Literatur aus Südosteuropa – Neuerwerbungen der Osteuropa-Abteilung
Von Ivo Ulrich, Referent der Osteuropa-Abteilung
Dr. Zvonko Plepelić, geb. 30. November 1945 in Pleso, Kroatien, gest. 10. Januar 2018 in Berlin, war wissenschaftlicher Bibliothekar, Dichter, Übersetzer und ein stiller Mittler zwischen den Kulturen Südosteuropas und dem deutschsprachigen Raum.
Die Ausstellung würdigt den literarischen Nachlass von Zvonko Plepelić, der unlängst der Staatsbibliothek zu Berlin überreicht wurde. Unter den präsentierten Büchern befinden sich zwei eigene Werke sowie sechs Titel aus der Schenkung. Sie stehen stellvertretend für die 71 Bände umfassende Sammlung und zeigen sein breites Interesse – von südosteuropäischer Lyrik bis zu kulturhistorischen Texten. Gemeinsam zeichnen sie das Bild eines Autors, der zwischen Sprachen lebte und Literatur als Ort der Verständigung verstand.
Zvonko Plepelić hat Slawistik und Balkanologie an der FU Berlin studiert und arbeitete über Jahrzehnte als Fachreferent für Südosteuropa in der Osteuropa-Abteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Dort verband sich seine wissenschaftliche Tätigkeit mit einer tiefen persönlichen Beziehung zu den Literaturen des Balkans.
Neben seiner bibliothekarischen Arbeit entwickelte Plepelić ein vielseitiges literarisches Werk. Er schrieb Gedichte, Kurzprosa und Theaterstücke, in denen sich Alltagserfahrungen, Ironie und Melancholie begegnen.
Seine frühen Gedichtbände „Jedem das Seine oder auch nicht“ (1978) und „Du kommen um sieben“ (1980) zeigen bereits seinen eigenwilligen Ton zwischen Lakonie und existenzieller Schärfe. In den 80er Jahren widmete sich der Dichter Themen wie Migration, Sprache, Urbanität und Fremdsein. Als Kroate in Deutschland schrieb Plepelić aus der Perspektive eines Menschen, der zwischen zwei Welten lebt – nicht ganz hier, nicht mehr dort: „Niti ovdje – niti tamo“ (1981).
Mit „Marthas Kimono – Kurze Geschichten“ (1992) wandte er sich später der Prosa zu, und 1997 wurde sein Theaterstück „Ein Tisch muss her!“ in Berlin uraufgeführt. Einen späten Höhepunkt bildet der Gedichtband „Fakt ist – Gedichte zum Schunkeln“ (2016), in dem Ernst und leiser Humor eine besondere Spannung eingehen.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Bibliotheksdienst Ende 2010 widmete sich Plepelić verstärkt dem Übersetzen und übertrug unter anderem Gedichte von Neda Miranda Blažević (*1951), Vladimir Vidrić (1875-1909), Ante Stamać (1939-2016) und Stevan Tontić (1946-2022) ins Deutsche. (Verlinkungen: Stabikat)

© Lothar Schneeberger
Plepelić, Zvonko: Fakt ist. Gedichte zum Schunkeln.
Berlin : worttransport.de Verlag, 2016.
Signatur: 1 A 971369
Zvonko Plepelićs letztes Werk: Deutschland und Kroatien – Sonne, Mond und Sterne sowie andere Promis nebst vielen namenlosen Nebendarstellern, sie alle werden poetisiert und geben sich bei Zvonko Plepelić die Klinke in die Hand für diese Gedichte zum Schunkeln, damit der Genosse Kosmos weiter seinen sozialistischen Gang gehen kann.
Weitere Titel von Zvonko Plepelić finden Sie im Stabikat.
Weitere Informationen über Zvonko Plepelić in der Wikipedia.
Plepelić, Zvonko: Jedem das Seine oder auch nicht. Gedichte.
Berlin : Edition Neue Wege, 1978.
Signatur: 396377
Jedem das Seine oder auch nicht ist ein bedeutender Gedichtband der Migrantenliteratur, der die Erfahrungen von kroatischen Autoren im Deutschland der 1970er Jahre thematisiert. Er gilt als wichtiges Beispiel für die Literatur, in der Autoren aus dem ehemaligen Jugoslawien durch das Schreiben einen Weg aus der gesellschaftlichen Isolation suchten.
Karadžić, Vuk: Crven ban – erotske narodne pesme.
Beograd : Prosveta, 1980.
Signatur: 3 A 308520
Das Werk Crven ban (dt. Roter Ban) enthält eine Auswahl der von Vuk Stefanović Karadžić (1787-1864) gesammelten serbischen erotischen Volkslieder. Die Sammlung beinhaltet teils humorvolle und derbe Volksdichtungen, die Karadžić im 19. Jahrhundert aufzeichnete. Das Buch gilt heute als wertvolles sozialhistorisches Dokument, das eine entspanntere Haltung des Volkes zu Sexualität jenseits kirchlicher Normen zeigt.
Weitere Titel von und über Vuk Stefanović Karadžić finden Sie im Stabikat.
Weitere Informationen über Vuk Stefanović Karadžić in der Wikipedia: serbisch/deutsch
Šoljan, Antun: Drugi ljudi na Mjesecu – pustolovna priča.
Zagreb : Znanje, 1978.
Signatur: 3 A 308482
Drugi ljudi na Mjesecu [dt. Andere Menschen auf dem Mond] ist ein Kultroman der späten 1970er Jahre: eine Abenteuergeschichte mit Tiefgang, geprägt von Eskapismus und ironischer „Jeans-Prosa“. Hinter der scheinbaren Unbeschwertheit verbirgt sich eine leise Gesellschafts- und Sinnkritik. Trotz des Titels ist es kein klassischer Science-Fiction-Roman. Es geht eher um eine Allegorie auf die Gesellschaft, Freiheit und das „Anderssein“.
Weitere Titel von Antun Šoljan finden Sie im Stabikat.
Informationen über Antun Šoljan in der Wikipedia: englisch/kroatisch
Kušan, Ivan: Toranj – ljetopis za razbibrigu.
Zagreb : Kolo, 1970.
Signatur: 3 A 308524
Kušans (1933-2012) erwachsene Prosa kulminiert in dieser satirisch-grotesken Parabel über Sinn und Macht der „großen Projekte“. Er thematisiert darin politische Megalomanie und die Korruption im sozialistischen Alltag. Der „Turm“ steht als Symbol für leere Versprechungen und das Scheitern utopischer Projekte. Toranj (dt. Der Turm) wird als einer der starken kroatischen Romane der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewertet.
Weitere Titel von Ivan Kušan im Stabikat.
Informationen über Ivan Kušan in der Wikipedia: englisch/kroatisch
Raos, Ivan: Gastarbajteri.
Zagreb : Globus, 1982.
Signatur: 3 A 308526
Ivan Raos’ Gastarbajteri bietet einen prägnanten Prosablick auf das Gastarbeiter-Phänomen im kroatisch-jugoslawischen Kontext. Als Schlüsseltext zu Arbeit, Identität und Mobilität beleuchtet er die Zerrissenheit zwischen dalmatinischer Heimat und der Fremde. Mit Tragikomik und scharfem Blick für soziale Realitäten analysiert Raos (1921-1987) meisterhaft den kulturellen Wandel jener Ära.
Weitere Titel von Ivan Raos finden Sie im Stabikat.
Informationen über Ivan Raos in der Wikipedia: kroatisch
Golob, Zvonimir: Kao stotinu ruža – pjesme i šansone.
Zagreb : Naklada autora, 1970.
Signatur: 3 A 308525
Kao stotinu ruža [dt. Wie hundert Rosen] ist einer der populärsten kroatischen Lyrikbände (Erstausgabe in nummerierter Auflage, bibliophil). Das Werk vereint Golobs (1927-1997) melancholische Chanson-Poesie mit Jozo Ćetković‘s (1940-1986) atmosphärischer Aktfotografie zu einer ästhetischen Einheit. Es gilt als Meilenstein der kroatischen Bibliophilie und prägte die Liebeslyrik der 70er Jahre nachhaltig.
Weitere Titel von Zvonimir Golob finden Sie im Stabikat.
Informationen über Zvonimir Golob in der Wikipedia: kroatisch
Kaštelan, Jure: Divlje oko – pjesme.
Zagreb : Znanje, 1978.
Signatur: 3 A 308481
Mit Divlje oko [dt. Wildes Auge] präsentiert sich die späte Sammlung des großen Modernisten Jure Kaštelan (1919-1990). Er verschiebt seine Poetik hier in Richtung Symbolik und Mythopoetik – dichter und bildstärker. Kaštelan löst sich von Realismen und erschafft eine visionäre Welt voller archaischer Kraft. Das Werk gilt als Essenz seines Schaffens und festigte seinen Ruf als einer der bedeutendsten Lyriker Kroatiens.
Weitere Titel von Jure Kaštelan finden Sie im Stabikat.
Informationen über Jure Kaštelan in der Wikipedia: englisch/kroatisch
Marulić, Marko: De institutione bene vivendi per exempla santorum.
Split : Književni Krug, 1987.
Signatur: 3 A 7146-5,2
Es handelt sich um das moraltheologische Hauptwerk der Renaissance und ist Marulić‘s (1450-1524) weltweit erfolgreichstes Buch, das als Leitfaden für ein christliches Leben dient. Durch die Übersetzung und Kommentierung von Branimir Glavičić (1926-2010) wurde dieser lateinische Klassiker der kroatischen Kultur neu erschlossen. Das Werk verbindet antike Gelehrsamkeit mit hagiografischen Beispielen und prägte die europäische Spiritualität.
Weitere Titel von Marko Marulić finden Sie im Stabikat.
Informationen über Marko Marulić in der Wikipedia: deutsch/kroatisch
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Kontakt und Wissenswertes zum Thema
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Bildnachweis Sabine Kaiser, Lizenz CC BY-NC-SA 4.0
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Bildauschnitt: Anfang des Lukas-Evangeliums von Petr Mstislavec, Wilna 1575

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