Unsere Beiträge zu den Wissenschaften und Forschung

Annette von Droste-Hülshoff und die Staatsbibliothek

Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Universität Münster und der Droste-Stiftung haben am 19. November auf Burg Hülshoff bei Havixbeck (Kreis Coesfeld) die Ergänzungsvereinbarung zum Dauerleihvertrag über den „Meersburger Nachlass“ der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff unterzeichnet. Damit geben die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Eigentümerin und die Universität als langjährige Verwahrerin des Nachlasses der 2012 gegründeten Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung die Möglichkeit, Bestandteile des Konvolutes für Forschungs- und Ausstellungszwecke auf Burg Hülshoff auszuleihen. “Für die Droste-Stiftung ist dies ein weiterer wichtiger Schritt auf ihrem Weg, Burg Hülshoff als bedeutenden Literaturort in der Region zu etablieren”, so die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der Droste-Stiftung, Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

Darüber hinaus haben die Unterzeichner den dauerhaften Verbleib des „Meersburger Nachlasses“ in Münster bekräftigt. Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Universität Münster: “Ich freue mich, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erneut ein Zeichen gesetzt hat, den Nachlass dauerhaft in der Obhut der Universität Münster und hiermit in der Heimatregion der Droste zu belassen.” Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: “Westfalen ist der richtige, da authentische Ort für die Bewahrung des Droste-Nachlasses. Es ist daher ein konsequenter Schritt, die im Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befindlichen Schriften künftig nicht nur an der Universitätsbibliothek, sondern auch an dem Geburts- und Wohnort der Autorin für die Forschung und die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.”

Der „Meersburger Nachlass“ enthält Dokumente, die sich beim Tode der Annette von Droste-Hülshoff am 24. Mai 1848 in Meersburg befanden. Bis 1905 wurde der Nachlass von der Familie von Laßberg in Meersburg und anschließend bis 1967 von der Familie von Droste-Hülshoff in Haus Stapel bei Havixbeck verwahrt. 1967 wurde der Bestand unter der Federführung der Fritz-Thyssen-Stiftung für die öffentliche Hand erworben und für den symbolischen Kaufpreis von 1 Mark an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Die Schenkung war ein politischer Akt, um die Kulturbedeutung West-Berlins zu stärken. Das Konvolut sollte jedoch dauerhaft in Westfalen verwahrt bleiben. Der 1967 unterzeichnete Dauerleihvertrag mit der Westfälischen Wilhelms-Universität sicherte den Verbleib des Nachlasses in Münster. Er befindet sich seitdem als Dauerleihgabe der Berliner Staatsbibliothek – Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, wo er u.a. von der Droste-Forschungsstelle für die Herausgabe der Historisch-Kritischen Ausgabe der Werke der Droste genutzt wurde.

Die 2012 gegründete Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung hat den Auftrag, die mit dem Namen von Droste-Hülshoff verbundenen kultur- und literaturhistorischen Werte zu bewahren, zu fördern und zu vermitteln. Neben dem Erhalt der beiden authentischen Lebensorte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff – Burg Hülshoff bei Havixbeck und Haus Rüschhaus in Münster-Nienberge – ist es ein wesentliches Ziel der Stiftung, diese beiden Anwesen weiter zu entwickeln, stärker zu verbinden und als neuen Literaturort mit Strahlkraft zu etablieren. Die Ausbaupläne der Stiftung sehen u.a. den Umbau der Vorburg Hülshoff zu einem Kulturzentrum und die Umgestaltung des bestehenden Familienmuseums in der Hauptburg zu einem Droste-Literaturmuseum vor.

„Nomade wider Willen“ – Ein literarischer Abend in der Staatsbibliothek

Die Staatsbibliothek lud am 6. November zu einer Lesung von Texten des Autors Rudolf Frank (1886-1979) unter dem Titel „Nomade wider Willen“ in den Simon-Bolivar-Saal ein.

Der Abend stand unter der sinntragenden Überschrift „Nomade wider Willen“, ein Zitat aus Franks Auswandererroman „Ahnen und Enkel”, denn sie stellt eine doppelte – autobiografische und literarische – Referenz dar. Sie verweist zum einem auf das Schicksal Rudolf Franks, der bedroht und verfolgt, ins Exil getrieben wurde: 1936 nach Wien, 1938 aus Wien nach Zürich. Rudolf Frank akzeptierte das ihm aufgezwungene Leben als Nomade und deutete es positiv: als Schweizer Bürger blieb er Weltbürger, heimatlos und doch überall zuhause. Zum anderen wird das so verstandene Nomadentum zur literarischen Referenz: dies zeigt sich sehr deutlich in seinen Romanen. Gerade aus diesem Grund hatten wir uns entschieden, in dieser Veranstaltung nicht die Studien zum literarischen Werk Rudolf Franks in den Vordergrund zu stellen, die gerade in der Reihe der Staatsbibliothek unter dem Titel „Geschichten erzählen als Lebenshilfe – Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk Rudolf Franks“ erschienen sind, sondern Auszüge aus den Originaltexten Rudolf Franks zu lesen. Oder besser: lesen zu lassen. Es hat uns sehr gefreut, dass wir die Berliner Schauspielerinnen Monika Lennartz und Gundula Köster für diesen Abend gewinnen konnten. Und so bildeten den Schwerpunkt des literarischen Abends – ebenso wie des Tagungsbandes – die Texte, in denen Rudolf Frank schon frühzeitig vor Antisemitismus und den Schrecken des Krieges warnte und in denen er von seinen Exilerfahrungen berichtete.
Monika Lennartz und Gundula Köster lasen aus Franks 1931 erschienenem Jugendbuch „Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua“, das 1933 auf der Liste der verbotenen Jugendbücher stand, sowie aus seinem 1936 erschienenen Roman „Ahnen und Enkel“ – ergänzt um seine Autobiographie „Spielzeit meines Lebens“ (1960).
Mit diesem Werkstattgespräch fand eine Reihe von Aktivitäten der Staatsbibliothek rund um Rudolf Frank einen würdigen Abschluss: Den Auftakt hatte 2013 die Ausstellung „Ein sehr lebhaftes Vielerlei… – Der Theatermann und Schriftsteller Rudolf Frank“ gebildet, die von einem ganztägigen Symposium begleitet wurde, das Leben und Wirken Rudolf Franks unter dem politischen Einfluss seiner Zeit untersuchte. Die Ergebnisse dieser Tagung einerseits, ergänzt um Beträge weiterer Exilforscherinnen und -forscher, werden in dem kürzlich erschienenen Aufsatzband „Geschichten erzählen als Lebenshilfe“ dokumentiert.

Rudolf Frank – Geschichten erzählen als Lebenshilfe. Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk. Herausgegeben von Lutz Winckler in Zusammenarbeit mit Ursula Jäcker und Cornelia Kosmol. Berlin 2015 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Band 49)

Direkter Leihverkehrsservice des FID Recht geht an den Start

Mit dem direkten Leihverkehrsservice hat im Oktober 2015 ein weiteres Serviceangebot des Fachinformationsdienstes für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung seine Dienste aufgenommen.

Ziel dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes ist es, allen planmäßig Lehrenden an den rechtswissenschaftlichen Fakultäten deutscher Universitäten und Hochschulen die Möglichkeit einzuräumen, wissenschaftliche Spezialpublikationen aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin, die vor Ort nicht zugänglich sind, direkt beim Fachinformationsdienst Recht zu exklusiven Sonderkonditionen zu entleihen. Innerhalb weniger Tage können die Werke aus unseren Magazinen direkt an den gewünschten Ort geliefert werden!

Perspektivisch soll das Projekt in Kooperation mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Kompetenzzentrum zur Lizenzierung elektronischer Ressourcen um eine zusätzliche Serviceinfrastruktur erweitert werden: Den Benutzerinnen und Benutzern des direkten Leihverkehrs soll ein Zugriff auf nachfrageorientierte hochspezialisierte rechtswissenschaftliche Datenbanken, elektronische Zeitschriften und E-Book-Pakete zur Verfügung gestellt werden.