Die Staatsbibliothek als Mitmach-Raum – ein neues Projekt zur explorativen Erforschung hybrider Kulturdatenlabore

Die digitale Transformation der Gesellschaft, Initiativen zur freien Zugänglichmachung von wissenschaftlichen Publikationen und digitalisiertem Kulturerbe (Open Access bzw. Open Science) sowie neuartige Formen des Arbeitens und Lernens (New Work) prägen nicht nur Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, sondern haben auch größte Auswirkungen auf die Rolle von Bibliotheken innerhalb des gesellschaftlichen Gesamtgefüges. Neben das klassische Selbstverständnis von Bibliotheken als Orte der Literaturversorgung und Wissensvermittlung treten dabei zunehmend Szenarien, in denen sie als Orte der Vernetzung, des Austauschs sowie des produktiven und kreativen Umgangs mit Daten und Wissensbeständen wirken. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Einrichtung zahlreicher digitaler Datenplattformen und Makerspaces in den letzten Jahren.

In Reaktion auf die veränderten wissenschaftlichen Bedarfe der Digital Humanities-Forschung haben wir 2019 auch an der Staatsbibliothek ein eigenes Lab eingerichtet, das als Datenplattform zur Bereitstellung von kuratierten Datensets sowie zur Präsentation von Demos und Prototypen aus Digital Humanities-Projekten dient. Parallel dazu wurden verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, in denen neue, kreative Zugänge zu digitalisierten historischen Beständen, Crowdsourcing-Ansätze zur Erstellung wissenschaftlicher Datensets und interdiszi­plinäre, experimentelle Formen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit erprobt wurden, so etwa in den Hackathons Coding Gender und Coding Precarity, im Crowdsourcing-Projekt Faithful Transcriptions, im digitalen Denklabor Critical Library Perspectives oder im derzeit laufenden Citizen Science-Projekt Frauen* im Fokus. Seit 2023 steht der Johann Sebastian Bach-Raum im Haus Unter den Linden außerdem als lokaler Kristallisationskern des Stabi Labs zur Verfügung und wird auch bereits für Veranstaltungen aus dem Lab-Kontext genutzt, etwa für eine Kooperationsveranstaltung mit dem Innenarchitektur-Studiengang der Hochschule Coburg zum Thema Raumgestaltung sowie für Transkriptionstutorien und Book Clubs der Citizen Science-Werkstatt.

Hybride Labore, die den produktiven und kreativen Umgang mit digitalen Kulturerbedaten fördern und zugleich die Begegnung und Vernetzung unterschiedlicher Communities in einem physischen Raum ermöglichen, wollen wir in dem jetzt gestarteten, von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projekt „Die Staatsbibliothek als Mitmach-Raum. Explorative Erforschung und Konzeptualisierung neuer Partizipationsangebote und Raumnutzungsszenarien am Beispiel des Stabi Lab“ genauer unter die Lupe nehmen.

Dabei liegt der Fokus einerseits auf der Auseinandersetzung mit aktuellen Forschungsdiskursen der Bibliotheks- und Informationswissenschaften sowie der Digital Humanities, andererseits auf der wissenschaftlichen Auswertung flankierender Pilotveranstaltungen in den Bereichen Citizen Science, Crowdsourcing, Coworking, Storytelling und Design Thinking, die im Kontext des Stabi Labs stattfinden werden. Auf dieser praktischen Materialbasis soll dann ein generisches, auch für andere Einrichtungen anschlussfähiges Konzept für hybride Kulturdatenlabore erarbeitet werden. Darüber hinaus sind die wissenschaftliche Aufbereitung und nachhaltige Open Access-Publikation der kollaborativ generierten Forschungsdaten aus den Pilotveranstaltungen sowie eine Dokumentation der Veranstaltungen für die allgemeine Öffentlichkeit geplant.

 

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

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