„Samiel! hilf“ – der Kulminationspunkt der Wolfsschluchtszene in Webers autographer Reinschrift des Freischütz

Samiel! hilf: Webers Freischütz-Autograph in der Schatzkammer

Carl Maria von Weber, Aquatinta von Friedrich Jügel (1816)

Carl Maria von Weber, Aquatinta von Friedrich Jügel (1816)

Haben Sie schon einmal einen Blick in die Wolfsschlucht gewagt? Nein – nicht in den gleichnamigen Teil des Viktoriaparks auf dem Kreuzberg im Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg, sondern in die „echte“ – die in Musik gegossene Vergegenwärtigung menschlicher Urängste! Bis Mitte Juni 2026 haben Sie Gelegenheit dazu in der Schatzkammer im Untergeschoss des Stabi Kulturwerks. Anlässlich des Todestages von Carl Maria von Weber, der sich am 5. Juni dieses Jahres zum zweihundertsten Male jährt, präsentiert die Musikabteilung der Staatsbibliothek aus ihrer reichen Weber-Sammlung zwei Spitzenstücke, welche die Geschichte dieser Kollektion seit 1851 dokumentieren und quasi umrahmen. Im Oktober 1851 – etwas mehr als dreißig Jahre nach der umjubelten Berliner Uraufführung der Oper in Schinkels neuem Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt – wurde quasi der Grundstein der Sammlung gelegt, als die Witwe des Komponisten, Caroline von Weber, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. das Freischütz-Autograph als Geschenk übersandte, das bald darauf in die damalige Königliche Bibliothek gelangte. Der Zoologe Hinrich Lichtenstein, ein langjähriger Freund der Webers, war durch Zufall Zeuge der Ankunft des Bandes in der Bibliothek und berichtete der Donatorin am 22. November 1851:
„Auf der Königl. Bibliothek war große Freude, als die Partitur […] ankam. Das ganze Personal lief zusammen um das anspruchlose grüne Queerfolio zu bewundern, indessen Herrn v. Floto[w]‘s Martha in violettem Sammet feiner Steindruck Hochfolio (gleichzeitig von S.[einer] M.[ajestät] der Bibliothek geschenkt,) völlig unbeachtet blieb. Wer auf die Bibl. kam, wurde mit der Nachricht, daß der Freischütz angekommen, empfangen, und die ersten Tage wird an kein Wegpacken zu denken sein. Selbst [Kustos Siegfried] Dehn, der […] sonst mit seinem Lob gegen Weber etwas karg thut, hatte doch eine unverkennbar große Freude denn nun haben wir von jedem großen Opern-Componisten ein Werk eigner erster Handschrift. Aber so vollendet im ersten Wurf hat Keiner gearbeitet als Weber. Niemand will glauben, daß dies die OriginalPartitur sei. Denn noch ist es nicht gelungen, auch nur eine Correctur zu entdecken.“
Prüfen Sie doch mal, ob Sie vielleicht eine Korrektur finden!

Beginn des 4. Satzes der Sinfonie Nr. 2 C-Dur (1807) in Webers Autograph

Beginn des 4. Satzes der Sinfonie Nr. 2 C-Dur (1807) in Webers Autograph

Um diese Partitur herum sammelte sich über Generationen die weltweit größte und an Autographen reichste Weber-Kollektion weltweit. Als Beispiel für die Neuerwerbungen jüngerer Zeit ist neben dem Freischütz die autographe Partitur von Webers 2. Sinfonie zu sehen, eines Jugendwerks des zwanzigjährigen Weber. Das Manuskript befand sich bis vor kurzer Zeit noch in Familienbesitz und konnte dank des Entgegenkommens von Webers Urururenkel Christian Freiherr von Weber mit den bereits in Berlin befindlichen Teilen des Weber-Nachlasses wiedervereint werden.
Zwei authentische, zeitlich zu den beiden Werken passende Porträts des Komponisten ergänzen die Präsentation ebenso wie der Stiftungsbrief Caroline von Webers.

Daneben gibt es auch im Erdgeschoss des Stabi Kulturwerks Weber-Bezügliches zu bestaunen: eine der ganz großen musikwissenschaftlichen Pionierleistungen des 19. Jahrhunderts. 1871 erschien das nach jahrelanger Recherche- und Sammelarbeit zusammengestellte, bis heute verwendete Weber-Werkverzeichnis. Autor war der Berliner Musiker und Weber-Begeisterte Friedrich Wilhelm Jähns (1809-1888), dessen Weberiana-Sammlung seit 1881 im Besitz unserer Bibliothek ist. Ihr folgte 1889 auch der Nachlass von Jähns, in dem sich zahlreiche Materialien befanden, die die Entstehung des Werkverzeichnisses von der ersten Zettelsammlung bis hin zur Druckvorlage beleuchten. Auch nach Erscheinen dieses wissenschaftlichen Grundlagenwerks arbeitete Jähns weiter, plante einen zusätzlichen Band mit Addenda und Corrigenda, den er allerdings nicht mehr abschließen konnte. Teile dieser Vorarbeiten und Nachträge sind ebenso im Kulturwerk präsentiert.

Und damit nicht genug: Im Weber-Jahr 2026 soll noch mehr aus unseren Weber-Schätzen vorgestellt werden – doch lassen Sie sich überraschen (mehr dazu im Juni)!

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