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Luther In Worms: „Ich kann und will nicht widerrufen“

Ein Schlüsselereignis der Reformation in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“

Luther verbrennt die Bannbulle (Kinderbuch von 1830). Lizenz CC-BY-NC-SA

Luther verbrennt die Bannbulle (Kinderbuch von 1830). Lizenz CC-BY-NC-SA

Die rasante Verbreitung von Martin Luthers 95 Thesen und vor allem seines “Sermon von Ablass und Gnade” machte den Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie unausweichlich. Als Reaktion auf die Thesen erfolgte im August 1518 das Verhör Martin Luthers durch Kardinal Thomas Cajetan auf dem Reichstag in Augsburg, im Juni 1520 die Androhung des Kirchenbanns durch Papst Leo X. Luther verbrannte diese Bulle des Papstes zusammen mit scholastischen und kanonistischen Schriften am 10. Dezember vor den Toren Wittenbergs – die Vollstreckung des Banns folgte im Januar 1521. Vor dem Reichstag in Worms sollte Luther noch im gleichen Jahr seine Lehren widerrufen, doch er blieb bei seiner Überzeugung und trotzte Kirche und Reich. Kaiser Karl V. verhängte über ihn die Reichsacht und verbot die Lektüre aller lutherischen Schriften. Auf der Rückreise nach Wittenberg ließ Kurfürst Friedrich der Weise den nun vogelfreien Luther „überfallen“ und auf der Wartburg bei Eisenach in Sicherheit bringen.

Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521

Fast drei Monate nach der Eröffnung des Reichstags zu Worms wurde auch die Causa Lutheri verhandelt: Am 17. April 1521 stand der bereits als Häretiker verurteilte und mit dem Kirchenbann belegte Luther vor dem Reichstag zu Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmalig zum Widerruf aufgefordert.

Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte Martin Luther mit der hier gedruckten Begründung ab: „dieweil mir mein gewissen begriffen ist inn den worten gottes, so mag ich, noch will kain wort nit Corrigiern oder widerrueffen, dieweyl wider das gewissen beschwärlich und unhaylsam zu handlen, auch geferlich ist.“ Nur wenn er direkt mit den Worten der Heiligen Schrift des Irrtums überführt werden könne, wäre er zum Widerruf bereit. Und mit den Worten „Got kumm mir zuhülf. Amen. Da bin ich“ wendet sich Luther zum Gehen. Das zu dieser Schlüsselszene oft zitierte Lutherwort „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“ findet sich in dieser Form erst auf einem Holzschnitt aus dem Jahre 1557.

Luthers Stellungnahme am zweiten Tag. Lizenz CC-BY-NC-SA

Luthers Stellungnahme am zweiten Tag. Lizenz CC-BY-NC-SA

Die Folge der Weigerung Luthers war das Wormser Edikt, in dem die Reichsacht über ihn verhängt wurde. Durch einen Schutzbrief wurde Luther noch für 21 Tage freies Geleit zugesichert, danach galt er als „vogelfrei“.

Der in Augsburg erschienene Druck gibt das Verhör Luthers in der deutschen Übersetzung von Georg Spalatin wieder und enthält ein auf 1521 datiertes Porträt Martin Luthers, das ihn mit einem aufgeschlagenem Buch – vermutlich der Bibel – und noch mit der Tonsur und in der Kutte der Augustinereremiten zeigt. Auf eine insgesamt hastige Herstellung dieses “Berichts aus Worms” dürfte der extrem schräg geratene Abdruck in unserem Exemplar hindeuten.

Vom 3.2. bis 2.4.2017 können Sie dieses und viele weitere Objekte zu Luthers Auftritt in Worms selbst bei uns in der Staatsbibliothek in Augenschein nehmen.

Johann Sebastian Bachs Autograph zum Reformationsfest 1725

Unser Highlight zur Kirchenmusik in der Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda”

Ein Beitrag von Roland Schmidt-Hensel

Johann Sebastian Bach. Kupferstich von August Weger (um 1865), nach einem 1746 entstandenen Gemälde von Elias Gottlob Haußmann. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach. Kupferstich von August Weger (um 1865), nach einem 1746 entstandenen Gemälde von Elias Gottlob Haußmann. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist im kollektiven Bewusstsein als die „in Musik gegossene Stimme des Luthertums“ fest verankert. In der Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda” vom 3.2. bis zum 2.4.2017 präsentieren wir an prominenter Stelle des Themenbereichs Kirchenmusik eine eigenhändige Komposition Bachs.

Bachs Schaffen bildet den Kulminationspunkt einer Entwicklungslinie lutherischer Kirchenmusik, die schon bald nach Luthers Thesenanschlag ihren Ausgang genommen hatte. Seit Mitte der 1520er Jahre beschäftigte sich der Reformator intensiv mit der Neuorganisation städtischer Schulen und der ihnen zugeordneten Kantoreien, die in den folgenden Jahrhunderten zu wichtigen Trägern der lutherischen Kirchenmusik werden sollten. Als „Urkantor“ gilt Luthers musikalischer Berater Johann Walter, der 1526 in Torgau eine Stadtkantorei begründete und wenige Jahre später zum Lehrer und Kantor am dortigen Gymnasium berufen wurde.

Wie Walter, so war auch Johann Sebastian Bach während seiner von 1723 bis zu seinem Tode 1750 währenden Amtszeit als Leipziger Thomaskantor zugleich Musiklehrer an der Thomasschule. Zu Bachs Aufgaben gehörte es ferner, mit dem Thomanerchor und den Stadtmusikern die Gottesdienste in der Thomaskirche musikalisch auszugestalten. Außer in Fastenzeiten gelangte hierbei allwöchentlich eine Kantate zur Aufführung. In seinen ersten beiden Amtsjahren (Trinitatis 1723 bis Trinitatis 1725) schuf Bach zwei fast vollständige Jahrgänge mit Kantaten zu allen Sonn- und Feiertagen, die rund die Hälfte aller überlieferten 200 Kirchenkantaten aus seiner Feder ausmachen. In späterer Zeit, als Bach vermehrt auf eigene bereits vorhandene Werke sowie auf fremde Kompositionen zurückgriff, verlangsamte sich der Schaffensrhythmus deutlich.

Johann Sebastian Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79. Autograph, S. 1. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79. Autograph, S. 1. Lizenz CC-BY-NC-SA

Die Kantate „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ entstand zum Reformationsfest 1725 und ist die einzige Kantate Bachs zu diesem Anlass, deren Autograph erhalten ist. Eine weitere Bach-Kantate zum Reformationsfest („Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 80) ist nur in späteren Abschriften überliefert, darunter eine Handschrift von Bachs Schwiegersohn Johann Christoph Altnickol.

Bachs Schlussformel SDG = Soli Deo Gloria. Lizenz CC-BY-NC-SA

Bachs Schlussformel SDG = Soli Deo Gloria. Lizenz CC-BY-NC-SA

Anders als diese Kantate, die einen der bekanntesten Choräle Martin Luthers verarbeitet, rekurriert BWV 79 textlich nicht direkt auf Luther, sondern thematisiert ausgehend von dem Psalmvers „Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. Der Herr gibt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen“ (Ps 84,12) allgemein den Schutz Gottes für seine Kirche. Dem festlichen Anlass entsprechend ist das Orchester außer mit Streichern und Holzbläsern auch mit zwei Hörnern und Pauken besetzt.

Der Kopftitel des Autographs „J.J. Festo Reformationis. Gott der Herr ist Sonn und Schild.“ beginnt mit der für Bach typischen Anrufungsformel „J[esu] J[uva]“ (Jesus, hilf!). Am Ende des Werkes findet diese zu Beginn geäußerte Bitte um gutes Gelingen ihr Gegenstück in der Formel „S[oli] D[eo] G[loria]“ (Gott allein [sei] Ehre).

95 oder 87? Martin Luthers Disputationsthesen zur Klärung der Kraft der Ablässe

Nur in der Berliner Stabi: Alle drei Thesendrucke des Jahres 1517 in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“!

Am Abend vor Allerheiligen 1517 soll der Theologieprofessor Martin Luther 95 Thesen zu Ablass und Gnade an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben. Am 31.10., dem Reformationstag, gedenken deshalb die evangelischen Christen dieses folgenreichen Thesenanschlags, der im historischen Bewusstsein als Beginn der Reformation fest verankert ist. Die Vorbereitungen zum 500. Reformationsjubiläum treten auch an der Staatsbibliothek jetzt in die heiße Phase: Vom 3.2. bis 2.4.2017 präsentiert die Staatsbibliothek 95 herausragende Objekte zur Reformationsgeschichte aus ihren Sammlungen. Als kleine Appetizer stellen wir Ihnen in unserem Ausstellungsblog ab sofort jede Woche eines unserer Ausstellungsstücke vor. Den Anfang machen dabei – wie könnte es anders sein! – Martin Luthers Thesen.

Martin Luthers revolutionäres Verständnis der Rechtfertigung allein aus der Gnade Gottes, die sich nicht durch eine Eigenleistung des Menschen erzwingen lässt, empfand er selbst als große Befreiung. Der florierende Handel mit dem Ablass, der für einen Geldbetrag den Erlass der Sündenstrafen zu garantieren schien, widersprach Luthers Auffassung diametral, und so wurden die vom Mainzer Erzbischof Albrecht unterstützten Auftritte des Ablasspredigers Johann Tetzel zum Anlass für den Wittenberger Theologen, im Oktober 1517 seine fundamentale Kritik in 95 Thesen zusammenzufassen, die er dem Erzbischof zuschickte. Gleichzeitig kursierten die Thesen in Martin Luthers Umkreis, sie wurden bereits 1517 in drei lateinischen Ausgaben gedruckt und vom gelehrten Fachpublikum rezipiert. 1518 verfasste Luther dann den auch für die breite Masse verständlichen deutschen „Sermon von dem Ablass und Gnade“. Das noch junge Druckverfahren sorgte zusammen mit einer allgemeinen sozialen Unzufriedenheit und politischen Reformbereitschaft für eine rasante Verbreitung der neuen Lehre. Entgegen Luthers ursprünglicher Absicht kam es so schließlich zur Kirchenspaltung und zu langanhaltenden konfessionellen Auseinandersetzungen.

Wohl auf der Grundlage der rasch bis nach Erfurt, Nürnberg, Augsburg und Ingolstadt verbreiteten Abschriften der Disputationsthesen zur Klärung der Kraft der Ablässe entstanden im Jahre 1517 bzw. um die Jahreswende 1517/1518 drei gedruckte lateinische Ausgaben: Die Leipziger Offizin von Jakob Thanner und der Nürnberger Drucker Hieronymus Höltzel produzierten jeweils Plakatdrucke der Thesen mit zweispaltigem Druck. Von beiden Ausgaben sind heute nur noch insgesamt sieben Exemplare bekannt – die Überlieferungschance eines einzelnen Blattes war ohnehin eher gering, die über das aktuelle Geschehen hinausreichende weltgeschichtliche Bedeutung erst im Entstehen. Mit über zwanzig Exemplaren deutlich häufiger erhalten blieb dagegen die dritte 1517 erschienene lateinische Ausgabe der 95 Thesen, der auf vier Blättern im Quartformat produzierte Baseler Druck von Adam Petri, der nun auch erstmals ein eigenes Blatt mit dem Titel „Disputatio D. Martini Luther theologi, pro declaratione virtutis indulgentiarum“ voranstellt.

Aber waren es wirklich 95 Thesen? Vergleicht man die drei Ausgaben der 95 Thesen im Detail, so fallen die jeweils unterschiedlichen Zählweisen ins Auge. Der Leipziger Plakatdruck ist der einzige, bei dem eine fortlaufende arabische Zählung beabsichtigt war. Unklarheiten in der Vorlage und besondere Eile bei der Fertigstellung mögen der Grund für eklatante Fehler in der Zählung sein: 42 statt 24, nach 26 wird mit 17 weitergezählt und gleich zweimal erhielt der zweite Teil einer These eine eigene Zählung (These 55 gezählt als 45 und – am Beginn des zweiten Satzes – 46 sowie These 83 als 74 und – hier mitten im Satz – 75). So kommt der Druck am Ende auf 87 Thesen. Diesen Fallstricken geht der Nürnberger Drucker Höltzel aus dem Weg, indem hier dreimal bis 25 und einmal bis 20 gezählt wird – auch hier arabisch, zusätzlich ist der Beginn jeder These mit einer Absatzmarke bezeichnet. Adam Petri in Basel wählte ebenfalls diese Variante, allerdings benutzte er römische Zahlen: i-xxv, i-xxv, i-xxv, i-xx.

 

Die drei Ausgaben von Luthers Thesen mit dem Druckjahr 1517 stellen wir ins Zentrum unserer Jubiläumsausstellung: Das 2015 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommene Exemplar des Nürnberger Plakatdruckes zusammen mit dem Exemplar des Leipziger Plakatdruckes aus dem Besitz des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz und auch den Baseler Quartdruck. So können Sie im Original selbst noch einmal nachzählen!

Nürnberger, Leipziger und Baseler Druck

Nürnberger, Leipziger und Baseler Druck

Hänsel, Gretel und Zeitgeist. Werkstattgespräch zu Märchenopern am 20.10.

Wissenswerkstatt
Hänsel, Gretel und Zeitgeist. Märchenopern als Spiegel ihrer Entstehungszeit
Werkstattgespräch mit Dr. Beata Kornatowska, Adam-Mickiewicz-Universität Poznań, Polen,
2015 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK
Donnerstag 20. Oktober 2016
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Oper bevorzugt bekannte Stoffe, daher stellen Märchen für sie ein dankbares Objekt dar. Oft beschränken sich die Verfasser von Adaptionen, Librettisten und Komponisten nicht auf die bloße Anpassung der Vorlage an die spezifischen Anforderungen der Opernform, sondern benutzen sie als Projektionsfläche für aktuelle oder persönlich relevante Inhalte. So entstehen Interpretationen, die vom Zeitgeist und von künstlerischer Individualität geprägt sind: Dieselbe Märchenvorlage erscheint z.B. einmal im Gewand des dämonischen Pathos (Undine von E. T. A. Hoffmann), ein anderes Mal in biedermeierlicher Alltagskleidung (Undine von Albert Lortzing). An einigen Beispielen aus der deutschen Operngeschichte (Werke von E. T. A. Hoffmann, Albert Lortzing, Engelbert Humperdinck, Siegfried Wagner, Alexander von Zemlinsky) wird im Vortrag gezeigt, wie sich geistige und ästhetische Tendenzen der Entstehungszeit in den Opernwerken spiegeln, wie Märchenstoffe und Märchenfiguren gleich Schiefertafeln neu beschrieben, mit einer komischen, ironischen, psychologischen oder zeitkritischen Dimension versehen werden.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Wikipedia-Workshop am 19.7.

Workshop
Berliner Geschichte in der Wikipedia – in wenigen Schritten zum Artikelschreiben

Dienstag, 19. Juli
16.30 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten (15 Plätze verfügbar)

In Deutschlands und der Welt meistgelesener Online-Enzyklopädie finden sich mehrere Hundert Seiten zur Geschichte Berlins – in unterschiedlicher Qualität. Doch was bedeutet und wie bewirkt man „Qualität“ in diesem Wiki? Wie werden Artikel verbessert und wie überhaupt angelegt? Diese und weitere Fragen werden im Workshop konzentriert angegangen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer sich bei Wikipedia kostenfrei und gern auch unter selbst gewähltem Pseudonym registrieren und sodann unter Anleitung erste Artikelbearbeitungen vornehmen. Voraussetzung für die Teilnahme sind lediglich einfache PC-Anwenderkenntnisse und die besagte Anmeldungsbereitschaft.

Aufgrund der starken Nachfrage bieten wir voraussichtlich im Herbst einen weiteren Termin an. Bei Interesse schreiben Sie uns bitte unter fachinfo.

 

Zur Wissenswerkstatt

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Verein Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. und dem Verein für die Geschichte Berlins.

Werkstattgespräch zu Wilhelm I. & dem politischen Gefüge des Kaiserreichs am 21.6.

Wissenswerkstatt
Monarchical rule and political culture in Imperial Germany – the reign of William I
Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Frederik Frank Sterkenburgh
Department of German Studies – The University of Warwick,
2016 Stipendiat im Stipendienprogramm der SPK

Dienstag, 21. Juni
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

This Werkstattgespräch will use the dedication of the Cologne Cathedral in October 1880 to illustrate some of the practices with which German Emperor William I (1797-1888) exercised his monarchical role. Historical assessments of William still revolve around the idea that he was a reluctant German Emperor, content with remaining a King who epitomized Prussian virtues and consistently overruled by chancellor Otto von Bismarck. Such judgments easily overlook to what extent William was a political actor in his own right and a key figure in the operating of the Hohenzollern monarchical system. The 1880 Dombaufeier can demonstrate how William was part of the Empire’s political decision making process, projected his understanding of the Empire in public, drew on particular historical narratives to legitimize his reign and positioned himself in the Kulturkampf. In this manner, William can be placed squarely in the historical context and political culture of the early German Empire.

Poster zur Veranstaltung
Alle Termine der Wissenswerkstatt

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Im SPK-Magazin zur Einheit: Die Freiheit, jedes Buch lesen zu können

Das neue SPK-Magazin erscheint anlässlich des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung der Sammlungen des preußischen Kulturbesitzes. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die historischen Ereignisse miterlebt haben, erzählen darin ihre Geschichte. Günter Baron berichtet über die ‘wunderbar anarchische Zeit’ in den Tagen nach dem Mauerfall in der Staatsbibliothek Peußischer Kulturbesitz Berlin, heute Haus Potsdamer Straße der vereinigten Staatsbibliothek.

Das SPK-Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


 

Günter Baron

Geboren 1938 in Neudeck in Schlesien

Von 1979–2001 Ständiger Vertreter des Generaldirektors der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin (West), ab 1992 der vereinigten Staatsbibliothek zu Berlin.

 

Als die Wende kam, war zunächst einmal nur Überwältigung da. Und zwar eine allgemeine, eine politische Überwältigung: Dass auf einmal Realität wird, woran ich zwar geglaubt hatte, aber nicht, dass ich es selbst noch erleben würde! Am Tag nach der Maueröffnung ging ich abends von der Villa von der Heydt den Landwehrkanal entlang zur Staatsbibliothek und überholte ein Ehepaar. Die beiden machten den Eindruck, als hätten sie sich verirrt. Ich habe sie angesprochen und tatsächlich: Sie stammten aus Halle und waren mit ihrem kleinen Kind nach Berlin gekommen, um das Gefühl der Freiheit auf dem Kudamm zu erleben. Sie waren aber zunächst in einer Neuköllner Kneipe gelandet, hatten dort ihr Kind in Verwahrung gegeben und sind dann zu Fuß von Neukölln zum Kurfürsten-damm gelaufen und waren jetzt auf dem Rückweg. Ich habe sie mitgenommen bis zur Staatsbibliothek und dann sind wir in meinem Auto nach Neukölln gefahren, um ihr Kind abzuholen. Das war das erste persönliche Erlebnis: Leute kommen aus Halle nach Berlin, nur um einmal über den Kurfürstendamm zu spazieren!

Zwei, drei Tage später schon setzte der Ansturm in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße ein. Bis zu 300 Besucher „aus dem Osten“ standen morgens vor dem Haus. Wenn der Hausmeister um 9 Uhr die Eingangstüren öffnete, schallte der Ruf durch die große Eingangshalle: Achtung, sie kommen! Und dann trat er beiseite und das Volk stürmte herein. Wir mussten uns schnell über-legen, wie wir mit all diesen Menschen umgehen. Wir haben dann eine Extra-Erstauskunft in der Eingangshalle eingerichtet, um die immer wieder gestellten Fragen zu beantworten: „Wie kann ich die Bibliothek benutzen?“ „Darf ich denn hier einfach rein?“ „Kann ich jedes Buch bekommen?“ Das waren die Leute aus den Bibliotheken der DDR nicht gewohnt. Dieses Erlebnis, Selbstverständliches zu sagen, aus unserer Sicht Selbstverständliches, das war überwältigend: „Ja, Sie können hier einfach durchgehen.“ „Ja, Sie können in den Lesesaal gehen, da stehen 160.000 Bände aus allen Fachgebieten frei zugänglich aufgestellt.“ „Ja, Sie können an die Regale gehen und sich aussuchen, was Sie wollen.“ „Wenn Sie Bücher ausleihen wollen, können Sie sich da drüben eine Benutzerkarte ausstellen lassen; Ausleihbeschränkungen gibt es nur aus konservatorischen Gründen, dann bekommen Sie das Buch nur im Lesesaal ausgehändigt.“ Häufig war fast ungläubiges Staunen zu bemerken, dass die Einsicht in alle vorhandenen Bücher ohne spezielle „Berechtigung“ möglich war. Man hat da erst gemerkt, was Informationsfreiheit bedeutet. Ich habe an dieser Erstauskunftsstelle natürlich auch gesessen. Und auch der Generaldirektor Richard Landwehrmeyer. Nach telefonischer Absprache mit dem Präsidenten Professor Werner Knopp hatten wir das „Wohnsitzprinzip“ West-Berlin für die Buch-Ausleihe aufgehoben. Jeder, der einen Personalausweis vorlegte, egal ob aus dem Osten oder Westen, konnte Bücher ausleihen, und bis Ende Februar 1990 hatten wir 8.000 neu eingetragene Benutzer. Die ja nur vom Stiftungsrat zu beschließende Benutzungsordnung wurde erst viel später geändert: Es war eben in vielen Bereichen eine wunderbar anarchische Zeit.

An eine Wiedervereinigung mit der Deutschen Staatsbibliothek Unter den Linden haben wir zunächst gar nicht gedacht. Im Vordergrund stand die praktische bibliothekarische Zusammenarbeit und die kam auch sehr schnell und unbürokratisch in Gang. Dann haben wir Pläne für eine Konföderation der beiden Bibliotheken durch ein Verwaltungsabkommen gemacht. Doch nach und nach wurde immer deutlicher, dass es zu einer echten Wiedervereinigung der beiden Nachfolgeeinrichtungen der 1945 untergegangenen Preußischen Staatsbibliothek kommen würde, einer „Bibliothek in zwei Häusern“.

Wir waren in der Generaldirektion davon überzeugt: Damit wir schnell wirklich eine Bibliothek werden können, müssen wir die Mitarbeiterschaft mischen, um das kollegiale Miteinander zu erleichtern. Aber leider kam dann die Bestimmung, dass die Bezahlung unterschiedlich sein würde, daran scheiterte dieser Plan. Und dadurch verfestigte sich auch das Eigenbewusstsein der beiden Häuser wieder. Um die Konzeption für die „Bibliothek in zwei Häusern“ ist hart und insbesondere auf westlicher Seite sogar polemisch gerungen worden. Als es darum ging, die Bestände und Abteilungen zu vereinigen und historische Literatur von der Potsdamer Straße ins Haus Unter den Linden zu überführen, gab es von einigen Gruppen große Widerstände. Es gab Flugblätter gegen die Generaldirektion, aber letztendlich bestätigte der Stiftungsrat die Konzeption der Historischen Forschungsbibliothek Unter den Linden und der Modernen Forschungsbibliothek an der Potsdamer Straße. — AS

Begleitprogramm zur Ausstellung “Im fremden Land”

Montagskino im November und Dezember

Begleitend zur Kabinettausstellung »Im fremden Land. Publikationen aus den Lagern für Displaced Persons«, die Einblicke in die Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz gibt, zeigt das Jüdische Museum Berlin Filme zur Situation der Überlebenden der Konzentrationslager – unmittelbar nach der Befreiung der Lager, auf dem illegalen Weg nach Palästina, sowie zu den  Nachwirkungen der Traumatisierung in der israelischen Nachkriegsgesellschaft.

Das Filmprogramm finden Sie hier auch als PDF zum Download.

Weitere Informationen zu Ausstellung und Begleitprogramm im Jüdischen Museum finden Sie unter www.jmberlin.de/displaced-persons

 

23. November 2015, 19.30 Uhr

German Concentration Camps Factual Survey

UK 1945/2014, 88 min., Dokumentarfilm, englische Originalversion

Im Jahr 1945 dokumentierten Soldaten und Kameramänner im Auftrag des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte die deutschen Gräueltaten und Konzentrationslager. Der daraus entstandene Film sollte nach dem Ende der NS-Herrschaft deutschen Zivilisten und Kriegsgefangenen vorgeführt werden.

Produzent Sidney Bernstein versammelte im Britischen Informationsministerium ein Team von bekannten Filmemachern, darunter Stewart McAllister und Peter Tanner, Colin Wills und Richard Crossman sowie Alfred Hitchcock als Drehbuchberater. Es stellte sich als schwierig heraus, einen Film über ein solch komplexes und schwieriges Thema zu machen, sodass der Film nicht rechtzeitig fertig gestellt wurde. Im September 1945 hatten sich die Prioritäten der Briten von der Entnazifizierung zum Wiederaufbau verschoben und das Filmprojekt verschwand in der Schublade.

Das Imperial War Museum hat das Filmmaterial über fünf Jahre aufwendig digital restauriert und um die sechste und letzte Filmrolle ergänzt. Der Film konnte 2014 nach den Aufzeichnungen des ursprünglichen Produktionsteams von 1945 abgeschlossen werden und ist nun erstmals in voller Länge zu sehen.

Toby Haggith, Senior Curator (Imperial War Museum) und Leiter der Restaurierung von »German Concentration Camps Factual Survey«, ist zu Gast und spricht im Anschluss mit der Programmdirektorin Cilly Kugelmann über seine Arbeit an dem Film.

 

30. November 2015, 19.30 Uhr

The Illegals

USA/Israel (Palästina) 1947/48, 72 min., Regie: Meyer Levin, Doku-Drama, englische Originalversion

Die Jahre zwischen der Befreiung der Vernichtungslager und der Staatsgründung Israels sind die Zeit der organisierten Fluchtbewegung Richtung Palästina, der »Bricha«. Auf illegalen Schiffen wie der »Exodus 47« hoffen die »Displaced Persons«, Überlebende der Konzentrationslager, ihr Ziel zu erreichen. In dieses Spannungsfeld begeben sich im September 1947 der amerikanische Journalist Meyer Levin und Tereska Torres. Als Regisseur und Schauspielerin begleiten sie auf Routen der Bricha Gruppen von Flüchtlingen. Der Film »The Illegals« hält die Bilder und Hoffnungen dieser Reise fest.

Mit freundlicher Genehmigung des Steven Spielberg Jewish Film Archive

Im Anschluss:

Displaced Persons

»Displaced Persons«, Israel 1979, ca. 48 Min., Regie: Igal Bursztyn. Dokumentarfilm, englische Originalversion

Gegen Ende des Jahres 1947 macht sich das Schiff »SS Unafraid« mit mehreren hundert jüdischen Flüchtlingen an Bord von Italien aus auf den Weg nach Palästina. Der Dokumentarfilm zeigt die bewegende Reise.

Mit freundlicher Genehmigung des Israel Film Service

Mit einer Einführung von Tamar Lewinsky, Kuratorin für Zeitgeschichte

 

7. Dezember 2015, 19.30 Uhr

Aviyas Sommer / Ha-Kayitz Shel Aviya

Israel 1988, ca. 95. Min., Regie: Eli Cohen, Drama, Hebräisch mit deutschen Untertiteln

In den Sommerferien 1951, kurz nach der Gründung Israels, besucht die zehnjährige Aviya ihre depressive Mutter Henya in einem kleinen Dorf bei Tel Aviv. Henya hat im Zweiten Weltkrieg in einem KZ die Schoa überlebt und ist nach der Befreiung nach Israel emigriert. Ihre Vergangenheit kann sie, gerade erst aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, noch immer nicht verarbeiten. Mutter und Tochter stoßen in dem kleinen Dorf auf das Unverständnis der Einheimischen, werden verspottet.

Im Anschluss Gespräch mit Cilly Kugelmann, Programmdirektorin

 

WO Jüdisches Museum Berlin, Altbau EG, Auditorium

EINTRITT frei

ANMELDUNG   erbeten unter Tel. 030 259 93 488 oder per E-Mail an reservierung@jmberlin.de

Unsere Blog-Nachricht zur Ausstellung:
http://blog.sbb.berlin/ausstellung-im-juedischen-museum-sammlung-der-staatsbibliothek-displaced-persons-3-9-15-12-2015/

 

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Workshop zur DDR-Geschichte am 15.10.

Workshop
“Von Ausreiseantrag bis Zentralkomitee DDR Geschichte online – das Portal DDR- Presse sowie Quellen, Fakten, Archive und Aufarbeitung”

Donnerstag, 15. Oktober
17.00 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: Eingangshalle (I-Punkt)

In diesem Workshop stellen wir Ihnen verschiedenste Online-Quellen zur DDR-Geschichte vor. Einen Schwerpunkt bildet die Einführung in unser Portal „DDR-Presse“, das die Volltextrecherche in drei DDR-Tageszeitungen über mehr als 40 Jahren ermöglicht. Danach lernen sie verschiedene Online-Quellen kennen – von Statistiken über interne Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit bis zu illegal im Samisdat veröffentlichten Zeitschriften.

Wir zeigen Ihnen, wie sie thematische und biographische Informationen finden und welche Archive sie nutzen können. Und wir informieren Sie über verschiedenste thematische Portale – vom Nationen Verteidigungsrat über Jugendopposition und Punk bis zum Möbeldesign.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt