Vielfalt in der Vielfalt – zur Bibliodiversifizierung unseres Veranstaltungsportfolios

Erklärtes Ziel unserer gemeinsam mit der Kurt Wolff Stiftung organisierten neuen Veranstaltungsreihe Indie Stabi ist es, unabhängigen Verlagen im Zentrum des Berliner Stadtraums eine Bühne zu geben. Umgekehrt ist an dieses Format zugleich die Erwartung gerichtet, die Bedeutung der Staatsbibliothek zu Berlin als Ort des kreativen Schreibens sichtbarer zu machen. Auch wenn unsere Lesesäle nicht wenigen als inspirierende oder zumindest produktive Arbeitsplätze gelten – Judith Schalansky bekennt sogar: Mein Schreibtisch steht in der Staatsbibliothek –, werden bei uns aber mitnichten Bücher geschrieben. Denn – wie es der französische Buchhistoriker Roger Chartier formuliert – Autor*innen schreiben keine Bücher: nein, sie schreiben Texte, die zu gedruckten Objekten werden.

Als Bibliothek mit einer hochspezialisierten Restaurierungswerkstatt sowie als langjährige Dialogpartnerin von Universitäten auf dem Feld der textuellen Materialitätsforschung interessieren uns der Prozess der Buchwerdung sowie die gestalterische Einrichtung von Druckwerken selbstverständlich sehr. Freilich sollen bei unseren Abenden – an jedem ersten Indie(n)stag eines Monats – primär Profil und Programm der sich im Tandem in unserem Haus Unter den Linden präsentierenden Verlage im Vordergrund stehen.

Allerdings wäre Berlin nicht Berlin, wenn es zur Beleuchtung der materialen Dimension des Büchermachens keine eigene Veranstaltungsreihe gäbe – schließlich ist Berlin mit seinem Reichtum an ambitionierten unabhängigen Buchhandlungen, Designbüros und Verlagen nicht nur Hauptstadt der Vielfalt im Allgemeinen, sondern auch der Bibliodiversität im Besonderen.

Umso mehr freuen wir uns daher, dass viele unserer Gäste auch bei der zweiten Auflage des Verlagsfestivals ‚Wir machen Bücher‘ vertreten sind. Dieses Format ist nämlich ebenfalls der Förderung von Bibliodiversität gewidmet – in inhaltlicher wie gestalterischer Hinsicht. Kein Wunder also, dass diese von einem Zusammenschluss unabhängiger Verlage ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe auch in diesem Jahr in Hacking Gutenberg p98a.berlin stattfindet, der typografischen Werkstatt der Erik Spiekermann Foundation. In der Zeit vom 18. November bis 4. Dezember erwarten Sie dort neben den prämierten Titeln des Wettbewerbs Die Schönsten Deutschen Bücher der Stiftung Buchkunst zahlreiche Vorträge und Workshops zu Typografie und Buchgestaltung – auch für ein junges Publikum. Das finale Programm wird in Kürze (u.a. hier) veröffentlicht.

Dieser arbeitsteilige Ansatz – wir kümmern uns um das Konzeptionelle, das Team von Hacking Gutenberg p98a.berlin um seine materiale objektbezogene Konkretisierung – hat sich übrigens bestens bewährt: Im Verbund mit zwei weiteren Berliner Einrichtungen haben wir doch jüngst das typografische Kulturerbe der Hauptstadt mit Unterstützung des digiS-Förderprogramms digitalisiert und für Sie im Open Access zugänglich gemacht – einerseits als Entwurf in Gestalt von Schriftmusterbüchern sowie andererseits als Andrucke der tatsächlich hergestellten Holz-, Blei- und Kunststofflettern. Und schließlich finden wir als eine Bibliothek in zwei Häusern eine Veranstaltungskooperation zwischen den Standorten Unter den Linden und Potsdamer Straße – für sie steht das ‚p‘ in p98a – naturgemäß ganz besonders gut. Bevor es dort im Herbst losgeht, aber zunächst auf zu uns – in die Stabi!

 

 

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