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Ausschnitt Kriegskarte von Schlesien - Christian Friedrich von Werde | 2° Kart. N 15060-2, SBB-PK, CC bY-NC-SA 3.0

Tracing the past intra et extra muros. Werkstattgespräch am 16.11.

Tracing the past intra et extra muros. Transformations of historic towns in Silesia from the Frederician period to WWII. Werkstattgespräch am 16.11.

  • Veranstaltung

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  • Termin

    Do 16. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)



Ausschnitt Kriegskarte von Schlesien - Christian Friedrich von Werde | 2° Kart. N 15060-2, SBB-PK, CC bY-NC-SA 3.0


Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Monika E. Adamska (Opole University of Technology)
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Silesia is a region of Central Europe with a complex and multicultural history. Its borders and national affiliation have changed repeatedly over the centuries. In the Middle Ages Silesia was incorporated into the early Polish state, then divided into independent duchies. Subsequently the region became a part of the Bohemian Crown Lands, then of the Austrian Habsburg Monarchy. Most of Silesia was annexed by the Kingdom of Prussia in 1742, later becoming part of the German Empire and staying under German administration untill the end of WWII. Since 1945 Silesia has been located mostly in Poland, with small parts in the Czech Republic and Germany.

Most of Silesian towns were founded in the Middle Ages, mainly on the basis of German law, creating a regular system of the settlement network in the entire region. This unique process was a part of dynamic urbanization of the entire Europe. At that time about 120 new towns were chartered in Silesia. Basic features of their historic urban structures are: a plan determined by geometry, a checkered grid of streets, regular blocks of development and a centrally located market square. Churches, monasteries, castles and town halls along with the elements of city walls have made up the old towns’ unique skylines for centuries. Every Silesian historic town, despite certain repeatability, has a unique and individual character.

For the next centuries Silesian historic towns rather lasted undergoing changes, than simply developed, being experienced by fires, epidemics and wars. Their image first underwent complex changes in the Frederician period, special attention was then paid to modernization of fortified towns. At the beginning of the 19th century the towns, remaining so far within their city walls and fortification systems, started to evolve extra muros. The industrial revolution connected most of the towns to railway network, which fostered the development of local industry. The urban landscape of Silesian towns was enriched by new streets and squares designated, public buildings erected and parks set up.  The interwar period, closing the scope of analysis,  was characterized by intensive development of housing to meet the needs of growing urban population.

This lecture is based on the research conducted during a grant of Prussian Cultural Heritage Foundation at the Map Department of the Berlin State Library in July 2017.

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

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Der Roman als Buch. Werkstattgespräch am 7.11.

Der Roman als Buch. Seitenkomposition im Gegenwartsroman: Werkstattgespräch am 7.11., 18.15 Uhr

  • Veranstaltung

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  • Termin

    Di, 07. November 2017
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Konferenzraum 4
    Haus Unter den Linden
    (Eingang Dorotheenstraße 27, Treffpunkt Rotunde)
    10117 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S- + U-Bahnstationen
    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Unter den Linden, Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)





Dr. Thomas Boyken, Eberhard Karls Universität Tübingen

Seit 2000 trifft man in zahlreichen deutschsprachigen Gegenwartsromanen auf typographische Auffälligkeiten, die mit der Vorstellung eines linear-gleichförmigen Romantextes brechen: Im Ungeheuer (2013) von Terézia Mora geht ein horizontaler Strich durch den ganzen Roman und teilt die Geschichte in zwei Teile; in Jan Brandts Gegen die Welt (2011) entfärbt sich die Schrift, bis die Seite leer ist; David Wagner setzt in Leben (2013) eine schwarze Seite ein, um die Leerstelle einer Operation zu markieren; Nis-Momme Stockmanns Der Fuchs (2016) durchziehen mehrere vertikale Linien den Roman, um unterschiedliche Zeitebenen anzuzeigen; Albrecht Selge lässt die Buchstaben aus der Reihe tanzen, wenn die alkoholisierten Figuren zu lallen beginnen und in Die Unglückseligen (2016) bittet der Teufel den Setzer des Buches, das wir soeben in den Händen halten, das kleine „Frakturproblem“ zu lösen – gemeint ist freilich kein Knochenbruch, sondern die vom Teufel unterstellte Inkompetenz des Lesers, den bis dahin in gebrochener Schrifttype präsentierten Text überhaupt lesen zu können.
Handelt es sich bei solchen Darstellungsweisen um Spielereien neuerer Romane? Oder wird in den genannten Beispielen die semiotisch-materielle Modellierung des Romans als Buch produktiv für die Erzählung genutzt? Am Beispiel aktueller Gegenwartsromane möchte ich in diesem Kontext diese und weitere Fragen in den Blick nehmen: In welche Richtung entwickelt sich das zeitgenössische Romanverständnis insbesondere im Spannungsverhältnis von Illusionismus und Anti-Illusionismus. Welche Auswirkungen haben die medientechnischen Entwicklungen auf die Form des Romans? Auch die poetologische, gattungstheoretische und medientechnische Traditionslinie, in die sich diese Romane stellen, wäre zu diskutieren. Können die ‚Romanexperimente‘ provozieren und Neuerungen anstoßen? Handelt es sich vielleicht weniger um ‚Romanexperimente‘ als vielmehr um die Wiederentdeckung des Buchs in der Poetik des Romans?

Obwohl die Digitalisierung, so meine Ausgangsthese, Gelingensbedingung für die Konjunktur dieser Romane ist, wird in den neueren Romanen die mediale Darbietungsform des Romans als Buch betont. Wenn sich seit 2000 immer mehr Romane mit Typographie, Seitenkomposition und allgemein mit Aspekten der Druckgestaltung produktiv auseinandersetzen, dann könnte dies ein Hinweis auf einen Umbruch in der Romanpoetik bedeuten, den ich anhand der genannten Romane skizzieren möchte.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

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Stefan Aust liest in der SBB-PK über Konrad Heiden

Am Abend des 17. Oktober las Stefan Aust im Dietrich-Bonhoeffer-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin aus seiner Biographie über Konrad Heiden. In meinen den Abend einleitenden Worten führte ich aus:

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Aust, sehr geehrter Herr Professor Tuchel,

lieber André Schmitz, liebe Freundinnen und Freunde der Staatsbibliothek,

 

wenn wir uns heute Abend mit Konrad Heiden befassen wollen, so stellte sich mir im Vorfeld unserer Veranstaltung wie schon so oft zuvor die Frage: wie hält – und wie hielt! –es denn die Staatsbibliothek mit Konrad Heiden, ist er in unseren Sammlungen denn eigentlich vertreten – und auf welche Weise? Was wir heute an Publikationen von Konrad Heiden besitzen, ist ein buntes Sammelsurium. Denn manches ist im Krieg verlorengegangen, anderes wurde in den Nachkriegsjahrzehnten erstmals oder als Verlustkompensation nachträglich erworben, anderes gilt leider als vermißt. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit in den nächsten Minuten kurz auf ein einziges Buch lenken, das recht anschaulich den Umgang der damals Preußischen Staatsbibliothek mit einem Mann wie Konrad Heiden beschreibt, ich möchte Ihnen eines der wenigen Bücher Heidens aus der Vorkriegszeit, die heute noch in unserem Bestand sind, näherbringen.

Ich spreche von dem Band „Les vêpres hitleriennes. Nuits sanglantes en Allemagne“, erschienen 1939 im Pariser Verlag Fernand Sorlot. Während man den Buchtitel „Les vêpres hitleriennes“ noch als ein etwas gewolltes feuilletonistisches Wortspiel, als Analogie nämlich zu den „Vêpres siciliennes“, dem Volksaufstand der „Sizilianischen Vesper“ aus dem Jahr 1282, ansehen mag, wird der Untertitel bereits sehr viel drastischer und deutlicher: die „Nuits sanglantes en Allemagne“ beschreiben blutige Nächte; und zwar sehr konkrete Nächte des Pogroms und des Staatsterrors.

Schutzumschlag der ursprünglich broschiert erschienenen Ausgabe

Das Buch beginnt mit den Sätzen: „C’est la nuit en Allemagne. La nuit du neuvième au dixième novembre mille-neuf-cent-trente-huit“. Ja, es war Nacht geworden in Deutschland, nicht erst im November 1938. Und Konrad Heiden weiß, wovon er schreibt und worüber er die Welt jenseits der deutschen Grenzen, dort, wo seine Bücher noch erscheinen dürfen, aufklärt.

Haupttitelseite mit Besitzstempel der Preußischen Staatsbibliothek

Und ein solches Buch wurde damals von der Preußischen Staatsbibliothek angeschafft? Ja, es wurde. Damals wie heute erwirbt die Staatsbibliothek nicht allein genuin wissenschaftliche Werke, sondern sie beschafft – in Auswahl – auch wichtige populärwissenschaftliche oder feuilletonistische Quellenwerke, die Bestandteil der aktuellen gesamtgesellschaftlichen Diskussion sind. Insofern wurden auch die Werke Konrad Heidens erworben. Der Umgang mit ihnen war freilich in den Jahren nach 1933 einem Wandel unterzogen. Zunächst: kein Buch, das zuvor angeschafft worden war, wurde 1933 oder auch später ausgesondert oder gar verbrannt. Es ist eine beliebte Vermutung, unter den Büchern, die auf dem Opernplatz vernichtet worden seien, hätten sich auch Bücher der direkt gegenüber gelegenen Preußischen Staatsbibliothek befunden – nein, dem war zum Glück nicht so. Damals wie heute galt das Prinzip der Archivbibliothek: was einmal seinen Weg in die Magazine gefunden hatte, wurde und wird nie mehr ausgesondert. Vielmehr galt Autoren wie Konrad Heiden nach 1933 mindestens dieselbe Aufmerksamkeit wie zuvor, wenn nicht sogar ein gesteigertes Interesse. Es ist die berüchtigte „Erkenne den Feind“-Attitüde, mit der weiterhin auch die Schriften der Emigranten erworben und ordnungsgemäß im Katalog verzeichnet wurden – allein der Zugang zu derlei diktaturkritischen Büchern wurde nunmehr reglementiert und erschwert. „Les Les vêpres hitleriennes“ erhielt gleich doppelt – auf dem Buchrücken und erneut im Buchdeckel – den Sperrvermerk „SM“ – die hausinterne Abkürzung für „Sondermagazin“.

Auf diese Weise war gesichert, daß ein Buch von Konrad Heiden erst nach persönlicher Vorsprache des Interessenten ausgegeben wurde… – und entsprechend sieht das Buch auch aus, quasi taufrisch bis heute, obwohl Bücher doch geschrieben werden, um gelesen zu werden und Bibliotheken allein existieren, um ihre Sammlungen zur Verfügung zu stellen…

Meine Damen und Herren, Bücher haben ihre Schicksale, wie ich Ihnen an diesem kleinen Beispiel andeuten durfte – und mehr noch haben Journalisten, politische Journalisten zumal in diktatorischen Regimes, ihre Schicksale, ihre leider häufig tragischen Schicksale. Hiervon berichtet uns heute Abend Stefan Aust, den ich sehr herzlich begrüße, als Journalisten, als Autor einer faszinierenden Biographie und nicht zuletzt auch als Benutzer der Staatsbibliothek, denn sehr gerne habe ich ganz hinten im Verzeichnis der von Ihnen konsultierten Bibliotheken und Archive auch den Hinweis entdeckt, daß Sie im Zuge Ihrer Recherchen über Konrad Heiden auch die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek im Westhafen besucht haben.

Herzlichen Dank – und seien Sie Willkommen in der Staatsbibliothek!