Microservices, Sicherheit

Dieser Beitrag in unserer Blogserie zum Thema Microservices, behandelt das Thema Authentifizierung und Autorisierung basierend auf dem OAUTH2 – Verfahren. Es werden die Vorteile und Herausforderungen dieser Lösung erörtert.

Im Rahmen der Entwicklungsprojekte der Staatsbibliothek zu Berlin, ist eine technische Anforderung, die nahezu in jedem Projekt gefordert wird, die Anmeldung von Benutzern und die Verwaltung der entsprechenden Benutzerrechte und Rollen. Es ist dabei zu prüfen, ob diese Anforderung im Rahmen einer Organisationslösung oder als eine individuelle, projektspezifische Lösung umgesetzt wird. Eine mögliche Organisationslösung sollter meiner Meinung nach folgende wichtige Anforderung unterstützen:

  • Integrierbarkeit in eine Microservices Architektur.
  • Unterstützung mehrerer Authentifizierungsverfahren, wie zum Beispiel, LDAP, Shibboleth oder ein individuelles Verfahren.
  • Unterstützung von Single Sign On und Single Sign Out.
  • Unterstützung verschiedenster Anwendungen.
  • Individuelle Erweiterbarkeit.

Im Vorfeld zur Lösungsbeschreibung möchte ich einige Begriffe, welche häufig in diesem Kontext verwendet werden, erläutern.

Authentifizierung
Die Authentifizierung dient der Überprüfung der Benutzeridentität. In der Regel geschieht dies mit der Eingabe eines Benutzernamens und eines Passworts.

Autorisierung
Hierunter werden die Gewährung von Benutzerrechten und das Zulassen bzw. Verweigern der entsprechenden Aktion in der Anwendung verstanden.

Single Sign On / Single Sign Out
Mittels Single Sign On wird das einmalige Anmelden am System ermöglicht, um mehrere Anwendungen ohne wiederholte Anmeldung nutzen zu können. Analog existiert der Single-Sign-Out-Mechanismus zum Abmelden.

LDAP
Ein Verzeichnis Dienst zur Verwaltung von Benutzerinformationen.

Token
Ein codierter Text welcher Nutzer bzw. Zugriffsinformationen enthält. Enthält allerdings keine Passwortinformationen.

Begibt man sich in diesem Bereich auf die Suche nach möglichen aktuellen Verfahren und Lösungen, findet man folgende populäre Lösungsansätze, welche einige der oben genannten Anforderungen unterstützen:

OAUTH2
OAUTH2 ist eine reine Autorisierungslösung und der Nachfolger von OAUTH 1.0. Das OAUTH2 Protokoll ermöglicht Anwendungen, Zugriff auf Webservices mit begrenzten Benutzerinformationen zu erhalten. Es wird bereits durch Anbieter von Webservices, wie zum Beispiel Facebook, Google oder auch Twitter verwendet. Alle Informationen zum Verfahren können Sie unter folgendem Link nachlesen.

OPEN ID Connect
Open ID Connect ist eine einfache Identitätsverwaltungsschicht basierend auf OAUTH2. Es ermöglicht Client Anwendungen die Identität eines Nutzers zu verifizieren und Nutzerinformationen zu erhalten. Es basiert auf HTTP REST Kommunikation.

SAML2, Security Assertion Markup Language
SAML2 ist ein Standard zum Austausch von Authentifizierungs-, und Autorisierungsinformationen und Nachfolger vom SAML Standard. SAML 2.0 ist XML-basiert und benutzt Sicherheitstoken zum Austausch von Nutzerinformationen. SAML basiert auf dem Zusammenspiel von einem Principal, dem Benutzer, einem Serviceprovider, einem Webservice zum Zugriff auf eine geschützte Ressource und einem Identity-Provider zur Prüfung der Identität eines Benutzers. SAML2 ist damit eine sogenannte Enterprise – Lösung, welche im gesamten Unternehmen bzw. der Organisation eingesetzt werden muss.

Für alle diese Verfahren sind bereits vielfältige Softwarebibliotheken und Produkte entwickelt worden. Eine Auswahl an Produkten welche diese Verfahren unterstützen sind folgende:

Eine gute Wahl ist meiner Meinung nach das Spring Security Framework. Die wichtigsten Gründe dafür sind:

  • Die gute Integrationsmöglichkeit für die Nutzung REST basierten Microservices,
  • Die Möglichkeiten der individuellen Erweiterbarkeit,
  • Die Unterstützung aller gängigen Authentifizierungsverfahren und Standards
  • Eine aktive Community und Weiterentwicklung
  • Die gute Integration in die Spring-Technologie.

Wie genau kann nun aber eine Lösung aussehen?

Eine mögliche Lösung hierfür wäre eine Remote-Fassade im Bereich der Sicherheit aufzubauen. Diese kann mögliche Autorisierungsverfahren verstecken und in Richtung der Anwendungen auf ein Verfahren standardisiert werden. Alle Anwendungen sind auf Basis des OAUTH2 Verfahren integriert.Folgende Abbildung veranschaulicht die Komponenten und das Verfahren.

Authentifizierung, Remote Fassade

Authentifizierung, Remote Fassade

Möchte der Benutzer eine Anwendung verwenden, wird dieser bei fehlender Authentifizierungsinformation auf die Anmeldeseite (Login) des Identity-Managementservers weitergeleitet. Dort kann der Nutzer seine Benutzerkennung eingeben und wird nach erfolgreicher Anmeldung zur ursprünglichen Anwendung zurück geleitet. Dieses Verfahren basiert auf dem OAUTH2 Flow „Authorization Code Grant“. Es können hier allerdings auch andere Flows für eine Anwendung verwendet werden. Beim Umleiten der Nutzeranfrage vom Identity-Management zur Anwendung wird dieser Umleitung ein sogenannter Token mitgegeben. Hier sollte meiner Meinung nach ein JSON Web Token (JWT) verwendet werden. Dieser Token enthält alle nutzerspezifischen Informationen und die entsprechenden Rechte und Rollen für diesen Benutzer. Die Anwendungen können nun diesen JWT auswerten und die entsprechenden Aktionen innerhalb der Anwendung zulassen bzw. verweigern. Zusätzlich zu dem OAUTH2 Standardverfahren ist es jetzt aber möglich für jede Anwendung ein Auhentifizierungsverfahren festzulegen. So könnte festgelegt werden, dass Benutzer der Anwendung A sich gegen das LDAP authentifizieren und Benutzer der Anwendung B sich gegen einen SAML2 Identity Provider authentifizieren. Hier agiert das Identity Management als eine Remote-Fassade zur Kapselung möglicher Authentifizierungsverfahren. Mit Hilfe des JWT können alle benutzerspezifischen Informationen platziert und ohne einen erneuten Login durch die Anwendungen ausgewertet werden.

Welche Vorteile bietet eine solche Lösung?

Diese Lösung hat den Vorteil, dass beliebige Authentifizierungsverfahren einmalig integrieren und mehrfach nachgenutzt werden können. Zusätzlich wird in Richtung der Anwendungen auf ein Verfahren standardisiert, was für die Client-Anwendungen weniger Anpassungen bei Erweiterungen des Indentity-Managements bedeutet und letztendlich auch Betriebsaufwände verringern kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass jegliche Anwendungen mit allen benötigten Benutzerinformationen versorgen können ohne jemals die Benutzerauthentifizierung im Netzwerk ausgetauscht zu haben. Mit Hilfe des JWT können so auch Microservices ohne Userinterface die Nutzerinformationen erhalten und auswerten.

Welche Herausforderungen bringt diese Lösung mit sich?

Eine Herausforderung ist natürlich die Integration komplexer Authentifizierungsverfahren wie zum Beispiel SAML2. Hierbei müssen die Anmeldeinformationen bei dem entsprechenden Identity Provider der jeweiligen Organisation eingegeben werden und nicht im Standard-Login des Identity-Managements.
Eine weitere Herausforderung ist die unterschiedliche Darstellung derselben Anmeldeseite für unterschiedliche Anwendungen. Mögliche Ansätze zur Lösung dieser Thematik könnten auf Frontend-Komposition basieren. Dies bedeutet, dass die Anmeldeseite in die jeweilige Anwendung integriert und somit dem Anwendungslayout angepasst wird.
Neben der Anmeldung muss ebenfalls eine Lösung für eine einheitliche Abmeldung in allen Anwendungen gefunden werden. Dazu gibt es sogenannte Push Verfahren mit welcher das Identity Management die Anwendungen über die Benutzerabmeldung informieren kann.

Fazit

Das Thema Authentifizierung / Autorisierung und damit das Thema Sicherheit spielt im Bereich der Microservices eine wichtige Rolle. Bei der Konzeption einer Microservice-Architektur sollte aus meiner Sicht dieses Thema im Vorfeld separat und dediziert geplant werden. Es ist ein zentraler Bestandteil der so genannten Macroarchitektur. Denn jeder Microservices hat zur Aufgabe die Geschäftslogik entsprechend der Nutzerrechte zu gestalten. Dafür kann es natürlich nicht für jeden Microservices eine individuelle Sicherheitslösung geben. Die hier vorgestellte Lösung, hat den Vorteil, dass die Verwendung eines JWT und des OAUTH2-Verfahrens sich sehr gut für die Verwendung innerhalb einer Microservices Architektur eignet. Der JWT kann in jeden HTTP Request als Authorization Header mitgesendet werden, sodass ein HTTP REST basierter Microservice diesen auswerten kann. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die Anwendungslogik zur Auswertung des Tokens, sich nicht zu stark auf die Struktur des JWT festlegt. Wird diese nämlich im Laufe der Zeit grundlegend geändert müssen sämtliche Microservices angepasst werden. Mit der Auswahl des Frameworks Spring Security, dem OUATH2 Verfahren und dem JSON Web Token ist eine leichtgewichtige Integration sehr gut möglich.

Die ZHB 8 – aktuelle Zeitschriften der Politik- und Sozialwissenschaft kompakt!

Seit fast einem Jahr präsentieren wir Ihnen die Zeitschriften der Politik- und Sozialwissenschaft im Haus Potsdamer Straße in einem neuen Format, an einem neuen Ort – in der ZHB 8, das ist die Zeitschriftenauslage der Handbibliothek 8. Diese finden Sie in der Cafeteria-Ebene im 1. Obergeschoss. Dort bieten wir Ihnen alle Zeitschriftentitel und Hefte, die Sie zuvor in der Handbibliothek 8 (HB 8) einsehen konnten. Zusätzlich finden Sie eine große Anzahl von Titeln, die Sie bis dahin aus dem Magazin bestellen mussten. Doch nicht nur das: Wir können Ihnen einige Zeitschriften in gedruckter oder digitaler Form anbieten und zugleich auch viele Titel, die sowohl auf Papier als auch elektronisch zur Verfügung stellen.

Die neuesten und noch ungebundenen Hefte finden Sie in den jeweiligen grünen Schubern im Regal. Über die dort aufgeklebten QR-Codes kommen Sie zudem bequem zu den elektronischen Artikeln, die Sie über unser WLAN auf Ihrem Smartphone oder Tablet lesen können. Wenn Sie die QR-Codes nicht nutzen möchten, erreichen Sie die Volltexte auch über die im Stabikat bei den entsprechenden Titeln angegebenen Links. Die letzten fünf Jahrgänge der jeweiligen Titel finden Sie in gebundener Form ebenso in der ZHB 8. Natürlich können Sie auch die Zeitschriften des Fachgebietes systematisch durchsehen und das in einer Vielzahl westeuropäischer Sprachen.

Nutzen Sie unser Angebot, nehmen Sie die Zeitschriften mit an Ihren Arbeitsplatz in den Lesesaal, zum Scannen in den Copy-Shop oder lesen und informieren Sie sich gleich vor Ort. Für Letzteres haben wir weitere Sitzgruppen aufgestellt. So können Sie die Bestände der ZHB 8 direkt vor Ort nutzen und wir hoffen, Ihre Aufenthaltsqualität damit zu verbessern.

Haben Sie weitere Anregungen und Wünsche? Teilen Sie uns mit, wie Ihnen die ZHB 8 gefällt, was wir verbessern können oder was Sie vermissen. Kommt Ihnen diese separate Aufstellung für Ihre Forschung entgegen oder bevorzugen Sie die Zeitschriftenaufstellung im Bereich der Handbibliothek (HB 8)? Sagen Sie uns Ihre Meinung, kommentieren Sie hier in unserem Blog, nutzen Sie die Feedbackbox vor Ort oder  nutzen Sie das Feedback-Formular ‚Fragen Sie uns‘ auf unseren Webseiten.

21. Jahrestagung des AEB

Vom 27.-29. Oktober trafen sich Fachleute, die sich mit Einbandforschung, Restaurierung und Sammeln historischer Bücher beschäftigen, zur 21. Jahrestagung des „Arbeitskreises für die Erfassung, Erschließung und Erhaltung historischer Bucheinbände“ in der Landesbibliothek Coburg.

Den Eröffnungsvortrag „Die Landesbibliothek Coburg – eine ernestinische Fürstenbibliothek im heutigen Bayern“ hielt die Leiterin der Landesbibliothek Coburg, Dr. Silvia Pfister. Zeitgleich wurde eine begleitende Ausstellung eröffnet: „Herr erhalte mich bei Deinem Wort. Dynastie und Konfession auf ernestinischen Fürsteneinbänden“. Zur Ausstellung wurde von Mitgliedern der Geschäftsführung des AEB eine Handreichung erarbeitet. Das Programm der Tagung beinhaltete Vorträge und Workshops, deren Bogen sich von Einbänden des Mittelalters bis zu modernen Einbänden des Typographen und Buchkünstlers Jan Tschichold spannte. Eine Führung auf der Veste Coburg konzentrierte sich – passend zum kommenden Reformationsjahr – auf die dortigen Luther-Räume. Die Exkursion am Samstagnachmittag führte ins Thüringische Schleusingen, wo die historische Bibliothek des dortigen „Hennebergischen Gymnasiums“, die auf Schloss Bertholdsburg aufbewahrt wird, in Augenschein genommen werden konnte. Dazu passend läuft dort die aktuelle Sonderausstellung „Verborgene Schätze der Hennebergischen Gymnasialbibliothek“.

Der Dedikationseinband um ein Heft der Zeitschrift Einband-Forschung, der der ausrichtenden Bibliothek inzwischen traditionell überreicht wird, wurde in diesem Jahr von der Hallenser Buchbinderin und Burg Giebichenstein-Absolventin Claudia Richter hergestellt. Zur Tagung erschien Heft 39 der Einband-Forschung, das den Teilnehmern mit den Tagungsunterlagen überreicht wurde.

[Text von Ninon Suckow und Thomas Klaus Jacob.]

Sanssouci einmal anders – Vortrag von Prof. Dr. Dorgerloh am 17.11.

Sanssouci einmal anders

Von alten und neuen Bibliotheken und was es sonst noch aus den Preußischen Schlössern und Gärten zu berichten gibt

Vortrag von Professor Dr. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten

Donnerstag, 17. November 2016, um 18 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamer Straße
Eintritt frei, Anmeldung unter freunde@sbb.spk-berlin.de erbeten

Seit der Antike sind Bibliotheken Paläste des Wissens. Wir wüssten kaum etwas über die Geschichte der Menschheit, würde sie uns nicht auf Papyrus und Papier erzählt. Und deshalb hat auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit dem Wissenschafts- und Restaurierungszentrum am Rande des Parks Sanssouci eine neue, moderne Forschungs- und Arbeitsbibliothek gebaut.

Aber auch die Schlösser beherbergen historische Bibliotheken wie die Friedrichs des Großen im Schloss Sanssouci und im Neuen Palais. Die Bücher  preußischer Könige und Königinnen sind Teil des reichen kulturellen Erbes, das von der SPSG an den historischen Orten bewahrt, erforscht und öffentlich präsentiert wird.

Der Vortrag ist eine Einladung zu einer Grand Tour zu den Schlösser und Gärten als Orte der brandenburgisch-preußischen und der europäischen Geschichte, die auch hinter die Kulissen schaut.

 

Professor Dr. Hartmut Dorgerloh, geboren 1962 in Berlin, studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie und arbeitete nach seiner Dissertation von 1987 bis 1990 als Konservator am Institut für Denkmalpflege der DDR. 1991 übernahm er das Referat Denkmalschutz im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Von 1999 bis 2001 war Hartmut Dorgerloh Gründungsdirektor des „Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte“ in Potsdam. 2002 übernahm er das Amt des Generaldirektors der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

 

Buchpatenschaft für den Monat November

Für den Monat November haben wir uns zur Aufmunterung an trüben und grauen Tagen eine Karikatur aus der Einblattsammlung der Staatsbibliothek zu Berlin als Patenschaft des Monats ausgesucht. Das Blatt ist in einem Maße beschädigt, dass es erst nach einer Restaurierung Forschenden wieder  zur Verfügung gestellt werden kann.

Procai vairballe
Karikatur von Alfred le Petit (1841-1909)

Paris [1872]
Lithographie (koloriert)

In einem orthographisch fehlerhaften Protokoll berichtet ein Feldhüter, dass er einen Mann und eine Frau zusammen in einem Kornfeld gefunden hat und nun einen Strafzettel wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses schreibt. Die Karikatur stammt aus der Karikaturensammlung Kaiser Wilhelm I. zum Krieg 1870/71.

Schaden bzw. was ist zu tun: Alte Verklebungen lösen, wässern, nachleimen, glätten, Einblattdruck mit Japanpapier auf ein Trägerpapier montieren und in eine Mappe aus säurefreiem Archivkarton kleben.
kalkulierte Kosten: 118 €

Karikatur "Procai Vairballe" - aus der Sammlung Kaiser Wilhelm I.

Karikatur “Procai vairballe” – aus der Sammlung Kaiser Wilhelm I.

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass diese Karikatur restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de. Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt.

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Luther In Worms: „Ich kann und will nicht widerrufen“

Ein Schlüsselereignis der Reformation in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“

Luther verbrennt die Bannbulle (Kinderbuch von 1830). Lizenz CC-BY-NC-SA

Luther verbrennt die Bannbulle (Kinderbuch von 1830). Lizenz CC-BY-NC-SA

Die rasante Verbreitung von Martin Luthers 95 Thesen und vor allem seines “Sermon von Ablass und Gnade” machte den Konflikt mit der kirchlichen Hierarchie unausweichlich. Als Reaktion auf die Thesen erfolgte im August 1518 das Verhör Martin Luthers durch Kardinal Thomas Cajetan auf dem Reichstag in Augsburg, im Juni 1520 die Androhung des Kirchenbanns durch Papst Leo X. Luther verbrannte diese Bulle des Papstes zusammen mit scholastischen und kanonistischen Schriften am 10. Dezember vor den Toren Wittenbergs – die Vollstreckung des Banns folgte im Januar 1521. Vor dem Reichstag in Worms sollte Luther noch im gleichen Jahr seine Lehren widerrufen, doch er blieb bei seiner Überzeugung und trotzte Kirche und Reich. Kaiser Karl V. verhängte über ihn die Reichsacht und verbot die Lektüre aller lutherischen Schriften. Auf der Rückreise nach Wittenberg ließ Kurfürst Friedrich der Weise den nun vogelfreien Luther „überfallen“ und auf der Wartburg bei Eisenach in Sicherheit bringen.

Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521

Fast drei Monate nach der Eröffnung des Reichstags zu Worms wurde auch die Causa Lutheri verhandelt: Am 17. April 1521 stand der bereits als Häretiker verurteilte und mit dem Kirchenbann belegte Luther vor dem Reichstag zu Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmalig zum Widerruf aufgefordert.

Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte Martin Luther mit der hier gedruckten Begründung ab: „dieweil mir mein gewissen begriffen ist inn den worten gottes, so mag ich, noch will kain wort nit Corrigiern oder widerrueffen, dieweyl wider das gewissen beschwärlich und unhaylsam zu handlen, auch geferlich ist.“ Nur wenn er direkt mit den Worten der Heiligen Schrift des Irrtums überführt werden könne, wäre er zum Widerruf bereit. Und mit den Worten „Got kumm mir zuhülf. Amen. Da bin ich“ wendet sich Luther zum Gehen. Das zu dieser Schlüsselszene oft zitierte Lutherwort „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“ findet sich in dieser Form erst auf einem Holzschnitt aus dem Jahre 1557.

Luthers Stellungnahme am zweiten Tag. Lizenz CC-BY-NC-SA

Luthers Stellungnahme am zweiten Tag. Lizenz CC-BY-NC-SA

Die Folge der Weigerung Luthers war das Wormser Edikt, in dem die Reichsacht über ihn verhängt wurde. Durch einen Schutzbrief wurde Luther noch für 21 Tage freies Geleit zugesichert, danach galt er als „vogelfrei“.

Der in Augsburg erschienene Druck gibt das Verhör Luthers in der deutschen Übersetzung von Georg Spalatin wieder und enthält ein auf 1521 datiertes Porträt Martin Luthers, das ihn mit einem aufgeschlagenem Buch – vermutlich der Bibel – und noch mit der Tonsur und in der Kutte der Augustinereremiten zeigt. Auf eine insgesamt hastige Herstellung dieses “Berichts aus Worms” dürfte der extrem schräg geratene Abdruck in unserem Exemplar hindeuten.

Vom 3.2. bis 2.4.2017 können Sie dieses und viele weitere Objekte zu Luthers Auftritt in Worms selbst bei uns in der Staatsbibliothek in Augenschein nehmen.

Im Haus Unter den Linden: Blaue Streifen in Ihren Bänden – mehr als ein herbstlicher Farbtupfer!

Wenn Sie als Leserin oder Leser der Staatsbibliothek im Haus Unter Linden in der nächsten Zeit hellblaue Steckstreifen in den von Ihnen an der Bücherausgabe abgeholten Bänden vorfinden, möchten wir Ihnen die dunklen Herbsttage mit einer farblichen Beigabe etwas aufhellen. – „Na, vielen Dank auch für diesen farbpsychologischen Hilfeversuch… Aber was soll das?“, werden Sie sagen. Und in der Tat sind unsere Intentionen etwas anderer Natur. Natürlich wünschen wir Ihnen allen, dass Sie ohne depressive Verstimmungen durch die trüben Tage kommen, aber schon die ersten aufgedruckten Schlagworte auf den Steckstreifen  „Antworten“ und „Lösungswege“ deuten darauf hin, dass wir Sie verstärkt auf das Dienstleistungsangebot unserer Auskunftsstellen aufmerksam machen möchten. Wenn Sie nämlich die beiden Informationsplätze im Lesesaal ansteuern, dürfen Sie weit mehr erwarten als nur die Klärung der Frage, wo ein bereits ermitteltes Werk im Lesesaal steht oder ob eine gesuchte Quelle in der Staatsbibliothek vorhanden ist. Wir wollen Ihnen bei allen Fragen Ihrer wissenschaftlichen Arbeit als Beratungsinstanz zur Seite stehen. Egal, ob es sich um die weltweite Suche nach einer Quelle, eine Recherche zu einem Sachthema oder einer Person, die Orientierung in einer Datenbank, das Auffinden eines Digitalisates oder einer ganz anderen Frage im Zusammenhang mit Ihrer Forschungstätigkeit handelt: Fragen Sie uns einfach! Denn keine Frage ist zu profan und keine Frage ist – hoffentlich – zu schwer für uns. Wir werden uns immer um eine klärende Antwort bemühen und freuen uns, wenn wir Ihnen weiterhelfen können. Und wenn wir ausnahmsweise einmal keine Lösung parat haben sollten, wissen wir, wo Sie Hilfe oder Unterstützung finden können. Nur das Fragen, das müssen Sie noch selbst übernehmen…

Unsere Bereitschaft zu umfassenden Informationsdienstleistungen beschränkt sich natürlich nicht auf den Historischen Forschungslesesaal im Haus Unter den Linden. Nutzen Sie auch unsere anderen Zugangskanäle zu den Antworten auf Ihren Informationsbedarf:

  • Schreiben Sie uns eine Mail und nutzen Sie den goldenen Briefumschlag mit dem Fragezeichen, den Sie überall auf unserer Homepage finden können!
  • Rufen Sie uns unter 030/266433888 an und stellen Sie Ihre Fragen direkt an eine hilfsbereite Mitarbeiterin oder einen hilfsbereiten Mitarbeiter!
  • Besuchen Sie die Information im Lesesaal im Haus Potsdamer Straße oder eine andere Auskunftsstelle unserer Bibliothek!

 

Beitrag von: Thomas Schmieder-Jappe

Johann Sebastian Bachs Autograph zum Reformationsfest 1725

Unser Highlight zur Kirchenmusik in der Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda”

Ein Beitrag von Roland Schmidt-Hensel

Johann Sebastian Bach. Kupferstich von August Weger (um 1865), nach einem 1746 entstandenen Gemälde von Elias Gottlob Haußmann. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach. Kupferstich von August Weger (um 1865), nach einem 1746 entstandenen Gemälde von Elias Gottlob Haußmann. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist im kollektiven Bewusstsein als die „in Musik gegossene Stimme des Luthertums“ fest verankert. In der Ausstellung “Bibel – Thesen – Propaganda” vom 3.2. bis zum 2.4.2017 präsentieren wir an prominenter Stelle des Themenbereichs Kirchenmusik eine eigenhändige Komposition Bachs.

Bachs Schaffen bildet den Kulminationspunkt einer Entwicklungslinie lutherischer Kirchenmusik, die schon bald nach Luthers Thesenanschlag ihren Ausgang genommen hatte. Seit Mitte der 1520er Jahre beschäftigte sich der Reformator intensiv mit der Neuorganisation städtischer Schulen und der ihnen zugeordneten Kantoreien, die in den folgenden Jahrhunderten zu wichtigen Trägern der lutherischen Kirchenmusik werden sollten. Als „Urkantor“ gilt Luthers musikalischer Berater Johann Walter, der 1526 in Torgau eine Stadtkantorei begründete und wenige Jahre später zum Lehrer und Kantor am dortigen Gymnasium berufen wurde.

Wie Walter, so war auch Johann Sebastian Bach während seiner von 1723 bis zu seinem Tode 1750 währenden Amtszeit als Leipziger Thomaskantor zugleich Musiklehrer an der Thomasschule. Zu Bachs Aufgaben gehörte es ferner, mit dem Thomanerchor und den Stadtmusikern die Gottesdienste in der Thomaskirche musikalisch auszugestalten. Außer in Fastenzeiten gelangte hierbei allwöchentlich eine Kantate zur Aufführung. In seinen ersten beiden Amtsjahren (Trinitatis 1723 bis Trinitatis 1725) schuf Bach zwei fast vollständige Jahrgänge mit Kantaten zu allen Sonn- und Feiertagen, die rund die Hälfte aller überlieferten 200 Kirchenkantaten aus seiner Feder ausmachen. In späterer Zeit, als Bach vermehrt auf eigene bereits vorhandene Werke sowie auf fremde Kompositionen zurückgriff, verlangsamte sich der Schaffensrhythmus deutlich.

Johann Sebastian Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79. Autograph, S. 1. Lizenz CC-BY-NC-SA

Johann Sebastian Bach: Gott der Herr ist Sonn und Schild BWV 79. Autograph, S. 1. Lizenz CC-BY-NC-SA

Die Kantate „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ entstand zum Reformationsfest 1725 und ist die einzige Kantate Bachs zu diesem Anlass, deren Autograph erhalten ist. Eine weitere Bach-Kantate zum Reformationsfest („Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 80) ist nur in späteren Abschriften überliefert, darunter eine Handschrift von Bachs Schwiegersohn Johann Christoph Altnickol.

Bachs Schlussformel SDG = Soli Deo Gloria. Lizenz CC-BY-NC-SA

Bachs Schlussformel SDG = Soli Deo Gloria. Lizenz CC-BY-NC-SA

Anders als diese Kantate, die einen der bekanntesten Choräle Martin Luthers verarbeitet, rekurriert BWV 79 textlich nicht direkt auf Luther, sondern thematisiert ausgehend von dem Psalmvers „Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild. Der Herr gibt Gnade und Ehre, er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen“ (Ps 84,12) allgemein den Schutz Gottes für seine Kirche. Dem festlichen Anlass entsprechend ist das Orchester außer mit Streichern und Holzbläsern auch mit zwei Hörnern und Pauken besetzt.

Der Kopftitel des Autographs „J.J. Festo Reformationis. Gott der Herr ist Sonn und Schild.“ beginnt mit der für Bach typischen Anrufungsformel „J[esu] J[uva]“ (Jesus, hilf!). Am Ende des Werkes findet diese zu Beginn geäußerte Bitte um gutes Gelingen ihr Gegenstück in der Formel „S[oli] D[eo] G[loria]“ (Gott allein [sei] Ehre).

BeWeB-3D – Bewegungsbücher und dynamische Buchobjekte digital

An die von der Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit Angehörigen von Freier Universität, Humboldt-Universität und Universität Potsdam organisierte Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit ist ausdrücklich die Erwartung gerichtet, sie möge als Inkubator für kooperative, die Grenzen von Disziplinen und Sparten überschreitende Forschungsvorhaben dienen.

Pünktlich zum Start der dritten Runde unseres beliebten Dialogs mit der Forschung hat sich diese Hoffnung tatsächlich auch erfüllt. Denn der von der Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin präsentierte Vortrag zu Materialität und Geschichte der Spiel- und Verwandlungsbilderbücher seit dem 17. Jahrhundert gab den Anstoß zu einer spartenübergreifenden Drittmittelinitiative der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ziel dieses beim Bundesministerium für Bildung und Forschung im Kontext der Ausschreibung Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes: eHeritage beantragten Projekts ist es, ein generisches Konzept zur dreidimensionalen Digitalisierung dynamischer Buchobjekte zu erstellen – ein Vorhaben, das zu unserer großen Freude nun ab Februar 2017 gefördert werden wird. Perspektivisch soll besagtes Konzept das Fundament dafür legen, zunächst die international herausragende Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin an historischen Spielbilderbüchern und später auch die Vielfalt der in den Museen, Bibliotheken und Archiven der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwahrten dynamischen Buchobjekte und klappbaren Bildträger aus allen Kulturkreisen im Rahmen von Folgeprojekten zu digitalisieren – darunter z.B. Thorarollen, Rotuli, künstlerische Objektbücher und Volvellen.

Für die initiale Konzeptentwicklung ist das Feld der weltweit nur in wenigen Gedächtnisinstitutionen systematisch gesammelten Spielbilderbücher des 17. bis 19. Jahrhunderts ideal geeignet, decken doch die mehr als 300 in der Berliner Staatsbibliothek verfügbaren Titel das gesamte typologische Spektrum an Bewegungsbüchern ab, das in zahlreichen granularen Binnenstufungen zwischen den beiden Polen des am Ende der Aufklappbewegung statischen Objekts einerseits (z.B. Pop-Up-Buch) sowie des sich sowohl im Verlauf seiner Ausfaltung dynamisch verändernden als auch danach noch mobilen Objekts (bspw. Papiertheater) andererseits aufgespannt ist. Während die zuerst genannten Buchobjekte im ausgefalteten Zustand keine Interaktion mehr zulassen, ist die zuletzt angesprochene Gattung durch das Vorhandensein flexibler, zur Bewegung einladender Elemente charakterisiert, die eine mechanisch-performative Gestaltung der dargestellten Szenerie nicht nur ermöglichen, sondern eigentlich sogar dazu auffordern.

Zunächst soll anhand einer die verschiedenen Typen von Bewegungsbüchern repräsentierenden Auswahl von 25 historischen Spielbilderbüchern die prinzipielle Machbarkeit einer digitalen 3D-Replikation von dynamischen Buchobjekten erprobt werden, stellt doch die Rekonstruktion der temporalen und performativen Dimensionen der Objektgattung Bewegungsbuch erhebliche Anforderungen an die jeweils zu wählende Technologie. Zudem muss für alle Digitalisierungsaktivitäten als leitende Priorität gelten, die Spezifik der einzelnen Werke und namentlich der stärker interaktiven Spielbilderbücher zu erhalten, zumal gerade die performative Dimension dieser Objektgattung im Zuge des material turn in den Forschungsfokus gleich mehrerer Disziplinen gerückt ist. Angesichts der materialen Diversität der in den Blick genommenen Werke werden insofern nicht nur Verfahren der fotografischen bzw. Video-Erfassung anzuwenden sein, sondern zwingend auch Physik-, Game- und andere zur Replikation performativer Buchobjekte geeignete 3D-Engines, wie sie etwa im Rahmen der Computerspieleentwicklung zum Einsatz kommen.

Bei diesem herausfordernden Vorhaben steht uns als technischer Projektpartner das am Vorderasiatischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin angesiedelte Zentrum für Digitale Kulturgüter in Museen (ZEDIKUM) zur Seite, das gegenwärtig zu einer Core Facility ausgebaut wird – mit dem Auftrag, alle Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowohl mit Beratungsangeboten als auch mit hardware- wie softwareseitigen Infrastrukturservices bei der digitalen Replikation ihrer Objektbestände zu unterstützen. Zwar verfügt ZEDIKUM über ebenso umfängliche wie praxiserprobte Expertise in der Anwendung der verschiedenen dreidimensionalen Digitalisierungsverfahren – von fotogrammetrischen Methoden bis hin zu aufwändigen Objektmodellierungen unter Einsatz von 3D-Engines. In Bezug auf unser gemeinsames Projektvorhaben in seiner hier nur angedeuteten Komplexität erscheint es aber dennoch so, als sei nicht nur der Gegenstand des eingangs erwähnten Materialitätsvortrags mit geradezu prophetischer Weitsicht gewählt, sondern auch sein Titel: „kein Kinderspiel“.

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P.S. Die passende Stellenausschreibung zu diesem Text finden Sie hier.

Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) – Diplomat, Orientalist und Sammler“

Call for Papers (English version see below)

Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) – Diplomat, Orientalist und Sammler“

Staatsbibliothek zu Berlin, 7./8. September 2017

Im Jahre 2017 gedenken wir des 200. Todestages von Heinrich Friedrich von Diez (2.9.1751-7.4.1817). Er war ein sehr gelehrter und streitbarer Kenner der Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients sowie ein leidenschaftlicher Sammler von Büchern und Handschriften. Eine Beschäftigung mit ihm und seinen beinahe in Vergessenheit geratenen Werken kann einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutschen Orientalistik in der Periode zwischen Spätaufklärung und der Entstehung der orientalischen Philologie im 19. Jahrhundert leisten.

 

Als junger Mann engagierte sich Diez als Freimaurer und veröffentlichte einige Texte zu gesellschaftspolitischen Themen, die ihn als einen typischen Vertreter des Sturm und Drang erscheinen lassen. Zwischen 1784 und 1790 war er preußischer Gesandter an der Hohen Pforte in Konstantinopel. In dieser Zeit intensivierte er seine orientalischen Sprachstudien und wurde zu einem seiner Kenntnisse wegen hochgeschätzten Orientkenner- und liebhaber. Nach seiner frühzeitigen Demission ließ er sich in der Nähe Berlins nieder und widmete sich fortan dem Studium seiner Handschriften, die er aus der Türkei mitgebracht hatte. Diez machte die deutsche Leserschaft bekannt mit Werken wie dem türkischen Epos von Dede Korkut und dem Qābūsnāma, einem persischen Prinzenspiegel. In seinen Denkwürdigkeiten von Asien, publiziert 1811 und 1815 behandelte er zahlreiche geographische, ethnographische, sprachwissenschaftliche und literarische Themen auf der Grundlage seiner Handschriftenstudien. Bekannt ist sein Einfluss auf Goethes West-östlichen Divan ebenso wie sein heftiger Disput mit Joseph von Hammer-Purgstall. In seinen letzten Lebensjahren wurde Diez ein tiefgläubiger Christ. Er starb 1817 während seiner Arbeit an einer osmanischen Bibelausgabe.

Diez vermachte seine herausragende Privatbibliothek mit ca. 17.000 Druckschriften und mehr als 850 orientalischen und abendländischen Handschriften der damaligen Königlichen Bibliothek in Berlin, wo sie bis heute als eine der wichtigsten historischen Büchersammlungen erhalten ist.

 

Wir erbitten Vorschläge für Vorträge in Deutsch, Englisch und Französisch zu den folgenden Themen:

– Heinrich Friedrich von Diez’ Leben und Wirken, die Rezeption seiner Werke und seine Korrespondenz

– Untersuchungen zu Diez’ Bibliothek und Handschriftensammlung

– Politische Beziehungen und Kulturtransfer zwischen Europa (insbesondere Preußen) und dem Osmanischen Reich im 18./frühen 19. Jahrhundert

– Entwicklung der Orientalistik und insbesondere der Türkischen Studien im 18./frühen 19. Jahrhundert in Deutschland und Europa

 

Interessenten werden gebeten, Ihre Themenvorschläge mit Titel, Kurzbeschreibung (max. 400 Wörter) und Kurz-Lebenslauf bis spätestens 27. November 2016 per Email einzusenden an christoph.rauch@sbb.spk-berlin.de.

Die Kostenübernahme für Vortragende ist vorgesehen, jedoch an eine noch ausstehende Drittmittelbewilligung gebunden.

 

Call for Papers

Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) ­ – Diplomat, Orientalist, and Collector“

Staatsbibliothek zu Berlin, 7./8. September 2017

 

In 2017 we will commemorate the 200th anniversary of the death of Heinrich Friedrich von Diez (2.9.1751-7.4.1817). He was a profound and belligerent expert of the languages and cultures of the Middle East and a passionate book-collector. A fresh look on him and his almost forgotten works can contribute to a better understanding of the development of Oriental studies in Germany between the period of Enlightenment and the emergence of Oriental philology.

 

As a young man Diez was a committed freemason and published some essays on social and political issues that make him appear as a typical representative of the Sturm und Drang era. Between 1784 and 1790 he was the Prussian envoy at the Ottoman Sublime Porte in Constantinople. During these years he intensified his studies of Oriental languages and became a widely acknowledged scholar and connoisseur of the Middle and Near East. After his premature dismissal in 1790 he settled down near Berlin and devoted himself to studying the books and manuscripts he had brought from Turkey. He made German readers aware of the Turkish national epic of Dede Qorqūd and the Persian mirror for princes Qābūsnāma. In his Denkwürdigkeiten of Asien, published in two volumes in 1811 and 1815, he dealt with many geographical, linguistic, literary and ethnographic topics based on sources in his manuscript collection. His impact on Goethes West-östlichen Divan and his heavy dispute with Joseph von Hammer-Purgstall are well known. In the last years of his life Diez became a devout Christian. He died in 1817 while working on an Ottoman edition of the Bible.

 

Diez bequeathed his outstanding personal library comprising about 17,000 printed books and more than 850 Oriental and Western manuscripts to the Royal Library in Berlin, where it is preserved to this day as one of its most important collections.

 

We invite contributions in German, English and French to the following themes:

– Aspects dealing with Heinrich Friedrich von Diez’ career, works, scholarly correspondance, and the perception of his works

– Investigations into Diez’ manuscript and book collection

– Political relations and cultural transfer between Europe (especially Prussia) and the Ottoman Empire in that period

– Development of Oriental and particularly Turkish studies (especially but not exclusively in Germany) in the 18th/early 19th century

 

Interested participants are invited to submit a proposal (by email only) with a title, abstract (max. 400 words) and short CV by 27 November 2016 to christoph.rauch@sbb.spk-berlin.de.

 

Travel expenses of successful applicants will be most probably covered, provided that external funding is granted.