Restaurierungsprojekt: Rachelgedichte auf Jiddisch

Die Staatsbibliothek zu Berlin hat durch das große Engagement des Vereins der Freunde ein Restaurierungsprojekt starten können, das zum Ziel hat, die fragilen Bücher aus der Sammlung der Displaced Persons vor dem Verfall zu retten. Die Bücher aus den Jahren 1945 bis 1957, die in das Projekt aufgenommen wurden, sind aufgrund der schlechten Papier- und Bindequalität, die der Umstände im chaotischen Nachkriegsdeutschland geschuldet sind, vom Verfall bedroht und sie sind doch so wichtige jüdische Zeitzeugen einer dramatischen Epoche. Das begonnene Restaurierungsprojekt dürfte weltweit einmalig sein.

Israelischer Geldschein mit dem Bild von Rachel Bluwstein

Israelischer Geldschein mit dem Bild von Rachel Bluwstein

Dank der Großzügigkeit der Spenderinnen und Spender, wurde eine erste Lieferung mit 70 Büchern dem Restaurator übergeben, darunter ein bemerkenswertes Buch der Dichterin Rachel, die prominent auch eine israelische Banknote ziert.

 

 

 

Hinter dem schlichten Namen Rachel (רחל) verbirgt sich Rachel Bluwstein (auch Blaustein), die 1890 in Saratov (Russland) geboren wurde und 1931 in Tel Aviv starb. Rachel hat früh angefangen zu schreiben, zunächst in Russisch, aber bereits 1909 kommt sie mit ihren Schwestern nach Palästina, sie lernen Hebräisch im Land, Rachel ist begeistert von der Arbeit in der Landwirtschaft. 1911 tritt sie dem Kibbuz Kvutzat Kinneret am See Genezareth bei und trifft dort den wichtigen Zionisten Aharon David Gordon, der sie stark beeinflusst.

Porträt der hebräischen Dichterin Rachel Bluwstein

Rachel Bluwstein (1890 – 1931), Dichterin

Sie reist zurück nach Europa, um sich in der Landwirtschaft weiter zu bilden, steckt sich aber bei der Reise mit der Tuberkulose an. Krank kehrt sie nach Israel zurück, muss den Kibbuz Degania verlassen, dem sie sich angeschlossen hatte, und stirbt 1931 im Alter von 40 Jahren im damaligen Mandatsgebiet Palästina.

Sie hinterlässt ein reiches poetisches Werk, das durch die Kürze und die Klarheit ihrer Sprache gekennzeichnet ist. Sie ist eine der wichtigsten Dichterinnen der hebräischen Sprache.

Unsere Ausgabe unter dem Titel „Lieder“ (לידער) ist im jüdischen Jahr [5]708 in München erschienen, was 1947/48 entspricht. Als Verlag ist Yachad („zusammen“) genannt, ein Verlag, der von zionistischen Jugendorganisationen getragen wurde. Die Gedichte wurden von ז. ר. (Z. R.) übersetzt. Wir wissen nicht, wer sich dahinter verbirgt. Vielleicht weiß es ein Leser dieses blogs, wir wären für Hinweise dankbar.

Die Ausgabe ist ein Nachdruck einer amerikanischen Edition von der „Pioneer Women’s Organization of United States and Canada“, die 1932 in Winnipeg erschien.

Die meisten der in DP-Camps erschienenen Ausgaben sind Nachdrucke, die Werke, die dafür ausgewählt wurden, zeigen deutlich die Interessensgebiete der Lagerinsassen: die hebräische Sprache und das im Entstehen begriffene Land Israel als Auswanderungsziel, Rachel Bluwstein ist eine Nationaldichterin dieses jungen Staates.

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