BAM! BANG! BOOM! Superhelden an der Staatsbibliothek

Neulich wurde unsere Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf bei den Berliner Märchentagen gefragt, ob die Staatsbibliothek eigentlich auch Comics im Bestand habe. Die Antwort lautet: Ja! Denn im Jahr 2015 entwickelten wir für den allgemeinen Bestand eine neue Erwerbungsstrategie für Graphic Novels und Comics mit der Zielgruppe Erwachsene.

Graphic Novels und Comics als Forschungsgegenstand

Dies ist eine Reaktion auf ein sich herausbildendes Forschungsfeld in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Früher galten Comics ausschließlich als massenkulturelles Unterhaltungsmedium ohne großen Anspruch und wurden bisweilen gar als jugendgefährdend eingestuft. Aufgrund ihrer künstlerischen und zeitkritischen Bedeutung sind sie aber schon seit geraumer Zeit als moderne Kunst- und Literaturform anerkannt und zu einem festen Bestandteil der zeitgenössischen Kulturproduktion geworden. Diese Veränderung findet ihren Niederschlag in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Medium. Inzwischen haben Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Fachdisziplinen von der Kunstgeschichte über die Philologien bis hin zur Geschichtswissenschaft Graphic Novels und Comics als lohnenswerten Untersuchungsgegenstand entdeckt. Auch ein Blick auf die wichtigsten Institutionen der Forschungsförderung in Deutschland bestätigt dieses Bild: So würdigte in diesem Jahr die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit der Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises an Prof. Dr. Stephan Packard bereits zum zweiten Mal die Arbeit eines deutschen Comicforschers. Und das BMBF fördert aktuell eine Nachwuchsgruppe an den Universitäten Paderborn und Potsdam, die sich mit „graphischer Literatur“ auseinandersetzt. Graphic Novels und Comics – so lassen sich diese verstreuten Beobachtungen zusammenfassen – sind kein Randthema mehr, sondern zu etablierten Forschungsgegenständen in der deutschen wie internationalen Wissenschaftslandschaft geworden.

Graphic Novels und Comics an der Staatsbibliothek

Bisher wurden an der Staatsbibliothek Graphic Novels und Comics hauptsächlich in der Kinder- und Jugendbuchabteilung, in einigen regionalen Sonderabteilungen sowie herausragende Werke in den einzelnen Fachreferaten angeschafft. In diesem Jahr wurden Graphic Novels und Comics aber erstmals konzeptionell in die Erwerbungsprofile der Philologien aufgenommen und es wurden einheitliche Auswahlkriterien definiert. Mit dieser abgestimmten Erwerbungsstrategie möchten wir für Sie die Möglichkeit schaffen, diese zunehmend wichtiger werdende Quelle künftig auch bei uns wissenschaftlich zu nutzen.

Der Publikationsmarkt für Comics und Graphic Novels ist allerdings riesig und in seiner gesamten Breite kaum zu erfassen. Um hier eine sinnvolle und differenzierte Auswahl treffen zu können, wird die Staatsbibliothek zukünftig hauptsächlich Graphic Novels und Comics für Erwachsene erwerben,

  • die einen besonderen (zeit)geschichtlichen
  • oder (gesellschafts)politischen Bezug aufweisen,
  • literarische Klassiker adaptieren
  • oder stark rezipiert werden.

Einzelne, periodisch erscheinende Comichefte liegen dagegen außerhalb unseres Erwerbungsprofils.

Um einen Grundbestand an Comics aufzubauen, wurden an der Staatsbibliothek 2015 ca. 100 Comicklassiker retrospektiv erworben. Hier dürfen natürlich Superhelden wie Superman, Batman oder Captain America nicht fehlen. Daneben wurden Werke von herausragenden Protagonisten des internationalen Comics wie Alan Moore, Jacques Tardi, Hugo Pratt, Frank Miller, Will Eisner oder Guido Crepax berücksichtigt. In nächster Zeit werden Sie diese Titel im StaBiKat finden und bestellen können.

Wenn Sie aber schon jetzt einen Blick in unsere Comicsammlung werfen wollen, schauen Sie sich doch das „Herzstück“ der diesjährigen Comicerwerbung an: Die Datenbank Underground and Independent Comics, Comix, and Graphic Novels Series. Volume 1 und 2. Als registrierte Benutzerin und registrierter Benutzer der Staatsbibliothek haben Sie dort aktuell Zugang zu insgesamt 163.263 Seiten Comics und Graphic Novels für Erwachsene – online und im Volltext.

In die Ferne schweifen: Weltreise für Zuhause

Im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger entstand eine zweibändige Publikation im Schuber mit dem Künstlerbuch Chamissos Schatten von Ulrike Ottinger und dem Ausstellungskatalog mit Texten von Jutta Weber und Michael Fürst.

Ulrike Ottingers Buch dokumentiert in Text und Bild ihre Reise, die sie im letzten Jahr zur Vorbereitung der Ausstellung und ihres Films Chamissos Schatten unternommen hat. Der Ausstellungskatalog folgt dem Rundgang der Ausstellung selbst, zeigt alle präsentierten Objekte und bietet vertiefte Informationen hierzu. Die beiden in Leinen gebundenen Bücher befinden sich in einem Schuber und umfassen etwa 500 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Sie erhalten das Buch zu einem Preis von 39,90€ bis Ende Dezember während der Öffnungszeiten der Ausstellung, ab Januar dann an den geöffneten Tagen jeweils in der Zeit von 13 bis 18 Uhr am Shop gegenüber des Ausstellungsraums.

Oder Sie bestellen die Publikation per Email gegen Rechnung bei der Staatsbibliothek zu Berlin, Serviceteam Öffentlichkeitsarbeit: publikationen@sbb.spk-berlin.de.

Sie erhalten die Publikation in Berlin auch in ausgewählten Buchhandlungen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Aufbruch ins Unbekannte

Bevor Adelbert von Chamisso (1781-1838), Autor und Naturforscher, 1815 aufbrach, um an der Romanzoff’schen Expedition teilzunehmen, war er voller Vorfreude, an einer Weltreise teilnehmen zu können und er schrieb in Reise um die Welt (1836): “Ich schaute, freudiger Tatkraft mir bewußt, in die Welt, die offen vor mir lag, hinein, begierig in den Kampf mit der geliebten Natur zu treten, ihr ihre Geheimnisse abzuringen.”

Ulrike Ottinger, Filmemacherin und Künstlerin, machte sich 2014 mit einem Filmteam auf, um die Route, die einst auch Chamisso auf der nördlichen Hemisphäre genommen hatte, nachzureisen. Ihr Interesse gilt dabei den Themen Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften, die sie filmisch und fotografisch umsetzt. Ihr künstlerisch-ethnographischer Ansatz zeigt zum einen Regionen unserer Welt rund um das Beringmeer, die uns weitestgehend verborgen bleiben. Zum anderen, und genau dies zeichnet sowohl die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger aus als auch ihren neuen Film Chamissos Schatten, kombiniert sie ihre Filmaufnahmen mit den Texten, Bildern und Objekten früherer Reisender wie Georg Wilhelm Steller, Adelbert von Chamisso, James Cook, Johann Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und weitere mehr.

In enger Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin entstand die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar 2016 im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist. Vier Filme zu den oben benannten Themenfeldern werden hier in Beziehung gesetzt zu historischen Reisedokumenten und Objekten, die aus der Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Museum für Naturkunde, dem Ethnologischen Museum und dem Botanischen Museum stammen. Im Innern einer dunkelblauen, runden Zeltkonstruktion, die einer Jurte ähnelt und in der Meeresrauschen und Vogelgeschrei eine besondere Atmosphäre entstehen lassen, führen die Ausstellungsstücke von den Vorbereitungen einer Weltreise, über die zahlreichen Beobachtungen, die die Reisenden machten, hinzu dem, was am Ende von einer solchen Reise bleibt. Dabei lässt das Zusammentreffen von zeitgenössischen Filmaufnahmen und historischen Objekten ein besonderes Spannungsfeld entstehen, auf das man sich kontemplativ einlassen kann.

Dieser Blog wird in den nächsten Wochen weitergeführt und mit interessanten Informationen zu einzelnen Exponaten der Ausstellung erweitert. Außerdem werden hier Veranstaltungen, die im Rahmen der Ausstellung stattfinden, angekündigt. Schauen Sie immer wieder vorbei und entdecken Sie die Welt aus der Perspektive von Weltreisenden vom 18. bis zum 21. Jahrhundert.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin Foto: Udo Meinel

Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

 

 

Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger

2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016

Staatsbibliothek zu Berlin, Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamerstraße 33

Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag 11–19 Uhr

Donnerstag 13–21 Uhr

sonn- und feiertags geschlossen

Sonderöffnungszeiten Weihnachten und zum Jahreswechsel: 22., 23. und

28.–30.12.2015, 9–17 Uhr; 24.–26.12., 31.12.2015 sowie 1., 2.1.2016 geschlossen.

Eintritt frei

 

Weitere Veranstaltungen von Ulrike Ottinger in Berlin:

Fotoausstellung

CHAMISSOS SCHATTEN

05.12.2015 – 27.02.2015

Johanna Breede Photokunst

 

Screenings: WELTREISEN

08.12.2015 – 02.2016

Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V.