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Ein Abend für E.T.A. Hoffmann

Am 12. Dezember feierte die Staatsbibliothek zu Berlin den Launch des E.T.A. Hoffmann Portals in einer Festveranstaltung mit mehr als 250 Gästen. Schon vor Beginn des offiziellen Programms betrachteten sie ausgewählte Originaldokumente zu E.T.A. Hoffmann und erkundeten die digitale Präsentation dieser Objekte im neuen Webportal.

Nach Grußworten von Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, sowie Dr. Bettina Wagner, Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg, und Jörg Petzel, Vizepräsident der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, stellten Ursula Jäcker und Christina Schmitz die Kernelemente und einige ausgewählte Funktionen des E.T.A. Hoffmann Portals vor. Bei inzwischen mehr als 100 einzelnen Webseiten konnte dies nur ein kleiner Einblick in die umfangreichen Inhalte und Funktionen sein.

Im Anschluss zeigte Prof. Dr. Claudia Liebrand von der Universität zu Köln am Beispiel von neueren Publikationen zu E.T.A. Hoffmanns “Sandmann” einige Trends der aktuellen Hoffmann-Forschung auf, während Sibylle Söring vom Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin den Mehrwert von digitalen Angeboten in der geisteswissenschaftlichen Forschung herausstellte.

Besonders berührend war die musikalische Darbietung von zwei ausgewählten Stücken aus den ‘Duettini italiani’ (WV 67), denn nur selten hat man Gelegenheit zu hören, ‘wie Hoffmann klingt’: Seine Kompositionen werden leider viel zu selten aufgeführt.

Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Ingo Schulze. Der merklich von E.T.A. Hoffmann beeinflusste Autor las aus seinen eigenen sowie aus Hoffmanns Werken und unterhielt sich mit Christina Schmitz, Projektleiterin des E.T.A. Hoffmann Portals, über sein Leben, seine Arbeitsweise als Schriftsteller und den Einfluss E.T.A. Hoffmanns auf sein Schaffen.

Bei einem Glas Wein oder Sekt, spendiert von E.T.A. Hoffmanns altem Stammgasthaus Lutter & Wegner, tauschten sich die Gäste über ihre Eindrücke aus, ließen neu erstandene Bücher signieren und stöberten an PC-Stationen durch das E.T.A. Hoffmann Portal.

 

 

Sie haben jetzt das Nachsehen – unser Podiumsgespräch zum kreativen Potential von Bibliothekslesesälen nun auch auf Video

Autoren schreiben keine Bücher: nein, sie schreiben Texte, die zu gedruckten Objekten werden. Mit dieser pointierten Kurzformel sensibilisiert der französische Buchhistoriker Roger Chartier dafür, dass Texte erst in Druckereien, Verlagen, Buchhandlungen und gleichermaßen an der Ladenkasse sowie in Feuilleton und Lesesessel zu Büchern gemacht werden. Doch sind nicht auch wissenschaftliche ebenso wie literarische Texte – ganz im Sinne der critique génétique – das Produkt sozialer Beziehungssysteme?

Dieser Frage, die letztlich auf die Dekonstruktion des romantischen Geniekults und zumindest auf die Relativierung der Vorstellung vom schöpferischen Individuum zielt, ging am vergangenen Dienstag ein prominent besetztes Podium nach. Auf diesem nahmen neben Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin und Moderatorin des Gesprächs, die folgenden Gäste aus Wissenschaft, Literaturbetrieb und Berliner Gründerszene Platz:

  • Anke te Heesen
    (Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Martina Löw
    (Professorin für Planungs- und Architektursoziologie an der Technischen Universität Berlin)
  • Judith Schalansky
    (Freie Schriftstellerin und Buchgestalterin)
  • Lea Schneider
    (Lyrikerin, Übersetzerin und Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13)
  • Tobias Kremkau
    (Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Instituts für Neue Arbeit)
  • Stephan Porombka
    (Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin)

Strukturiert wurde das gemeinsame öffentliche Nachdenken von der Leitthese, Bibliothekslesesäle seien gerade aufgrund ihrer charakteristischen Gleichzeitigkeit von Konzentration und Austausch Räume der Kreativität und gewissermaßen Coworking Spaces avant la lettre. Dabei kamen die disziplinierenden Effekte des Schreibens in Gemeinschaft und durchaus auch in Konkurrenz zu den übrigen Anwesenden ebenso zur Sprache wie die schöpferischen Impulse aus bloßem Zufall gepflückter Lesefrüchte. Sind Lesesäle ausschließlich Räume textueller bzw. buchbezogener Kreativität? Oder können sie auch künstlerische Schaffensprozesse stimulieren?

Als Schutzpatron schwebte jedenfalls von den ersten Minuten an Michel Foucault über der Diskussion – und dies keineswegs nur mit Blick auf die angesprochenen Aspekte von Disziplinierung und Selbstregulierung. Denn einig war sich das gesamte Podium in der Einschätzung, dass Bibliothekslesesälen oder anderen nichtkommerzialisierten, mit kulturellen Bedeutungsgehalten aufgeladenen und insofern inspirierenden gesellschaftlichen Gegenräumen – Michel Foucault spricht in diesem Zusammenhang von “Heterotopien” bzw. “lokalisierten Utopien” – auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung eine große Zukunft beschieden ist.

Bereits in naher Zukunft – dies sei Ihnen mit Freude beschieden – wird ein Videomitschnitt des Gesprächsabends auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht. Ganz gleich, ob Sie sich die Aufzeichnung im Lesesaal oder im Coworking Space, alleine oder in Gesellschaft ansehen: Wir wünschen anregende Unterhaltung!

Um Ihnen bis dahin die Wartezeit etwas zu verkürzen, möchten wir Ihnen zum Schluss noch einige Ap­pe­tit­häp­pchen bzw. Gus­to­stü­ckerl servieren – in Form von O-Tönen, die wir in Hans Scharouns Leselandschaft, dem ikonischen Lesesaal unseres Hauses Potsdamer Straße, für Sie erlauscht haben:

 

„Vor dem Hintergrund meiner zwei liebsten Vorbilder stelle ich mir mit einiger Verzweiflung die Frage – und sitze dabei als winziger Mensch in der Stabi zwischen Hunderten, die in ihren Laptops und Büchern vergraben tätig sind und anscheinend schon irgendeinen Leitfaden für ihre Arbeit gefunden haben, und raufe mir die Haare, was nur sieht, wer aufschaut – wie, frage ich mich, bringt man um alle Welt den Eifer auf, wirklich gut zu schreiben? Und wie verwandelt man ihn in die Praxis?“ (Ann Cotten)

 

„Meine letzten beiden Bücher sind zum größten Teil in der Berliner Staatsbibliothek am Potsdamer Platz entstanden. So ist mir diese Bibliothek zu einem fast mystischen Ort geworden, jenem nämlich, wo schon zweimal etwas Großes, Schweres gelungen ist. […]

Inzwischen halte ich öffentliche Bibliotheken für den perfekten, den logischen und naturgemäßen Arbeitsplatz für Schriftsteller. […]

Ich liebe die Stabi, mit geringeren Worten kann ich es nicht sagen. Sie ist mein Ruhe- und mein Kraftzentrum, die perfekte Mischung aus Gesellschaft und Konzentration, aus Unpersönlichkeit und Geborgenheit, aus Lust, Sucht und Qual.“ (Eva Menasse)

 

„Undenkbar, dass ich ohne diesen Ort auch nur eines meiner Bücher geschrieben hätte. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich mich nicht hierher begebe.“ […]

Manchmal schiele ich auf den Nachbartisch, lese die abenteuerlich anmutenden Arbeitstitel der im Entstehen begriffenen Forschung und ertappe mich dabei zu überlegen, wer das alles lesen soll. Doch […] dann […] weiß ich wieder, dass das letztendlich gar nicht so wichtig ist. Die Hauptsache ist, dass wir weitermachen. Hier, in der Staatsbibliothek.“ (Judith Schalansky)

 

„Morgens fahre ich zum Arbeiten meist in die Staatsbibliothek, weil ich mich dort besser konzentrieren kann als zu Hause, da schmiere ich mir nur immer zu viele Brote zwischen dem Schreiben oder wasche Wäsche. […]

„Verena sagt, es gibt viele von uns hier, Schriftstellerinnen.“ (Stefanie de Velasco, in: Zitty 2017/33, S. 78)

 

 

Im Schreibkollektiv der Einzelnen – ein Podiumsgespräch zum kreativen Potential von Bibliothekslesesälen

Autoren schreiben keine Bücher: nein, sie schreiben Texte, die zu gedruckten Objekten werden. Mit dieser pointierten Kurzformel sensibilisiert der französische Buchhistoriker Roger Chartier dafür, dass Texte erst in Druckereien, Verlagen, Buchhandlungen und gleichermaßen an der Ladenkasse sowie in Feuilleton und Lesesessel zu Büchern gemacht werden. Doch sind nicht auch wissenschaftliche ebenso wie literarische Texte – ganz im Sinne der critique génétique – das Produkt sozialer Beziehungssysteme?

Dieser Frage, die letztlich auf die Dekonstruktion des romantischen Geniekults und zumindest auf die Relativierung der Vorstellung vom schöpferischen Individuum zielt, ging am vergangenen Dienstag ein prominent besetztes Podium nach. Auf diesem nahmen neben Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin und Moderatorin des Gesprächs, die folgenden Gäste aus Wissenschaft, Literaturbetrieb und Berliner Gründerszene Platz:

  • Anke te Heesen
    (Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Martina Löw
    (Professorin für Planungs- und Architektursoziologie an der Technischen Universität Berlin)
  • Judith Schalansky
    (Freie Schriftstellerin und Buchgestalterin)
  • Lea Schneider
    (Lyrikerin, Übersetzerin und Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13)
  • Tobias Kremkau
    (Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Instituts für Neue Arbeit)
  • Stephan Porombka
    (Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin)

Strukturiert wurde das gemeinsame öffentliche Nachdenken von der Leitthese, Bibliothekslesesäle seien gerade aufgrund ihrer charakteristischen Gleichzeitigkeit von Konzentration und Austausch Räume der Kreativität und gewissermaßen Coworking Spaces avant la lettre. Dabei kamen die disziplinierenden Effekte des Schreibens in Gemeinschaft und durchaus auch in Konkurrenz zu den übrigen Anwesenden ebenso zur Sprache wie die schöpferischen Impulse aus bloßem Zufall gepflückter Lesefrüchte. Sind Lesesäle ausschließlich Räume textueller bzw. buchbezogener Kreativität? Oder können sie auch künstlerische Schaffensprozesse stimulieren?

Als Schutzpatron schwebte jedenfalls von den ersten Minuten an Michel Foucault über der Diskussion – und dies keineswegs nur mit Blick auf die angesprochenen Aspekte von Disziplinierung und Selbstregulierung. Denn einig war sich das gesamte Podium in der Einschätzung, dass Bibliothekslesesälen oder anderen nichtkommerzialisierten, mit kulturellen Bedeutungsgehalten aufgeladenen und insofern inspirierenden gesellschaftlichen Gegenräumen – Michel Foucault spricht in diesem Zusammenhang von “Heterotopien” bzw. “lokalisierten Utopien” – auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung eine große Zukunft beschieden ist.

Bereits in naher Zukunft – dies sei Ihnen mit Freude beschieden – wird ein Videomitschnitt des Gesprächsabends auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht. Ganz gleich, ob Sie sich die Aufzeichnung im Lesesaal oder im Coworking Space, alleine oder in Gesellschaft ansehen: Wir wünschen anregende Unterhaltung!

Um Ihnen bis dahin die Wartezeit etwas zu verkürzen, möchten wir Ihnen zum Schluss noch einige Ap­pe­tit­häp­pchen bzw. Gus­to­stü­ckerl servieren – in Form von O-Tönen, die wir in Hans Scharouns Leselandschaft, dem ikonischen Lesesaal unseres Hauses Potsdamer Straße, für Sie erlauscht haben:

 

„Vor dem Hintergrund meiner zwei liebsten Vorbilder stelle ich mir mit einiger Verzweiflung die Frage – und sitze dabei als winziger Mensch in der Stabi zwischen Hunderten, die in ihren Laptops und Büchern vergraben tätig sind und anscheinend schon irgendeinen Leitfaden für ihre Arbeit gefunden haben, und raufe mir die Haare, was nur sieht, wer aufschaut – wie, frage ich mich, bringt man um alle Welt den Eifer auf, wirklich gut zu schreiben? Und wie verwandelt man ihn in die Praxis?“ (Ann Cotten)

 

„Meine letzten beiden Bücher sind zum größten Teil in der Berliner Staatsbibliothek am Potsdamer Platz entstanden. So ist mir diese Bibliothek zu einem fast mystischen Ort geworden, jenem nämlich, wo schon zweimal etwas Großes, Schweres gelungen ist. […]

Inzwischen halte ich öffentliche Bibliotheken für den perfekten, den logischen und naturgemäßen Arbeitsplatz für Schriftsteller. […]

Ich liebe die Stabi, mit geringeren Worten kann ich es nicht sagen. Sie ist mein Ruhe- und mein Kraftzentrum, die perfekte Mischung aus Gesellschaft und Konzentration, aus Unpersönlichkeit und Geborgenheit, aus Lust, Sucht und Qual.“ (Eva Menasse)

 

„Undenkbar, dass ich ohne diesen Ort auch nur eines meiner Bücher geschrieben hätte. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich mich nicht hierher begebe.“ […]

Manchmal schiele ich auf den Nachbartisch, lese die abenteuerlich anmutenden Arbeitstitel der im Entstehen begriffenen Forschung und ertappe mich dabei zu überlegen, wer das alles lesen soll. Doch […] dann […] weiß ich wieder, dass das letztendlich gar nicht so wichtig ist. Die Hauptsache ist, dass wir weitermachen. Hier, in der Staatsbibliothek.“ (Judith Schalansky)

 

„Morgens fahre ich zum Arbeiten meist in die Staatsbibliothek, weil ich mich dort besser konzentrieren kann als zu Hause, da schmiere ich mir nur immer zu viele Brote zwischen dem Schreiben oder wasche Wäsche. […]

„Verena sagt, es gibt viele von uns hier, Schriftstellerinnen.“ (Stefanie de Velasco, in: Zitty 2017/33, S. 78)

 

 

Events

Bildausschnitt: Aquarell Breslau, Zuchthaus. Aus: Stridbeck, Johann: Skizzenbuch : Ms. boruss. qu. 9a , 1691 - Staatsbibliothek zu Berlin - PK

Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel: Werkstattgespräch am 1.11.

… höchst talentvolle Improvisatoren ihres Lebens … – Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel

  • Veranstaltung

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  • Termin

    Mi, 01. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



Bildausschnitt: Aquarell Breslau, Zuchthaus. Aus: Stridbeck, Johann: Skizzenbuch : Ms. boruss. qu. 9a , 1691 - Staatsbibliothek zu Berlin - PK


Werkstattgespräch mit Dr. Agata Czarkowska
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine ein Künstler, Erfinder, Dichter, der immer wieder etwas Neues geschaffen hat, aber auch immer wieder spektakulär gescheitert ist. Der andere ein akribischer Wissenschaftler und Germanist mit der Seele eines Rabauken. August Kopisch und Wilhelm Wackernagel. Ein gemeinsamer Punkt? Fehlanzeige, würde man auf den ersten Blick rufen. Kopisch, der als Maler Karriere machte, bereiste Mitte des XIX. Jahrhundert die italienische Küste, gilt sogar als Entdecker der sogenannten Blauen Grotte (Grotta Azzurra). Wackernagel wurde zu einem der etabliertesten Schweizer Professoren. Doch wer tiefer gräbt, findet immer etwas: Breslau. Die Stadt „am Rande des Reiches, fern von gebildeten Menschen…“, wie man in Reisetagebüchern vor 300 Jahren schrieb, nimmt tatsächlich einen wichtigen Platz in den Lebensläufen der beiden ein. Die Herren haben in der Breslauer Zeitung Rezensionen und Streitbriefe veröffentlicht, waren rege Akteure des Breslauer Vereinswesens, mit Mitgliedschaften in der sogenannten Zwecklosen Gesellschaft oder dem Breslauer Künstlerverein. In dem Vortrag wird versucht, den Bildungs- und künstlerischen Weg der beiden zu rekonstruieren, und zwar mit spezifischem Blick auf die Stadt, die 2016 Kulturhauptstadt Europas war.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.
Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

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SBB-PK CC BY-NC-SA

Der Roman als Buch. Werkstattgespräch am 7.11.

Der Roman als Buch. Seitenkomposition im Gegenwartsroman: Werkstattgespräch am 7.11., 18.15 Uhr

  • Veranstaltung

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  • Termin

    Di, 07. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



SBB-PK CC BY-NC-SA


Dr. Thomas Boyken, Eberhard Karls Universität Tübingen

Seit 2000 trifft man in zahlreichen deutschsprachigen Gegenwartsromanen auf typographische Auffälligkeiten, die mit der Vorstellung eines linear-gleichförmigen Romantextes brechen: Im Ungeheuer (2013) von Terézia Mora geht ein horizontaler Strich durch den ganzen Roman und teilt die Geschichte in zwei Teile; in Jan Brandts Gegen die Welt (2011) entfärbt sich die Schrift, bis die Seite leer ist; David Wagner setzt in Leben (2013) eine schwarze Seite ein, um die Leerstelle einer Operation zu markieren; Nis-Momme Stockmanns Der Fuchs (2016) durchziehen mehrere vertikale Linien den Roman, um unterschiedliche Zeitebenen anzuzeigen; Albrecht Selge lässt die Buchstaben aus der Reihe tanzen, wenn die alkoholisierten Figuren zu lallen beginnen und in Die Unglückseligen (2016) bittet der Teufel den Setzer des Buches, das wir soeben in den Händen halten, das kleine „Frakturproblem“ zu lösen – gemeint ist freilich kein Knochenbruch, sondern die vom Teufel unterstellte Inkompetenz des Lesers, den bis dahin in gebrochener Schrifttype präsentierten Text überhaupt lesen zu können.
Handelt es sich bei solchen Darstellungsweisen um Spielereien neuerer Romane? Oder wird in den genannten Beispielen die semiotisch-materielle Modellierung des Romans als Buch produktiv für die Erzählung genutzt? Am Beispiel aktueller Gegenwartsromane möchte ich in diesem Kontext diese und weitere Fragen in den Blick nehmen: In welche Richtung entwickelt sich das zeitgenössische Romanverständnis insbesondere im Spannungsverhältnis von Illusionismus und Anti-Illusionismus. Welche Auswirkungen haben die medientechnischen Entwicklungen auf die Form des Romans? Auch die poetologische, gattungstheoretische und medientechnische Traditionslinie, in die sich diese Romane stellen, wäre zu diskutieren. Können die ‚Romanexperimente‘ provozieren und Neuerungen anstoßen? Handelt es sich vielleicht weniger um ‚Romanexperimente‘ als vielmehr um die Wiederentdeckung des Buchs in der Poetik des Romans?

Obwohl die Digitalisierung, so meine Ausgangsthese, Gelingensbedingung für die Konjunktur dieser Romane ist, wird in den neueren Romanen die mediale Darbietungsform des Romans als Buch betont. Wenn sich seit 2000 immer mehr Romane mit Typographie, Seitenkomposition und allgemein mit Aspekten der Druckgestaltung produktiv auseinandersetzen, dann könnte dies ein Hinweis auf einen Umbruch in der Romanpoetik bedeuten, den ich anhand der genannten Romane skizzieren möchte.



Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

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Ausschnitt Kriegskarte von Schlesien - Christian Friedrich von Werde | 2° Kart. N 15060-2, SBB-PK, CC bY-NC-SA 3.0

Tracing the past intra et extra muros. Werkstattgespräch am 16.11.

Tracing the past intra et extra muros. Transformations of historic towns in Silesia from the Frederician period to WWII. Werkstattgespräch am 16.11.

  • Veranstaltung

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  • Termin

    Do 16. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



Ausschnitt Kriegskarte von Schlesien - Christian Friedrich von Werde | 2° Kart. N 15060-2, SBB-PK, CC bY-NC-SA 3.0


Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Monika E. Adamska (Opole University of Technology)
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Silesia is a region of Central Europe with a complex and multicultural history. Its borders and national affiliation have changed repeatedly over the centuries. In the Middle Ages Silesia was incorporated into the early Polish state, then divided into independent duchies. Subsequently the region became a part of the Bohemian Crown Lands, then of the Austrian Habsburg Monarchy. Most of Silesia was annexed by the Kingdom of Prussia in 1742, later becoming part of the German Empire and staying under German administration untill the end of WWII. Since 1945 Silesia has been located mostly in Poland, with small parts in the Czech Republic and Germany.

Most of Silesian towns were founded in the Middle Ages, mainly on the basis of German law, creating a regular system of the settlement network in the entire region. This unique process was a part of dynamic urbanization of the entire Europe. At that time about 120 new towns were chartered in Silesia. Basic features of their historic urban structures are: a plan determined by geometry, a checkered grid of streets, regular blocks of development and a centrally located market square. Churches, monasteries, castles and town halls along with the elements of city walls have made up the old towns’ unique skylines for centuries. Every Silesian historic town, despite certain repeatability, has a unique and individual character.

For the next centuries Silesian historic towns rather lasted undergoing changes, than simply developed, being experienced by fires, epidemics and wars. Their image first underwent complex changes in the Frederician period, special attention was then paid to modernization of fortified towns. At the beginning of the 19th century the towns, remaining so far within their city walls and fortification systems, started to evolve extra muros. The industrial revolution connected most of the towns to railway network, which fostered the development of local industry. The urban landscape of Silesian towns was enriched by new streets and squares designated, public buildings erected and parks set up.  The interwar period, closing the scope of analysis,  was characterized by intensive development of housing to meet the needs of growing urban population.

This lecture is based on the research conducted during a grant of Prussian Cultural Heritage Foundation at the Map Department of the Berlin State Library in July 2017.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.
Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

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