• BLOG-NETZWERK FÜR FORSCHUNG UND KULTUR
SBB aktuell
  • FOYER
  • SERVICE
  • IT-INNOVATION
  • WISSEN
  • FEUILLETON
  • Menü Menü

Die Materialität von Schriftlichkeit – Der Dialog zwischen Bibliothek und Forschung geht weiter

08.10.2015/0 Kommentare/in Foyer, Wissen/von Christian Mathieu

Die Aufwertung der lange als bloße Hilfswissenschaften geltenden objektbezogen-bibliothekarischen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eröffnet gerade für Forschungsbibliotheken mit herausragenden Spezialbeständen ungeahnte Chancen zur Schärfung des eigenen Profils. Vor diesem Hintergrund hat die Staatsbibliothek zu Berlin im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem von Forschenden der Universitäten in Berlin und Potsdam getragenen Arbeitskreis Materialität der Literatur die Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit organisiert. Ziel dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der mehrteiligen Reihe – ist es, theoriegeleitete Perspektiven auf Handschriften, historische Drucke und Künstlerbücher mit aus der Praxis entwickelten Fragestellungen zu konfrontieren.

Am vergangenen Dienstag startete die Veranstaltungsserie mit einem Vortrag in ihre zweite Runde, der unter gleich mehreren Aspekten paradigmatisch für die Konzeption der Gesamtreihe stehen kann: So wurden Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher – die wohl spektakulärste Neuerwerbung unseres Hauses in jüngster Zeit – von zwei Vertreterinnen der Staatsbibliothek zu Berlin in Verbindung mit dem Leiter des an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Editionsvorhabens Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung vorgestellt. Zutreffender wäre es vor diesem Hintergrund eigentlich, von einem Trialog zwischen Bibliothek und Forschung zu sprechen, nahmen doch Dr. Jutta Weber, stellvertretende Leiterin unserer Handschriftenabteilung, und Julia Bispinck-Rossbacher, verantwortlich für die Restaurierungswerkstätten der Staatsbibliothek zu Berlin, ganz unterschiedliche Perspektiven ein. Nach einem Überblick über die formale wie inhaltliche Erschließung der Amerikanischen Reisetagbücher im Nachweisportal Kalliope stand der kodikologische Befund der Handschriftenbände im Zentrum, der wiederum die Grundlage für die geplante hybride Edition der höchst komplex aufgebauten und nur mit detektivischem Gespür zu entziffernden Quelle liefert. Denn – wie Dr. Tobias Kraft anschließend eindrucksvoll zeigte – nur eine um die Erkenntnismöglichkeiten materialwissenschaftlicher Forschung erweiterte Lektüre ermöglicht es, die vielschichtigen Dimensionen der lebenslangen Schreibprozesse in Alexander von Humboldts Amerikanischen Reisetagebüchern nachzuvollziehen.

Aber auch in Hinblick auf die aktuellen wissenschaftspolitischen bzw. förderstrategischen Rahmenbedingungen dokumentiert der Gemeinschaftsvortrag die durch den Material Turn beförderte neue Qualität des Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung. Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher sind nämlich zugleich auch Gegenstand eines von der Staatsbibliothek zu Berlin in Kooperation mit der Professur für französisch- und spanischsprachige Literatur der Universität Potsdam durchgeführten Forschungsprojekts. Gefördert wird dieses Gemeinschaftsvorhaben im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung lancierten mehrteiligen Ausschreibung Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen, die darauf zielt, die Hinwendung der Geistes- und Kulturwissenschaften zu den Dingen weiter zu beschleunigen.

Sollten Sie nun schleunigst erfahren wollen, welche Themen Sie im Rahmen der ersten Vortragsrunde verpasst haben, so werfen Sie doch einfach einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Bibliotheksmagazins der Staatsbibliotheken in Berlin und München, in der wir die zurückliegenden Abende im Zeichen der Materialität von Schriftlichkeit in aller Kürze Revue passieren lassen. Ausgewählte Beiträge aus der zweiten Veranstaltungsserie werden Sie dagegen schon demnächst als Podcast im Youtube-Kanal der Staatsbibliothek zu Berlin finden können.

Und was die noch fernere Zukunft der überaus publikumswirksamen Reihe anbetrifft, so halten wir es mit unserer Nachbarschaft im Regierungsviertel und versprechen Ihnen: Wir werden den Dialog mit der Forschung nicht abreißen lassen!

Schlagworte: Humboldt, Materialität, Wissenswerkstatt
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Auf WhatsApp teilen
  • Teilen auf Pinterest
  • Teilen auf LinkedIn
  • Teilen auf Tumblr
  • Teilen auf Vk
  • Teilen auf Reddit
  • Per E-Mail teilen
https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/online-e1417789302111-1030x525.jpg 525 1030 Christian Mathieu https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/stabi-logo-kante.png Christian Mathieu2015-10-08 15:56:112026-06-24 10:03:59Die Materialität von Schriftlichkeit – Der Dialog zwischen Bibliothek und Forschung geht weiter
Das könnte Sie auch interessieren
Wissenswerkstatt | SBB-PK CC-BY-NC-SA 3.0Wissenswerkstatt | SBB-PK CC-BY-NC-SA 3.0 Workshops der Wissenswerkstatt im Januar
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Besitzer- und Lesereinträge in arabischen Handschriften als sozialgeschichtliche Quelle
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Meine Frau, die Wissenschaft…
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Zum 70. Geburtstag von Wim Wenders
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Werkstattgespräch „Architektur in Wroclaw zwischen 1956 und 1970“
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Sonderdruck. Werkstattgespräch zum wissenschaftlichen Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert am 11.2.
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Die Staatsbibliothek und Wim Wenders
Wissenswerkstatt SBB-PK CC BY-NC-SA 3.0 Kafka. Die frühen Jahre – Lesung und Gespräch mit Reiner Stach am 24.6.
0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Search Search

Kommentare:

  • Anna bei Neue Trinkwasserspender für alle | New Drinking Water Dispensers for All
  • Thomas Parschik bei Röntgentermin für den Pharao
  • SuK bei Wissenshunger stillen ohne Krümel | Feed Your Hunger for Knowledge — Without the Crumbs
  • Thomas Parschik bei Tollkühne Frauen und Männer und fliegende Kisten
  • Benutzungskommunikation bei Wissenshunger stillen ohne Krümel | Feed Your Hunger for Knowledge — Without the Crumbs

Schlagwörter

Ausbildung Ausleihe Ausstellung Benutzung Benutzungseinschränkung Bilderbuch Buchpatenschaft CrossAsia Datenbank digitale Lektüretipps Digitalisierung E.T.A. Hoffmann Fachinformation Freunde der Staatsbibliothek Geschichte Hinweis Import Jugendbuch Kinderbuch Kulturelles Erbe Lesesaal Martin Luther Materialität Musik Osteuropa Presse Promovierende Provenienzforschung Recherche Recht Rechtsforschung Rechtswissenschaften Reformation Restaurierung sbb online offen Service Servicezeiten Slawistik Stipendienprogramm Werkstattgespräch Wissenswerkstatt Workshop Zeitschriftendatenbank Zeitungen Öffnungszeiten

Unsere Blogs

  • E. T. A. HOFFMANN PORTAL
  • FEUILLETON
  • FOYER
  • FREUNDE DER BIBLIOTHEK
  • HISTORISCHE DRUCKE
  • INKUNABELN
  • IT-INNOVATION
  • KARTEN
  • MUSIK
  • ORIENT
  • PODCAST
  • PRESSE
  • SERVICE
  • TERMINE
  • WISSEN

Suche über alle Beiträge:

Search Search

Folgen Sie uns auf Instagram

Folgen Sie uns auf Bluesky

Folgen Sie uns auf Mastodon

Besuchen Sie uns auf Youtube

ARCHIV ALLER BLOGBEITRÄGE

Zum Kalender
© Copyright - Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • RSS-Feeds abonnieren
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Erklärung zur Barrierefreiheit
  • Barriere melden
Link to: „Displaced Persons“ – die Staatsbibliothek zu Gast im Jüdischen Museum Link to: „Displaced Persons“ – die Staatsbibliothek zu Gast im Jüdischen Museum „Displaced Persons“ – die Staatsbibliothek zu Gast im Jüdischen... Link to: 480 Restauratorinnen und Restauratoren aus Archiven, Museen, Bibliotheken aus 30 Ländern für fünf Tage in Berlin Link to: 480 Restauratorinnen und Restauratoren aus Archiven, Museen, Bibliotheken aus 30 Ländern für fünf Tage in Berlin 480 Restauratorinnen und Restauratoren aus Archiven, Museen, Bibliotheken aus...
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen