und Kostenersparnisgründen Zeitungsbände ausgeschieden und laufende Abonnements gekündigt haben, konnte die Abteilung ihre Sammlung vor allem durch Schenkungen und Bestandsübernahmen von anderen Einrichtungen sinnvoll ergänzen und erweitern. So verwundert es nicht, dass viele historische, deutschsprachige Zeitungen im gedruckten Original nur noch in der Staatsbibliothek vorhanden sind, die – aller Digitalisierung zum Trotz – vor allem von Forschungseinrichtungen, Museen und Gedenkstätten für hochwertige Reproduktionen sehr stark nachgefragt und genutzt werden.

Die mit nur 14 MitarbeiterInnen vergleichsweise kleine Abteilung zählt aber mit über 4.500 aktiven Lesern, durchschnittlich 21.000 in den Lesesaal bereitgestellten Medien pro Jahr, über 1.000 positiv bearbeiteten Fernleihbestellungen und mehr als 2.500 beantworteten mündlichen und schriftlichen Anfragen pro Jahr zu den gefragtesten in der Nutzung der archivierten Materialien. Das aus den Beständen der Zeitungsabteilung digitalisierte historische „Berliner Tageblatt, 1878-1928“ ist im europäischen Portal „Europeana Newspapers“ die mit Abstand am stärksten genutzte elektronische Ressource in diesem Portal überhaupt.

Wenn die Abteilung im Jahr 2019 endlich in die neuen Räume im Haus Unter den Linden ziehen wird, wird damit für Viele ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gehen, nur Einige werden vielleicht die Ruhe und Abgeschiedenheit des Westhafens vermissen.

2. Oktober 2017: Haus Potsdamer Straße wird um 19 Uhr geschlossen

Aus betriebstechnischen Gründen wird das Haus Potsdamer Straße am Montag, dem 2.10.2017 bereits um 19 Uhr geschlossen.

Das Haus Unter den Linden steht Ihnen wie gewohnt bis 21 Uhr zur Verfügung.

Wir bitten um Ihr Verständnis!

Vom Steckstreifen zur Statistik – Ergebnisse der Bestandsnutzungszählung in den Allgemeinen Lesesälen und Umfrage unter Leserinnen und Lesern

Seit Anfang der 1980er Jahre ist die Analyse der Nutzung des Präsenzbestandes in Lesesälen immer wieder ein Thema, aber bis heute ist es aufwändig, verlässliche Zahlen zu erheben. Die Benutzungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin hat sich dieser Aufgabe nun angenommen und vom 31. Oktober bis zum 26. November 2016 eine umfangreiche Erhebung durchgeführt. Dazu wurden die Leserinnen und Leser gebeten, die von ihnen verwendeten Bücher aus den Allgemeinen Lesesälen mit ausliegenden Steckstreifen zu versehen. Die Mitarbeiterinnen des Lesesaal-Teams haben die Streifen dann regelmäßig wieder eingesammelt und die benutzten Bücher in Auswertungstabellen eingetragen.

 

12558 Nutzungsvorgänge

Die Ergebnisse zeigen: Auch in der digitalen Welt macht der Präsenzbestand in den Lesesälen Sinn! Dafür sprechen die hohen Nutzungszahlen aller aufgestellten Fächersegmente und das in beiden Häusern. Bei durchschnittlich jedem zweiten Lesesaalbesuch fand eine Nutzung der Bestände statt.

Insgesamt konnten im Haus Unter den Linden 4442 Nutzungsvorgänge aufgezeichnet werden, die sich auf 2286 Bände beziehen, und im Haus Potsdamer Straße 8116 Nutzungsvorgänge an 3921 Bänden, so dass die Nutzung in absoluten Zahlen in der Potsdamer Straße um ca. 80 Prozent höher ausfällt. Nutzungsschwerpunkte bilden in beiden Häusern die Sprach- und Literaturwissenschaften sowie die Geschichte und im Haus Potsdamer Straße die Rechtswissenschaft.

 

647 ausgefüllte Fragebögen

Der Rücklauf der Fragebögen war sehr gut, es wurden insgesamt 647 Bögen ausgefüllt. Im Fragebogen wurden folgende Aspekte erhoben: Wie oft eine Leserin bzw. ein Leser in die Bibliothek kommt, wie oft sie oder er die im Lesesaal aufgestellten Bestandssegmente und Medientypen nutzt. Außerdem bestand die Möglichkeit, Wünsche und Anregungen zu äußern.

Hier kann man folgende Ergebnisse festhalten: Die Häufigkeit der Besuche ist in den beiden Lesesälen sehr ähnlich. Etwa ein Viertel der Personen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, besuchen die Staatsbibliothek täglich, knapp zwei Drittel mehrmals wöchentlich. Knapp die Hälfte der Leserinnen und Leser benutzen oft, d.h. bei jedem oder durchschnittlich jedem zweiten Besuch, den Lesesaalbestand.

Auch die Wünsche und Anregungen sind für uns sehr wichtig. Hier wurden ganz unterschiedliche Themen angesprochen, von konkreten Anschaffungsvorschlägen bis hin zu begeisterten Äußerungen zur Staatsbibliothek als Lern- und Arbeitsort, die uns natürlich besonders gefreut haben.

 

Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

Wir werden in den folgenden Wochen und Monaten weiter überlegen, wie wir die zahlreichen Rückmeldungen umsetzen. An dieser Stelle möchten wir noch einmal allen unseren Leserinnen und Lesern herzlich danken, die uns bei der Erhebung der Bestandsnutzung und durch das Ausfüllen von Fragebögen unterstützt haben!

Online-Systematik für den Altbestand (Treffer wird durch ein Titelblatt demonstriert)

Wir bieten Treffer zu jedem Thema aus dem Altbestand!

Unser Altbestand (1501-1955) ist jetzt komplett online sichtbar und nicht mehr zwischen den Deckeln von 1800 Bänden eines zwar sehr schönen und ehrwürdigen, aber auch ein wenig unhandlichen Sachkataloges eingeklemmt:

Bände des Sachkataloges (ARK) und eine Seite der Systematik

Bände des Sachkataloges (ARK) und eine Seite der Systematik

Die sehr differenzierte Systematik des Sachkataloges – genannt Alter Realkatalog (ARK) – wurde im Rahmen des Großprojekts ARK-Online in den vergangenen Jahren Stück für Stück in eine Datenbank überführt.

Werwölfe, Vampire, Kobolde und sogar Tischrücker in der Staatsbibliothek? Leibhaftig hoffentlich nicht, in Büchern aber durchaus. Im Bereich Aberglaube kann man diese und weitere Wunder finden.

Kein Wunder, sondern reell gesichtet: Eros Was verbindet diesen mit der Nummer 433? Wer wurde mit dem Namen Pomona (römische Göttin der Gärten und Obstbäume) und der Nummer 32 versehen? Wann und von wem wurde Ariadne, die Nummer 43 entdeckt? Die Antwort liegt im astronomischen Bereich.

Mit Hilfe der neuen, nun vollständigen Online-Systematik für den Altbestand finden Sie noch schneller historische Literatur zu diesen und zahlreichen weiteren Themen.

Der Einstieg kann direkt vom StaBiKat aus erfolgen:

Einstieg in die Online-Systematik

Alle, wirklich alle, Systemstellen sind nun online recherchierbar und warten ungeduldig darauf, erkundet zu werden. Insgesamt stehen Ihnen 16 Hauptgruppen zur Verfügung, die jedoch nicht die Dimension und Tiefe erahnen lassen, die sich dahinter verbergen:

Hauptgruppen der Online-Systematik

Denn ab jetzt ist es möglich:

  • 22.000 Seiten online zu durchblättern

Dazu klicken Sie in der Systematik links auf die blauen Systemstellen und können so 225.000 Systemstellen kennenlernen.

  • mit Begriffen zu suchen

Nutzen Sie den Suchschlitz dafür.

  • die Titel, die zu einer Systemstelle gehören, anzuzeigen zu lassen

Durch Anklicken des blauen Notationsbereiches auf der rechten Seite der Systematik erfolgt ein Wechsel in den StaBiKat. Dort werden die Titel, die zu der ausgewählten Systemstelle gehören, angezeigt. Insgesamt stehen derzeit 2,4 Millionen Titel bereit. Allerdings ist die Titelanzeige in Teilen der Systematik noch nicht vollständig, hier erfahren Sie mehr über den Aktuellen Stand.

Der Altbestand der Staatsbibliothek ist in jeglicher Hinsicht universal – sprachlich, regional und fachlich. So ist neben den großen Wissenschaftsdisziplinen wie Theologie und Geschichte auch die Technik in der Online-Systematik vertreten. Und das nicht nur mit einschlägiger Literatur zum Maschinenbau und zu den einzelnen Bereichen der Leichtindustrie, sondern ebenso zu den Themen Körperliche Künste · Sport und Spiele aber auch zur Speisenbereitung. Wollten Sie immer schon einmal wissen, was und wie man vor 100 Jahren gekocht hat? Kein Problem: Historische Kochbücher finden Sie mit der ARK-Online-Systematik reichlich.

Wie ausdifferenziert die Systematik in manchen Bereichen ist, lässt sich bei sehr tief gegliederten Bereichen am besten veranschaulichen. So kommen 15 Hierarchie-Ebenen beispielsweise in der Geschichte Preußens vor, durch die Sie sich nach und nach navigieren können:

Beispiel für die tiefe Gliederung der Online-Systematik

 

Seien Sie neugierig auf den umfangreichsten historischen Druckschriftenbestand in einer deutschen Bibliothek. Suchen Sie Bekanntes und finden Sie Überraschendes!

Ihre Fragen beantworten wir sehr gerne. Kritik, innovative Ideen und Wünsche sind äußerst willkommen und werden bei dem geplanten Relaunch berücksichtigt:

Heike Krems

(Leitung ARK-Online-Projekt)

Das ARK-Online-Projekt ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Staatsbibliothek zu Berlin und dem Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) unter Mitwirkung der Berliner Firma 3pc.

 

ARK-Online-Systematik:         http://ark.staatsbibliothek-berlin.de/

 

Fotos: Carola Seifert, SBB-PK

 

 

Alle Häuser der Bibliothek am 14. September 2017 geschlossen

Alle Standorte der Bibliothek bleiben am Donnerstag, dem 14. September 2017, wegen unseres jährlich stattfindenden Betriebsausfluges geschlossen.

Wir bitten um Ihr Verständnis!

Benutzungsabteilung / September 2017

Werkstattgespräch zu Flugblättern im Zweiten Weltkrieg am 10.10.

Wissenswerkstatt

Kommunikation unter Feinden. Transnationale und -mediale Aspekte der Flugblattpropaganda im Zweiten Weltkrieg

Werkstattgespräch mit Dr. Christiane Caemmerer, Staatsbibliothek zu Berlin – Handschriftenabteilung
Dienstag, 10. Oktober 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Flugblatt zu einem der wichtigsten Mittel der psychologischen Kriegsführung. Millionen und Abermillionen von meist sorgfältig getexteten und illustrierten sowie – im Verhältnis zu den Handzetteln der Weimarer Republik – aufwendig produzierten Flugblättern wurden an den Fronten und in den Zentralabteilungen der Propagandaministerien hergestellt und über Ballons, Granaten und als Bombenbeiladungen an die Soldaten und die Zivilbevölkerung verteilt.
Der Beitrag beschäftigt sich mit den transnationalen Argumentationsstrategien von Flugblättern und deren national geprägten Manifestationen, die klar an den unterschiedlichen Adressaten orientiert sind, und diskutiert Veränderungen in der Rezeption von lyrischen Texten, die durch einen Wechsel des Mediums: Flugblatt, Liederbuch, Rundfunkbeitrag und Gedichtband bedingt sind.
Die Materialbasis des Beitrages bilden die Flugblätter der Weißen Rose, die Flugblattbeiträge von Thomas Mann im Auftrag der Alliierten, die Amerikarezeption der deutschen Propagandaeinheit Südstern und die Lyrikproduktion von Erich Weinert und Johannes R. Becher für die sowjetische Propaganda aus der Kirchner‘schen Sammlung von Feindflugblättern in der Staatsbibliothek.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

SBB-PK CC BY-NC-SA

Wissenswerkstatt-Schulungen im September und Oktober

Wir haben unser Schulungsangebot für Sie neu strukturiert: Aus vier übersichtlichen Modulen können Sie sich künftig genau die Schulungen aussuchen, die am besten auf Ihre aktuelle Situation zugeschnitten sind.

  • Im Modul A finden Sie die grundlegenden Einführungen in die Benutzung der Bibliothek.
  • Die Kurse der Module B (Einführung) und C (Vertiefung) widmen sich den Recherchetechniken bei der Literatursuche.
  • Das Modul W ist unser Angebot für Wissenschaft und Forschung. Literaturverwaltung, wissenschaftliches Arbeiten und Publikationsberatung stehen hier auf dem Plan.

Im September und Oktober möchten wir Sie zu folgenden Veranstaltungen einladen:

 

Modul A – StabiStart-Einführungen:

  • Haus Potsdamer Straße:
    Montag, Mittwoch und Freitag: 11 Uhr
    Dienstag und Donnerstag: 17 Uhr
    Treffpunkt: I-Punkt in der Eingangshalle
  • Haus Unter den Linden:
    Mittwoch: 11 Uhr
    Treffpunkt: Erstauskunft im Eingangsbereich

 

Modul B – allgemeine und fachspezifische Rechercheworkshops:

 

Workshop Modul C – fachspezifische Recherche  mit eigenem Thema:

 

Workshop Modul W – Angebote für Wissenschaft und Forschung:

 

Zur Termin-Übersicht der Wissenswerkstatt

 

Matthias Brandt: “Raumpatrouille”, Lesung am 4. Oktober um 18 Uhr

“Raumpatrouille”

Lesung mit Matthias Brandt aus seinem ersten Buch
Einführung: Barbara Schneider-Kempf und André Schmitz

Mittwoch, 4. Oktober 2017
18 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, um Anmeldung unter freunde@sbb.spk-berlin.de wird gebeten

 

Matthias Brandt: Raumpatrouille , Verlag Kiepenheuer & Witsch

 

Die Geschichten in Matthias Brandts erstem Buch sind literarische Reisen in einen Kosmos, den jeder kennt, der aber hier mit einem ganz besonderen Blick untersucht wird: der Kosmos der eigenen Kindheit. In diesem Fall einer Kindheit in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in einer kleinen Stadt am Rhein, die damals Bundeshauptstadt war. Einer Kindheit, die bevölkert ist von einem manchmal bissigen Hund namens Gabor, von Herrn Vianden, mysteriösen Postboten, verschreckten Nonnen, kriegsbeschädigten Religionslehrern, einem netten Herrn Lübke von nebenan, bei dem es Kakao gibt und dem langsam die Worte ausgehen. Es gibt einen kauzigen Arbeitskollegen des Vaters, Herrn Wehner, einen Hausmeister und sogar einen Chauffeur, da der Vater gerade Bundeskanzler ist. Erzählt wird von komplizierten Fahrradausflügen, schwer bewachten Jahrmarktsbesuchen, monströsen Fußballniederlagen, skurrilen Arztbesuchen und von explodierenden und ebenso schnell wieder verlöschenden Leidenschaften wie z.B. dem Briefmarkensammeln. Nicht zuletzt wird von gleichermaßen geheimnisumwobenen wie geliebten Eltern berichtet und einer Kindheit, zu der neben dem Abenteuer und der Hochstapelei auch Phantasie, Gefahr und Einsamkeit gehören.

 

 

Matthias Brandt, geboren 1961 in Berlin als jüngster Sohn von Rut und Willy Brandt, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Er war an renommierten deutschsprachigen Theatern engagiert, darunter am Bayerischen Staatsschauspiel, Schauspielhaus Zürich und Schauspielhaus Bochum. In den letzten Jahren arbeitete er hauptsächlich vor der Kamera und als Hörbuchsprecher. Für seine Leistungen ist er vielfach ausgezeichnet worden.

Neu im VD 17: Buchbestand der St. Bartholomäuskirche in Röhrsdorf bei Meißen

Weiteres Projekt zur Erfassung kleinerer Bibliotheksbestände in der VD 17-Datenbank erfolgreich abgeschlossen! Nochmals 185 Nova gefunden!

Ein Beitrag von Friederike Willasch.

Emblematische Darstellung von Bibelsprüchen in einem Gebetbuch von 1692. Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Das Interesse von Bibliotheken und Institutionen an einem Nachweis ihrer Bestände im „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts“ (VD 17) ist groß – gerade auch bei kleineren Sammlungen. Die Staatsbibliothek zu Berlin als eine der VD 17-Trägerbibliotheken übernimmt immer wieder die Verzeichnung, wie etwa 2015 für die St. Nikolai-Kirchenbibliothek Spandau. Aktuell hat die Abteilung Historische Drucke die einschlägigen Bibliotheksbestände der St. Bartholomäuskirche in Röhrsdorf bei Meißen komplett im VD 17 erfasst. Und auch darunter befanden sich Drucke, die bisher nicht im VD 17 nachgewiesen waren.

Die Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf

Im Jahr 1737 wurde die St. Bartholomäuskirche zu Röhrsdorf im barocken Stil neu gebaut und 1750 zusätzlich aufgestockt, um Platz für ein Archiv und eine Bibliothek zu schaffen. Unterstützt wurde die Kirche dabei von ihrem Patronatsherrn Johann August von Ponickau (1718-1802). Er schenkte der Kirche 200 Bände theologischen Inhalts aus seiner Privatbibliothek, die zu einem Fundament des Bibliotheksbestandes wurden.

Die Bestände der Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf konnten außerdem durch Schenkungen und Nachlässe der ansässigen Pfarrer weiter wachsen. So stiftete zum Beispiel der Pfarrer Theodor Wilhelm Schmidt (1704–1779) der Bibliothek neben seiner Sammlung 100 Taler, deren Zinsen zur Anschaffung neuer Bücher verwendet werden sollten.

Der jetzt in der VD 17-Datenbank nachgewiesene Bestand der Kirchenbibliothek beläuft sich auf 1.570 Titel. Es handelt sich zu einem überwiegenden Teil um Dissertationen, von denen – kaum überraschend – ca. 70% theologische Dissertationen sind. Daneben finden sich insbesondere Funeralschriften wie Leichenpredigten, die auch im „Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften“ – herausgegeben von Rudolf Lenz – erfasst wurden. Eine große Anzahl der Leichenpredigten ist dabei Adeligen gewidmet und kann Einblicke in die Geschichte einiger sächsischer Adelsfamilien geben. Andere Gelegenheitsschriften des Bestandes wurden anlässlich von Festen und Einladungen, Einweihungen oder Amtsantritten angefertigt. Weitere typische Gattungen des Bestandes sind theologische Kommentare und Streitschriften, Gebet- oder Gesangbücher, darüber hinaus Predigten.

Interessant sind besonders die 185 bisher noch nicht im VD 17 nachgewiesenen Drucke, die – soweit konservatorisch möglich – durch die Staatsbibliothek zu Berlin im Rahmen des noch bis 2018 laufenden VD 17-Unika Projekts digitalisiert werden konnten. Sie stehen der Forschung jetzt über die Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zur Verfügung. Auch unter diesen Nova, die etwa 12% des VD 17-Bestandes der Kirchenbibliothek ausmachen, finden sich überwiegend Dissertationen und viele Gelegenheitsschriften. Bemerkenswert ist aber, dass ca. 40% der im Bestand vorhandenen Gebet- und Gesangbücher erstmalig im VD 17 verzeichnet werden konnten.

Bücher aus dem Besitz der Familie von Ponickau

Charakteristisch für viele Bände aus der Kirchenbibliothek ist die auffällige Prägung des Schriftzuges „Der Kirche zu Roehrsdorff“ auf dem vorderen Buchdeckel. Einige Bücher liefern darüber hinaus Hinweise auf ihre Vorbesitzer, wie handschriftliche Vermerke oder Supralibros. Allein der einstige Patronatsherr der Kirche, Johann August von Ponikau, hinterließ solche Spuren in 9 Exemplaren. Auf dem Titelblatt eines Gebet- und Andachtsbuches findet sich unten rechts – fast unbemerkt neben dem auffälligen schwarz-roten Titel – sein handschriftlicher Namenszug „J A v Ponicau“.

Namenszug von Johann August von Ponickau in einem Gebetbuch von 1700. Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Johann August von Ponickau stammte aus einem sächsischen Adelsgeschlecht und war Hofrat des Herzogs Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg, bevor er nach dem Tod seines Vaters zunächst auf den Familienbesitz Klipphausen in der Nähe von Röhrsdorf zurückkehrte und später nach Dresden umzog. Am kursächsischen Hof in Dresden war der bibliophile Adelige überaus geschätzt und erhielt 1751 den Titel eines Geheimen Kriegsrats. Dank eines beachtlichen Erbes konnte Johann August von Ponickau eine ansehnliche Büchersammlung mit ca. 14.000 Bänden aufbauen, die er katalogisieren ließ und deren Benutzung er für wissenschaftliche Studien gestattete. Sein Interesse galt vor allem der sächsischen Geschichte.

Eine fast vollständige Erblindung und der Mangel an eigenen Nachkommen veranlassten ihn, nach einer geeigneten Unterbringung für seine Sammlung zu suchen. Neben der Stiftung an die Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf überließ er den Großteil seiner Privatbibliothek deshalb 1789 der Universität Wittenberg. Dort überstand sie Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst unsichere Zeiten, als napoleonische Truppen die Stadt Wittenberg besetzten und die Universitätsbibliothek überstürzt geräumt werden musste. Eine Verlegung des Bestandes nach Dresden gelang nicht rechtzeitig vor Beginn der Befreiungskriege 1813, sodass die Ponickau-Sammlung zwischengelagert werden musste und erst nach dem Krieg wieder zurück nach Wittenberg gebracht werden konnte. Mit den folgenden territorialen Verschiebungen wurde auch der Verbleib der Ponickau-Sammlung neu geregelt. Da die Universitäten in Wittenberg und Halle zusammengelegt wurden, zog die Ponickau-Sammlung nach Halle um und ist dort heute als Sondersammlung Bibliotheca Ponickaviana ein bedeutender Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt.

Namenszug von Johanna Sophia von Ponickau in einem Spener’schen Gebetbuch. Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Durch die Provenienzangaben ist der Bestand der Kirchenbibliothek zu Röhrsdorf auch Ausdruck ponickauischer Familiengeschichte. Denn Besitzvermerke in etwa 70 Exemplaren – manchmal sind sogar mehrere Vorbesitzer zu identifizieren – weisen auf die verwandtschaftlichen Verzweigungen der Familie von Ponickau mit der sächsisch-meißnischen Adelsfamilie von Miltitz und mit der Familie von Löschbrandt hin. So vermerkte zum Beispiel Johanna Sophia von Ponickau, eine Tante Johann Augusts, die 1701 in die Familie von Miltitz einheiratete, ihren Namen handschriftlich in einem mit Goldschnitt und verzierten Schließen versehenen Gebetbuch. Die evangelischen Gebetbücher dienten der privaten Erbauung, was auch eine Erklärung dafür sein kann, dass etwa ein Viertel dieser Besitzvermerke aus dem Umfeld der Familie von Ponickau in Gebetbüchern auftritt. Diese Bücher waren für den Gebrauch bestimmt und überdauerten daher nicht immer Jahrhunderte. Eine vollständige Erfassung aller Ausgaben aus dem 17. Jahrhundert ist kaum möglich und jeder Nachweis ein Gewinn.

Ein Kooperationsprojekt wie dieses lebt von guter Zusammenarbeit und Unterstützung vor Ort: Unser Dank gilt Pfarrer Christoph Rechenberg und Holger Reichmann, die mit ihrem Engagement und den geleisteten Vorarbeiten dieses Projekt erst möglich gemacht haben.

Embleme christlicher Tugenden in Johann Arndts Paradiesgärtlein (1686). Kirchenbibliothek der St. Bartholomäuskirche Röhrsdorf. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Frischer “Wind in den Weiden”

Gesprächsabend mit Sebastian Meschenmoser

Am 11. September 2017 lädt die Staatsbibliothek zu Berlin in Kooperation mit dem internationalen literaturfestival berlin zu einem spannenden Gesprächsabend mit dem Künstler, Illustrator und Kinderbuchautor Sebastian Meschenmoser!

Die von ihm illustrierte Neuausgabe des Kinderbuchklassikers Der Wind in den Weiden wird an diesem Abend erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zudem berichtet Sebastian Meschenmoser anhand seiner erst jüngst erschienenen Märchenadaption Die verflixten sieben Geißlein über die Arbeit als Autor und Illustrator und gibt anschließend beim Live-Zeichnen ein praktisches Beispiel seiner Kunst.

Flankiert wird der Abend durch eine attraktive kleine Ausstellung, welche die seltene Gelegenheit bietet, Meschenmosers Illustrationen zu beiden Büchern im Original zu betrachten. Eine Auswahl unterschiedlicher Ausgaben von Kenneth Grahames Kinderbuchklassiker ermöglicht außerdem einen Überblick darüber, wie andere Künstler zuvor mit dem Werk umgegangen sind, und bietet interessante Vergleichsmöglichkeiten.

Die Veranstaltung findet um 18.00 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Potsdamer Straße 33 (Berlin-Tiergarten) statt.

Sebastian Meschenmoser: Herr Eichhorn und der Mond (2009).

Über den Künstler

Sebastian Meschenmoser wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Sein Studium der Freien Bildenden Kunst absolvierte er von 2001 bis 2007 an der Akademie für Bildende Künste in Mainz und an der École Nationale Supérieure d´Art in Dijon. 2007 erhielt er sein Diplom in Mainz.

Die verflixten sieben Geißlein, gerade erst im Juli veröffentlicht, sind bereits Meschenmoser elftes eigenes Werk. Zudem stammen die Zeichnungen für den Band Henkerslos: Ein Märchenbrevier von Ingo Schulze und Christine Traber aus seiner Feder. Und mit dem Titel Der Wind in den Weiden erscheint nun ein weiteres Buch, welches von ihm illustriert wurde.

Sebastian Meschenmoser: Gordon und Tapir (2014).

Zwei Werke Sebastian Meschenmosers gelangten bereits auf die Liste der für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Bilderbücher: Herr Eichhorn und der Mond (2007) sowie Gordon und Tapir (2015). Zudem wurde der Künstler 2008 im Rahmen des Kulturförderpreises des Landkreises Wittlich mit dem Silbernen Pinsel ausgezeichnet.

Eine Auswahl von Gemälden Sebastian Meschenmosers kann noch bis zum 22. Oktober 2017 in der Ausstellung Sets im Museum Wiesbaden bewundert werden.

Sebastian Meschenmoser lebt und arbeitet in Berlin.

 

Text: Salome Berhanu