Schriftsteller:innen der Ukraine kämpfen für ihr Land – Neuerwerbungen der Osteuropa-Abteilung

Aus Anlass der Friedenspreisverleihung des deutschen Buchhandels an Serhij Žadan bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsentiert die Osteuropa-Abteilung aktuelle belletristische Veröffentlichungen ukrainischer Schriftsteller:innen in der Vitrine vor dem Osteuropa-Lesesaal.

Während die militärische Aggression Russlands in der Ukraine inzwischen neun Monate andauert, kämpfen namhafte ukrainische Autor:innen mit Worten für ihr Land. Sie setzen sich kritisch mit der russischen Sicht auf die Ukraine, der eigenen Geschichte und der aktuellen Situation auseinander und präsentieren ihre starken Gefühle. Im westeuropäischen Ausland leisten sie intensive Aufklärungsarbeit, denn viele Menschen haben noch immer mangelnde Kenntnisse über die Ukraine. Die Autor:innen tragen dazu bei, dass die Solidarität innerhalb der EU mit der Ukraine nicht abbricht und weiter erhalten bleibt. Wir haben uns für die Präsentation der Autor:innen Serhij Žadan, Andrej Kurkov und Oksana Zabužko entschieden.

Serhij Žadan, geb. 1974 im Gebiet Luhansk, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw, wo er bis heute lebt. Žadan ist ein ukrainischer Schriftsteller, Dichter, Übersetzer und Sänger. Seine literarischen Werke wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Dieses Jahr erhielt Serhij Žadan den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels auf der Frankfurter Buchmesse.

Namensformen:
Сергій Вікторович Жадан (Ukrainisch) – Serhij Viktorovyč Žadan (Ukrainisch transliteriert) – Serhii Viktorovych Zhadan (englische Transliteration)
Serhij Schadan in der deutschsprachigen Wikipedia
Zerhiy Zhadan in der englischsprachigen Wikipedia


Andrej Kurkov, geb. 1961 im Oblast Leningrad, lebte seit seiner Kindheit bis zum russischen Angriffskrieg in Kiew. Er studierte Fremdsprachen und spricht insgesamt 11 Sprachen. Kurkov arbeitete in unterschiedlichen Berufen, darunter als Zeitungsredakteur, Gefängniswärter und Kameramann. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und schreibt auf Russisch. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der ukrainische Autor Andrej Kurkov erhält am 28.11.2022 in München den Geschwister-Scholl-Preis für sein „Tagebuch einer Invasion“.

Namensformen:
Андрій Юрійович Курков (Ukrainisch) – Andrij Jurijovyč Kurkov (Ukrainisch transliteriert) – Andrii Kurkov (englische Transliteration)
Андрей Юрьевич Курков (Russisch) – Andrej Jurʹevič Kurkov (Russisch transliteriert) – Andrei IUr’evich Kurkov (englische Transliteration)
Andrij Kurkow in der deutschsprachigen Wikipedia
Andrey Kurkow in der englischsprachigen Wikipedia


Oksana Zabužko, geb. 1960 in Luzk, ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen und Essayistinnen der heutigen Ukraine und lebt seit Beginn des Krieges in Warschau.  Als der Krieg ausbrach, war sie gerade bei einer Buchpräsentation in Warschau und konnte nicht mehr zurück. Sie studierte Philosophie an der Universität Kiew. Zabužko publizierte seit Mitte der 80er Jahre mehrere Lyrikbände, Erzählungen und politisch-philosophische Studien. Zabužkos Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit dem Global Commitment Foundation Poetry Prize (1997) sowie dem Angelus-Preis (2013) ausgezeichnet.

Namensformen:
Оксана Стефанівна Забужко (Ukrainisch) – Oksana Stefanivna Zabužko (Ukrainisch transliteriert) – Oksana Stefanivna Zabuzhko (englische Transliteration)
Oksana Sabuschko in der deutschsprachigen Wikipedia
Oksana Zabuzhko in der englischsprachigen Wikipedia


Weitere Schriftsteller:innen der Ukraine in der deutschsprachigen Wikipedia


Bis zum Jahresanfang 2023 sind folgende Bände in der Vitrine ausgestellt:

Zhadan, Serhij: A new orthography: Poems.
Translated from the Ukrainian by John Hennessy & Ostap Kin.
Sandpoint, Idaho: Lost Horse Press, 2020. – 121 pages. ISBN 1-7333400-3-3.
(Lost Horse press contemporary Ukrainian poetry series ; Volume V)

Signatur: 10 A 149922

„A New Orthography“ von Serhij Žadan ist der fünfte Band der Reihe für zeitgenössische ukrainische Lyrik von Lost Horse Press. In diesen Gedichten konzentriert sich der Dichter auf das tägliche Leben während des russisch-ukrainischen Krieges und zeichnet intime Porträts der Bewohner des Landes, wie sie auf die Krise reagieren.


Žadan, Serhij: Internat: Roman.
Černivci: Meridian Czernowitz, 2017. – 334 Seiten. ISBN 966-97679-0-3.

Signatur: 3 A 263228

Der ukrainische Schriftsteller Serhij Žadan schreibt von den Zuständen, die in der Ostukraine seit 2014 andauern. Er wirft Fragen auf: Wie verändern sich die Menschen im Krieg? Kann man in einem Krieg überhaupt neutral bleiben?


Žadan, Serhij: Antena: Poeziï.
Černivci: Meridian Czernowitz, 2018. – 302 Seiten. ISBN 978-966-97821-0-6.

Signatur: 3 A 263972

Diese poetische Reportage über die letzten Jahre, die sich für die Ukraine als sehr schwierig erwiesen haben, birgt mehr als eine Überraschung. Žadan hat sich nie vor gesellschaftspolitischen und religiösen Themen gescheut, doch dieser Lyrikband „Antena“ zeigt seine Sensibilität und damit seine Poesie für viele weniger offensichtliche Themen.  In seinem neuen Buch gedenkt er auch seines verstorbenen Vaters, er findet einen ergreifenden Ton, um über die Unvermeidlichkeit des Todes und den Schmerz der Liebe zu sprechen.

Weitere Titel von und über Serhij Žadan im StaBiKat aus dem Bestand der Staatsbibliothek


Kurkow, Andrej: Samson und Nadjeschda: Roman.
Aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing.
Zürich: Diogenes, 2022. – 366 Seiten. ISBN 978-3-257-07207-5.

Signatur: 10 A 153084

Andrej Kurkov erzählt in „Samson und Nadjeschda“ einen historischen Krimi aus dem Kiew von 1919, in dem ein junger Polizist Silberdieben auf der Spur ist und über das Verschwinden der alten Ordnung trauert.
Original Signatur: 3 A 279829


Kurkow, Andrej: Kartografie der Freiheit: Roman.
Aus dem Russischen von Claudia Dathe.
Innsbruck; Wien: Haymon Verlag, 2018. – 622 Seiten. ISBN 978-3-7099-3434-0.

Signatur: 10 A 63900

Der ukrainische Autor Kurkov widmet seinen Roman „Kartografie der Freiheit“ der Idee eines gemeinsamen Europa und zeigt doch, wie unzulänglich es sich in der Wirklichkeit abbildet.
Original Signatur: 3 A 235126


Kurkow, Andrej: Graue Bienen: Roman.
Aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing.
Zürich: Diogenes, 2019. – 444 Seiten. ISBN 978-3-257-07082-8.

Signatur: 10 A 80963

Mit seinem Roman „Graue Bienen“ (Original: Серые пчёлы/Serye pčëly, 2018) begibt sich Andrej Kurkov auf brisantes Terrain. Sein Thema sind die Leiden der Zivilbevölkerung in der Ostukraine. Er beschreibt den Alltag kleiner Leute, die zwischen die Frontlinie geraten sind.


Kurkow, Andrej: Tagebuch einer Invasion.
Aus dem Englischen von Rebeca DeWald.
Innsbruck; Wien: Haymon Verlag, 2022. – 345 Seiten. ISBN 978-3-7099-9179-5.

Signatur: 10 A 153992

Dieses Tagebuch über Russlands Invasion in die Ukraine ist eine Sammlung von Andrej Kurkovs Schriften und Sendungen aus Kiew. In vielen Alltagsbildern berichtet er von Angst, schlaflosen Nächten, von der wachsenden Hilfsbereitschaft der Ukrainer in der Not und vom neuen Patriotismus in der Ukraine. Er macht das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Am 28. November 2022 bekommt Andrej Kurkov  für das Kriegstagebuch den Geschwister-Scholl-Preis.

Weitere Werke Andrej Kurkovs im StaBiKat im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin.


Zabužko, Oksana: Planeta Polyn: Vybrani eseï.
Kyïv: Vydavnyčyj dim „Komora“, 2020. – 378 Seiten. ISBN 978-617-7286-59-1.

Signatur: 3 A 274704

Dieser Band enthält die wichtigsten Essays von Oksana Zabužko aus den letzten zwei Jahrzehnten, die sich mit den Figuren und Ereignissen befassen, die die Autorin im Kontext der gegenwärtigen Epoche der Krise des Humanismus für kulturell bedeutsam hält.


Zabužko, Oksana: Jak rubaly vyšnevyj sad, abo Dovha doroha z Bad-Emsa.
Kyïv: Vydavnyčyj dim „Komora“, 2021. – 90 Seiten. ISBN 978-617-7286-70-6.

Signatur: 3 A 282636

In ihrem neuen Buch „Wie der Kirschgarten zerhackt wurde, oder der lange Weg von Bad Ems“, das dem Andenken an die Archivarin der Ukrainischen Freien Akademie der Wissenschaften in New York Oksana Miyakovska-Radysh (1919-2020) gewidmet ist, wendet sich Oksana Zabužko ihrem Lieblingsgenre zu, einer Mischung aus Memoiren und literarischer Recherche.


Sabuschko, Oksana: Die längste Buchtour: Essay.
Aus dem Ukrainischen von Alexander Kratochvil.
Graz; Wien: Literaturverlag Droschl, 2022. – 168 Seiten. ISBN 978-3-99059-121-5.

Signatur: 10 A 153997

Die ukrainische Autorin und Essayistin Oksana Zabužko verdeutlicht in ihrem neu erschienenen Essay „Die längste Buchtour“, was in 30 Jahren ukrainischer Unabhängigkeit seit 1991 alles geschehen ist. Sie dokumentiert viele Details der gezielten Vorbereitung des russischen Angriffskriegs und schaut kundig, aber auch zornig zurück. Im Ton ist sie kämpferisch und wütend. Dieser Band ist erst kurz nach der Neugestaltung der Vitrine eingetroffen. Wir präsentieren ihn hier zusätzlich.

Hier finden sie alle weiteren Veröffentlichungen in unserem Bestand von und über Oksana Zabužko im StaBiKat.

Kontakt und mehr Wissenswertes

  • Ihre Hinweise und Anregungen nehmen wir im Referat Wissenschaftliche Dienste und Informationsvermittlung der Osteuropa-Abteilung gern entgegen, Vormerkungswünsche auf Bücher in der Ausstellung richten Sie bitte an Sabine Kaiser.
  • Für Ihre Anschaffungsvorschläge nutzen Sie bitte dieses Formular.
  • Für die Belletristik slawischer Sprachen können Sie sich diese über eine Direktabfrage des Neuerwerbungsdienstes nach den jeweils gewünschten Sprachen von 2005 bis aktuell 2022 anzeigen lassen. Dabei wird auch die übersetzte Literatur gefunden. Zum Neuerwerbungsdienst Slavistik
  • Für die nichtslawischen Literaturen können Sie im StaBiKat nach einzelnen Autoren suchen oder sich für spezielle Recherchen auch an die Referent:innen der Osteuropa-Abteilung wenden.

Weitere Informationen, auch zu unseren Neuerwerbungen, finden Sie auf diesen Seiten:

 

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