• BLOG-NETZWERK FÜR FORSCHUNG UND KULTUR
SBB aktuell
  • FOYER
  • SERVICE
  • IT-INNOVATION
  • WISSEN
  • FEUILLETON
  • Menü Menü
Mandäische Zauberrolle Ms. or. oct. 3634aSBB-PK

Mandäische Handschriften vollständig digitalisiert

08.12.2022/0 Kommentare/in Foyer, Handschriften, Orient/von Petra Figeac

Gastbeitrag von Lea Gzella

Im Bestand der Staatsbibliothek finden sich wichtige mandäische Handschriften, die nun vollständig in der Datenbank Qalamos erschlossen und digitalisiert sind.

Die Mandäer bilden eine kleine Religionsgemeinschaft, die vor allem im Laufe der letzten Jahrzehnte infolge von Repressalien und politischer Instabilität vom Irak und Iran aus in alle Welt verstreut wurde. Auch wenn ihre Entstehung nicht leicht zu rekonstruieren ist, reichen ihre Ursprünge mit Sicherheit anderthalb Jahrtausende zurück, da sie sich im Zusammenspiel mit spätantiken gnostischen Strömungen wohl in Südmesopotamien formte. Zwar ist die „Gnosis“ definitorisch nur schwer greifbar, doch manifestiert sie sich im Mandäismus in einem die ganze Welt durchdringenden Dualismus und im göttlichem Geheimwissen. So ist in die Seele des Menschen etwa ein göttlicher Funke gelegt, der seine Heimat in der hehren Lichtwelt erahnt und aus der Welt finsterer Materie dorthin zurückstrebt. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die Selbstbezeichnung der Mandäer leicht, die vom aramäischen manda „Erkenntnis“ abgeleitet ist. Eine besondere Rolle spielt die Taufe als ein regelmäßig stattfindendes Ritual der Reinigung, sodass neben Adam und anderen biblischen Figuren vor allem Johannes der Täufer eine hervorgehobene Position einnimmt.

Das Mandäische ist sprachlich gesehen eine Variante des Ostaramäischen und in dieser Hinsicht am nächsten mit dem Jüdisch-Babylonischen verwandt, während es auch von einer Reihe distinkter Merkmale gekennzeichnet ist. Die eigene Schrift und die für das Mandäische charakteristische Schreibung auch kurzer Vokale heben das Mandäische beispielsweise allein schon graphisch von anderen aramäischen Varianten ab.

Die Mandäer verfügen über eine reiche schriftliche Überlieferung. Ihre ältesten Handschriftenzeugnisse stammen zwar lediglich aus dem 16. Jahrhundert, doch wird man bei den Texten selbst einen wesentlich älteren Ursprung im 7. bis 9. Jahrhundert ansetzen müssen. Den mandäischen Kanon bilden in erster Linie die Ginza, die Qolasta und das Johannesbuch, in denen Mythologisches und Kosmologisches, die mandäische Glaubenslehre, Gebete, Riten und Erzählungen über Johannes den Täufer festgehalten sind. Daneben ist das mandäische Corpus reich an magischen und astrologischen Texten, wie sie auch bei ihren christlichen und jüdischen Nachbarn florierte.

Die Sammlung der Staatsbibliothek umfasst nun mandäische Texte all dieser Bereiche in unterschiedlicher Länge und Form: von Zauberrollen über Gebetsbücher bis zu Fragmenten der Qolasta und privaten Notizen ist alles dabei.

 

 

 

 

 

 

Schlagworte: Handschrift, Mandäer, Mandäisch, Zauberrolle
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Auf WhatsApp teilen
  • Teilen auf Pinterest
  • Teilen auf LinkedIn
  • Teilen auf Tumblr
  • Teilen auf Vk
  • Teilen auf Reddit
  • Per E-Mail teilen
https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/Mand_Ms.or_.oct_.-3634a.jpg 540 960 Petra Figeac https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/stabi-logo-kante.png Petra Figeac2022-12-08 16:15:022026-06-24 09:50:11Mandäische Handschriften vollständig digitalisiert
Das könnte Sie auch interessieren
Ein Gebetbuch für alle Fälle: Das Stundenbuch des Niklas Firmian – Teil 2
Das Gebetbuch der Maria von Geldern wird aufwändig konserviert
Ausbildung in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin
Symposium „Heinrich Friedrich von Diez (1751-1817) – Diplomat, Orientalist und Sammler“
Der Star in Nijmegen kommt aus Berlin
Ein Gebetbuch für alle Fälle: Das Stundenbuch des Niklas Firmian – Teil 3
Chamisso Museum / Foto: Gabriele Kaiser, privatFoto: Gabriele Kaiser, privat „Ich bin nach Weisheit weit umher gefahren“- ein Museum für Chamisso
Ein großes Kuddelmuddel: Zwei Bände und ein Text einer karolingischen Handschrift aus Verona
0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Search Search

Kommentare:

  • Bianca Henn-Hoffmann bei Fair bleiben – Pausenscheibe nutzen – Plätze teilen | Stay fair – Use the Study Break Disc – Share Your Desks
  • Lütkemeier bei Fair bleiben – Pausenscheibe nutzen – Plätze teilen | Stay fair – Use the Study Break Disc – Share Your Desks
  • H. Dembowski bei Reden über Rodrian
  • Ulrike Rodrian bei Reden über Rodrian
  • Thomas Parschik bei Ein Bruchpilot im Brunnenhof

Schlagwörter

Ausbildung Ausleihe Ausstellung Benutzung Benutzungseinschränkung Bilderbuch Buchpatenschaft CrossAsia Datenbank digitale Lektüretipps Digitalisierung E.T.A. Hoffmann Fachinformation Freunde der Staatsbibliothek Geschichte Hinweis Import Jugendbuch Kinderbuch Kulturelles Erbe Lesesaal Martin Luther Materialität Musik Osteuropa Presse Promovierende Provenienzforschung Recherche Recht Rechtsforschung Rechtswissenschaften Reformation Restaurierung sbb online offen Service Servicezeiten Slawistik Stipendienprogramm Werkstattgespräch Wissenswerkstatt Workshop Zeitschriftendatenbank Zeitungen Öffnungszeiten

Unsere Blogs

  • E. T. A. HOFFMANN PORTAL
  • FEUILLETON
  • FOYER
  • FREUNDE DER BIBLIOTHEK
  • HISTORISCHE DRUCKE
  • INKUNABELN
  • IT-INNOVATION
  • KARTEN
  • MUSIK
  • ORIENT
  • PODCAST
  • PRESSE
  • SERVICE
  • TERMINE
  • WISSEN

Suche über alle Beiträge:

Search Search

Folgen Sie uns auf Instagram

Folgen Sie uns auf Bluesky

Folgen Sie uns auf Mastodon

Besuchen Sie uns auf Youtube

ARCHIV ALLER BLOGBEITRÄGE

Zum Kalender
© Copyright - Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • RSS-Feeds abonnieren
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Erklärung zur Barrierefreiheit
  • Barriere melden
Link to: Neue Ausstellung: „MANUSCRIPTA AMERICANA. Den Azteken auf der Spur“ im Stabi Kulturwerk Link to: Neue Ausstellung: „MANUSCRIPTA AMERICANA. Den Azteken auf der Spur“ im Stabi Kulturwerk Neue Ausstellung: „MANUSCRIPTA AMERICANA. Den Azteken auf der Spur“... Link to: Ausblick | Outlook: StabiKat reloaded Link to: Ausblick | Outlook: StabiKat reloaded Ausblick | Outlook: StabiKat reloaded
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen