Offenheit in Forschung und Kultur – auf dem Weg zu einem neuen Normalmodell wissenschaftlichen Publizierens

Der Strukturwandel des wissenschaftlichen Kommunikationssystems unter dem Open Access-Paradigma der offenen Zugänglichkeit und freien Nachnutzbarkeit von Forschungserträgen in unterschiedlichster Medienform erlebt dieser Tage ein bemerkenswertes Momentum. Nachdem der Open Access-Gedanke im Spätsommer des vergangenen Jahres Eingang in das Landeshochschulgesetz Berlins gefunden hatte, bekannte sich die Ampel-Koalition im Herbst sogar auf Bundesebene zu dem Ziel, dieses inzwischen gar nicht mal mehr so neue Publikationsmodell als gemeinsamen Standard [zu] etablieren – eine Absichtserklärung, der sich der Wissenschaftsrat auf seiner aktuellen Wintersitzung mit Empfehlungen zur Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu Open Access anschließen sollte.

Um den Reigen der Jahreszeiten zu komplettieren, ist bei vorfrühlingshaften Temperaturen zu guter Letzt auf die frisch veröffentlichte Open Science-Erklärung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hinzuweisen, mit der dieser spartenübergreifende Einrichtungsverbund den offenen, partizipativen Zugang zu den von seinen Archiven, Bibliotheken, Museen und Forschungsinstituten produzierten Digitalisaten, Publikationen und Datenbeständen zu einer Priorität seines Handelns macht.

Zwar setzt die Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) zentrale Vorgaben der Open Science-Richtlinien ihrer Dachorganisation bereits seit geraumer Zeit um – insbesondere im Wege der Veröffentlichung ihrer Digitalisate gemeinfreier Werke unter der Public Domain Mark, durch Beteiligung an der Berliner Open Access-Strategiegruppe sowie in Form ihrer Beratungsangebote zum wissenschaftlichen Publizieren von Texten und Forschungsdaten. Hinzu kommen jene Finanzierungs- und Infrastrukturdienstleistungen, mit denen die vier DFG-geförderten Fachinformationsdienste für die Wissenschaft an der SBB die Open Science-Transformation in ihrer jeweiligen Fachdisziplin befördern möchten. Unbeschadet ihrer bisherigen Aktivitäten wirkte der häuserübergreifende Diskussionsprozess auf dem Weg zu einer stiftungsweiten Haltung zum Open Science-Gedanken dennoch als hochwillkommener Impuls, die Positionierung der SBB auf dem so dynamischen Feld der offenen Wissenschaft zu präzisieren und in Form einer eigenen Open Science-Erklärung zu dokumentieren.

So ermutigt auch die SBB ihre Mitarbeitenden ebenso wie ihre Nutzenden, wissenschaftliche Buch- und Zeitschriftenpublikationen sowie die diesen gegebenenfalls zugrundeliegenden Forschungsdaten genuin in qualitätsgesicherten Open Access-Kontexten zu veröffentlichen, wie sie u.a. in den internationalen Verzeichnissen DOAJ, DOAB und re3data versammelt sind. Soweit dem keine Vertragsvereinbarungen entgegenstehen, ruft die SBB zudem dazu auf, digitale Sekundärversionen von bereits erschienenen konventionellen Verlagsveröffentlichungen auf institutionellen oder disziplinspezifischen Open Access-Repositorien – geeignete Angebote sind leicht ermittelbar via OpenDOAR – oder auf Zenodo zu archivieren. Zu diesem Zweck empfiehlt die SBB, die jeweiligen Zweitveröffentlichungsrechte nach § 38 UrhG wahrzunehmen und künftig gegenüber Verlagen auf einem Selbstbehalt der Verwertungsrechte für entgeltfrei zu nutzende elektronische Parallelpublikationen zu beharren – etwa vermittels entsprechender Vertragszusätze.

Für Dienstwerke – also für alle wissenschaftlichen bzw. fachlichen Text- und Datenpublikationen, die von den Mitarbeitenden der SBB im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit verfasst werden – erwartet unsere Generaldirektion künftig sogar das Bemühen (Best Effort-Prinzip) um deren Primärveröffentlichung im Open Access oder zumindest deren (zeitverzögerte) öffentliche Zugänglichmachung als Parallelversion auf einem Repositorium. Im besonderen Maße gilt dies für die von der SBB herausgegebenen Veröffentlichungen und namentlich für ihre Sammlungs- und Ausstellungskataloge.

Umso erfreulicher also, dass die Mehrzahl der im Open Access erscheinenden bibliothekarischen Fachzeitschriften – von Bibliothek: Forschung und Praxis, ABI Technik über o-bib, LIBREAS und Informationspraxis bis hin zu 027.7: Zeitschrift für Bibliothekskultur – von ihren Beitragenden keine Publikationsgebühren verlangt. (Das Open Access-Geschäftsmodell verlagert nämlich die Finanzierung der Kosten einer Verlagsveröffentlichung von der Rezeptions- auf die Produktionsseite.) Überdies können Autor*innen (präziser: corresponding authors) mit SBB-Affiliation von den Vereinbarungen des nationalen Lizenzierungsprojekts DEAL profitieren und ihre Aufsätze kostenfrei in den nach Hunderten zählenden Zeitschriften der Verlage Wiley und Springer Nature im Open Access publizieren.

Da Fordern neuerdings bekanntlich Fördern impliziert, wird die Hauptverwaltung in Kürze allen Angehörigen der SPK überdies einen Fonds zur Verfügung stellen, um die eventuell anfallenden Gebühren einer Zeitschriftenveröffentlichung im Open Access zentral zu finanzieren – sofern dafür keine projektspezifischen Drittmittel eingesetzt werden können. Ein entsprechendes Angebot für Buchpublikationen ist selbstverständlich ebenfalls in Vorbereitung. Und auch die Infrastrukturdimension hat die mit der Implementierung der Open Science-Strategie der SPK betraute Arbeitsgruppe im Blick – die SBB vertreten darin Larissa Schmid und der Autor dieser Zeilen. Im Wesentlichen wird in dieser Perspektive die Einrichtung sowohl eines mandantenfähigen Repositoriums für multimediale Inhalte und Forschungsdaten vorbereitet als auch einer technischen Betriebsplattform für Open Access-Zeitschriften und -Schriftenreihen, um damit das Fundament für die ebenfalls in ihrer Open Science-Erklärung in Aussicht gestellte Transformation des institutionellen Publikationsaufkommens der SPK zu legen.

Sollten Sie auf beiden Seiten der Bibliothekstheke Fragen zu diesem Prozess und seiner praktischen Umsetzung in der SBB haben, so schreiben Sie bitte an: openaccess@sbb.spk-berlin.de. Von den erreichten Meilensteinen auf unserem gemeinsamen Weg zu einem neuen Normalmodell wissenschaftlichen Publizierens erfahren Sie ansonsten auch im Blog der SBB sowie unter http://sbb.berlin/openaccess.

Lassen Sie uns am besten gleich losgehen und ab eins nur noch Open Science machen – schließlich ist heute Freitag.

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