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Wissenswerkstatt-Schulungen im September und Oktober

Wir haben unser Schulungsangebot für Sie neu strukturiert: Aus vier übersichtlichen Modulen können Sie sich künftig genau die Schulungen aussuchen, die am besten auf Ihre aktuelle Situation zugeschnitten sind.

  • Im Modul A finden Sie die grundlegenden Einführungen in die Benutzung der Bibliothek.
  • Die Kurse der Module B (Einführung) und C (Vertiefung) widmen sich den Recherchetechniken bei der Literatursuche.
  • Das Modul W ist unser Angebot für Wissenschaft und Forschung. Literaturverwaltung, wissenschaftliches Arbeiten und Publikationsberatung stehen hier auf dem Plan.

Im September und Oktober möchten wir Sie zu folgenden Veranstaltungen einladen:

 

Modul A – StabiStart-Einführungen:

  • Haus Potsdamer Straße:
    Montag, Mittwoch und Freitag: 11 Uhr
    Dienstag und Donnerstag: 17 Uhr
    Treffpunkt: I-Punkt in der Eingangshalle
  • Haus Unter den Linden:
    Mittwoch: 11 Uhr
    Treffpunkt: Erstauskunft im Eingangsbereich

 

Modul B – allgemeine und fachspezifische Rechercheworkshops:

 

Workshop Modul C – fachspezifische Recherche  mit eigenem Thema:

 

Workshop Modul W – Angebote für Wissenschaft und Forschung:

 

Zur Termin-Übersicht der Wissenswerkstatt

 

Matthias Brandt: “Raumpatrouille”, Lesung am 4. Oktober um 18 Uhr

“Raumpatrouille”

Lesung mit Matthias Brandt aus seinem ersten Buch
Einführung: Barbara Schneider-Kempf und André Schmitz

Mittwoch, 4. Oktober 2017
18 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, um Anmeldung unter freunde@sbb.spk-berlin.de wird gebeten

 

Matthias Brandt: Raumpatrouille , Verlag Kiepenheuer & Witsch

 

Die Geschichten in Matthias Brandts erstem Buch sind literarische Reisen in einen Kosmos, den jeder kennt, der aber hier mit einem ganz besonderen Blick untersucht wird: der Kosmos der eigenen Kindheit. In diesem Fall einer Kindheit in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in einer kleinen Stadt am Rhein, die damals Bundeshauptstadt war. Einer Kindheit, die bevölkert ist von einem manchmal bissigen Hund namens Gabor, von Herrn Vianden, mysteriösen Postboten, verschreckten Nonnen, kriegsbeschädigten Religionslehrern, einem netten Herrn Lübke von nebenan, bei dem es Kakao gibt und dem langsam die Worte ausgehen. Es gibt einen kauzigen Arbeitskollegen des Vaters, Herrn Wehner, einen Hausmeister und sogar einen Chauffeur, da der Vater gerade Bundeskanzler ist. Erzählt wird von komplizierten Fahrradausflügen, schwer bewachten Jahrmarktsbesuchen, monströsen Fußballniederlagen, skurrilen Arztbesuchen und von explodierenden und ebenso schnell wieder verlöschenden Leidenschaften wie z.B. dem Briefmarkensammeln. Nicht zuletzt wird von gleichermaßen geheimnisumwobenen wie geliebten Eltern berichtet und einer Kindheit, zu der neben dem Abenteuer und der Hochstapelei auch Phantasie, Gefahr und Einsamkeit gehören.

 

 

Matthias Brandt, geboren 1961 in Berlin als jüngster Sohn von Rut und Willy Brandt, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Er war an renommierten deutschsprachigen Theatern engagiert, darunter am Bayerischen Staatsschauspiel, Schauspielhaus Zürich und Schauspielhaus Bochum. In den letzten Jahren arbeitete er hauptsächlich vor der Kamera und als Hörbuchsprecher. Für seine Leistungen ist er vielfach ausgezeichnet worden.

Heinz Mack – ein großartiger neuer Träger der Moses-Mendelssohn-Medaille

Seit 1993 wird die Moses Mendelssohn Medaille an verdienstvolle Persönlichkeiten verliehen, die sich im Sinne und in der Tradition des Denkens von Moses Mendelssohn für Toleranz und Völkerverständigung und gegen Fremdenfeindlichkeit engagiert haben. Die mit der Medaille geehrten Persönlichkeiten stehen in ihrem Wirken mit den Zielen des Moses Mendelssohn Zentrum und der Staatsbibliothek in Übereinstimmung und fördern mit ihrem Engagement die Verbreitung des Toleranzgedanken in der Gesellschaft.

Am Abend des 6. September verliehen – im Otto Braun-Saal des Hauses am Kulturforum – Professor Dr. Julius H. Schoeps, Vorstandsvorsitzender der Moses Mendelssohn-Stiftung und ich gemeinsam die Moses Mendelssohn Medaille an den Künstler und Mitbegründer der Gruppe ZERO. Die Laudatio übernahm Professor Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung und des Landschaftsausschusses des Landesverbandes Rheinland.

In meiner Begrüßung der Gäste führte ich aus:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

lieber Herr Professor Schoeps,

verehrter Herr Mack, sehr geehrter Herr Professor Wilhelm,

liebe Freundinnen und Freunde der Staatsbibliothek,

 

Wir ehren heute Abend Heinz Mack und zwar vor dem Hintergrund der Erinnerung an Moses Mendelssohn. Wer mit der Moses Mendelssohn Medaille ausgezeichnet wird, muß sich verdient gemacht haben mit einem Engagement, das einen gesellschaftspolitischen Mehrwert besitzt. Und eben dies zeichnet viele Werke von Heinz Mack, deren Kennzeichen zunächst die Abstraktion der Formensprache ist, aus: ihre gedankliche Verwurzelung im Politischen, in der so schwierigen deutschen Geschichte. Ich möchte dies, meine Damen und Herren, an einem einzigen Beispiel ganz konkret verdeutlichen und Ihnen – Professor Wilhelm als Laudator wird dies in weitaus größerer Breite und Tiefe unternehmen – auch von meiner Seite aus zu beweisen versuchen, warum Heinz Mack ein sehr verdienter Träger unserer heute zu vergebenden Auszeichnung ist.

In der Innenstadt von Düsseldorf erinnerte die nach dem Krieg neuentstandene Berliner Allee an das Schicksal Berlins seit den Jahren der Luftbrücke und der Teilung der Stadt – und gleich benachbart befand sich der „Platz der Deutschen Einheit“ – verkehrumtost, zugig und ohne rechten ‚Ankerpunkt‘. Das Bekenntnis zur deutschen Einheit war in den achtziger Jahren ohnehin unmodisch geworden; eher floskelhaft wurde der politische Anspruch an die Wiedervereinigung aufrechterhalten, aber eine Verwirklichung schien unsagbar fern. Heinz Mack aber nahm sich der Herausforderung an und schuf einen Wasserbrunnen, eine der bis heute bedeutendsten Skulpturen in der an Kunst nicht eben armen Stadt Düsseldorf. Es geht um drei hintereinander stehende große Dreiecke aus Aluminium. Unterschiedlich groß sind diese leuchtenden Dreiecke, denn sie stehen für die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und für Berlin, für West-Berlin als, wie man damals sagte, besondere politische Einheit. Zwischen 1986 und 1988 schuf Heinz Mack dieses Werk, das plötzlich ein neues Bewußtsein schuf für Getrenntes, das doch eigentlich vereint gehört.

 

Bei Nacht so effektvoll wie am Tag… – Foto: Ute Mack

Frau Ute Mack hat uns freundlicherweise zwei Bilder dieser Installation zur Verfügung gestellt, die ich die Freude habe, Ihnen präsentieren zu können. Doch zurück zu eben diesem Werk von Heinz Mack!

Als noch niemand an Willy Brandts Worte denken konnte vom Zusammenwachsenden, was zusammen gehört, verdeutlichte uns Heinz Mack mit den ganz identisch aussehenden, bloß in der Größe unterschiedlichen Dreiecken: eigentlich sind wir doch von ganz gleicher Gestalt und sollten jeden Tag so zusammenhalten und beieinanderstehen, wie es die drei stählernen Dreiecke so vorbildlich zeigen. Dreiecke sind es, die an Segel erinnern, an Segel, die Aufbruch verkünden und Fortentwicklung. Das alles umspült von Wasserfontänen, die manch einen an das Panta Rhei denken ließen, an das ‚Alles fließt‘ auch der politischen Weltgeschichte.

Ein Jahr später fiel die Mauer. Nicht wegen des Wasserbrunnens von Heinz Mack. Doch er schuf ein künstlerisch geformtes politisches Symbol in der besten aufklärerischen Tradition eines Moses Mendelssohn, er erinnerte an lange Vergessenes und gedanklich Verschüttetes, nämlich an das Verbindende im Trennenden. Zwei sich feindlich gegenüberstehende Staaten ganz unterschiedslos ihren Eindruck entfalten zu lassen, mit einer Perspektive nämlich, daß derjenige, der frontal vor den drei Segeln steht, nur noch ein einziges der Dreiecke sieht und damit einer gedanklichen Verschmelzung den Weg ebnet, das war ein prophetisches Zeichen.

Auch im Jahr 2017 – dreißig Jahre nach der Konzeption und im dritten Jahrzehnt des wiedervereinten Deutschland – noch immer von bestechender Wirkung – Foto: Heinz Mack

Ich erwähne diesen Brunnen auch deshalb in solcher Ausführlichkeit, weil wir zur heutigen Verleihung der Moses-Mendelssohn-Medaille wieder in Berlin zusammengekommen sind, der Stadt, in der Moses Mendelssohn 43 Jahre seines Lebens verbrachte, der Stadt aber auch, die wie keine zweite unter der deutschen Teilung gelitten hat und wie keine andere den Segen der Wiedervereinigung dankbar erfährt, Tag für Tag, auch noch 28 Jahre später.

Heinz Mack hat sich der deutschen Teilung künstlerisch angenommen, er hat einen bleibenden Beitrag zur Völkerverständigung geleistet und er ist ein großartiger neuer Träger der Moses-Mendelssohn-Medaille, die die Moses Mendelssohn-Stiftung in diesem Jahr zum zweiten Mal gemeinsam mit der Staatsbibliothek vergibt. Seien Sie alle herzlich willkommen; das Wort übergebe ich nun an den Vorstandsvorsitzenden der Moses Mendelssohn-Stiftung, Herrn Professor Schoeps.

Stipendienprogramm seit 2009 – ein Rückblick

Der 10. Jahrgang im Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht an der Staatsbibliothek unmittelbar bevor; die bei solchen Gelegenheiten übliche Rückschau gibt es – wie jüngst angekündigt – schon jetzt, während der 9. Jahrgang noch in vollem Gange ist.

Insgesamt gab es bisher 325 Bewerbungen. Im Schnitt sind das reichlich 36 pro Jahr, doch wie es häufig bei Durchschnittswerten so ist, entspricht ihm die Zahl der Bewerbungen in keinem Jahr auch nur annähernd: Entweder gingen deutlich über 40 oder knapp unter 30 Anträge ein, ohne erkennbare Tendenz. Die Internationalität manifestiert sich in den ca. 50 vertretenen Ländern: Das reicht alphabetisch von Ägypten bis Zypern, geographisch von Neuseeland über Thailand, Japan, China, Usbekistan, Saudi-Arabien, Kamerun, Marokko, ganz Europa bis in alle Teile Amerikas. Bei weitem die meisten Bewerbungen kommen dabei aus Europa: einzelne aus Ländern wie Belgien, Bulgarien, Litauen, Norwegen, mehrere bis viele aus Ländern von (nun wieder geographisch) Finnland bis Irland, jedes Jahr aus Großbritannien, Russland, Italien und Polen. Vergleichbar vertreten sind darüber hinaus nur die USA. Eine detaillierte Übersicht folgt hier nicht, denn genaue Zahlen würden wegen der besonders auch im wissenschaftlichen Bereich stark zunehmenden internationalen Mobilität keine exakte Anschauung geben: Der Wirkungs- und damit Wohnort wechselt zuweilen schneller, als das beantragte Stipendium angetreten sein kann, und entspricht in noch wesentlich mehr Fällen nicht dem Herkunftsland nach Geburt. Unter Berücksichtigung dieser und der Nationalitäten ergäbe sich ein noch bunteres Bild.

Von 2009 bis 2016 wurden an der Staatsbibliothek 55 Stipendien gewährt, 94 Monate Aufenthalt insgesamt finanziert. Ungefähr gleich häufig waren ein- und zweimonatige Stipendien, die maximal mögliche Stipendiendauer von 3 Monaten ist relativ selten. Das hat seinen Grund zum einen darin, dass nicht immer die volle beantragte Zeit gewährt wird, um mehr Personen eine finanzielle Förderung zukommen zu lassen. Zum anderen werden oft nur einzelne Monate beantragt – weil ein längerer Auslandsaufenthalt beruflich oder privat schwer zu organisieren wäre, oder auch, weil das Projekt schon so gut vorbereitet ist, dass vor Ort eine klar umrissene, innerhalb einer kurzen Frist zu realisierende Aufgabe geplant wird.

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: Kategorie A / B

24 Stipendien für Promovenden (Kategorie A) stehen 31 Stipendien für Promovierte (Kategorie B) gegenüber. Auch bei den Bewerbungen überwiegt Kategorie B deutlich. Das lässt sich leicht aus dem höheren Grad der Spezialisierung postdoktoraler und professoraler Forschung gegenüber der Promotion erklären, organisatorische Gründe kommen hinzu.

 

 

 

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016 nach Geschlecht

 

 

Eine andere Proportion mag überraschen: Bisher gab es 37 Stipendiatinnen und 18 männliche Stipendiaten. Auch bei den Bewerbungen liegt das weibliche Geschlecht vorn, allerdings nicht mit solch deutlichem Abstand, und nicht von Anfang an. Über Spekulationen hinausgehende Erklärungen kann ich für dieses Phänomen nicht finden; bibliothekspolitisch gewollt ist es jedenfalls keineswegs.

 

 

 

Die Forschenden kamen aus 18 verschiedenen Ländern; die meisten aus Polen (14), Italien (10), den USA (7), Großbritannien (5) und Russland(4):

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: Länderstatistik

 

Welche Materialien sind nun besonders gefragt?

Häufig die Bestände unserer Sonderabteilungen: Natürlich die unikalen Handschriften und Nachlässe. Spezielle Sammlungen wie Gesangbuch- und Librettosammlung, herausragende Sondermaterialien wie Inkunabeln, Flugschriften, historische Zeitungen und Karten. Spezielle Bereiche wie Mendelssohn-Archiv und Humboldt-Projekt. Großes Interesse gilt aber auch in besonderer Dichte vertretenen thematischen Segmenten des Hauptbestandes.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden Projekte zur Germanistik und zur deutschen Geschichte und Kultur im weiten Sinne. Das überrascht nicht; eher schon, dass sich unter den „Germanica“ eine in der DDR herausgegebene griechische Zeitschrift (Pyrsosbefindet, und dass die Germanistik bis zu einem digitalen Editionsvorhaben einer oberdeutschen handschriftlichen Überlieferung eines mittelniederländischen Textes reicht.

Einige weitere Beispiele aus dem breiten Spektrum behandelter Themen: Untersucht wurden u.a. graphische Gestaltungsprinzipien der preußischen topographischen Kartenwerke aus der Regierungszeit Friedrichs II., die Geschichte des deutschen Stadttheaters in Danzig 1801 – 1841, die Verbreitung der Kopernikanischen Revolution durch Kalender und Astrologie, die Rolle der nationalpolitischen Erziehungsanstalten im Dritten Reich, französisch-mongolische diplomatische Beziehungen im Hinblick auf eine Allianz gegen die muslimischen Staaten, Buchdesign und visuelles Erzählen in Bilderbüchern weltweit, burmesische Grammatiken des Pali, die Frage der Bestrafung von NS-Kriegsverbrechen und die polnische Exilregierung.

Alle Abteilungen der Staatsbibliothek hatten bereits stipendiatische Gäste. Die Verteilung der Betreuung auf die einzelnen Abteilungen stellt sich wie folgt dar:

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: betreuende Abteilung

So anschaulich dieses Diagramm ist, so unvollständig ist es doch in seiner Aussage. Unsichtbar bleiben die vielfältigen Interaktionen und Mehrfachnutzungen. Etwa durch die Dostojewski-Forscherin in der Osteuropaabteilung, die zur Untersuchung der ersten deutschen Gesamtausgabe des russischen Schriftstellers Exemplare auch im Rara-Bestand der Abteilung Historische Drucke und im Hauptbestand heranzieht und außerdem den Nachlass von deren Herausgeber Arthur Moeller van den Bruck in der Handschriftenabteilung konsultiert. Oder der Buchhistoriker, der die Herausbildung illustrierter Reiseführer von handschriftlichen Formaten über Inkunabeln bis zu Drucken ab dem 16. Jahrhundert neben der Handschriftenabteilung in der Abteilung Historische Drucke verfolgt und begleitend die Kartenabteilung aufsucht. Noch unerwarteter: Für eine Arbeit zu den Liedkompositionen Johanna Kinkels war nicht die Musikabteilung primäre Anlaufstelle, sondern die Zeitungsabteilung – auf Grundlage der zeitgenössischen Berliner und preußischen Presse sollte die Rolle der Komponistin und Dichterin in der Berliner Öffentlichkeit rekonstruiert werden. Begleitend wird in allen Fällen ein gut ausgebauter Hauptbestand mit Grundlagenwerken und spezialisierter Sekundärliteratur benötigt.

Eine Rolle kommt der betreuenden Abteilung dennoch zu: Sie stellt eine Kontaktperson zur fachlichen und organisatorischen Unterstützung ihres Schützlings, die bei der Kontaktaufnahme zu anderen Abteilungen und Institutionen hilft und – der wichtigste Beitrag zur Wahrnehmung der Stipendienaufenthalte in der Öffentlichkeit – ein Werkstattgespräch des Gastes im Rahmen der Wissenswerkstatt organisiert. Im Archiv der Wissenswerkstatt  sind die Ankündigungen mit Abstract auch späterhin enthalten. Nicht alle Stipendienprojekte lassen sich hier jedoch aufspüren, denn nicht immer gelingt es, solch ein Werkstattgespräch zu organisieren: sei es aufgrund eines nur kurzen Aufenthaltes, sei es wegen der Sommerpause in dieser Veranstaltungsreihe. In wenigen Fällen wird das Projekt in anderem Rahmen präsentiert: Ein besonders schönes Beispiel ist das der Klavierprofessorin, die Lieder des eher als Völkerrechtler bekannten Albrecht Mendelssohn Bartholdy zur Edition vorbereitete und diese zum Abschluss in einem Vortrags-Konzert der Mendelssohn-Gesellschaft kontextualisierte und zusammen mit einer Sängerin zu Gehör brachte.

Seit die SBB ein Blog betreibt, also seit Oktober 2015, hinterlässt das Stipendienprogramm auch hier seine Spuren: zum einen mit der Ankündigung von Werkstattgesprächen im Rahmen unserer Wissenswerkstatt, zum anderen durch die ersten Gastbeiträge von Stipendiaten zu ihren Forschungsprojekten. Wenn im Laufe der Zeit hier immer mehr dieser Beiträge entstehen, bekommen wir einen schönen Überblick über die im Rahmen des Stipendienprogramms beforschten Themen.

 

Grundsätzliches zum Stipendienprogramm finden Sie im Beitrag Researchers from all over the world welcome!

 

Logo des Deutschen Esperanto-Bundes e.V.

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Werkstattgespräch am 21.9.

Wissenswerkstatt

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Zur Kultur und Geschichte einer unterschätzten Weltsprache

Werkstattgespräch mit Fritz Wollenberg, Esperanto-Liga Berlin
Donnerstag, 21. September 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Esperanto-Sprachgemeinschaft hat in 130 Jahren nicht nur die Sprache selbst weiterentwickelt, auch eine vielfältige Esperanto-Kultur ist entstanden. Längst hat sie dabei unter Beweis gestellt, dass Esperanto eine Sprache ist, die sich für die internationale Kommunikation eignet.

Welche Besonderheiten hat diese internationale Plansprache? Was sind ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln? Wer lernt Esperanto, und wie wird es verwendet? Welche kulturellen Leistungen hat die Esperanto-Sprachgemeinschaft hervorgebracht?

Für eine Kultur, deren Existenz in der Öffentlichkeit immer wieder bestritten oder unterschätzt wird, hat die Esperanto-Kultur erstaunlich viel zu bieten:

den Esperanto-Weltbund (Rotterdam) mit 72 Landesverbänden, die Sammlung für Plansprachen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, das Deutsche Esperanto-Institut mit der Deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen, die jährlichen Esperanto-Weltkongresse in verschiedenen Ländern, Kulturfestivals wie ARKONES in Poznań, die Esperanto-Akademie, die Literarische Esperanto-Akademie, das Esperanto-PEN-Zentrum, die Esperanto-Wikipedia, Web-Seiten wie Lernu!net, Apps wie Amikumu, die Esperanto-Redaktion von Radio China International, das Polnische Internet-Radio in Esperanto,  Verlage wie Edistudio in Pisa und Sezonoj in Kaliningrad und so weiter, und so weiter.

Fritz Wollenberg, Pädagoge und Kenner der Sprache und ihrer Kultur, wird sich in seinem Vortrag auf  eine Auswahl von Esperanto-Publikationen aus dem reichhaltigen Bestand,  darunter der Esperanto-Sondersammlung, der Staatsbibliothek zu Berlin beziehen, und natürlich auf die von ihm zusammengestellten zweisprachigen (Esperanto und Deutsch) Jubiläumsbücher der Esperanto-Liga Berlin (2006) und des Esperanto-Verbands Berlin-Brandenburg (2017):

„Esperanto – Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg“, Mondial-Verlag, New York, Berlin.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Buchpatenschaft für den Monat August

Das große Reformationsjubiläum erinnert in diesem Jahr 2017 an den Thesenanschlag von Martin Luther vor 500 Jahren. Es gibt aber auch Jubiläen, die im Zusammenhang mit der Reformation stehen und jährlich begangen werden. Ein Beispiel hierfür ist das Augsburger Friedensfest, das seit 1650 bis heute am 8. August gefeiert wird. Es ist sogar ein auf gesetzlicher Feiertag in der Stadt Augsburg. Schon seit 1651 entwickelte sich der Brauch, den Schulkindern zum Fest so genannte Friedensgemälde zu überreichen. Eines davon, den Kupferstich für das Jahr 1734, haben wir als Patenschaft für August ausgewählt.

 

Friedens=Gemähld / auf das / den 8. Augusti Anno 1734 / wiederhohlte Danck= und Frieden=Fest / der Evangelischen Schul=Jugend in Augpurg., Augsburg 1734. Bibliothekssignatur: Einbl. 1734, 1 gr. Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 Staatsbibliothek zu Berlin-PK.

 

 

Friedens=Gemähld / auf das / den 8. Augusti Anno 1734 / wiederhohlte Danck= und Frieden=Fest / der Evangelischen Schul=Jugend in Augpurg. Augsburg, 1734. Kupferstich von Johann Gottfried Thelott (1711 – 1775, Maler) und Johann Gottfried Pfautz (1687 – 1760, Stecher).

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte Kaiser Ferdinand II. 1629 das Restitutionsedikt erlassen, das nach der Reformation säkularisiertes Kirchengut zurückführen sollte. Am 8. August 1629 begannen die Zwangsmaßnahmen gegen die evangelische Religionsausübung in Augsburg. Die evangelischen Kirchen wurden geschlossen und den Pfarrern alle Amtshandlungen untersagt. Erst im Westfälischen Frieden 1648 wurde die Gleichberechtigung der Religionsparteien für Augsburg festgeschrieben.
Zwei Jahre danach nahmen die Augsburger Protestanten den Jahrestag des kaiserlichen Eingriffs von 1629 zum Anlass, mit dem ersten Friedensfest für die Erhaltung ihres Glaubens zu danken.

 

 

 

Das Friedensgemälde für das Jahr 1734, die Buchpatenschaft für  August, zeigt eine Darstellung der Bibelstelle aus dem 4. Buch Moses (Numeri), Kapitel  21,  V. 6-9:

Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viel Volks in Israel starb. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider dich geredet haben; bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Mose bat für das Volk. Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie zum Zeichen auf; wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie auf zum Zeichen; und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

 Darunter folgen  zwei Spalten Verse, die die Bibelstelle in Bezug zum Reformationsjubiläum setzen.

Notwendige Reparaturen: Alte Verklebungen lösen, wässern, nachleimen, glätten, Einblattdruck mit Japanpapier auf ein Trägerpapier montieren und in die Mappe kleben, Herstellen einer Mappe aus säurefreiem Archivkarton.
Kalkulierte Kosten: 115 €

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieser Einblattdruck restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de.  Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt. Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de
  • Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.
Benutzungseinführung

Ab August wöchentliche Benutzungseinführungen im Haus Unter den Linden

Das Angebot der Benutzungseinführungen in unserem Haus Unter den Linden wird ab August von einmal monatlich auf einmal wöchentlich ausgeweitet. Jeden Mittwoch um 11 Uhr können sich Interessierte über unsere Serviceangebote, den Bestand und die Kataloge der Staatsbibliothek informieren.
Im Haus Potsdamer Straße finden diese ca. 45 minütigen Schulungen mit Rundgang zu prägnanten Benutzungspunkten sogar täglich statt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sie längst nicht mehr nur bei StabiStartern, also den neuen Benutzerinnen und Benutzern, Anklang finden. Auch bereits geübte Nutzer finden sich gelegentlich ein, um in kleinen Gruppen informiert und konkret beraten zu werden.
Wenn Ihnen unser Angebot aus den verschiedenen Katalogen, Datenbanken und Fernleihmöglichkeiten unklar erscheint, freuen wir uns, Ihnen in einer Benutzungseinführung den Weg zu Ihrer Forschungsliteratur zeigen zu können.

Haus Unter den Linden
Mittwochs um 11 Uhr

Haus Potsdamer Straße
Montags, mittwochs, freitags um 11 Uhr
Dienstags und donnerstags um 17 Uhr

Researchers from all over the world welcome!

Sie kommen schon immer hierher, die Forschenden von allen Enden der Welt. Seit 2009 jedoch ist in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein spezielles Instrument zur Förderung internationaler Forschungsbesuche etabliert: das Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es dient dazu,

„in erster Linie ausländische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in die Lage [zu] versetzen, in den Museen, Bibliotheken und Archiven der SPK zu arbeiten, am wissenschaftlichen und kulturellen Leben innerhalb der SPK und in Berlin teilzunehmen und Fachkontakte zu Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der SPK sowie anderer Einrichtungen in Deutschland zu knüpfen.“

Mit „ausländisch“ ist dabei keineswegs die Staatsbürgerschaft oder gar die Nationalität gemeint, sondern der dauerhafte Wohnsitz. Denn es geht darum, die Mehrkosten bei Aufenthalt „in der Fremde“ aufzufangen. Wichtig ist deshalb auch, dass als zusätzliche Unterstützung ein Reisekostenzuschuss eingeplant ist. Jede Institution innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gestaltet das Programm mit eigenen Modifikationen im vorgegebenen Rahmen.

Stiftungsweite zentrale Vorgaben sind neben dem Antragsformular und den notwendigen Bewerbungsunterlagen

– die Stipendiendauer von maximal 3 Monaten

– die Vergabe des Stipendiums in zwei Kategorien:

– Kategorie A für Personen mit erstem Hochschulabschluss, ohne Promotion

– Kategorie B für Personen mit Promotion (oder Äquivalent)

– die Höhe des monatlichen Stipendiums in der jeweiligen Kategorie:

– Kategorie A: 900 €

– Kategorie B: 1200 €

– die Möglichkeit der Erstattung von Reisekosten bis maximal 500 €

Ebenfalls sind einige Verpflichtungen seitens der gastgebenden Einrichtung und seitens der Stipendiaten formuliert.

 

Für die Staatsbibliothek wird die Zielausrichtung des Programms folgendermaßen spezifiziert: Das Stipendienprogramm

„soll es in erster Linie im Ausland lebenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern  ermöglichen, nach Berlin zu kommen, um die reichhaltigen Sammlungen der Bibliothek und der anderen Stiftungseinrichtungen für ihre Forschungsarbeiten auszuwerten und Fachkontakte in Deutschland zu knüpfen.“

Der Bewerbungszeitraum für ein Stipendium zur Durchführung von Forschungsarbeiten bei der Staatsbibliothek zu Berlin ist separat festgelegt: Bis 30. September jeden Jahres werden Bewerbungen für ein Stipendium im darauffolgenden Jahr angenommen. Der Antrag ist zusammen mit den erforderlichen Unterlagen per Post an die Generaldirektion zu richten:

Staatsbibliothek zu Berlin

– Die Generaldirektorin –

Potsdamer Straße 33

D-10785 Berlin

All diese Informationen finden Sie auf den Stipendienseiten unserer Hompage, die komplett auch auf Englisch zur Verfügung stehen.

Konkret gestaltet es sich in der Staatsbibliothek so, dass mit dem Budget jährlich 6 – 8 Stipendien (incl. Nebenkosten) ermöglicht werden können. Neben einem kostenlosen Bibliotheksausweis wird bei Bedarf eine über unsere ohnehin angebotenen Serviceleistungen hinausgehende fachliche Betreuung gewährt. Die Stipendiaten stellen wenn irgend möglich ihr Forschungsprojekt in einem Werkstattgespräch innerhalb unserer Wissenswerkstatt vor. Wenn es sich organisatorisch anbietet, kann diese Präsentation auch zu einem späteren Zeitpunkt außerhalb der Stipendienmonate erfolgen. Seit dem Bestehen des Blognetzwerkes der SBB haben sie zudem die Möglichkeit, ihr Thema hier in einem eigenen Beitrag einem breiteren Interessentenkreis nahezubringen.

Für Stipendien im Jahr 2018 freuen wir uns über Bewerbungen bis zum 30. September 2017!

Eine zahlenmäßige und inhaltliche Übersicht über die bisherigen Stipendienjahrgänge folgt in einem separaten Beitrag demnächst in diesem Blog!

Ausstellung „Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der islamischen Welt“

14. Juli – 15. Oktober 2017
Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum
Bodestraße, 10178 Berlin
Besuchereingang über den Kolonnadenhof

Eine Sonderausstellung des Museums für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz und der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

Öffnungszeiten und Informationen zu Eintrittspreisen


Koptischer Papyruskodex mit den Sprüchen Salomos (Abschrift Ägypten, Ende 4. Jh., SBB-Orientabteilung, Ms. or. oct. 987) © Staatsbibliothek zu Berlin – PK || CC BY-SANC 3.0

 

Anhand von herausragenden Handschriften zeigt die Ausstellung “Gläubiges Staunen” die Vielfalt der christlichen Traditionen im Vorderen Orient – von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert.

Bibelhandschriften jüdischer und orientalisch-christlicher Glaubensgemeinschaften werden gemeinsam mit islamischen Handschriften, die biblische Sujets reflektieren, präsentiert. Neben prächtig illuminierten armenischen Evangeliarien, syrischen Pergamentbibeln oder koptischen Papyri werden u.a. auch indische Miniaturen mit christlichen Motiven zu sehen sein.

Der kulturelle und künstlerische Austausch zwischen den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften war im östlichen Mittelmeerraum ein häufiges Phänomen. Die Bibel entstand im Orient – Judäa, Ägypten und Persien sind einige ihrer historischen Schauplätze. Der Islam wiederrum entstand in einem von Judentum und Christentum geprägten Umfeld; und der Koran bezieht sich an mehreren Stellen auf den biblischen Text und setzt diese Themen und Gestalten als bekannt voraus.

In der Ausstellung werden hochkarätige Handschriften aus den reichen Beständen der Orientabteilung der Staatsbibliothek für drei Monate mit islamischer Buchkunst aus der Privatsammlung Vollmer und dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Dialog treten. Anhand zahlreicher Beispiele werden so die Verbindungen zwischen christlicher und islamischer Buchkunst sichtbar: Die Illustrationen in manchen islamischen Bilderhandschriften haben nicht selten verblüffende Ähnlichkeiten mit zeitgenössischen christlichen Vorbildern aus byzantinischen, armenischen und syrischen Manuskripten, besonders aus illustrierten Bibeln. Umgekehrt reflektieren auch die christlichen Bibelhandschriften den jahrhundertelangen Kulturkontakt mit ihrer muslimischen Umwelt.

Die Ausstellung beginnt bei den Ursprüngen der Bibel mit hebräischen und griechischen Urtexten: Ein früher koptischer Kodex (4. Jh. n.Chr.) aus Ägypten mit den Sprüchen Salomos ist das älteste Objekt. Eine Besonderheit stellt eine samaritanische Tora dar, die an der Stelle des Aaronitischen Segens von den Küssen der Gläubigen dunkel gefärbt ist. Sehr seltene biblische Zeugnisse aus dem einstmals christlichen Nubien des 10./11. Jahrhunderts, die ersten jemals gefundenen Texte der nubisch-christlichen Kultur, werden zu sehen sein. Leuchtende Farben und eine direkte Bildsprache zeichnen die äthiopischen Pergamenthandschriften aus, Zeugen einer ungebrochenen tiefen Religiosität, die bis heute das christliche Äthiopien prägt. Für die reiche arabisch-christliche materielle und geistige Kultur stehen ein Evangeliar aus dem Palästina des 11. Jahrhunderts und ein wunderbar illuminiertes Prophetenbuch aus dem frühen 14. Jahrhundert. In den gezeigten muslimischen Handschriften treten vertraute biblische Gestalten und Geschichten gleichsam verändert auf und sind doch immer wiederzuerkennen. Den zahlreichen im Koran und anderen islamischen Überlieferungen zu findenden biblischen Gestalten sind etwa die Qiṣaṣ al-anbiyāʾ (Erzählungen von den Propheten) gewidmet. Die indischen Miniaturen mit zahlreichen Heiligen- und Madonnendarstellungen aus der Sammlung Vollmer zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit europäischer Kunst, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zu beobachten ist.


Pressebilder: www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/presse/pressebilder.html


Ausführliche Berichte über diese Ausstellung erschienen unter anderem hier:

14. Juli 2017, RBB Kulturradio / Kulturtermin, 5’20 min, Timecode 0:14

13. Juli 2017, Deutschlandfunk Kultur

14. Juli 2017, Deutsche Welle/Arabisches Programm Qantara

Meine Leidenschaft für das Buch!

Die Bürgerstiftung Berlin ist Ausdruck des privaten Engagements Berliner Bürgerinnen und Bürger, die mit gezielten Projekten das Zusammenleben der Menschen in der Hauptstadt stärken. Mit der Bürgerstiftung Berlin können die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mehr Mitverantwortung für die Gestaltung ihres Gemeinwesens übernehmen. Eigeninitiative und Gemeinsinn bilden den ideellen Kern. Daraus entwickeln sich die Projekte, die die Kompetenzen jedes Einzelnen fördern.

Die Stiftung motiviert seit nunmehr 15 Jahren Mitbürger zum gesellschaftlichen Engagement. Im Fokus der Projekte, die seit der Stiftungsgründung umgesetzt wurden, steht die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Als Mitglied des Kuratoriums der Bürgerstiftung wurde ich gebeten, das Sommerfest 2017 im St.-Michaels-Heim am Herthasee im Grunewald durch ein Grußwort zu begleiten, in dem ich meine Leidenschaft für das Buch beschrieb. Dieser Bitte kam ich – nicht zuletzt als Unterstützerin der Aktion „LeseLust“ – ehrenamtliche Lesepaten besuchen Kinder in Berliner Grundschulen und Kindergärten, um mit ihnen gemeinsam zu lesen oder Bilderbücher anzusehen – sehr gerne nach und berichtete den mehr als 100 Gästen:

 

Liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren,

die Bürgerstiftung bat mich, Ihnen von meiner Leidenschaft für das Buch zu erzählen. Dem komme ich gerne nach, wenngleich die Sache ein wenig vielschichtiger ist, als man zunächst vermuten mag, denn als Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz habe ich eine Leidenschaft für das Buch als solches wie auch für unsere Sammlung von mittlerweile elf Millionen Büchern. Sie mögen sich nun fragen, ob in einem solchen Massenbetrieb denn auch das einzelne Buch noch immer die nötige Wertschätzung besitzt und erfährt oder ob man, irgendwann nach dem siebenmillionten Buch, abstumpft, und das Buch, wie die vielen Baumstämme eines großen Waldes, nur noch in Regalkilometern begreift: nein, ganz gewiss nicht. Denn jedes einzelne Buch wird ja irgendwann entliehen, manches häufig, manches seltener, aber jedes einzelne Buch beschäftigt dann einen Leser oder eine Leserin, tritt in einen Lektüredialog mit einem Menschen. Und jedes Buch sorgt für einen Erkenntnisgewinn, hoffentlich häufig für positive und hilfreiche Erfahrungen! (denn es gibt ja auch genug Bücher, über die wir uns eigentlich nur ärgern und die wir rasch wieder vergessen wollen). Jedes Buch also unter diesen 11 Millionen Büchern erfüllt einen Zweck: es bildet, es unterrichtet oder es unterhält, je nach Natur des Buches und der Fragestellung des Lesers und der Leserin. Was für ein wunderbarer Beruf, so werde ich oft angesprochen, Bücher zu kaufen und zu vermitteln, um für Forschung und Kultur tätig zu sein – und überdies so nachhaltig. Kein Schauspielintendant, kein Opernregisseur verfügt über einen sich immer weiter vergrößernden Kultur- und Wissensschatz; die darstellenden Künste liefern einen Abend lang ein wunderbares Momenterlebnis, das dann anschließend aber nur noch in unser Erinnerung, in unserem Gedächtnis weiterlebt. Haptisch greifbar ist allein noch das Programmheft – und dies ist sogar schon wieder sammelnswert für eine Bibliothek…

Meine Leidenschaft für das Buch entstammt also zu einem Gutteil der schönen Erfahrung, Teil einer nützlichen Zirkulationsbewegung zu sein. Wenn ich mich morgens dem Bibliotheksgebäude nähere, sitzen sie auf den Fahrrädern, entsteigen den Bussen und den S-Bahnen: Menschen, die in den klarsichtigen Plastiktüten der Bibliothek unsere Bücher wieder zurückbringen. Ein schönes Gefühl, darüber nachzudenken, daß diese Menschen den gestrigen Abend über diesen Büchern verbracht haben, über Büchern, die aus öffentlichen Mitteln erworben wurden, um möglichst vielen Menschen nacheinander nützlich zu sein. Bücher, die nun neuerlich in den großen Kreislauf eingespeist werden, Bücher, die teilweise schon vorbestellt sind, weil andere Leserinnen und Leser dringlich auf sie warten. Und wenn ich im Laufe des Tages aus dem Fenster meines Dienstzimmers blicke, sehe ich wieder andere Menschen, die die Stahlkörbchen auf ihren Fahrrädern befüllen mit wieder neuen Büchern, denn die Lektüre wissenschaftlicher Werke weckt das Verlangen nach weiteren Büchern, um das bisher Gelesene zu überprüfen, die bis dato gewonnenen Erkenntnisse zu erweitern oder neuen Seitenpfaden nachzugehen.

Können Sie meine Begeisterung nachvollziehen? Ich hoffe ja, aber ich soll Ihnen ja nicht von der Begeisterung für das Buch und die Bücher erzählen, sondern von der Leidenschaft, was ja noch einmal eine ganze Menge mehr ist. Begeistert von Büchern sind sicherlich die meisten von Ihnen, denn wer sich als Lesepatin oder als Lesepate ehrenamtlich engagiert, wird dem Buch als Kulturgut ohnehin mehr als gewogen gegenüberstehen. Wie aber entsteht Leidenschaft? „Das Buch“ – was ist das eigentlich für die meisten von uns? In aller Regeln denken wir zunächst an die eigenen heimischen Bücherregale, in denen sich anfindet, was in den vergangenen Jahrzehnten den Weg in die eigenen vier Wände fand: gekauft oder geschenkt, selten aber einmal älter als dreißig oder vierzig Jahre. – In der Staatsbibliothek aber sieht die Sache ein wenig anders aus und erinnert uns daran, auf welchen hohen kulturellen Schultern wir heute stehen. Seit gut 550 Jahren kann man Bücher nach dem Gutenberg’schen Verfahren drucken – und diese frühen Kulturzeugnisse sind Dokumente der deutschen, der europäischen und der Menschheitsgeschichte, die wir zu Tausenden besitzen, pflegen und im Rahmen von Ausstellungen auch präsentieren. Als das Drucken mit beweglichen Lettern noch eine solche technische Sensation war wie das Internet vor 20 Jahren eine gigantische Innovation darstellte, da entstanden die ersten massenhaft gedruckten Bücher – und manche dieser Bücher haben schon damals in der Tat die Welt sehr nachhaltig verändert.

Wir haben diesen Umstand gerade zu Beginn dieses Jahres wieder eindrucksvoll erfahren können, als wir in unserer viel beachteten Ausstellung zu „500 Jahren Reformation“ verdeutlicht haben: Kernstück der beginnenden Reformation war im Herbst 1517 der Druck der95 Thesen Martin Luthers! Dieses einseitig bedruckte Blatt wurde überall blitzschnell nachgedruckt, es verbreitete sich aufgrund des modernen Bleisatzes so schnell wie heute eine Nachricht in den sozialen Medien. Die Reformation wäre anders verlaufen, vielleicht auch in ihren Anfängen versiegt und versandet, wenn sich nicht Luther und seine Anhänger die neuartige Methode des Druckes zu Eigen gemacht hätten. – Und so ging es weiter: auch der Dreißigjährige Krieg setzte auf Propaganda, auf gedruckte Pamphlete und Traktate. All diese Druckerzeugnisse, mit denen eine Einzelperson oder eine Gruppe von Menschen andere Menschen lenken oder manipulieren, belehren und bekehren, aufhetzen oder überzeugen möchte, versammeln sich in der Staatsbibliothek. Ahnen Sie, wie Leidenschaft wachsen kann, wenn man erkennt, welchen Stellenwert in der Menschheitsentwicklung der vergangenen Jahrhunderte das gedruckte Buch besessen hat – und wenn man diese Schätze verwalten und vermehren darf?

Ich sprach eben von der Menschheitsentwicklung – und habe ganz bewusst dieses große Wort gewählt. Das Buch ist ja – trotz aller Diversität – ein weltumspannendes Medium. Diese Tatsache mögen Sie eine Binsenweisheit nennen, und doch berührt es mich jedes Mal auf eine eigentümliche und ganz faszinierende Weise, Bücher aus fremden Kulturkreisen in Händen zu halten, Bücher in mir ganz unverständlichen Sprachen und Schriftzeichen. Eine so große und global ausgerichtete Bibliothek wie die Staatsbibliothek erwirbt Literatur aus aller Herren Länder – und hin und wieder fällt bei Führungen durch unsere Häuser mein Blick auf Bücher, die sich anschließend als solche aus Georgien, aus Kambodscha oder aus Armenien herausstellen. Ja, so entsteht Leidenschaft, wenn die weltumspannende Wirkung des Buches greifbar wird. Egal, welche Sprache wir sprechen, an welchen Gott wir glauben und auf welchem Kontinent wir leben: das Buch ist Medium der Verständigung, des Diskurses und der Kontroverse, durch das Buch vollziehen sich Bildung und Forschung, heitere Zerstreuung und politische Agitation. Ein wirklich faszinierendes Objekt, das Buch – und nicht allein das Buch! Denn wir Bibliothekarinnen und Bibliothekare spannen den Radius ja ein wenig breiter: das Universum Buch umfasst auch Karten und gedruckte Partituren und Libretti, Karten und Stadtpläne, Zeitschriften und Tageszeitungen – letztlich den gesamten Kosmos des Gedruckten.

Sie erkennen, meine Damen und Herren: Bücher sind nützlich, sie können die Welt verändern und sie sind das weltweite Informationsmedium – seit Jahrhunderten. Auch noch in der Zukunft? Wir wissen es nicht. Die Bedeutung des gedruckten Buches wird mit der weiteren Vervollkommnung des Digitalen Zeitalters schwinden, ohne Frage. Zweifeln Sie aber nicht am Buch, das wäre ganz falsch. Halten Sie dem Buch mit all seinem Potential, mit seiner großen geschichtlichen Vergangenheit und seiner kaum absehbaren digitalen Zukunft die Treue – so wie ich es mit Leidenschaft seit über 30 Jahren Tag für Tag tue!

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