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Alles ist Anfang

Feierliche Übergabe des Vorlasses von Hans-Joachim Gelberg an die Staatsbibliothek zu Berlin

„Nun legen wir mal die Hand auf das, was wir Kinderliteratur nennen und atmen tief durch. Unsere digitalen Erstleser haben Anspruch auf Qualität. Und es ist glücklicherweise so – mit Bildern und Sprache, mit Worten und Geschichten und Gedichten entsteht Welt, die wir lieben. Wir können sie getrost in die Hände der Autoren, der Künstlerinnen legen. Es ist immer wieder ein Anfang.“ (Hans-Joachim Gelberg, 6. Juni 2019)

Hans-Joachim Gelberg

Seine Kindheit, so berichtet Hans-Joachim Gelberg anlässlich der feierlichen Übergabe seines Vorlasses, habe nicht auf eine berufliche Karriere im Verlagswesen hingedeutet.
Weder besondere schriftstellerische Fähigkeiten noch ein entsprechender Kunstsinn wurden ihm von der Mutter oder den Lehrern zuerkannt. Erst als dem Jungen in einem oberösterreichischen Lager der Kinderlandverschickung die Verantwortung für die Schulbibliothek übertragen und einer seiner Aufsätze als bester ausgezeichnet und vor allen Mitschülern verlesen wurde, entdeckte sich Hans-Joachim Gelberg als möglicher späterer Literat. Fortan verschlang er Weltliteratur, erlebte, wie das durch gesammelte Bücher offenbare Interesse an russischer Literatur vor einer bedrohlichen, intensiveren Hausdurchsuchung durch die russischen Besatzer schützen konnte, und genoss als 15-Jähriger den beglückenden Moment, den eigenen Namen als Autor unter seinem ersten veröffentlichten Aufsatz zu lesen.
All diese prägenden Erfahrungen flossen in Hans-Joachim Gelbergs späteres Handeln als Lektor und Verleger mit ein. So gab er in seiner erfolgreichen Magazinreihe Der bunte Hund später auch anderen Kindern die Gelegenheit, sich erstmals als Autor oder Autorin zu erproben. Dabei hatte er als Buchhändler und später als Lektor nach eigenem Bekunden mit Kinder- und Jugendliteratur zunächst „nicht viel am Hut.“ Erst das Lektorat für die neue Taschenbuchreihe im Arena-Verlag (Würzburg) führte ihn auf diesen Pfad, von dem er während seines gesamten Berufslebens nicht mehr abkam.
Seine Maxime, hochwertige, anspruchsvolle Literatur für Kinder machen zu wollen, bringt Gelberg an diesem Abend mit einem Zitat von C.S. Lewis zum Ausdruck: „Kein Buch ist es wert, mit zehn gelesen zu werden, wenn es nicht gleichermaßen wert ist, mit fünfzig gelesen zu werden.“ Dementsprechend war er seit den späten sechziger Jahren, vor allem aber in den Siebzigern, stets ein Suchender: Immer bestrebt, neue Autor*innen und Illustrator*innen zu finden, die Literatur für ein junges Publikum entsprechend den modernen Ansprüchen schufen, dem aufmüpfigen Zeitgeist der 70er Jahre folgend, und sich dabei am Anspruch und Maßstab der Literatur für Erwachsene orientierten.
Im Herbst 1971 gründete Hans-Joachim Gelberg das Kinder- und Jugendbuchprogramm des Verlags Beltz & Gelberg, dessen orangefarbene Buchumschläge (damals ein unternehmerisches Wagnis!) seitdem Generationen von Kindern und Jugendlichen begleitet haben. Der Verleger Manfred Beltz-Rübelmann hatte ihn geholt und ließ ihn „machen bis zur Schmerzgrenze“. Gelberg verstand seinen Bereich als Autorenverlag. Im Laufe der Jahre unterhielt er Kontakt zu Schriftsteller*innen wie Janosch, Christine Nöstlinger, Mirjam Pressler, Peter Härtling, Leonie Ossowski, Klaus Kordon sowie Josef Guggenmos und vielen anderen. Ja, auch Guggenmos, denn auch Kinderlyrik förderte er. Vom Sinn der Kinder für Lyrik ist Gelberg nach wie vor überzeugt, nur seien Erwachsene hier als Vermittler wichtig. Die Liste der heute wohlbekannten Namen, die teils überhaupt durch Hans-Joachim Gelberg entdeckt wurden, beeindruckt nachhaltig. Für den Bereich der Kinderbuchillustration stehen dafür u.a. Namen wie Axel Scheffler, Rotraut Susanne Berner, Jutta Bauer sowie ganz besonders Nikolaus Heidelbach, dessen Monster-Darstellungen ihm erstmals in den Schaufenstern eines Antiquariats in Amsterdam auffielen. Und Hans-Joachim Gelberg wäre nicht ein engagierter und überzeugter Kinderbuchverleger der 70er-Jahre gewesen, hätte er nicht auch trefflich mit anderen Beteiligten – Kritikern, Autoren, Verlegern – diskutiert und gestritten.
All diese Zeugnisse eines so beispiellos umfassenden Engagements für das Kinder- und Jugendbuch in der wichtigsten Umbruchzeit des 20. Jahrhunderts hat Hans-Joachim Gelberg nun der Staatsbibliothek als Vorlass übergeben. Dafür ist ihm die Staatsbibliothek zu Berlin in höchstem Maße dankbar, betont die Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf in ihrer Ansprache. Und Carola Pohlmann, die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, fügt hinzu, dass sich ihre Abteilung auch mit dem einschlägigen Fachpublikum freue, dem dieser Schatz somit zum Heben zugänglich wird!

Veranstaltung im Dietrich-Bonhoeffer-Saal am 6. Juni 2019

„Irgendwas stimmt immer nicht“

Klaus Ensikat (nachträglich) zum 80. Geburtstag

Im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe “Kinderbuch im Gespräch” feierte die Kinder- und Jugendbuchabteilung am 3. November nachträglich den 80. Geburtstag des herausragenden Graphikers und Illustrators Klaus Ensikat.

Frau Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Als erste Gratulantin begrüßte Frau Schneider-Kempf, die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, den Jubilar und seine Familie sowie die gut 100 Gäste. Die Leistungen Klaus Ensikats flößten sowohl hinsichtlich des Umfangs seines Schaffens, als auch der höchst anspruchsvollen künstlerischen Ausführung Ehrfurcht ein, bekannte sie. So weise der Katalog der Staatsbibliothek über 200 Bücher nach, die von ihm illustriert wurden, und das Goethe-Institut stelle Ensikat der Welt völlig zu recht als “Bilderzauberer” vor. An anderer Stelle, so schob Frau Schneider-Kempf ein, werde der hier Gefeierte als der “ungekrönte König der Buchillustratoren” bezeichnet. Allein in den letzten zehn Jahren, also im achten Lebensjahrzehnt, seien mehr als 20 Bücher entstanden, darunter so gewichtige Arbeiten wie die von ihm illustrierte Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen und die zweibändige Bibel-Edition im Tulipan Verlag, das Sachbuch „Das Rätsel der Varusschlacht“, für das Ensikat gemeinsam mit dem Verfasser Klaus Korn 2009 den deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Sachbuch erhielt, darüber hinaus fünf literarische Bilderbücher im Kindermann Verlag, zu Texten von Wilhelm Busch, Theodor Storm,  zu Schillers „Räubern“ und Goethes „Osterspaziergang“ sowie der Band „Von Martin Luthers Wittenberger Thesen“.

Carola Pohlmann, die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, führte die Laudatio fort und rühmte die altmeisterliche Zeichenkunst und handwerkliche Perfektion Klaus Ensikats. Jeder Strich seiner akribischen Federzeichnungen sitze perfekt. Jedes Projekt werde sorgfältig recherchiert, und dieses Wissen bringe Ensikat detailfreudig und immer wieder mit dem typischen verschmitzten Humor in die Darstellungen ein. „Intelligente Akribie“ habe der Bilderbuchexperte Hans ten Doornkaat diese Arbeitsweise genannt. Insgesamt, so resümierte Frau Pohlmann, verwahre die Kinder- und Jugendbuchabteilung etwa 150 Originale seiner Arbeiten als Depositum. Diese stünden der Forschung im Sonderlesesaal der Abteilung zur Verfügung, erfreuten sich aber auch für Ausstellungen weit über das Bundesgebiet hinaus großer Nachfrage.

Dr. Barbara Kindermann. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Über den Zauber, der von den Originalzeichnungen Klaus Ensikats ausgeht, berichtete im Folgenden die Verlegerin Barbara Kindermann. Die Germanistin hatte 1994 einen eigenen Verlag gegründet und im Sommer 2001 den berühmten Illustrator angesprochen, ob sie ihn für ein gemeinsames Projekt – die Illustration des “Faust” in einer Nacherzählung für Kinder – gewinnen könne. Damit, so Frau Kindermann, wurde der Grundstein für eine inzwischen bereits 16 Jahre und sieben Bände umfassende Zusammenarbeit gelegt, und noch immer sei es für sie ein magischer Moment, wenn Herr Ensikat seine fertigen Zeichnungen persönlich vorbeibringe (niemals per Boten!). Sein unverwechselbarer Stil – unzählige feine, akkurate Striche, gleich einem Kupferstich, Schraffuren, gedämpfte Kolorierung – sei aus der Notwendigkeit der anfangs eher unzuverlässigen Drucktechnik der DDR heraus entstanden und habe sie von Beginn an tief beeindruckt. Bei Goethes Osterspaziergang (aus dem wir die Illustration für die Einladung benutzen durften, Anm. d. Verf.) im typischen Aprilwetter “sitzt jedes Hagelkorn an seinem Platz!”, so Frau Kindermann. Auch auf ein schönes Beispiel für Ensikats leisen Humor wies sie hin: In dem bislang jüngsten Produkt ihrer Zusammenarbeit, dem Band Knecht Ruprecht (Text: Theodor Storm), finde sich an einer kahlen Hauswand ein unscheinbares Schild “Nepom. Klein – Grosshandel”. “Na ja,” habe Klaus Ensikat geschmunzelt, “ich dachte, wenn der arme Kerl schon Nepomuk Klein heißt, muss er wenigstens einen Großhandel haben.” Einen Auftrag rundheraus abgelehnt habe Herr Ensikat nie, überlegte die Verlegerin, wohl aber Bedenken geäußert, ob sich Luthers Thesen überhaupt illustrieren ließen – und sie dann mit den fertigen Zeichnungen überrascht. (Ensikat sei niemand, der Illustrationen im Skizzenstadium zeige!) Sie freue sich, dass mit dem Sachbuch Johannes Gutenberg und das Werk der Bücher im Januar 2018 ein weiterer von Klaus Ensikat illustrierter Band in ihrem Verlag erscheine, und hoffe sehr, dass er noch lange weiter mit Freude “stricheln” möge.

Roswitha Budeus-Budde. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Angesichts dieser enormen künstlerischen Arbeitsleistung scheint es kaum vorstellbar, dass Klaus Ensikat möglicherweise noch mehr geschaffen haben könnte, was uns nicht im Druck bekannt ist. Doch mit genau dieser Überraschung wartete die vierte Laudatorin des Abends, die Kinder- und Jugendbuchrezensentin der Süddeutschen Zeitung, Roswitha Budeus-Budde, auf. Tatsächlich fertigte der Künstler Zeichnungen für eine Erzählung über Juri Gagarin an, die am 12. April 2011 zum 50. Jahrestag des ersten bemannten Weltraumflugs erscheinen sollte. Als der in Leipzig ansässige Verlag jedoch merkte, dass der Publikationstermin nicht pünktlich zum Jubiläum zu halten sein würde, sei das Projekt gestrichen worden. Seitdem verwahrt Klaus Ensikat die zehn Illustrationen, von denen drei am Tag nach dieser Veranstaltung in der Süddeutschen Zeitung der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Insbesondere aufgrund der Allegorie des Kalten Krieges, für die Ensikat die Ikonen der russischen Propaganda (Marx, Lenin, Stalin, Sputnik, Leika) den Insignien der amerikanischen Lebensart (Freiheitsstatue, Coca Cola, Mickey Mouse) gegenüberstellte, verorte sie, so Frau Budeus-Budde, den Illustrator durchaus an der Grenze zur Pop-Art. Seine bestechend detaillierten, in ihrer Anmutung geradezu einem Kupferstich gleichen und zuweilen nahezu biedermeierlich wirkenden Zeichnungen kontrastiere Klaus Ensikat stets mit ironischen Zitaten, die das klassische Ambiente der Illustration durchbrächen.

Silva Finger. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Der solchermaßen Geehrte, als zurückhaltender Mensch bekannt, der lieber seine Illustrationen als seine eigene Person im Mittelpunkt des Interesses sieht, schien unter der Last der Lobes immer mehr in sich zusammenzusinken. Die virtuosen Einlagen der Violinistin Silva Finger boten da willkommene Abwechslung und Ablenkung. Frau Finger hatte die Stücke im Vorfeld mit Frau Röder-Ensikat abgestimmt, sie rangierten zwischen der anspruchsvollen für die Geige transponierten Suite für Violoncello Nr. G-Dur von Johann Sebastian Bach bis hin zur fröhlichen Volksweise “Kanârek”, deren Interpretation einen Humor durchblitzen ließ, wie man ihn auch in den Zeichnungen Ensikats findet.

In einem abschließenden Podiumsgespräch gingen Klaus Ensikat und Carola Pohlmann u.a. noch einmal auf die im Zeitungsdruck verwendete Drucktechnik der 50er bis 70er Jahre ein. In diesem Bereich hatte die Laufbahn des Künstlers als Illustrator begonnen, zu einer Zeit, in der die Darstellung von Halbtönen ein großes technisches Problem darstellte, in der gerasterte Schwarz-Weiß-Bilder Usus waren und für farbige Abbildungen für jede der vier Farben (die drei Grundfarben sowie Schwarz) zunächst eine eigene Vorlage erarbeitet werden musste. In dieser Zeit entwickelte Klaus Ensikat seinen unverwechselbaren Stil, um sicherzustellen, dass als Druckbild am Ende eine klare Illustration vorliegen würde – nicht etwa Farbbrei. Hinsichtlich der von ihm illustrierten Themen sei bislang eigentlich kein Wunsch offen geblieben. Auf die Texte Theodor Fontanes angesprochen seufzte Herr Ensikat, Fontane habe doch alles so stimmungsvoll und ausführlich formuliert, dem gebe es als Illustrator nichts hinzuzufügen. “Was vermissen Sie denn bei Fontane?” gab er die Frage geschickt zurück, und Carola Pohlmann, die in Klaus Ensikat einen kongenialen künstlerischen Partner des preußischen Dichters sieht, bekannte: “Mir fehlt bei Fontane eigentlich nichts – nur ab und zu ein Ensikat. Aber: Irgendwas stimmt immer nicht.”

Auftaktfolie der Bildschirmpräsentation
am 3. November 2017

„Man empfindet Unruhe, wenn ein Tier irgendwo auftaucht.“

Am 11. September stellte der Kinderbuchautor und -illustrator Sebastian Meschenmoser im Rahmen des internationalen literaturfestals berlin sein neuestes Werk Die verflixten sieben Geißlein vor und sprach über seine Illustrationen zu der Neuübersetzung von Der Wind in den Weiden. Zu Beginn des Abends führte Carola Pohlmann, die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, ein kurzes Interview, in welchem Meschenmoser über seine Arbeit als Illustrator und Maler berichtete. Im Anschluss daran las Meschenmoser aus beiden Werken vor und begeisterte mit einigen Live-Zeichnungen.

Sebastian Meschenmoser: Die verflixten sieben Geißlein (2017)

Sebastian Meschenmoser: Die verflixten sieben Geißlein (2017). Mit frdl. Genehmigung des Thienemann-Esslinger Verlags.

Bereits in der Schulzeit stand für Sebastian Meschenmoser das Berufsziel „Kinderbuchillustrator“ fest. Beatrix Potter, Ernest Shepard und der Autor Roald Dahl hätten ihn seit seiner Kindheit fasziniert, bekannte er. Für das Studium der Freien Kunst entschloss er sich dann aufgrund der Überlegung, sich in dem Rahmen frei entfalten und gleichzeitig nebenbei an seinen Illustrationen arbeiten zu können. Heute trennt Meschenmoser klar zwischen beiden Tätigkeiten, der des Künstlers und der des Illustrators. Letztlich ergänze sich aber doch beides, räumte er ein.

Der Arbeitsprozess für einen neuen Band beginnt bei Sebastian Meschenmoser mit den Illustrationen, erst danach schreibt er die Texte zu seinen Geschichten. Lediglich bei Rotkäppchen hat keine Lust ging er in umgekehrter Reihenfolge vor. Das liege daran, erklärte Meschenmoser, dass er sich seine Geschichten in Form von Bildern ausdenke, und deswegen sei es auch nicht verwunderlich, dass seine Bilder mehr erzählen können als der Text selbst. Abschließend erfolge jeweils eine kritische Prüfung durch „Testkinder“, so bekomme er einen Eindruck, wie seine Arbeit aufgenommen werde.

Zu seinem Werk Gordon und Tapir erzählte der Künstler, dass es stark von seinen Erfahrungen in WGs zu Studienzeiten beeinflusst wurde. Er sei sich aber nicht sicher, ob er Pinguin oder Tapir sei. Meschenmoser zeichnet vorzugsweise Tiere, da Leser gegenüber diesen keine Vorurteile hätten oder anders ausgedrückt: „Niemand hat schlechte Erfahrungen mit Tapiren.“ Tiere faszinieren ihn auch deshalb, da man nicht wisse, was in ihnen vorgehe und es eine gewisse Urangst vor Tieren – auch speziell in Räumen – zu geben scheine: „Man empfindet Unruhe, wenn ein Tier irgendwo auftaucht.“ Während seines Studiums in Mainz betrieb Meschenmoser Tierstudien im Frankfurter Zoo. Als Protagonisten seiner Geschichten wählt er heute nach Möglichkeit Tiere aus, die dem Charakter der Figuren entsprechen. Sich selbst dagegen, so Meschenmoser, zeichne man eigentlich eher aus Versehen. In dem Band Die verflixten sieben Geißlein habe er dagegen durchaus Spielzeuge seiner eigenen Kindheit verarbeitet. Auch eine ganz bestimmte Palme, die im Laufe der Jahre mitgewachsen sei, finde sich in seinen Büchern immer wieder.

Der Wind in den Weiden / illustriert von Sebastian Meschenmoser. (2017)

Der Wind in den Weiden / illustriert von Sebastian Meschenmoser. (2017). Mit frdl. Genehmigung des NordSüd-Verlags.

Um sich für die von Sybil Gräfin Schönfeld neu übersetzte Ausgabe von Der Wind in den Weiden inspirieren zu lassen, suchte Meschenmoser nach Bildideen in früheren Ausgaben des Klassikers von Kenneth Grahame. Als Beispiel nannte er die eher düster wirkenden Illustrationen Robert Ingpens. Meschenmoser hingegen wollte eine eher leichte Seite der Geschichte hervorheben.

Das Besondere an diesem Werk liegt im Wechsel zwischen Öl und Aquarell. Jedes Kapitel ist mit jeweils einem Ölbild sowie einigen Aquarellen ausgestattet. Meschenmoser erklärte, dass er die Leser dadurch bewusst irritieren wolle, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Als eine Art Testlauf betrachtete er insofern den Band Herr Eichhorn und der König des Waldes, in dem er erstmals einige Ölbilder verwendete. Eine spezielle Schwierigkeit, Grahames Roman zu illustrieren, habe darin bestanden, das Verhältnis Tier-Mensch-Tier umzusetzen, da es neben den Tieren als Charaktere auch Nutztiere gab und es galt, diesen Unterschied auch bildlich klarzumachen.

Sebastian Meschenmoser zeichnet Kröterich zur Lesung von Carola Pohlmann.

Das abschließende Highlight des Abends waren die Live-Zeichnungen von Kröterich und von Herrn Dachs, die Sebastian Meschenmoser anfertigte, während Carola Pohlmann aus dem Kapitel „Kröterichs Abenteuer“ vorlas. Besonders Kröterich hatte es Sebastian Meschenmoser während der Arbeit an den Illustrationen angetan, da er interessant zu zeichnen war. Ein besonderes Merkmal von Herrn Dachs ist sein Rauschebart, der sehr an Harry Rowohlt erinnert, was der Künstler dadurch erklärte, dass er während seiner Arbeit stets dem Hörbuch zu Der Wind in den Weiden gelauscht habe. Sprecher: Harry Rowohlt.

 

Text: Salome Berhanu

Events

Veranstaltung „Zwischen Realität und Virtualität. Aktuelle Entwicklungen im Bilderbuch” am 06.11.

20.Veranstaltung der Reihe Kinderbuch im Gespräch am 06.11.

  • Termin

    06.November 2018

    18 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin

    Simón-Bolívar-Saal
    Potsdamer Straße 33

    10785 Berlin

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestellen

    H Potsdamer Brücke (Bus M29)

    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)

    H Kulturforum (Bus M48)

  • Alle Veranstaltungen

    Klicken Sie hier um zu einer Übersicht unserer Veranstaltungen zu gelangen.






20.Veranstaltung der Reihe “Kinderbuch im Gespräch”

„Zwischen Realität und Virtualität. Aktuelle Entwicklungen im Bilderbuch“

Über die Bedeutung des Bilderbuchs in einer sich wandelnden Medienlandschaft, die Erwartungen unterschiedlicher Rezipientengruppen an das Bilderbuch und die vielfältigen Möglichkeiten der künstlerischen Umsetzung diskutieren im Simón-Bolívar-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin (Potsdamer Straße 33)

ATAK (Illustrator, Comiczeichner und Professor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle),

Ada Bieber (Kinderbuchforscherin, Dozentin an der Humboldt-Universität zu Berlin),

Edmund Jacoby (Verleger, Berlin),

Sabine Keune (Antiquarin, Aachen),

Mariela Nagle (Kinderbuchvermittlerin, Inhaberin der Buchhandlung Mundo Azul, Berlin),

Isabel Pin (Illustratorin, Berlin) und Henning Wagenbreth (Grafiker, Comic-Zeichner und Professor an der Universität der Künste Berlin).

Moderiert wird das Gespräch vom Kinderbuchforscher- und Sammler Friedrich C. Heller und der Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin Carola Pohlmann.

Begleitend zur Veranstaltung wird eine kleine Ausstellung gezeigt, in der auch Bilderbücher der beteiligten Künstler*innen zu sehen sein werden.

Wir laden Sie zu dieser Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Kinderbuch im Gespräch“ herzlich ein und freuen uns auf eine angeregte Diskussion – auch mit dem Publikum.

Während der Veranstaltung werden Bildaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Staatsbibliothek gemacht. Mit
Ihrer Anmeldung erklären Sie sich mit der Veröffentlichung zu nicht kommerziellen Zwecken einverstanden.

Veranstaltung „Alles ist Anfang. Der Verleger Hans-Joachim Gelberg im Gespräch” am 06.06.

Alles ist Anfang. Der Verleger Hans-Joachim Gelberg im Gespräch

  • Termin

    06. Juni 2019

    18 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin

    Dietrich-Bonhoeffer-Saal
    Potsdamer Straße 33

    10785 Berlin

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestellen

    H Potsdamer Brücke (Bus M29)

    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)

    H Kulturforum (Bus M48)

  • Alle Veranstaltungen

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Illustration von Sabine Friedrichson zu: Josef Guggenmos: Groß ist die Welt : die schönsten Gedichte. – Weinheim : Beltz & Gelberg, 2006. – © Beltz & Gelberg



Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Kinderbuch im Gespräch“ am 6. Juni 2019

Als Verleger, Autor und Herausgeber hat Hans-Joachim Gelberg die Kinderbuchlandschaft der Bundesrepublik über Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet. Seit der Gründung im Herbst 1971 zeichnete sich das Kinder- und Jugendbuchprogramm von „Beltz & Gelberg“ durch Mut zur Innovation, hohe literarische und künstlerische Qualität, Kreativität und Originalität aus.

Dank seiner Offenheit, Begeisterungsfähigkeit und Experimentierfreude hat Hans-Joachim Gelberg viele Künstlerinnen und Künstler sowie Autorinnen und Autoren für das Kinderbuch entdeckt und gefördert, darunter Rotraut Susanne Berner, Janosch, Nikolaus Heidelbach, Klaus Kordon, Christine Nöstlinger, Mirjam Pressler oder Axel Scheffler.

Im Frühjahr 2019 hat Hans-Joachim Gelberg der  Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin seinen Vorlass als überaus großzügige Schenkung zur dauerhaften Aufbewahrung übereignet. Anlässlich der feierlichen Übergabe am 6. Juni 2019 wird Hans-Joachim Gelberg über seine Erfahrungen als Lektor und Verleger, über Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern sowie über seine Beziehung zur Kinderliteratur im Allgemeinen und zur Kinderlyrik im Besonderen  berichten.

Begleitend zur Veranstaltung wird eine kleine Ausstellung gezeigt, in der auch Bücher der o.g. Autor*innen und Künstler*innen zu sehen sein werden.

Wir laden Sie zu dieser Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Kinderbuch im Gespräch“ herzlich ein und freuen uns auf einen anregenden Abend.

Während der Veranstaltung werden Bildaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Staatsbibliothek gemacht. Mit
Ihrer Anmeldung erklären Sie sich mit der Veröffentlichung zu nicht kommerziellen Zwecken einverstanden.