Ein Geschenk zum 111. Geburtstag des GW

„Am 28. November 1904 hatte der preußische Ministerialdirektor Friedrich Althoff eine Reihe hochrangiger Bibliothekare in eine ‚Kommission für den Gesamtkatalog der Wiegendrucke‘ berufen, die, parallel zum ‚Preußischen‘ und später ‚Deutschen‘ Gesamtkatalog, die Katalogisierung des Inkunabelbesitzes in den Bibliotheken der deutschen Einzelstaaten einleiten und überwachen sollte“ Weiterlesen

5.12.: Bach und Luther – Weltdokumentenerbe in Berlin

Nur am 5. Dezember zu sehen:
Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach,
Druck der 95 Thesen von Martin Luther,
M. Luthers hebräische Bibel

Anfang Oktober 2015 nahm die UNESCO gleich drei Stücke aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin in ihr Register Memory of the World auf. Wir laden alle Interessierten ein, sich dieses Weltdokumentenerbe anzuschauen:

Samstag, 5. Dezember 2015
11 bis 19 Uhr (letzter Einlass 18:30 Uhr)
Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden
!! Eingang Dorotheenstraße 27
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Für Presse vorab

Freitag, 4. Dezember 2015
15 Uhr – Interview-/Fototermin (bitte vorher anmelden)
Die drei Stücke liegen in Vitrinen; Fotografieren oder Filmen ist nur ohne Blitzlicht oder mit Kaltlicht und Filtern gestattet.

Honorarfreie Pressebilder
Alle drei Objekte sind in bester Qualität digitalisiert und via Internet einsehbar. Sie können alle Abbildungen für Ihre Berichterstattung nutzen, als Quelle ist stets „Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz“ anzugeben.

h-Moll-Messe von J. S. Bach : http://sbb.berlin/gbnf13
Druck der 95 Thesen von M. Luther : http://sbb.berlin/tfuq8w
Hebräische Bibel Martin Luthers : http://sbb.berlin/bj7f4w
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Seit 1992 verzeichnet die UNESCO in ihrem Register „Memory of the World / Das Gedächtnis der Menschheit“ solche Dokumente, die bedeutende kulturelle Wendepunkte markieren oder von herausragender globaler Bedeutung sind. Bereits im Jahr 2001 wurde aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz die Arbeitspartitur von Ludwig van Beethoven zu seiner Sinfonie Nr. 9, d-Moll, op. 125 in das Register aufgenommen. Jetzt folgten drei weitere Stücke, die am Samstag, 5. Dezember 2015 für die Öffentlichkeit aus den Tresoren geholt werden:

Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach

Die h-Moll-Messe, sein letztes Chorwerk, stellte Johann Sebastian Bach kurz vor seinem Lebensende in den Jahren 1748-49 und da-mit in Vollendung seiner Meisterschaft fertig; schon im Jahr 1733 hatte er mit der Arbeit an der Messe begonnen. Bach verwendete in seiner Messe historische und moderne Satzarten, Formen und Kompositionstechniken. So bildet die Auseinandersetzung Bachs mit tradierten Mustern einerseits und die Verwendung von modernen Satztechniken anderseits in einem einzigen Werk, der h-Moll-Messe, ein Alleinstellungsmerkmal.
Diese einzige vollständige Partitur aus Bachs Lebzeiten ist mit Tinte auf Papier verfasst, Bach verwendete 99 Blätter und vier Titel-blätter, die Abmessungen betragen zwischen 33,5 x 21 cm und 36 x 23 cm. Die h-Moll-Messe besteht aus vier Teilen, der erste wurde 1733 komponiert, die Teile II bis IV vermutlich zwischen August 1748 und Oktober 1749. Eine Datierung durch den Meister selbst liegt nicht vor, sie lässt sich aber durch Schriftvergleiche ermitteln.
Nach dem Tod Johann Sebastian Bachs ging das Autograph der gesamten Messe in den Besitz seines Sohnes Carl Philipp Emanuel über, der die Handschrift im Rahmen seiner Arbeit als Musiker verwendete. Danach ging die Handschrift auf dessen Tochter Anna Carolina Philippina über. 1805 wurde sie vom Schweizer Musikpädagogen und Musikverleger Hans Georg Nägeli erworben und in der Familie weiter vererbt. Nach einer weiteren Station erwarb die Bach-Gesellschaft Leipzig 1857 das Autograph. 1861 konnte das wertvolle Autograph schließlich von der Königlichen Bibliothek zu Berlin, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erworben werden, wo sie nun dauerhaft verwahrt wird.
Die h-Moll-Messe befindet sich in Berlin in einem herausragenden Umfeld: In der weltweit größten Bach-Sammlung befinden sich neben 80% aller von Johann Sebastian Bach im Autograph überlieferten Werke auch nahezu alle Werke seiner vier komponierenden Söhne sowie das Alt-Bachische Archiv, ein von ihm selbst zusammengestelltes Musikarchiv mit Kompositionen seiner Musiker-Vorfahren.
Johann Sebastian Bach war als Komponist wegweisend, seine Werke beeinflussen die Musikgeschichte bis heute nachhaltig, wobei sich sowohl Komponisten an seinem Schaffen orientieren als auch die Werke Bachs fester Bestandteil des Konzertlebens sind.

Zum Anschauen für jedermann
h-Moll-Messe von J. S. Bach http://sbb.berlin/gbnf13

von uns ausgewähltes Pressebild
S.1 der Messe, Beginn Kyrie http://sbb.berlin/jgeral

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Der Druck der 95 Ablassthesen

1517 verfasste Martin Luther 95 Thesen, die die Praxis des Ablasshandels der Kirche scharf kritisierten. Die von ihm beabsichtigte akademische Disputation blieb aus; jedoch stieß die Verbreitung der Thesen – hier spielte der noch junge Buchdruck eine wichtige Rolle – die Diskussion außerhalb der Universität an und gab der Reformationsbewegung entscheidende Impulse. Die drei bekannten Druckvarianten der Thesen – angenommen werden Auflagen von je 300 Exemplaren – wurden von keinem Drucker firmiert, keiner wagte seine Namen unter die brisante Schrift zu setzen. Nur sehr wenige von diesen Drucken der Lutherschen Thesen sind erhalten. Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt ein Exemplar, das von Hieronymus Höltzel in Nürnberg gedruckt wurde und heute mit der Signatur gr. 2° Luth. 54 verzeichnet ist.
1891 hatte der Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts den Druck bei einem Londoner Antiquar entdeckt, das Preußische Kultusministerium erwarb den Druck und übergab diesen im selben Jahr der Königlichen Bibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Zum Anschauen für jedermann
Druck der 95 Thesen von M. Luther http://sbb.berlin/tfuq8w

als Pressebild http://sbb.berlin/jgeral

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Martin Luthers Exemplar der Hebräischen Bibelausgabe

Martin Luther benutzte für seine Übersetzung des Alten Testaments ins Deutsche – er vollendete diese Arbeit im Jahr 1534 – auch diesen Wiegendruck (Inkunabel) einer hebräischen Bibel, der heute unter der Signatur 8° Inc 2840 bekannt ist. In der Inkunabel dokumentierte er mit seinen Eintragungen seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem hebräischen Bibeltext.
Der Druck wurde im Jahr 1494 in Brescia in der bedeutenden jüdischen Druckwerkstatt der Familie Soncino hergestellt. Zunächst gehörte sie zwei Juden in Italien. Vermutlich vor 1519 erwarb Martin Luther sie von einem Besitzer in Süddeutschland ‚aus zweiter Hand‘ und hinterließ fortan umfangreiche Eintragungen und Benutzungsspuren. So befinden sich viele handschriftliche Einträge in den 5 Büchern Mose, hier ist etwa die Hälfte aller seiner handschriftlichen Eintragungen vorhanden. Die Sprache der handschriftlichen Einträge ist fast durchgängig Lateinisch, es finden sich auch einzelne deutschsprachige Marginalien. Die überwiegende Zahl der Eintragungen setzt sich mit Übersetzungsfragen und Verständnisschwierigkeiten auseinander. Teils verweist Luther auf biblische Parallelstellen oder fügt kommentierende Ausführungen an.
Bis zu seinem Tod im Jahr 1546 blieb die Bibel in Luthers Besitz und wurde in der Familie vererbt. 1594/95 verkaufte der Enkel Martin Luthers diese Bibel zusammen mit anderen Büchern des berühmten Großvaters an den Kurfürsten Joachim Friedrich von Brandenburg. So gehörten diese Bücher im Jahr 1661 zum Gründungsbestand der Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Zum Anschauen für jedermann
Hebräische Bibel Martin Luthers http://sbb.berlin/bj7f4w

Von uns als Pressebild ausgewählt http://sbb.berlin/jgeral

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin …“ – Weitere Vorträge zur Materialität von Schriftlichkeit

Mit einem geradezu faustischen Programm startete in dieser Woche eine Serie von Vorträgen, mit denen unsere etablierte Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog in loser Folge flankiert werden soll. Selbstverständlich ist damit keinesfalls auf eine wie auch immer geartete Beteiligung Mephistos an der Konzeption dieses neuen Formats angespielt, sondern vielmehr auf dessen Themenprofil, denn von der Philosophie ging es stracks auf das Feld der Rechtswissenschaften. Ob es uns freilich gelingen wird, die frisch begründete Reihe mit Beiträgen zu medizinischen und theologischen Inhalten fortzusetzen? Ein Blick in das „geheimnisvolle Buch, von Nostradamus‘ eigner Hand“ würde vermutlich die Antwort verraten. Aber lassen Sie sich doch lieber überraschen, denn der nächste Termin ist bereits für Mitte Februar 2016 geplant!

Den Auftakt jedenfalls markierte am vergangenen Dienstag der Berliner Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich mit einer Analyse der Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung. Auf Quellenbasis von an der Philosophischen Fakultät der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten Doktorarbeiten aus den Jahren 1817 bis 1883 rekonstruierte der Referent unter Einsatz von Verfahren des distant reading den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zur wissenschaftlichen Textsorte, wie wir sie heute kennen. Dabei nahm die im Vortrag vorgestellte quantitativ-statistisch angelegte Untersuchung, die im Übrigen selbst im Rahmen eines an der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelten Promotionsvorhabens durchgeführt wird, vor allem die Materialität der Dissertationsschriften in den Fokus – konkret etwa deren Format, Seitenzahl und Kapitellänge.

Bereits zwei Tage später – also am gestrigen Donnerstag – widmeten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) den zweiten Themenabend der Materialität kanonistischer Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Anlass für diesen Dialog zwischen den Perspektiven von Kodikologie und rechtshistorischer Forschung gab das Erscheinen der Akten der von den beiden Referentinnen an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters: Produktionsorte und Importwege. Eingeladen hatten der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung gemeinsam mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.

Neben dem unmittelbaren wissenschaftlichen Ertrag für die Vermessung von historischen Sammlungskontexten und Transferprozessen mittelalterlicher Rechtscodices gab der Gemeinschaftsvortrag zugleich anregende Impulse, das Potential der Forschung zu materialen (Text)Kulturen in interdisziplinärer Perspektive weiter auszuloten – zumal mit Blick auf zwei aktuelle wissenschaftspolitische Debatten. Denn zum einen sollte die „Wiederentdeckung“ der Objekte  im Zuge des material turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eminent dazu beitragen können, die Position der – wie der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands warnt – von ihrer Marginalisierung bedrohten Historischen Grundwissenschaften zu stärken. Zum anderen aber dürfte das Paradigma des new materialism gerade auch die von Seiten des Wissenschaftsrats geforderte Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer und transdisziplinäre Öffnung der Rechtswissenschaften rasant befördern. Die anbrechende Epoche der „Neuen alten Sachlichkeit“ hat insofern also die Chance, zu einem veritablen Goldenen Zeitalter etwa der Rechtsarchäologie und -ikonographie zu werden. Und vielleicht wird man schon in wenigen Jahren von den Angehörigen der juristischen Fakultäten sagen: „Hier ist das Wohlbehagen erblich, Die Wange heitert wie der Mund, Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich, Sie sind zufrieden und gesund.

 

 

 

Begleitprogramm zur Ausstellung „Im fremden Land“

Montagskino im November und Dezember

Begleitend zur Kabinettausstellung »Im fremden Land. Publikationen aus den Lagern für Displaced Persons«, die Einblicke in die Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz gibt, zeigt das Jüdische Museum Berlin Filme zur Situation der Überlebenden der Konzentrationslager – unmittelbar nach der Befreiung der Lager, auf dem illegalen Weg nach Palästina, sowie zu den  Nachwirkungen der Traumatisierung in der israelischen Nachkriegsgesellschaft.

Das Filmprogramm finden Sie hier auch als PDF zum Download.

Weitere Informationen zu Ausstellung und Begleitprogramm im Jüdischen Museum finden Sie unter www.jmberlin.de/displaced-persons

 

23. November 2015, 19.30 Uhr

German Concentration Camps Factual Survey

UK 1945/2014, 88 min., Dokumentarfilm, englische Originalversion

Im Jahr 1945 dokumentierten Soldaten und Kameramänner im Auftrag des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte die deutschen Gräueltaten und Konzentrationslager. Der daraus entstandene Film sollte nach dem Ende der NS-Herrschaft deutschen Zivilisten und Kriegsgefangenen vorgeführt werden.

Produzent Sidney Bernstein versammelte im Britischen Informationsministerium ein Team von bekannten Filmemachern, darunter Stewart McAllister und Peter Tanner, Colin Wills und Richard Crossman sowie Alfred Hitchcock als Drehbuchberater. Es stellte sich als schwierig heraus, einen Film über ein solch komplexes und schwieriges Thema zu machen, sodass der Film nicht rechtzeitig fertig gestellt wurde. Im September 1945 hatten sich die Prioritäten der Briten von der Entnazifizierung zum Wiederaufbau verschoben und das Filmprojekt verschwand in der Schublade.

Das Imperial War Museum hat das Filmmaterial über fünf Jahre aufwendig digital restauriert und um die sechste und letzte Filmrolle ergänzt. Der Film konnte 2014 nach den Aufzeichnungen des ursprünglichen Produktionsteams von 1945 abgeschlossen werden und ist nun erstmals in voller Länge zu sehen.

Toby Haggith, Senior Curator (Imperial War Museum) und Leiter der Restaurierung von »German Concentration Camps Factual Survey«, ist zu Gast und spricht im Anschluss mit der Programmdirektorin Cilly Kugelmann über seine Arbeit an dem Film.

 

30. November 2015, 19.30 Uhr

The Illegals

USA/Israel (Palästina) 1947/48, 72 min., Regie: Meyer Levin, Doku-Drama, englische Originalversion

Die Jahre zwischen der Befreiung der Vernichtungslager und der Staatsgründung Israels sind die Zeit der organisierten Fluchtbewegung Richtung Palästina, der »Bricha«. Auf illegalen Schiffen wie der »Exodus 47« hoffen die »Displaced Persons«, Überlebende der Konzentrationslager, ihr Ziel zu erreichen. In dieses Spannungsfeld begeben sich im September 1947 der amerikanische Journalist Meyer Levin und Tereska Torres. Als Regisseur und Schauspielerin begleiten sie auf Routen der Bricha Gruppen von Flüchtlingen. Der Film »The Illegals« hält die Bilder und Hoffnungen dieser Reise fest.

Mit freundlicher Genehmigung des Steven Spielberg Jewish Film Archive

Im Anschluss:

Displaced Persons

»Displaced Persons«, Israel 1979, ca. 48 Min., Regie: Igal Bursztyn. Dokumentarfilm, englische Originalversion

Gegen Ende des Jahres 1947 macht sich das Schiff »SS Unafraid« mit mehreren hundert jüdischen Flüchtlingen an Bord von Italien aus auf den Weg nach Palästina. Der Dokumentarfilm zeigt die bewegende Reise.

Mit freundlicher Genehmigung des Israel Film Service

Mit einer Einführung von Tamar Lewinsky, Kuratorin für Zeitgeschichte

 

7. Dezember 2015, 19.30 Uhr

Aviyas Sommer / Ha-Kayitz Shel Aviya

Israel 1988, ca. 95. Min., Regie: Eli Cohen, Drama, Hebräisch mit deutschen Untertiteln

In den Sommerferien 1951, kurz nach der Gründung Israels, besucht die zehnjährige Aviya ihre depressive Mutter Henya in einem kleinen Dorf bei Tel Aviv. Henya hat im Zweiten Weltkrieg in einem KZ die Schoa überlebt und ist nach der Befreiung nach Israel emigriert. Ihre Vergangenheit kann sie, gerade erst aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen, noch immer nicht verarbeiten. Mutter und Tochter stoßen in dem kleinen Dorf auf das Unverständnis der Einheimischen, werden verspottet.

Im Anschluss Gespräch mit Cilly Kugelmann, Programmdirektorin

 

WO Jüdisches Museum Berlin, Altbau EG, Auditorium

EINTRITT frei

ANMELDUNG   erbeten unter Tel. 030 259 93 488 oder per E-Mail an reservierung@jmberlin.de

Unsere Blog-Nachricht zur Ausstellung:
http://blog.sbb.berlin/ausstellung-im-juedischen-museum-sammlung-der-staatsbibliothek-displaced-persons-3-9-15-12-2015/

 

Workshops der Wissenswerkstatt im Dezember

Im Dezember bieten wir Ihnen wieder Workshops  zu unterschiedlichen Themen an: Neu dabei ist die Recherche zur Medienwissenschaft. Wir zeigen Ihnen in den Veranstaltungen nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die Ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.

Workshop
Medien & Medienwissenschaft: Einführung in Datenbankrecherchen
Dienstag, 1. Dezember, 16-17.30 Uhr

Workshop
Kein Geheimtipp für Philologen: MLA
Donnerstag, 3. Dezember, 15.30-17 Uhr

Workshop
Literaturrecherche in der Philosophie: Kataloge, Datenbanken, Volltexte, Digitalisate
Donnerstag, 10. Dezember, 16-17.30 Uhr

Workshop
Feldforschung im Trockenen – Literaturrecherche für EthnologInnen
Dienstag, 15. Dezember, 15-16.30 Uhr

Workshop
Schnelle Suche Sozialwissenschaften
Donnerstag, 17. Dezember, 15-16.30 Uhr

 

Poster mit allen Terminen

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Messbuch kehrt nach Nowgorod zurück

Ein vollständig erhaltenes Messbuch der orthodoxen Kirche aus dem 17. Jahrhundert kehrt zurück nach Russland. Es befand sich bislang in der Staatsbibliothek zu Berlin und wurde hier von Provenienzforschern zweifelsfrei als Kriegsverlust des Museums Nowgorod identifiziert.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und deutscher Sprecher des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, DRMD, und Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, übergaben das 1651 in Moskau verlegte Werk heute an Natalja Grigorjewa, Direktorin des Staatlichen Museums Nowgorod, und an Michail Piotrowski, Generaldirektor der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und russischer Sprecher des DRMD.

Hermann Parzinger sieht in der Rückgabe viel mehr als nur ein Einzelwerk: „Die Provenienzforschung ist auf allen Ebenen zu einem zentralen Aufgabenfeld in den Sammlungen der Museen, Bibliothek und Archive geworden. Mit ihrer Hilfe war auch die Zuordnung dieses herausragenden Messbuches aus Nowgorod möglich. Die Rückgabe unterstreicht den vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang in den deutschrussischen Kulturbeziehungen. Wenn auch die großen politischen Fragestellungen der kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter weiterhin einer Lösung harren, so entwickeln sich die deutsch-russischen Fachkontakte kontinuierlich weiter und sind so intensiv wie selten zuvor. Der Einzelfund aus Nowgorod freut mich auch persönlich sehr, da bekanntermaßen Nowgorod erhebliche Kriegsverluste hatte und keinerlei Aufzeichnungen dazu vorhanden sind.“

Die Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Kulturstaatsministerin Monika Grütters begrüßt die Rückgabe des Messbuchs sehr: „Die Übergabe des bedeutenden Messbuchs an das Museum in Nowgorod ist ein Erfolg der Provenienzforschung und eine Chance für die Fortsetzung des deutsch-russischen Kulturgüterdialogs. Wir haben vielfältige Kontakte deutscher und russischer Fachleute im Kulturbereich. Ich schätze diese sehr, und sie sollten weiter ausgebaut werden. Dies ist wichtig, gibt es doch im Bereich der Kulturgüter den noch immer offenen, vor dem geschichtlichen Hintergrund auch schmerzlichen Wunsch der Deutschen und der Russen nach Rückkehr ihrer jeweils noch im Ausland befindlichen Kulturgüter. Gerade in einer Zeit der Globalisierung ist sich die Bevölkerung eines Landes der identitätsstiftenden Wirkung von Kultur besonders bewusst. Deshalb haben sich Deutschland und Russland im deutsch-sowjetischen Nachbarschaftsvertrag von 1990 und im deutsch-russischen Kulturabkommen von 1992 völkerrechtlich verbindlich geeinigt, verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kunstschätze/Kulturgüter, die sich auf ihrem Territorium befinden, an den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger zurückzugeben.“

Im Messbuch findet sich ein handschriftlicher Eintrag, der den Druck der Bibliothek des Klosters Antonius des Römers bei Nowgorod zuordnet. Aus der bedeutenden Bibliothek dieses Klosters, eines der ältesten im nordwestlichen Russland, sind heute nicht mehr als etwa 15 Bücher erhalten geblieben. Außerdem ist ein Vorkriegsstempel der Wissenschaftlichen Bibliothek des Nowgoroder Museums vorhanden. Die russische Stadt war von 1941 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt, die auch Kulturgüter abtransportieren ließen, darunter über 30.000 Bücher. Wohin die Werke kamen, ist nur zum Teil bekannt. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg plante in Riga eine „Ostbibliothek“ aufzubauen, vermutlich sollte das Messbuch dort integriert werden. Wie es schließlich in die Ost-Berliner Staatsbibliothek gelangte, lässt sich heute nicht rekonstruieren. Während der systematischen Prüfungen verdächtiger Bestände, die die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Jahren vornimmt, wurde das Messbuch als Eigentum des Nowgoroder Museums identifiziert.

honorarfreie Pressebilder zum Download:
Pressebild 1 – Auf der ersten und letzten Seite des Messbuchs
findet sich ein schwer lesbarer Stempel des Museums in Nowgorod,

Pressebild 2 Vorsatzblatt mit handschriftlichen Eintragungen

MLA – kein Geheimnis für Philologen?

Fachfremde mögen ihrer Phantasie freien Lauf lassen:

Marxistisch-leninistische Alternative? – Ist hier bestimmt nicht gemeint.

Multimediale Langzeit-Archivierung? – Wohl auch nicht. Wenngleich ein wichtiges Thema.

Moderierter Leseabend? – Wäre mal eine nette Idee.

Diejenigen, die bei „Philologen“ in erster Linie an hartgesottene Sprachwissenschaftler denken, vermuten eher etwas sehr Spezielles, etwa wie „morphologisch-lexikalische Axionomie“ – was auch immer das sein mag.

Alle, die sich wissenschaftlich mit Sprachen oder Literaturen beschäftigen, wissen natürlich, worum es geht. Doch wissen sie auch, wofür die drei Buchstaben stehen? Die Abkürzung heißt aufgelöst „Modern Language Association of America“. Dabei ist zweierlei bemerkenswert: Weiterlesen

Annette von Droste-Hülshoff und die Staatsbibliothek

Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Universität Münster und der Droste-Stiftung haben am 19. November auf Burg Hülshoff bei Havixbeck (Kreis Coesfeld) die Ergänzungsvereinbarung zum Dauerleihvertrag über den „Meersburger Nachlass“ der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff unterzeichnet. Damit geben die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Eigentümerin und die Universität als langjährige Verwahrerin des Nachlasses der 2012 gegründeten Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung die Möglichkeit, Bestandteile des Konvolutes für Forschungs- und Ausstellungszwecke auf Burg Hülshoff auszuleihen. „Für die Droste-Stiftung ist dies ein weiterer wichtiger Schritt auf ihrem Weg, Burg Hülshoff als bedeutenden Literaturort in der Region zu etablieren“, so die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der Droste-Stiftung, Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Darüber hinaus haben die Unterzeichner den dauerhaften Verbleib des „Meersburger Nachlasses“ in Münster bekräftigt. Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Universität Münster: „Ich freue mich, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erneut ein Zeichen gesetzt hat, den Nachlass dauerhaft in der Obhut der Universität Münster und hiermit in der Heimatregion der Droste zu belassen.“ Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: „Westfalen ist der richtige, da authentische Ort für die Bewahrung des Droste-Nachlasses. Es ist daher ein konsequenter Schritt, die im Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befindlichen Schriften künftig nicht nur an der Universitätsbibliothek, sondern auch an dem Geburts- und Wohnort der Autorin für die Forschung und die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Der „Meersburger Nachlass“ enthält Dokumente, die sich beim Tode der Annette von Droste-Hülshoff am 24. Mai 1848 in Meersburg befanden. Bis 1905 wurde der Nachlass von der Familie von Laßberg in Meersburg und anschließend bis 1967 von der Familie von Droste-Hülshoff in Haus Stapel bei Havixbeck verwahrt. 1967 wurde der Bestand unter der Federführung der Fritz-Thyssen-Stiftung für die öffentliche Hand erworben und für den symbolischen Kaufpreis von 1 Mark an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Die Schenkung war ein politischer Akt, um die Kulturbedeutung West-Berlins zu stärken. Das Konvolut sollte jedoch dauerhaft in Westfalen verwahrt bleiben. Der 1967 unterzeichnete Dauerleihvertrag mit der Westfälischen Wilhelms-Universität sicherte den Verbleib des Nachlasses in Münster. Er befindet sich seitdem als Dauerleihgabe der Berliner Staatsbibliothek – Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, wo er u.a. von der Droste-Forschungsstelle für die Herausgabe der Historisch-Kritischen Ausgabe der Werke der Droste genutzt wurde.

Die 2012 gegründete Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung hat den Auftrag, die mit dem Namen von Droste-Hülshoff verbundenen kultur- und literaturhistorischen Werte zu bewahren, zu fördern und zu vermitteln. Neben dem Erhalt der beiden authentischen Lebensorte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff – Burg Hülshoff bei Havixbeck und Haus Rüschhaus in Münster-Nienberge – ist es ein wesentliches Ziel der Stiftung, diese beiden Anwesen weiter zu entwickeln, stärker zu verbinden und als neuen Literaturort mit Strahlkraft zu etablieren. Die Ausbaupläne der Stiftung sehen u.a. den Umbau der Vorburg Hülshoff zu einem Kulturzentrum und die Umgestaltung des bestehenden Familienmuseums in der Hauptburg zu einem Droste-Literaturmuseum vor.

ALTO XML Schema

SBB engagiert sich im ALTO Board

Seit dem 14. November 2015 ist die Staatsbibliothek zu Berlin im Editorial Board des internationalen ALTO Standards vertreten. Nun werden Sie sich fragen: was ist denn ALTO überhaupt und warum sollte mich das interessieren?

Was bzw. wofür ist ALTO?

ALTO steht für Analyzed Layout and Text Object, ein XML Schema zur Beschreibung von Layout- und Textinformationen für elektronische Dokumente wie bspw. Digitalisate von Büchern und Zeitungen. ALTO ermöglicht die standardisierte Speicherung des mittels OCR (Optical Character Recognition / Texterkennung) generierten Texts, vor allem aber auch entsprechender Formatierungsinformationen und technischer Metadaten. Eine der wichtigsten Eigenschaften von ALTO ist dabei wohl die Angabe von (pixel-basierten) Koordinaten für die Wörter auf einer Seite. Im folgenden Ausschnitt  aus einer ALTO XML Datei sind bspw. die exakten Koordinaten für jeden Buchstaben des Wortes „Berlin“ in den Attributen HPOS (für horizontal position) und VPOS (für vertical position) enthalten.

Ausschnitt aus einer ALTO XML Datei für den String "Berlin"

Ausschnitt aus einer ALTO XML Datei für den String „Berlin“

Nur dank dieser Informationen ist es später möglich in der Präsentation nach einer Suche in den Volltexten ein praktisches farbliches Highlight auf die gefundenen Treffer zu setzen. Dies erleichtert insbesondere bei großformatigen Zeitungen das Wiederfinden des Suchbegriffs im digitalen Faksimile ungemein.

Treffer-Highlighting (in Gelb) am Beispiel einer Ausgabe des <em>Berliner Tageblatt</em>, <a href="http://sbb.berlin/7djmvo" target="_blank">http://sbb.berlin/7djmvo</a>

Treffer-Highlighting (in Gelb) am Beispiel einer Ausgabe des Berliner Tageblatt, http://sbb.berlin/7djmvo

Hintergrund und Geschichte von ALTO

Ursprünglich entwickelt wurde ALTO im Rahmen des EU-Projekts METAe um 2004, in der Folge kümmerte sich vor allem das Hamburger Unternehmen Content Conversion Specialists (CCS) um die Betreuung des Formats bevor diese Verantwortung 2009 mit der Anerkennung als Standard an die Library of Congress überging. Dort ist ALTO auch deshalb hervorragend aufgehoben weil die Library of Congress bereits (neben mehreren anderen) den weit verbreiteten Metadatenstandard METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) betreut, mit dem ALTO in den meisten Fällen kombiniert wird. Seitdem existiert auch ein international besetztes Editorial Board das sich neben der Kuration des ALTO XML Schema und der zugehörigen Dokumentation auch um die weitere Verbreitung des Standards sowie um Richtlinien und Beispiele zu seiner optimalen Verwendung kümmert. Neben renommierten internationalen Bibliotheken wie der Library of Congress, den Nationalbibliotheken Frankreichs, der Niederlande, Finnlands und Singapurs sind auch Forscher und Experten aus Universitäten sowie Dienstleister aus dem Bereich der Digitalisierung im ALTO Editorial Board vertreten.

Und was ist mit TEI?

TEI (Text Encoding Initiative) ist eine ebenfalls XML-basierte Methode um Texte digital zu repräsentieren. TEI findet vor allem in den Geisteswissenschaften bzw. Digital Humanities Anwendung, z.B. wenn es um das Erstellen von Digitalen Editionen geht. Im Gegensatz zu ALTO liegt jedoch das Gewicht bei TEI weniger auf einer möglichst genauen Wiedergabe von optischen / physischen Merkmalen des Texts, als vielmehr bei dessen logischer und semantischer Auszeichnung. Das ALTO Board hingegen verwehrt seit jeher bewusst die Aufnahme jeglicher logischer Elemente in den Standard – es geht allein um das was wirklich auf der Seite „sichtbar“ ist, ohne irgendeine Form von inhaltlicher Interpretation. Um ein Beispiel zu geben: eine Überschrift würde in TEI typischerweise mit einem entsprechenden XML Element <head> gekennzeichnet:

<head>Neuigkeiten aus Berlin</head>

In ALTO hingegen wäre die Tatsache dass es sich um eine Überschrift handelt bestenfalls implizit durch die Größe der Buchstaben oder etwa den Fettdruck erkennbar:

<String STYLE="bold" CONTENT="Neuigkeiten aus Berlin"/>

Darüber hinaus enthalten die ALTO Dateien auch eine Reihe von inhaltlich nicht relevanten Informationen, die aber für die Weiterverarbeitung – etwa eine (semi-)automatisierte Korrektur der OCR Qualität – entscheiden sind, wie z.B. Wahrscheinlichkeitswerte für die Qualität der Zeichenerkennung, alternative Erkennungsvarianten und vieles mehr. Zudem lassen sich ALTO Dateien dank XML Schema leicht validieren. Gerade wegen dieser technischen Eigenschaften und des völligen Verzichts auf inhaltliche Interpretation werden die ALTO Daten an der SBB quasi als „Text Master“ vorgehalten. Geisteswissenschaftler müssen dennoch nicht verzagen – durch die Standardisierung von ALTO lassen sich mit Hilfe von XSL Transformation relativ leicht entsprechende TEI-Versionen aus den ALTO Daten erzeugen. Für unsere Digitalen Sammlungen ist aber auch eine Möglichkeit zum Download der Volltexte direkt als TEI oder Plain Text geplant.

Anwender & Anwendungen

In der SBB wird ALTO für die Volltexte in den Digitalen Sammlungen verwendet. Zu den bereits vorhandenen ca. 2 Mio. Seiten Volltext werden in näherer Zukunft noch weitere 5 Mio. Seiten hinzukommen. Eine Liste von ALTO Anwendern weltweit mit vielen Live-Beispielen gibt es hier. Die Kombination METS/ALTO hat sich auch und insbesondere in der Zeitungsdigitalisierung bewährt – so z.B. im von der SBB koordinierten EU-Projekt Europeana Newspapers, in dem 12 Mio. Seiten OCR von historischen Zeitungen produziert und eine Empfehlung für ein METS/ALTO Profil (PDF) speziell für Zeitungen erarbeitet wurden. Auch der DFG-Viewer unterstützt die Darstellung von Volltexten wenn diese als ALTO vorliegen.

Die Liste der Anwendungen die ALTO unterstützen wird ebenfalls stets länger.

Weiterführende Links

  • Homepage des ALTO Standards bei der Library of Congress
  • GitHub des ALTO Standards

Die Bilderbuchkünstlerin Lou Scheper-Berkenkamp – Vortrag am 17.11.15 in der Staatsbibliothek

 

„Sie war ihrer Zeit zu weit voraus.“ So könnte das Fazit des Vortrags der Kinderbuchforscherin und -Sammlerin Dr. Barbara Murken über das Schaffen der Bauhaus-Künstlerin Lou Scheper-Berkenkamp als Bilderbuchautorin und -illustratorin lauten. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kinderbuch im Gespräch“ hatte die Kinder- und Jugendbuchabteilung am 17.11. in den Simón-Bolivar-Saal geladen. Vor einem fünfzigköpfigen Fachpublikum, Illustratoren, Autoren und Forscher, darunter auch Dr. Dirk Scheper, der jüngste Sohn der Künstlerin, präsentierte Dr. Murken in einem spannenden, kenntnisreichen Vortrag ein facettenreiches Bild dieser vielseitigen Künstlerin. Über viele Jahre war Lou Scheper-Berkenkamp weitgehend in Vergessenheit geratenen, doch seit der Personalausstellung, die vom 31.10.2012 bis zum 14.1.2013 im Bauhaus-Archiv Berlin gezeigt wurde und dank der intensiven Forschungsarbeit von Dr. Barbara Murken findet gegenwärtig eine Wiederentdeckung der Bauhauskünstlerin statt. 

Lou Scheper-Berkenkamp hatte von 1920 bis 1922 am Bauhaus in Weimar studiert und ihre dortige Ausbildung nach der Hochzeit mit ihrem Kommilitonen Hinnerk Scheper aufgegeben. Ihre künstlerischen Aktivitäten führte sie jedoch, soweit es die jeweiligen familiären Umstände zuließen, stets fort. In diesem Zuge entstanden bereits in den frühen 30er Jahren fantasievolle Bildergeschichten, die hinsichtlich ihrer kreativen, farbenfrohen Schriftgestaltung wenig mit dem Funktionalismus des Bauhaus gemein hatten. Lou Scheper-Berkenkamp war ihrer Zeit damit voraus, auch noch 1948, als endlich die ersten dieser Bilderbücher gedruckt werden konnten. Nach vier Titeln sah sich der progressive Leipziger Verlag Wunderlich gezwungen, die Zusammenarbeit wegen des ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolgs zu beenden. Lou Scheper war jedoch weiterhin erfolgreich als freischaffende Künstlerin tätig. 1957, nach dem frühen Tod ihres Mannes, kehrte sie zudem zu ihren künstlerischen Wurzeln, der Farbgestaltung im Bereich der Architektur, zurück. Sie übernahm Hinnerk Schepers Aufgaben in der aufstrebenden West-Berliner Architekturszene. Unter anderem zeichnete sie für die ursprüngliche Farbgestaltung der Philharmonie verantwortlich und arbeitete bis zu ihrem Tod 1976 an den Farbkonzepten für die Staatsbibliothek.

Ein weiterer Höhepunkt war die Vorstellung des frisch im Verlag BibSpider erschienenen Titels „Kinder- und Jugendliteratur: Sammeln und erwerben“, den Carola Pohlmann, die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, herausgegeben hat. Dieser vielfältige Band wurde durch eine frühere Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Kinderbuch im Gespräch“ angeregt.

Eine kleine Vitrinenausstellung zum Wirken Lou Scheper-Berkenkamps rundete die Veranstaltung ab.

Ein Resümee von Sigrun Putjenter, stellvertretende Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin