Unsere Beiträge zu den Wissenschaften und Forschung

Dissertationsmonat November

Als hochseriöse Forschungsbibliothek und ehemals preußische Einrichtung werden Sie vermutlich kaum einen Beitrag zum lieblichen Wonnemonat Mai von uns erwarten, “denn eine Staatsbibliothek ist, bitte sehr! kein Vergnügungsetablissemang.” Naturgemäß stehen bei uns viel eher die arbeitssamen und etwas spröderen Jahreszeiten im Fokus, weshalb wir hiermit den November zum Dissertationsmonat erklären: Möge das Licht der wissenschaftlichen Erkenntnis diesen Nebelmonat ein wenig aufhellen!

Für klare(re) Sicht auf das steinige Feld der Doktorarbeit wollen wir in den kommenden Wochen mit zwei Veranstaltungen sorgen – und das sowohl aus Praxisperspektive als auch unter Forschungsaspekt.

Gerade mit Blick auf den aktuellen Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation unter dem Leitbild der Open Science und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Forschenden laden wir Promovierende aller Fachrichtungen sehr herzlich ein, am 12. und 19. November an einem zweiteiligen Workshop zum wissenschaftlichen Publizieren teilzunehmen. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Sie eine konventionelle oder eine elektronische Veröffentlichung planen, ob im Open Access oder vielleicht sogar als bereits von der ersten Idee an offene Doktorarbeit. Denn unsere Themenvorschläge – von der Gestaltung von Verlagsverträgen über Strategien zur Bildrechteklärung und Akquise von Druckkostenzuschüssen bis hin zur Wahl des “richtigen” Publikationsorts – möchten wir am konkreten Fallbeispiel Ihres Veröffentlichungsprojekts mit Ihnen diskutieren. Und sollten Sie sich zudem auch für Publikationsmöglichkeiten für Forschungsdaten oder für neuere Entwicklungen im Bereich der alternativen Bibliometrie interessieren, so stehen wir Ihnen auch in diesen Belangen sehr gerne mit einigen Tipps zur Seite.

An ein allgemeines Publikum wendet sich dagegen die zweite hier anzuzeigende Veranstaltung, in deren Zentrum die zwischen 1817 und 1883 an der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten philosophischen Dissertationen stehen sollen. Unter dem Vortragstitel Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung erwartet Sie der Versuch des Medien- und Kunsttheoretikers Stefan Heidenreich, den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat zu rekonstruieren. Da der Referent dabei auch die Veränderung der materialen Dimension von Dissertationsschriften beleuchtet, organisieren wir dieses Werkstattgespräch in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog, zumal an deren Konzeption gleich drei Einrichtungen mit Promotionsrecht beteiligt sind.

Ob mit oder ohne Doktortitel – seien Sie uns herzlich willkommen!

“Widerstand im ‘Dritten Reich'” – Tagungsband erschienen

Im Mai des vergangenen Jahres fand in der Staatsbibliothek zu Berlin ein Kolloquium zum „Widerstand im ‚Dritten Reich‘“ statt. Die Vorträge liegen nun gedruckt vor:

Widerstand im „Dritten Reich“. Kolloquium an der Staatsbibliothek zu Berlin im Mai 2014. Hrsg. von Klaus G. Saur, Frankfurt am Main: Klostermann 2015 (= Klostermann Rote Reihe, 78). – 151 S. – 19,80 €.

Darin:

Klaus G. Saur: Einleitung. Widerstand im „Dritten Reich“ – Wolfgang Huber: Dietrich Bonhoeffer – das theologische Profil seines politischen Widerstands – Hildegard Kronawitter: Sophie Scholl – eine Ikone des Widerstands – Jürgen Zarusky: Widerstand als „Hochverrat“: Politische Justiz, Gegnerspektrum und Widerstandsbegriff – Klaus G. Saur: Die Emigration als Element des Widerstandes – Martin Sabrow: Die vergessene Erinnerung. Kommunistischer Widerstand und kulturelles Gedächtnis – Hans Maier: Christlicher Widerstand im „Dritten Reich“ – eine Spurensuche – Georg Ruppelt: Wo Goethe draufstand, war nicht immer Goethe drin. Tarnschriften als Mittel der politischen Auseinandersetzung und psychologischen Kriegsführung im 20. Jahrhundert – Andreas Heusler: Die Zukunft der Erinnerung. Wege und Konzepte des Widerstandsgedenkens – Peter Steinbach: „Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt.“

Ankündigung der Neuerscheinung beim Verlag Klostermann:
http://www.klostermann.de/epages/63574303.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/63574303/Products/9783465042549

Werkstattgespräch: „Nomade wider Willen“ – Rudolf-Frank-Lesung am 6.11.

„NOMADE WIDER WILLEN“ – Ein literarischer Abend
Gundula Köster und Monika Lennartz lesen Texte von Rudolf Frank (1886 – 1979) über Krieg, Antisemitismus und Exil

anlässlich der Veröffentlichung des Bandes ‚Geschichten erzählen als Lebenshilfe‘ – Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk Rudolf Franks herausgegeben von Lutz Winckler

Freitag, 06. November
18.00 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

Rudolf Frank (1886-1979) ist von Berlin über Wien 1938 in die Schweiz emigriert. Die Staatsbibliothek zu Berlin hat dem Theaterkritiker, Dramaturgen und Schriftsteller 2013 eine Ausstellung und ein Kolloquium gewidmet, dessen Vorträge 2015 unter dem Titel ‚Geschichten erzählen als Lebenshilfe’. Beiträge zum künstlerischen und literarischen Werk R. Franks  im Verlag der Staatsbibliothek veröffentlicht wurde. Anlässlich des Erscheinens des von Lutz Winckler, Ursula Jäcker und Cornelia Kosmol herausgegebenen Bandes lädt die Staatsbibliothek zu einem literarischen Abend ein, an dem die Berliner Schauspielerinnen Gundula Köster und Monika Lennartz literarische Texte von Rudolf Frank aus der Zeit der Weimarer Republik und dem Exil lesen. Der in Basel lebende Sohn Dr. Vincent Frank-Steiner ist anwesend.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

“Tear down this paywall!” – Auch Open Access ist ein Berliner

Am vergangenen Montag ging die International Open Access Week in die achte Runde. Und auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Veranstaltungen rund um den Globus dafür werben, wissenschaftliches Wissen unbehindert von finanziellen, technischen oder juristischen Barrieren frei zugänglich und nachnutzbar zu machen – eine Position, zu der sich inzwischen zahlreiche Universitäten, Forschungsfördereinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen bekennen.

Wie es der inoffiziellen Hauptstadt des Open Access nur angemessen ist – schließlich wurde 2003 in Dahlem mit der Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities gewissermaßen die Magna Carta dieses zukunftsweisenden Publikationsparadigmas unterzeichnet – , startete die Aktionswoche hier mit einem echten Knalleffekt. Allerdings war dessen Timing nicht so ganz perfekt, denn der Beschluss des Berliner Senats, zügig eine landesweite Open Access-Strategie umzusetzen, datiert bereits auf den 13. Oktober. Nach Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, dessen kürzlich novelliertes Landeshochschulgesetz sogar eine Zweitveröffentlichungspflicht an Universitäten vorsieht, ist Berlin damit das dritte Bundesland, in dem Open Access als strategisches Handlungsfeld auf der wissenschaftspolitischen Agenda steht – von der Ankündigung der Großen Koalition, eine umfassende Open Access-Strategie zu entwickeln, einmal abgesehen.

Konkret adressiert das Berliner Open Access-Strategiepapier drei Ziele:

1. Steigerung des Open Access-Anteils am wissenschaftlichen Publikationsaufkommen der Landeseinrichtungen auf 60% im Jahr 2020 – ermöglicht sowohl durch den Aufbau eines flächendeckenden Repositoriennetzes (Grüner Weg) als auch durch die konsequente Förderung genuiner Open Access-Veröffentlichungen (Goldener Weg);

2. freie Nachnutzung offen zugänglicher Forschungsdaten – befördert u.a. durch entsprechende wissenschaftspolitische Rahmensetzungen und technische Infrastrukturmaßnahmen;

3. Erleichterung sowohl des digitalen Zugangs zum kulturellen Erbe als auch der offenen Nachnutzung von Kulturdaten insbesondere im Rahmen von Kreativpartnerschaften – getrieben vor allem durch die Fortführung des 2012 initiierten Landesdigitalisierungsprogramms.

Zwar wird die Staatsbibliothek zu Berlin als Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemeinsam von Bund und Ländern getragen – eine waschechte Alt-Berliner Institution ist sie mit ihren 354 Jahren auf dem Buckel natürlich allemal. Nichtsdestoweniger sind aber auch unsere Aktivitäten auf den verschiedenen Feldern des Open Access nahtlos an die genannten Ziele anschlussfähig, zumal doch die Förderung des offenen Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen zu den zentralen Anliegen unserer unlängst veröffentlichten Strategie zählt und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dem stetig wachsenden Kreis der inzwischen 522 Signatoren der eingangs erwähnten Berliner Erklärung angehört.

Dabei beschränken sich unsere Maßnahmen zur Realisierung der Open Access-Idee keineswegs nur auf die vielfältigen Projektvorhaben zur Digitalisierung von historischen und teilweise sogar von noch urheberrechtsbewehrten Bestandssegmenten wie etwa den DDR-Tageszeitungen Neues Deutschland, Berliner Zeitung und Neue Zeit, deren digitales Korpus gegenwärtig zudem in die CLARIN-D-Infrastruktur sprachwissenschaftlich relevanter Forschungsdaten integriert wird. Auch den Grünen Weg zum Open Access helfen wir zu asphaltieren – vor allem mit den beiden fachspezifischen Publikationsplattformen CrossAsia Repository und intR2Dok, die darauf zielen, die Akzeptanz des Open Access-Paradigmas in den Asienwissenschaften bzw. auf Seiten der internationalen und interdisziplinären Rechtsforschung zu steigern. Ebenfalls in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg stellt CrossAsia, unsere Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien, überdies die quelloffene Software Open Monograph Press und Open Journal Systems als Service zur Verfügung, um Open Access-affinen Forschenden die Gründung eigener Fachzeitschriften und Schriftenreihen oder die Veröffentlichung einzelner Monographien und Tagungsbände leichtzumachen. Auf dem Golden Weg zum Open Access ist die Staatsbibliothek zu Berlin aber noch aus einer ganz anderen Richtung unterwegs: Denn wir unterstützen auch die Initiative Knowledge Unlatched, unter deren Dach sich bislang knapp 300 Bibliotheken aus 24 Ländern mit der Absicht zu einem Finanzierungskonsortium zusammengeschlossen haben, ausgewählte geistes- und sozialwissenschaftliche Buchprojekte renommierter Verlage direkt im Open Access erscheinen zu lassen.

Bezahlschranken öffnen sich, Paywalls fallen und die Systemtransformation des wissenschaftlichen Publikationsmarkts ist in vollem Gange. Aufregende Zeiten also – gerade in Berlin.

70 Jahre Vereinte Nationen: Siebzig Jahre UNO-Arbeit in der Staatsbibliothek dokumentiert

Die Vereinten Nationen (UNO) feiern im Jahr 2015 ihr 70-jähriges Bestehen. „Wir, die Völker der Vereinten Nationen – fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren …“, lautet der erste Satz der Charta der Vereinten Nationen, die am 24. Oktober 1945 in San Francisco verabschiedet wurde.

Seit 1956 gehört die Staatsbibliothek zu Berlin zu den Depotbibliotheken der UNO.

Besonders dicht ist ihr Bestand an Dokumenten der Sonderorganisationen der UN-Familie, darunter der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO), der World Bank, der International Atomic Energy Agency (IAEA), der World Health Organisation (WHO) und der Food and Agricultural Organisation (FAO). Die Resolutionen der Hauptorgane der UNO – darunter z. B. die der Generalversammlung und des Sicherheitsrats – sind auch in deutscher Übersetzung vorhanden. Alle UNO-Dokumente repräsentieren die Vielfalt der Aufgaben, Programme und Tätigkeitsfelder der Staatenorganisation von 1956 bis heute.

Im Online-Katalog www.stabikat.de sind die in der Staatsbibliothek gesammelten UNO-Veröffentlichungen nachgewiesen, alle können ausgeliehen werden. Wichtige Referenzmaterialien und Periodika stehen im Freihandbestand des Lesesaals im Haus Potsdamer Straße bereit. Die Staatsbibliothek bietet ebenfalls Zugriff auf die Datenbanken der Organisation, zum Beispiel sind die OECD i library und die International Monetary Fund eLibrary für registrierte Nutzerinnen und Nutzer zugänglich, weiterhin sind die frei zugänglichen Inhalte des World Bank Open knowledge repository erschlossen. Die zentrale Publikation der Vereinten Nationen ist das Yearbook of the United Nations.
Links zu Materialien der UNO zum 70. Gründungstag:

• Ausstellung der Dag Hammarskjöld Library: „70 Years, 70 Documents“: http://research.un.org/en/UN70
• Jubiläums-Website der UN: http://www.un.org/un70/en
• Link zur Sammlung amtlicher Publikationen an der Staatsbibliothek zu Berlin:
http://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/abteilungen/bestandsaufbau/amtsdruckschriften/internationale-organisationen/

International Association of Law Libraries zu Gast bei uns

Nach Stationen in Toronto, Barcelona und Buenos Aires fand in der Zeit vom 20. September 2015 bis zum 24. September 2015 die 34. Jahrestagung der International Association of Law Libraries (IALL) in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Als einziger global agierender gemeinnütziger Zusammenschluss von juristischen Bibliotheken hat es sich die IALL zur Aufgabe gemacht, die grenzüberschreitende Vermittlung rechtswissenschaftlicher Fachinformationen zu befördern. 1959 gegründet und inzwischen auf über 600 Mitglieder aus mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten angewachsen, repräsentiert die IALL das gesamte Spektrum an Rechtsbibliotheken – von wissenschaftlichen Universalbibliotheken über Unternehmens-, Parlaments- und Nationalbibliotheken bis hin zu Verwaltungs- und Gerichtsbibliotheken.

An der Jahrestagung zum Thema „Within and in Between: German Legal Tradition in Times of Internationalization and Beyond“ haben insgesamt 151 Personen aus über 20 Nationen (in der Mehrzahl Angehörige des wissenschaftlichen Diensts internationaler Rechtsbibliotheken) teilgenommen, um sich aus Forschungsperspektive über die verschiedenen Facetten des Rechtssystems Deutschlands zu informieren. Die Konferenz wurde von 15 Sponsoren unterstützt, wovon 13 Verlage als Aussteller vor Ort ihr juristisches Verlagssortiment und ein breites Portfolio an rechtswissenschaftlichen Ressourcen präsentierten – darunter Wolters Kluwer, Law Business Research, Brill, Cambridge University Press, Oxford University Press, C.H. Beck und Nomos. Das umfangreiche akademische Programm schlug mit 15 Vorträgen einen inhaltlichen Bogen von der Transnationalisierung der Rechtswissenschaften über die Nürnberger Prozesse bis hin zu juristischen Blogs. Daneben wurden ausgewählte Aspekte der Grund-, Frauen- und Menschenrechte sowie des Europa- und Vereinigungsrechts ebenso aus forschungsorientierter Perspektive beleuchtet wie Fragen der Staatskriminalität, der Zugänglichkeit von Bibliotheken für Menschen mit Behinderung sowie des Schutzes von Kulturgütern.

Die Vorträge wurden von namhaften Forschenden wie Prof. Dr. Thomas Duve (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte), Prof. Dr. Georg Nolte (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, Prof. Dr. Heike Schweitzer (beide Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Johanna Schmidt-Räntsch (Bundesgerichtshof/Humboldt-Universität zu Berlin) präsentiert. Überdies kamen sowohl Rechtspraktiker – unter ihnen Dr. Paul Klimpel (Rechtsanwalt/iRIGHTSlaw) – und leitende Behördenmitarbeiter wie Claus Koggel (Bundesrat) und Dr. Andreas Günther (Bundesjustizministerium) zu Wort als auch der wissenschaftliche Nachwuchs an den Berliner Universitäten in Person von Dr. Kim Christian Priemel, Dr. Marion Röwekamp, Hannah Birkenkötter und Jan-Michael Arend. Komplettiert wurde der Kreis der Vortragenden von den Bibliothekarinnen Anne Sieberns (Deutsches Institut für Menschenrechte) und Ursula Freyschmidt (Bibliothek des Bundestages). Eine Vielzahl der Vorträge sollen im International Journal of Legal Information veröffentlicht werden.

Das konferenzbegleitende Programm führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem in den Bundesrat, nach Sanssouci und Cecilienhof, in die Bundestagsbibliothek sowie hinter die Kulissen der Staatsbibliothek zu Berlin.

Die nächste Jahrestagung der IALL wird vom 31. Juli bis 3. August 2016 am Keble College in Oxford stattfinden.

Ivo Vogel

Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung

Bestände der St. Nikolai-Kirchenbibliothek in Berlin-Spandau vollständig im VD 17 erfasst

Als eine der drei Trägerbibliotheken des „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD 17)“ übernahm die Staatsbibliothek bereits mehrfach die Verzeichnung gerade kleinerer Bibliotheksbestände in der VD 17-Datenbank .

Ein durchaus umfangreiches Projekt dieser Art konnte jetzt in Zusammenarbeit mit der St. Nikolai-Kirchenbibliothek Spandau erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Anfängen in der Reformationszeit wurde die Spandauer Kirchenbibliothek seit dem Ende des 16. Jahrhunderts intensiv aufgebaut und wuchs bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf ca. 2.700 Bände. Im Zweiten Weltkrieg war auch die Kirchenbibliothek von Verlusten betroffen, 1965 übernahm die Kirchliche Hochschule Berlin die Verwaltung der Bücher, bis die Bibliothek 1993 wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgebracht werden konnte, wo sie nun in den Räumen des kirchlichen Museums Spandovia Sacra aufbewahrt wird. 

Das von der Abteilung Historische Drucke durchgeführte Projekt zur Erfassung des VD 17-relevanten Bestandes der Spandauer Kirchenbibliothek ergab ca. 1.700 einschlägige Titel – mehr als bislang angenommen –, darunter sogar ca. 250 Nova, d.h. bislang noch nicht in der VD 17-Datenbank nachgewiesene Drucke, die über das Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek vollständig digitalisiert wurden und nun in den Digitalisierten Sammlungen weltweit der Forschung zur Verfügung stehen.

Den jetzt vollständigen Nachweis dieses interessanten Bestandes im VD 17 machten zum einen die ausgezeichneten Vorarbeiten des ehrenamtlichen Mitarbeiters der Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai, Prof. Dr. Ralph Brennecke, und zum anderen der Einsatz der Referendarin Isabelle Hüfner (2013) sowie der beiden Auszubildenden Kristin Albrecht (2013/14) und Paul Hahn (2014/15) überhaupt erst möglich. Dank gilt schließlich auch der Leiterin des Museums Spandovia Sacra, Frau Sabine Müller, für die Betreuung der Erfassungsarbeiten vor Ort.

Bestand der St. Nikolai-Kirchenbibliothek im VD 17: http://sbb.berlin/7a581u

VD 17-Nova aus Spandau in den Digitalisierten Sammlungen: http://sbb.berlin/1i8dbk

 

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Unterwegs im Zeichen von Anker und Delphin

“Die Sammlung übertrifft an Schönheit alles, was ich kannte.”

Unter diesem ganz und gar nicht übertriebenen Titel stellt Andreas Wittenberg, wissenschaftlicher Referent in unserer Abteilung Historische Drucke, im Rahmen der Ende November anstehenden Jahrestagung der Willibald-Pirckheimer-Gesellschaft zur Erforschung von Renaissance und Humanismus die spektakuläre Aldinensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin vor. Und welcher Tagungsort wäre geeigneter für die Würdigung der bis heute ästhetische Maßstäbe setzenden Druckwerke des weltberühmten Typographen und Verlegers Aldus Manutius (1449-1515) als dessen Wirkungsstätte Venedig. Zudem ist es nicht irgendein beliebiger Veranstaltungsraum, in dem die Tagung zum Thema Venedig und der oberdeutsche Buchmarkt um 1500 stattfinden wird. Gastgeber ist passenderweise das Centro Tedesco di Studi Veneziani – ein von der Bundesregierung und der Fritz Thyssen Stiftung getragenes Forschungszentrum für interdisziplinäre Venedig-Studien – , das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Canal Grande im herrschaftlichen Palazzo Barbarigo della Terrazza untergebracht ist.

Sollten Sie Ihre Neugier auf die bibliophilen Kostbarkeiten aus der Werkstatt von Aldus Manutius nicht noch einen Monat länger im Zaum bzw. an der Ankerkette halten können, so empfehlen wir Ihnen diese Publikation unseres Hauses, die Sie nicht nur bei uns kaufen, sondern natürlich auch einsehen und ausleihen können. Oder Sie werfen einen Blick auf einen zwar noch kleinen, aber kontinuierlich wachsenden virtuellen Ausschnitt unserer Aldinensammlung – zu sehen in den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin.

Und auch für alle buchhistorischen Forschungsfragen – nicht nur zu den Aldinen – halten wir mit Book History Online die passgenaue und in deutschen Bibliotheken nur selten zu findende bibliographische Datenbank zu Ihrer Verfügung. Denn schließlich huldigen wir dem Buch in allen seinen materialen und kulturspezifischen Erscheinungsformen – vom mittelalterlichen Codex bis zum modernen E-Book.

Deutscher Buchpreis 2015: Gratulation an Frank Witzel

In einer feierlichen Veranstaltung hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestern Abend zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den Deutschen Buchpreis 2015 für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres verliehen. Den mit 25.000 Euro dotierten Preis erhielt Frank Witzel für sein 800 Seiten starkes Werk Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969, erschienen im Frühsommer 2015 bei Matthes & Seitz in Berlin.

Aus der Sicht eines Jugendlichen schildert Witzel in Fragmenten, Protokollen und monologischen Einschüben Erinnerungen aus den 1960er und 1970er Jahren in Westdeutschland. Dabei greift er nicht nur auf eigene Erlebnisse als Heranwachsender im Rhein-Main-Gebiet zurück, sondern auch auf seine beruflichen Inspirationsquellen aus Literatur, Philosophie, Musik und Kunst. So wundert es nicht, dass die zahlreichen Rezensenten des preisgekrönten Werks an so unterschiedliche Persönlichkeiten erinnert werden wie Roland Barthes, James Ellroy, J.D. Salinger und Jean-Jacques Rousseaux, aber auch an Jimi Hendrix und die Beatles, den Existenzialismus und die Gotik. Philipp Felsch spricht in Die Tageszeitung (10.10.2015) von einem „Mammut-Buch“, Claus-Jürgen Göpfert (Frankfurter Rundschau, 26.09.2015) siedelt das „opus magnum“ zwischen Realität und Wahnsinn an, „angereichert mit Elementen des Fantasy- und Kriminalromans“.

Wenn Sie sich selbst ein Bild von Autor und Werk machen möchten, sind Sie in der Staatsbibliothek zu Berlin genau richtig – denn bei uns können Sie nicht nur den Gewinner-Titel, sondern auch andere Werke aus Witzels Schaffen lesen, Ihre Kenntnisse zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der RAF auffrischen und in den originalsprachigen Werken der Vorbilder und Ideengeber die Einflüsse des Autors nachvollziehen.

Im Rennen um den Deutschen Buchpreis 2015 waren insgesamt 176 Werke, aus denen die siebenköpfige Jury in einem mehrstufigen Verfahren sechs Kandidaten für das Finale ausgewählt hat. Witzel setzte sich schließlich durch gegen Jenny Erpenbeck (Gehen, ging, gegangen, Knaus), Rolf Lappert (Über den Winter, Carl Hanser), Inger-Maria Mahlke (Wie ihr wollt, Berlin Verlag), Ulrich Peltzer (Das bessere Leben, S. Fischer) und Monique Schwitter (Eins im Andern, Droschl). Auch diese Autoren sind mit ihren nominierten Werken und weiteren Titeln in unserem Bestand und teils sofort, teils in Kürze ausleihbar.

Viel Freude beim Lesen!

 

Bundesweite Handlungsempfehlungen zur Erhaltung schriftlichen Kulturguts

Das Ziel ist erreicht: Die Bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts in Archiven und Bibliotheken sind veröffentlicht. Damit hat die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), die in der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelt ist, zum Abschluss der Pilotphase in 2015 ihren Kernauftrag erfüllt.

Der Fachbeirat der KEK legt mit den “Bundesweiten Handlungsempfehlungen” eine umfassende Bilanz zu Schäden und Gefahren für das schriftliche Kulturerbe in Archiven und Bibliotheken Deutschlands vor. Gleichzeitig fasst das Papier erstmals in einem sparten- und länderübergreifenden Gesamtkonzept Aufgabenfelder zusammen, die zur Sicherung des schriftlichen Kulturguts gestärkt werden müssen.

Mit Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Kulturstiftung der Länder (KSL) hat die KEK mit den “Handlungsempfehlungen” einen Wegweiser geschaffen, der für zielführende Abstimmungen und die erforderliche einrichtungs- und länderübergreifende Zusammenarbeit aller Verantwortungsebenen Orientierung bietet.

zur Website der KEK

die Bundesweiten Handlungsempfehlungen als Download
Langfassung, Kurzfassung

Pressemitteilung vom Bund und der Kultusministerkonferenz der Länder zum Kulturgüterschutz