Die Kapitel der Beethoven-Ausstellung

„Diesen Kuß der ganzen Welt!“ Die Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin

Nach der Darstellung der Lebensdaten des Klaviervirtuosen und Komponisten Ludwig van Beethoven und zur Entstehung der Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin gliedert sich die Ausstellung thematisch auf:

Werkvielfalt

Ludwig van Beethoven komponierte rund 720 größere und kleinere Werke, unterteilt in Werke und Werkgruppen mit Opuszahl (op.), Werke ohne Opuszahl (WoO), unvollendete Werke (Unv) und weitere Werke in Form von Plänen zu Opern und Oratorien sowie Skizzen zu nicht ausgeführten Werken. Zwischen 1799 und 1824 schuf er neun Sinfonien, eine „nullte“ und eine zehnte blieben unvollendet – in der Staatsbibliothek zu Berlin befinden sich die 4., 5., 8. und 9. Seine fünf nummerierten Klavierkonzerte entstanden zwischen 1795 und 1809 – von vieren besitzt die Staatsbibliothek die Partituren. Die 32 Klaviersonaten entstanden zwischen 1795 und 1822. An Werken der Kammermusik schrieb Beethoven mehr als 80 Stücke für ein bis acht Instrumente. Nur wenige Werke hingegen entstanden im Bereich der geistlichen Musik, darunter ein Oratorium, das ebenfalls im Besitz der Staatsbibliothek ist. Weitaus mehr Kompositionen und Bearbeitungen fertigte Beethoven auf dem Gebiet der Vokalkomposition an, so vollendete er zwischen 1809 und 1820 über 170 Volksliedbearbeitungen. Obwohl sich Beethoven viele Male mit dem Schreiben verschiedener Opern beschäftigte, vollendete er nur eine einzige.

Beethoven in Berlin

1796 verbrachte der Komponist sechs Wochen in Berlin. Er war 25 Jahre alt, bereits ein weithin gefeierter Pianist und Improvisateur am Klavier und befand sich auf der einzigen Konzertreise seines Lebens. Auf Einladung von König Friedrich Wilhelm II. führte er zusammen mit der Königlichen Kapelle sein 1. Klavierkonzert op. 15 auf. An zwei aufeinanderfolgenden Dienstagabenden trat er mit Improvisationen am Klavier vor den Mitgliedern der Berliner Singakademie auf. Es blieb sein einziger Aufenthalt in der preußischen Metropole. Vergessen hat er die Stadt jedoch nie, Besucher aus Berlin wurden von ihm in Wien immer ganz besonders herzlich empfangen.

Die Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Viele Jahre lang wollte Beethoven Friedrich Schillers Ode An die Freude vertonen, doch erst im November 1822, als er den Auftrag der Philharmonischen Gesellschaft in London für ein neues Werk erhielt, begann er mit der konzentrierten Arbeit an seiner 9. Sinfonie. Er war in seinem 52. Lebensjahr bereits von vielen Krankheiten gezeichnet und fast vollständig ertaubt. Die Hauptarbeit fiel in das Jahr 1823. Zunächst schrieb er Entwürfe in Skizzenbücher und auf lose Blätter. Im Herbst 1823 vollendete er die Niederschrift der ersten drei Sätze der Partitur. An der Gestaltung des vierten Satzes mit dem Schlusschor über Schillers Ode An die Freude arbeitete der Komponist bis in das Frühjahr 1824. Die erste Aufführung fand am 7. Mai 1824 im Wiener Kärntnertortheater in Anwesenheit des Komponisten statt. Doch Beethoven selbst konnte die Musik – aufgrund seiner Taubheit – nicht hören. Die Worte der Sänger las er von ihren Lippen ab. Am Ende des Konzerts musste Beethoven, da er mit dem Rücken zum Publikum stand, sogar auf den jubelnden Applaus aufmerksam gemacht werden. Die erste Aufführung wurde ein Triumph. Sie markierte den Beginn des Siegeszuges des Werkes in der ganzen Welt. Im Erstdruck widmete er die Sinfonie dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840). Er ließ außerdem für den König eine Abschrift der Partitur anfertigen, die er eigenhändig überprüfte, sodann mit einem autographen Titelblatt versah. Im September 1826 kehrte der Berliner Hofbibliothekar Samuel Heinrich Spiker aus Wien mit eben dieser Abschrift im Gepäck an den Königshof zurück, ebenfalls zu sehen in der Ausstellung.

Die Konversationshefte

Spätestens ab 1818 verwendete Beethoven sogenannte Konversationshefte, da er wegen seines Gehörleidens für Unterhaltungen immer häufiger auf die Schriftsprache angewiesen war. Er führte die Hefte bis zu seinem Tod im Jahr 1827, woraus sich besondere Einblicke in die letzten neun Lebensjahre des Komponisten ergeben. Der jeweilige Gesprächspartner notierte seine Frage oder Antwort, Beethoven reagierte meist mündlich, daher sind Eintragungen des Komponisten eher selten. Die Inhalte reichen von Haushaltsangelegenheiten über die Sorge um den Neffen Karl oder den eigenen Gesundheitszustand bis hin zu Geschäftskorrespondenzen. Nach Beethovens Tod wurden angeblich etwa 400 Konversationshefte vom Jugendfreund Stephan von Breuning entdeckt, der diese wiederum an Beethovens Gehilfen Anton Schindler gab. Im Jahr 1846 gelangten 137 dieser Hefte durch in die Königliche Bibliothek, nur zwei weitere sind überliefert.

Beethovens Briefe

Nach eigenen Angaben schrieb Beethoven nicht gern, sodass er die Schreibarbeit oft seinen Brüdern, dem Neffen Karl oder Freunden und Bekannten übertrug. Die Briefe sind geprägt von Existenzsorgen, behandeln Vormundschaftsangelegenheiten um den Neffen, geschäftliche Themen und Alltagsprobleme. Ein besonderes Stück ist zweifellos der in seinem Nachlass verbliebene Brief an die Unsterbliche Geliebte, dieser ist mit allen Blättern in die Ausstellung integriert. Bis heute ist nicht geklärt, wer die Adressatin dieses Briefes war.

Die Oper Fidelio in drei Fassungen

Leonore bzw. Fidelio op. 72 ist Beethovens einzige fertiggestellte Oper. Sie besteht aus zwei Akten, in der Urfassung gar aus drei. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren, von 1803 bis 1814, entstanden drei Fassungen der Oper. Zu jeder der drei Fassungen liegen in der Staatsbibliothek handschriftliche Aufzeichnungen Beethovens vor. Darüber hinaus sind die Libretti, sowohl der französischen Vorlage als auch der ersten und dritten Version, vorhanden.

„Die neue Musik“ – Graphic Novel von Mikael Ross

Der Berliner Illustrator und Autor Mikael Ross schuf eigens für die Ausstellung eine Graphic Novel, sie ist im Begleitband auf 14 Seiten eingebunden. Wir erleben einen Tag des jungen Ludwig, erfahren von den Geldsorgen der Eltern und der sich abzeichnenden musikalischen Begabung am Klavier.


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Die Geschichte der Berliner Beethoven-Sammlung

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