Beiträge aus der Abteilung Historische Drucke

Der Paukenschlag zum Kirchentag – Wiederaufnahme der Ausstellung Bibel – Thesen – Propaganda

Nicht verpassen! Noch einmal sind die 95 Objekte zur Reformationsgeschichte zu sehen.

Unsere erfolgreiche Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten“ wird als eines der Highlights im Regionalen Kulturprogramm zum Evangelischen Kirchentag erneut gezeigt. Und am Himmelfahrtstag gibt es dazu noch ein Sonderprogramm: “Trommeln für die Reformation”.

Papstesel, Quartdruck mit Nachschnitten des Bilderzyklus, um 1600. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Wann?

24. bis 28. Mai, 11-20 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr
Führungen jeweils 15 und 17 Uhr
Eintritt frei

Wo?

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33 am Kulturforum
10785 Berlin

 

Luther macht Druck, Mosaik: Mit den Abrafaxen durch die Zeit, Nr. 489. Kinder- und Jugenbuchabteilung. © MOSAIK – Die Abrafaxe 2016

 

Unsere Favoriten unter den 95 Objekten

 

Leipziger Plakatdruck 1517 (Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz)

 

Sonderprogramm am Himmelfahrtstag: “Trommeln für die Reformation” um 14:20 Uhr und um 16:20 Uhr

In seiner “Bibliomacheia” aus dem Jahre 1746 wetterte der katholische Theologe und Dekan des Domkapitels in Prag-Wyschehrad gegen Martin Luther, die Reformation und vor allem die lutherische Bibelübersetzung:

Wer ist aller dieser Schwärmer Anfang und Ursach? als du Luther Merten, der du durch deine Biblische Reformations-Trommel alle zu Narren gemacht hast.
… sie lauffen aus den Klöstern, entweichen aus den Dohm-Stüfften, sie verlassen die Pfarreyen und rennen … der Lutherischen Bibel-Trommel nach, welche sie führet zur endlichen Abgötterey und Ohngötterey.

Am Himmelfahrtstag, den 25.5. 2017 erklingen vor der Staatsbibliothek tatsächlich “Reformations-Trommeln” im Sambarhythmus, um auf die Wiederaufnahme unserer Ausstellung aufmerksam zu machen:

Um 14:20 Uhr und um 15:20 Uhr trommelt die junge und dynamische Berliner Sambagruppe BLOCO CAJU. Die Berliner Trommler haben sich der brasilianischen Musik, vor allem der Musik aus dem Nordosten Brasiliens, wo die afrikanischen Einflüsse noch besonders deutlich zu hören sind, verschrieben. Ihre Instrumente sind Trommeln verschiedenster Art: von den großen Bass-Surdos bis zu den geflochtenen Korbrasseln, durchaus ergänzt von Gitarre und Gesang.

Rahmenprogramm zur Ausstellung am Himmelfahrtstag: Auftritt der Berliner Sambagruppe BLOCO CAJU vor der Staatsbibliothek. Geleitet wird die Gruppe von Eddie Zuber, einem unserer Ausstellungs-Guides. Foto: SBB-PK, Christiane Caemmerer

BLOCO CAJU tritt regelmäßig auf Samba-Festivals, so dem Samba Karneval in Bremen, dem Sambosta Festival Cottbus und dem Samba Syndrom in Berlin auf. Sie war aber auch auf der Streetparade in Zürich, der Fête de la Musique, dem 1. Mai in der UFA Fabrik und dem Musikfestival Klangwelten in Berlin mit ihrer Musik vertreten.

Wie die Musik der Gruppe leitet sich auch ihr Name aus dem Nordosten Brasiliens her: Die Caju ist eine äußerst vitamin- und minerialienreiche Frucht, deren getrockneter Kern uns als Cashewkern bekannt ist.

Prinzessinnen-Bibliothek erworben

Staatsbibliothek zu Berlin und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erwarben gemeinsam Prinzessinnen-Bibliothek

Stiftungen und Privatpersonen für die Kultur- und Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg engagiert

Fünf Stiftungen und 120 Privatpersonen unterstützten die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, SPSG, und die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, SBB-PK, beim gemeinsamen Erwerb der Prinzessinnen-Bibliothek. Diese setzt sich aus den einstigen Privatbibliotheken dreier hochadliger Damen zusammen, die alle in enger verwandtschaftlicher Verbindung zu Friedrich II. von Preußen (1712-1786) standen: Seine Mutter Sophie Dorothea von Hannover, Königin in Preußen (1687-1757), seine Schwester Luise Ulrike von Preußen, Königin von Schweden (1720-1782), und seine Nichte Sophie Albertine, Prinzessin von Schweden und Äbtissin des Reichsstifts Quedlinburg (1753-1829).

Die zuvor in Stockholm aufgestellte Büchersammlung umfasst 1.445 Titel in 4.500 Bänden. In den Titeln wie auch in den verschiedenen Ausgaben spiegelt sich das Spektrum weiblicher Bildung im europäischen Hochadel: Enthalten sind vor allem französischsprachige Drucke des 17. bis 19. Jahrhunderts, zu jeweils etwa 5% sind Texte in Deutsch oder Schwedisch verfasst. Neben der Schönen Literatur dominieren die Bereiche Geschichte, hof- und adelsbezogene Biographien, Memoiren, Briefausgaben, Hofkalender und Reiseliteratur, auch Tafelwerke, Graphikmappen und einzelne Handschriften. Alle Bände sind Unikate aufgrund ihrer Provenienzen, die sich in zahlreichen Supralibros, Exlibris und Widmungen manifestieren. Die Bibliothek gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Büchersammlungen hochadliger deutscher Frauen, sie ist ein unikales kulturelles Vermächtnis.
Die Privatbibliotheken von Sophie Dorothea und Luise Ulrike gingen in die Privatbibliothek der als letzte der drei Damen geborenen Sophie Albertine ein. Deren Kammerzofe Lolotte Forsberg verh. Gräfin Stenbock wurde testamentarisch als Erbin benannt. Die aus drei Teilen bestehende Prinzessinnen-Bibliothek verblieb lange in der Familie Stenbock, bevor sie an ihren vorletzten Besitzer, einen Privatsammler, ging.

Kauf durch großzügige Förderer ermöglicht

Beim Kauf der Prinzessinnen-Bibliothek konnten sich die beiden neuen Eigentümer, die SBB-PK und die SPSG, auf das Engagement von Stiftungen und Privatpersonen stützen, die allein drei Viertel der Kaufsumme aufbrachten. Allen Förderern war es ein besonderes Anliegen, das mit seiner inhaltlichen Geschlossenheit und seinem makellosen Erscheinungsbild seltene Zeugnis höfischer Kultur wie auch europäischer Kunst- und Kulturgeschichte für die Region Berlin-Brandenburg zu sichern.

Die Kulturstiftung der Länder und die Rudolf-August Oetker-Stiftung trugen allein mehr als die Hälfte der Kaufsumme, die B. H. Breslauer Foundation mit Sitz in New York unterstützte ein weiteres Mal in großzügiger Weise den Erwerb von Kulturgut, das sich perfekt in das Umfeld hiesiger Bestände einfügt. Die Wüstenrot-Stiftung und die Stiftung Preußische Seehandlung ergänzten die Erwerbungsmittel ebenfalls deutlich.

Besonders zu danken ist den 120 Privatpersonen, die von den Freunden der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. gewonnen wurden, mit privaten Spenden ihr außerordentliches Bekenntnis zum Ausbau einzigartiger Sammlungen in der Region Berlin-Brandenburg zu geben.

Für Forschung und Kultur

Ihre außerordentliche Bedeutung für die Wissenschaft wie auch für das kulturelle Erbe der Region erlangt die Prinzessinnen-Bibliothek durch mehrere Aspekte. Zunächst dadurch, dass die Staatsbibliothek zu Berlin in hohem Maße Titel hinzugewinnt, die bislang nicht vorhanden waren oder als Kriegsverlust angesehen werden mussten.

Die Forschung wird sich neuer Fragen zuwenden können, so lassen sich etwa Rückschlüsse auf das Leseverhalten, die Interessen und das Selbstverständnis weiblicher Angehöriger des schwedischen und hohenzollerischen Hochadels ziehen. Auch können die Teilsammlungen der Mutter, Schwester und Nichte Friedrichs II. hinsichtlich ihrer literarisch-thematischen Entwicklungen und der Verzahnungen über die Generationen hinweg oder hinsichtlich der Verbindungen zweier europäischer Herrscherhäuser untersucht werden. Zudem bieten die vielen handschriftlichen Eintragungen  Ansatzpunkte für neue Fragestellungen.

Die Sammlung ermöglicht aufgrund ihres sehr guten Zustandes wie auch der exquisiten Ausstattung vielfältige buchkundliche und kunsthistorische Forschungen. Teils wurden die Bücher auf Seide gedruckt und zumeist von deutschen und schwedischen Hofbuchbindern exquisit eingebunden.

Die Prinzessinnen-Bibliothek wird zu großen Teilen in der Staatsbibliothek aufbewahrt. Die modernen Tresormagazine im Haus Unter den Linden wie auch der Zusammenhang zu den sonstigen Sammlungen der Bibliothek, die ihre Wurzeln im preußischen Königshaus hat, bilden für die Forschung ein einmaliges kontextbezogenes historisches Umfeld, das von dem tief gestaffelten Apparat einschlägiger Fachliteratur flankiert wird. Für die Aufstellung in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg werden etwa 500 passende Bände ausgewählt und künftig im Schloss Rheinsberg präsentiert. Damit kann der historische Bibliotheksraum, den der Bruder Friedrichs II., Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), hier nach 1786 eingerichtet hatte, wiedergewonnen werden.

Honorarfreie Abbildungen mit Kurzbeschreibungen

http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

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Zahlreiche Medien berichteten über diese Erwerbung, u. a.

Faltblatt aus „Vorstellung Deß jüngst=erschienenen COMETEN“ von Johann Mayer, Ulm 1681 – SBB PK Signatur: On 6700R (CC BY-NC-SA 3.0)

Kometen zwischen Wunderzeichen, Astrologie und Physik: Werkstattgespräch am 27.4.

Wissenswerkstatt

Kometen zwischen Wunderzeichen, Astrologie und Physik. Zur Materialität von Wissenswandel in der Frühen Neuzeit

Werkstattgespräch mit Doris Gruber (Graz/Wien – 2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK und der Gerda Henkel Stiftung Wien)
Donnerstag, 27. April 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden (Eingang Dorotheenstraße 27)
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Kometen riefen in Vergangenheit wie Gegenwart intensive Kommunikationsprozesse hervor. Am Beginn der Frühen Neuzeit wurde einhellig angenommen, dass Kometen Vorboten nahenden Unglücks – wie Hungersnöten, Pest und Krieg – seien. Diese Anschauungen untermauerten weithin akzeptierte Wissensbestände: So wurden Kometen als Teil der Heilsgeschichte betrachtet, laut der Wunderzeichen mitunter das Ende der Welt anzeigen würden. Außerdem deuteten auch astrologische und physikalische Theorien darauf hin, dass Kometen nichts Gutes mit sich brächten. Im Laufe der Frühen Neuzeit wandelten sich diese Wissensbestände jedoch, was dazu führte, dass die negativen Bedeutungen der Kometen immer häufiger angezweifelt wurden, unter anderem aufgrund neuer (empirisch gewonnener) Erkenntnisse.
Diese Wissenswandel werden anhand der zeitgenössischen Publizistik des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation untersucht. Im Zentrum steht, welche Rolle die Materialität der Medien dabei spielte. Dabei wird insbesondere gefragt, ob sich Kometenwissen auch dadurch veränderte, dass es in unterschiedlichen Formen transportiert wurde: als Text oder Bild in Form von Flugblättern, Flugschriften, Büchern, Zeitschriftenartikeln oder Schreibkalendern.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Reihe “Die Materialität von Schriftlichkeit”

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin