Beiträge

Für Forschung und Kultur – Auch während der Open Access Week 2016

Vor dem Hintergrund der Berliner Open Access-Strategie – wir berichteten  – findet anlässlich der heute beginnenden internationalen Open Access Week 2016 an den Bibliotheken der hiesigen drei großen Universitäten die Posterausstellung Open in Action statt. Selbstverständlich sind auch wir mit einer Präsentation unserer Initiativen für den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen dabei, wenn es darum geht, die aktuellen Open Access-Aktivitäten in Berlin und Brandenburg vorzustellen.

Begleitend werden die insgesamt 30 Poster auch im Rahmen des Podiumsgesprächs Open in Action – Praxisperspektiven zu sehen sein – also am kommenden Mittwoch, 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr, in den Räumen des Wikimedia Deutschland e.V.

Da wir getreu nach Elvis Presley das Motto der diesjährigen Open Access Week sehr ernst nehmen, startet bei uns bereits am morgigen Dienstag die dreiteilige Veranstaltungsreihe Publikationskulturen im Wandel – Open Access in den … Ziel dieser Workshops ist es, den Stand der Transformation des Publikationssystems in jenen Wissenschaftsbereichen auszumessen, in denen die Staatsbibliothek zu Berlin ihre Sammel- und Kompetenzschwerpunkte hat.

Seien Sie uns herzlich willkommen! Unsere Türen stehen offen und ermöglichen Ihnen – klar! – Open Access.

Freikaufen per Sammelbüchse

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist Mitglied im „Library Selection Committee“ des Open-Access-Projektes „Knowledge Unlatched“

Im Juni 2016 beginnt die Auswahl der E-Books, die im Rahmen der nunmehr dritten Auflage des Open-Access-Projektes „Knowledge Unlatched“ ab 2017 als kostenfreie Publikationen für Forschung und Wissenschaft erscheinen werden. Die Staatsbibliothek zu Berlin, die das Projekt seit der ersten Minute unterstützt, wurde nun ins Auswahlkomitee berufen. Wir haben die Ehre aus über 300 Vorschlägen für bis dato noch nicht erschienene Titel diejenigen zu nominieren, die als E-Book im Kontext des Projektes erstmals veröffentlicht werden sollen. Außerdem werden zum ersten Mal auch Titel ausgewählt, die bereits zwischen 2005 und 2015 erschienen sind und nun nachträglich Open Access publiziert werden sollen. Hier gilt es ebenfalls aus 300 Einreichungen die 150 geeignetsten Titel auszuloten.

„Knowledge Unlatched“ wurde im September 2012 von Frances Pinter initiiert, um die Open-Access-Publikation von Monografien zu fördern. Das Crowdfunding-Geschäftsmodell basiert darauf, dass die teilnehmenden Bibliotheken eine bestimmte, im Vorfeld festgelegte Gesamtsumme investieren, die dazu eingesetzt wird, die Titel im Anschluss unter einer Creative-Commons-Lizenz zu veröffentlichen und sie damit für alle, also auch denjenigen, die am Projekt nicht teilgenommen haben, kostenfrei verfügbar zu machen. Je mehr Bibliotheken sich beteiligen, desto geringer ist die Summe, die pro Einrichtung für das E-Book bzw. das Paket bezahlt werden muss. Die Pilotkollektion 2013 / 2014 umfasste ein Paket aus 28 Titeln der Geistes- und Sozialwissenschaften. In der zweiten Runde 2015 / 2016 konnten bereits 78 Titel verteilt auf 8 verschiedene Pakete durch die Teilnahme von über 300 Bibliotheken im Open Access veröffentlicht werden. Für die dritte Runde ist geplant, nicht nur Neuerscheinungen sondern auch Backlist-Monografien sowie auch wissenschaftliche Zeitschriften einzubeziehen. Die Staatsbibliothek zu Berlin gehörte zu den ersten Bibliotheken in Deutschland, die das Projekt unterstützten, und wir freuen uns umso mehr, unter den drei deutschen Bibliotheken zu sein, die nun ins Auswahlkomitee berufen worden sind.

Liste der Knowledge-Unlatched-E-Books im Stabikat:

Mehr Informationen unter: http://www.knowledgeunlatched.org/

Aus der Antike in die Zukunft: Edition Topoi und Enhanced Publications

Das Feld des wissenschaftlichen Publizierens ist unter dem Einfluss der Digitalisierung einigermaßen unübersichtlich geworden. Wie etwa die Entstehung von Wissenschaftsblogs, maschinenlesbaren Nanopublikationen, Overlay Journals und speziellen Zeitschriften für die Veröffentlichung von Forschungsdaten, wissenschaftlichem Code oder Experimentvisualisierungen dokumentiert, ist ein Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation in vollem Gange, in dessen Gefolge nicht nur Diversität und Granularität der publizierbaren Einheiten zunehmen, sondern auch die Erosion der im Druckzeitalter etablierten und an der Buchseite orientierten Grenzen von Dokumenten rasant voranschreitet. Denn wissenschaftliche Beiträge werden inzwischen nicht selten um Kommentarfunktionen und digitale Zusatzmaterialien erweitert, als Living Documents aktuell gehalten oder für das Text- und Data-Mining semantisch angereichert – ein Szenario, in dem selbst statische PDF-Dokumente vermittels des Utopia-Readers zu ungeahntem Leben erwachen können.

Dabei ist dieser Prozess – wovon etwa die Anfang 2014 von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften organisierte und alle Disziplinen einbeziehende Konsultation zur Zukunft des wissenschaftlichen Publikationssystems zeugt – keineswegs auf die Technik-, Natur- und Lebenswissenschaften beschränkt. Auch die Geistes- und Kulturwissenschaften, deren Publikationsformate der Zukunft sogar in einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt exploriert wurden, gestalten den gegenwärtigen Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation aktiv mit.

Besonders eindrucksvoll belegt dies eine kürzlich vorgestellte Erweiterung, mit der die ebenso reputierte wie produktive Open Access-Publikationsplattform des altertumswissenschaftlichen Exzellenzclusters Topoi – The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations gewissermaßen im Futur II konjugiert wird. Und wir freuen uns darüber umso mehr, als doch das Projektkonsortium dieses im Rahmen der Exzellenzinitiative errichteten Forschungsverbunds neben der Freien und Humboldt-Universität auch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, das Deutsche Archäologische Institut sowie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz unter Beteiligung unserer Kartenabteilung umfasst.

Konkret wurde eine technische Lösung dafür geschaffen, die in der Edition Topoi im Open Access erscheinenden Monographien, Sammlungen und Zeitschriftenaufsätze als Enhanced Publications, also gemeinsam mit den jeweils zugrundeliegenden Forschungsdaten zitierfähig zu veröffentlichen – darunter Digitalisate von Quellentexten und Objekten oder auch dreidimensionale Rekonstruktionen und Architekturmodelle. Neben entsprechenden Speicherinfrastrukturen stellt die Edition Topoi zudem auch eine komfortable Viewer-Software bereit, um die einzelnen Studien in ihrer digitalen Erweiterung sichtbar zu machen und Interaktion damit – etwa durch Annotationen oder dynamische Verlinkung externer Ressourcen – zu befördern.

Aber damit nicht genug, reicht doch der innovative Impuls der Edition Topoi, wie im Zuge der Präsentation dieser zukunftsweisenden Publikationsplattform deutlich wurde, durchaus bis in die Sphäre der Wissenschaftspolitik: Zu diesem Anlass legten nämlich die Trägereinrichtungen des Exzellenzclusters in Form einer bekräftigenden Note zur von diesen seit Langem bereits unterzeichneten Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen das Bekenntnis dazu ab, das Open Access-Paradigma konsequent auch auf (altertumswissenschaftliche) Forschungsdaten und Digitalisate anzuwenden und deren Nachnutzbarkeit – nicht zuletzt durch Computer – zu erleichtern.

Es versteht sich, dass Enhanced Publications gerade in einem Büchertempel, in dem von der frühmittelalterlichen Handschrift bis zum zeitgenössischen künstlerischen Objektbuch nahezu alle Erscheinungsformen von Schriftlichkeit zu finden sind, große Aufmerksamkeit genießen: So unterstützt z.B. die Möglichkeit zur persistenten Referenzierung unserer Digitalisate auf Seitenebene die nahtlose Verknüpfung wissenschaftlicher Veröffentlichungen mit den jeweils darin zitierten Quellentexten. Zudem tragen unsere Projektaktivitäten in den Bereichen von Texterkennung und Text Mining dazu bei, die digitalisierten Segmente unserer Sammlungen in maschinenlesbare Forschungsdaten zu transformieren, die Sie wiederum für die Erweiterung Ihrer Publikationen verwenden können. Und schließlich ist in diesem Zusammenhang noch das disziplinäre Open Access-Repositorium unseres Fachinformationsdiensts für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung zu nennen, das sowohl für juristische Textbeiträge offen steht als auch und naturgemäß für die Veröffentlichung der dazugehörigen prozessierten Forschungsdatensätze.