Beiträge

Neuerwerbungen der Osteuropa-Abteilung

Die Osteuropa-Abteilung erwirbt neben zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften sowie einer Vielzahl von elektronischen Ressourcen jährlich rund 13.000 Monographien neu. Einige Beispiele dieser Neuerwerbungen präsentieren wir im ein- bis zweimonatigen Wechselrhythmus in einer Vitrine vor dem Eingang des Osteuropa-Lesesaales – meist zu spezielleren Themen. Wir möchten Interessierten auch an dieser Stelle die Möglichkeit geben, sich darüber zu informieren.

Im vergangenen Jahr wurden Neuerwerbungen zu folgenden Themen vorgestellt:

  1. Osteuropa – Biografische Nachschlagewerke
  2. Slawistik
  3. Osteuropa im Zweiten Weltkrieg
  4. Kunst im und am baltischen Buch
  5. Russische Buchkunst
  6. Osteuropa – Quellen und Nachschlagewerke
  7. Osteuropäische Kulturbeziehungen
  8. Olga Tokarczuk – die Literaturnobelpreisträgerin in der SBB.

Aktuelle Präsentation

Im Jahr 2020 machen Neuerwerbungen, die im Rahmen des DFG geförderten Fachinformationsdienstes (FID) Slawistik erworben wurden, den Anfang.

Masquerade and femininity : essays on Russian and Polish women writers / Urszula Chowaniec, Ursula Phillips and Marja Rytkönen.
Newcastle, UK : Cambridge Scholars Publ., 2008. – VII, 258 Seiten. ISBN 978-1-84718-468-9.

Signatur: 10 A 86594

Der Sammelband vereinigt 13 Essays über die russischen und polnischen Schriftstellerinnen und die Frauenliteratur im 19. und 20. Jahrhundert in Polen und Russland. Das Hauptthema der Beiträge ist die Maskerade als gefühlsbetonte Expression der Weiblichkeit, die sich realer und imaginärer Masken, Verkleidungen und Vortäuschungen bedient, wie sie bei den Schriftstellerinnen der vergangenen Jahrhunderte (z.B. Nadežda Chvoščinskaja, Irina Odoevceva, Vera Pavlova, Maria Komornicka) zum Ausdruck gebracht wurde.

Tradycja i współczesność w badaniach nad językami słowiańskimi : księga jubileuszowa dedykowana profesor Annie Zych / Andrzej Charciarek, Ewa Kapela.
Katowice : Wydawnictwo Uniwersytetu Śląskiego, 2019. – 268 Seiten. ISBN 978-83-226-3515-5.
(Prace Naukowe Uniwersytetu Śląskiego w Katowicach ; nr 3775)

Signatur: 3 A 260526

Die Festschrift für die Slawistin Prof. Anna Zych beinhaltet mehrere Aufsätze zur vergleichenden Sprachwissenschaft im Polnischen und Russischen vor dem Hintergrund anderer slawischer Sprachen. Das Spektrum der linguistischen Thematik reicht von der Vererbung reflexiver Partikelfunktionen im Altkirchenslawischen bis zur Untersuchung bestimmter Typen von Internet-Memen der heutigen Zeit sowie anderer spannender Aspekte der Pragmatik und Semantik.

Historia języka w XXI wieku : stan i perspektywy / Magdalena Pastuch, Mirosława Siuciak.
Katowice : Wydawnictwo Uniwersytetu Śląskiego, 2018. – 723 Seiten. ISBN 978-83-226-3137-9.
(Prace Naukowe Uniwersytetu Śląskiego w Katowicach ; nr 3670)

Signatur: 3 A 256479

Die 24 Beiträge dieses Kongressbandes behandeln die überwiegend diachrone Entwicklung des Polnischen in seiner hochsprachlichen und dialektalen Ausprägung. Abgedeckt sind die lexikologischen, sprachhistorischen, stilistischen, aber auch die kommunikativen Aspekte der Entwicklung der polnischen Sprache im modernen und postmodernen Zeitalter mit dem Ausblick auf das 21. Jahrhundert.

Mirna Šolić: In search of a shared expression : Karel Čapek’s travel writing and imaginative geography of Europe.
Praha : Charles University, Faculty of Arts, 2019. – 263 Seiten. ISBN 978-80-7308-900-9.

Signatur: 3 A 258776

Die Monographie von Mirna Šolić untersucht Karel Čapeks Reiseberichte aus verschiedenen theoretischen Perspektiven, setzt diese in den Kontext der tschechischen und europäischen Poetik der modernen Reiseliteratur der Zwischenkriegszeit und analysiert die Zusammenhänge mit der bildenden Kunst der Zeit.

Marija Jeftimijević-Mihajlović: Znamenja i značenja : (ogledi o srpskoj književnosti Kosova i Metohije).
Priština ; Leposavić : Institut za srpsku kulturu, 2018. – 279 Seiten. ISBN 978-86-89025-41-5.

Signatur: 3 A 257172

Die Monographie enthält eine Auswahl von Studien über serbische Schriftsteller aus dem Kosovo. Die diachrone Darstellung beschäftigt sich insbesondere mit der Frage der Identität beim literarischen Schöpfungsprozess.

Nadežda Starikova: Literatura v sociokul’turnom prostranstve nezavisimoj Slovenii.
Moskva : Indrik, 2018. – 390 Seiten. ISBN 978-5-91674-499-6.
(Sovremennye literatury stran Centralʹnoj i Jugo-Vostoc̆noj Evropy)

Signatur: 3 A 253290

Das Werk zeichnet die Entwicklung der modernen slowenischen Literatur und des literarischen Lebens von der staatlichen Unabhängigkeit (1991) bis zur Gegenwart nach. Die slawistische Studie ist am Institut für Gegenwartsliteratur in Mittel- und Südosteuropa (Института славяноведения РАН) in Moskau entstanden.

Dmitrij Oparin: Bol’šaja Sadovaja, 10 : istorija moskovskogo doma, rasskazannaja ego žiteljami.
Moskva : Kuckovo pole ; ABCdesign, 2017. – 319 Seiten. ISBN 978-5-9950-0768-5.

Signatur: 3 A 259640

Das 1904 erbaute Moskauer Wohnhaus, dem dieser Band gewidmet ist, ist längst ein Pilgerort für die Anhänger seines berühmtesten Bewohners Michail Bulgakov und seines Kultwerkes „Meister und Margerita“. Hier werden jedoch in erster Linie die Erinnerungen und Geschichten von weniger bekannten Bewohnern verschiedener Zeiten erzählt und illustriert.
Dieses Buch wurde 2019 auf der Leipziger Buchmesse in der Ausstellung »Die schönsten Bücher aus aller Welt« präsentiert.

Michail Levitin: Otricanie knigi o Viktore Šklovskom : v pjatnadcati ostranenijach s nekotorymi utočnenijami, izjumom iz bulki i finalom.
Moskva : Iskusstvo XXI vek, 2019. – 254 Seiten. ISBN 978-5-98051-186-9.

Signatur: 3 A 260864

Der Regisseur und Schriftsteller Michail Levitin skizziert Leben und Schaffen des russischen Schriftstellers und Kritikers Viktor Šklovskij (1893-1984) in 15 „Verfremdungen“ – den von Šklovskij eingeführten Begriff „Ostranenie“ aufgreifend – in der Art „eines komplexen Theaterstückes mit einer Vielzahl handelnder Personen: Schriftsteller, Politiker, Schauspieler, Revolutionäre, Regisseure und Tschekisten“.

Tezaurus russkich idiom : semantičeskie gruppy i konteksty / A.N. Baranov, D.O. Dobrovolʹskij.
Moskva : “LEKSRUS”, 2018. – 883 Seiten. Izd. 2-e, ispr. i dop. ISBN 978-5-905532-49-8.

Signatur: OELS DB d 559

Dieses Thesaurus-Wörterbuch der russischen Idiome ist wie sein 2007 erschienener Vorgänger Slovarʹ-tezaurus sovremennoj russkoj idiomatiki im Vinogradov-Institut für Russische Sprache der Russischen Akademie der Wissenschaften entstanden und wird diesen im Lesesaal ersetzen.

Service

Die ausgestellten Bände haben in der Regel einen Festeinband und können nach dem Wechsel der Auslage entliehen werden. Auch eine Kurzeinsicht ist nach Rücksprache generell möglich, bevor die Bände dann ihren Weg von der Vitrine ins Magazin antreten. Neuerwerbungen mit Lesesaal-Standort werden dort entsprechend aufgestellt.

Da in der Ausstellungsvitrine nur ein sehr kleiner Einblick in die Neuerwerbungen der Osteuropa-Abteilung gegeben werden kann, empfehlen wir auch die umfangreicheren Informationsmöglichkeiten auf unseren Webseiten für die slawistischen Neuerwerbungen und sonstigen Osteuropa relevanten Neuerwerbungen. Ergänzend dazu besteht die Möglichkeit, Anschaffungsvorschläge zu unterbreiten. Bei der Literaturauswahl für unsere Sammlungen orientieren wir uns an Richtlinien für den Bestandsaufbau.

Kontakt

Für Anfragen und Hinweise sind wir im Osteuropa-Lesesaal oder per Email bzw. Formular erreichbar.

Carl Maria von Weber: Romanza siciliana

Autographen aus den ersten zwanzig Lebensjahren Carl Maria von Webers haben Seltenheitswert; umso überraschender war es, als 2015 die Reinschrift der Romanza siciliana auftauchte, die der Komponist Ende 1805, kurz nach seinem 19. Geburtstag abgeschlossen hatte. Der letzte Hinweis auf den Verbleib dieses Manuskripts, das sich lange Zeit (vermutlich seit 1839) im Archiv des Berliner Verlages Schlesinger befunden hatte, stammte aus dem November 1925, als es in New York im Auktionshaus Anderson Galleries „unter den Hammer kam“; seitdem galt das Autograph als verschollen. Im Februar 2017 konnte das Frühwerk für die Weberiana-Sammlung der Staatsbibliothek erworben werden und ist – dank der Unterstützung der Restaurierungs-Abteilung – nun auch, obgleich fragil, in einem Zustand, der die Benutzung zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt.

Weber vermerkte auf seinem Manuskript zu den Entstehungsumständen des Werks: „componirt in Breslau für H: Kauffmann Zahn den 24t December. 1805.“ In der schlesischen Metropole hatte der junge Musiker im Sommer 1804 (noch nicht 18jährig) sein erstes besoldetes Amt als Musikdirektor am Theater angetreten, seine dienstlichen Verpflichtungen ließen ihm allerdings wenig Zeit für eigene Arbeiten, so dass er seinen 1806 auslaufenden Zweijahresvertrag nicht verlängerte. Zu den wenigen bekannten Kompositionen der Breslauer Periode gehört dieses gerade 59 Takte umfassende Vortragsstück für Solo-Flöte und Orchester, dessen Adressat der Kaufmann Jakob Conrad Zahn war: ein Liebhaber von Flötenmusik, der 1803 einen Quartettverein gegründet hatte und in seinem Hause Privatkonzerte veranstaltete. Ob Weber von Zahn einen entsprechenden Auftrag erhalten hatte oder von seinem Freund Friedrich Wilhelm Berner zur Komposition angeregt wurde, der im Zahn’schen Quartettverein aktiv war und ebenfalls Werke für den Mäzen schrieb, ist nicht überliefert. Solist der um den Jahreswechsel 1805/06 anzunehmenden Uraufführung dürfte der Breslauer Flötist Adam (auch Adamy) gewesen sein, ebenso ein Freund Berners sowie Ehrenmitglied des genannten Vereins.

Das Autograph diente, wie Stechervermerke mit Bleistift sowie die auf der ersten Seite hinzugefügte Verlagsnummer „S. 2321.“ ausweisen, als Stichvorlage für die im September 1839 erschienene Erstpublikation des Werks bei Schlesinger (als Nr. 2 der „Nachgelassenen Werke“). Ein Rezensent attestierte dem Werk damals eine „schön empfundene schlichte Romanzenmelodie, welche die Flöte meist ganz ungeschmückt, wie einen weichen Hirtengesang vorträgt; nur einige Male klingen mässige Bravouren hinein“ (Allgemeine musikalische Zeitung, 1938, Sp 1042f.). Dass es sich dabei nicht um ein Spitzenwerk des Komponisten, sondern eher eine musikalische Gefälligkeit handelt, ließ der Kritiker nur dezent anklingen, indem er auf die „ungesuchte“ Melodie, „sinnige“ Harmonien und die Kürze des einsätzigen Stücks hinwies und betonte, dass dieses – wie auch von Weber beabsichtigt – seinen Platz in „geselligen Zirkeln“ habe, also nicht auf dem Konzertpodium, sondern eher im Salon (bzw. der Hausmusik). Ungeachtet dieser Einschränkung bezüglich seiner musikpraktischen Relevanz ist das Manuskript als Dokument der musikalischen Entwicklung des „frühen“ Weber von besonderer Bedeutung. Neben Eintragungen des Stechers (laut Schlesinger-Verlagsbuch in diesem Falle F. Wessely) findet sich auf den insgesamt vier Blättern des Autographs als weiterer Zusatz von fremder Hand eine Echtheitsbestätigung des „Vaters der Weber-Forschung“ Friedrich Wilhelm Jähns vom 8. Juli 1863.

Digitalisat der Handschrift

[Text von Frank Ziegler]

“Mit herzlichen Grüßen, Ihr Wilhelm Furtwängler”

Die Musikabteilung konnte jüngst über ein Berliner Antiquariat eine wichtige Ergänzung zum Nachlass des Dirigenten Wilhelm Furtwängler (1886-1954) erwerben: es handelt sich um den wohl vollständigen Briefwechsel Furtwänglers mit dem Verleger Fritz Oeser (1911-1982) vom Brucknerverlag Wiesbaden. Dabei tauschen sich die Briefpartner hauptsächlich über die Revisionen an der 2. Sinfonie in e-Moll (WF 119) sowie am Symphonischen Konzert für Klavier und Orchester (WF 114) von Wilhelm Furtwängler aus, außerdem werden die beiden Sinfonien Nr. 3 in Cis (WF 120) und Nr. 1 in h-Moll (WF 110b) in der Korrespondenz aufgegriffen.

Die Korrespondenz beginnt mit einem Brief Furtwänglers vom 31. Dezember 1950, in dem Furtwängler seine Absicht äußert, von der Universal Edition Wien zum Brucknerverlag wechseln zu wollen. In 148 originalen Textzeugen fächert sich dann die Beziehung des Dirigenten und Komponisten zu seinem Verleger auf, die fast vier Jahre andauerte. 50 Briefe von Wilhelm Furtwängler und einige Telegramme und Kurzbriefe der Sekretärin Henriette Speiser an Oeser sind überliefert sowie 60 Original-Briefdurchschriften von Oeser an Furtwängler. Dabei entsteht das Bild einer fruchtbaren Arbeitsbeziehung, die den Komponisten Furtwängler ins Zentrum rückt: Sichtbar wird, wie viel Arbeitskraft Wilhelm Furtwängler in die Komposition und Revision seiner Werke vor dem Druck steckte, aber auch welche Bedeutung die Aufführung seiner eigenen Werke für ihn hatte. “Ich werde im Laufe des nächsten Jahres sehr wenig dirigieren, habe aber die Absicht, in der zweiten Hälfte der Saison mehrere Aufführungen meiner eigenen Sachen zu veranstalten”, schrieb Furtwängler im Februar 1951. Einer der letzten Sätze an Oeser zeugt von der schweren Erkrankung des Dirigenten, Mitte November 1954 schrieb er aus Clarens: “Leider laboriere ich augenblicklich an einer Bronchitis, die mich seit einigen Tagen sogar ins Bett fesselt.” Er sollte sich von dieser Krankheit nicht mehr erholen und verstarb Ende des Monats.

[Beitrag veröffentlicht von Jessica Ermes]