Aus der Antike in die Zukunft: Edition Topoi und Enhanced Publications

Das Feld des wissenschaftlichen Publizierens ist unter dem Einfluss der Digitalisierung einigermaßen unübersichtlich geworden. Wie etwa die Entstehung von Wissenschaftsblogs, maschinenlesbaren Nanopublikationen, Overlay Journals und speziellen Zeitschriften für die Veröffentlichung von Forschungsdaten, wissenschaftlichem Code oder Experimentvisualisierungen dokumentiert, ist ein Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation in vollem Gange, in dessen Gefolge nicht nur Diversität und Granularität der publizierbaren Einheiten zunehmen, sondern auch die Erosion der im Druckzeitalter etablierten und an der Buchseite orientierten Grenzen von Dokumenten rasant voranschreitet. Denn wissenschaftliche Beiträge werden inzwischen nicht selten um Kommentarfunktionen und digitale Zusatzmaterialien erweitert, als Living Documents aktuell gehalten oder für das Text- und Data-Mining semantisch angereichert – ein Szenario, in dem selbst statische PDF-Dokumente vermittels des Utopia-Readers zu ungeahntem Leben erwachen können.

Dabei ist dieser Prozess – wovon etwa die Anfang 2014 von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften organisierte und alle Disziplinen einbeziehende Konsultation zur Zukunft des wissenschaftlichen Publikationssystems zeugt – keineswegs auf die Technik-, Natur- und Lebenswissenschaften beschränkt. Auch die Geistes- und Kulturwissenschaften, deren Publikationsformate der Zukunft sogar in einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt exploriert wurden, gestalten den gegenwärtigen Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation aktiv mit.

Besonders eindrucksvoll belegt dies eine kürzlich vorgestellte Erweiterung, mit der die ebenso reputierte wie produktive Open Access-Publikationsplattform des altertumswissenschaftlichen Exzellenzclusters Topoi – The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations gewissermaßen im Futur II konjugiert wird. Und wir freuen uns darüber umso mehr, als doch das Projektkonsortium dieses im Rahmen der Exzellenzinitiative errichteten Forschungsverbunds neben der Freien und Humboldt-Universität auch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, das Deutsche Archäologische Institut sowie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz unter Beteiligung unserer Kartenabteilung umfasst.

Konkret wurde eine technische Lösung dafür geschaffen, die in der Edition Topoi im Open Access erscheinenden Monographien, Sammlungen und Zeitschriftenaufsätze als Enhanced Publications, also gemeinsam mit den jeweils zugrundeliegenden Forschungsdaten zitierfähig zu veröffentlichen – darunter Digitalisate von Quellentexten und Objekten oder auch dreidimensionale Rekonstruktionen und Architekturmodelle. Neben entsprechenden Speicherinfrastrukturen stellt die Edition Topoi zudem auch eine komfortable Viewer-Software bereit, um die einzelnen Studien in ihrer digitalen Erweiterung sichtbar zu machen und Interaktion damit – etwa durch Annotationen oder dynamische Verlinkung externer Ressourcen – zu befördern.

Aber damit nicht genug, reicht doch der innovative Impuls der Edition Topoi, wie im Zuge der Präsentation dieser zukunftsweisenden Publikationsplattform deutlich wurde, durchaus bis in die Sphäre der Wissenschaftspolitik: Zu diesem Anlass legten nämlich die Trägereinrichtungen des Exzellenzclusters in Form einer bekräftigenden Note zur von diesen seit Langem bereits unterzeichneten Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen das Bekenntnis dazu ab, das Open Access-Paradigma konsequent auch auf (altertumswissenschaftliche) Forschungsdaten und Digitalisate anzuwenden und deren Nachnutzbarkeit – nicht zuletzt durch Computer – zu erleichtern.

Es versteht sich, dass Enhanced Publications gerade in einem Büchertempel, in dem von der frühmittelalterlichen Handschrift bis zum zeitgenössischen künstlerischen Objektbuch nahezu alle Erscheinungsformen von Schriftlichkeit zu finden sind, große Aufmerksamkeit genießen: So unterstützt z.B. die Möglichkeit zur persistenten Referenzierung unserer Digitalisate auf Seitenebene die nahtlose Verknüpfung wissenschaftlicher Veröffentlichungen mit den jeweils darin zitierten Quellentexten. Zudem tragen unsere Projektaktivitäten in den Bereichen von Texterkennung und Text Mining dazu bei, die digitalisierten Segmente unserer Sammlungen in maschinenlesbare Forschungsdaten zu transformieren, die Sie wiederum für die Erweiterung Ihrer Publikationen verwenden können. Und schließlich ist in diesem Zusammenhang noch das disziplinäre Open Access-Repositorium unseres Fachinformationsdiensts für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung zu nennen, das sowohl für juristische Textbeiträge offen steht als auch und naturgemäß für die Veröffentlichung der dazugehörigen prozessierten Forschungsdatensätze.

Ausstellung Weltvermesser vom 14.6. – 2.7. in der Potsdamer Straße

Weltvermesser – von Erde, Meer und Himmel
Das Goldene Zeitalter der Kartographie
Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Weserrenaissance-Museum Schloss Brake

14. Juni ­– 2. Juli 2016

Vermessen und Kartieren gehört zu den ältesten Kulturleistungen. Nicht nur das Wissen über räumliche Zusammenhänge oder die Frage, wo man sich gerade befindet, waren starke Triebkräfte für das bildliche Verorten, sondern auch die Frage nach der Stellung des Menschen in der Welt. Den stärksten Impuls erhielt die Kartographie in der Renaissance, ausgelöst durch die Entdeckung der Antiken Schriften wie der Entdeckung neuer Länder und Kontinente. Im Nachgang der Ausstellung „Weltvermesser – das goldene Zeitalter der Kartographie“ des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake in Lemgo (2015) konzipiert die Kartenabteilung der Staatsbibliothek anlässlich des 64. Deutschen Kartographentags in Potsdam aus den zur Verfügung gestellten Leihgaben eine neue Kartenschau: „Weltvermesser – von Erde, Meer und Himmel“.


Weltvermesser – von Erde, Meer und Himmel

Dienstag, 14. Juni ­– Samstag, 2. Juli 2016
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
geöffnet Mo – Sa 11 – 19 Uhr
an Sonn- und Feiertagen geschlossen
freier Eintritt

am Dienstag, 21. Juni 2016, 18 Uhr: Kuratorenführung
Teilnahme kostenlos, keine Anmeldung erforderlich

 

Deutsch-Russischer Bibliotheksdialog: 23. und 24. Mai 2016 in der SLUB Dresden

Deutsch-Russischer Bibliotheksdialog, Dresden, 23.-24. Mai 2015
Германо-Российский библиотечный диалог , Дрезден, 23-24 мая 2016 г.

Am 23. und 24. Mai findet der 6. Deutsch-Russische Bibliotheksdialog in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) statt. Die von der Kulturstiftung der Länder, der SLUB Dresden, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und von dem russischen Kulturministerium geförderte Tagung wird von den beiden Sprechern Barbara Schneider-Kempf (Berlin) und Wadim Dudá (Moskau) eröffnet. Die russischen und deutschen Vorträge sind der Rekonstruktion verlagerter Sammlungen, der Provenienzforschung und den Möglichkeiten digitaler Erschließung und Präsentation gewidmet.
Im Jahre 1992 haben Deutschland und Russland eine enge kulturelle Zusammenarbeit verabredet. Seither finden regelmäßige Museums- und Bibliotheksdialoge statt.
Wenn Sie als Gast an dem zweisprachigen Programm (deutsch, russisch) teilnehmen wollen, ist aus organisatorischen Gründen Ihre persönliche Anmeldung erforderlich: Generaldirektion@slub-dresden.de oder Tel. 0351-4677-123.

Seit 2009 finden regelmäßig Treffen des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialogs statt, um über die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, die Verlagerungen von Buchbeständen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu sprechen. Nach Treffen in Moskau, Berlin, Perm, Leipzig und Saratow ist am 23. und 24. Mai 2016 die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) Gastgeberin des sechsten Bibliotheksdialogs. Die vertragliche Grundlage für die Kulturbeziehungen bildet das Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über kulturelle Zusammenarbeit vom 16. Dezember 1992.

Die von der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und von dem russischen Kulturministerium geförderte Tagung wird von den beiden Sprechern Barbara Schneider-Kempf (Berlin) und Wadim Dudá (Moskau) eröffnet. Die russischen und deutschen Beiträge sind der Rekonstruktion verlagerter Sammlungen, der Provenienzforschung und den Möglichkeiten digitaler Erschließung und Präsentation gewidmet. Ein Sammelband der ersten fünf Tagungen wird in Dresden präsentiert. In 36 Beiträgen dokumentiert er bisherige Erkenntnisse und die inhaltliche Vielfalt des Dialogs, z.B. über die Spurensuche nach der Wallenrodt´schen Bibliothek in Königsberg, über die Arbeiten mit Verlustkatalogen, über die Rückführung der Esterhazy-Sammlung nach Österreich oder über die Erfahrungen des seit 2005 ebenfalls bestehenden russisch-deutschen Museumsdialogs. Dieser Tagungsband ist der verstorbenen Bibliotheksdirektorin Jekaterina Genijewa (1946-2015) gewidmet, die den Bibliotheksdialog von Anfang an prägte.

Ihr Nachfolger Wadim Dudá, Generaldirektor der Allrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur in Moskau, berichtet bei der Dresdner Tagung über die Digitalisierung wertvoller Buchbestände. Die deutschen Bibliotheken in Berlin und Bremen, Dresden und Weimar, Gotha und Leipzig sehen viele Möglichkeiten wissenschaftlicher Zusammenarbeit in digitalen Netzwerken. „Die Digitalisierung unserer reichen Bibliotheksbestände“, so Gastgeber Prof. Dr. Thomas Bürger (SLUB Dresden), „hat der internationalen Forschung neue Impulse gegeben und eröffnet der kulturellen Zusammenarbeit innovative Kooperationsmöglichkeiten. Umso mehr freuen wir uns auf den Wissensaustausch und die weitere Zusammenarbeit mit den russischen Kolleginnen und Kollegen.“
Programm für den 23. Mai 2016
Veranstaltungsort: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Zellescher Weg 18, 01069 Dresden, Vortragssaal
(Die Schreibweise der russischen Namen im Deutschen orientiert sich an der deutschen Aussprache.)
Die Vortragenden werden gebeten, Ihre Beiträge und Präsentation auf ca. 15-20 Minuten zu begrenzen. Dadurch kann einer Diskussion der Thesen und Inhalte der einzelnen Beiträge auf 10-15 Minuten geplant werden.
Begrüßung (ca. 9.30 bis 10.00 Uhr)
Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)
Grußworte
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SBB PK), deutsche Sprecherin des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialogs
Wadim Dudá, Generaldirektor der Allrussischen Staatlichen M.I. Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur (VGBIL), russischer Sprecher des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialogs
Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder
Sektion 1 (ca. 10.00 bis 13.00 Uhr)

Moderation: Barbara Schneider-Kempf – Wadim Dudá
Wadim Dudá (VGBIL): Fernzugriff auf kriegsbedingt verlagerte Büchersammlungen : Über ein Pilot-projekt der VGBIL Moskau und der SBB PK zur Digitalisierung
Jana Kocourek, Dr. Barbara Wiermann (SLUB): Digitalisierung historischer Quellen als wissenschaftliche Methode internationaler Kooperation
Prof. Dr. sc. Alexander Masurizki: Über ein Konzept zur Suche und Erfassung verlagerter Bücher-sammlungen
Dr. Uwe Hartmann (DZK): Kontinuität und Erweiterung – Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste: Aufgaben und Tätigkeitsfelder
Dr. Michail Afanasjew (GPIB): Büchersammlungen aus Deutschland in der Staatlichen Öffentlichen Historischen Bibliothek Russlands
Pause (13-14 Uhr)
Sektion 2 (ca. 14.00 bis 18.00 Uhr)

Moderation: Wadim Dudá – Barbara Schneider-Kempf
Dmitri Jefremenko (INION): Über die Arbeiten zur Beseitigung der Brandfolgen im Gebäude der Zent-ralbibliothek des Instituts für wissenschaftliche Information in den Gesellschaftswissenschaften (INION) der Russischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Kathrin Paasch (FB Gotha): Der Buchbesitz der Herzöge von Sachsen-Gotha: eine virtuelle Rekonstruktion
Karina Dmitrijewa (VGBIL): Die Dante-Sammlung in der Abteilung für seltene Bücher der VGBIL: Forschungsstand und Perspektiven
Barbara Schneider-Kempf (SBB PK): Erschließung und Digitalisierung der amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts im Kontext der Nachlasserfassung in Berlin und Krakau
Kaffeepause ca. 15 Minuten
Rosa Salnikowa (VGBIL): Über die Arbeit der VGBIL zur Bestandserhaltung und Restaurierung von Ausgaben des 16. Jahrhunderts
Galina Lanzusskaja (UB Woronesch): Die Bearbeitung verlagerter Bücher in den Sammlungen der Wissenschaftlichen Gebietsbibliothek der Staatlichen Universität Woronesch
Volker Cirsovius (SUUB Bremen): Die Suche nach NS-Raubgut in deutschen Bibliotheken am Beispiel der SuUB Bremen
Dr. sc. Ilja Saizew (VGBIL): Eine islamische Handschrift aus der Stadtbibliothek Königsberg in Moskau
Abschluss des öffentlichen Teils ca. 18 Uhr

 

 

VI Германо-Российский библиотечный диалог
Дрезден, 23-24 мая 2016 г.
Программа
Дата проведения: 23 мая
Место проведения: Саксонская Земельная библиотека – Государственная и Университетская библиотека Дрездена (Zellescher Weg 18), конференц-зал.
На каждое выступление и презентацию отводится 15-20 мин., на вопросы и дискуссию – 10-15 мин.
Приветствия: 9.30-10.00

Проф. д-р Томас Бюргер, Генеральный директор Саксонской Земельной библиотеки – Государственной и Университетской библиотеки Дрездена
Барбара Шнайдер-Кемпф, Генеральный директор Государственной библиотеки в Берлине – Прусское культурное наследие, немецкий сопредседатель Германо-Российского библио-течного диалога
Вадим Валерьевич Дуда, Генеральный директор Всероссийской государственной библиотеки иностранной литературы имени М.И. Рудомино, российский сопредседатель Германо-Российского библиотечного диалога
Изабель Пфайффер-Поенсген, Генеральный секретарь Культурного фонда земель
Первое заседание: 10.00-13.00

Ведущие: Барбара Шнайдер-Кемпф и Вадим Валерьевич Дуда
Дистанционный доступ к перемещенным книжным коллекциям: о концепции пилотного проекта по оцифровке Библиотеки иностранной литературы и Государственной библио-теки в Берлине – Прусское культурное наследие
Вадим Валерьевич Дуда, Генеральный директор Всероссийской государственной библиотеки иностранной литературы имени М.И. Рудомино
Оцифровка исторических источников как научный метод международной кооперации
Яна Коцурек, заведующая Отделом рукописей, старопечатных книг и краеведения Саксонской Земельной библиотеки – Государственной и Университетской библиотеки Дрездена
Д-р Барбара Вирманн, заведующая Музыкальным отделом Саксонской Земельной библиотеки – Государственной и Университетской библиотеки Дрездена
Перемещенные книжные фонды: концепции отбора
Д-р Александр Михайлович Мазурицкий, профессор кафедры Библиотечно-информационной деятельности, Московский государственный лингвистический университет
Непрерывность и развитие – Немецкий центр по культурным потерям: задачи и напра-вления деятельности
Д-р Уве Хартманн, Фонд «Немецкий центр по культурным потерям»
Обзор книжных собраний Германии в Государственной публичной исторической библиотеке России
Д-р Михаил Дмитриевич Афанасьев, директор Государственной публичной исторической библиотеки России
Перерыв: 13.00-14.00
Второе заседание: 14.00-18.00

Ведущие: Вадим Валерьевич Дуда и Барбара Шнайдер-Кемпф
О работе по преодолению последствий пожара в здании Фундаментальной библиотеки Института научной информации по общественным наукам Российской Академии Наук (ИНИОН РАН)
Дмитрий Валерьевич Ефременко, Врио директора ИНИОН РАН
Книжное наследие герцогов Саксен-Готских: виртуальная реконструкция
Д-р Катрин Паш, директор Научной библиотеки Готы в Университетской и Научной библиотеке Эрфурта и Готы
Коллекция «Дантея» в собрании редких книг Библиотеки иностранной литературы: реалии и перспективы
Карина Александровна Дмитриева, заведующая Комплексным научно-исследовательским отделом Всероссийской государственной библиотеки иностранной литературы имени М.И. Рудомино, руководитель Центра по проблемам перемещенных культурных ценностей
Описание и оцифровка американских путевых дневников Александра фон Гумбольдта в контексте учета его наследия в Берлине и Кракове
Барбара Шнайдер-Кемпф, Генеральный директор Государственной библиотеки в Берлине – Прусское культурное наследие
Перерыв на кофе: 15 мин.
О работе Библиотеки иностранной литературы по консервации и реставрации изданий XVI в.
Розания Муртазовна Сальникова, заведующая Комплексным отделом хранения, реставрации и консервации фондов Всероссийской государственной библиотеки иностранной литературы имени М.И. Рудомино
Работа с перемещенными книгами в фонде Зональной научной библиотеки Воронежского государственного университета
Галина Сергеевна Ланцузская, заведующая Научно-исследовательским отделом редкой книги Зональной научной библиотеки Воронежского государственного университета
Поиск украденных нацистами книг в немецких библиотеках на примере Государственной и Университетской библиотеки Бремена
Фолькер Цирзовиус, Государственная и Университетская библиотека Бремена
Исламская рукопись из городской библиотеки Кёнигсберга в Москве
Д-р Илья Владимирович Зайцев, советник по научной деятельности Генерального директора Всероссийской государственной библиотеки иностранной литературы имени М.И. Рудомино
Окончание заседания около 18 ч.

Das “HoPo” zu Besuch in Bamberg

Am 7. und 8. Mai fand in Bamberg die jährliche Tagung der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft statt, die aus einem Forschungsforum mit aktuellen wissenschaftlichen Beiträgen zu E.T.A. Hoffmann, einer festlichen Mitgliederversammlung und einem abwechslungsreichen Begleitprogramm besteht. Das Hoffmann-Projektteam der Staatsbibliothek zu Berlin nahm das Treffen zum Anlass, den derzeitigen Stand der Arbeiten am Hoffmann-Portal (“HoPo”) den Mitgliedern und interessierten Gästen vorzustellen. Dabei war uns besonders wichtig, die Forschenden, Unterrichtenden und Interessierten nach ihren Erwartungen und Wünschen zu befragen.

Die Präsentation des Hoffmann-Portals bildete den Auftakt des Forschungsforums der Tagung. Darin wurden vor allem die inhaltliche Konzeption des Portals, die bisherigen Projektaktivitäten und der Entwurf der Webseite vorgestellt. Daran schloss sich eine angeregte Diskussion an, bei der hauptsächlich Fragen nach dem Zugriff auf digitalisierte Volltexte, nach Urheberrechten und nach unseren Kooperationspartnern im Vordergrund standen – genau die Fragen, die aktuell besonders im Fokus unserer Arbeit stehen. Das bestärkte uns darin, dass wir wohl den Kern des Interesses getroffen haben und für unser Hoffmann-Portal die richtigen Angebote entwickeln.

Digitalisierte Materialien

Gerade der Zugang zu digitalisierten Volltexten soll ein Kernelement des Portals werden: Ein Teil der Hoffmann-Autografe ist von den Staatsbibliotheken in Bamberg und Berlin bereits digitalisiert worden. Weitere Digitalisate sollen in näherer Zukunft folgen: So werden wir in den kommenden Monaten weitere Musikautografe der Berliner Staatsbibliothek und einige illustrierte Ausgaben zusätzlich zur Verfügung stellen können. Das Interesse der Tagungsgäste richtete sich zudem auch auf Materialien „um Hoffmann herum“ wie Theaterzettel der Aufführungen, die Hoffmann selbst besuchte, oder Quellen, die in seinen Texten Verwendung fanden. Das werden wir gerne im Blick behalten.

Kooperationen

In der Diskussion kam auch die Frage nach weiteren Kooperationspartnern – neben der Staatsbibliothek Bamberg und der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft – auf. Das Hoffmann-Team hat bereits erste „zarte Bande“ zu einigen Institutionen wie der Stiftung Weimarer Klassik und dem Geheimen Staatsarchiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geknüpft, um unseren Nutzerinnen und Nutzern einen möglichst umfassenden Bestand an Informationen und Volltexten zur Verfügung stellen zu können.

Urheberrechte

Ein wesentlicher Diskussionspunkt war zudem die Frage der Urheberrechte bei modernen Illustrationen, die im Portal gezeigt werden sollen. Da Illustrationen (und auch Texte) bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers geschützt sind, muss bei allen Bildern, Texten etc. ermittelt werden, ob der Urheber noch lebt oder wie lange er bereits verstorben ist. Wenn das Werk noch nicht urheberrechtsfrei ist, muss der Rechteinhaber ausfindig gemacht und um seine (schriftliche) Erlaubnis gebeten werden, sein Werk im Portal zeigen zu dürfen. In einem Vertrag, den wir momentan erarbeiten lassen, werden die Nutzungsrechte genau festgehalten – natürlich immer zu nicht-kommerziellen Zwecken. Falls die Illustrationen (Texte) bereits publiziert wurden, muss zusätzlich auch der jeweilige Verlag der Nutzung zustimmen. Obwohl das Verfahren sehr aufwendig ist, bemühen wir uns im Projekt, möglichst viele Genehmigungen zu erzielen, um den Nutzerinnen und Nutzern umfangreiche und vielfältige Materialien zur Verfügung zu stellen, die sonst kaum zugänglich wären.

Neue Inhalte

Zu diesen in der großen Runde diskutieren Aspekten erhielten wir eine Reihe von Hinweisen dazu, welche weiteren Inhalte im Portal aufgenommen werden könnten. So wurden die Poetologie Hoffmanns und die Editionskritik als interessante und stark nachgefragte Themen genannt. Auch erreichten uns einige Angebote, an der Portalerstellung aktiv mitzuwirken, bzw. Inhalte zur Verfügung zu stellen. So werden wir unter anderem zwei Beiträge zu Hoffmanns Freunden und Weggefährten sowie eine PowerPoint-Präsentation zu „Hoffmanns Leben und Werk“ für die Verwendung im Unterricht einbauen können.

Das Rahmenprogramm

Das Forschungsforum wurde eingerahmt von zwei Ausstellungseröffnungen und zwei Lesungen: Im Hoffmann-Haus werden bis Ende Oktober Aquarelle des litauischen Künstlers Romanas Borisovas unter dem Titel Ostpreußen – die Heimat E.T.A. Hoffmanns gezeigt. Außerdem präsentiert die Hoffmann-Gesellschaft dort eine Auswahl illustrierter Textausgaben der Erzählung Undine von Friedrich de la Motte Fouqué. Anlass der Ausstellung ist der 200. Jahrestag der Erstaufführung von Hoffmanns Oper Undine am 3. August 1816 in Berlin, der auch im Projekt Hoffmann-Portal gefeiert wird. Näheres dazu lesen Sie rechtzeitig in unserem Blog. Fouqués Erzählung war die Grundlage für das Libretto, das Fouqué auf Bitten Hoffmanns hin selbst verfasste. Die handschriftliche Partitur Hoffmanns sowie das Dirigierbuch der Undine befinden sich im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin.

Am Abend las Gerhard Hartmann literarische Briefe Hoffmanns aus seinem 2002 erschienenen Band Nachrichten von Undine; den Ausklang bildete eine Lesung Martin Neubauers und Andreas Ulichs aus einem fiktiven („exhumierten“) Briefwechsel zwischen E.T.A. Hoffmann und Clemens Brentano, der zwischen den beiden Romantikern anlässlich einer Bamberg-Reise Brentanos 1809 hätte entstehen können.

E.T.A. Hoffmann-Medaille und Ehrenmitgliedschaften

Am Sonntagvormittag fand die Mitgliederversammlung der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft statt, in der die E.T.A. Hoffmann-Medaille an den Schriftsteller Eckart Kleßmann verliehen wurde. Kleßmann ist ein außerordentlicher Kenner der deutschen Romantik und hat unter anderem 1988 eine Biographie zu E.T.A. Hoffmann mit dem Titel E.T.A. Hoffmann oder die Tiefe zwischen Stern und Erde publiziert. Mit der E.T.A.-Hoffmann-Medaille ehrt die Gesellschaft Personen oder Institutionen, die die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit E.T.A. Hoffmann befördert haben.

Außerdem wurden Wolfgang Clausnitzer für die Konzeption und Gestaltung des Hoffmann-Hauses mit seinen Ausstellungen und die Schriftstellerin und Leiterin des Bamberger Künstlerhauses Villa Concordia Nora-Eugenie Gomringer zu Ehrenmitgliedern der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft ernannt. Die Sitzung endete mit dem Bericht des Vorstandes, seiner Entlastung und der Wahl eines neuen Vorstands.

Neue Präsidentin wird ab 2017 die Germanistin Kaltërina Latifi, die bereits mehrere textkritische Ausgaben Hoffmanns (u.a. den Sandmann) herausgegeben hat und aktuell zur Poetik E.T.A. Hoffmans arbeitet. Prof. Bernhard Schemmel, der lange Jahre Präsident der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft war, wird als Geschäftsführer das Präsidium weiterhin unterstützen und sich vor allem den Bamberger Aufgaben wie dem E.T.A. Hoffmann-Haus widmen. Als Vizepräsident wurde der Berliner Literaturwissenschaftler Jörg Petzel bestätigt. Weitere Informationen finden Sie auf den Webseiten der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft.

Microservices, Service Registry „Die Zentrale“

Im Rahmen unseres IT Projektes “Microservices” und der damit verbundenen Blog Serie möchte ich in diesem Beitrag über unserer Erfahrungen mit den „Platform Services“, welche ein zentraler Baustein in der Microservices Architektur sind, berichten. Es sind zusätzliche Dienste welche den Betrieb von zahlreichen Anwendungsservices vereinfachen. Dazu gehören unter anderem

Alle diese Dienste ermöglichen es eine große Anzahl an Microservices zu betreiben und nutzbar zu machen. Diese Auflistung sieht auf den ersten Blick nach sehr viel Aufwand und technischer Infrastruktur aus und beinhaltet Begrifflichkeiten, welche tiefgehendes, technisches Wissen erfordern um die Bedeutung und Notwendigkeit verstehen zu können. Aus diesem Grund möchte ich in den kommenden drei Beiträgen etwas Licht ins Dunkle bringen und versuchen den Mehrwert dieser technischen Services zu erläutern. Beginnen möchte ich mit der Service Registry, weil diese aus meiner Sicht die grundlegendste Komponente ist auf welcher viele der anderen Services aufsetzen.

 

Die Services Registry stellt in gewisser Weise eine Art Telefonzentrale dar , die Clientanwendung, wie zum Beispiel ein Content Management System oder aber eine andere beliebige Webanwendung, anrufen können um nach einem Dienst zufragen, welcher gerade benötigt wird. Tatsächlich fragt die aufrufende Anwendung mit einem Namen wie zum Beispiel: “Suche” oder “Dokumentenmanagement” die Service Registry und erhält die Information wie dieser Service zu erreichen ist. Die Information beinhaltet eine vollständige URL und kann als Einstiegspunkt zur Verwendung des Service benutzt werden.

 

Die einfachere und klassische Variante ohne die Verwendung einer Service Registry ist, dass die Client Anwendung die URL auf den Einstiegspunkt selber gespeichert hat. Allerdings gibt es bei dieser klassischen Variante einige Nachteile:

 

  • Die URL ist statisch in der Clientanwendung gepflegt und muss bei Veränderungen der URL mit geändert werden. Zieht der zu nutzende Service auf einen anderen Server um oder ändert sich der TCP/IP Port, muss die Clientanwendung in der Regel mit angepasst werden.
  • Es ist keine Verwendung von clientseitigem Load Balancing möglich. Das bedeutet, selbst wenn der Service auf mehreren Servern eingerichtet ist, kann der Client diese nicht dynamisch nutzen.
  • Es gibt oft keine Echtzeit Übersicht über den aktuellen Stand der zur Verfügung stehenden Services. Es besteht natürlich die Möglichkeit, ein sehr gutes Monitoring einzurichten, was diese Fähigkeit besitzt. Allerdings sind die klassischen Monitoring Lösungen wie zum Beispiel Nagios dafür nicht konzipiert und vorgesehen. In den meisten Fällen sind diese auch so nicht eingerichtet.

 

Diese aufgeführten Nachteile der herkömmlichen Verknüpfung von Clientanwendung und Anwendungsdienst (Service)  zeigen im Umkehrschluss natürlich auch die Vorteile einer Service Registry:

 

  • Zentrale Übersicht aller Service und deren Status
  • Möglichkeit eines Load balancing
  • Keine clientseitige Anpassung bei Service und Infrastruktur Änderungen

 

Aber rechtfertigen diese Vorteile den Aufwand und den Betrieb einer Service Registry? Der Aufwand der Installation einer Service Registry ist sehr gering, da es bereits sehr gute und ausgereifte Produkte gibt:

 

 

Die beiden erst genannten Produkte sind diejenigen mit der höchsten Verbreitung und damit auch die ausgereiftesten. In unserem Projekt haben wir hauptsächlich auf den Netflix OSS gesetzt und daher auf Eureka. Auch wir haben in unserem Pilotprojekt sehr gute Erfahrungen mit Eureka gemacht. Wichtig bei der Verwendung ist, dass die Service Registry nicht wiederum selbst zum Single Point of Failure wird und daher immer mehrfach betrieben werden sollte. Aber auch dieser Aspekt ist mit sehr geringem Aufwand umzusetzen. Ich empfehle für den Einstieg daher ein Spring Boot Projekt mit aktivierter Service Registry, welches im Beispiel Microservices Projekt von Eberhardt Wolff zur Verfügung steht. Sie werden erstaunt sein, mit wie wenig Quellcode die Service Registry umgesetzt ist.

Der Quellcode…

@SpringBootApplication
@EnableEurekaServer
@EnableDiscoveryClient
public class ServiceRegistryApplication {

public static void main(String[] args) {
SpringApplication.run(ServiceRegistryApplication.class, args);
}
}

 

Fazit:

Aus meiner persönlichen Sicht ist der Einsatz einer Service Registry auch ohne die Verwendung der gesamten Microservices Architektur von unschätzbarem Vorteil, sobald mehrere zentrale Services im Hause betrieben werden. Alleine die Tatsache, dass nicht mehr mit jeder Infrastruktur Anpassung die Client Anwendung und die Dokumentation bzw. das Monitoring angepasst werden müssen, sind im Dauerbetrieb mit geringem Personaleinsatz von unschätzbarem Wert. Hinzu kommt, dass wir in unserem Beispiel Projekt sowohl die Anbindung von Java Webanwendungen als auch von reinen HTML / Javascript Anwendungen relativ einfach umsetzen konnten. Wir konnten aus dem weit verbreiteten CMS Typo3 sehr leicht die Service Registry nach einem Service anfragen und diesen anschließend nutzen. Integriert man diese Anfrage Logik zum Beispiel in eine Typo3 Extension und macht diese so nachnutzbar für andere Typo3-Projekte, wird der Aufwand auf alle Projekte betrachtet noch geringer und der Nutzen somit noch größer. Zusätzlich bietet eine Service Registry als Basis der Platform Services weitere Möglichkeiten, welche ebenfalls von unschätzbarem Wert, um stabilen Betrieb von zentralen Services sind.

 

Diese Möglichkeiten werde ich in den kommenden Beiträgen detailliert aufführen und zeigen, wie man zum Beispiel ein bestehendes Fremdsystem, wie zum Beispiel Fedora Content Repository oder Pazpar2-Suche, in eine solche Service-Struktur einfach einbindet, ohne die Produkte selbst anpassen zu müssen.

Ich freue mich daher auf die kommenden Beiträge und hoffe auf zahlreiche Kommentare.

Informationen, Macht und das ‘right to be forgotten’ – Werkstattgespräch am 31.5.

Wissenswerkstatt
Informationen, Macht und das ‘right to be forgotten’
Werkstattgespräch mit Jörg Pohle, Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG)

Dienstag, 31. Mai
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

„If all others accepted the lie which the Party imposed – if all records told the same tale – then the lie passed into history and became truth. ‘Who controls the past’ ran the Party slogan, ‘controls the future: who controls the present controls the past.’“ George Orwell, 1984

Die Forderung nach einem right to be forgotten gehört zu den ältesten der privacy- und Datenschutzdebatte – und inzwischen zu den umstrittensten. Ob Jugendsünden oder Bankrotte, ob Verurteilungen oder Mitgliedschaften in politischen Organisationen, ob Kneipengespräche oder Krankheiten, ob Liebesbeziehungen oder Likes, Tweets und Chat-Nachrichten – die Frage, wer entscheiden darf, wer was wann und bei welcher Gelegenheit – und wie lange – über wen speichern und verwenden darf und zu welchen Zwecken, ist eine der grundlegendsten der Informationsgesellschaft: Es ist die Frage nach der gesellschaftlichen Informationsordnung und damit zugleich die nach der gesellschaftlichen Machtverteilung.

Informationen sind nicht objektiv. Was wahr, aktuell, hilfreich oder auch nur angemessen ist, ist Interpretationssache. Und die Interpretation ist nicht nur abhängig vom Text, sondern auch vom Kontext, vom Zweck und natürlich vom Interpreten. Wer über den Zweck und den Kontext bestimmt, bestimmt auch über die Informationen. Informationen machen transparent, was sie abbilden. Wer über sie bestimmt, erlangt Macht über die transparent gemachten Menschen, ihre sozialen Beziehungen und ihre Geschichte – und kann diese dann gezielt beeinflussen. Und wer über die Informationen bestimmt, kann auch beeinflussen, wie darüber diskutiert wird – und nicht zuletzt, wie über die Menschen und Dinge, die in den Informationen abgebildet werden, entschieden werden kann.

Vor diesem Hintergrund soll der Versuch Googles und anderer privater Unternehmen und öffentlicher Institutionen, sich in der Auseinandersetzung um das right to be forgotten als Verteidiger eines Informationsinteresses der Öffentlichkeit zu gerieren, als Teil eines Kampfes um die Macht in der Informationsgesellschaft kritisch beleuchtet werden.

Poster zur Veranstaltung

Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Die Indogermanistik in der Staatsbibliothek und gleich nebenan

Vom 17. bis zum 20. Mai 2016 findet unter dem Titel „Sanskrit und die SprachRevolution. 200 Jahre Indogermanistik“  an der Humboldt-Universität Berlin und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Verbindung mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig eine indogermanistische Fachtagung statt. Anlass ist, dass vor 200 Jahren das bahnbrechende Werks von Franz Bopp Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache erschienen ist, das heute als der Beginn der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den indogermanischen Sprachen angesehen wird.

Zum Programm kommen Sie hier:
https://www2.hu-berlin.de/indogermanistik/bopp2016/programm.php

Informationen zur Anmeldung erhalten Sie hier:
https://www2.hu-berlin.de/indogermanistik/bopp2016/anmeldung.php
Der Tagungsbeitrag kostet 30,- €, für Studierende ist die Teilnahme kostenlos.

Bopps Werk kommt wissenschaftsgeschichtlich betrachtet einer Revolution gleich – einer Bilderstürmerei gegen die früheren Konzepte zur Sprachverwandtschaft und -entstehung, die im wesentlichen auf den Völkertafeln und dem Mythos von der babylonischen Sprachenverwirrung im Buch Genesis beruhten. Allenfalls die neuzeitliche Wiederentdeckung der Germania des Tacitus setzte etwas andere Akzente. In diesem Zusammenhang sei auf das äußerst lesenswerte und preisgekrönte Buch des Historikers Arno Borst Der Turmbau von Babel verwiesen.
Als Bopp sein Werk veröffentlichte hatte sich im wissenschaftlichen Diskurs der historisch-kritische Blick auf den Bibeltext noch nicht durchgesetzt. Interessant wäre es deshalb, in diesem Zusammenhang die Frage zu stellen, inwieweit Bopps Erkenntnisse von den akademischen Bibelkritikern des 19. Jahrhunderts rezipiert wurden. Verborgen können sie ihnen als profunden Kennern der griechischen Sprache nicht geblieben sein.
Die Entdeckung der Verwandtschaft der mit guten Argumenten im deutschen Sprachraum indogermanisch (und nicht indoeuropäisch) genannten Sprachen mündete in die Etablierung eines eigenen Wissenschaftsfaches, die Indogermanistik. Diese beschäftigt sich vornehmlich mit linguistischen Fragen, aber nicht nur. Die sicher für viele interessanteste Frage konnte sie allerdings bis heute nicht befriedigend klären: Wann und wo lebte das Volk, auf das sich die indogermanischen Völker sprachlich zurückführen lassen, denn dass einstmals irgendwo eine indogermanische Ursprache gesprochen wurde, ist einigermaßen evident – so wie die heutigen romanischen Sprachen auf das Latein der Römer zurückgehen. Einige Erkenntnisse brachte die sog. linguistische Paläontologie, die über die Sachkultur der Indogermanen Aussagen zu treffen vermag. Die Archäologie hat sich aus der Diskussion weitgehend zurückgezogen, seitdem das Dogma von der Gleichsetzung von Kulturprovinzen mit ethnischen Einheiten nicht mehr verfochten wird. Möglicherweise bietet die moderne Paläogenetik einen neuen Ansatz, prähistorische Migrationen zu erkennen und frühe Völkerverwandtschaften zu rekonstruieren. Allerdings ist bislang die Zahl der untersuchten Probandenskelette zur Entnahme des historischen Erbgutes viel zu gering, um gesicherte Aussagen zu treffen.
Im Bestandsaufbau der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Vorgängerinstitutionen besitzt die Literatur zur Indogermanistik einen hohen Stellenwert. Vor wenigen Monaten hat die Staatsbibliothek die vielbändigen Indo-European Etymological Dictionaries Online aus dem Wissenschaftsverlag Brill lizensiert, womit die Leiden Indo-European Etymological Dictionaries nicht nur elektronisch durchsuchbar, sondern auch laufend aktualisiert werden. Hier kommen Sie zu den Wörterbüchern:
http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/detail.php?bib_id=sbb&colors=&ocolors=&lett=fs&tid=0&titel_id=10792

 

 

Werkstattgespräch zur Piperschen Dostojewski-Ausgabe am 26.5.

Wissenswerkstatt
Werkstattgespräch: Aus der Werkstatt der großen Piperschen Dostojewski-Ausgabe unter der Herausgeberschaft von Arthur Moeller van den Bruck (1876-1925)
Werkstattgespräch mit Dr. Galina Potapova,
2016 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Donnerstag, 26. Mai
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

Fjodor Dostojewski avancierte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Orientierungsgrößen für die Literatur der europäischen Moderne. Die große Pipersche Dostojewski-Ausgabe (1906ff.) hat wesentlich zur Verbreitung des Dostojewski- Œuvres unter den deutschen Lesern beigetragen.Der Vortrag widmet sich den Hintergründen dieser „verlegerischen Großtat“ (Alfred Rammelmeyer). Worin bestand das Innovative des Projekts von Moeller van den Bruck und seinem ,Team‘ und warum hat sich die Pipersche Ausgabe für lange Zeit als die Dostojewski-Ausgabe in Deutschland etablieren können? Wie modifizierte sich das Konzept der Sämtlichen Werke im Wechsel der Zeiten, unter Berücksichtigung des Zeitgeschehens, aber auch der Konkurrenz anderer Verlage? Inwieweit war das Dostojewski-Bild, das dem deutschen Leser durch diese Ausgabe vermittelt wurde, von Moellers eigenen politischen Anschauungen beeinflusst? Wie änderte sich wiederum Moellers Dostojewski-Bild im Wechsel der Zeiten? Und überhaupt: warum verwandelte sich ein verlegerisches Projekt, das als eine zeitlich kompakte Aktion geplant war, in eine bis in die 1920er Jahre hinein dauernde Langzeitbaustelle?

Recherchen im Archiv des Piper-Verlags (heute im DLA Marbach), im Nachlass von Moeller van den Bruck (Handschriftenabteilung der SBB) sowie eine ausführliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Versionen aller gedruckten Bände der Piperschen Dostojewski-Ausgabe erlauben einen Einblick in dieses verlegerische Projekt als work in progress bzw. in die „richtige Dostojewski-Hölle“ (so charakterisierte den Prozess dieser Arbeit, rückblickend, die Schwägerin Moellers, Less Kaerrick alias E. K. Rahsin, die den größten Teil des Textkorpus übersetzt hat).

Es werden auch einige Dostojewski-Bände aus dem Besitz der SBB im Rahmen des Werkstattgesprächs genauer unter die Lupe genommen. Denn die Untersuchung der Unterschiede zwischen den zahlreichen Neuauflagen (die fast für jeden der 22 erschienenen Bände vorliegen) erlaubt es, die Schnittstellen zwischen der Buchwissenschaft einerseits und der Literaturgeschichte, Translationswissenschaft und Ideengeschichte andererseits aufzuzeigen.

Poster zur Veranstaltung
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Werkstattgespräch zu 400 Jahre Shakespeare auf deutschen Bühnen am 25.5.

Werkstattgespräch
All the world’s a stage – 400 Jahre Shakespeare auf deutschen Bühnen
mit Prof. Dr. Dr. h.c. Erika Fischer-Lichte und szenische Lesung von Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“  unter der Leitung von Andree Gubisch

Mittwoch, 25. Mai
18.15 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Saal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: am Veranstaltungsort
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Das Theater ist ohne Shakespeare nicht mehr zu denken. Insbesondere auch das deutsche Theater wurde maßgeblich von seinen Werken geprägt. 400 Jahre nach dem Tod Shakespeares faszinieren seine Stücke heute immer noch unzählige Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Geschichte des Exportschlagers Shakespeare beginnt in Deutschland mit den Wanderbühnen im 17. Jahrhundert. Meist sehr frei setzten diese umherziehenden Theatertruppen seine Stücke in Szene. Der Schauspieler und Theaterdirektor Friedrich Ludwig Schröder ist es schließlich, der im 18. Jahrhundert in Hamburg – wo er auch auf Lessing trifft – die von Christoph Martin Wieland übersetzten Trauerspiele Shakespeares fest im deutschen Theater etablierte. Immer wieder inszenierten in den Jahren danach unzählige Theaterschaffende, darunter auch Theatergrößen wie Max Reinhardt, die shakespeareschen Stücke für das deutsche Publikum. Auch aktuell feiert das Theater in Deutschland den großen Dramatiker mit legendären Inszenierungen wie beispielsweise  „Hamlet“ oder „Richard III.“ (Regie: Thomas Ostermeier, Hauptdarsteller: Lars Eidinger) an der Schaubühne in Berlin.

Die Theaterwissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Erika Fischer-Lichte (Freie Universität Berlin) wird in dem Werkstattgespräch anhand ausgewählter Inszenierungen aus den vergangenen 400 Jahren Bühnengeschichte (darunter u. a. „Hamlet“, „Macbeth“ und der „Sommernachtstraum“) die Bedeutung Shakespeares für die deutsche Theatergeschichte aufzeigen.

Den Rahmen für das Werkstattgespräch bildet eine szenische Lesung von Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ unter der Leitung von Andree Gubisch:

Droll (Puck): „He, Geist! Wo geht die Reise hin?“

Studierende (Tabitha Frehner, Esra Schreier, Thomas Prenn und Gustav Schmidt) des 2. Studienjahres Schauspiel lesen Szenen aus dem Sommernachtstraum zu großen Themen der Menschheit: Liebe, Macht, Verrat, Betrug und wieder Liebe.

Helena: „Nun merk ich’s: alle drei verbanden sich / Zu dieser falschen Posse gegen mich.“

Ausfall des Ausleihsystems über Himmelfahrt

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Ausleihsystem war von Mittwoch, d. 04.05.16 von ca. 20:00 Uhr bis Freitag, d. 06.05 ca. 08:00 Uhr ausgefallen. Bitte überprüfen Sie Ihr Bibliothekskonto falls Sie Bestellungen in diesem Zeitraum aufgegeben haben, bestellen Sie bitte ggf. erneut, falls Sie weder Bestellung noch Medium im Bibliothekskonto finden. Prüfen Sie bitte auch Ihre Vorbestellungen auf entliehene Bände, sind alle noch auf dem aktuellen Stand? Wenn Sie Fragen zu Mahnungen oder Benachrichtigungen aus dem o.g. Zeitraum haben, wenden Sie sich bitte an unsere ausgebenden Stellen.
Wir bitten um Entschuldigung für die Störung!

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