• BLOG-NETZWERK FÜR FORSCHUNG UND KULTUR
SBB aktuell
  • FOYER
  • SERVICE
  • IT-INNOVATION
  • WISSEN
  • FEUILLETON
  • Menü Menü

Stabi goes Shellac – historische Tondokumente online

07.01.2026/0 Kommentare/in Feuilleton, Foyer, Musik, SBB-Startseite/von Julia Odenbreit

Wir setzen unsere Schellack-Blogreihe fort mit zwei Beiträgen zum Komponisten Walter Kollo (1878-1940), der die Berliner Unterhaltungsmusik zwischen 1907 und 1935 maßgeblich mitbestimmt hat.

Walter Kollo (Elimar Walter Kollodziezyski) kam am 28. Januar 1878 im ostpreußischen Neidenburg als Sohn eines Kaufmanns und einer Konzertpianistin zur Welt. Seine Kaufmannslehre brach er zur Enttäuschung seines Vaters ab und trat stattdessen in die Fußstapfen seiner Mutter, die sein musikalisches Talent fortan alleine unterstützte. Er nahm ein Studium der Kirchenmusik am Fürstlichen Konservatorium von Sondershausen auf, wo er das kompositorische Handwerk unter anderem bei Carl Schröder erlernte. Nach ersten beruflichen Stationen in Königsberg und Stettin zog er 1906 mit seiner Frau, der Chansonette Mizzi Josetti, und seinem zweijährigen Sohn nach Berlin, wo die junge Familie sich in eine Mietwohnung in der Potsdamer Straße am Bülowplatz einquartierte.

Anfangsjahre in Berlin

Zu Anfang zog Walter Kollo als Pianist durch die Varietés und einfachen Lokale im proletarischen Berliner Südosten, wo er die Bühnenshows am Klavier begleitete. Im Sommervarieté in der Hasenheide lernte er den Komiker und Liedtexter Hermann Frey (1876-1950) kennen. Zwischen beiden entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit und Walter Kollo komponierte zunächst mehrere Tanzmelodien und Couplets auf Texte seines neu gewonnenen Freundes wie „Das Schmackeduzchen“, „Immer an der Wand lang“ (beide 1907) und „Komm hilf mir mal die Rolle drehn“, um nur einige zu nennen.

Audio anhören: „Immer an der Wand lang“

 

Etikett der Schellackplatte Homokord

Platte Homokord, 1908

 

Audio anhören: „Komm hilf mir mal die Rolle drehn!“

 

Etikett der Schellackplatte abgebildet

Platte Ultima, ca. 1909

 

 

Walter Kollo und Claire Waldoff

Am Kabarett zum Roland von Berlin, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kollos Wohnung lag, war die damals noch unbekannte Kabarettkünstlerin Claire Waldoff (1888-1957) engagiert und Walter Kollo ließ sich im Herbst 1907 dazu überreden, für sie ein Lied zu vertonen. „Das Schmackeduzchen“ wurde für beide zur Geburtsstunde ihrer musikalischen Erfolge in Berlin.

Claire Waldoff wechselte fortan ihr Repertoire und wurde als Sängerin weltberühmt mit den zahlreichen Couplets und Operetteneinaktern, die Walter Kollo für sie komponierte. Ebenso verhalf Claire Waldoff mit ihrer ‚kessen Schnauze‘, ihrem grölenden Organ und ihrer hinreißenden Komik den Liedern und Operetten Walter Kollos zum Erfolg. Beide verband eine lebenslange Freundschaft.

Titelblatt des Notendrucks, Abbildung von Claire Waldoff

Notenpartitur, Harmonie-Verlag, 1910

Claire Waldoff faszinierte das Berliner Publikum mit ihrer rauen Stimme, die in unerwartetem Kontrast zu ihrer zarten Erscheinung stand. Ein Charakteristikum ihrer Vortragsweise war der Parlando-Stil – einer Art Sprechgesang – was ihr den Ruf des „weiblichen Otto Reutters“ einbrachte. Hören Sie hier als Beispiel zwei ihrer Aufnahmen aus dem Jahr 1911 im Alter von 26 Jahren.

Audio: „Nach meine Beene is ja janz Berlin verrückt“ und „Was liegt bei Lehmann unterm Apfelbaum?“

 

Kollo, Zille, Frey

Eine enge Freundschaft pflegte Walter Kollo auch mit dem Zeichner Heinrich Zille (1858-1929). Beide trafen sich im Milieu des einfachen Berliner Volkes, der Kneipe, im Grünen oder dem Tanzlokal, wo sie den derben, aber herzhaften Berliner Umgangston studierten, die Berliner Seele und den Berliner Humor, der alsbald in die Zeichnungen Zilles ebenso einfloss wie in Kollos Musik.
Auch Hermann Frey war seit 1914 mit Heinrich Zille befreundet und er steuerte die Texte zu den Volksliedern bei, die Kollo zum Leben erweckte mit eingängigen Melodien, die jeder schnell mitsingen konnte.

Hier zwei Lieder über Maxe, das Tanzgenie, und die Großstadtpflanze Wanda Schmidt, hier zu hören in der Besetzung mit Blasorchester und Refraingesang.

Audio anhören: „Schiebermaxe“ und „Ach liebe Wanda“

 

Etikett der Schellackplatte abgebildet

Platte Artiphon, 1919

Die Notendrucke sind erschienen im Kollo-Verlag. Auf dem Titelblatt eine Karikatur von Hermann Frey, gezeichnet von Zille 1917

Titelblatt des Notendrucks mit Zeichnung von Zille
Partitur, Kollo-Verlag, 1919
Titelblatt des Notendrucks "Ach liebe Wanda"
Partitur, Kollo-Verlag, 1919

 

Kollos erfolgreichste Zeit als Operetten-Komponist in Berlin begann jedoch 1910, als er als Hauskomponist am Berliner Theater in der Charlottenstraße angestellt wurde. Im nächsten Beitrag unserer Schellack-Reihe erfahren Sie dazu mehr.

Schlagworte: Berliner Operette, Digitalisierung, sbb online offen, Schellackplatte, Walter Kollo
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Auf WhatsApp teilen
  • Teilen auf Pinterest
  • Teilen auf LinkedIn
  • Teilen auf Tumblr
  • Teilen auf Vk
  • Teilen auf Reddit
  • Per E-Mail teilen
https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/Vorschlag-Titelbild.jpg 406 802 Julia Odenbreit https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/stabi-logo-kante.png Julia Odenbreit2026-01-07 16:50:502026-07-21 17:00:42Stabi goes Shellac – historische Tondokumente online
Das könnte Sie auch interessieren
ALTO XML Schema SBB engagiert sich im ALTO Board
Bestellung von Reproduktionen | Ordering reproductions
Weltweit einzigartig und jetzt online: Das Klugsche Gesangbuch von 1533 – eine Kooperation der Staatsbibliothek zu Berlin mit der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Druck-Alphabete für die Alphabetisierung – historische Schriftproben in der museumspädagogischen Praxis
The Tempest Digitale Lektüretipps 7 – Hey Nonny, Nonny: Shakespeare digital, auch und gerade jetzt
RetrodigitalisierungSBB I Hagen Immel CC NC-BY-SA Registrierung für den 3. Workshop Retrodigitalisierung geöffnet
Die Sichtbarmachung des Sichtbaren – Berlins typografisches Kulturerbe im Open Access
Jahrspalterei – unsere digitalisierten Jahresberichte deutscher Handelskammern in einem Benchmarking-Datenset historischer Tabellen (1750–1990)
0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Search Search

Kommentare:

  • Anna bei Neue Trinkwasserspender für alle | New Drinking Water Dispensers for All
  • Thomas Parschik bei Röntgentermin für den Pharao
  • SuK bei Wissenshunger stillen ohne Krümel | Feed Your Hunger for Knowledge — Without the Crumbs
  • Thomas Parschik bei Tollkühne Frauen und Männer und fliegende Kisten
  • Benutzungskommunikation bei Wissenshunger stillen ohne Krümel | Feed Your Hunger for Knowledge — Without the Crumbs

Schlagwörter

Ausbildung Ausleihe Ausstellung Benutzung Benutzungseinschränkung Bilderbuch Buchpatenschaft CrossAsia Datenbank digitale Lektüretipps Digitalisierung E.T.A. Hoffmann Fachinformation Freunde der Staatsbibliothek Geschichte Hinweis Import Jugendbuch Kinderbuch Kulturelles Erbe Lesesaal Martin Luther Materialität Musik Osteuropa Presse Promovierende Provenienzforschung Recherche Recht Rechtsforschung Rechtswissenschaften Reformation Restaurierung sbb online offen Service Servicezeiten Slawistik Stipendienprogramm Werkstattgespräch Wissenswerkstatt Workshop Zeitschriftendatenbank Zeitungen Öffnungszeiten

Unsere Blogs

  • E. T. A. HOFFMANN PORTAL
  • FEUILLETON
  • FOYER
  • FREUNDE DER BIBLIOTHEK
  • HISTORISCHE DRUCKE
  • INKUNABELN
  • IT-INNOVATION
  • KARTEN
  • MUSIK
  • ORIENT
  • PODCAST
  • PRESSE
  • SERVICE
  • TERMINE
  • WISSEN

Suche über alle Beiträge:

Search Search

Folgen Sie uns auf Instagram

Folgen Sie uns auf Bluesky

Folgen Sie uns auf Mastodon

Besuchen Sie uns auf Youtube

ARCHIV ALLER BLOGBEITRÄGE

Zum Kalender
© Copyright - Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • RSS-Feeds abonnieren
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Erklärung zur Barrierefreiheit
  • Barriere melden
Link to: Neues Jahr, neue Räume: Wien und Venedig öffnen ab 5. Januar mit neuem Konzept | <span lang="en">New Year, New Rooms: Wien and Venedig Reopen With a New Concept</span> Link to: Neues Jahr, neue Räume: Wien und Venedig öffnen ab 5. Januar mit neuem Konzept | <span lang="en">New Year, New Rooms: Wien and Venedig Reopen With a New Concept</span> Neues Jahr, neue Räume: Wien und Venedig öffnen ab 5. Januar mit neuem Konzept...StabiBoxen in VenedigCC-BY SA Link to: Symposium „Zettelkataloge“ Link to: Symposium „Zettelkataloge“ Symposium „Zettelkataloge“
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen