BAM! BANG! BOOM! Superhelden an der Staatsbibliothek

Neulich wurde unsere Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf bei den Berliner Märchentagen gefragt, ob die Staatsbibliothek eigentlich auch Comics im Bestand habe. Die Antwort lautet: Ja! Denn im Jahr 2015 entwickelten wir für den allgemeinen Bestand eine neue Erwerbungsstrategie für Graphic Novels und Comics mit der Zielgruppe Erwachsene.

Graphic Novels und Comics als Forschungsgegenstand

Dies ist eine Reaktion auf ein sich herausbildendes Forschungsfeld in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Früher galten Comics ausschließlich als massenkulturelles Unterhaltungsmedium ohne großen Anspruch und wurden bisweilen gar als jugendgefährdend eingestuft. Aufgrund ihrer künstlerischen und zeitkritischen Bedeutung sind sie aber schon seit geraumer Zeit als moderne Kunst- und Literaturform anerkannt und zu einem festen Bestandteil der zeitgenössischen Kulturproduktion geworden. Diese Veränderung findet ihren Niederschlag in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Medium. Inzwischen haben Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Fachdisziplinen von der Kunstgeschichte über die Philologien bis hin zur Geschichtswissenschaft Graphic Novels und Comics als lohnenswerten Untersuchungsgegenstand entdeckt. Auch ein Blick auf die wichtigsten Institutionen der Forschungsförderung in Deutschland bestätigt dieses Bild: So würdigte in diesem Jahr die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit der Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises an Prof. Dr. Stephan Packard bereits zum zweiten Mal die Arbeit eines deutschen Comicforschers. Und das BMBF fördert aktuell eine Nachwuchsgruppe an den Universitäten Paderborn und Potsdam, die sich mit „graphischer Literatur“ auseinandersetzt. Graphic Novels und Comics – so lassen sich diese verstreuten Beobachtungen zusammenfassen – sind kein Randthema mehr, sondern zu etablierten Forschungsgegenständen in der deutschen wie internationalen Wissenschaftslandschaft geworden.

Graphic Novels und Comics an der Staatsbibliothek

Bisher wurden an der Staatsbibliothek Graphic Novels und Comics hauptsächlich in der Kinder- und Jugendbuchabteilung, in einigen regionalen Sonderabteilungen sowie herausragende Werke in den einzelnen Fachreferaten angeschafft. In diesem Jahr wurden Graphic Novels und Comics aber erstmals konzeptionell in die Erwerbungsprofile der Philologien aufgenommen und es wurden einheitliche Auswahlkriterien definiert. Mit dieser abgestimmten Erwerbungsstrategie möchten wir für Sie die Möglichkeit schaffen, diese zunehmend wichtiger werdende Quelle künftig auch bei uns wissenschaftlich zu nutzen.

Der Publikationsmarkt für Comics und Graphic Novels ist allerdings riesig und in seiner gesamten Breite kaum zu erfassen. Um hier eine sinnvolle und differenzierte Auswahl treffen zu können, wird die Staatsbibliothek zukünftig hauptsächlich Graphic Novels und Comics für Erwachsene erwerben,

  • die einen besonderen (zeit)geschichtlichen
  • oder (gesellschafts)politischen Bezug aufweisen,
  • literarische Klassiker adaptieren
  • oder stark rezipiert werden.

Einzelne, periodisch erscheinende Comichefte liegen dagegen außerhalb unseres Erwerbungsprofils.

Um einen Grundbestand an Comics aufzubauen, wurden an der Staatsbibliothek 2015 ca. 100 Comicklassiker retrospektiv erworben. Hier dürfen natürlich Superhelden wie Superman, Batman oder Captain America nicht fehlen. Daneben wurden Werke von herausragenden Protagonisten des internationalen Comics wie Alan Moore, Jacques Tardi, Hugo Pratt, Frank Miller, Will Eisner oder Guido Crepax berücksichtigt. In nächster Zeit werden Sie diese Titel im StaBiKat finden und bestellen können.

Wenn Sie aber schon jetzt einen Blick in unsere Comicsammlung werfen wollen, schauen Sie sich doch das „Herzstück“ der diesjährigen Comicerwerbung an: Die Datenbank Underground and Independent Comics, Comix, and Graphic Novels Series. Volume 1 und 2. Als registrierte Benutzerin und registrierter Benutzer der Staatsbibliothek haben Sie dort aktuell Zugang zu insgesamt 163.263 Seiten Comics und Graphic Novels für Erwachsene – online und im Volltext.

In die Ferne schweifen: Weltreise für Zuhause

Im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger entstand eine zweibändige Publikation im Schuber mit dem Künstlerbuch Chamissos Schatten von Ulrike Ottinger und dem Ausstellungskatalog mit Texten von Jutta Weber und Michael Fürst.

Ulrike Ottingers Buch dokumentiert in Text und Bild ihre Reise, die sie im letzten Jahr zur Vorbereitung der Ausstellung und ihres Films Chamissos Schatten unternommen hat. Der Ausstellungskatalog folgt dem Rundgang der Ausstellung selbst, zeigt alle präsentierten Objekte und bietet vertiefte Informationen hierzu. Die beiden in Leinen gebundenen Bücher befinden sich in einem Schuber und umfassen etwa 500 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen.

Sie erhalten das Buch zu einem Preis von 39,90€ bis Ende Dezember während der Öffnungszeiten der Ausstellung, ab Januar dann an den geöffneten Tagen jeweils in der Zeit von 13 bis 18 Uhr am Shop gegenüber des Ausstellungsraums.

Oder Sie bestellen die Publikation per Email gegen Rechnung bei der Staatsbibliothek zu Berlin, Serviceteam Öffentlichkeitsarbeit: publikationen@sbb.spk-berlin.de.

Sie erhalten die Publikation in Berlin auch in ausgewählten Buchhandlungen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Aufbruch ins Unbekannte

Bevor Adelbert von Chamisso (1781-1838), Autor und Naturforscher, 1815 aufbrach, um an der Romanzoff’schen Expedition teilzunehmen, war er voller Vorfreude, an einer Weltreise teilnehmen zu können und er schrieb in Reise um die Welt (1836): „Ich schaute, freudiger Tatkraft mir bewußt, in die Welt, die offen vor mir lag, hinein, begierig in den Kampf mit der geliebten Natur zu treten, ihr ihre Geheimnisse abzuringen.“

Ulrike Ottinger, Filmemacherin und Künstlerin, machte sich 2014 mit einem Filmteam auf, um die Route, die einst auch Chamisso auf der nördlichen Hemisphäre genommen hatte, nachzureisen. Ihr Interesse gilt dabei den Themen Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften, die sie filmisch und fotografisch umsetzt. Ihr künstlerisch-ethnographischer Ansatz zeigt zum einen Regionen unserer Welt rund um das Beringmeer, die uns weitestgehend verborgen bleiben. Zum anderen, und genau dies zeichnet sowohl die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger aus als auch ihren neuen Film Chamissos Schatten, kombiniert sie ihre Filmaufnahmen mit den Texten, Bildern und Objekten früherer Reisender wie Georg Wilhelm Steller, Adelbert von Chamisso, James Cook, Johann Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und weitere mehr.

In enger Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin entstand die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar 2016 im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist. Vier Filme zu den oben benannten Themenfeldern werden hier in Beziehung gesetzt zu historischen Reisedokumenten und Objekten, die aus der Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Museum für Naturkunde, dem Ethnologischen Museum und dem Botanischen Museum stammen. Im Innern einer dunkelblauen, runden Zeltkonstruktion, die einer Jurte ähnelt und in der Meeresrauschen und Vogelgeschrei eine besondere Atmosphäre entstehen lassen, führen die Ausstellungsstücke von den Vorbereitungen einer Weltreise, über die zahlreichen Beobachtungen, die die Reisenden machten, hinzu dem, was am Ende von einer solchen Reise bleibt. Dabei lässt das Zusammentreffen von zeitgenössischen Filmaufnahmen und historischen Objekten ein besonderes Spannungsfeld entstehen, auf das man sich kontemplativ einlassen kann.

Dieser Blog wird in den nächsten Wochen weitergeführt und mit interessanten Informationen zu einzelnen Exponaten der Ausstellung erweitert. Außerdem werden hier Veranstaltungen, die im Rahmen der Ausstellung stattfinden, angekündigt. Schauen Sie immer wieder vorbei und entdecken Sie die Welt aus der Perspektive von Weltreisenden vom 18. bis zum 21. Jahrhundert.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

ksb_sw Kopie

 

 

Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin Foto: Udo Meinel

Eingang zur Ausstellung im Foyer der Staatsbibliothek zu Berlin
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung
Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt Foto: Udo Meinel

Innenansicht der Ausstellung mit Filmstill und Vitrinenausschnitt
Foto: Udo Meinel

 

 

Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger

2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016

Staatsbibliothek zu Berlin, Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamerstraße 33

Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag 11–19 Uhr

Donnerstag 13–21 Uhr

sonn- und feiertags geschlossen

Sonderöffnungszeiten Weihnachten und zum Jahreswechsel: 22., 23. und

28.–30.12.2015, 9–17 Uhr; 24.–26.12., 31.12.2015 sowie 1., 2.1.2016 geschlossen.

Eintritt frei

 

Weitere Veranstaltungen von Ulrike Ottinger in Berlin:

Fotoausstellung

CHAMISSOS SCHATTEN

05.12.2015 – 27.02.2015

Johanna Breede Photokunst

 

Screenings: WELTREISEN

08.12.2015 – 02.2016

Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V.

 

Wie der Untergang der Titanic mit E.T.A. Hoffmann zusammenhängt

Die Advents- und Weihnachtszeit ist traditionell die Zeit des Geschichtenerzählens. Auch heute noch? Vielleicht nicht mehr so ganz? Wir nehmen den Faden jedenfalls auf und erzählen Ihnen heute eine Geschichte – eine wahre Geschichte, die spannende Geschichte eines Buches. Denn im Projekt E.T.A. Hoffmann-Portal arbeiten wir gerade daran, die Bücher des großen Geschichtenerzählers Hoffmann digital zu präsentieren. In vielen Bänden können Sie in Zukunft online blättern, sich in die Illustrationen unterschiedlichster Künstlerinnen und Künstler vertiefen, die Entstehungsgeschichte des Werkes oder das individuelle Schicksal eines einzelnen Exemplars im Laufe der Zeit nachverfolgen, ehemalige Besitzerinnen und Besitzer kennenlernen, Details der Einbände erkunden und vieles mehr…

Darauf geben wir Ihnen heute einen kleinen Vorgeschmack und erzählen die Geschichte eines besonderen Kleinods aus unserer Sammlung Künstlerischer Drucke: Es ist ein einzigartiges Sonderexemplar der Nachtstücke, aus einer Vorzugsausgabe in Ganzleder, die 1913 im Münchner Verlag Georg Müller erschienen ist.

 

Von der Nachtseite der menschlichen Seele

Die Geschichte beginnt mit der Entstehung der Texte. In den Jahren 1815-1817 arbeitete E.T.A. Hoffmann als Richter in Berlin. Der verantwortungsvolle Posten sicherte seinen Lebensunterhalt, bedeutete aber auch eine große Belastung, von der er sich des Nachts befreite, indem er seiner literarischen Phantasie freien Lauf ließ – möglicherweise, und nicht ganz unwahrscheinlich, unterstützt durch ausgiebigen Opiumgenuss. Anregungen für seine phantastischen Erzählungen und den sprechenden Titel Nachtstücke hatte Hoffmann dabei in Fülle vor Augen. So bezeichnet der Begriff in der Malerei Gemälde mit nächtlichen, schauerhaften Szenen, die nur spärlich durch Fackellicht beleuchtet werden. Die einschlägigen Werke von Künstlern wie Pieter Breughel dem Jüngeren oder Antonio Correggio kannte und liebte Hoffmann sehr. Auch die aus England bekannten Gothic Novels inspirierten ihn zu seiner unvergleichlichen Schauerromantik.

 

Ein kleines Juwel der Druckkunst

So verwundert es nicht, dass die Meister der Druckkunst zahlreich versuchen, Hoffmanns Geschichten in ihren Ausgaben weiterzuerzählen, indem sie die Atmosphäre der Texte auf die Materialität des Buches übertragen. Der nummerierte Nachtstücke-Band Nr. 45, den wir Ihnen hier präsentieren, wurde beispielsweise erschaffen als eines von nur 100 Exemplaren einer Liebhaberausgabe, die auf edles holländisches Bütten gedruckt und in Ganzleder gebunden wurde. Als Schrift setzte die Spamer’sche Druckerei in Leipzig ihre Hausfraktur ein – eine gebrochene Schrift, die den Charakter des Unheimlichen auf eindrückliche Weise verkörpert. Für die Buchillustration wurde kein geringerer als der österreichische Grafiker, Schriftsteller und Buchillustrator Alfred Kubin verpflichtet, dessen Zeichenstil Christoph Brockhaus als „von geheimen Kräften getrieben“ und als „märchenhaft, phantastisch und grotesk“ beschreibt, der „den grenzenlosen Strom psychischen Erlebens“ auffängt (Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 158-160). Wer könnte Hoffmanns Geschichten also besser weitererzählen als Alfred Kubin? So schuf er denn auch 48 Zeichnungen, die als teils ganzseitige Illustrationen in die Ausgabe aufgenommen wurden.

 

Statt Futura ein Stilleben mit Totenschädel und brennender Kerze – Die Buchausstattung von Paul Renner

Auch der unikale Einband nimmt die unheimliche Atmosphäre aus Hoffmanns phantastischen Erzählungen auf. Das beeindruckende Stück schöner Schauerlichkeit entstand in der bedeutenden Leipziger Buchbinderei Hübel und Denck. In ihrem Auftrag schuf der Typograph Paul Renner die Buchausstattung, zu der vermutlich auch die individuelle Gestaltung dieses Sondereinbandes gezählt werden kann, die ganz im Gegensatz zu dem Schriftentwurf steht, für den Renner 1927 berühmt wurde: die Antiqua-Schrift Futura, die sich durch klare, gleichmäßige Formen auszeichnet. Der Einband dagegen erzählt in Bildern von den Geschichten Hoffmanns: Die Leserinnen und Leser können das leichte Unbehagen bereits spüren, das die traumatischen Szenen bei der Lektüre hervorrufen werden. Ein Totenschädel greift das alte Vanitasmotiv auf und spielt auf die Vergänglichkeit des Lebens an, oder ist es eine Maske, die auf Identitätsprobleme und den Wandel zwischen Traum und Wirklichkeit hindeutet? Der nächtlich dunkle Hintergrund wird knapp von einer kaum dem Wind widerstehenden Kerze beleuchtet, deren Rauchschwaden Gedanken an den möglichen Opiumrausch des Autors hervorrufen. Die Natur überdauert mit grell-roten Blüten und rankenden Pflanzen. Ganz individuelle Merkmale unseres Exemplars Nr. 45 sind zudem auch der edle textile Vorsatz aus geometrisch-ornamentalen Mustern in Silber und Schwarz sowie der passend verzierte Schnitt, die die Komposition des Einbandes abrunden.

 

Die Titanic kommt ins Spiel

Das Gefühl der Vergänglichkeit bleibt, wenn man den Band Nr. 45 aufschlägt und das Exlibris der ehemaligen Besitzer betrachtet: Baron Curt von Faber du Faur und seine 14 Jahre ältere Ehefrau Emma erwarben dieses Exemplar. Der Baron war Barockforscher, Mitbegründer des traditionsreichen Auktionshauses für Kunst und antiquarische Bücher Karl & Faber in München und Bibliothekar und Germanist an der Yale University Library  – so wundert man sich ebenso wenig über sein Interesse an E.T.A. Hoffmann wie über das liebevoll gestaltete und sorgfältig eingeklebte Exlibris mit dem Familienwappen der Faber du Faur. Mit seiner Gattin Emma Faber du Faur begegnen wir dagegen einer ungewöhnlichen Biographie – spannend nicht nur wegen ihrer ereignisreichen Familiengeschichte (die geborene New Yorkerin Emma Mock war nicht nur die verheiratete Frau Faber du Faur, sondern auch die reiche Witwe des 44 Jahre älteren Rufus Blake, die geschiedene Ehefrau des Hamburger Militärhauptmanns Paul Schabert und Mutter zweier Kinder, die auf den besten Schiffen der Zeit zwischen Europa und den USA hin- und herreiste), sondern weil sie als eine der wenigen Überlebenden der RMS Titanic in die Geschichte einging. Ihre Aussagen trugen dazu bei, den Hergang von Untergang und Rettung in der Aprilnacht 1912 ein Stück weiter nachzuvollziehen. Unser schönes Exemplar Nr. 45 wurde zwar erst 1913 gedruckt und gelangte vermutlich erst irgendwann nach der Hochzeit mit Baron von Faber du Faur im Jahr 1928 in den Besitz des Ehepaars (ein genaues Datum ist nicht überliefert), doch ist es nun unlösbar mit der Geschichte des Untergangs der Titanic verbunden.

Schließlich erwarb die Staatsbibliothek zu Berlin über eine Auktion den außergewöhnlichen Band für ihre Sammlung Künstlerischer Drucke. Damit endet unsere kleine Geschichte, obwohl die Geschichte des Buches noch lange nicht ihren Abschluss gefunden hat und vielleicht eines Tages weitererzählt wird…

 

Hier noch ein paar visuelle Eindrücke:

 

 

DFG födert vier Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, bewilligte zuletzt alle drei von der Staatsbibliothek zu Berlin gestellten Anträge zur weiteren Förderung des Ausbaus der Sammlungen und der modernen Dienstleistungen für die Fachinformationsdienste „CrossAsia – FID Asien“, „Kartographie und Geobasisdaten“ und „Slawistik“. Der Ausbau des Fachinformationsdienstes Recht wird von der DFG bereits seit dem Jahr 2014 finanziert. Für alle vier Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) mit jeweils einer Laufzeit von drei Jahren stellt die DFG der Staatsbibliothek zu Berlin  6,9 Mio. € zur Verfügung.
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, wertet dies „ …als Wertschätzung der bisherigen konzeptionellen wie auch praktischen Arbeit der jeweiligen Fachabteilungen, die in vielfältigen Kooperationen sowie in engem Kontakt mit den Communities aktuelle Anforderungen an die Literaturversorgung auf Forschungsniveau erkennen und diesen begegnen.“
In Forschung und Wissenschaft bewährt sich seit Jahrzehnten die Praxis der DFG, besonders leistungsstarke Bibliotheken mit erheblichen finanziellen Mitteln dabei zu unterstützen, die Literatur zu einzelnen Fachgebieten in großer Tiefe und Breite sowie in jeder verfügbaren Form zu beschaffen. Seit dem Jahr 2014 fokussiert dieses DFG-System der Literaturversorgung die Nutzerbedürfnisse in besonderem Maße und legt einen Schwerpunkt auf die Entwicklung elektronischer Dienstleistungen.

 

FID CrossAsia – FID Asien

Die Ostasienabteilung wird gemeinsam mit dem Südasien-Institut der Universität Heidelberg den FID Asien ausbauen.  Die bestehenden Sammlungen in Berlin und Heidelberg sowie die dort in den letzten Jahren entwickelten und betriebenen Angebote sind hierfür die idealen Ausgangspunkte. Insbesondere die inter- und transdisziplinär sowie regional und transregional ausgerichtete universitäre und außeruniversitäre Wissenschaft, Forschung und forschungsnahe Lehre wird profitieren. Beide Institutionen werden die am wissenschaftlichen Spitzenbedarf der deutschen Asienwissenschaften orientierten Informationsservices verlässlich und gebündelt ausbauen. Zu den vorrangigen Zielen gehören der Aufbau einer Infrastruktur für Volltext- und Metadaten sowie das Cross-Asia-E-Publishing.
In der Staatsbibliothek zu Berlin basieren die bislang schon entwickelten wie auch die künftigen Dienstleistungen auf 1,5 Millionen Bänden fachspezifischer Literatur, jährlich kommen die Ausgaben von 3.800 Zeitschriften und mehr als 25.000 Monographien hinzu. Über die virtuelle Fachbibliothek CrossAsia sind derzeit rund 100 lizenzpflichtige Datenbanken mit über 200 Millionen Einzeldokumenten bzw. Volltexten verfügbar. Die Suchfunktionen schaffen Zugang zu mehr als 100 Millionen verschiedenen Objekten inkl. Materialien aus Open Access-Repositorien aus den gedruckten bzw. lizenzierten Inhalten, die über CrossAsia zur Verfügung stehen. Aktuell 6.500 Cross-Asia-Nutzer können fachspezifische Services wie Newsletter, Diskussionsforen und Dokumentenspeicher nutzen, Ergebnisse aus Projekten und Entwicklungen werden via Cross-Asia Lab direkt verfügbar gemacht.

 

FID Kartographie und Geobasisdaten

Die Entwicklung des FID Kartographie und Geobasisdaten wird zum einen durch den Bestand von 1,2 Millionen Karten, 34.000 Atlanten und 36.500 Bänden Fachliteratur gestützt – damit fungiert die Staatsbibliothek zu Berlin als kartographisches Dokumentationszentrum Deutschlands. Zum anderen gründet der FID auf der von den Experten der Staatsbibliothek entwickelten Infrastruktur zur Nutzung von Karten. Als Nächstes werden weitere Systeme entwickelt, etwa um gezielt den Forschungsbedarf mit digitalisierte Karten zu bedienen. Für die Beschaffung von Geodaten entlegenerer Gebiete sind die stabilen Kontakte zum hochspezialisierten Kartenhandel von großem Wert, damit kann der FID Karten zur zentralen Anlaufstelle für die Fachcommunity reifen. Weltweit in verschiedenen Maßstäben und Ausgabeformen erscheinende topographische Kartenwerke werden in der Datenbank Topo-Liste erfasst, mit der Bibliographia Cartographica verantwortet die Staatsbibliothek zu Berlin das weltweit einzige Nachweisinstrument für das gesamte Spektrum der kartographischen Literatur.

 

FID Slawistik

Auch beim Aufbau des FID Slawistik steht die enge Abstimmung und Kooperation mit der Fachcommunity im Zentrum, um eine den Bedürfnissen der Forscher entsprechende informationstechnische Infrastruktur bereitzustellen. Unter anderem werden dazu die Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin mit Sammlungen externen Informationsquellen vernetzt und über ein weiterentwickeltes Slavistik-Portal,  das zur zentralen Stelle für bibliographische und digitale Informationen zur Slawistik wird, präsentiert. Zu in- und ausländischen elektronischen Volltextangeboten mit einheitlicher Indexierung wird der Zugang geschaffen. Ein Baustein bei der Schaffung des FID Slawistik wird der von den Facwissenschaftlern gewünschte Auf- und Ausbau der Inhaltserschließung für slawistische Zeitschriften, Sammelbände und Kongressschriften sein.

Vor Weihnachten noch eben schnell die Welt retten? (Teil 2) Literatur zum Klimawandel in der Staatsbibliothek

Die UN-Klimakonferenz ist vorüber, die mediale Aufmerksamkeit für Klimawandel und Klimaschutz lässt wieder nach. Sollte die Berichterstattung jedoch Ihr wissenschaftliches Interesse geweckt haben, finden Sie in der Staatsbibliothek selbstverständlich Bestände zu diesen Themen. Dieser Blogpost stellt einige davon vor. Insbesondere geben wir Empfehlungen zu Literatur, die einen Einstieg in den Stand der Wissenschaft und der gesellschaftlichen Debatte zum Thema ermöglicht. Außerdem zeigen wir eine Möglichkeit, wie Sie die Funktionen unseres Katalogs nutzen können, um innerhalb großer Bestände schneller die für Sie relevante Literatur zu finden.

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Vor Weihnachten noch eben schnell die Welt retten? Gedanken zum Umgang mit Webressourcen anlässlich der UN-Klimakonferenz

2015 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, und in Paris tagte vor Kurzem die UN-Klimakonferenz. Natürlich berichteten die Medien ausführlich, aber wie findet man in der „Informationsflut“ online weitergehende, verlässliche, aktuelle Informationen? Dieser Post empfiehlt die Nutzung redaktionell betreuter Internet-Angebote anstelle wiederholter Suchmaschinen-Nutzung und weist darauf hin, dass mittlerweile auch viele Wissenschaftler*innen bloggen.

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„Es war, als hätt‘ der Himmel/ Die Erde still geküßt“ – Eichendorffs „Mondnacht“-Gedicht jetzt als Faksimile

Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt in ihrer Handschriftenabteilung einen bedeutenden Teil des Nachlasses des oberschlesischen Dichters Joseph von Eichendorff (1788 – 1856). Aus den Berliner Eichendorff-Autographen ragt die einzige bekannte und überlieferte eigenhändige Niederschrift des Gedichts „Mondnacht“ als besonderes Juwel heraus. Das um 1835 entstandene Blatt mit der Gedichthandschrift wurde jüngst, versehen mit einem Kommentar, als zehntes Stück in der Schriftenreihe „Berliner Faksimile“ der Staatsbibliothek sehr originalgetreu faksimiliert.
Erhältlich ist es auf dem Postweg für 5 € zuzüglich Versandkosten; Bestellungen richten Sie bitte an Herrn Vogler via publikationen@sbb.spk-berlin.de

Neues Dauerangebot: Mit StabiStart drei Tage lang Bestände und Dienstleistungen testen

Gern zuerst testen! Für alle, die die Leistungen und Angebote der Staatsbibliothek zu Berlin noch nicht kennen, die gerade erst in die Stadt gekommen oder auf dem Weg hierher sind, die schon zu oft einen Bogen um die Häuser dieser Institution gemacht haben oder nicht sicher sind, ob das überhaupt alles das Richtige für sie ist, gibt es ab jetzt den kostenfreien Kurzzeit-Bibliotheksausweis „StabiStart“.

Seit heute kann jede Person ab 16 Jahren aus dem In- und Ausland an drei aufeinanderfolgenden Tagen kostenfrei einen großen Teil der Bestände, acht der neun Lesesäle und die vielfältigen Dienstleistungen der Staatsbibliothek zu Berlin testen. StabiStart ermöglicht zudem in den Lesesälen den Zugriff auf viele Millionen digitale Ressourcen wie Datenbanken und Volltexte sowie Zugang zum WLAN und den Internetarbeitsplätzen. Im Haus Potsdamer Straße 33 finden montags bis freitags 45-minütige Kurzeinführungen in die Arbeit mit und in der Bibliothek statt, diese in deutscher und englischer Sprache.

An diesen drei Standorten der Bibliothek, an denen Benutzungsbetrieb stattfindet, wird StabiStart an neue Benutzer ausgegeben: Haus Potsdamer Straße 33, Haus Unter den Linden/Eingang Dorotheenstraße 27 und am interimistischen Standort der Abteilungen für Zeitungen bzw. Kinder- und Jugendbücher im Westhafen. Mitzubringen ist der Personalausweis, ein Pass oder ein anderes für die Person ausgestelltes amtliches Dokument. Interessenten unter 18 Jahren müssen auch eine Einverständniserklärung ihrer Erziehungsberechtigten vorlegen.

Nach drei Tagen verliert StabiStart seine Gültigkeit. Wer danach weiter in der Staatsbibliothek zu Berlin arbeiten möchte, kann die kostenpflichtige Monats- oder Jahreskarte erwerben, dazu siehe http://staatsbibliothek-berlin.de/service/anmeldung/.

Führungen und Veranstaltungen zur Ausstellung WELTREISE

Ausstellung „Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger“ von Ulrike Ottinger in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin
gefördert von der Kulturstiftung des Bundes

Aus der Reise der Filmemacherin Ulrike Ottinger an einige Küsten rund um die Beringsee im Sommer 2014 entstand die Ausstellung „WELTREISE. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger“, die vom 2. Dezember 2015 bis 27. Februar 2016 in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin-Tiergarten, zu sehen ist.


Kuratorinnenführungen durch die Ausstellung

am 16. und 23. Januar sowie am 20. Februar 2016
jeweils um 11 Uhr, Haus Potsdamer Straße 33

Zusätzliche Führungen (10 – 15 Personen) bitte unter jutta.weber@sbb.spk-berlin.de anfragen.

 

Veranstaltungen zur Ausstellung

Hanns Zischler liest aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso und Ulrike Ottinger

Samstag, 30. Januar 2016, 16 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33

 

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König (Direktorin des Ethnologischen Museums Berlin)

Samstag, 6. Februar 2016, 16 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33

 

3. Internationale Chamisso-Konferenz (Anmeldung erforderlich)

25. – 27. Februar 2016
Otto-Braun-Saal, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/online-anmeldung-zur-konferenz-weltreisen/


Ausstellungsinformationen

Mittwoch, 2. Dezember 2015 – Samstag, 27. Februar 2016
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags-mittwochs, freitags/samstags 11-19 Uhr
donnerstags 13-21 Uhr
an Sonn- und Feiertagen geschlossen
Eintritt frei
zweibändige Publikation mit einem Künstlerbuch von U. Ottinger und einem Katalog zur Ausstellung (39,90 €)

Weitere Ausstellungsinformationen

Zur Presseinformation über die Ausstellung


Mehr dazu jetzt in Berlin:

4. Dezember 2015 – 27. Februar 2016
Fotoausstellung in der Galerie Johanna Breede Fotokunst, Fasanenstraße 69 in Berlin, http://www.photography-now.com/exhibition/110713

8. Dezember 2015 – 9. Februar 2016
Filmreihe Weltreisen im Kino Arsenal | Institut für Film- und Videokunst an der Potsdamer Straße 2 in Berlin; die Filmreihe startet in Anwesenheit Ulrike Ottingers mit ihrem Film „Johanna d’Arc of Mongolia“ von 1989,
http://www.arsenal-berlin.de/kino-arsenal/programm/einzelansicht/article/5770/2796.html

… und in Hamburg:

3. Dezember 2015 -13. März 2016
Ausstellung „Streamlines. Ozeane, Welthandel und Migration“ in den Deichtorhallen Hamburg; Fünfzehn künstlerische Projekte, zusammengestellt von der Kuratorin Koyo Kouoh aus Dakar, befassen sich mit Seewegen, Flucht, Hafen und Welthandel.
http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=464