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Bildausschnitt: Aquarell Breslau, Zuchthaus. Aus: Stridbeck, Johann: Skizzenbuch : Ms. boruss. qu. 9a , 1691 - Staatsbibliothek zu Berlin - PK

Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel: Werkstattgespräch am 1.11.

Wissenswerkstatt

“… höchst talentvolle Improvisatoren ihres Lebens …“ – Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel

Werkstattgespräch mit Dr. Agata Czarkowska,
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 1. November 2017
18.15 Uhr
Haus Unter den Linden
Konferenzraum 4
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine ein Künstler, Erfinder, Dichter, der immer wieder etwas Neues geschaffen hat, aber auch immer wieder spektakulär gescheitert ist. Der andere ein akribischer Wissenschaftler und Germanist mit der Seele eines Rabauken. August Kopisch und Wilhelm Wackernagel. Ein gemeinsamer Punkt? Fehlanzeige, würde man auf den ersten Blick rufen. Kopisch, der als Maler Karriere machte, bereiste Mitte des XIX. Jahrhundert die italienische Küste, gilt sogar als Entdecker der sogenannten Blauen Grotte (Grotta Azzurra). Wackernagel wurde zu einem der etabliertesten Schweizer Professoren. Doch wer tiefer gräbt, findet immer etwas: Breslau. Die Stadt „am Rande des Reiches, fern von gebildeten Menschen…“, wie man in Reisetagebüchern vor 300 Jahren schrieb, nimmt tatsächlich einen wichtigen Platz in den Lebensläufen der beiden ein. Die Herren haben in der Breslauer Zeitung Rezensionen und Streitbriefe veröffentlicht, waren rege Akteure des Breslauer Vereinswesens, mit Mitgliedschaften in der sogenannten Zwecklosen Gesellschaft oder dem Breslauer Künstlerverein. In dem Vortrag wird versucht, den Bildungs- und künstlerischen Weg der beiden zu rekonstruieren, und zwar mit spezifischem Blick auf die Stadt, die 2016 Kulturhauptstadt Europas war.

 

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

© Leiden University Libraries, Or. 6980

Texts of records, records of texts – Werkstattgespräch zur Handschrift Ms. Leiden Or. 6980 am 25.10.

Wissenswerkstatt

Texts of records, records of texts – Ms. Leiden Or. 6980

Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Dr. Anne Regourd (University of Copenhagen),
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 25. Oktober 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Ms. Leiden Or. 6980, an item of the Christiaan Snouck Hurgronje collection, is a remarkable manuscript from several points of view. It was brought to the University Library of Leiden in 1936. Its paper, a product from the well-known Galvani mills in Friuli (Italy), has not previously been recorded, but nonetheless defines a terminus a quo for its production. The text of Or. 6980 is equally interesting. It lists the texts of 133 sung poems, each with the name of a singer and some musical instruments, all of it in a document which was produced before 1936. Some of these poems can be connected to an exceptional collection of songs recorded on wax cylinders commissioned by C. Snouck Hurgronje. But it is the text edition of ms. Or. 6980 that reveals the many mutations of these texts since their origin.

 

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Stipendienprogramm seit 2009 – ein Rückblick

Der 10. Jahrgang im Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht an der Staatsbibliothek unmittelbar bevor; die bei solchen Gelegenheiten übliche Rückschau gibt es – wie jüngst angekündigt – schon jetzt, während der 9. Jahrgang noch in vollem Gange ist.

Insgesamt gab es bisher 325 Bewerbungen. Im Schnitt sind das reichlich 36 pro Jahr, doch wie es häufig bei Durchschnittswerten so ist, entspricht ihm die Zahl der Bewerbungen in keinem Jahr auch nur annähernd: Entweder gingen deutlich über 40 oder knapp unter 30 Anträge ein, ohne erkennbare Tendenz. Die Internationalität manifestiert sich in den ca. 50 vertretenen Ländern: Das reicht alphabetisch von Ägypten bis Zypern, geographisch von Neuseeland über Thailand, Japan, China, Usbekistan, Saudi-Arabien, Kamerun, Marokko, ganz Europa bis in alle Teile Amerikas. Bei weitem die meisten Bewerbungen kommen dabei aus Europa: einzelne aus Ländern wie Belgien, Bulgarien, Litauen, Norwegen, mehrere bis viele aus Ländern von (nun wieder geographisch) Finnland bis Irland, jedes Jahr aus Großbritannien, Russland, Italien und Polen. Vergleichbar vertreten sind darüber hinaus nur die USA. Eine detaillierte Übersicht folgt hier nicht, denn genaue Zahlen würden wegen der besonders auch im wissenschaftlichen Bereich stark zunehmenden internationalen Mobilität keine exakte Anschauung geben: Der Wirkungs- und damit Wohnort wechselt zuweilen schneller, als das beantragte Stipendium angetreten sein kann, und entspricht in noch wesentlich mehr Fällen nicht dem Herkunftsland nach Geburt. Unter Berücksichtigung dieser und der Nationalitäten ergäbe sich ein noch bunteres Bild.

Von 2009 bis 2016 wurden an der Staatsbibliothek 55 Stipendien gewährt, 94 Monate Aufenthalt insgesamt finanziert. Ungefähr gleich häufig waren ein- und zweimonatige Stipendien, die maximal mögliche Stipendiendauer von 3 Monaten ist relativ selten. Das hat seinen Grund zum einen darin, dass nicht immer die volle beantragte Zeit gewährt wird, um mehr Personen eine finanzielle Förderung zukommen zu lassen. Zum anderen werden oft nur einzelne Monate beantragt – weil ein längerer Auslandsaufenthalt beruflich oder privat schwer zu organisieren wäre, oder auch, weil das Projekt schon so gut vorbereitet ist, dass vor Ort eine klar umrissene, innerhalb einer kurzen Frist zu realisierende Aufgabe geplant wird.

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: Kategorie A / B

24 Stipendien für Promovenden (Kategorie A) stehen 31 Stipendien für Promovierte (Kategorie B) gegenüber. Auch bei den Bewerbungen überwiegt Kategorie B deutlich. Das lässt sich leicht aus dem höheren Grad der Spezialisierung postdoktoraler und professoraler Forschung gegenüber der Promotion erklären, organisatorische Gründe kommen hinzu.

 

 

 

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016 nach Geschlecht

 

 

Eine andere Proportion mag überraschen: Bisher gab es 37 Stipendiatinnen und 18 männliche Stipendiaten. Auch bei den Bewerbungen liegt das weibliche Geschlecht vorn, allerdings nicht mit solch deutlichem Abstand, und nicht von Anfang an. Über Spekulationen hinausgehende Erklärungen kann ich für dieses Phänomen nicht finden; bibliothekspolitisch gewollt ist es jedenfalls keineswegs.

 

 

 

Die Forschenden kamen aus 18 verschiedenen Ländern; die meisten aus Polen (14), Italien (10), den USA (7), Großbritannien (5) und Russland(4):

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: Länderstatistik

 

Welche Materialien sind nun besonders gefragt?

Häufig die Bestände unserer Sonderabteilungen: Natürlich die unikalen Handschriften und Nachlässe. Spezielle Sammlungen wie Gesangbuch- und Librettosammlung, herausragende Sondermaterialien wie Inkunabeln, Flugschriften, historische Zeitungen und Karten. Spezielle Bereiche wie Mendelssohn-Archiv und Humboldt-Projekt. Großes Interesse gilt aber auch in besonderer Dichte vertretenen thematischen Segmenten des Hauptbestandes.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden Projekte zur Germanistik und zur deutschen Geschichte und Kultur im weiten Sinne. Das überrascht nicht; eher schon, dass sich unter den „Germanica“ eine in der DDR herausgegebene griechische Zeitschrift (Pyrsosbefindet, und dass die Germanistik bis zu einem digitalen Editionsvorhaben einer oberdeutschen handschriftlichen Überlieferung eines mittelniederländischen Textes reicht.

Einige weitere Beispiele aus dem breiten Spektrum behandelter Themen: Untersucht wurden u.a. graphische Gestaltungsprinzipien der preußischen topographischen Kartenwerke aus der Regierungszeit Friedrichs II., die Geschichte des deutschen Stadttheaters in Danzig 1801 – 1841, die Verbreitung der Kopernikanischen Revolution durch Kalender und Astrologie, die Rolle der nationalpolitischen Erziehungsanstalten im Dritten Reich, französisch-mongolische diplomatische Beziehungen im Hinblick auf eine Allianz gegen die muslimischen Staaten, Buchdesign und visuelles Erzählen in Bilderbüchern weltweit, burmesische Grammatiken des Pali, die Frage der Bestrafung von NS-Kriegsverbrechen und die polnische Exilregierung.

Alle Abteilungen der Staatsbibliothek hatten bereits stipendiatische Gäste. Die Verteilung der Betreuung auf die einzelnen Abteilungen stellt sich wie folgt dar:

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: betreuende Abteilung

So anschaulich dieses Diagramm ist, so unvollständig ist es doch in seiner Aussage. Unsichtbar bleiben die vielfältigen Interaktionen und Mehrfachnutzungen. Etwa durch die Dostojewski-Forscherin in der Osteuropaabteilung, die zur Untersuchung der ersten deutschen Gesamtausgabe des russischen Schriftstellers Exemplare auch im Rara-Bestand der Abteilung Historische Drucke und im Hauptbestand heranzieht und außerdem den Nachlass von deren Herausgeber Arthur Moeller van den Bruck in der Handschriftenabteilung konsultiert. Oder der Buchhistoriker, der die Herausbildung illustrierter Reiseführer von handschriftlichen Formaten über Inkunabeln bis zu Drucken ab dem 16. Jahrhundert neben der Handschriftenabteilung in der Abteilung Historische Drucke verfolgt und begleitend die Kartenabteilung aufsucht. Noch unerwarteter: Für eine Arbeit zu den Liedkompositionen Johanna Kinkels war nicht die Musikabteilung primäre Anlaufstelle, sondern die Zeitungsabteilung – auf Grundlage der zeitgenössischen Berliner und preußischen Presse sollte die Rolle der Komponistin und Dichterin in der Berliner Öffentlichkeit rekonstruiert werden. Begleitend wird in allen Fällen ein gut ausgebauter Hauptbestand mit Grundlagenwerken und spezialisierter Sekundärliteratur benötigt.

Eine Rolle kommt der betreuenden Abteilung dennoch zu: Sie stellt eine Kontaktperson zur fachlichen und organisatorischen Unterstützung ihres Schützlings, die bei der Kontaktaufnahme zu anderen Abteilungen und Institutionen hilft und – der wichtigste Beitrag zur Wahrnehmung der Stipendienaufenthalte in der Öffentlichkeit – ein Werkstattgespräch des Gastes im Rahmen der Wissenswerkstatt organisiert. Im Archiv der Wissenswerkstatt  sind die Ankündigungen mit Abstract auch späterhin enthalten. Nicht alle Stipendienprojekte lassen sich hier jedoch aufspüren, denn nicht immer gelingt es, solch ein Werkstattgespräch zu organisieren: sei es aufgrund eines nur kurzen Aufenthaltes, sei es wegen der Sommerpause in dieser Veranstaltungsreihe. In wenigen Fällen wird das Projekt in anderem Rahmen präsentiert: Ein besonders schönes Beispiel ist das der Klavierprofessorin, die Lieder des eher als Völkerrechtler bekannten Albrecht Mendelssohn Bartholdy zur Edition vorbereitete und diese zum Abschluss in einem Vortrags-Konzert der Mendelssohn-Gesellschaft kontextualisierte und zusammen mit einer Sängerin zu Gehör brachte.

Seit die SBB ein Blog betreibt, also seit Oktober 2015, hinterlässt das Stipendienprogramm auch hier seine Spuren: zum einen mit der Ankündigung von Werkstattgesprächen im Rahmen unserer Wissenswerkstatt, zum anderen durch die ersten Gastbeiträge von Stipendiaten zu ihren Forschungsprojekten. Wenn im Laufe der Zeit hier immer mehr dieser Beiträge entstehen, bekommen wir einen schönen Überblick über die im Rahmen des Stipendienprogramms beforschten Themen.

 

Grundsätzliches zum Stipendienprogramm finden Sie im Beitrag Researchers from all over the world welcome!

 

Termine

Ausschnitt Kriegskarte von Schlesien - Christian Friedrich von Werde | 2° Kart. N 15060-2, SBB-PK, CC bY-NC-SA 3.0

Tracing the past intra et extra muros. Werkstattgespräch am 16.11.

Tracing the past intra et extra muros. Transformations of historic towns in Silesia from the Frederician period to WWII. Werkstattgespräch am 16.11.

  • Veranstaltung

    Klicken Sie auf den obigen Link um sich weitere Veranstaltungen anzeigen zu lassen.

  • Termin

    Do 16. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



Ausschnitt Kriegskarte von Schlesien - Christian Friedrich von Werde | 2° Kart. N 15060-2, SBB-PK, CC bY-NC-SA 3.0


Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Monika E. Adamska (Opole University of Technology)
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Silesia is a region of Central Europe with a complex and multicultural history. Its borders and national affiliation have changed repeatedly over the centuries. In the Middle Ages Silesia was incorporated into the early Polish state, then divided into independent duchies. Subsequently the region became a part of the Bohemian Crown Lands, then of the Austrian Habsburg Monarchy. Most of Silesia was annexed by the Kingdom of Prussia in 1742, later becoming part of the German Empire and staying under German administration untill the end of WWII. Since 1945 Silesia has been located mostly in Poland, with small parts in the Czech Republic and Germany.

Most of Silesian towns were founded in the Middle Ages, mainly on the basis of German law, creating a regular system of the settlement network in the entire region. This unique process was a part of dynamic urbanization of the entire Europe. At that time about 120 new towns were chartered in Silesia. Basic features of their historic urban structures are: a plan determined by geometry, a checkered grid of streets, regular blocks of development and a centrally located market square. Churches, monasteries, castles and town halls along with the elements of city walls have made up the old towns’ unique skylines for centuries. Every Silesian historic town, despite certain repeatability, has a unique and individual character.

For the next centuries Silesian historic towns rather lasted undergoing changes, than simply developed, being experienced by fires, epidemics and wars. Their image first underwent complex changes in the Frederician period, special attention was then paid to modernization of fortified towns. At the beginning of the 19th century the towns, remaining so far within their city walls and fortification systems, started to evolve extra muros. The industrial revolution connected most of the towns to railway network, which fostered the development of local industry. The urban landscape of Silesian towns was enriched by new streets and squares designated, public buildings erected and parks set up.  The interwar period, closing the scope of analysis,  was characterized by intensive development of housing to meet the needs of growing urban population.

This lecture is based on the research conducted during a grant of Prussian Cultural Heritage Foundation at the Map Department of the Berlin State Library in July 2017.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.
Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

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