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ELAG2019 in der Staatsbibliothek zu Berlin

Die ELAG (European Library Automation Group) Konferenz bietet seit mehr als 40 Jahren ein gern genutztes Forum für den fachlichen Austausch vorrangig europäischer IT-Spezialisten und BibliothekarInnen (https://elag.org/). Die jährlichen Konferenzen dienen vertieften Diskussionen vorrangig technischer Themen und fördern den informellen Austausch von Ideen und Erfahrungen. Vom 7. bis zum 10. Mai wird die diesjährige ELAG-Konferenz in der Staatsbibliothek zu Berlin stattfinden. Wir freuen uns, mit dem Kooperativen Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg der gemeinsame Gastgeber der Konferenz zu sein. Das Programm und Registrierungsmöglichkeiten finden Sie auf https://www.elag2019.de/.

Warum die EU-Urheberrechtsreform auch Bibliotheken betrifft

Der Richtlinienvorschlag der EU-Kommission „über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt“ umfasst auch Regelungen zur Wissenschaft, Lehre und kulturellem Erbe: Zu Text- und Datamining, digitalen Semesterapparaten, Kopien zur Erhaltung und Archivierung des Kulturerbes und zur Digitalisierung von Büchern und Zeitschriften u.a., die vergriffen – d.h. in Läden oder beim Verlag nicht mehr zu bekommen – sind.

Die Dienste und Ressourcen wissenschaftlicher Bibliotheken wie z.B. die der Hochschulbibliotheken oder der Staatsbibliothek zu Berlin sind integraler Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit. Sie stellen in aller Regel nicht nur Literatur zur Verfügung, sondern unterstützen Forschende durch Beratung, z.B. bei der Literaturverwaltung, bei der Recherche, beim wissenschaftlichen Publizieren und sogar beim Umgang mit Forschungsdaten. Gleichzeitig bewahren Bibliotheken das Kulturerbe und stellen dessen Bestandteile als Wissenressourcen zur Verfügung.

EU-Parlament und Rat liefern zum Richtlinienvorschlag Änderungsvorschläge, die dann auf einen Nenner gebracht müssen. Das passiert nun in den „Trilog“-Verhandlungen zwischen Vertretern des EU-Parlaments und des Rates unter Vermittlung durch die Kommission. Was vor allem im Moment noch fehlt, ist eine Position des Rates. Am 18.1. ist der Vorschlag der rumänischen Ratspräsidentschaft für das Verhandlungsmandat mit dem Parlament an der im Rat dafür erforderlichen qualifizierten Mehrheit gescheitert. Jetzt könnte es eng werden, denn bis zur Wahl des Europaparlaments muss das Gesetz verabschiedet werden (s. dazu die Kommentare von Kommissions-Vizepräsident Andrus Ansip und MEP Julia Reda).

Wenn das Parlament und der Rat den Ergebnissen des Trilogs noch rechtzeitig zustimmen, ist die Richtlinie angenommen. Danach folgt eine 2-Jährige Frist zur Umsetzung in den nationalen Gesetzen der Mitgliedstaaten.

Text- und Datamining

Nach Art.3 des Richtlinienentwurfs dürfen Hochschulen und Forschungseinrichtungen jetzt auch in großer Menge digitale Materialien aus (fremden) Datenbanken, auf die sie rechtmäßig Zugriff haben, herunterladen, um sie in einem Index analysierbar zu machen (Text- und Datenauswertung).  Nach Stand des Trilog-Verfahrens werden auch ausdrücklich Hochschulbibliotheken dazu berechtigt. Explizit sind auch Forschung betreibende Einrichtungen des Kulturerbes erfasst. Sie dürfen die gesammelten Daten-Korpora speichern und für Zwecke der wissenschaftlichen Referenzierbarkeit vorhalten. Mit der angestrebten Regelung würde klargestellt, dass die Einrichtungen damit nicht gegen das Urheberrecht verstoßen. Die Referenzierbarkeit dieser gespeicherten Forschungsdaten ist ein wichtiger Aspekt der Guten Wissenschaftlichen Praxis.

Online-Learning

Mit Art. 4 des Richtlinienentwurfs wird ein Rechtsrahmen für Online-Learning in Aussicht gestellt. Nach Stand des Gesetzgebungsverfahrens eröffnet die Regelung allerdings die Möglichkeit, dass die EU-Mitgliedstaaten, die die Richtlinie ja dann in nationales Recht umsetzen müssen, für digitale Semesterapparate  einen Lizenzvorrang einführen dürfen, d.h., dass Dozierende, die ihren Studierenden eingescanntes Lehrmaterial zur Verfügung stellen wollen, ggf. zunächst überprüfen müssten, ob Verlage den betreffenden Aufsatz oder das Buchkapitel auf ihren Angebotsplattformen genau für diese Lernplattform-Nutzung zur Lizenzierung anbieten. Mit der letzten Urheberrechtsreform wurde diese Überprüfungspflicht 2018 in Deutschland gerade erst abgeschafft. Diese Aufhebung wurde im akademischen Hochschulbereich sehr positiv aufgenommen.  Die fachlich kompetenten Dozierenden können derzeit also die Materialien, die sie selbst für ihren Unterricht (z.B. in digitalen Semesterapparaten) nutzen wollen, selbst aussuchen, ohne Einschränkungen und ohne den Markt vorab auf Angebote prüfen zu müssen. Im Laufe des vergangenen deutschen Gesetzgebungsverfahrens wurde bereits vielfach dargelegt, dass eine solche Prüfung allein schon wegen des Zeitdrucks im akademischen Betrieb unrealistisch ist.

Erhaltung des Kulturerbes

Art.5 des Richtlinienentwurfs enthält die EU-weite ausdrückliche Befugnis, dass Einrichtungen des Kulturerbes die für die (Langzeit-)Archivierung notwendigen (auch digitalen) Kopien ihrer Bestände erstellen dürfen. Dabei wird klargestellt, dass Reproduktionen („material resulting from an act of reproduction“) von gemeinfreien Materialien, sofern sie zum Zwecke der Erhaltung  des ursprünglichen Materials vorgenommen werden, nicht urheberrechtlich geschützt sind.  Das ist – gerade in Anbetracht des Deutschen Rechtsstreits um gemeinfreie Gemälde, die auf Wikimedia hochgeladen wurden, naheliegend. Diese Formulierung könnte allerdings auch zu Fehlinterpretationen führen, weil reine Reproduktionen gemeinfreien Materials ohnehin immer gemeinfrei sind.

Vergriffene Werke

Bibliotheken und andere Kultureinrichtungen dürften nach Art. 7 bis 9 des Richtlinienentwurfs EU-weit unter gewissen Voraussetzungen Bücher und Zeitschriften, die auf dem Markt nicht mehr zu bekommen sind, digitalisieren und ins Netz stellen. In Deutschland gibt es eine ähnliche Regelung bereits, allerdings ist sie recht restriktiv. Auch die Staatsbibliothek zu Berlin macht solche vergriffenen Werke in ihren digitalen Sammlungen zugänglich: Beispiel. Nach derzeitigem Stand der Verhandlungen dürfen in Zukunft neben „vergriffenen“ Werken auch Werke, die nie im Handel erhältlich waren, digitalisiert und ins Netz gestellt werden.

Nicht förderlich für die Zugänglichkeit des in Einrichtungen des Kulturerbes vorhandenen Kulturerbes ist hingegen, dass das Vorliegen einer anderen Erscheinungsform, wie z. B. die Verfilmung, ein Hörspiel oder eine Übersetzung, eine Vergriffenheit ausschließt. Die Verfilmung eines Romans oder die Vertonung von Noten würde also Bibliotheken rechtlich daran hindern, die schriftliche Vorlage zu digitalisieren, auch wenn diese selbst nicht mehr im Handel zu bekommen ist.

Es bleibt zu hoffen, dass der deutsche Gesetzgeber bei der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht von der derzeitig geltenden Stichtag-Regelung abrückt: Werke, die nach 1966 erschienen sind, dürfen nach der restriktiven bisherigen deutschen Regelung  generell nicht als „vergriffene Werke“ digitalisiert werden. Das entscheidende Merkmal einer Regelung über die Nutzung vergriffener Werke sollte jedoch sein, dass das Werk in der jeweiligen oder in einer auf dem Markt konkurrierenden Form aktuell vom Rechteinhaber nicht verwertet wird und insofern mit der Nutzung durch Einrichtungen des Kulturerbes nicht in dessen Verwertungsinteressen eingegriffen wird. Ein Unterschied in dieser Interessenlage zwischen Werken, die 1965 oder etwa 1980 erschienen sind, ist aber nicht erkennbar. Im Gegenteil: Die Festlegung einer Zeitgrenze (die recht willkürlich gezogen sein muss) führt dazu, dass Werke, die nach diesem Zeitpunkt erschienen sind, für die Öffentlichkeit kaum mehr zugänglich sind, weil sie weder im Handel noch in öffentlichen Bibliotheken, die aus Kapazitätsgründen über die Jahrzehnte hinweg auch gelegentlich Bestände aussondern müssen, angeboten werden.

Leistungsschutzrecht für Presseverleger und Upload-Filter

Auch wenn das nicht auf den ersten Blick erkennbar ist: Auch die vorgeschlagenen Regelungen zum EU-weiten Leistungsschutzrecht für Presseverleger und zum sog. „Upload-Filter“ können Auswirkungen auf die Dienstleistungen wissenschaftlicher Bibliotheken haben:

Das als Art.11. der Richtlinie vorgeschlagene Leistungsschutzrecht für Presseverleger, wonach alle digitalen NutzerInnen verpflichtet wären, Lizenzen von Verlagen zu erwerben, schon wenn sie deren Inhalte nur mit kurzen Textauszügen verlinken wollen, kann auch Bibliotheken und andere Einrichtungen des kulturellen Erbes betreffen, z.B. wenn sie in Online-Katalogen Zeitungsartikel verzeichnen und dabei bibliografische Angaben machen. Ausgenommen von dieser „Link-Tax“ für die digitale Nutzung wären nämlich nur private Nutzungen durch Einzelpersonen. Was dabei nun genau der Schutzgegenstand sein und ob das Leistungsschutzrecht schon einzelne Wörter aus den Presseartikeln umfassen soll, ist nicht klar und wird im Trilog noch diskutiert.

Unklar ist angesichts der Meinungsverschiedenheiten im Rat derzeit noch, ob der in Art.13 vorgeschlagene Upload-Filter überhaupt kommt und ob Publikationsserver („Repositories“) von Universitäten und anderen wissenschaflichen Einrichtungen sowie Bibliotheken davon erfasst werden. Dann müssten sie möglicherweise Systeme einsetzen, die alle dort hochgeladenen Dateien schon vorab auf Urheberrechtsverletzungen filtern, ähnlich dem System „Content ID“, das Youtube verwendet. Problematisch ist das, weil die Nutzung fremder urheberrechtlicher Werke, z. B. im Rahmen des Zitatrechts, bei wissenschaftlichen Publikationen absolut üblich und geboten ist. Mehr noch: Ohne Zitate gibt es keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Die Filter sind nicht in der Lage, zwischen einem unrechtmäßigen Zitat und einem rechtmäßigen Zitat nach § 51 UrhG zu unterscheiden, zumal die Rechtsprechung dazu vielfältig ist und ständig weiterentwickelt wird. Ganz zu schweigen von der internationalen Ebene, auf der eine Vielzahl verschiedener Zitatregelungen und andere Ausnahmeregeln mit Detailunterschieden anzuwenden sind.

Besonders bedenklich ist, dass das erst vor einigen Jahren eingeführte zwingende Zweitveröffentlichungsrecht nach § 38 Abs. 4 UrhG ausgehebelt werden könnte. Im vom EU-Parlament verabschiedeten Art. 2 Abs.1 Nr. 4b der Richtlinie heißt es zwar, dass „Dienste, die nicht für gewerbliche Zwecke handeln, etwa Online-Enzyklopädien, und Anbieter von Online-Diensten, bei denen die Inhalte mit Genehmigung aller betroffenen Rechtsinhaber hochgeladen werden, etwa bildungsbezogene oder wissenschaftliche Verzeichnisse, nicht unter die nach Art. 13 verpflichteten online content sharing service provider” fallen. Hier gibt es allerdings schon wieder eine Unsicherheit, die für Repositorien entscheidend sein kann: Nicht klar ist, ob Verlage, denen exklusive Lizenzen eingeräumt wurden, trotz des zwingenden Zweitveröffentlichungsrechts nach § 38 Abs. 4 UrhG betroffene Rechtsinhaber („right holders concerned“) im Sinne des Art. 2 Abs.1 Nr. 4b der Richtlinie wären. Wäre das nämlich der Fall, würde das gesetzliche Zweitveröffentlichungsrecht weitgehend wirkungslos.

Es bleibt zu hoffen, dass die Interessen der Bibliotheken und ihrer NutzerInnen in den (weiteren) Trilog-Verhandlungen ausreichend berücksichtigt werden. Zum  Stand des Verfahrens hier noch ein topaktueller Post vom Rechtsanwalt.

 

 

 

TYPO3 CMS zähmt Java EE Microservices

Nach langer Zeit ist es mir nun wieder gelungen, einen Beitrag zum Thema Microservices zu schreiben. In diesem Artikel möchte ich über unsere Erfahrungen im Bereich Frontend-Integration berichten. Das Ergebnis des entsprechenden Projektes „Modernisierung der Einbanddatenbank“ kann hier angeschaut werden. Aufgrund der fachlichen Anforderungen

  • ein Redaktionssystem zum Erstellen von statischen HTML-Seiten anzubieten und
  • die Pflege von HTML-Seiten in mehreren Sprachen zu unterstützen.

wurde ein Content Management System (CMS) zur Umsetzung ausgewählt. Weitere zentrale fachliche Anforderungen, welche in Use-Cases ausformuliert vorlagen, waren:

  • die Umsetzung komplexer Suchanfragen über unterschiedliche fachliche Entitäten sowie
  • die Erfassung von Metadaten zu Entitäten zur Erforschung von Einbänden des 15. und 16. Jahrhunderts.

Nachdem wir die fachlichen Anforderungen mit Hilfe des Konzeptes Domain Driven Design (DDD) aufgeteilt hatten, haben wir uns entschieden, jeden fachlichen Bereich (Bounded Context) als Microservice zu implementieren. Bedingt durch die Tatsache, dass nur ein Entwicklungsteam alle Anforderungen umsetzen sollte, wurden die fachlichen Anforderungen nicht zu kleinteilig auf folgende Microsevices aufgeteilt:

  • die Einbandsuche, zur Umsetzung aller Suchanfragen und Darstellung der Trefferlisten und
  • den Einbandnachweis, zur Umsetzung aller Anforderungen der Erfassung von fachlichen Entitäten.

In diesem Projekt haben wir uns dazu entschieden dem Ansatz des Self-contained-Systems zu folgen. Self-contained-Systems legen verschiedene Makro-Architekturentscheidungen fest. Unter anderem ist definiert, dass jeder Microservice eine autonome Webanwendung ist. Das bedeutet, dass jeder Microservice sein eigenes User-Interface ausliefert. Die wesentliche Herausforderung beim Einsatz dieser Architektur stellt die Bereitstellung eines optisch einheitlichen und konsistenten User-Interfaces über alle Systeme hinweg und die Integration von Cross-Cutting Concerns, wie zum Beispiel der Authentifizierung, dar. Die nachfolgende Abbildung illustriert die Architektur des Projektes:

Abbildung 1: Architektur Einbanddatenbank

Die Gesamtdarstellung der Webseite inklusive aller Navigationselemente wird durch das CMS TYPO3 erzeugt. Um nun die einzelnen Darstellungen der Suche und Erfassung integrieren zu können, haben wir drei Erweiterungen geschrieben. TYPO3 bietet dazu einen Plugin-Mechanismus, welcher es ermöglicht, das CMS um zusätzliche Funktionalitäten zu erweitern.

 

Lookup Extension

Die Erweiterung mit dem Namen „Lookup“ wird benötigt, damit das TYPO3 CMS dynamisch ermitteln kann, wo sich der entsprechende Microservice im Netzwerk befindet. Dazu wird mit Hilfe des Namens des Microservice die Serviceregistry angefragt. Diese liefert wiederum die Angaben der aktuellen IP-Adresse und des TCP/IP-Ports des Microservices aus. Somit kann TYPO3 jederzeit dynamisch zur Laufzeit und ohne Konfigurationsaufwand auf Veränderungen im Bereich der Microservices reagieren. Unter Betrachtung des Aspektes der Skalierung eines Microservices ist TYPO3 mit Hilfe dieser Erweiterung in der Lage, auch mehrfach installierte Microservices parallel anzusprechen und auf zunehmende Nutzeranfragen einer Seite zu reagieren.

 

Frontendintegration Extension

Die Frontendintegration Extension ermöglicht es, auf jeder beliebigen HTML-Seite innerhalb des CMS Inhalte eines Microservices zu integrieren. Dazu verwendet die Frontendintegration Extension die Lookup Extension um den entsprechenden Microservice über Konfigurationswerte zu ermitteln. Anschließend werden die adressierten HTML-Elemente mittels eines HTTP-Clients abgerufen und auf der entsprechenden Seite dargestellt. Ein HTML-Element wird mit Hilfe des Attributes „ID“ identifiziert. Die Konfiguration im Backend von TYPO3 sieht wie folgt aus:

Abbildung 2: Konfiguration Frontend Extension

Diese Konfiguration bindet den Microservice mit dem Namen „einbandsuche“ via Serviceregistry und unter Verwendung des Servicegateways ein. Der Servicegateway stellt einen sogenannten „Edge“ Service dar, mit Hilfe dessen zusätzliche Aspekte wie das angleichen von URL Adressen, Anpassung von HTTP Headern oder Routing zwischen den Services transparent umgesetzt werden kann. Innerhalb des Microservices wird die Seite werkzeugsuche.html mit dem Query Attribut language=en eingebunden. Auf dieser Seite muss ein HTML-Element mit der ID „content“ existieren, welches durch die Extension extrahiert wird. So können gezielt einzelne HTML-Komponenten kombiniert werden, damit nicht die gesamte durch den Microservice erzeugte HTML-Seite übernommen werden muss. Dadurch besteht innerhalb des TYPO3 die Möglichkeit, statische Inhaltselemente mit Inhalten eines Microservices zu kombinieren und gemeinsam auf einer Seite darzustellen.

 

OAUTH2 Extension

Aufgrund der fachlichen Anforderung, dass sich bestimmte Nutzergruppen am System anmelden sollen, um damit Zugriff auf die Funktionalität der Erfassung zu bekommen, musste eine Authentifizierungslösung integriert werden. Zur Umsetzung dieser Anforderung konnten wir unseren bereits in anderen Projekten erfolgreich genutzten OAUTH2 Indentity-Management-Microservice nachnutzen. Die Authentifizierung erfolgt hierbei nach dem standardisierten OAUTH2-Verfahren. Die TYPO3 Extension stößt dieses Verfahren an, sobald der Nutzer den Link zur Anmeldung aktiviert. Nach erfolgreicher Authentifizierung des Nutzers übermittelt TYPO3 mit Hilfe dieser Extension den JSON WEB Token (JWT) des Nutzers an den Microservice. So können die Identität und die Berechtigungen im Microservice ausgewertet und entsprechend fachlich darauf reagiert werden.

 

Mit Hilfe dieser drei Erweiterungen besteht für uns die Möglichkeit, jegliche komplexe fachliche Anforderungen außerhalb des TYPO3 umsetzen zu können. Dies bietet nicht nur den Vorteil, dass die einzelnen Microservices skaliert werden können, sondern gibt uns auch die Freiheit andere Technologien als PHP zur Erweiterung des CMS einzusetzen. In diesem Projekt konnte somit eine nahtlose Integration von Java-EE- und TYPO3-PHP-basierten Technologien umgesetzt werden. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass, wie bei allen Microservice-Architekturen, einzelne Komponenten unabhängig entwickelt und ausgerollt werden können. Aufgrund dieser Vorteile kann eine erhöhte Entwicklungsgeschwindigkeit erzielt und damit die fachlichen Anforderungen in weniger Zeit umgesetzt werden. Zusätzlich ist das Gesamtsystem in einigen Teilen widerstandsfähiger gegen Ausfälle. Fällt zum Beispiel die Komponente der Suche oder Erfassung aus, stehen die anderen statischen Seiten weiterhin zur Verfügung. Um diese Architektur umsetzen zu können, mussten allerdings auch einige technische Herausforderungen durch unser Team gemeistert werden.

 

Integration des Sprachwechsels.

Wechselt der Nutzer im CMS die Sprache, so wird durch TYPO3 der Pfad der Seite um das entsprechende Sprachkürzel erweitert. Ein Sprachwechsel im Browser und damit im http- Accept-Language Header wird nicht ausgewertet. Java EE hingegen wertet in mehrsprachigen Projekten standardmäßig den HTTP-Header aus. Um einen einheitlichen Sprachwechsel zwischen den Systemen zu gewährleisten, musste der entsprechende HTTP-Header-Wert künstlich eingefügt werden. Diese Aufgabe übernimmt der zwischengeschaltete Servicegateway. Die Servicegateway-Implementierung wurde mit Hilfe von Spring Boot und Spring Cloud umgesetzt. Das Spring-Framework selbst nutzt an dieser Stelle die Netflix-Bibliothek Zuul. Im Servicegateway-Projekt besteht die Möglichkeit, jegliche Kommunikation mit Hilfe von Filtern zu manipulieren. Ruft TYPO3 nun eine Seite mit dem Query Parameter language=en auf, setzt der Servicegateway automatisch den Accept-Header mit dem entsprechenden Wert in die Kommunikation mit dem Microservice ein. Dieser kann nun konform mit der Umschaltung im TYPO3 die Seite in der gewünschten Sprache ausliefern.

 

AJAX POST Requests

Für die Umsetzung der HTML-Seite für einen Java-EE-Microservice haben wir die User-Interface-Bibliothek Primefaces verwendet. Diese bietet den Vorteil der einfachen und schnellen Umsetzung von komplexen HTML-Komponenten. Diese sind in allen Browsern darstellbar und werden ständig durch Primefaces gepflegt und erweitert. Zur Umsetzung dynamischer Komponenten verwendet Primefaces sehr häufig die asynchronen Javascript (AJAX) POST-Requests. Allerdings werden diese nicht durch die Erweiterung MS-Frontend TYPO3 registriert und müssen mit Hilfe einer expliziten Apache-Redirect-Regel an den Servicegateway weitergeleitet werden. Auch das Einbinden der CSS und Javascript-Datei, welche durch Primefaces verwendet werden, muss explizit im TYPO3 mit angegeben werden. An diesem Punkt müssen wir die Frontend-Extension noch weiterentwickeln, sodass die bisherige Lösung via Redirect abgelöst werden kann.

 

Anpassungen automatisch generierter Links.

Innerhalb der Microservices werden durch die Frontend-Bibliotheken Java-Server-Faces und Primefaces Links automatisch auf Basis der verwendeten XHTML-Template-Namen generiert. Sind diese nicht konform mit den Links innerhalb des TYPO3 CMS, müssen sie angepasst werden. Diese Anpassungen werden durch einen weiteren Filter des Servicegateways durchgeführt. Allerdings ist es empfehlenswert, die Links der Microservices so zu gestalten, dass diese nicht mehr angepasst werden müssen.

 

Zusammenfassung

Die Integration der Self-contained-System-Microservices in das TYPO3 CMS als Portal-Lösung ist eine große Herausforderung. Das Ergebnis ist allerdings beeindruckend, wenn man sich vorstellt, dass einige Seiten zu großen Teilen auf einem anderen Server als dem CMS-Server generiert werden. Auch die organisatorischen Vorteile im Rahmen der Entwicklung und der Continuous Integration / Deployment sind spürbar. Im Falle eines Integrationsfehlers ist allerdings aufgrund der Komplexität der Integration die Fehlersuche aufwendig. Hilfreich wäre hier der Einsatz eines Tracing Tools wie es im Spring Cloud-Framework bereits zur Verfügung steht. Abschließend bleibt zu sagen, dass diese Architektur große Möglichkeiten und Flexibilität bietet, aber auch wirklich nur angewendet werden sollte, wenn die funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen an das zu entwickelnde System einen Einsatz rechtfertigen. Für den Aufbau eines solchen Systems sind Kompetenzen aus vielen Bereichen der Softwareentwicklung im gesamten Team notwendig. Denn nur wenn jedes Teammitglied verstanden hat wie das gesamte System arbeitet, ist diese Architektur eine Basis für einen erfolgreichen Betrieb, und ermöglicht zusätzlich eine leichte Erweiterbarkeit und Weiterentwicklung.