„Frühe Schriften der von Martin Luther initiierten Reformation“ – Übergabe der UNESCO-Urkunde an die Staatsbibliothek

Am Abend des 17. März überreichte die deutsche UNESCO-Kommission den beteiligten deutschen Bibliotheken und Archiven die Urkunden über die Aufnahme der von ihnen bewahrten Zeugnisse des schriftlichen Kulturerbes in das  Weltdokumentenerbe „Frühe Schriften der von Martin Luther initiierten Reformation“.

Im Refektorium des Lutherhauses in Lutherstadt Wittenberg sprachen zu den Vertreterinnen und Vertretern der gewürdigten Institutionen der Vizepräsident der deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Christoph Wulf, der Justizminister und Reformationsbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Gerhard Robbers, der Direktor des Staatsarchivs Bremen und stellv. Vorsitzende des Memory of the World-Nominierungskomitees, Prof. Dr. Konrad Elmshäuser , Frau Prof. Dr. Irene Dingel (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz) sowie der Vorstand und Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Dr. Stefan Rhein. Die Wortbeiträge wurden musikalisch umrahmt durch Mitglieder der Wittenberger Hofkapelle unter der Leitung von Thomas Höhne.

Beim Festakt in Wittenberg war die Staatsbibliothek vertreten durch Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf (mittig). - Foto: Cornelia Kirsch

Die Urkunde der UNESCO, unterzeichnet von Generaldirektorin Irina Bokova.

Ausgewählte Schriften Martin Luthers sind in das Weltregister des Dokumentenerbes der UNESCO aufgenommen worden. Die 14 Schriften, darunter aus den Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin ein Handexemplar Luthers der Hebräischen Bibelausgabe sowie ein Plakatdruck der 95 Ablassthesen, ferner die Bibelübersetzung und seine Schrift an die Ratsherren zur Einrichtung von Schulen, sind Meilensteine der Reformation. Sie stehen für verschiedene Facetten der Reformation und sind in ihrer inhaltlichen Aussage und historischen Überlieferung einzigartig und unersetzbar. Über die Aufnahme der ihnen anvertrauten Dokumente freuen sich: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Anhaltische Landesbücherei Dessau, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Herzogin Anna Amalia Bibliothek – Klassik Stiftung Weimar, Forschungsbibliothek Gotha, Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Universitätsbibliothek Heidelberg, Stadtbibliothek Worms und Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Der Antrag wurde maßgeblich vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz erarbeitet.

 

BUSONI. Freiheit für die Tonkunst!

Am 1. April feiern wir den 150. Geburtstag des vor allem als Klaviervirtuose und Komponist bekannten Künstlers Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto Busoni (1866-1924). Das Staatliche Institut für Musikforschung, die Staatsbibliothek zu Berlin und die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin würdigen das Leben und Werk Busonis vom 4. September 2016 – 8. Januar 2017 im Kulturforum mit der Ausstellung BUSONI. Freiheit für die Tonkunst!

6_Busoni_London November 1919

Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt den Nachlass von Ferruccio Busoni. Der Komponist, Klaviervirtuose, Dirigent und Musiktheoretiker zählt zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten seiner Epoche. Neben Komponisten wie Arnold Schönberg, Igor Strawinsky, Béla Bartók und Paul Hindemith gilt er als Wegbereiter der Neuen Musik. In vielen seiner Kompositionen streift er die Atonalität der zeitgenössischen Avantgarde, seine Ästhetik kulminiert in der Vision einer freien Musik. Sein nachhaltiger Einfluss auf die Kunst und die Musik des 20. Jahrhunderts macht ihn zu einer der zentralen Figuren der Moderne.

Der sehr umfangreiche Nachlass Busonis, der ab 1925 in mehreren Partien in die heutige Staatsbibliothek zu Berlin kam, gehört zu den kostbarsten musikgeschichtlichen Schätzen der Stadt. Er umfasst rund 15 Tausend verschiedene Stücke, darunter sind 9.000 Briefe von und an Buson, mehr als 350 eigene Kompositionen sowie Bearbeitungen anderer Werke, über 200 Schriften, rund 600 Fotografien, 500 Autographe, 650 Konzertprogramme und 3.000 Kritiken. In der Musikabteilung kann nach all diesen Materialien recherchiert und mit diesen gearbeitet werden.
Die mehr als 9.000 Briefe sind online über die Datenbank Kalliope recherchierbar, das internationale Verbundsystem zum Nachweis von Nachlässen und Autographen. Zu Busonis Korrespondenzpartnern gehörten Arnold Schönberg, Stefan Zweig, George Bernard Shaw, Harry Graf Kessler, Max Oppenheimer, Umberto Boccioni, Jakob Wassermann, Bruno Cassirer, James Simon und Ludwig Rubiner.

Trotz Busonis Bedeutung und der zunehmenden Rezeption liegt sein Einfluss auf die neuere Musik- und Kompositionsgeschichte noch immer weitgehend im Dunkeln. Unter seinen mehr als 300 eigenen Kompositionen stehen die zum Klavier im Zentrum. Sein herausragendstes und zugleich am häufigsten gespieltes Werk ist „Fantasia contrappuntistica“ (1910), von diesem sind im Nachlass mehrere Fassungen zu finden.
Zwei seiner insgesamt fünf Opern, „Die Brautwahl“ (1912) und „Doktor Faust“ (1924/25, vervollständigt von Philipp Jarnach), kommen zunehmend zur Auführung, in den letzten Jahren u.a. in Salzburg, München und Berlin.

Zum Nachhören: RBB Kulturradio brachte am 30. März eine knapp 1/2-stündige Sendung über Ferrucio Busoni, bis zum 6. April kann dieser Beitrag in der RBB Mediathek angehört werden.

Auf der Website der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie
* die ausführliche Ankündigung der Ausstellung,
*
wesentliche Lebensdaten Busonis
sowie
* umfangreiche Informationen zu seinem Nachlass und seinem Werk.

In memoriam Doreen Massey und John Urry – zwei Protagonist*innen des spatial turn im März verstorben

In diesem Monat sind in kurzem Abstand zwei vielrezipierte britische Protagonist*innen des spatial turn verstorben, am 11. März die Geographin Doreen Massey (*1944) und am 18. März der Soziologe John Urry (*1946).

Als spatial turn wird eine geographische und sozialwissenschaftliche Forschungsrichtung bezeichnet, die sich seit den 1980er Jahren in einem intensiven Dialog zwischen der Humangeographie und soziologischen Theorien entwickelt hat. In der Humangeographie eröffnet dieser Dialog mit konstruktivistischen und praxistheoretischen Ansätzen neue Perspektiven auf das zentrale geographische Konzept „Raum“. Der Blick verschiebt sich weg von einem physisch geprägten und tendenziell positivistischen Verständnis von Raum, in dem konkrete Orte der Hintergrund für menschliches Handeln sind, hin zu einem Verständnis von Raum als genuin sozialer Kategorie, in dem Orte durch soziale Praxen produziert werden. Diese Anbindung der Humangeographie an aktuelle Entwicklungen in den Sozialwissenschaften stellt eine der bedeutendsten theoretischen Verschiebungen in der Geographie seit dem Zweiten Weltkrieg dar. In den übrigen Sozialwissenschaften lenkt diese „raumkritische Wende“ die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von lokaler Spezifizität auch für moderne und postmoderne Gesellschaften. Damit stellt sie die überkommene These der soziologischen Klassiker in Frage, dass durch Beschleunigung Räumlichkeit unwichtig werde. Dies eröffnet unter anderem Möglichkeiten zur Analyse von räumlicher Ungleichheit und ihrer Überschneidung mit anderen Achsen von Ungleichheit wie race, class und gender.

Doreen Massey war eine der meistgelesenen und meistzitierten Geograph*innen der letzten Jahrzehnte. Weltweit ist sie vor allem für ihre herausragenden Beiträge zur geographischen Theoriebildung bekannt. Ihre Artikel und Monographien gaben wichtige Impulse für die Raumtheorie (u.a. For Space, 2005), die Wirtschaftsgeographie (u.a. Spatial divisions of labour, 1984/1995) und die Globalisierungsforschung (u.a. World City, 2007). Zudem gilt sie als eine Mitbegründerin der feministischen Geographie (u.a. Space, place, and gender, 1994). Massey, die nach dem Studium zunächst bei einem Think Tank arbeitete, blieb jedoch Zeit ihres Lebens auch der Angewandten Geographie verbunden (u.a. Rethinking the Region, Ko-Herausgeberin mit John Allen und Allan Cochrane, 1998). In Großbritannien wurde sie außerdem als public intellectual wahrgenommen, als eine der führenden Stimmen eines politisch engagierten, öffentlichkeitswirksamen Verständnisses von Sozialwissenschaft.

John Urry war vor allem ein außergewöhnlicher Kommunikator. Als Soziologe, der oft mit Humangeograph*innen und Wissenschaftsforscher*innen zusammenarbeitete, trug er viel zur Rezeption geographischer Forschung in den Sozialwissenschaften bei (u.a. Social Relations and Spatial Structures, Ko-Herausgeber mit Derek Gregory, 1985), aber auch zur Rezeption aktueller soziologischer Theorieentwicklung in der Kultur- und Wirtschaftsgeographie (u.a. Economies of Signs and Space, Ko-Autor mit Scott Lash, 1994) sowie zur Rezeption der Wissenschaftsforschung in der Allgemeinen Soziologie (u.a. Global Complexity, 2003). Urry war zudem ein wichtiger Protagonist der sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung (u.a. Sociology Beyond Societies, 2000). In den letzten Jahren galt sein Interesse vor allem gesellschaftlicher Transformation in Zeiten des Klimawandels und der Finanzkrise. Dabei war es ihm besonders wichtig, spezifisch soziologische Erkenntnisse in die öffentliche Debatte einzubringen (u.a. Climate Change and Society, 2011; Offshoring, 2014, deutsch als Grenzenloser Profit, 2015).

Mehr über Leben und Werk von Doreen Massey und John Urry erfahren Sie auf den offiziellen Nachruf-Websites der Open University (Massey) und der Lancaster University (Urry).

Selbstverständlich finden Sie in der Staatsbibliothek die wichtigsten Werke von Massey und Urry sowie allgemeine Literatur zum spatial turn. Einen guten Einstieg für weitere Informationen zum spatial turn bietet eine Sammelrezension deutschsprachiger Reader von Ulrike Jureit auf H / SOZ / KULT. Auch die beiden dort besprochenen Bände finden Sie natürlich im Bestand der Staatsbibliothek.

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Workshops der Wissenswerkstatt im April

Im April bieten wir Ihnen wieder Workshops  zu unterschiedlichen Themen an: Wir zeigen Ihnen in den Veranstaltungen nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die Ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.

Workshop
Publish or perish!? – Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende und was es bei der Veröffentlichung von Bildern zu beachten gilt
Teil 1: Mo, 4.4., 16.00-19.00 Uhr
Teil 2: Mi,  6.4., 16.00-19.00 Uhr

Workshop
Fragestunde Philologien
Do, 14.4., 16.00-17.30 Uhr

Workshop
E pluribus unum – digitale Ressourcen zur US-amerikanischen Geschichte
Do, 21.4., 16.00-17.30 Uhr

Workshop
Bauten, Parks und Plätze – Literaturrecherche zur Architektur am Beispiel Berlins
Mi, 27.4., 16.30-18.00 Uhr

 

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Guido Westerwelle und die deutsch-russischen Beziehungen

Die Pflege der deutsch-russischen Beziehungen war auch Guido Westerwelle ein Anliegen, das er gerne persönlich unterstützte. In den ersten Dezembertagen des Jahres 2012 nahm Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf als eine direkt mit den deutsch-russischen
Fragen befasste Vertreterin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am 1. Walter-Scheel-Forum in Bad Krozingen teil. Ihr Impulsreferat im Panel „Förderkonzepte von Staat und Wirtschaft“, gab ihr damals die Gelegenheit, einmal mehr die erfolgreiche Arbeit des Deutsch-Russischen
Bibliotheksdialogs zu präsentieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren durchgängig hochrangig – u.a. Klaus Mangold, Wladimir Grinin, Ernst-Jörg von Studnitz und Ekaterina Geniewa – und waren, ähnlich wie beim Petersburger Dialog, von der Überzeugung und vom Willen getragen, durch Verständigung zur Annäherung zu gelangen. Den Krozinger Festvortrag hielt der damalige Bundesminister des Auswärtigen, Guido Westerwelle MdB, woran die Staatsbibliothek – in memoriam Guido Westerwelle – mit Dank und Hochachtung vor der Lebensleistung Dr. Westerwelles heute gerne erinnern möchte.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP, r) begrüßt am 04.12.2012 in Bad Krozingen (Baden-Württemberg) bei der Eröffnung des Walter-Scheel-Forums den ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel (l). Westerwelle hielt einen Grundsatzvortrag zu den deutsch-russischen Beziehungen. Foto: Patrick Seeger/dpa

Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßt am 04.12.2012 in Bad Krozingen bei der Eröffnung des Walter-Scheel-Forums den ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel (l). Westerwelle hielt einen Grundsatzvortrag zu den deutsch-russischen Beziehungen. Foto: Patrick Seeger/dpa

Licht und Schatten: Wissenschaftliches Publizieren und die Bildrechte

Wer promoviert und publiziert, kommt oft nicht ohne Abbildungen aus. Nach den Nachrichten über Plagiat-Skandale, Abmahnwellen und andere (Urheber-)Rechtsprobleme sind AutorInnen verständlicherweise vorsichtig geworden. Die Fragen, die sich vor der Nutzung von Bildern stellen, sind manchmal einfach, aber oft nur schwierig zu beantworten.

In unseren „Bildrechte„-Workshops, zu denen wir gemeinsam mit der Mediathek des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität einladen,  vermitteln wir  Grundlagen der urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Belange der Bilderverwendung und versuchen anhand von Beispielen, auch für Zweifelsfälle Handlungs-Richtlinien zu zeichnen.  Die Veranstaltung dient der Vertiefung unserer Publikationsberatung für Promovierende „Publish or Perish“.

Warum gibt es diese Unsicherheiten ?

Abbildungen unterliegen – soweit die Schutzfrist (i.d.R. 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers) noch nicht abgelaufen ist – in den meisten Fällen dem Urheberrechtsschutz: Alles, was eine „persönliche geistige Schöpfung“ ist, fällt darunter. Was darunter zu verstehen ist, ist in Unmengen von Gerichtsurteilen jeweils für Einzelfälle festgestellt worden. Daraus hat sich mittlerweile – zumindest in ihren groben Linien – gefestigte, (auch) höchstrichterliche Rechtsprechung entwickelt, nach der die für den Rechtsschutz eines Bildes erforderliche „Gestaltungshöhe“ nur bei einer individuellen Leistung erreicht ist. Da die Rechtsprechung bei Werken der bildenden (also „zweckfreien“) Kunst und mittlerweile auch bei der angewandten Kunst (also die Gestaltung von Alltagsgegenständen, z.B. in der Architektur oder im Modedesign) bereits ein Minimum dieser Individualität genügen lässt, wird man in diesem Bereich fast immer vom Urheberrechtsschutz ausgehen können. Aber auch bei anderen Illustrationen wie etwa Tabellen, technischen Zeichnungen, Fotos oder Landkarten ist in den allermeisten Fällen davon auszugehen, dass sie rechtlich geschützt sind. Nur da, wo gar kein Spielraum für persönliche Gestaltung übrig bleibt, gibt es keinen Urheberrechtschutz. Die Abgrenzung kann schwierig werden, wie z.B. ein gerade laufender Rechtsstreit über die Übernahme fremder Fotos von bereits gemeinfreien Gemälden auf Wikipedia zeigt. Im Wesentlichen geht es dabei darum, ob bei dieser Art von Fotografie zweidimensionaler Vorlagen der Spielraum für eine persönliche Fotografier-Leistung, die dem Urheberrechtsschutz unterliegt, ausreicht. Wer vorsichtig ist, muss auf den Einbau solcher Fotos in die eigene Publikation verzichten oder den Rechteinhaber um Erlaubnis fragen.

Generell gilt also: Bei der Nutzung von Illustrationen in der eigenen Publikation ist Vorsicht geboten !

Doch es gibt natürlich Wege für legale Illustrationen: Einer davon ist die Erlaubnis bzw. Lizenzierung der Nutzung durch den Rechteinhaber. Prinzipiell ist der Urheber selbst Inhaber dieser exklusiven Nutzungsrechte an seinem Werk. Wenn er jemand anderem (z.B. einer Bildagentur oder einer Verwertungsgesellschaft) die Wahrnehmung der Rechte eingeräumt hat, kann regelmäßig nur diese und nicht der Urheber selbst die Erlaubnis zur Nutzung erteilen. Ist der Fotograf bei einem Museum angestellt, kann auch dieses Rechteinhaber sein.

Die Bedingungen der Bildagenturen können die Nutzung der Werke teuer und aufwendig machen. Aber es gibt auch Agenturen, die weniger restriktiv sind oder die Nachnutzung – zumindest für wissenschaftliche Zwecke – sogar sehr offenherzig erlauben. Auch auf Webseiten, insbesondere bei Wikipedia, sind Bilder oft als (relativ) frei nachnutzbar gekennzeichnet, etwa mit Creative Commons-Lizenzen. Diese erlauben – mit verschiedenen Abstufung je nach Typ – die Nachnutzung in eigenen Publikationen. Eines ist fast all diesen Open-Content-Lizenzen gemeinsam: Keine Nachnutzung ohne Urheber-Nachweis ! Wie dieser anzubringen ist und welche weiteren Voraussetzungen für die Nutzung gelten, ist in den Lizenzbedingungen angegeben.

Ähnlich finden sich auch in den Bedingungen der Bildagenturen regelmäßig Vorgaben dafür, wie der Nachweis zu erfolgen hat. Der Grundsatz, dass bei jeder Nutzung fremder Werke der Urheber anerkannt werden muss, steht aber auch im Urheberrechtsgesetz.

Unter den durchaus strengen Voraussetzungen des Zitatrechts dürfen fremde Bilder auch ohne Erlaubnis des Urhebers, der Bildagentur oder der Verwertungsgesellschaft verwendet werden. Auf das Zitatrecht kann sich aber nur berufen, wer sich inhaltlich mit dem zitierten Werk ausreichend auseinandersetzt. Die Übernahme des fremden Werkes zur reinen Illustration ist also kein Zitat. Wer zitieren möchte, sollte sich unbedingt mit den Voraussetzungen dafür auseinandersetzen und prüfen, ob die geplante Bildnutzung darunter fällt. In Zweifelsfällen ist es sinnvoll, die Bilder bei den Agenturen oder anderen Rechteinhabern zu lizenzieren.

Aber was kann eigentlich passieren ?

Die Beachtung des Urheberrechts ist nicht nur eine Frage der Rechtstreue, sondern Verstöße können Folgen haben. Dabei wird es recht unwahrscheinlich sein, dass ein Verlag gleich in allen Exemplaren Illustrationen schwärzen oder eine Auflage einstampfen muss. In aller Regel wird eine Einigung mit dem Bildrechts-Inhaber möglich sein, nach der die Lizenzgebühr nachträglich zu zahlen ist. Jedoch: Auf anwaltliche (Abmahn-) Gebühren und eine Schadensaufschlag wird man sich einstellen müssen.

Aber das sollten Sie ja möglichst vermeiden. Ein guter Grund, einen unserer Workshops zu besuchen.

 

 

„Euro-Islam“ und die Fallstricke des Integrationsappells – Vortrag am 12.4.

Vortrag von Schirin Amir-Moazami
Muslime in Europa: „Euro-Islam“ und die Fallstricke des Integrationsappells

Dienstag, 12. April 2016
18 Uhr

Eintritt frei

Anmeldung erbeten: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Trotz kruder Abwehrreaktionen und wachsendem Populismus werden Muslime mittlerweile zumeist als fester Bestandteil europäischer Gesellschaften betrachtet. Entsprechend bestimmt das Paradigma der Integration öffentliche Debatten ebenso wie politische Maßnahmen. Die Suche nach einem Islam europäischer Prägung verdichtet sich gleichsam in dem Ruf nach einem »Euro-Islam«. Bei genauerem Hinsehen bergen allerdings auch solcherlei Einschluss- und Syntheseversuche eine Reihe von Problemen in sich. So stellt sich die grundlegende Frage, wie viel Integrationsleistung von wem zu erwarten ist, in was genau es sich zu integrieren gilt und welche Prämissen Europas und des Islam für den »Euro-Islam« Pate stehen sollen. Der Vortrag greift diese Fallstricke auf und nimmt dabei spezifisch an Muslime gerichtete Integrationspolitiken in Europa kritisch in den Blick. Der zerlegende, fragende Ton der Analyse versteht sich zugleich als konstruktive Kritik: So werden auch Perspektiven aufgeworfen, wie künftig anders über die wachsende religiös-kulturelle Vielfalt in europäischen Gesellschaften nachgedacht werden könnte.

Schirin Amir-Moazami studierte Politikwissenschaft und Soziologie in Frankfurt/Main, Marseille, Paris und Berlin. 2004 promovierte sie am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zu »Politisierte Religion: der Kopftuchstreit in Deutschland und Frankreich«. Seit 2009 ist sie Principal Investigator an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies der FU Berlin, seit 2015 Professorin am Institut für Islamwissenschaft der FU Berlin und leitet dort den Profilbereich Islam in Europa. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Religionspolitiken in Europa, Säkularismus, Politische Theorie, Geschlechterfragen und islamische Bewegungen in Europa.

New Urbanism: bei uns, nebenan und vor der Haustür

Am heutigen Samstag, 19. März, verleiht die Notre Dame School of Architecture (Indiana, USA) in einer ganztägigen Zeremonie zum 14. Mal den renommierten Richard H. Driehaus-Preis, den international wichtigsten Preis für Traditionelle Architektur und Neuen Urbanismus. Preisträger der mit 200.000 US-Dollar dotierten Auszeichnung ist in diesem Jahr Scott Merrill, Gründer und Chefdesigner des US-amerikanischen Architekturbüros Merrill, Pastor & Colgan. Er wird gewürdigt für seine originellen Entwürfe, die regionale Besonderheiten der Landschaft ebenso aufnehmen wie klassische Formentraditionen aus allen Epochen und Regionen. Merrills Projekte reichen von Ferienanlagen, Wohnblocks und Büroquartieren über Kirchenbauten, Rathäuser und Stadtparks bis hin zu Tanzclubs oder auch einem Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Zu wegweisenden Vertretern und Bauten der Traditionallen Architektur und des Neuen Urbanismus, der in den späten 1980er Jahren in den USA entstand, können Sie sich auch über unsere Bestände informieren. Darunter finden sich auch einige Berliner Bauten, wie der im amerikanischen Backsteinstil von Hans Kollhoff errichtete Kollhoff-Tower am Potsdamer Platz oder die 2015 eröffnete Mall of Berlin am Leipziger Platz von Sergei Tchoban, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wichtigstes Prinzip des New Urbanism ist die Rückbesinnung auf die Vorteile kleiner, überschaubarer Städte und Gemeinden, die sich an historischen Altstädten orientieren und durch Nachhaltigkeit und hohe Lebensqualität auszeichnen. Wohn- und Geschäftsviertel sollen nicht mehr streng getrennt sein, sondern eine gemeinsame Einheit mit fußgängerfreundlichen Plätzen und Grünflächen bilden, so dass lebenswerte Nachbarschaften entstehen.

Sie möchten mehr über die Umsetzung dieser Ideen und andere städtebauliche und architektonische Highlights in Berlin erfahren? Am 27. April um 16.30 Uhr zeigen wir Ihnen in unserem Workshop „Bauten, Parks und Plätze – Literaturrecherche zur Architektur am Beispiel Berlins“ wie Sie die richtige Lektüre finden. Melden Sie sich gleich hier an!

Ach übrigens: Der große Bruder des Driehaus-Preises – wenn auch nur halb so hoch dotiert – ist der international noch mehr beachtete Pritzker-Architektur-Preis, mit dem zunächst Jay A. Pritzker und nach dessen Tod die Hyatt-Stiftung bereits seit 1979 jährlich Spitzenleistungen der modernen Architektur würdigt. Auch zu diesen Geehrten haben unsere Kataloge einiges zu bieten. Als deutsche Preisträger wurden bisher Gottfried Böhm (1986) und Frei Otto (2005) ausgezeichnet.

Für Informationen über den diesjährigen Preisträger Alejandro Aravena aus Chile, der am 4. April im UNO-Hauptquartier in New York ausgezeichnet wird, dürfen wir Sie an unseren guten Nachbarn, das Iberoamerikanische Institut verweisen.

Werkstattgespräch zum frühen arabischen Buchdruck am 5.4.

Werkstattgespräch
Der frühe arabische Buchdruck in einer Welt der Handschriften: Eine kulturhistorische Annäherung
Christoph Rauch, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Dienstag, 5. April
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
(Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt: Eingangshallsbereich (Rotunde)
Anmeldung


Christliche arabische Mönche bedienten schon im 17. Jahrhundert die Druckerpresse. Obwohl Ibrahim Müteferrika bereits ab 1729 in Konstantinopel wirkte, konnte sich der Buchdruck im islamischen Umfeld erst im 19. Jahrhundert durchsetzen. Worin liegen die Ursachen für das lange Festhalten an der handschriftlichen Überlieferung im islamischen Raum, und in welchem Kontext steht die Verbreitung gedruckter Bücher in der islamischen Wissenskultur? Am Beispiel zahlreicher handschriftlicher und gedruckter Exemplare eines sehr verbreiteten und häufig kommentierten Werkes, der arabischen Grammatik al-Kāfīya des Ibn Ḥāǧib (st. 647/1249), werden einige Merkmale der Textgestaltung und des Wissenstransfers sowohl im Zeitalter der Handschrift als auch des Buchdruckes veranschaulicht.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Interview und Ausstellung: Oxforder Verlag Bruno Cassirer

Am Dienstag, 15. März, erläuterte die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, in einem Live-Interview beim RBB kulturradio einige Eckpunkte zum Archiv des Oxforder Bruno Cassirer Verlages (1940-1990). Das nicht sehr umfangreiche, jedoch für die Forschung sehr bedeutende Archiv wurde der Bibliothek geschenkt. Bis zum 22. März kann das Interview in der Mediathek vom RBB angehört werden, http://www.kulturradio.de/zum_nachhoeren/uebersichten/tag_7.html

Bis zum 2. April kann die Ausstellung „Flucht und Neuanfang. Bruno Cassirer Publishers Ltd. Oxford 1940-1990“ im Foyer des Hauses Potsdamer Straße 33 angesehen werden, montags – freitags von 9 bis 21 und samstags von 10 bis 19 Uhr (sonn- und feiertags geschlossen).