Ausbildung in Zeiten von Corona – ein Erlebnisbericht

Nachdem die Staatsbibliothek nun seit einigen Wochen wieder die Türen für ihre Benutzer*innen geöffnet hat und sich auch der Lesesaal langsam wieder mit Menschen füllt, scheint es, als würde allmählich wieder ein Stück Normalität in den Arbeitsalltag für viele Mitarbeiter*innen zurückkehren. Das gilt insbesondere auch für uns, die sechs FaMI (Kurzform für: Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste) -Auszubildenden der SBB. Als sich im März die Nachricht verbreitete, dass die Bibliothek nicht nur auf absehbare Zeit geschlossen, sondern auch ein Großteil der Arbeit ins Eigenheim verlagert werden würde, hat sich für uns zunächst die Frage gestellt: Ausbildung ab sofort im Home-Office, wie soll das funktionieren?

Dazu muss gesagt werden, dass ein Großteil unserer Ausbildung in den beiden Hauptabteilungen Bestandsaufbau und Benutzung stattfindet. In diesen Abteilungen erlernen wir quasi die Grundlagen unseres Berufs: Medien erwerben, erfassen sowie bereitstellen und Informationen vermitteln. Auf den ersten Blick gestaltet sich das ohne Medien und ohne die Interaktion mit den Leser*innen als ein Ding der Unmöglichkeit. Nichtdestotrotz haben sich unsere Ausbilder*innen bemüht, gute Alternativen zu schaffen. So findet z.B. immer im ersten Lehrjahr ein praxisbegleitender Unterricht in Formalerschließung statt. Dieser dient dazu, die nötigen Kenntnisse zu erlernen, um die von der SBB erworbenen Medien norm- und regelwerkgerecht zu katalogisieren (d.h. zu erschließen), sodass diese später im Stabikat für die Ausleihe zur Verfügung stehen. Da nun der Unterricht krisenbedingt nicht in seiner gewohnten Form stattfinden konnte, erhielten die Auszubildenden des 1. Lehrjahrs die Zugriffsberechtigung für eine Trainingsdatenbank, über die sie von zu Hause aus Titelaufnahmen für Bücher erstellen und diese anschließend per Videokonferenz mit den Ausbilder*innen besprechen konnten. (Als Lernbeispiele konnte dafür auch die private Bibliothek genutzt werden.)

Auch beim 2. Jahrgang wurde dafür gesorgt, dass im Home-Office nicht allzu viel Langeweile aufkam. Anstelle von Auskunftsdiensten, an denen die Auszubildenden hätten teilnehmen sollen, wurden eine Reihe von Rechercheaufgaben bereitgestellt, die den Azubis dabei helfen sollten, sich durch eine Vielzahl von Informationsmitteln zu navigieren, um später den Leser*innen der Staatsbibliothek mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Als weitaus schwieriger gestaltete sich zunächst der Unterricht an der Berufsschule. Dieser findet für gewöhnlich alle drei Monate in einem dreiwöchigen Blocksystem statt. Da im März alle Schulen bundesweit geschlossen wurden, hieß es auch hier, Aufgaben in stiller Heimarbeit zu bearbeiten und am Ende der Woche an die jeweiligen Fachlehrer*innen zu schicken. Später, als die Schulen anfingen sich allmählich wieder zu öffnen, kehrte auch hier ein Stück Normalität wieder zurück, wenn auch unter strengen Auflagen: organisierte Einlasszeiten, Maskenpflicht auf den Gängen und Aufteilung der Klassen in Kleingruppen, die an abwechselnden Tagen zum Unterricht vor Ort präsent sein sollten. Somit bestand immerhin die Möglichkeit, an einzelnen Tagen direkte Rückfragen zu stellen und für einige von uns war es seit Wochen wieder die erste zwischenmenschliche Interaktion im Arbeitsalltag.

Letztendlich hat sich gezeigt, dass, was aus einer Notlage heraus entstanden ist, sich im Nachhinein als erfolgreich erwiesen hat. Nun, wo sich die Lage wieder zu entspannen scheint, blicken wir zurück und nutzen die Gelegenheit, um unsere jeweiligen Erfahrungen während dieser Zeit mit der Öffentlichkeit zu teilen:

 

Susanna K. (1. Lehrjahr):
Die Vernetzung mit den Ausbilder*innen hat gut funktioniert. Wir bekamen alle neusten und aktuellsten Infos, die intern bekannt gegeben wurden. Auch die Aufgaben, die wir zuhause bearbeiten sollten, wurden gut erklärt. Fragen, die sich trotzdem noch aufgetan haben, konnten entweder unter uns Azubis oder in einer der Videokonferenzen mit den Ausbilder*innen geklärt werden.

Auf der anderen Seite konnten wir nicht alle gleich gut von zuhause arbeiten. Vereinzelt gab es Fälle, wo ein wichtiges Programm nicht auf einen Privatrechner geladen werden konnte. Es wurde dann über Umwege eine Lösung gefunden doch auf Dauer gab es die nicht. Es wäre schön, wenn die SBB mehr Equipment für eventuell benötigte Telearbeitsplätze bereit hätte.

 

Lara S. (1. Lehrjahr):
Die Organisation und der Kontakt mit den Ausbilder*innen hat sehr gut funktioniert. Durch beinahe täglich stattfindende Videokonferenzen konnte man Fragen klären und auch Organisatorisches besprechen. Zwar wollte die Verbindung, die Technik oder beides manchmal nicht, aber auch durch den ständigen Kontakt unter uns Auszubildenden konnten gegebenenfalls Fragen beantwortet und Probleme gelöst werden.

 

Malwa G. (1. Lehrjahr):
Ich habe die räumlichen Gegebenheiten (insbesondere den Ausbildungsraum) schmerzlich vermisst. Mir fehlte zuhause bisweilen ein Ort, der ein konzentriertes (Durch-)Arbeiten ermöglichte. Umgeben von den Ablenkungen des Alltags war das Aufnehmen neuer Ausbildungsinhalte nicht immer einfach.

Als sehr motivierend habe ich das „virtuelle“ gegenseitige Begrüßen und Verabschieden der Mitauszubildenden per Messaging App empfunden. So entwickelte sich eine Art „Ritual“ für jeden Arbeitstag im Home-Office. Hilfreich war zudem die Möglichkeit des zeitnahen Austausches von Fragen, Ideen und Informationen in der Cloud.

 

Max V. (2. Lehrjahr):
Was mich am meisten betroffen gemacht hat, war der Ausfall unsere Praktika. Eigentlich war für unseren Jahrgang vorgesehen, dass wir im März ein Praktikum an einer öffentlichen Bibliothek absolvieren, da sich der Arbeitsalltag von der Arbeit an einer wissenschaftlichen Bibliothek doch unterscheidet. Durch Corona haben wir nun leider nicht mehr die Möglichkeit auch die andere Seite kennenzulernen.

Im Großen und Ganzen bin ich jedoch zufrieden wie unsere Ausbilder*innen mit der Krise umgegangen sind. Sei es die Kommunikation per Videokonferenz, die Aufgaben, die wir bekommen haben oder einfach nur die wöchentlichen Emails mit den neuesten Informationen. All das hat dazu beigetragen, dass man sich während der Zeit zu Hause nicht allein gelassen gefühlt hat.

 

Homeoffice mit Haustier

 

Ein Beitrag von FaMI-Auszubildenden des 1. und 2. Jahrgangs

 

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