Tausende orientalische Handschriften

Hinter den Kulissen: das Projekt „Orient-Digital“

(Ein Beitrag von Colinda Lindermann und Michaela Hoffmann-Ruf)

Seit Februar dieses Jahres ist die Datenbank der Orientalischen Handschriften der SBB eingefroren: sie ist weiterhin zur Recherche nutzbar, doch es werden keine Daten mehr ergänzt oder aktualisiert. Was ist los?
Kein Grund zur Sorge. Hinter den Kulissen wird fleißig weitergearbeitet, mit größerem Einsatz als je zuvor: denn vier Teams an vier Standorten – Berlin, Gotha, Leipzig, München – arbeiten seit letztem Sommer intensiv im neuen DFG-Projekt Orient-Digital .

Tausende orientalische Handschriften

Das Projekt hat sich Großes vorgenommen: in der 1. Projektphase (2020-2023) sollen insgesamt über 22.000 Handschriften in Arabisch, Persisch und Osmanisch-Türkisch in ein neues Portal eingetragen werden, zum Teil händisch durch unsere wissenschaftlichen MitarbeiterInnen, die an den drei größten Sammlungen in Deutschland angebunden sind. Sie arbeiten mit den gedruckten und zum Teil handschriftlichen Katalogen und tragen die Katalogdaten der Handschriften in die neue Datenbank ein. Zum Teil werden auch bereits vorhandene digitale Nachweise wie die der Sammlung der Leipziger Universitätsbibliothek importiert, damit sie an einer zentralen Stelle zugänglich sind. In einer zweiten Projektphase (voraussichtlich 2023-2025) ist das Einbinden weiterer asiatischer und afrikanischer Sprachgruppen geplant.

Sichtbarkeit auf der Baustelle

Gerade weil das Projekt für ein breiteres Publikum noch eine Weile unsichtbar sein wird, tauschen wir uns mit potenziellen NutzerInnen und anderen Interessierten immer wieder über Twitter (@od_portal) und unseren eigenen Blog „Alte Kataloge in neuem Gewand“ aus. Auf Twitter teilen wir, was uns bei der Arbeit auffällt und begeistert, und wie wir vorankommen. Hin und wieder hilft uns die Community, Fragen zu den Handschriften zu beantworten. Auf dem Blog schildern die verschiedenen Projektpartner hilfreiche Hintergrundinformationen zu den Sammlungen, Sammlern und Katalogen, mit denen wir arbeiten; außerdem beleuchten wir einzelne, besonders spannende Handschriften.

Aufgaben und Ziele

Bei „Orient-Digital“ handelt es sich um ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes, zunächst auf drei Jahre hin ausgelegtes Projekt zum Aufbau eines Verbundkatalogs und eines neuen Portals für orientalische Handschriften innerhalb Deutschlands – das Interesse geht aber jetzt schon über Deutschland hinaus: die österreichische Nationalbibliothek ist ebenfalls mit ihren orientalischen Handschriften vertreten, und wir hoffen, noch mehr internationale Kooperationspartner gewinnen zu können.
Die zentralen Ziele des Projektes sind die Konvertierung gedruckter Kataloge in elektronische, die Etablierung gemeinsamer Erschließungsstandards sowie die Zusammenführung aller bestehenden elektronischen Nachweise in einem zentralen System.
Antragsteller und zentrale Projektpartner sind die Staatsbibliothek zu Berlin, die Forschungsbibliothek Gotha, die Bayerische Staatsbibliothek München und das Universitätsrechenzentrum Leipzig.
Ein wichtiges Ziel des Projekts ist es aber auch, kleineren Sammlungen die Infrastruktur zu bieten, ihre Bestände im fachlichen und materialspezifischen Kontext zu präsentieren. Aktuell existieren Kooperationen mit über 25 weiteren Institutionen, deren Sammlungen im Portal besser sichtbar sein werden als bisher.

Normdaten

Über die Datenerfassung hinaus ist das Projekt bestrebt, Metadaten für Handschriften und Normdaten für historische Personen, Institutionen und Werktitel stärker einzubinden und zu verbessern. Dadurch wird die Erschließung der gewaltigen Bestände der verschiedenen Institutionen in Deutschland in Zukunft nicht nur über Suchmasken ermöglicht, sondern auch über Indizes für Personen und Werktitel. Eine genauere Erfassung der Normdaten bietet zudem mehr Möglichkeiten für die internationale digitale Vernetzung von Beständen. Für die Ergänzung und Korrektur von bestehenden Normdaten in der GND tauschen wir uns mit KollegInnen innerhalb der Orientabteilung und mit der Abteilung Bestandsaufbau der SBB aus.
Im Oktober 2021 werden wir in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Bibliotheca Arabica“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig einen Workshop veranstalten, der genau dies zum Thema hat: Wie gehen Bibliotheken und Forschungsprojekte mit der Erfassung und Pflege von Normdaten um? Wie werden sie in verschiedenen Projekten verwendet und ausgetauscht? Wie sichert man die Nachhaltigkeit? Das Interesse an diesem Workshop ist jetzt bereits groß, werden doch einige zentrale Fragen der Digital Humanities diskutiert. Die Ergebnisse werden direkt in die Weiterentwicklung unseres Projekts einfließen.

MyCoRe-Datenbank

Die Grundlage der neuen Datenbank ist die seit Jahrzehnten bewährte, vom Universitätsrechenzentrum Leipzig weiterentwickelte MyCoRe-Anwendung, die für dieses Projekt angepasst wird, um einen optimalen Datenaustausch zu ermöglichen und um allen interessierten Einrichtungen mit Sammlungen orientalischer Handschriften zukünftig zur Nutzung offen zu stehen.
Unsere Aktivitäten werden in enger Abstimmung mit dem ebenfalls von der DFG geförderten Handschriftenportal durchgeführt, um eine größtmögliche Vereinheitlichung der technischen und bibliothekarischen Standards zu erreichen. Das Ziel ist, im Bereich der technischen Infrastruktur längerfristig Synergien zu nutzen.
Ein wichtiges Augenmerk gilt der Benutzerfreundlichkeit, die zurzeit mithilfe von Usability-Tests ausgewertet und optimiert wird: zukünftige NutzerInnen werden über ihre Wünsche und Vorstellungen vom Portal befragt. Die Ergebnisse sollen nicht nur in das Design der Webseite einfließen, sondern vor allem bei den Funktionalitäten des neuen Portals berücksichtigt werden: wenn wir beispielsweise wissen, welche Suchfilter für die NutzerInnen relevant sind, können wir solche Funktionen sinnvoll in das Portal integrieren.

Weitere Informationen und Kontakt:

Website:         https://staatsbibliothek-berlin.de/de/die-staatsbibliothek/abteilungen/orient/projekte/dfg-projekt-orient-digital/  (http://sbb.berlin/dzbknu)

Mail:               od-portal@sbb.spk-berlin.de

 

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