Unsere Beiträge zu den Wissenschaften und Forschung

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Publish or Perish?! Publikationsberatung für Promovierende ab 22.5.

Wissenswerkstatt

Publish or Perish?! Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende

Erst die fristgerechte Veröffentlichung der Dissertationsschrift schließt das Promotionsverfahren formal ab. Denn zur Erlangung dieses akademischen Ritterschlags ist nicht nur der eigene Forschungsbeitrag gegen die Kritik einer universitätsinternen Fachöffentlichkeit zu verteidigen, sondern darüber hinaus auch das Säurebad des internationalen Wissenschaftsdiskurses zu überstehen. Doch die Entscheidung, wie tief Sie überhaupt darin eintauchen wollen, liegt nicht zuletzt auch bei Ihnen. Denn Sie treffen die Wahl des für Ihre individuellen Interessen idealen – also mehr oder eben weniger sichtbaren – Publikationsorts.

Mit Blick auf Vielzahl und Vielfalt der in diesem Zusammenhang zu prüfenden Möglichkeiten sowie vor dem Hintergrund des aktuellen Strukturwandels der Wissenschaftskommunikation unter dem Paradigma der Open Science soll im Rahmen dieser vierteiligen modularen Veranstaltung das unübersichtliche Feld des rasant expandierenden akademischen Publikationsmarkts in groben Linien kartiert werden – als kleine Orientierungshilfe bei Ihrer Suche nach dem für Sie perfekten Publikationsort. Dabei werden so unterschiedliche Aspekte angesprochen wie die Gestaltung von Verlagsverträgen oder die Akquise von Druckkostenzuschüssen und Book Processing Charges.
Während der erste Termin übergreifenden Fragen sowie dem konventionellen Publizieren in Wissenschaftsverlagen gewidmet sein wird, sollen im Rahmen des zweiten Teils die verschiedenen Varianten des Open Access im Vordergrund stehen. Effektive Strategien sowohl zur Klärung von Bildrechten als auch zu Management und Publikation von Forschungsdaten sind Gegenstand der abschließenden beiden Veranstaltungsmodule.

Teil 1: Konventionelles Publizieren in Wissenschaftsverlagen
Dienstag, 22. Mai, 16.30 Uhr

Teil 2: Wissenschaftliches Publizieren im Open Access
Donnerstag, 24. Mai, 16.30 Uhr

Teil 3: Klärung von Bildrechten
Dienstag, 29. Mai, 16.30 Uhr

Teil 4: Management und Veröffentlichung von Forschungsdaten
Donnerstag, 31. Mai, 16.30 Uhr

Unsere Veranstaltungen für Promovierende:
http://sbb.berlin/promovierende


Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Die deutschsprachigen Periodika in der habsburgischen Bukowina: Gedächtnisort und Austauschplattform in der Habsburgermonarchie

Gastbeitrag von Dr. Cristina Spinei

Die habsburgische Bukowina als Erkundungsraum bietet nicht nur in der Belletristik, sondern auch in den Periodika der Zeit Stoff für Auseinandersetzungen, Beobachtungen, objektive wie auch lyrische Reflexionen. Eine solche Dokumentation greift soziale, historische und literarische Diskurse auf, bringt sie in einem größeren Ganzen zusammen und reintegriert die einzelnen Konnotationen und Images, das Hintergrundwissen in unterschiedlicher Weise. Blättert man in den Czernowitzer Zeitungen – denn die meisten sind ja in der Hauptstadt erschienen –, stößt man immer wieder auf Spuren der Bukowiner Vergangenheit. Der chronologische Faden des wirtschaftlichen Aufstiegs und sozial-historisch bedingten Verfalls, der Lebensfreude und der Kapitulation, des Versponnenen und Visionären definieren den Genius loci dieser faszinierenden Provinz.

Blätter wie Czernowitzer Allgemeine Zeitung, Czernowitzer Morgenblatt, Bukowinaer Post, Bukowiner Rundschau oder Ostjüdische Zeitung – um nur einige Beispiele zu nennen – können als Ergebnis der Bukowiner Spurensuche betrachtet werden, und bei der Lektüre stößt man auf ein dichtes Netz an Erzählungen: über die Errichtung, Umgestaltung und Zerstörung einer Welt – der mitteleuropäischen Welt – und einer emblematischen Stadt – Czernowitz, bis zu den Lebenswegen und Erinnerungen der darin wirkenden Menschen.  So wird eine mehrdimensionale Perspektive auf das Leben in der damaligen Zeit eröffnet, und ein Stück Bukowiner Zeitgeschichte erschließt sich. Hinter den dargestellten Orten wird jene Atmosphäre kreiert, die den Genius loci eines Standortes beseelt und dessen sinnbildliche Wirklichkeit schafft. Es ist das erzählte Leben, das auch feste Mauern zum Schwingen bringt. Die Historien der Kaffeehäuser, Kasernen, Gymnasien, Theater, Pensionen stehen für einen ungewöhnlich beweglichen, aber auch tragischen Ausschnitt Bukowiner und habsburgischer Geschichte der Zwischenkriegszeit bis zum Zweiten Weltkrieges mit seinem virulenten Antisemitismus.

Ein Überblick über die beeindruckende Zahl von in Czernowitz bis 1940 gedruckten Zeitungen und Zeitschriften verweist auf eine modellhafte Legende des Urbanen: auf eine in Mitteleuropa einzigartige kulturelle Realität, in deren plurikulturellem Kontext die deutsche Sprache als lingua franca im Kontakt zwischen Sprachen, Konfessionen, Kulturen fungierte.

Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl der Bukowina, zeugen diese Periodika von einer im Vergleich zu anderen europäischen Regionen ungewöhnlich hohen Dichte von Kommunikationsmedien. Darüber hinaus stellten die deutschsprachigen Zeitungen in Czernowitz einen Mikrokosmos dar, der den Makrokosmos der heterogenen mitteleuropäischen Region widerspiegelt: Hier kommt die besondere und weitreichende Orientierung der lokalen Stadtbevölkerung an den mitteleuropäischen Kulturmustern (Wien, Budapest, Prag) zum Ausdruck.

Fakt ist, dass die ehemalige Bukowina und deren Hauptstadt Czernowitz ein historisches Schicksal hatten, an dem sich in vielerlei Hinsicht das demographische, politische und konfessionelle Szenarium der letzten 250 Jahre in Mitteleuropa ablesen lässt. In ihrer geografischen Umgebung verlief die Entwicklung in vielem ähnlich, dennoch besitzt die Region eine unbestreitbare, aus ihrer Geschichte abzuleitende Individualität.

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war Czernowitz mit dreisprachigen Straßenschildern versehen – Rumänisch, Deutsch und Ruthenisch. Dieses teilweise auch aus der habsburgischen Herrschaft ererbte pluriethnische Ambiente zerfiel zusammen mit der Monarchie unaufhaltsam, in der Bukowina konnten die alten, infolge von Gewalt und Terror degradierten Strukturen in fremd gewordenen Landschaften nicht mehr aufrechterhalten werden.  Die menschliche Vernichtung und die Negation humaner Werte, die Deportationen und ein mehrfacher Exodus aus der Bukowina am Anfang des Zweiten Weltkrieges änderten zusätzlich ihre demographische, kulturelle und soziale Struktur massiv. Die Errichtung der kommunistischen Diktatur in beiden Teilen der zertrennten Provinz wandelte sie dann noch einmal, kaum weniger radikal. Die Konturen der mitteleuropäischen Welt der Kindheit und Jugend von Schriftstellern wie Gregor von Rezzori oder Georg Drozdowski waren für immer entschwunden.

 

Frau Dr. Cristina Spinei, Universität Iaşi, Rumänien, war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2017 als Stipendiatin an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: “Gruppenidentität in der Bukowina als kommunikative Konstruktion der Nation: Das Beispiel der Czernowitzer Presselandschaft (1890 – 1914)”

Aus dem Leben bemerkenswerter Menschen | Жизнь замечательных людей

1890 gab der russische Verleger und Publizist Florentij Fedorovič Pavlenkov die ersten beiden Biographien in der Reihe „Aus dem Leben bemerkenswerter Menschen“ in seinem Verlag „Obščestvennaja pol’za“ (Gemeinwohl) heraus. Damals war kaum absehbar, dass aus dieser Idee eine Publikationsreihe entstehen würde, in der noch mehr als 120 Jahre später Biographien herausragender Persönlichkeiten erscheinen würden. Pavlenkov veröffentlichte bis 1922 in der Reihe 198 Biographien mit einer Auflage von mehr als 1,5 Mio. Exemplaren. Die ersten Exemplare in der Staatsbibliothek wurden 1911 aus der Berliner „Lesehalle der Studierenden aus Russland“ übernommen.

Auf Anregung von Maxim Gorki wurde das Projekt 1933 wieder aufgenommen. Mit einer Biographie von Aleksandr Iosifovič Dejč über Heinrich Heine nahm eines der erfolgreichsten Editionsprojekte der Sowjetunion und des heutigen Russlands seinen Lauf. In den ersten Jahren erschienen die Ausgaben im Verlag „Žurnal’no-gazetnoe ob”edinenie“, seit 1938 im Verlag „Molodaja gvardija“. Heute erscheinen neben der „Serie Biographien“, in der bisher über 1500 Titel veröffentlicht wurden, noch eine „Kleine Serie“ und die Serie „Die Biographie geht weiter“.

Die Reihe diente auch als Vorbild für Sammelbiographien (Žizn zamečatelʹnych bol’ševikov. Leningrad, 1937. – Signatur: 3 A 146507; Žizn zamečatelʹnych ljudej Vladivostoka. Vladivostok, 2010. – Signatur: 3 A 187368; Žizn zamečatelʹnych kostromičej. Kostroma, 2003. – Signatur: 3 A 167858) und regionale Reihen wie z.B. Žiznʹ zamečatelʹnych uralʹcev (Ekaterinburg, 2011-; Signatur: 3 A 221989).

Die Staatsbibliothek zu Berlin strebt keine Vollständigkeit der Serie an. In der Erwerbungspolitik liegt das Augenmerk auf den Biographien von Persönlichkeiten, die für die Entwicklung Russlands oder der Sowjetunion, Osteuropas und der deutsch-russischen Beziehungen von Bedeutung sind.


Zum 120. Jahrestag der Serie erschien eine umfangreiche Bibliographie mit zahlreichen Informationen zur Geschichte der Reihe. Der Band ist im Osteuropa-Lesesaal einzusehen.

Gorelik, E. I.: Katalog “ŽZL” : 1890 – 2010 ; [120 let serii “ŽZL”].
Moskva : Molodaja Gvardija, 2010. – 412 S., [8] Bl. : zahlr. Ill.
(Žizn’ zamečatel’nych ljudej : Serija biografij ; 1436 = (1236)).
Signatur: OE LS DB c 415


Skabičevskij, Aleksandr Michajlovič: A. S. Puškin, ego žizń i literaturnaja dějatel’nost’

Skabičevskij, Aleksandr Michajlovič: A. S. Puškin, ego žizń i literaturnaja dějatel’nost’.
S.-Peterburg : Obščestvennaja Pol’za, 1891. – 80 S.
(Žizń zaměčatel’nych Ljudej)
Signatur: Ax 6691/20

«Пушкин – наше все» – Puschkin ist unser Alles. So formulierte der Schriftsteller, Literatur- und Theaterkritiker Apollon A. Grigor‘ev 1859 in seinem „Blick auf die russische Literatur seit Puschkins Tod“. Da überrascht es nicht, dass eine der frühen Biographien in der neu entstandenen Reihe eben diesem bedeutenden Dichter Russlands gewidmet wurde. Noch im November 1890 erteilte die Zensur die Genehmigung zur Herausgabe. Aber erst im Folgejahr erschien die Biographie des Literaturkritikers Skabičevskij auf dem Buchmarkt. Für Pavlenkovs biographische Reihe steuerte er auch Biographien über Nikolaj Dobroljubov und Aleksej Pisemskij bei (beide 1894 erschienen aber leider nicht in SBB vorhanden).


Dejč, Aleksandr Iosifovič: Genrich Gejne

Dejč, Aleksandr Iosifovič: Genrich Gejne.
Moskva : Žurnal’nogaz. Ob”edinenie, 1933. – 256 S. ; 8″
(Žizń zamečatel’nych ljudej ; 1/2)
Signatur: Au 8700/625

Bei der Wiederaufnahme der Reihe 1933 wurde die erste Biographie dem deutschen Dichter Heinrich Heine gewidmet. Die Namensliste der Mitglieder des Redaktionskollegiums für die neue Reihe liest sich wie ein „Who is who“ der sowjetischen Elite aus Politik, Wissenschaft und Kultur der 1930-er Jahre. Dies verdeutlicht die Ambitionen, mit denen Gorki die Herausgabe von Biographien bedeutender Persönlichkeiten vorantrieb. Er wollte einen Erfolg für dieses Editionsprojekt, in dem bedeutende Lebensleistungen von Einzelpersonen herausgestellt und somit ein Gegengewicht zu der dominierenden Rolle des Kollektivs im öffentlichen Bewusstsein geschaffen wurde. Die Heine-Biographie kam schon 1933 als Geschenk der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft in die Sammlungen der Preußischen Staatsbibliothek.


Vasʹkin, Aleksandr: Ščusev : zodčij vseja Rusi

Vasʹkin, Aleksandr: Ščusev : zodčij vseja Rusi.
Moskva : Molodaja gvardija, 2015. – 460 Seiten. : Illustrationen, Karten.
(Žizn’ zamečatel’nych ljudej : Serija biografij : Malaja serija ; vypusk 84)
Signatur: 3 A 224558

Der Begriff „Kleine Serie“ bezieht sich nicht unbedingt auf den Umfang sondern auf das kleinere Format der Bände. Ščusev ist heute dem westlichen Betrachter vor allem als Architekt des Lenin-Mausoleums auf dem Roten Platz in Moskau bekannt. Jedoch tat er sich schon vor den Revolutionen des Jahres 1917 bei Restaurierungen von russischen Kirchen hervor und errichtete den Kasaner Bahnhof in Moskau. In der Sowjetzeit wurde er zu einem der wichtigsten Architekten des Landes. Nach seinen Plänen entstand u.a. das Gebäude des Volkskommissariats für Landwirtschaft oder die Metrostation der Moskauer Ringbahn „Komsomolskaja“. Das Architekturmuseum in Moskau trägt heute seinen Namen.


Kijanskaja, Oksana Ivanovna: Dekabristy

Kijanskaja, Oksana Ivanovna: Dekabristy.
Moskva, 2015. – 380 S., [8] Bl. : Ill.
(Žiznʹ zamečatelʹnych ljudej : Serija biografij ; 1728 = (1528))
Signatur: 3 A 222221

Die Dekabristen waren eine Gruppe adliger russischer Offiziere, die am 14. (26.) Dezember 1825 den Eid auf Nikolaus I. verweigert und einen Aufstand gegen ihn angezettelt hatte. Dieser wurde unmittelbar und mit aller Härte nieder geschlagen. Fünf der Anführer wurden hingerichtet, hunderte Anhänger nach Sibirien verbannt oder ins Exil gedrängt. Die Dekabristen gelten in der russischen Geschichtsschreibung als frührevolutionäre Gruppe, die sich gegen die bestehende Form der Selbstherrschaft und die Leibeigenschaft in Russland stemmte. Die zur Verbannung nach Sibirien verurteilten Dekabristen leisteten in den Folgejahren einen erheblichen Beitrag zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung dieser abgelegenen Region. Sie blieben mit nicht verurteilten Sympathisanten in den Zentren Russlands in Verbindung und gerieten dadurch trotz der großen Entfernung nicht in Vergessenheit.


Aksenov, Gennadij Petrovič: Vernadskij.
Moskva : Molodaja Gvardija, 2001. – 484 S. : Ill.
(Žiznʹ zamečatelʹnych ljudej : Serija biografij ; 1000 = 800)
Signatur: 3 A 109321

Die Nummer 1000 der Reihe „Žiznʹ zamečatelʹnych ljudej” (Zählung seit 1890 unter Einschluss der zwischen 1890 und 1922 erschienenen Titel aus Pavlenkovs Reihe) bildet die von Gennadij Aksenov verfasste Biographie des Geologen Vladimir Ivanovič Vernadskij.


Micheenkov, Sergej Egorovič: Žukov : maršal na belom kone.
Moskva : Molodaja Gvardija, 2015. – 630 S. : Illustrationen.
(Serija Zizň zamečatelʹnych ljudej : Serija biografij ; vypusk 1723 (1523))
Signatur: 3 A 224729

Gorgij Žukov gehört zu den bekanntesten sowjetischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er hatte 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Berlin Karlshorst entgegen- und als „Marschall auf dem weißen Pferd“ die Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau abgenommen. Sein Lebensweg und seine Leistungen werden in zahlreichen Biographien immer wieder um neue Fakten und Vermutungen ergänzt und neu interpretiert.

Bildnachweis: Fotograf Olaf Hamann, Leiter der Osteuropa-Abteilung