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Erschließung, Vermessung, Provenienz – Manuscripta Americana: Aufarbeitung einer Sammlung (Tagungsbericht)

Zum 250. Geburtstag: Die Staatsbibliothek und das Alexander von Humboldt-Jubiläumsjahr

Am 14. September 2019 jährt sich der Geburtstag Alexander von Humboldts zum 250. Mal. Aus diesem Anlass wird der große Forscher und Gelehrte in seiner Geburtsstadt Berlin mit einem Themenjahr gewürdigt. Unter den beitragenden Institutionen ist auch die Staatsbibliothek, zu deren Bestand der Nachlass Alexander von Humboldts gehört. Kriegsbedingt befindet sich heute ein Teil des Nachlasses in Krakau. Mit bedeutenden Neuerwerbungen wie den Amerikanischen Reisetagebüchern (2013) und mehreren Briefen Humboldts (2018) konnte die Staatsbibliothek zu Berlin ihren Bestand an Humboldt-Autographen in den letzten Jahren noch erweitern.

In diesem Zusammenhang fanden an der Staatsbibliothek bereits Aktivitäten und Veranstaltungen rund um Alexander von Humboldt statt. Die berühmten Reisetagebücher und ausgewählte Blätter aus dem Nachlass wurden der Öffentlichkeit in einer dreitägigen Sonderausstellung im Dezember 2014 präsentiert. Von 2014 bis 2017 wurden die Tagebücher und der Nachlass Humboldts im Rahmen eines BMBF-Verbundprojekts der Universität Potsdam und der Staatsbibliothek erschlossen, erforscht, digitalisiert und in einem Online-Portal weltweit zugänglich gemacht. Im Jubiläumsjahr 2019 soll Alexander von Humboldt an der Staatsbibliothek mit weiteren Veranstaltungen und einer Schau der Reisetagebücher im Original geehrt werden.

Den Auftakt bildet am 28. März die Präsentation des dann frisch erschienenen Buchs „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ von Andrea Wulf. Mit ihrem preisgekrönten Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ hat sich Wulf bereits einen Namen als Humboldt-Expertin gemacht. Nun ließ sie sich von den Tagebüchern Alexander von Humboldts in der Staatsbibliothek inspirieren. Gemeinsam mit der New Yorker Illustratorin Lillian Melcher entstand ein opulent bebildertes Buch über Humboldts Südamerika-Expedition, nach Aussage des Verlages das „ungewöhnlichste Buch zum Jubiläumsjahr“. Andrea Wulf lässt darin Humboldt selbst von seinen größten Abenteuern der Jahre 1799 bis 1804 erzählen. Unterhaltsam aufbereitet wird das Ganze mit zahlreichen farbigen Zeichnungen, Dokumenten und Kästen, in denen einzelne Themen vertieft, Personen vorgestellt und Forschungsgegenstände erläutert werden. Die Illustrationen und Faksimiles beruhen auf Originalvorlagen aus den Humboldt-Tagebüchern und anderen Dokumenten im Besitz der Staatsbibliothek. Die Autorin wird ihr neues Buch vorstellen und anschließend für ein Gespräch zur Verfügung stehen.

Buchpräsentation mit Andrea Wulf: „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“, 28.3.2019 in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden. Bitte achten Sie auf die Ankündigung der Veranstaltung hier im Blog, wenn Sie sich hierzu anmelden möchten.

Nach dem Ausflug in die abenteuerlichen Gefilde Südamerikas wird es am 2. Juli in der Wissenswerkstatt der Staatsbibliothek um das Weltverständnis der Humboldt-Zeit gehen. Die von Humboldt propagierte ganzheitliche Naturanschauung („alles hängt mit allem zusammen“) kann als Ursprung der modernen Ökologie gedeutet werden. Gleichzeitig teilte er mit vielen Zeitgenossen ein leidenschaftliches Interesse für den Bergbau – heute wissen wir, dass die zunehmende „Ökonomisierung der Natur“ und die industrielle Ressourcengewinnung zu einer Umweltkrise gewaltigen Ausmaßes führte. In seinem Vortrag „Bergbau als ‚Hülfsmittel der Natur‘“ geht der Historiker Patrick Anthony der Frage nach, wie die Nutzung der Natur aus der Perspektive eines Zeitgenossen aussah. Er beleuchtet hierfür den Weltumsegler und Naturforscher Georg Forster (1754-1794) und seine Reise durch Bergbaulandschaften des Harzes und des Erzgebirges im Jahre 1784. Mit seinen Reisebeschreibungen beeinflusste Forster den jungen Humboldt, der ihn 1790 an den Niederrhein, nach England und Frankreich begleitete. Der Referent Patrick Anthony war 2016 als Stipendiat an der Staatsbibliothek zu Berlin und beschäftigt sich im Rahmen seiner Dissertation „Nature’s Working World“ mit Bergbau, Reisen und Umwelt in der Humboldt-Zeit.

Werkstattgespräch mit Patrick Anthony, Vanderbilt University: „Bergbau als ‚Hülfsmittel der Natur‘. Georg Forsters Reise zwischen aufgeklärtem Utilitarismus und romantischer Ökologie, 1784“, 2.7.2019 um 18:15 Uhr in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, Konferenzraum 3

Zum eigentlichen Geburtstag Alexander von Humboldts werden vom 12. bis 14. September seine Amerikanischen Reisetagebücher aus dem Tresor geholt und erstmals seit 2014 wieder der Öffentlichkeit im Original gezeigt. Die Präsentation im Haus Potsdamer Straße wird am Vorabend im Rahmen einer Veranstaltung mit den beiden Tagesspiegel-Redakteuren Dorothee Nolte und Rüdiger Schaper eröffnet. Beide haben ein Buch über Humboldts Leben verfasst (Dorothee Nolte: Alexander von Humboldt. Ein Lebensbild in Anekdoten, Berlin: Eulenspiegel Verlag 2018; Rüdiger Schaper: Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten, München: Siedler Verlag 2018) und werden mit Barbara Schneider-Kempf über den schillernden Universalgelehrten sprechen. Während sich Nolte der Biografie Humboldts im Schlaglicht der Anekdote angenähert hat und eine ganz eigenwillige und amüsante Sicht auf Humboldt wirft, lässt Schaper das Forscherleben aus der Perspektive der letzten Lebensjahrzehnte, die Humboldt weitgehend in der preußischen Heimat verbrachte, Revue passieren.

Ausstellung „3 Tage original: Die Amerikanischen Reisetagebücher von Alexander von Humboldt“, 13.-15.9.2019, in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße, Dietrich-Bonhoeffer-Saal (freier Eintritt), sowie Auftaktveranstaltung mit Dorothee Nolte und Rüdiger Schaper am 11.9.2019

Bei allen Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich. Bitte achten Sie auf die Ankündigungen hier im Blog und folgen Sie dem Anmeldelink.

20 Briefe Alexander von Humboldts erworben

Der  Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin gelang es, 20 sehr inhaltsreiche Briefe von Alexander v. Humboldt an Achille Valenciennes zu erwerben. Valenciennes (1794-1865) gilt als einer der bedeutendsten Zoologen Frankreichs. Schon sehr früh kreuzten sich seine Wege mit denen Humboldts, denn Valenciennes war es, der die Tiere, die Humboldt und Bonpland von ihrer berühmten Amerika-Reise (1799-1803) nach Frankreich mitbrachten, beschrieb und klassifizierte. Daraus erwuchs eine lebenslange Freundschaft, die sich in ihrer Korrespondenz spiegelt. Die Briefe Humboldts, die die Staatsbibliothek von  Marc Noirot, einem Nachkommen Valenciennes, ankaufen konnte, stammen aus den Jahren 1818 bis 1858.

Valenciennes forschte vor allem über Fische und Weichtiere, Themen, die auch in den Briefen Humboldts aufgegriffen werden. Daneben geht es auch um den bedeutenden Naturforscher und Zoologen Georges Cuvier (1769-1832), den Lehrer und Kollegen von Valenciennes, und die von Valenciennes und Cuvier gemeinsam verfasste monumentale “Histoire naturelle des poissons“ (Naturgeschichte der Fische) in 22 Bänden. Im Jahre 1832 übernahm Valenciennes einen Lehrstuhl am Musée national d’histoire naturelle in Paris. Auch darüber gibt die Korrespondenz Auskunft. Schließlich berichtet Humboldt über seine Fahrten, beispielsweise 1825 in die Bretagne, aber auch über eine geplante Indien-Reise und über seine Arbeit an vielfältigen Publikationen.

Die Briefe an Valenciennes zeigen die weitgespannten Interessen Humboldts. Seinem französischen Freund berichtet er über das Zoologische Museum in Berlin, über  Mineralien und über das Wasser der Ostsee. Die Briefe geben jedoch auch einen Einblick in den Alltag Humboldts – etwa am Hofe des preußischen Königs – und über die politischen Verhältnisse seiner Zeit, etwa wenn er 1840 über politische Spannungen zwischen Frankreich und Preußen schreibt.