Das Blog-Netzwerk der Staatsbibliothek zu Berlin – Beiträge für Forschung und Kultur

Potsdam, 22. April, Bachs h-Moll-Messe : Vortrag und Aufführung

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, stellt das Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach vor, dieses gehört seit dem Jahr 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Nikolaikantor Björn O. Wiede (Potsdam), erläutert die authentische Aufführungspraxis des Barock-Ensembles EXXENTIAL BACH, das unter seiner Leitung die Messe aufführt.

Samstag, 22. April 2017
Nikolaikirche Potsdam; Am Alten Markt

18.30 Uhr | Einführung mit
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin u. Präsidentin der Brandenburgischen Bach-Gesellschaft,
Björn O. Wiede, Dirigent und Nikolaikantor

19.30 Uhr | Johann Sebastian Bach: h-Moll-Messe
Barock-Ensemble EXXENTIAL BACH, Dirigent: Björn O. Wiede

Die seit Karfreitag andauernden Osterfesttage Potsdam schließen am Samstag, 22. April 2017, mit einer ausführlichen Einführung in die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach (BWV 232) und mit der Aufführung des Werkes ab. Das Autograph, das zusammen mit 80% aller überlieferten Werke des Meisters in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter besten konservatorischen Bedingungen aufbewahrt wird, gehört seit dem Jahr 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Autograph der h-Moll-Messe, Johann Sebastian Bach, BWV 232, Titelblatt || Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Das heute weltweit am häufigsten aufgeführte Werk Bachs für Vokal- und Instrumentalstimmen wurde von J. S. Bach selbst ohne Titel gelassen. Erst im Nachlassverzeichnis wird es als „große catholische Messe“ bezeichnet, es beinhaltet den vollständigen lateinischen Text der katholischen Messliturgie.

Bach hatte schon im Jahr 1733 mit der Arbeit an der Messe begonnen, jedoch stellte er sie erst kurz vor seinem Lebensende in den Jahren 1748-49 und damit auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft fertig. Die Verwendung von historischen und zeitgenössischen Satzarten, Formen und Kompositionstechniken in einem Werk ist das herausragende Alleinstellungsmerkmal der h-Moll-Messe.

Die einzige vollständige Partitur aus Bachs Lebzeiten ist mit Tinte auf Papier verfasst. Er verwendete 99 Blätter und vier Titelblätter, die Abmessungen betragen zwischen 33,5 x 21 cm und 36 x 23 cm. Die h-Moll-Messe besteht aus vier Teilen, der erste wurde 1733 komponiert, die Teile II bis IV vermutlich zwischen August 1748 und Oktober 1749. Eine Datierung durch den Meister selbst liegt nicht vor, sie lässt sich aber durch Schriftvergleiche ermitteln.

Nach dem Tod Johann Sebastian Bachs ging das Autograph der gesamten Messe in den Besitz seines Sohnes Carl Philipp Emanuel über, der die Handschrift im Rahmen seiner Arbeit als Musiker verwendete. Danach ging die Handschrift auf dessen Tochter Anna Carolina Philippina über. 1805 wurde sie vom Schweizer Musikpädagogen und Musikverleger Hans Georg Nägeli erworben und in der Familie weiter vererbt. Nach einer weiteren Station erwarb die Bach-Gesellschaft Leipzig 1857 das Autograph. 1861 konnte das wertvolle Autograph schließlich von der Königlichen Bibliothek zu Berlin, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, erworben werden, wo sie nun dauerhaft verwahrt wird.

Autograph h-Moll-Messe, Johann Sebastian Bach, BWV 232, Kyrie || Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Die h-Moll-Messe befindet sich in Berlin in einem herausragenden Umfeld: Zur weltweit größten Bach-Sammlung gehören neben etwa 80% aller von Johann Sebastian Bach im Autograph überlieferten Werke auch nahezu alle Werke seiner vier komponierenden Söhne sowie das Alt-Bachische Archiv, ein von ihm selbst zusammengestelltes Musikarchiv mit Kompositionen seiner Musiker-Vorfahren.

Johann Sebastian Bach war als Komponist wegweisend, seine Werke beeinflussen die Musikgeschichte bis heute nachhaltig, wobei sich sowohl Komponisten an seinem Schaffen orientieren als auch die Werke Bachs fester Bestandteil des Konzertlebens sind.

 

weitere Informationen erhalten Sie bei der Skt. Nikolai Kirchengemeinde Potsdam

Buchpatenschaft für den Monat April

Johann Sebastian Bachs Choräle passen immer gut zu hohen christlichen Feiertagen. Daher haben wir als Patenschaft für den Monat April eine Partiturabschrift aus der Musikabteilung ausgesucht.

Bach, Johann Sebastian (1685-1750): Sammelhandschrift mit Choralbearbeitungen (BWV 672-675, 677 u. 679) und Duetten (BWV 802-805) aus der Klavierübung 3. Teil. Abschrift von Gottfried Heinrich Moering (1747-1825). Bibliothekssignatur: Mus.ms. Bach P 566.

Bach, Johann Sebastian (1685-1750):
Sammelhandschrift mit Choralbearbeitungen (BWV 672-675, 677 u. 679) und Duetten (BWV 802-805) aus der Klavierübung 3. Teil.
Abschrift von Gottfried Heinrich Moering (1747-1825)

36 S., Kartonumschlag mit handgefertigtem Buntpapier.

Das Manuskript vereinigt Abschriften des größten Teils der Choralbearbeitungen sowie der vier Duette aus dem 3. Teil der Clavier Übung, die Bach 1739 in Nürnberg im Druck herausgab. Es stammt aus dem Besitz des Bach-Schülers Johann Philipp Kirnberger (1721-1783), der in Berlin als Lehrer und musikalischer Berater der preußischen Prinzessin Anna Amalia (1723 – 1787), der jüngsten Schwester Friedrichs II., wirkte. Der Schreiber Gottfried Heinrich Moering (1747-1825) war ein Schüler Kirnbergers.

Restaurierungsbedarf: Trocken reinigen, Risse schließen, fliegendes Papier einfügen, Umschlag ablösen, neu umheften, Bezugspapier stabiblisieren, Kanten und Ecken sichern und festigen, Schutzverpackung

Kalkulierte Kosten: 330 €

 

 

 

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass diese Partiturabschrift  restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de. Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt.

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Bilder von der Baustelle Unter den Linden

75 Jahre nach ihrer Zerstörung wurde die Kuppel über dem Eingangsportal neu aufgebaut || Foto: BBR, Jens Andreae

Das Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden ist das Stammhaus der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum und gehört zu den bedeutendsten Bibliotheksbauten weltweit. Es ist mit einer Grundfläche von 107 mal 170 Metern und einer Bruttogrundfläche von mehr als 100.000 Quadratmetern zudem eines der größten Gebäude Berlins.
Die Grundinstandsetzung und Erweiterung findet seit 2005 bei laufendem Bibliotheksbetrieb statt, unterteilt in zwei Bauabschnitte.

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300 Plätze im großen Veranstaltungssaal || Foto: BBR, Jens Andreae

Kissenförmige Kunstharzelemente formen die Lichtdecke || Foto: BBR, Jens Andreae

Der Große Veranstaltungssaal nach seiner Sanierung: Die fehlende historische Decke wurde ersetzt durch eine lichtdurchlässige, aus kissenförmigen Kunstharz-Elementen bestehende Kassettenstruktur nach einem Entwurf des Architekturbüros HG Merz. Zur Erbauungszeit waren die Halbsäulen komplett vergoldet, ein erhaltener Rest der Vergoldung ist in der nordwestlichen Ecke des Saales noch zu sehen.

künftiger Handschriftenlesesaal || Foto: BBR, Jens Andreae

Der Handschriftenlesesaal ist mit original erhaltenen Lesetischen ausgestattet, die denkmalgerecht aufgearbeitet und mit Strom- und Datennetzanschlüssen versehen wurden.

Lichtkissen, entwickelt von Kress & Adams, Köln || Foto: BRR, Jens Andreae

Die Lampen, die sogenannten Lichtkissen, wurden speziell für die Staatsbibliothek von HG Merz und den Lichtplanern Kress und Adams aus Köln entworfen.

 

nicht standsichere Außenwände || Foto: BBR, J. Andreae

Während der Sanierung der Außenwände wurde festgestellt, dass diese nicht durchgängig massiv ausgeführt waren, sondern aus einer tragenden Wand und einer innenseitig mit einem Abstand zu dieser tragenden Wand vorgesetzten zweiten Wand bestanden. Da die Planer zunächst von durchgängig massiv gemauerten Wänden ausgehen mussten, war mit dieser Entdeckung die vorherige statische Berechnung dieser Wände hinfällig geworden, die Deckenkonstruktion musste komplett umgeplant werden. Der Hohlraum wurde dort, wo es die Statik erforderte, mit Beton verfüllt, und dort, wo dies nicht notwendig war, mit einer Wärmedämmung. Weitere Hohlräume traten in Wänden des zweiten Bauabschnittes zu Tage und führten aus Gründen des Brandschutzes oder der Standsicherheit zu zusätzlichen Baumaßnahmen.

 

Detail eines Treppengeländers: Im Inneren eines Balusters
korrodierter Stahlstab || Foto: BBR, Bernd Helmich

Auf der Grundlage von Untersuchungen im Vorfeld der Grundinstandsetzung wurden in den repräsentativen Treppenhäusern des Altbaus zunächst lediglich neue Befestigungen des denkmalgeschützten Geländers geplant. Zu Beginn der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass die Stahlstäbe im Inneren der von außen intakt scheinenden Messingbaluster so stark korrodiert waren, dass eine Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Rund 1000 Baluster mussten aufwändig saniert, die Hälfe davon sogar nachgebaut werden.

 

Fachwerkträger waren auszutauschen: rechts alt, links neu || Foto: BBR, Jens Andreae

Über dem Tonnengewölbe der zentralen Treppenhalle wurden noch während der Erbauungszeit nachträglich vier Geschosse mit zusätzlichen Magazinen errichtet, deren gewaltigen Lasten mit großen Stahlfachwerkträgern hoch über der Haupttreppe abgefangen werden. Diese Träger, verborgen hinter einem Tonnengewölbe und später über einer Flachdecke aus der Nachkriegszeit, wurden nach Auszug der Bibliothek und anschließender Entkernung Ende 2013 umfänglich begutachtet. Dabei sind erhebliche Materialschäden festgestellt worden, die auf eine unzureichende Standsicherheit schließen ließen. Dies erforderte den kompletten Austausch der gesamten Konstruktion. Durch die weitreichende Folgen auf die benachbarten tragenden Bauteile wurden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich völlig neu geplant.

 

Tragwerk für die neue Kuppel über dem Vestibül || Foto: BBR, Florian Profitlich

Von der einst etwa 20 Meter hohen Kuppel im Vestibül sind aus der Entstehungszeit nur die zwei sich kreuzende Stahlbetonbögen übrig geblieben, die die ursprüngliche Kuppelschale einmal getragen haben. Dem architektonischen Konzept folgend, war die Wiederherstellung der Kuppel zunächst in ihrer ursprünglichen Geometrie direkt unter diesen, heute denkmalgeschützten Stahlbetonbögen geplant. Die Bausubstanz dieser lange hinter der Flachdecke aus der Nachkriegszeit verborgenen Bögen erwies sich erwartungsgemäß als dringend sanierungsbedürftig. Allerdings ergab die genaue Vermessung im Vorfeld der Detailplanung der zu rekonstruierenden Kuppelschale, dass sich die Betonkonstruktion etwas verformt und um einige Zentimeter gesenkt hatte, möglicherweise eine Folge von Kriegszerstörung und Abriss des früher benachbarten Kuppellesesaales. Eine Kuppel in der ursprünglichen Geometrie war hier nicht mehr ausführbar. Die Neuplanung wurde an die jetzige Geometrie angepasst.

Eine Restauratorin arbeitet am historischen Majolika-Ring in der Kuppel über dem Vestibül || Foto: BBR, Florian Profitlich

Das Oberlicht in der Kuppel des Foyers ist mit einem dreifachen Ring aus Majoliken eingefasst, die Kaiser Wilhelm II. persönlich in Königsberger Werkstätten ausgewählt hat.

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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

Endspurt auf der Großbaustelle

ausführliche Informationen zur Grundinstandsetzung Unter den Linden

‘Tout Berlin’ willkommen am 10. Juni

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Darüber berichteten neben anderen auch

Deutsche Presseagentur, dpa (hier übernommen von Berliner Zeitung)
Der Tagesspiegel
rbb Abendschau (Nachrichtenblock I, 1:43)

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Faltblatt aus „Vorstellung Deß jüngst=erschienenen COMETEN“ von Johann Mayer, Ulm 1681 – SBB PK Signatur: On 6700R (CC BY-NC-SA 3.0)

Kometen zwischen Wunderzeichen, Astrologie und Physik: Werkstattgespräch am 27.4.

Wissenswerkstatt

Kometen zwischen Wunderzeichen, Astrologie und Physik. Zur Materialität von Wissenswandel in der Frühen Neuzeit

Werkstattgespräch mit Doris Gruber (Graz/Wien – 2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK und der Gerda Henkel Stiftung Wien)
Donnerstag, 27. April 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Kometen riefen in Vergangenheit wie Gegenwart intensive Kommunikationsprozesse hervor. Am Beginn der Frühen Neuzeit wurde einhellig angenommen, dass Kometen Vorboten nahenden Unglücks – wie Hungersnöten, Pest und Krieg – seien. Diese Anschauungen untermauerten weithin akzeptierte Wissensbestände: So wurden Kometen als Teil der Heilsgeschichte betrachtet, laut der Wunderzeichen mitunter das Ende der Welt anzeigen würden. Außerdem deuteten auch astrologische und physikalische Theorien darauf hin, dass Kometen nichts Gutes mit sich brächten. Im Laufe der Frühen Neuzeit wandelten sich diese Wissensbestände jedoch, was dazu führte, dass die negativen Bedeutungen der Kometen immer häufiger angezweifelt wurden, unter anderem aufgrund neuer (empirisch gewonnener) Erkenntnisse.
Diese Wissenswandel werden anhand der zeitgenössischen Publizistik des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation untersucht. Im Zentrum steht, welche Rolle die Materialität der Medien dabei spielte. Dabei wird insbesondere gefragt, ob sich Kometenwissen auch dadurch veränderte, dass es in unterschiedlichen Formen transportiert wurde: als Text oder Bild in Form von Flugblättern, Flugschriften, Büchern, Zeitschriftenartikeln oder Schreibkalendern.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Reihe “Die Materialität von Schriftlichkeit”

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

e-day bereits zum siebten Mal

Unter dem Motto “ELEKTRONISCHE RESSOURCEN: SCHNELL, AKTUELL UND ÜBERALL WISSENSCHAFTLICH ARBEITEN” treten am 4. Mai wieder fast 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsbibliothek an, um Ihnen elektronische Ressourcen, aktuelle Projekte u.v.a.m. näher zu bringen.

 

Donnerstag, 4. Mai
10.00 – 15.30 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin
zentraler Treffpunkt in der Eingangshalle
Zum aktuellen Programm

 

Für alle, die bereits einmal dabei waren, ist das Konzept nicht völlig überraschend: In knapp dreißig, jeweils 30minütigen Präsentationen zeigen Ihnen die Fachreferentinnen und Fachreferenten sowie weitere Mitarbeitende der Bibliothek welche Möglichkeiten Ihnen die Staatsbibliothek über das Angebot an gedruckten Medien hinaus noch bietet:

DATENBANKEN, VOLLTEXTE, BILDER
Erfahren Sie mehr über die Vielzahl an elektronischen Ressourcen, in denen Sie sowohl fachspezifisch, als auch übergreifend nach Aufsätzen, Statistiken, Comics oder kompletten E-Books suchen können. Oft genügen wenige gezielte Klicks und Sie haben einen wissenschaftlichen Text oder andere Materialien direkt vor sich.

GEWUSST WIE
Von den ersten Rechercheschritten über das Ermitteln und Verknüpfen der passenden Suchbegriffe bis hin zur Weiterverarbeitung im Literaturverwaltungsprogramm und das Vermeiden von Plagiaten erfahren Sie Hilfreiches rund ums optimale Suchen in und mit unseren elektronischen Ressourcen.

AUSSERDEM
In der Mittagszeit bieten wir Ihnen eine Auswahl weiterer Themen als Poster Sesssion an, so dass Sie direkt mit den „Machern“ vor Ort ins Gespräch kommen können. Oder Sie begleiten uns auf einen Rundgang durchs Gebäude mit Einblicken hinter die Kulissen. Oder Sie lassen sich von unserem Dienstleister BiblioCopy Tipps und Tricks zum Scannens geben. Oder Sie versuchen sich gleich selbst an einer Recherche, bei der wir Sie auch gerne unterstützen.

Meere und Reisen: vom Unerreichten zum Alltäglichen

Ein Beitrag aus unserer Reihe Meere und Ozeane zum Wissenschaftsjahr 2016*2017

Seit Urzeiten sind Menschen in Bewegung, über Land, später über das offene Meer zu nahen und fernen Welten. Archäologische Artefakte zeugen von diesen Wanderungen und Reisen und vermitteln Plausibilitäten oder Gewissheiten über die Vergangenheit. Mit Entstehung der Schriftkultur tauchen allmählich auch textuelle Zeugnisse realer wie fiktiver Reisen über die Meere auf. Reisebeschreibungen der Antike oder des Zeitalters der Entdeckungen lassen so manchen staunend ob des Wagemuts der Seefahrer an den Zeilen kleben.

MAGELLAN: PACIFIC OCEAN. Ferdinand Magellan’s first view of the Pacific Ocean after passing through the strait that now bears his name: 19th century. Credit: The Granger Collection / Universal Images Group /Rights Managed / For Education Use Only / Encyclopædia Britannica ImageQuest

Apropos reale und fiktive Reisen: im Mittelpunkt eines der erfolgreichsten Filme aller Zeiten sowie einer der am längsten laufenden TV-Serien in Deutschland stehen – nicht sofort einleuchtend – Kreuzfahrtschiffe.

Eine unbedingt gelungene Auswahl an beeindruckenden, ganz und gar nicht fiktionalen Reiseberichten findet sich im kurzweiligen „Buch des Reisens“, das den Bogen spannt von Pytheas von Massalia, dort beschrieben als „Humboldt des Altertums“, über den eigentlichen Alexander von Humboldt, dessen amerikanische Reisetagbücher die Staatsbibliothek zu Berlin exklusiv in ihren Digitalisierten Sammlungen präsentiert, bis hin zu David Foster Wallaces teilnehmenden Beobachtungen, auch seiner Selbst, auf einer Luxuskreuzfahrt (enthalten in: “A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again“).

Auch die Reihe „Alte abenteuerliche Reiseberichte“ des auf Entdeckerliteratur und historische Reiseberichte spezialisierten Verlages Edition Erdmann lässt in Meeresreisen eintauchen; neben dem Reiz des Fernen und Unentdecktenwerden hier die Entbehrungen und Grausamkeiten solcher Abenteuer verdeutlicht.

Die Bedeutung des Reisens, nicht nur auf Meeren und Ozeanen, verschiebt sich im Zeitverlauf. Während einst neben dem reinen Entdeckerdrang auf der Suche nach der terra incognita existentielle, ökonomische oder religiöse bzw. missionarische Beweggründe im Vordergrund standen, scheinen in Zeiten des Massentourismus Sehnsucht, Fernweh und Konsum bedeutender zu sein.

Die Herausforderungen verändern sich: früher die Strapazen der Reise, die ungewisse  Ankunft an einem unbekannten Ziel – heute, in einer vermessenen Welt, in der die Risiken der Fortbewegung auf Meeren und Ozeanen weitestgehend kalkulierbar sind, sehen manche die Reise mit sich und zu sich selbst als wahre Herausforderung der Neuzeit an.
Alain de Botton, dem Anerkennung gebührt für die unumstößliche Erkenntnis “Ich glaube, dass die Liebe und das Reisen unsere größten Glücksphantasien sind“, führt uns in der „Kunst des Reisens“ unterhaltsam vor, worin die Herausforderungen des Reisens im 21. Jahrhundert bestehen. – Ein Reiseführer der anderen Art.

Mit Geld kann man besagtes Glück nicht kaufen. Allerdings: Mit Zunahme der Kaufkraft in den Industriestaaten geht ein Boom auch an touristischen Kreuzfahrten einher, der für dieses Jahr 25 Millionen Passagiere weltweit und 26 neue Riesenkreuzer erwarten lässt. Image und Zielgruppen von Kreuzfahrten ändern sich, was zur Diversifikation der Angebote führt: irgendwann mit der Queen Mary 2 auf Full Metal Cruise um die Falklandinseln – anything goes (maybe) …

So weist ferner die ungebrochene Nachfrage nach Expeditionskreuzfahrten zu entlegenen Orten der Welt auf individuelle Abenteuerlust in der Postmoderne, natürlich ungleich komfortabler als zu Zeiten des Magellan-Chronisten Antonio Pigafetta.

Cruise Ship in Glacier Bay National Park, Alaska. Credit: Matthias Jakob / First Light / Universal Images Group / Rights Managed / For Education Use Only / Encyclopædia Britannica ImageQuest

Wenngleich Ozeane und Meere als Gebiete des Handels, der wirtschaftlichen Entwicklung und Nahrungsquelle auch weiterhin zentral sein werden, so gewinnt der so genannte coastal and marine tourism (CMT), wie obige Zahlen des Teilbereichs Kreuzschifffahrt verdeutlichen, an ökonomischer und damit einhergehend auch an politischer und wissenschaftlicher Bedeutung.

Seine ökonomische Relevanz zeigt sich an Zahlen wie diesen: Bereits 2011 finden im CMT allein in Europa über 3,2 Millionen Menschen Arbeit und generieren eine Bruttowertschöpfung von insgesamt 183 Milliarden Euro, ein Drittel der gesamten maritimen Wirtschaft, zu der noch die Fischerei, die Meeresbiotechnologie, die Meeresenergie und der Meeresbodenbergbau gezählt werden. Die Zahlen für 2015 für den Tourismus im Allgemeinen sind noch weit eindrucksvoller: Einnahmen aus dem internationalen Tourismus in Höhe von 1,26 Billionen US-Dollar, als Exportkategorie wichtiger als Nahrung, Automobil- oder Maschinenbau, für 1/11 der weltweiten Arbeitsplätze verantwortlich. Als maßgeblicher Provider touristischer Kennzahlen im internationalen Rahmen sei hier die UN-Sonderorganisation World Tourism Organization erwähnt.

Um weiterhin die Möglichkeiten des Tourismus nachhaltig zum Wohle von Umwelt und Menschen auszuschöpfen, hat beispielsweise die Europäische Kommission im Rahmen der Strategie „Blaues Wachstum“ auch Maßnahmen für den Küsten-und Meerestourismus verabschiedet. Einzelstaatliche Maßnahmen, die flankierend hinzutreten, werden exemplarisch in den OECD Tourism Trends and Policies 2016 vorgestellt, an der Staatsbibliothek im Volltext via OECD iLibrary zugänglich.

Bleibt zum Abschluss die Beleuchtung der Tourismusforschung, ehedem Fremdenverkehrsforschung genannt, als noch relativ junge, interdisziplinäre Wissenschaft, die in Deutschland nur selten dauerhafte universitäre Weihen erhielt. Von ihr können wertvolle Impulse ausgehen und aktuelle Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden – sofern sie noch betrieben wird. Auf der niemals abgeschlossenen Liste der Institutsschließungen und der immer währenden Abwicklung von Orchideenfächern findet sich zum Beispiel das von der FU Berlin mitunterstützte Willy-Scharnow-Institut für Tourismus. Wer hier in Berlin vor Ort ist, vermag zumindest das an der TU Berlin angesiedelte Historische Archiv für Tourismus für eigene Recherchen zu Rate ziehen.

Auf internationaler Ebene sieht es etwas besser aus. Exemplarisch seien hier im CMT-Kontext die International Coastal and Marine Tourism Society und deren Zeitschrift Tourism in Marine Environments genannt.

Neben der angedeuteten Diversifikation und den Auswüchsen des Massentourismus werden derzeit in der CMT-Forschung Großthemen wie Klimawandel und Umweltaspekte, der Einfluss neuer Technologien auf den Tourismus, Tourismus als sozioökonomische Entwicklungsstrategie sowie kulturwissenschaftliche Fragestellungen diskutiert.

Mit diesem Beitrag endet unsere Reihe zum Wissenschaftsjahr 2016*2017. Wir hoffen, Ihnen hat unsere kleine Reihe gefallen. Das Wissenschaftsjahr 2018 wird sich der „Zukunft der Arbeit“ widmen. Auch dazu werden wir wieder ein paar passende Themen für Sie aufbereiten.

Johannes Block aus Pommern – der stumme Prediger und seine sprechende Bibliothek

Auch in der Staatsbibliothek des 21. Jahrhunderts sind noch Entdeckungen möglich. So staunte Falk Eisermann, der Leiter des Inkunabelreferats, nicht schlecht, als er im Magazin auf den Namen eines alten Bekannten aus dem 16. Jahrhundert stieß. Eigentlich wollte er nur zwei Inkunabeln ausheben, um sie einer Seminargruppe als Studienobjekt zu präsentieren. Ihn interessierte vor allem eine Cicero-Ausgabe von 1465 aus der Mainzer Offizin Peter Schöffers (GW 6921), an die ein Rostocker Druck des Vinzenz von Beauvais von 1477 angebunden ist (R 358). Der Besitzvermerk Liber Johannis Block presbyteri Caminensis diocesis predicatoris machte den Fachmann für alte Bücher stutzig. Konnte es sein, dass der Kamminer Priester mit dem Prediger und Reformator Johannes Block identisch war, den Eisermann als Buchbesitzer aus der Kirchenbibliothek Barth kannte?

Der Barther Reformator Johannes Block. Bild von der Predigtkanzel der Marienkirche Barth (um 1580). Foto: Eva Wunderlich. Lizenz: CC-BY-NC-ND (3.0)

Dieser Johannes Block aus Barth ist eine rätselhafte und zu Unrecht unterschätzte Figur. Als Zeitgenosse, teilweise auch als Protegé der Wittenberger Reformatoren Martin Luther und Johannes Bugenhagen hat er die pommersche Herzogsstadt Barth reformiert. In Kirchenakten ist er aber kaum bezeugt. Leider hat er auch keine eigenen Schriften hinterlassen. Niemand hat sich die Mühe gemacht, auch nur eine seiner Predigten aufzuzeichnen. So wäre Block heute vergessen, hätte er nach seinem Tode nicht seine Gelehrtenbibliothek der Barther Marienkirche überlassen. Glücklicherweise hat Block in seinen Büchern teilweise seine Lebensstationen und Berufe notiert. Sie verraten, dass er nicht nur in Pommern gewirkt, sondern auch zu den frühesten Wanderpredigern in Preußen, im Baltikum und in Finnland gehört hat.

Ein weiteres Glück war, dass Eisermann wusste, dass der Verfasser dieses Blog-Beitrags seit 20 Jahren an der Rekonstruktion von Blocks Bibliothek arbeitet. Ein kurzer Anruf, einige gepostete Bilder und eine Autopsie des Bandes brachten schnell Gewissheit: Die beiden Blocks waren identisch. Damit war aber auch ein guter Anlass entstanden, einen Block-Blog von der Staatsbibliothek Berlin aus zu schreiben. Immerhin hatte man gemeinsam das einzige Buch identifiziert, das von Blocks Prädikantenbibliothek außerhalb Barths erhalten geblieben ist.

“Zeig mir Deine Bücher – ich erzähl’ Dein Leben!”

Diese Identifikation ist bedeutsam, weil Blocks Büchersammlung einen großen historischen Zeigewert hat. Sie ist eine der ganz wenigen intakten Privatbibliotheken der Lutherzeit und vermittelt wertvolle Einblicke in die Entstehung der evangelischen Bewegung im Ostseeraum. Aus ihr wird deutlich, wie auch fernab der Wittenberger “Zentrale” evangelische Prädikanten am Werk waren, die als Leuchttürme des neuen Glaubens eigene Ideen von “Reformation” prägten und verbreiteten.

Von dieser wertvollen Bibliothek, die von der Universitätsbibliothek Greifswald inzwischen digitalisiert wurde, sind heute noch 125 Bände erhalten. Sie überliefern, zum Teil in Sammelbänden, acht Handschriften, 50 Inkunabeln und über 220 Frühdrucke. Das ist eine stattliche Sammlung, die Anfang des 16. Jahrhunderts dem Bestand einer kleineren Klosterbibliothek entsprach. Als Berufsbibliothek war Blocks Büchersammlung sein wichtigstes Arbeitswerkzeug. Sie spiegelt, wie Block auf seiner Stellensuche von Stadt zu Stadt zog, wie er als Prädikant an Kirchen installiert wurde und wie er sich gegenüber Bettelmönchen und Weltgeistlichen auf dem “Markt der Frömmigkeit” behaupten konnte – vor und nach seinem Übergang zur Reformation. Insofern bietet seine Predigerbibliothek einzigartige Einblicke in die Denk- und Arbeitsmuster der neuen, seit dem 15. Jahrhundert nachweisbaren Berufsgruppe der Prädikanten.

Predigerbibliothek des Johannes Block als Teil der Barther Kirchenbibliothek. Foto: Eva Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Blocks reisende Gelehrtenbibliothek bildet heute den wertvollsten Kern der 1398 erstmals erwähnten Barther Kirchenbibliothek. Sie befindet sich heute als separierter Bereich innerhalb des historischen Gesamtbestandes der Marienkirche von knapp 4000 Bänden. Diese ist die mutmaßlich älteste, am Ursprungsort enthaltene kirchliche Büchersammlung Deutschlands, wo die Bücher heute noch im gotischen Bibliotheksraum stehen, in dem die Geistlichen, Lehrer und Schüler des Mittelalters studiert und gearbeitet hatten.

St. Marien Barth, Wirkungsort Blocks als pommerscher Reformator (1534-1544/45). Foto: Jürgen Geiß-Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

In fast jedem von Blocks Büchern findet man Kauf- und Besitzvermerke von seiner Hand. Sie informieren über Ort und Zeit der Erwerbung, aber auch über die Kaufpreise. Dazu lassen sich vielfach Buchbinder, Sammlungskontexte (zumeist wurden mehrere Drucke in einen Band gebunden), Illuminatoren und Rubrikatoren sowie (über die handschriftlichen Anmerkungen) der Umgang Blocks mit seinen Büchern rekonstruieren. Man erhält so Auskunft über die Vertriebs- und Handelswege der Bücher und deren Verwendung. Erkennbar wird vor allem das Vertriebsnetz des Buchhandels, das sich im Falle Blocks von Italien, Südwestdeutschland und Frankreich, wo die Bücher zumeist gedruckt wurden, über Flandern, die Niederlande und das “Wendische Quartier” der Hanse (zwischen Lübeck und Stettin) bis in den nördlichen Ostseeraum zieht, wo die Bücher schließlich illuminiert, gebunden und verkauft wurden.

Besitzvermerk des Kamminer Klerikers Johannes Block (Dorpat, 1514/20) in einer Predigtausgabe der Barther Kirchenbibliothek, 4° E 13, 1r. Foto: Eva Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Dramatisches Leben in einer Zeit des Umbruchs

Da Blocks Lebensweg den Handelswegen der deutschen Kaufleute im Ostseeraum folgte, wo er als Prediger wohl auch seine follower – d.h. seine Zuhörer und Anhänger – fand, lässt sich in kriminalistischer Kleinarbeit ein Geschichtspuzzle um den Wanderprediger aus Pommern zusammensetzen. Dabei bietet Blocks Prädikantenbibliothek ein von Aufbrüchen und Schicksalsschlägen gezeichnetes Lebensbild. Dieses ist beeindruckend und aufschlussreich zugleich, denn Lebensbrüche sind geradezu zum Signum der ersten Reformatorengeneration geworden – man denke nur an die großen Namen Martin Luther, Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein (Karlstadt) und Huldrych Zwingli.

Folgen wir den Kauf- und Besitzvermerken in Blocks Büchern, so beginnt sein Lebensweg in Stolp (heute Slupsk/Polen) in Hinterpommern, wo er um 1470/80 geboren wurde. Im geistigen Umfeld des pommerschen Humanisten Bugenhagen kam Block in den 1490er-Jahren als junger Kaplan und Kleriker der Diözese Kammin (Cammin, heute Kamien Pomorski/Polen) mit dem niederländischen Schulhumanismus in Berührung – dem damals fortschrittlichsten Curriculum nördlich der Alpen. Danach zog er dann als gut ausgebildeter Prediger in Richtung der großen Handels- und Hansestädte im Osten. 1512-1513 ist er kurz in Danzig (heute Gdansk/Polen) bezeugt. Hier, auf der wichtigsten Drehscheibe des Ostseehandels, bemühte er sich erfolglos um eine Anstellung. Ab 1514 taucht er in der Hansestadt Dorpat (heute Tartu/Estland) auf. Diese Stadt bildete mit Riga und Reval (heute Tallinn/Estland) das Dreigestirn der großen, von deutschsprachigen Fernhändlern dominierten Handelsmetropolen in Livland.

Im Gebiet des heutigen Lett- und Estland lag in den 1520er-Jahren eine der religiösen “Boomregionen” Europas. Die Christianisierung war in Livland später eingeführt worden als im Heiligen Römischen Reich, so dass die Saat Luthers hier auf fruchtbaren Boden gefallen war. Nicht wenige Wanderprediger erprobten hier, unterstützt durch die deutschsprachigen Kaufleute (vor allem die Gilden der “Schwarzhäupter”), die Reformideen aus Wittenberg. In den 1530er Jahren trug man den neuen Glauben dann wieder zurück nach Deutschland. Luther hat allerdings auch Gefahren der Verbreitung “seiner” Reformation in Livland gesehen. Anfang der 1520er-Jahre schrieb er sorgenvolle Sendbriefe an den Magistrat von Riga, aus denen klar wird, dass er selbst den Einfluss Wittenbergs für begrenzt hielt. Sorge bereiteten Luther “Schwärmer” wie der Wanderprediger Melchior Hofmann, ein Kürschner aus Schwäbisch Hall, der in Livland um 1525 mehrere Bilderstürme anzettelte, so dass man ihn in Wittenberg schnell wieder fallen ließ. Doch die tatsächlichen Zusammenhänge sind schwer zu beurteilen, da die Quellenlage – vor allem in Dorpat – desaströs ist. So waren Wissenschaftler aus Estland elektrisiert, als sie auf Blocks Predigerbibliothek aufmerksam wurden. Schnell war klar, dass die Lebensgeschichte dieses “stummen Predigers” – nicht nur für Livland – einen missing link der frühen Reformationsgeschichte Europas darstellt.

Blocks Besitzvermerke zeigen, dass er erst in Livland wirklich Karriere machte. In Dorpat wurde er um 1520 als Prädikant an der Stadtpfarrirche St. Marien angestellt; gleichzeitig erhielt er eine Stelle als Prediger an der Kathedrale auf dem Domberg. Ungefähr zeitgleich trat Block unter dem Einfluss des Humanisten Erasmus von Rotterdam und des frühen Luther zur Reformation über. Das verraten seine in den Jahren 1518 bis 1524 erworbenen Bücher. Die Reformation kostete den Dorpater Prediger jedoch seine Existenz, denn im Chaos des Bildersturms von 1524/25 verlor er beide Predigerstellen. Block war offenbar zwischen die Mühlsteine des Stadtrats und des Dorpater Bischofs Johannes Blankenfeld geraten, der in Personalunion als (Erz-)Bischof von Riga, Reval und Dorpat einer der mächtigsten Herren Livlands war. Beide Akteure zerfleischten sich in ihrem Kampf um die politische Vorherrschaft in der Stadt mit ihrem riesigen Hinterland. Die Reformation, vor allem die Frage, wer den Klerus kontrollierte und von den materiellen Gütern der Kirche profitieren konnte, war zu einem Politikum geworden, über das auch der Dorpater Prediger Block stolperte – und schließlich fiel.

Schlosskirche in Wiburg/Südostfinnland, Wirkungsort Blocks 1528-1532. Foto: A. Savin (Wikimedia Commons). Lizenz: CC-BY-NC-ND (2.5)

Nach seiner Entlassung schien Blocks Karriere in Dorpat erst einmal beendet. Fünf Jahre hielt er noch in der konfessionell zerrissenen Stadt aus. In dieser Situation erreichte ihn ein Angebot des Grafen Johannes von Hoya – aus Finnland. Der Adelige residierte in der von deutschen Kaufleuten dominierten Handelsstadt Wiburg (Viipuri/Finnland, heute Wyborch/Russland) und suchte einen Prediger. Block schien ihm dafür der geeignete Mann gewesen zu sein. Ab 1528 diente er Hoya als erster evangelischer Prädikant, der in Finnland bezeugt ist. Vermutlich war er auch an der als “Kaderschmiede” berühmten Wiburger Lateinschule tätig, wozu ihn seine Bücher sicherlich befähigten. Im Ankunftsjahr Blocks in Wiburg (1528) hatte der bisherige Schulrektor, der Däne Clemens Erasmi, die Stadt in Richtung der alten Bischofsstadt Turku (Abo) verlassen. Vermutlich hat ihn Block als Schulleiter ersetzt. Erasmi nahm seinen besten Schüler Michael Agricola mit, der später in Diensten des schwedischen Königs Gustav Wasa zum Reformator Finnlands werden sollte. Dass auch Block zur Gruppe der ersten Reformatoren Finnlands – wenn auch mit einer anderen Ausrichtung – zählte, war bislang unbekannt, denn auch hier sind die Quellen für die Zeit bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts rar.

Leider ereilte Block in Wiburg das gleiche Schicksal wie in Dorpat. Sein Dienstherr Hoya kontrollierte von seinen Festungen Savonlinna im mittelfinnischen Seengebiet und Wiburg an der Küste einen Machtbereich, der ganz Ostfinnland (Karelien) umfasste. In dieser Funktion war der Graf schon bald in das Fadenkreuz seines Schwagers (!) Gustav Wasa geraten. Der schwedische Regent nutzte die Reformation vom westfinnischen Turku aus für eine Expansionspolitik Richtung Osten aus. Dem stand der Wiburger Graf im Weg und somit wurde auch Blocks Lage prekär.

Geleitbrief von Graf Johannes von Hoya für seinen Prediger Johannes Block (Wiburg/Finnland, 15. August 1532). Riksarkivet Stockholm, Strödda historiska handligar 1a. Foto: Riksarkivet Stockholm. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Der Wiburger Prediger scheint die von der schwedischen Krone ausgehende Gefahr erkannt zu haben und reagierte geistesgegenwärtig: Ausgestattet mit einem Geleitbrief seines Dienstherren setzte er sich Mitte August 1532 in seine Heimat ab. Hoya hingegen musste dem politischen Druck nachgeben und ging 1533 nach Reval ins Exil. Block hingegen befand sich in seiner Heimat Pommern in relativer Sicherheit. Doch anerkannt war er noch keineswegs. Zu Beginn der Fastenzeit 1533 musste er seine erste reformatorische Predigt auf dem Friedhof des Hospitals St. Jürgen vor den Toren Barths abhalten, vor einer Zuhörerschaft aus Pestkranken und Tagelöhnern, die kein Bürgerrecht in der Stadt hatten. Mehr als eine derartige “Sondierungspredigt” war vor Einführung der Fürstenreformation in Pommern kaum möglich.

Pestspital St. Jürgen bei Barth (um 1980), erster Wirkungsort Blocks als Prediger in Pommern (1533). Foto: Chron-Paul (Wikimedia Commons). Lizenz: CC-BY-SA (4.0)

Block riskierte es tatsächlich, noch einmal nach Finnland zurück zu gehen. Hier gelang es ihm, seine Frau (er hatte sie in Liv- oder Finnland geheiratet) aus dem zusammenbrechenden Wiburg heraus zu holen. Auch seine Büchersammlung, die zu diesem Zeitpunkt etwa 90 Bände umfasste, konnte Block evakuieren. 1534 war er wieder in Pommern, wo die Herzöge mit Bugenhagens Hilfe inzwischen die Reformation eingeführt hatten. Von der Barther Marienkirche aus diente Block der Fürstenreformation als oberster Prädikant und evangelischer Pastor bis zu seinem Tode (1544/45).

Das Buch der Staatsbibliothek kommt zu Wort

Wie lässt sich die Bedeutung des Berliner Bandes aus Blocks Bibliothek nun einordnen? Der Codex kann erst nach 1514 in seinen Besitz gekommen sein. In diesem Jahr stockte Block seine Kamminer Pfründe von 4 auf 80 Mark (!) jährlich auf, wie eine kürzlich in der Staatsbibliothek entdeckte Quelle belegt. Ferner wird Block im Berliner Band als Prediger Dorpats bezeichnet (die Passage predicator[is] T[arbatensis] ist am Ende durch Ausriss kaum lesbar), so dass er es vor seiner Entlassung um 1524/25 erworben haben muss.

Pründenvermerk des Kamminer Klerikers Johannes Block. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Ms. boruss. fol. 97, 28r. Foto: Jürgen Geiß-Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Der Band mit den beiden Inkunabeln, den Block 1514/25 in Dorpat in einem soliden Holzdeckeleinband kaufte, war bereits “antiquarisch”, denn die beiden Drucke waren schon 40 bis 50 Jahre auf dem Markt. Block erwarb hier mit ‘De officiis’ und den ‘Paradoxa stoicorum’ zwei Lehrschriften des antiken Staatsmanns und Philosophen Cicero (Mainz, 1465), dazu den Fürstenspiegel ‘De regimine principum’ des französischen Dominikaners Vinzenz von Beauvais (Rostock, 1477). Beide Ausgaben – Cicero wie Vinzenz von Beauvais – sind über die Digitalen Sammlungen der Berliner Staatsbibliothek zugänglich.

Der Buchschmuck ist – wie damals üblich – per Hand in die gedruckten “Rohlinge” eingemalt. Der Verfasser dieses Blogs hat ähnliche Belege aus Stralsund gefunden, so dass der Band dort verkaufsfertig gemacht und mit den Livlandfahrern nach Dorpat exportiert worden sein dürfte. Hier fügte er sich in Blocks Bibliothek gut ein, die um 1515/20 vor allem aus humanistischer Gelehrten- und spezialisierter Predigtliteratur bestand. Blocks Umgang mit Cicero und Vinenz von Beauvais zeigt das Selbstbewusstsein des humanistischen Gelehrten, der schon in seiner Jugend Griechisch gelernt hatte und die griechischen Passagen in seinem Cicero lesen und verstehen konnte. Dazu glossierte er in Humanistenart den Text, indem er zwischen den Zeilen sprachliche Synonyme eintrug. Humanistisch sind auch seine Querverweise auf den Kirchenvater Augustinus und auf das historiographische Werk des in Deutschland damals populären Humanisten Enea Silvio Piccolomini.

Eingangsseite von Blocks Cicero-Druck von 1465. Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Inc. 1515,5, 1r. Foto: Jürgen Geiß-Wunderlich. Lizenz: CC-NY-NC-ND (3.0)

Ein Rätsel bleibt, wie und wann der Codex aus Barth nach Berlin gelangt ist. Laut Akzessionsvermerk und einem (ziemlich unsensibel) in die Eingangsinitiale gestempelten Besitzvermerk wurde der Band 1912 regulär von der Königlichen Bibliothek erworben. Die beiden wertvollen Inkunabeln – vor allem der berühmte Schöffer-Druck von 1465 – haben die Barther Kirchengemeinde wohl bewogen, den Band zu veräußern. Dass man damit auch ein Zeugnis der eigenen Vergangenheit verkaufte, war den damaligen Hütern der Kirchenbibliothek nicht bewusst. Auch deshalb ist man froh, dass der Band des “stummen Reformators” aus Pommern in Berlin erhalten geblieben ist.

Ein wissenschaftlicher Katalog der rekonstruierten Bibliothek Blocks wird vom Verfasser dieses Blogs vorbereitet. Er soll im Herbst oder Winter 2017 bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig erscheinen. Dem Katalog beigegeben sind die Beiträge einer Fachtagung mit Geschichts-, Buch- und Reformationswissenschaftlern aus Deutschland, Finnland, Estland und der Schweiz, die im September 2015 am Barther Bibelzentrum stattfand. Zu anderen “Highlights” der wertvollen Büchersammlung von St. Marien sei auf den Band “Einblicke: Bücher aus der Barther Kirchenbibliothek im Fokus” verwiesen, der im vergangenen Jahr erschienen ist.

 

 

 

Endspurt auf der Großbaustelle

(Pressemitteilung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung)

Denkmalgerechte Sanierung des historischen Gebäudekomplexes Unter den Linden zu 80 Prozent abgeschlossen

Vor wenigen Wochen wurden für die Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek zu Berlin im Haus Unter den Linden weitere Teile des Gebäudes einschließlich Ersteinrichtung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Der nun bezugsfertige Bereich umfasst rund 11.400 Quadratmeter Nutzfläche, etwas mehr als ein Fünftel der gesamten Nutzfläche. Damit sind nun insgesamt rund 80 Prozent des über 100 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäude-komplexes, einer der größten Kulturbaustellen im Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), fertiggestellt. Die Gesamtfertigstellung der Baumaßnahme ist für Ende 2018 geplant, so dass das Gebäude 2019 in Betrieb genommen werden kann.

Glanzstücke der jüngst übergebenen Gebäudeteile der Staatsbibliothek Unter den Linden sind zweifellos der Veranstaltungsbereich und die denkmalgerecht instandgesetzten Räume der Generaldirektion. Der ehedem wilhelminisch-schwere Charakter dieser Räumlichkeiten wurde mit einem individuell entwickelten Beleuchtungskonzept und wenigen modernen Ergänzungen des Innenausbaus dem ästhetischen Empfinden der Gegenwart zugänglich gemacht. Das Sanierungsprogramm umfasste darüber hinaus die Herrichtung zwei weiterer Sonderlesesäle, der Räume der Buchbinderei, weiterer Büroflächen und nicht zuletzt der Magazine für etwa eine Million Bücher.

Bis zur endgültigen Fertigstellung des letzten Bauabschnittes verbleibt weiterhin die Herausforderung einer Großbaustelle mit außergewöhnlich vielen Schnittstellen. Von Beginn an wurde die Maßnahme abschnittsweise bei laufendem Bibliotheksbetrieb geplant. Bisher waren  an der Grundinstandsetzung unter anderem 405 Hochbaufirmen, 181 Fachtechnikfirmen und 115 Planungsbüros und Gutachter beteiligt, allein die Ausführungsplanung des Architekten umfasst zurzeit etwa 14.000 Pläne. Hinzu kommen die Planungen diverser Fachplaner, insbesondere für die technische Gebäudeausstattung.

Vielfältige Baugeschichte

Es gehört zu den Besonderheiten des Hauses Unter den Linden, dass es bereits während seiner Erbauungszeit zwischen 1903 und 1914 wieder umgebaut und erweitert wurde, beispielsweise über dem Tonnengewölbe der zentralen Treppenhalle. Dort sind vier Geschosse mit zusätzlichen Magazinen errichtet worden, deren gewaltige Lasten von großen Stahlfachwerkträgern hoch über der Haupttreppe abgefangen wurden. Diese Träger konnten erst Ende 2013 nach Entkernung und Reinigung umfänglich begutachtet werden. Dabei sind erhebliche Schäden festgestellt worden, die auf unzureichende Standsicherheit schließen ließen. Da die denkmalgeschützten Magazingeschosse an Ort und Stelle zu erhalten waren, mussten die Gesamtkonstruktion komplett ausgetauscht werden. Hierzu sind die Einzelteile des neuen Tragwerks aufwändigst durch Öffnungen in der Außenwand eingefädelt und vor Ort zu neuen Fachwerkträgern verschraubt worden. Die provisorisch durch Hilfskonstruktionen gehaltenen Magazingeschosse wurden danach schrittweise auf die neuen Träger montiert.

Die nötige Umplanung der Sanierung in diesem Bereich und die vielen kleinteiligen, aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte führten zu etwa 15 Monaten zusätzlicher Bauzeit und entsprechender Verschiebung der nachfolgenden Arbeiten. Insbesondere diese erhebliche Bauzeit-verlängerung erforderte eine Fortschreibung der Terminplanung und des Budgets.

Nicht nur der Neubau des zentralen Lesesaals, sondern auch der instandgesetzte Altbau muss den heutigen hohen Anforderungen an zeitgemäße technische Ausstattung, Sicherheit und Brandschutz genügen. Dabei ist Bauen im Bestand grundsätzlich geprägt vom Risiko des Unvorhersehbaren, des überraschenden Befundes. Keine noch so sorgfältige Voruntersuchung kann mit letzter Sicherheit den tatsächlichen Bauverlauf prognostizieren. So wurde zum Beispiel entdeckt, dass vermeintlich massive historische Wände der Gründerzeit in Wirklichkeit große Hohlräume bargen – offenbar eine Materialsparmaßnahme der Erbauungszeit.

Die voraussichtlichen Gesamtkosten werden bis zur endgültigen Fertigstellung der Baumaßnahme unter Berücksichtigung von Restrisiken und Steigerung des Baupreisindex bei rund 470 Millionen Euro liegen. Die Gesamtfertigstellung des Gebäudes ist für Ende 2018 geplant. 2019 wird die Inbetriebnahme stattfinden. Danach wird das Haus rund 650 Benutzerarbeitsplätze und über 50.000 Quadratmeter Nutzfläche fassen, in etwa fünfmal so viel wie das Bode-Museum.

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ausführliche Informationen zur Grundinstandsetzung Unter den Linden

‘Tout Berlin’ willkommen am 10. Juni

Die Grundinstandsetzung

Bildergalerie + Erläuterungen

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Darüber berichteten neben anderen auch

Deutsche Presseagentur, dpa (hier übernommen von Berliner Zeitung)
Der Tagesspiegel
rbb Abendschau (Nachrichtenblock I, 1:43)

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Fehlalarme im Haus Unter den Linden

Die Staatsbibliothek hat den Ruf, auf eine ruhige Arbeitsatmosphäre ganz besonderen Wert zu legen. Unsere Besucherinnen und Besucher  vertrauen darauf, bei uns konzentriert und ungestört wissenschaftlich tätig sein zu können.  Sollte sich jemand einmal bewusst oder unbewusst unsolidarisch zeigen – beispielsweise durch Telefongespräche – , sind die Mitarbeitenden der Staatsbibliothek darauf bedacht, im Interesse der anderen Leserinnen und Leser höflich, aber bestimmt zu reagieren.
In den letzten Wochen lagen die Ursachen für erhebliche Ruhestörungen aber bei der Staatsbibliothek selbst. Mehrere Fehlalarme im Haus Unter den Linden, die durch unangekündigte Schweißarbeiten ausgelöst wurden, führten zu beträchtlichen Störungen Ihrer Arbeit. Bis die Ursache hierfür gefunden wurde, mussten die Lesesäle gesperrt bleiben.
Die Räumung des Hauses und das Sicherstellen der Unbedenklichkeit  haben Sie  Zeit und Nerven gekostet sowie einen unfreiwilligen Stopp Ihres Arbeitsflusses erzwungen.
Für diese und andere entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir Sie herzlich um Entschuldigung.

Laokoongruppe. Rom, Vatikanische Museen

Laokoons Autopsie: Werkstattgespräch mit Luca Giuliani am 24.4.

Wissenswerkstatt

Laokoons Autopsie

Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Luca Giuliani, Rektor am Wissenschaftskolleg zu Berlin
Montag, 24. April 2017
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Winckelmanns Beschreibung der Vatikanischen Laokoon-Gruppe in seinen Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke (1755) beginnt mit den bis heute berühmten Worten von der „edlen Einfachheit und stillen Größe“: Freilich hat Winckelmann die Gedanken in Dresden geschrieben, als er die Gruppe im Vatikan noch nie gesehen hatte. Gerade deswegen gelangte er zu einer Interpretation, die vor dem Original kaum zu verteidigen gewesen wäre; umso mehr entsprach sie den ästhetischen  Erwartungen der Zeitgenossen. Davon ist eine unerhörte Wirkung ausgegangen.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.