Das Blog-Netzwerk der Staatsbibliothek zu Berlin – Beiträge für Forschung und Kultur

Italienisch-deutsches Symposium und Forschungsforum der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft am 1.-2. Juni 2017

E.T.A. Hoffmanns Stadterkundungen und Stadtlandschaften

Italienisch-Deutsches E.T.A. Hoffmann Symposium
sowie
Forschungsforum der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft

 

1. und 2. Juni 2017
Staatsbibliothek zu Berlin
Simón-Bolívar-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

 

Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung bis zum 25.05.2017 wird gebeten.

Das ausführliche Programm und weitere Informationen finden Sie auf der Veranstaltungs-Webseite der Staatsbibliothek zu Berlin.

 

Das Symposium wird organisiert von Dr. Tiziana Corda, Gremiumsmitglied der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, und Jörg Petzel, Vize-Präsident der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin.

Dem Symposium schließt sich das Forschungsforum der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft an. Es dient zur Förderung des Forschungsnachwuchses und wird organisiert von Dr. Kaltërina Latifi, Präsidentin der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft.

 

Kontakt:

Dr. Tiziana Corda
E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft

Christina Schmitz
Staatsbibliothek zu Berlin

E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft
Webseite: www.etahg.de

 

Zum Symposium

Das literarische Werk des Italien-Verehrers E.T.A. Hoffmann gehört zum Kanon der Weltliteratur und dessen Bedeutung zeigt sich in der internationalen Rezeption und den vielen Übersetzungen ins Englische, Italienische, Französische, Russische bis hin ins Koreanische und Chinesische. Die anhaltend starke Rezeption Hoffmanns in Italien ist an den vielen Übersetzungen, den jährlich publizierten wissenschaftlichen Arbeiten und auch an den Schuleditionen ablesbar. 2002 fand in Mailand unter der Leitung von Sandro M. Moraldo eine Hoffmann-Tagung unter dem Aspekt „E.T.A. Hoffmann und Italien“ statt, deren Schwergewicht auf der unaufgelösten Spannung der einander widersprechenden Italien-Bilder in Hoffmanns Werk lag. Die geplante Tagung vom 1. bis 2. Juni 2017 mit renommierten italienischen sowie deutschen Germanisten und Romanisten setzt einen völlig anderen Akzent und fokussiert sich auf den Hauptaspekt der Stadterkundungen in Hoffmanns literarischem Gesamtwerk, mit dem Schwerpunkt der Städte Rom, Mailand, Venedig und Berlin. Diese italienisch-deutsche Tagung ist ein Baustein zu einer fruchtbaren europäischen Kooperation und bestärkt zugleich das kulturelle Erbe beider Länder.

Die preußische Hauptstadt Berlin mit ihrem rasanten Bevölkerungswachstum wurde um 1800 zum beliebten Reiseziel und die Großstadt als Lebensraum eigener Ordnung und Qualität ins Bewusstsein gerückt. Die Motive Tumult, Gewimmel, Unordnung sind Bestandteile der Großstadterfahrung. Die Großstadt erscheint als Mikrokosmos und als Bündelung der Vielfalt auf kleinem Raum. Stadterfahrung bedeutet auch literarisch orchestrierte Grenzüberschreitung, das Fremde, die Nacht, die Spelunken und Restaurants, Panoramen und Liebhabertheater. Die Stadt bot nun neue Räume, die einer Gesellschaft im Umbruch als Parallelwelten wechselnde Identitäten ermöglichten. In Hoffmanns Berliner Erzählungen finden wir unter anderem Gespensterhäuser („Das öde Haus“), Weinkeller („Die Brautwahl“), Gartenlokale („Ritter Gluck“, „Aus dem Leben dreier Freunde“) mit bürgerlichem Publikum und ihren grotesk wirkenden Außenseitern.

Die Präsidentin des italienischen Germanistikverbandes, Prof. Elena Agazzi aus Bergamo, wird Hoffmanns Gespensterhäuser und seinen Außenseitern mit ihrem Vortrag über „Das öde Haus“ in einem neuen Licht erscheinen lassen. Dr. Klaus Deterding (Berlin) wird Hoffmanns Berliner Innenstadt-Zeichnung „Der Kunz‘sche Riß“ mit dessen Poetik in Verbindung setzen und Dr. Elena Giovannini (Bologna) interpretiert Hoffmanns Erzählung „Aus dem Leben dreier Freunde“. Ein Desiderat der Forschung sind sicherlich E.T.A. Hoffmanns Frauengestalten und Weiblichkeitsentwürfe, die im Vortrag von Dr. Giulia Ferro-Milone erörtert werden. Auch der sich seit den Befreiungskriegen gegen Napoleon ausbreitende Antijudaismus/Antisemitismus in Preußen, den auch Hoffmann in seinen Berliner Erzählungen „Die Brautwahl“, „Die Irrungen / „Die Geheimnisse“ thematisierte, wird in einem Beitrag von Jörg Petzel kritisch beleuchtet. Prof. Matteo Galli aus Ferrara, Herausgeber der italienischen Hoffmanns Gesamtausgabe, wird über das Thema “(Un-)sichtbare Städte: l’effet du réel bei Hoffmann“ referieren.

Im Gegensatz zu Berlin hat E.T.A. Hoffmann Italien und seine Städte nie persönlich erleben können. Mangels eigener Erlebnisse und Erfahrungen arbeitete er mit zeitgenössischen Quellenwerken, deren Extrakt ein exaktes Grundgerüst seiner in Italien spielenden Erzählungen bietet. Im Kontrast zu Hoffmann und seinem Werk kommen während dieser wissenschaftlichen Tagung auch italienische und deutsche Dichter zu Wort, die lange oder zeitweilig in Rom, Venedig oder auch Mailand lebten, wie Alessandro Manzoni, Ludwig Tieck und Friedrich Rückert. Die Stadterfahrungen in den Werken dieser Autoren werden in einigen Vorträgen thematisiert werden. Den einführenden Festvortrag „Unter dem Vulkan. Goethe, de Sade, E.T.A. Hoffmann“ hält der renommierte italienische Germanist Prof. Patrizio Collini aus Florenz. Der Romanist und Komparatist Prof. Joachim Küpper (Berlin) wird die Darstellung italienischer Städte in Alessandro Manzonis Roman „Il promessi sposi“ / „Die Brautleute“ interpretieren. Der bekannte Tieck-Experte, Prof. Dr. Walter Schmitz, wird „die Stadtbilder und die Entdeckung der Stadt“ in Ludwig Tiecks Werk erhellen. Die Rom-Gedichte von Hoffmanns Zeitgenossen Friedrich Rückert werden vom Marburger Germanisten Prof. York Gothart Mix einer neuen Sicht unterzogen. Hoffmanns Erzählungen „Prinzessin Brambilla“ sowie „Signor Formica“, die in Rom lokalisiert sind, werden, unter dem Einbezug von Karneval und Stadtbevölkerung, im Vortrag von Dr. Tiziana Corda analysiert. Den abschließenden Vortrag unserer Tagung hält Prof. Claudia Albert (Berlin), die den Bogen von Hoffmanns Capriccio „Prinzessin Brambilla“ zu Heinrich Manns Novelle „Branzilla“ spannen wird.

Achtung Fahrraddiebe – hier wurden Fahrräder codiert!

Am 26.4.2017 hatte die Staatsbibliothek zusammen mit der Polizei Berlin eine Fahrradcodier-Aktion organisiert. Zwischen 12 und 15 Uhr konnten Räder markiert und registriert werden.

Der Anlass für diese Aktion war, dass im letzten Jahr mehrere Fahrräder vor dem Haus Potsdamer Straße entwendet wurden – die Aktion sollte eine gemeinsame Veranstaltung gegen Fahrraddiebstahl sein.

18 Nutzerinnen und Nutzer konnten vorab einen Termin hierfür buchen. Diese waren blitzschnell vergeben, und viele weitere Fahrradfahrbegeisterte meldeten sich direkt vor Ort. Aufgrund des großen Interesses sorgte die Polizei für Verstärkung und konnte in den drei Stunden insgesamt 65 Fahrräder codieren.
Dank des Einsatzes von vier Polizist*innen war die Wartezeit gering, auch wenn Viele die Gelegenheit gleich mitnutzten, um sich kompetent und umfassend zur Diebstahlsprävention beraten zu lassen.

Der Zuspruch war groß, was uns motiviert, diese Aktion zu wiederholen – die nächste Codieraktion ist in Planung und wird vor dem Haus Unter den Linden stattfinden.

Bis dahin finden Sie bei der Polizei Berlin weitere Termine und Informationen zum Thema Fahrradkennzeichnung.

Ein herzliches Dankeschön an die Polizei Berlin für das Engagement, die Professionalität und die Freundlichkeit.

Wissenschaftliche Bibliotheken und Stadtentwicklung

Frau Eva May, Mitarbeiterin im FID-Projekt der Kartenabteilung, bekommt den renommierten b.i.t.online-Innovationspreis 2017 verliehen, welcher jedes Jahr drei herausragende Abschlussarbeiten aus dem Bereich Bibliothek, Information und Dokumentation auszeichnet. Die von ihr eingereichte Arbeit „Wissenschaftliche Bibliotheken und Stadtentwicklung“ zeigt die zentrale Rolle, die wissenschaftliche Bibliotheken in Diskurs und Praxis der Stadtentwicklung spielen können. Anhand von verschiedenen internationalen Beispielen wird gezeigt, welche Chancen und Risiken die Implementierung in die Stadtentwicklung nicht nur für die öffentlichen, sondern speziell auch für die wissenschaftlichen Bibliotheken birgt. Die Einbeziehung letzterer in die Stadt stellt eine bislang noch neue Entwicklung dar, zu der bisher wenig geforscht wurde.

Mit freundlicher Genehmigung Dinges und Frick

Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird beim Deutschen Bibliothekartag 2017 in Frankfurt am Main bei der Veranstaltung „Innovationsforum“ am 1. Juni 2017 vorgestellt. Die preisgekrönte Arbeit wird in der Reihe „BIT online / Innovativ“ im Verlag Dinges & Frick Wiesbaden veröffentlicht. Wir gratulieren herzlich!

Prinzessinnen-Bibliothek erworben

Staatsbibliothek zu Berlin und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erwarben gemeinsam Prinzessinnen-Bibliothek

Stiftungen und Privatpersonen für die Kultur- und Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg engagiert

Fünf Stiftungen und 120 Privatpersonen unterstützten die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, SPSG, und die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, SBB-PK, beim gemeinsamen Erwerb der Prinzessinnen-Bibliothek. Diese setzt sich aus den einstigen Privatbibliotheken dreier hochadliger Damen zusammen, die alle in enger verwandtschaftlicher Verbindung zu Friedrich II. von Preußen (1712-1786) standen: Seine Mutter Sophie Dorothea von Hannover, Königin in Preußen (1687-1757), seine Schwester Luise Ulrike von Preußen, Königin von Schweden (1720-1782), und seine Nichte Sophie Albertine, Prinzessin von Schweden und Äbtissin des Reichsstifts Quedlinburg (1753-1829).

Die zuvor in Stockholm aufgestellte Büchersammlung umfasst 1.445 Titel in 4.500 Bänden. In den Titeln wie auch in den verschiedenen Ausgaben spiegelt sich das Spektrum weiblicher Bildung im europäischen Hochadel: Enthalten sind vor allem französischsprachige Drucke des 17. bis 19. Jahrhunderts, zu jeweils etwa 5% sind Texte in Deutsch oder Schwedisch verfasst. Neben der Schönen Literatur dominieren die Bereiche Geschichte, hof- und adelsbezogene Biographien, Memoiren, Briefausgaben, Hofkalender und Reiseliteratur, auch Tafelwerke, Graphikmappen und einzelne Handschriften. Alle Bände sind Unikate aufgrund ihrer Provenienzen, die sich in zahlreichen Supralibros, Exlibris und Widmungen manifestieren. Die Bibliothek gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Büchersammlungen hochadliger deutscher Frauen, sie ist ein unikales kulturelles Vermächtnis.
Die Privatbibliotheken von Sophie Dorothea und Luise Ulrike gingen in die Privatbibliothek der als letzte der drei Damen geborenen Sophie Albertine ein. Deren Kammerzofe Lolotte Forsberg verh. Gräfin Stenbock wurde testamentarisch als Erbin benannt. Die aus drei Teilen bestehende Prinzessinnen-Bibliothek verblieb lange in der Familie Stenbock, bevor sie an ihren vorletzten Besitzer, einen Privatsammler, ging.

Kauf durch großzügige Förderer ermöglicht

Beim Kauf der Prinzessinnen-Bibliothek konnten sich die beiden neuen Eigentümer, die SBB-PK und die SPSG, auf das Engagement von Stiftungen und Privatpersonen stützen, die allein drei Viertel der Kaufsumme aufbrachten. Allen Förderern war es ein besonderes Anliegen, das mit seiner inhaltlichen Geschlossenheit und seinem makellosen Erscheinungsbild seltene Zeugnis höfischer Kultur wie auch europäischer Kunst- und Kulturgeschichte für die Region Berlin-Brandenburg zu sichern.

Die Kulturstiftung der Länder und die Rudolf-August Oetker-Stiftung trugen allein mehr als die Hälfte der Kaufsumme, die B. H. Breslauer Foundation mit Sitz in New York unterstützte ein weiteres Mal in großzügiger Weise den Erwerb von Kulturgut, das sich perfekt in das Umfeld hiesiger Bestände einfügt. Die Wüstenrot-Stiftung und die Stiftung Preußische Seehandlung ergänzten die Erwerbungsmittel ebenfalls deutlich.

Besonders zu danken ist den 120 Privatpersonen, die von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. gewonnen wurden, mit privaten Spenden ihr außerordentliches Bekenntnis zum Ausbau einzigartiger Sammlungen in der Region Berlin-Brandenburg zu geben.

Für Forschung und Kultur

Ihre außerordentliche Bedeutung für die Wissenschaft wie auch für das kulturelle Erbe der Region erlangt die Prinzessinnen-Bibliothek durch mehrere Aspekte. Zunächst dadurch, dass die Staatsbibliothek zu Berlin in hohem Maße Titel hinzugewinnt, die bislang nicht vorhanden waren oder als Kriegsverlust angesehen werden mussten.

Die Forschung wird sich neuer Fragen zuwenden können, so lassen sich etwa Rückschlüsse auf das Leseverhalten, die Interessen und das Selbstverständnis weiblicher Angehöriger des schwedischen und hohenzollerischen Hochadels ziehen. Auch können die Teilsammlungen der Mutter, Schwester und Nichte Friedrichs II. hinsichtlich ihrer literarisch-thematischen Entwicklungen und der Verzahnungen über die Generationen hinweg oder hinsichtlich der Verbindungen zweier europäischer Herrscherhäuser untersucht werden. Zudem bieten die vielen handschriftlichen Eintragungen  Ansatzpunkte für neue Fragestellungen.

Die Sammlung ermöglicht aufgrund ihres sehr guten Zustandes wie auch der exquisiten Ausstattung vielfältige buchkundliche und kunsthistorische Forschungen. Teils wurden die Bücher auf Seide gedruckt und zumeist von deutschen und schwedischen Hofbuchbindern exquisit eingebunden.

Die Prinzessinnen-Bibliothek wird zu großen Teilen in der Staatsbibliothek aufbewahrt. Die modernen Tresormagazine im Haus Unter den Linden wie auch der Zusammenhang zu den sonstigen Sammlungen der Bibliothek, die ihre Wurzeln im preußischen Königshaus hat, bilden für die Forschung ein einmaliges kontextbezogenes historisches Umfeld, das von dem tief gestaffelten Apparat einschlägiger Fachliteratur flankiert wird. Für die Aufstellung in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg werden etwa 500 passende Bände ausgewählt und künftig im Schloss Rheinsberg präsentiert. Damit kann der historische Bibliotheksraum, den der Bruder Friedrichs II., Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), hier nach 1786 eingerichtet hatte, wiedergewonnen werden.

Honorarfreie Abbildungen mit Kurzbeschreibungen

http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

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Zahlreiche Medien berichteten über diese Erwerbung, u. a.

Buchpatenschaft für den Monat Mai – Vergeben

Wir freuen uns sehr, dass diese Buchpatenschaft aus der Sammlung der DP-Literatur auf diesem Weg eine Patin gefunden hat. Herzlichen Dank.
Da der Monat Mai erst zur Hälfe vergangen ist, werden wir eine weitere Buchpatenschaft aus dieser Sammlung in einem eigenen Blogbeitrag vorschlagen.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs im Mai 1945 wurden die westlichen Besatzungszonen Deutschlands zur Transitstation für geschätzt 250.000 jüdische Flüchtlinge und Überlebende. Sie fanden eine erste Zuflucht in den Displaced-Persons-Camps der Alliierten. Hier stellten sie in den Jahren 1945 bis 1950 mehr als 400 Bücher und Zeitschriften her. Diese Literatur half den entwurzelten Menschen, die die Qualen der Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager überlebt oder im Untergrund und in Verstecken ausgeharrt hatten, nun jedoch nicht in ihre Heimatorte zurückkehren konnten oder wollten, sich mit Erlebtem auseinanderzusetzen, neue Orientierung zu finden, Bildung zu vermitteln, sich gegenseitig zu informieren oder zu agitieren.

Für die Buchpatenschaft im Mai haben wir einen Erzählungsband  ausgesucht:

Titelseite von Binyomen Elis: In aza velt : dertseylungen. Shtutgart 1948. Bibliothekssignatur: 4 A 34394. Staatsbibliothek zu Berlin-PK

Binyomen Elis (1907-1984): In aza velt : dertseylungen. Shtutgart 1948.

Erzählband in jiddischer Sprache. In diesem Band hat Binyomin Elis (1907-1984) die Erfahrungen der Shoah in neun Kurzgeschichten und einem einaktigen Theaterstück verarbeitet. Er widmet das Buch seiner Mutter, Golde Mendel, die 1942 ermordet wurde. Ansonsten ist über diesen, in jiddischer Sprache schreibenden Autor wenig bekannt. Geboren 1907 in Radom, einer Stadt rund 100 km südlich von Warschau, lebte er in Lodz, Warschau und Vilnius und überlebte den 2. Weltkrieg in Sibirien. Noch vor Beginn des 2. Weltkrieges veröffentlichte er in Warschau zwei Werke: Heymloze (1931) und das Drama Ba der grenets (1936). Neben dem hier vorgestellten Erzählungsband schrieb Binyomen Elis während seiner Zeit in Deutschland auch in der jüdischen Zeitschrift “Bafrajung”.  Er emigrierte in die USA und veröffentlichte weiterhin in Jiddisch. So erschienen 1955 in New York der Erzählungsband Ba farsheydene tishn und 1962 der Roman Afn veg tsum bunker 1962, das in einer englischen Übersetzung  The road to the bunker 1972 erschien. Als letztes veröffentlichte er das Theaterstück Seperirte 1978. Binyomen Elis starb 1984 in New York.

Restaurierungsbedarf: Trockenreinigung, Klammern entfernen, Blockheftung mit Faden erneuern, Nassbehandlung Umschlagblatt, Umschlag verso kaschieren, vordere Kante Umschlag begradigen, Kanten und Ecken glätten, Risse sichern, Schutzverpackung

Kalkulierte Kosten: 385 €

 

Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt mehr als die Hälfte der rund 400 in den DP-Lagern erschienenen Schriften und ist bestrebt, eine größtmögliche Vollständigkeit zu erreichen. Oft sind nur wenige Exemplare dieser Werke erhalten, denn sie wurden in sehr kleinen Auflagen und meist auf schlechtem Papier gedruckt, wurden viel genutzt und dabei oft ‚zerlesen’. In Hebräisch sind religiöse Werke, Bibeln, Gebetbücher, einzelne Talmudtraktate und Schriften zur religionsgesetzlich vorgeschriebenen Lebensführung verfasst. Daneben gibt es vielfältige säkulare Literatur: Wochenzeitungen und Propagandaschriften der verschiedenen Gruppierungen, Romane und Gedichte der modernen jiddischen und hebräischen Klassik, Lese- und Lehrbücher für die in den Lagern eingerichteten Schulen, praktische Ratgeber jedweder Art, schließlich die ersten Dokumentationen der Sho’ah in Wort und Bild.

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieses Buch aus der Sammlung der DP-Literatur  restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de. Gerade weil diese Bücher unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg auf schlechtem Papier gedruckt und viel genutzt wurden, sind viele von ihnen dringend restaurierungsbedürftig. Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt.

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Landschaftsplatz, Modellstudie / Jörn Köppler, Rom 2012

Die Poetik des Bauens: Werkstattgespräch und Buchvorstellung am 11.5.

Wissenswerkstatt
Die Poetik des Bauens – Betrachtungen und Entwürfe
Werkstattgespräch und Buchvorstellung mit Architekt Dr. Jörn Köppler
Donnerstag 11. Mai 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße 33
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

„erfindbar sind gedichte nicht
es gibt sie ohne uns    irgendwo seit
irgendwo hinter    sie sind dort in ewigkeit
der dichter findet das gedicht“
Jan Skácel

„Ich habe nichts zu sagen, ich habe zu entfalten, und das ist mein Reichtum […].“
Peter Handke

 

Was möchten wir zum Ausdruck bringen, wenn wir eine Erfahrung mit den Worten „ein poetischer Moment“ oder „– wie poetisch!“ zu fassen versuchen? Wollen wir mit dem Begriff des Poetischen nicht ein „Mehr“ beschreiben, etwas, was nicht leicht zu greifen ist, uns jedoch zu berühren und Bedeutung auszustrahlen scheint? Und: Wünschen wir uns nicht solch eine Erfahrung auch von Gebautem, im Idealfall von dem selbst Entworfenen? Man könnte an dieser Stelle weiterfragen, ob das Poetische überhaupt noch eine gesellschaftlich wahrnehmbare Rolle spielt in einer Zeit der fast total erscheinenden Ökonomisierung und Technisierung von allem und jedem.

Diesen und daran anschließenden Fragen geht Jörn Köppler in seinem im transcript Verlag erschienenen Buch „Die Poetik des Bauens: Betrachtungen und Entwürfe“ (2016) nach. Im Vortrag wie im Buch versucht er dabei, sich dem Begriff der Poetik aus philosophischer, literarischer und schließlich architektonischer Perspektive zu nähern, um daraus eine Brücke in das architektonische Entwerfen und Bauen zu schlagen.

Der Vortrag versteht sich explizit als Anregung zu einer Diskussion mit den Gästen, da man erfahrungsgemäß so am ehesten Hinweise auf den Gedanken des Poetischen finden mag.

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Jörn Köppler studierte Architektur an der TU Berlin und promovierte mit einer Arbeit zum „Sinngehalt des Architektonischen: Modernes Bauen und ästhetische Erfahrungen des Erhabenen und der Schönheit“ an der TU Graz. Gemeinsam mit seiner Frau Annette Köppler-Türk führt er seit 2008 das Architekturbüro Köppler Türk Architekten. Jörn Köppler lehrte und forschte bereits an zahlreichen europäischen Hochschulen, darunter die University of Edinburgh, die polytechnischen Hochschulen in Turin und Mailand, die Universität Ljubljana, die TU Berlin und die FH Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Architektur der Moderne, ihr möglicher Bedeutungsgehalt und dessen Übertragung in eine bauliche Form. Im Jahr 2010 erschien im transcript Verlag Köpplers Monographie „Sinn und Krise moderner Architektur: Zeitgenössisches Bauen zwischen Schönheitserfahrung und Rationalitätsglauben.“

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Workshop: Turkish and Turkic Manuscript Studies: An Introduction (27.3.-1.4.2017)

Ein Beitrag von Dr. Thoralf Hanstein

Im Rahmen der von der Orientabteilung organisierten Workshop-Reihe „Scriptorium“ fand dieses Jahr eine Veranstaltung mit Fokus auf die osmanisch-türkische und osttürkische Handschriftenkultur statt. Die fachliche Konzeption und Ausgestaltung des Workshops übernahmen Frau Prof. Dr. Claudia Römer (Universität Wien) und Frau Prof. Dr. Ingeborg Baldauf (Humboldt-Universität Berlin). Am ersten Veranstaltungstag hielt Frau Prof. Römer zudem die Keynote lecture unter dem Titel: “How to deal with damaged manuscripts – a case study of a 16th-century Mühimme Defteri (ÖNB Mxt. 270)”. Neben den informationsreichen Vorlesungen waren es vor allem auch die praktisch ausgerichteten Seminare zu Restaurierung/Konservierung (Frau Dr. Patricia Engel, Donau-Universität Krems) und zur Papierherstellung (Katharina Siedler, Berlin), die die auf sechs Tage ausgelegte Veranstaltung prägten. Hinzu kamen die sogenannten Hands-on Sessions, bei denen die Workshop-Teilnehmer das im Theorieteil vermittelte Wissen an Originalhandschriften direkt umsetzen konnten. Prof. Dr. Claus-Peter Haase unterrichtete osmanische Buchkunst und Kalligraphie.

Die osmanische Handschriftenkultur ist faszinierend in ihrer Vielfalt. Sie schließt Dokumente, Archivakten und Urkunden ebenso ein wie Texthandschriften als Zeugnisse der reichhaltigen islamischen Wissenskultur oder illustrierte Prachthandschriften aus den Palastwerkstätten. Die Erweiterung der Perspektive um die osttürkischen Schriftzeugnisse Mittel- und Zentralasiens gaben der Veranstaltung einen besonderen Reiz und machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer recht eigenständigen Handschriftenkultur vertraut, die bisher nur wenigen Spezialisten bekannt ist. Die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin bewahrt mit ca. 3.200 Bänden die größte Sammlung türkischer Handschriften in Deutschland.

Bisher fanden Workshops mit Schwerpunkten zu den arabischen, persischen, hebräischen und armenischen Handschriftenkulturen statt. Schwerpunkte der kommenden „Scriptorien“, die jährlich organisiert werden, sind voraussichtlich „Manuskriptvermerke in islamischen Handschriften“ oder „Malaiische Handschriften“.

Hands-on-Session    –   Arbeiten mit dem Original

 

Traditionelles Papierschöpfen

 

Fahrradcodieraktion – gemeinsam gegen Fahrraddiebe

April, April – er macht was er will! Trotz des wechselhaften Wetters sind die Fahrradständer vor unseren Häusern voll.

Im letzten Jahr kam es vor, dass Fahrräder vor dem Haus Potsdamer Straße entwendet wurden. Die Staatsbibliothek haftet nicht für den Verlust oder Beschädigung abgestellter Fahrräder, aber wir wissen: ‚Gelegenheit macht Diebe‘ und sind bemüht, die Gelegenheiten für Fahrraddiebstähle zu verringern.  Die Hecken wurden mittlerweile gekürzt – aus Naturschutzgründen war dies erst im März möglich.

Um unseren Nutzer*innen ein gutes Gefühl beim Anschließen ihrer Fahrräder zu geben, haben wir zusammen mit der Polizei Berlin eine Fahrradcodieraktion geplant. Die Fahrräder werden (kostenfrei) mit einem individuell nummerierten Aufkleber gekennzeichnet – die Kennzeichnung dient der schnellen Wiederauffindung bei Verlust bzw. Entwendung und wirkt gleichzeitig als Warnung an die möglichen Diebe. Um ein Fahrrad codieren zu lassen, wird ein Personalausweis und ein Nachweis zum Eigentümer (z.B. Kaufbeleg) benötigt.

Die Codieraktion wird vor dem Haus Potsdamer Straße am Mittwoch, dem 26.04.2017 zwischen 12 und 15 Uhr stattfinden. Pro Fahrrad werden ca. 10 Minuten eingeplant. Falls Sie Interesse an dieser Aktion haben, wenden Sie sich bitte für die Terminvergabe direkt an den I-Punkt im Haus Potsdamer Straße.
Falls Sie Interesse haben, aber an dieser Aktion nicht teilnehmen können oder keinen Termin mehr bekommen, finden Sie weitere Termine und Informationen zum Thema Fahrradkennzeichnung bei der Polizei Berlin.

„Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.“ (John F. Kennedy, 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1917 – 1963). Damit die Freude nicht in Frust umschlägt:  ein gutes Schloss zulegen, das Fahrrad anschließen – nicht nur abschließen – und demnächst bei einer Fahrradcodieraktion teilnehmen!

Wiedererwerbung der Druckausgabe der Dayak-Bibel von 1858

Ein Beitrag von Thoralf Hanstein.

Im Februar 2017 konnte die Staatsbibliothek einen Kriegsverlust ersetzen, der auch in anderer Hinsicht den Bestand der Bibliothek bereichert.

Alles begann 1840 mit der Reise von August Hardeland zu der bis dahin nur wenig erschlossenen „Ausseninsel“ Borneo, genauer zu den indigenen Stämmen der Ngaju-Dayak in Zentral-/Süd-Borneo. Niederländisch-Indien konzentrierte sich zu dieser Zeit hauptsächlich auf die Insel Java, und erst langsam wurden weitere Inseln des Archipels dem Kolonialreich einverleibt.

Der in Kirchenkreisen nicht unumstrittene Hardeland (s. „Hardelandkonflikt“) war für die Rheinische Mission als Missionar tätig. Einem neuen Ansatz seiner Missionsgesellschaft folgend, sollte er sich auf Borneo u.a. um die Ausbildung von „Nationalgehülfen“, also von einheimischen Hilfslehrern, kümmern. Zusammen mit Friedrich Becker fertigte er eine Übersetzung des Neuen Testaments in die dortige Lokalsprache an, und nach Beckers Tod im Jahre 1849 im Alleingang eine Übersetzung des Alten Testaments (Surat brasi Djandji idjä solake). Da die Ngaju-Dayak keine Schrift hatten, benutzte Hardeland das lateinische Alphabet. Er fertigte auf die Drucklegung ausgerichtete, eigenhändige Manuskripte an. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde anhand dieser Vorlage eine Druckfassung des Alten und Neuen Testaments 1858 in Amsterdam besorgt. Ein Jahr später reiste Hardeland erneut als Missionar nach Südafrika – und nahm dabei seine Manuskripte mit, wie man dem Autograph entnehmen kann:

Auf dem Schmutzblatt der Handschrift ist folgender Vermerk eingeklebt: „Het eigenhandig Handschrift van Aug. Hardeland. Zijne vertaling van het Oude testament in de taal der Dajaks van Zuid-Borneo. Bij zijn vertrek van Z.O. Afrika ten geschenk gegeven aan Millies“.

Auf Seite 1 dann folgender Eintrag: „This translation was given by Hardeland to Prof. Millies, and in 1858 was printed at Amsterdam. From Prof. Millies … , Utrecht. May 1870…Brugge“.

Dieser 309seitige Autograph des Alten Testaments fand seinen Weg in die Bestände der Staatsbibliothek und wird unter der Signatur Ms. or. fol. 4319 im Handschriftenmagazin der Orientabteilung aufbewahrt.

Besitzt eine Bibliothek einen solchen Autograph, der auch noch als Basis zur Drucklegung diente, so ist es nur verständlich, dass auch dieser Druck zu den Beständen gehören sollte. Bis zum 2. Weltkrieg waren zwei Exemplare des zweibändigen Druckwerks des Alten Testaments in der damals noch Preußischen Staatsbibliothek verzeichnet – danach werden sie als Kriegsverlust geführt. Der Autograf selbst kam erst zu DDR-Zeiten in den Bestand der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin-Ost), und erhielt daher nach der Wiedervereinigung die Akzessionsnummer acc.ms.or.1991.38. Jetzt ist es gelungen, diese Druckausgaben antiquarisch in den Niederlanden zu erwerben, sodass Autograph und Druck (Signatur 4 A 55114-1 und -2) wieder unter einem „Bibliotheksdach“ vereint sind.

Ms. or. fol. 4319, S. 1

Quellen und weiterführende Literatur:

Karl Böhmer: Beobachtungen zu den ersten Hermannsburger Missionarskursen im Hardelandkonflikt. in: Jobst Reller: Ausbildung für Mission: Das Missionsseminar Hermannsburg von 1849 bis 2012. LIT Verlag Münster 2016, S. 149-164;

Jan Lodewyk Swellengrebel: In Leijdeckers voetspoor : anderhalve eeuw bijbelvertaling en taalkunde in de indonesische talen. in: Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde. Teil I: 1820-1900. Leiden: Brill, 1974, 68.

Bildquelle: Carl Schwaner: Borneo. Beschrijving van het stroomgebied van den Barito en reizen langs eenige voorname rivieren van het zuid-oostelijk gedeelte van dat eiland door Dr. C. A. L. M. Schwaner. Amsterdam, 1854. Titelbild von Band 2. (nach Auguste van Pers und Heinrich von Gaffron, lithographiert bei C. W. Mieling).

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Wissenswerkstatt-Workshops im Mai

In unserer Wissenswerkstatt vermitteln wir Ihnen elektronische Ressourcen oder Internetquellen zu Ihrem Fach, zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie schnell und treffsicher zu den gewünschten Suchergebnissen kommen, elektronische Texte oder Digitalisate finden und diese weiter verarbeiten können. Im Mai möchten wir Sie zu folgenden Workshops einladen:

 

Workshop
Bitte Recht offen! – Open Access in den Rechtswissenschaften
Dienstag, 16. Mai, 16.00 Uhr

 

Workshop
Fragestunde Bildrecherche & Bildrechte
Donnerstag, 18. Mai, 16.00 Uhr

 

Außerdem:
e-day!
Elektronische Ressourcen: schnell, aktuell und überall wissenschaftlich arbeiten
Workshops, Beratung, Präsentationen
Donnerstag, 4. Mai, 10-15.30 Uhr

 

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Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.