• BLOG-NETZWERK FÜR FORSCHUNG UND KULTUR
SBB aktuell
  • FOYER
  • SERVICE
  • IT-INNOVATION
  • WISSEN
  • FEUILLETON
  • Menü Menü

Seltene hebräische Drucke aus Shanghai erworben

30.12.2013/0 Kommentare/in Presse/von Jeanette Lamble

Kurz vor Jahresende gelang der Staatsbibliothek zu Berlin mit Unterstützung durch einen Straßburger Antiquar ein weiterer großartiger Kauf: Unter den etwa 20.000 Menschen, denen es in den Jahren 1938 bis 1941 gelungen war, nach Schanghai zu fliehen, befanden sich viele Juden. Auch an ihrem Zufluchtsort legten sie großen Wert auf kulturelle und religiöse Bildung und druckten zahlreiche Bücher – diese jedoch in sehr geringen Auflagen, was die Drucke besonders rar macht. 120 dieser Bücher konnte die Staatsbibliothek zu Berlin jetzt erwerben.
Zu den Drucken, alle religiösen Inhalts, gehören verschiedene Talmud-Traktate sowie andere grundlegende Werke der jüdischen Religion. Unter den bekanntesten sind der „Schulchan Aruch“ von Josef Karo, diverse Schriften des Gelehrten Moses Maimonides – so etwa „Sefer ha-Mitsvot“ und „Mishne Torah“ – sowie „Chochmat Adam“ von Rabbi Avraham Danzig.
In jenen Jahren waren in Shanghai Juden unterschiedlicher sozialer Stellungen, Glaubensrichtungen und kultureller Zugehörigkeiten zusammengetroffen. Eine besondere Gruppe bildeten etwa 2.000 Studenten, die zuvor an verschiedenen religiösen Lehrstätten Osteuropas ausgebildet worden waren. Unter ihnen waren nahezu alle Mitglieder der „Mirrer Jeschiwa“, einem 1814 in Polen gegründeten orthodoxen Lehrhaus, das sich heute in Jerusalem befindet und zu den größten jüdischen Lehrhäusern weltweit zählt. – Auch an ihrem Zufluchtsort setzten die jungen Leute ihre Studien intensiv fort, so dass Shanghai für kurze Zeit zu einem der aktivsten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit wurde.
Die für die Studien benötigten Bücher – zumeist Nachdrucke von Werken, die Flüchtlinge aus ihrer Heimat mitnehmen konnten – wurden nur in äußerst geringen Auflagen für den Eigenbedarf gedruckt und sehr viel benutzt. Aufgrund dessen sowie aufgrund der äußerst schwierigen Lebensbedingungen ihrer Besitzer – viele emigrierten später in die USA oder nach Palästina/Israel – sind die Shanghaier Bücher äußerst selten und oft nur als Einzelexemplare in verschiedenen Bibliotheken erhalten.
Schon vor drei Jahren konnte die Staatsbibliothek zu Berlin von demselben Antiquar eine Sammlung mit besonders rarer Literatur aus den Lagern der Displaced Persons erwerben. Diese umfasst 400 ebenfalls stark benutzte Hefte und Bücher, die in den Jahren 1945 bis 1950 entstanden waren. Beide Sammlungen jüdischer Literatur ergänzen sich jetzt aufs Beste, geben sie doch unmittelbare Einblicke in das jüdische Leben während bzw. unmittelbar nach der Shoah.

Schlagworte: Displaced Persons, DP-Lager
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Auf WhatsApp teilen
  • Teilen auf Pinterest
  • Teilen auf LinkedIn
  • Teilen auf Tumblr
  • Teilen auf Vk
  • Teilen auf Reddit
  • Per E-Mail teilen
https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/stabi-logo-kante.png 0 0 Jeanette Lamble https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/stabi-logo-kante.png Jeanette Lamble2013-12-30 08:04:222026-06-24 10:05:41Seltene hebräische Drucke aus Shanghai erworben
Das könnte Sie auch interessieren
RBB-Abendschau vom 27.1.2021 zur Displaced Persons-Literatur der Staatsbibliothek zu BerlinRBB-online. Lizenz liegt vor. Spendenprojekt „Displaced Persons-Literatur“ in der RBB-Abendschau
Jiddische Lieder-Ausgabe der Dichterin Rachel aus der Sammlung der Displaced Persons der Staatsbibliothek zu BerlinSBB-PK Restaurierungsprojekt: Rachelgedichte auf Jiddisch
Postkartenset zur Displaced Persons-Literatur der Staatsbibliothek zu Berlin Postkartenset zur Displaced Persons-Literatur
Zaun des DP-Lagers auf Zypern und Baracken (Linolschnitt, Ausschnitt) Be-Gerush Kafrisin (Exil in Zypern) – Album mit 26 Linolschnitten, Zypern, ca. 1948
0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Search Search

Kommentare:

  • Anna bei Neue Trinkwasserspender für alle | New Drinking Water Dispensers for All
  • Thomas Parschik bei Röntgentermin für den Pharao
  • SuK bei Wissenshunger stillen ohne Krümel | Feed Your Hunger for Knowledge — Without the Crumbs
  • Thomas Parschik bei Tollkühne Frauen und Männer und fliegende Kisten
  • Benutzungskommunikation bei Wissenshunger stillen ohne Krümel | Feed Your Hunger for Knowledge — Without the Crumbs

Schlagwörter

Ausbildung Ausleihe Ausstellung Benutzung Benutzungseinschränkung Bilderbuch Buchpatenschaft CrossAsia Datenbank digitale Lektüretipps Digitalisierung E.T.A. Hoffmann Fachinformation Freunde der Staatsbibliothek Geschichte Hinweis Import Jugendbuch Kinderbuch Kulturelles Erbe Lesesaal Martin Luther Materialität Musik Osteuropa Presse Promovierende Provenienzforschung Recherche Recht Rechtsforschung Rechtswissenschaften Reformation Restaurierung sbb online offen Service Servicezeiten Slawistik Stipendienprogramm Werkstattgespräch Wissenswerkstatt Workshop Zeitschriftendatenbank Zeitungen Öffnungszeiten

Unsere Blogs

  • E. T. A. HOFFMANN PORTAL
  • FEUILLETON
  • FOYER
  • FREUNDE DER BIBLIOTHEK
  • HISTORISCHE DRUCKE
  • INKUNABELN
  • IT-INNOVATION
  • KARTEN
  • MUSIK
  • ORIENT
  • PODCAST
  • PRESSE
  • SERVICE
  • TERMINE
  • WISSEN

Suche über alle Beiträge:

Search Search

Folgen Sie uns auf Instagram

Folgen Sie uns auf Bluesky

Folgen Sie uns auf Mastodon

Besuchen Sie uns auf Youtube

ARCHIV ALLER BLOGBEITRÄGE

Zum Kalender
© Copyright - Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • RSS-Feeds abonnieren
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Erklärung zur Barrierefreiheit
  • Barriere melden
Link to: Von Sansibar nach Berlin und weiter Link to: Von Sansibar nach Berlin und weiter Von Sansibar nach Berlin und weiter Link to: Werkstattgespräch zu den Institutionen des Gaius am 13.01., 18.15 Uhr Link to: Werkstattgespräch zu den Institutionen des Gaius am 13.01., 18.15 Uhr Werkstattgespräch zu den Institutionen des Gaius am 13.01., 18.15 Uhr
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen