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Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Wissenswerkstatt im Februar

In unserer Wissenswerkstatt vermitteln wir Ihnen elektronische Ressourcen oder Internetquellen zu Ihrem Fach, zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie schnell und treffsicher zu den gewünschten Suchergebnissen kommen, elektronische Texte oder Digitalisate finden und diese weiter verarbeiten können. Im Februar möchten wir Sie zu folgenden Workshops einladen:

 

Wie finde ich was und wie geht es weiter? Strategien für die erfolgreiche Recherche
Donnerstag, 9. Februar, 15.00 Uhr

„Ich hab noch einen Laptop in Berlin…“ – Recherchieren nach Berlin-Beständen
Donnerstag, 16. Februar, 16.00 Uhr

Fragestunde Philologien
Donnerstag, 23. Februar, 15.30 Uhr

Fragestunde Bild-Datenbanken
Dienstag, 28. Februar, 17.00 Uhr

Außerdem findet im Januar und Februar unsere Asien-Reihe  statt, in der wir Ihnen u. A. unser Portal CrossAsia vorstellen.

 

Zur Übersicht der Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

DFG fördert weiter FID Recht

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, setzt die Förderung für den im Jahr 2014 an der Staatsbibliothek zu Berlin eingerichteten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung (FID Recht)  fort und unterstreicht damit die Qualität wie auch die Bedeutung des FID Recht.

Mit verbesserten Serviceangeboten und neu entwickelten Dienstleistungen – darunter ein überregional zugänglicher Lizenzraum für hochspezialisierte elektronische Zeitschriften und Datenbanken für einen definierten Teilnehmerkreis – wird bis zum Ende des Jahres  2019 der Ausbau des FID Recht, der auf den aktuellen Informationsbedarf der Forschenden ausgerichtet ist, abgeschlossen. Der Wissenschaftsrat hatte für den Ausbau des FID Recht das Leitbild „Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland“ vorgelegt, darin wurden die Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer, die Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung sowie deren stärkere Internationalisierung in den Fokus gestellt. Auf der Grundlage dieses Leitbildes und zugleich im engen Kontakt mit der Wissenschaftscommunity an Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland hat der FID Recht sieben strategische Handlungsfelder identifiziert, darunter die nutzungsgesteuerte Erwerbung, der Relaunch der Virtuellen Fachbibliothek Recht, das Unterbreiten zielgruppenspezifischer Beratungsangebote zum Open-Access-Publizieren oder der Aufbau von Infrastrukturen für juristische Wissenschaftsblogs.

Das deutsche und ausländische Recht zählt seit Jahrhunderten zu den Sammelschwerpunkten der vor über 355 Jahren gegründeten Staatsbibliothek zu Berlin. Die Bibliothek verfügt heute über die größte Universalsammlung juristischer Quellen und rechtswissenschaftlicher Forschungsliteratur in Deutschland: 1,25 Millionen Bände an Druckschriften, darunter allein 230 Tausend Werke im historischen Bestand.

Die DFG-Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Von 1949 bis zum Jahr 2013/15 unterhielt die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Kooperation mit zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet ein dezentrales System von disziplin- bzw. länderspezifischen Sondersammelgebieten. Durch diese thematisch koordinierte Erwerbungskooperation wurde, unabhängig von der jeweiligen Nutzung, ein möglichst umfassendes Reservoir an internationaler Spezialliteratur aufgebaut und überregional verfügbar gehalten. Dieses System war in den Nachkriegsjahren mit dem Ziel errichtet worden, dem Mangel an fremdsprachigen Forschungspublikationen in Deutschland durch Fernleihen zu begegnen.

Der inzwischen eingetretene Strukturwandel sowohl des wissenschaftlichen Publikationsmarktes wie auch der Forschungsprozesse im digitalen Zeitalter machte eine grundlegende Revision des Sondersammelgebietssystems erforderlich. Mit Wirkung zum 1. Januar 2014 hat die DFG das System umgestellt auf den Auf- und Ausbau bibliothekarischer Dienstleistungsangebote, die auf konkrete Nachfragen und den aktuellen Informationsbedarf der jeweiligen wissenschaftlichen Fachcommunity reagieren. Seither entwickeln sich die ehemaligen Sondersammelgebiete zu „Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft“, die sich den regulären Prüfverfahren der DFG zur Förderung zu stellen haben: Im Dreijahresturnus müssen die Fachinformationsdienste ihre Leistungsfähigkeit im Dienst der Forschung unter Beweis stellen und die weitere Förderung beantragen.

Dem gleichen Antragsverfahren unterliegt das Kompetenzzentrum für die überregionale Lizenzierung elektronischer Publikationen, der Dienstleister für alle Fachinformationsdienste, der die Beschaffung und Bereitstellung kostenpflichtiger digitaler Medien koordiniert und unterstützt. Das Kompetenzzentrum wird von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen sowie der Bayerischen Staatsbibliothek München getragen.

 

 

Ausschnitt aus dem Nürnberger Plakatdruck der 95 Thesen, 1517 | Quelle: Digitale Bibliothek der Staatsbibliothek zu Berlin - PK || CC BY-SA-NC 3.0

Werkstattgespräch zur Neugestaltung der Lutherbibel am 7.2.

Wissenswerkstatt
95 Thesen zur Neugestaltung der Lutherbibel
Werkstattgespräch mit Prof. Friedrich Forssman, Kassel / Fachhochschule Potsdam
Dienstag 7. Februar 2017
18.15 Uhr
Otto-Braun-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Zum Luther-Jubiläumsjahr 2017 erscheint eine Neuausgabe der Lutherbibel mit der ersten Neugestaltung seit 1982. Friedrich Forssman spricht über das ganze und die Details und über Buchgestaltung im Allgemeinen am Beispiel einer besonders vielschichtigen Aufgabe.

Veranstaltungshinweis:
Am 3. Februar wird in der Staatsbibliothek die Ausstellung
„BIBEL – THESEN – PROPAGANDA. Die Reformation erzählt in 95 Objekten
eröffnet und am 7. Februar bis 20.30 Uhr geöffnet sein.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Acht Lieder – die Geburt des evangelischen Kirchengesangbuchs

Das Achtliederbuch und weitere frühe Gesangbuchdrucke der Reformationszeit in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“.

Titelblatt des Achtliederbuchs. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Martin Luthers Lieder wurden zunächst als Flugblätter verbreitet, um die neuen Lehren schnell bekannt zu machen. Doch schon 1524 erschienen mit dem Achtliederbuch, dem Erfurter Enchiridion und dem mehrstimmigen Gesangbüchlein Johann Walters gleich drei verschiedene Sammlungen seiner und anderer reformatorischer Lieder, die zum Teil umgehend nachgedruckt wurden.

Das Achtliederbuch wurde bereits um die Jahreswende 1523/1524 publiziert und kann gewissermaßen als Vorläufer aller evangelischen Gesangbücher gelten. Allerdings handelt es sich hier noch nicht um ein planvoll zusammengestelltes Kirchengesangbuch, sondern vielmehr um eine von dem Nürnberger Drucker Jobst Gutknecht veranstaltete Sammlung verschiedener als Flugdrucke kursierender Lieder. Um seine Identität nicht preiszugeben, gibt Gutknecht als Impressum „Wittenberg. M.DXXiiij.“ an, Angaben zum Drucker fehlen.

Das kleine Büchlein mit dem umfänglichen Titel „Etlich Cristlich lider Lobgesang und Psalm dem rainen wort Gottes gemeß auß der heyligen schrifft durch mancherley hochgelerter gemacht in der Kirchen zu singen wie es dann zum tayl berayt zu Wittenberg in uebung ist“ enthält vier Lieder von Martin Luther (1 sowie 5-7), dazwischen drei von Paulus Speratus (2-4) und schließt mit einem eventuell Justus Jonas zuzuschreibenden Lied (8):

1) Ein Christenlichs lied Doctoris Martini Luthers, die unaussprechliche gnaden Gottes und des rechten Glaubens begreyffendt. – Nun frewt euch lieben Christen gmein (mit Noten, datiert 1523)

2) Ein lied vom gesetz und glauben, gewaltigklich mit götlicher schrifft verlegt, Doctoris Pauli Sperati. – Es ist das hayl uns kummen her (mit ausführlicher Angabe der zugrunde liegenden Bibelstellen und Noten, datiert 1523)

3) Ein gesang Doct. Sperati, zu bekennen den glauben, mit anzaygung der schrifft, alts unnd news Testaments, wo ein yeder artickel des glaubens, in ir gegründt ist, nach außweysung der buchstaben verzeychet. – In Got, gelaub ich das er hat (mit Noten, datiert 1524)

4) Ein gesang Doct. Sperati, zu bitten umb volgung der besserung, auß dem wort Gottes. – Hilff got, wie ist der menschen not (datiert 1524)

5-7) Der xi. Psalm. Salvum me fac: Ach got von hymel sihe darein (mit Noten, geltend für alle drei Psalmlieder). – Der xiii. Psalm. Dixit insipiens: Es spricht der unweysen mundt wol. – Der Psalm De profundis: Auß tieffer not schrey ich zu dir.

8) Ein fast Christlichs lied vom waren glauben, und rechter lieb Gottes und des nechsten. – In Jesus namen heben wir an (mit Noten, zweistimmig, je zwei Zeilen, notiert im Tenor- und Altschlüssel)

Ein melodisches Ungeheuer?

Zweistimmige Melodie zu „In Jesus Namen heben wir an“ aus dem Achtliederbuch. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Fünf Melodien für die acht Lieder wurden in den Druck aufgenommen – wegen des damit verbundenen Aufwandes durchaus nicht selbstverständlich und Ausdruck des musikalischen Gestaltungswillens der Anhänger Luthers.

Allerdings kam es dabei auch zu musikalischen Missverständnissen: Die Melodie zum achten Lied In Jesus Namen heben wir an gab der Wissenschaft lange Zeit Rätsel auf, die erst der Hymnologe Konrad Ameln 1978 überzeugend lösen konnte. Hundert Jahre zuvor bewertete der Volksliedforscher und -sammler Franz Magnus Böhme in seinem Altdeutschen Liederbuch (1877) die vierzeilige Musiknotation als „melodisches Ungeheuer, mit Tenor- und Altschlüssel notiert“; dabei handele es sich – so Böhme – um die Begleitstimme eines mehrstimmigen Satzes, die durch ein Versehen des Setzers hierhin geraten sei, während die eigentliche Hauptstimme fehle. Für Böhme war klar, dass dieser unsingbare „Notenhaufen“ ein Grund dafür war, dass In Jesus Namen heben wir an als einziges der acht Lieder nicht in Johann Walters mehrstimmiges Gesangbüchlein von 1524 aufgenommen wurde. Gleichzeitig stellte Böhme fest, dass auch die im Erfurter Enchiridion zu diesem Lied gedruckte Melodie „durch ihren ungeheuren Tonumfang und gesuchte Rhythmen“ ebenfalls nicht gut singbar und wenig volkstümlich sei.

Erst Konrad Ameln erkannte, dass es sich im Achtliederbuch um eine zweizeilige Hauptmelodie im Tenorschlüssel mit einer ebenfalls zweizeiligen Oberstimme im Altschlüssel handelte, die für eine damals bei Bergleuten beliebte Form improvisierter Mehrstimmigkeit typisch war. Die ins Erfurter Enchiridion aufgenommene, wenig eingängige Melodie beruht dagegen auf einem Hörfehler: offenbar wurde hier versehentlich die durchdringendere Oberstimme statt der eigentlichen Hauptstimme nach dem Gehör notiert und an die Erfurter Drucker übermittelt.

Register zum Erfurter Enchiridion. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Das Erfurter Enchiridion

Das Erfurter Enchiridion (griech. für Handbüchlein) erschien ebenfalls 1524 in harter Konkurrenz zwischen zwei Erfurter Druckern: Johannes Loersfeld war vermutlich ein wenig schneller als sein Berufskollege Matthes Maler, beide Ausgaben zeigen Spuren einer eiligen Fertigstellung. Erst 1525 erschien die Ausgabe von Wolfgang Stürmer, einem weiteren Erfurter Drucker, die nicht mehr das anonym gegen den „alten Kirchengesang“ als Geschrei der „Baalspriester und Waldesel“ polemisierende Vorwort der Ausgaben von 1524 enthält, sondern das für Johann Walters mehrstimmiges Gesangbüchlein verfasste Vorwort Martin Luthers voranstellt und am Schluss ein Register der Liedanfänge bietet. Das für alle Ausgaben gewählte handliche Oktavformat machte das angestrebte stete Mitführen dieses Gesangbüchleins tatsächlich möglich.

Die früheste Sammlung mehrstimmiger Luther-Choräle

Im selben Jahr wie das Achtliederbuch und das Erfurter Enchiridion erschien 1524 in Wittenberg das Geystliche Gesangk Buchleyn mit 43 drei- bis fünfstimmigen Kirchenlied-Bearbeitungen von Johann Walter. Martin Luther steuerte zu dieser Sammlung eine Vorrede und 24 Lieder bei, darunter sechs Dichtungen, die zuvor noch nicht im Druck erschienen waren. Gedruckt wurden die Sätze wie damals üblich nicht in Partitur, sondern in einzelnen Stimmbüchern. Die erste Auflage von 1524 ist heute nur noch unvollständig erhalten; die zweite, weitgehend unveränderte Auflage erschien unter leicht modifiziertem Titel im folgenden Jahr in Worms, wohingegen die weiteren von Walter besorgten Neuausgaben der Jahre 1537, 1544 und 1551 jeweils erheblich abweichen.

Johann Walters Gesangbüchlein, Stimmbuch für den Tenor. Musikabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Diese frühen protestantischen Liedersammlungen können Sie zusammen mit vielen anderen Objekten zur lutherischen Kirchenmusik – darunter ein eigenhändiger Melodieentwurf Luthers, das einzige Autograph einer Reformationskantate von Johann Sebastian Bach und Mendelssohns römisches Weihnachtsliedvom 3.2. bis 2.4.2017 selbst in der Staatsbibliothek in Augenschein nehmen.

 

Georg Hirth: Das deutsche Zimmer der Renaissance, München 1882. SBB PK: Signatur 1 C 345 | Stefan George: Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod, Berlin 1900. SBB PK: Signatur Yo 28000 | CC BY-SA-NC 3.0

Werkstattgespräch zur Buchkultur im 19. Jahrhundert am 24.1.

Wissenswerkstatt
Buchkultur im 19. Jahrhundert – Zeitalter, Materialität, Gestaltung.
Eine Buchvorstellung

Dr. Monika Estermann, Dr. Frieder Schmidt und Prof. Dr. Wulf D. von Lucius,
Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst
Dienstag 24. Januar 2017
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Nach den Bänden zum 15., 16. und 18. Jahrhundert präsentiert die Maximilian-Gesellschaft nunmehr den zweiten von insgesamt drei Teilbänden zur Buchkultur des 19. Jahrhunderts – ein Publikationsprojekt, das ohne die umfassende Sammlungstätigkeit der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer historischen Vorgängereinrichtungen kaum möglich gewesen wäre. Während der erste, bereits im Jahr 2010 erschienene Teilband die technischen Grundlagen der Buchproduktion im Zeitalter der Industrialisierung behandelt, liegen die Schwerpunkte des vorzustellenden Werks auf der Präsentation des neuen Zeitalters anhand der epochemachenden großen Ausstellungen, auf der veränderten beruflichen Ausbildung der Drucker sowie den Wandlungen des Buchinneren: Thematisiert werden vor allem die Entwicklung des gesamten Titelbogens sowie die Neugestaltung der Satzusancen bei bestimmten Textgattungen. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Zusammenarbeit der bekannten Autoren mit ihren Druckern – darunter etwa Goethe, von Arnim und Brentano, George, Rilke und Holz – bei der Suche nach der adäquaten typographischen Form. Zwei abschließende Kapitel behandeln das Druck- sowie das Buntpapier. Der dritte, den Techniken der künstlerischen Buchgestaltung gewidmete Teilband soll im Lauf des kommenden Jahres folgen.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Die Lutherbibel und der vermutlich erste Chinese Deutschlands

Fung Assengs 1828 angefertigte Übersetzung des Lukasevangeliums ins Chinesische in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“.

Ein Beitrag von Cordula Gumbrecht.

Drei frühe Übersetzungen von Texten Martin Luthers ins Chinesische – alle aus den Jahren 1828/1829 – finden sich im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin. Angefertigt wurden sie von Fung Asseng, dem wohl ersten Chinesen, der vor rund 200 Jahren nach Deutschland kam. Asseng überreichte seine Übersetzungen persönlich dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., der sie 1829 der Königlichen Bibliothek zu Berlin schenkte. Es handelt sich um Übertragungen von Luthers Kleinem Katechismus (fertiggestellt am 8. Febr. 1828) und von Luthers deutscher Bibelübersetzung, allerdings nur des Lukas- und des Markusevangeliums (Shengchuan fuyin lujia 聖傳福音路加 sowie Chuan fuyin ma’erke 傳福音馬耳可). Vom 9. April bis 4. Nov. 1828 schrieb Asseng zunächst seine Übersetzung des Lukasevangeliums und anschließend – vom 18. Nov. 1828 bis 10. Mai 1829 – die des Markusevangeliums nieder.

Fung Assengs Weg über St. Helena nach Berlin

Fung Asseng (Feng Yaxing 馮亞星, auch Feng Yasheng 馮亞生) wurde 1792 oder 1793 in der südchinesischen Provinz Guangdong 廣東als Sohn eines Priesters und Astrologen geboren. Sehr wahrscheinlich auf Anregung seines Onkels verließ er zum ersten Mal vor nahezu genau zweihundert Jahren China, um im Westen sein Glück zu machen. Fung Assengs Onkel war Vorsteher des Kantoner Seezollamtes in Whampoa (Huangpu 黃埔) und damit für die Ausfertigung und Visierung von Schiffspapieren zuständig. Fung Asseng, der mit fünf Jahren seinen Vater verloren hatte und dessen Mutter ihn in der chinesischen Schriftsprache und wohl auch in der klassischen Literatur unterrichten ließ, hielt sich oft im Hause seines Onkels auf, wo er auch erste Kenntnisse der englischen Sprache erworben haben soll.

Fung Assengs eigenhändig geschriebener Lebenslauf, in seiner Übersetzung von Luthers Kleinem Katechismus (1828). Ostasienabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Am 3. August 1816 reiste er seinen eigenen Angaben zufolge zunächst auf einem portugiesischen Schiff nach Macao, dann auf einem englischen nach Ostindien und von dort aus zur britischen Insel St. Helena im Südatlantik, wo zu jener Zeit zahlreiche Chinesen auf den Plantagen der Ostindien-Kompanie arbeiteten. Fung Asseng selbst gehörte rund dreieinhalb Jahre als Koch zur Dienerschaft des im Jahr 1815 nach St. Helena verbannten französischen Kaisers Napoleon I.. Nach einem Heimaturlaub, nicht zuletzt um seine Frau und seine beiden Kinder zu besuchen, kam Fung Asseng – kurz nachdem Napoleon im Jahr 1821 verstorben war – nochmals nach St. Helena. Von hier aus reiste er wenig später nach London, wobei er an Bord zwischen dem englischen Kapitän und den chinesischen Matrosen gedolmetscht haben soll. In London angekommen, traf Fung Asseng im Ostindienhaus, dem Hauptsitz der East Indian Company auf seinen späteren Reisegefährten, den 26jährigen Fung Ahok (Feng Yaxue 馮亞斈[學]), der wie Assengs Onkel aus Whampoa stammte und Sohn eines Seidenhändlers war. Beide Männer unterschrieben in London einen Vertrag mit dem Waffelbäcker und Schausteller Heinrich Lasthausen, demzufolge sie mit letzterem nach dem Kontinent reisen und dort gegen Geld zur Schau gestellt werden sollten. So kamen sie in die deutschen Städte Weimar, Jena, Halle und schließlich Berlin.

Anzeige des Waffelkuchenbäckers Lasthausen aus Amsterdam in der Leipziger Zeitung vom 21. Mai 1814. Zeitungsabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Diese Darstellung Fung Assengs ist abgedruckt in Johann Karl Bullmanns 1833 erschienenen Denkwürdigen Zeitperioden der Universität zu Halle (S. 215/216). Einem anderen Bericht zufolge reisten Fung Asseng und Fung Ahok zusammen aus China ab und machten gemeinsam auf der Insel St. Helena „Station“, wo sie von Napoleon I. „empfangen und zu einem Essen eingeladen wurden“ (Acta Lasthausen, zitiert nach Erich Gütinger, Die Geschichte der Chinesen in Deutschland, S. 80).

In Berlin waren die beiden Chinesen – wie Der Freimüthige oder Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser vom 8. März 1823 berichtet – sieben Tage zuvor in der Behrenstraße Nr. 65 zu bewundern. Bereits am 17./18. Januar hatte Johann Gottfried Schadow, der sich intensiv mit Physiognomik beschäftigte, erst Fung Ahok und dann einige Tage darauf auch Fung Asseng gezeichnet und ihre Köpfe vermessen. Die Originalzeichnungen Schadows sind im Bestand der Nationalgalerie Berlin erhalten. Als Zinkdrucke fanden die Porträts später Aufnahme in Schadows National-Physiognomien (1835).

Porträt Fung Assengs aus Schadows National-Physiognomien (1835). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

An der Universität Halle

Per Kabinett-Ordre vom 10. April 1823 entschied der preußische König Friedrich Wilhelm III. auf Anraten seines Kultusministers Karl vom Stein zum Altenstein, dass Fung Asseng und Fung Ahok in Deutschland „fixiert“ und zum Deutsch- bzw. Chinesischunterricht an die Universität Halle geschickt werden sollten. Nach den Plänen des Großen Kurfürsten zur Gründung einer Ostindischen Handelskompanie und seinen im Zusammenhang damit stehenden Bemühungen um die Förderung der Chinesischstudien Andreas Müllers und Christian Mentzels im 17. Jahrhundert ist dies als ein neuer Versuch zur Etablierung der Chinastudien in Deutschland und mittelbar der Entwicklung des Chinahandels zu werten.

Aus der preußischen Staatskasse wurden 4.600 Taler zwecks „Fixierung“ der beiden Chinesen zur Verfügung gestellt. 1.000 Taler gingen als „Ablösesumme“ an den Schausteller Heinrich Lasthausen. Mit dem restlichen Geld wurden zwei deutsche Betreuer sowie die Lebenshaltungs- und Studienkosten finanziert. Fung Asseng und Fung Ahok gingen an die Universität Halle und wurden dort durch Friedrich Helmke und Wilhelm Schott in der deutschen Sprache unterrichtet, im Gegenzug sollten die beiden Helmke und Schott in der chinesischen Sprache unterweisen. Ziel war es, dass so die Bekanntschaft mit der chinesischen Sprache „auf deutschen Boden verpflanzt werde und daselbst mehr als bisher Wurzel fasse“.

Am preußischen Hof

Fung Asseng und wohl auch Fung Ahok hielten sich mindestens bis 1826 in Halle auf, am 2. April dieses Jahres ehelichte ersterer – nachdem er sich zuvor hatte taufen lassen und von da an den Namen Friedrich Wilhelm Asseng trug – Johanne Marie Clara Kraftmüller. Bereits am 18. Febr. 1826 war der gemeinsame Sohn Heinrich Wilhelm Andreas geboren worden. Bald darauf gingen die beiden Chinesen nach Potsdam, wo sie – nach mündlicher Überlieferung der Nachfahren Assengs – „Teediener“ des Königs waren. Fung Assengs Ehe mit Johanne Kraftmüller währte sieben Jahre. Das Paar hatte vier Kinder. Nach der Geburt des jüngsten Kindes, am 3. Mai 1832, verstarb Fung Assengs Frau. Assengs Leben nahm nun eine ungute Wendung. Eine erneute Heirat war ihm seitens des Königs nicht erlaubt worden, worauf er sich dem Alkohol und der Spielsucht hingegeben haben soll. Erst seinem dritten Antrag auf Rückkehr nach China wurde stattgegeben, so dass er endlich im Jahr 1836 die Heimreise antreten konnte. Er soll am 15. Febr. 1889 in China verstorben sein.

Die Luther-Übersetzungen

Geblieben sind uns Assengs Luther-Übersetzungen, alle drei nach demselben Muster aufgebaut: Unter jedem chinesischen Zeichen findet sich die kantonesische Aussprache in lateinischen Buchstaben und darunter der deutsche Wortlaut. Die Übertragungen des Lukas- und des Markusevangeliums weisen im Vokabular eine große Ähnlichkeit mit Robert Morrisons (1782-1834) Bibelübertragungen auf. In der Syntax folgt der chinesische Text sehr dem deutschen, ein Umstand, der der Lesbarkeit desselben Abbruch tut. Zu welchem Zweck die Übersetzungen angefertigt wurden, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren.

Die Übertragung des Lukasevangeliums durch Fung Asseng wie auch die früheste komplette protestantische Bibelübersetzung ins Chinesische von 1822 durch Joshua Marshman und Joannes Lassar sowie viele weitere Objekte rund um die Lutherbibel sind vom 3.2. bis 2.4.2017 in der Staatsbibliothek zu sehen.

Beginn der Übersetzung des Lukasevangeliums von Fung Asseng. Ostasienabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Unser Beitrag hat inzwischen durch die Recherchen zum weiteren Schicksal der Familie Asseng eine aktuelle Fortsetzung gefunden:

Kontakt zu Fung Assengs Nachfahren – ein Ergebnis unserer Ausstellungsvorbereitungen

Jölund Asseng vor der Neumayer-Station. Mit freundlicher Genehmigung von Jölund Asseng

Im Zuge der Vorbereitung der Ausstellung gelang es, Kontakt zu einem der doch recht zahlreichen Nachfahren Fung Assengs herzustellen. Rainer Schwarz hatte bereits Ende der achtziger Jahre bei  Recherchen  für seinen Aufsatz Heinrich Heines „chinesische Prinzessin“ und seine beiden „chinesischen Gelehrten“ sowie deren Bedeutung für die Anfänge der deutschen Sinologie (erschienen in: NOAG 144 (1988) 81-109) durch einen glücklichen Zufall Ekkehard Asseng (1937-1993), einen Urenkel 3. Grades des wohl ersten nach Deutschland gelangten Chinesen kennenlernen und interviewen können. Ekkehard Asseng war Meteorologe und arbeitete viele Jahre im Aeronautischen Observatorium Lindenberg im Bereich der Aerologie. In seiner Freizeit hat er sich um die Bewahrung der Familienhistorie verdient gemacht. Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft, genauer deren Sekretärin Frau Marion Schnee, vermittelte nun über Umwege den Kontakt zu dessen ältestem Sohn, Jölund Asseng. Dieser ist gewissermaßen in die Fußstapfen seines Vaters getreten, sowohl in beruflicher Hinsicht als auch im Hinblick auf sein Interesse an dem doch außergewöhnlichen Vorfahren. Jölund Asseng arbeitet heute als Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut des Helmholtz-Zentrums für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, hat auf der Neumayer-Station in der Antarktis überwintert und nimmt weiter regelmäßig an Expeditionen dorthin teil.

Messingpetschaft nach dem Entwurf des Sohnes von Fung Asseng, Heinrich Wilhelm Andreas Asseng, Mit freundlicher Genehmigung von Jölund Asseng. Foto: Christine Kösser, Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Wie sein Vater betreibt er Ahnenforschung und ist u.a. um die Vervollständigung des Familienstammbaumes hier in Deutschland, aber auch in China, bemüht. In seinem Besitz findet sich heute ein letztes Sachzeugnis für den außergewöhnlichen Vorfahren, die schon bei Rainer Schwarz erwähnte Messingpetschaft, die Fung Assengs ältester Sohn Heinrich Wilhelm Andreas Asseng (1826-?), Dekorationsmaler in Berlin, entworfen haben soll und die mit den Zeichen renzi 壬子(= 49.Jahr des Sechzigerzyklus) an das Geburtsjahr Fung Assengs 1792 erinnert.

Jölund Asseng wiederum stellte den Kontakt zu Erich Gütinger (dem Verfasser der Geschichte der Chinesen in Deutschland, s.o.) her, mit dem ihn seit Jahren eine Freundschaft verbindet. Wir schätzen uns glücklich,  dass beide unserer Einladung zur Eröffnung der Ausstellung Bibel – Thesen – Propaganda am 2. Februar gefolgt sind und hoffen, bald weitere Ergebnisse aus der Asseng-Forschung zu veröffentlichen.

Von r. n. l.: Jölund Asseng, Cordula Gumbrecht u. Erich Gütinger in der Ausstellung Bibel – Thesen – Propaganda, vor der Vitrine mit Fung Assengs Bibelübersetzung. Foto: Hagen Immel, Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Nachlass Alexander von Humboldts digital + erschlossen für jeden zugänglich Abschlusskonferenz mit Science-Slam

Für viele Zweige der Wissenschaften wie auch für all jene, die die Forschungen und Impulse des Forschers, Entdeckers, Netzwerkers und Europäers, des in jeder Hinsicht bemerkenswerten Berliners Alexander von Humboldt (1769-1859) aufnehmen wollen, gibt es jetzt keinerlei Beschränkungen mehr: Der gesamte Nachlass einschließlich der neun weltberühmten, im Jahr 2013 von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erworbenen Amerikanischen Reisetagebücher ist im Netz digital zugänglich und erschlossen.

Alexander von Humboldts Nachlass online
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/

Abschlusskonferenz am 17./18. Januar 2017
„Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“
Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33
Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan
Kostenlose Anmeldung: http://sbb.berlin/ps64d9

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Zum bevorstehenden Abschluss des über drei Jahre vom Bund geförderten Projektes führt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz aus: „Mit Begeisterung unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das gemeinsame Vorhaben der Staatsbibliothek zu Berlin und der Universität Potsdam, die 2013 von der Bibliothek erworbenen neun Tagebücher der Amerikanischen Reise Alexander von Humboldts sowie seinen gesamten Nachlass digital aufzubereiten und nach bestimmten Fragestellungen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Denn für die Wissenschaften wie auch für jeden Liebhaber der Naturwissenschaften und der Künste ist es ein großer Gewinn, ohne irgendeine Einschränkung via Internet mit rund 75.000 Images den überlieferten Humboldt-Nachlass in seiner Gesamtheit lebendig werden lassen zu können. Die von ihm geschaffenen Inhalte wie auch die jeweiligen Erscheinungsbilder seiner Reistagebücher, Briefe, Notizen, Forschungsaufzeichnungen, Manuskripte und einzigartigen Themensammlungen sind jetzt in bester Qualität anzuschauen und zu recherchieren. Ich lade herzlich dazu ein, sich mit den von Humboldt in der Regel sehr eng beschriebenen Blättern und den teils über Jahrzehnte hinweg ergänzten Annotationen zu befassen, mit seinen zahlreichen Querverweisen auf frühere Erkenntnisse, mit seinen Zeichnungen von geologischen Formationen, von Tieren, Pflanzen und Menschen! Beispiele für die intensive Befassung mit einzelnen Fragestellungen präsentieren demnächst junge Wissenschaftler aus Potsdam – auch ich sehe gespannt den Ergebnissen ihrer dreijährigen Forschungen entgegen. Zunächst aber übergeben wir mit Freude der Öffentlichkeit einen wissenschaftlichen und kulturhistorischen Fundus, der in der thematischen Breite und Tiefe seinesgleichen sucht und und dessen allgemeine komfortable Zugänglichkeit eben deshalb ein zentrales Anliegen der Staatsbibliothek zu Berlin war.“

Berlin und Krakau: Nachlass restauriert, digitalisiert, erschlossen

Generaldirektorin Schneider-Kempf bedankt sich besonders bei ihrem Amtskollegen Direktor Pietrzyk von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau. Dort befindet sich kriegsbedingt ein Teil des Nachlasses Alexander von Humboldts. Und so war es nur in gemeinsamer Anstrengung und im kollegialen Einvernehmen möglich, den Nachlass komplett zu digitalisieren und zu erschließen. Diese wichtige internationale Kooperation wurde über die umfangreiche Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hinaus ab Oktober 2015 zusätzlich von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien finanziell unterstützt.
Vor der Digitalisierung wurde in Berlin und Krakau jedes einzelne Blatt dahingehend überprüft, ob restauratorische Schritte zu unternehmen waren. Zudem wurden alle Dokumente in neu beschriftete, säurefreie Mappen und Kästen umgelagert.

Insgesamt wurden von rund 22.000 Blatt des Nachlassteils in der Staatsbibliothek zu Berlin 50.000 Images gefertigt (darin rund 4.000 Images von den Amerikanischen Reisetagebüchern). Der Nachlassteil in Krakau umfasst etwa 11.000 Blatt, davon wurden 25.000 Images gefertigt. Insgesamt handelt es sich um 33.000 Blatt, teils sehr komplexe Dokumente, von denen 75.000 Images gefertigt wurden.

Potsdam: junge Wissenschaftler erforschten Reisetagebücher

Seit Anfang des Jahres 2014 arbeiten am Institut für Romanistik der Universität Potsdam unter der Leitung von Ottmar Ette in einem international besetzten Team drei Doktorandinnen und zwei Postdoktoranden an der Erforschung der neun Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, die etwa 4.000 eng beschriebene Seiten umfassen.
Untersucht wurden die Tagebücher, die Humboldt während seiner Entdeckungs- und Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 geschrieben hatte, nach den Schwerpunkten Landschaftsdarstellung, Darstellung von Sklaverei sowie Skizzen und Zeichnungen. Eine der Untersuchungen galt der Darstellung einer italienischen Reise aus dem Jahr 1805, diese Aufzeichnungen hatte Humboldt in das Konvolut der Amerikanischen Reisetagebücher mit eingebunden. Zu jeder Untersuchung der Potsdamer Wissenschaftler entsteht derzeit je eine Monographie.
Für die Wissenschaftler gab es auch gemeinsame Fragestellungen, etwa nach der Arbeitsweise Alexander von Humboldts, der lebenslang an und mit den Tagebüchern arbeitete. Auch waren die Bedingungen, unter denen er reiste und forschte, sowie die literarischen Verfahren seines Schreibens von gemeinsamem Forschungsinteresse. Während der gesamten Projektlaufzeit von 2014 bis jetzt berichteten die jungen Wissenschaftler in Fachkreisen wie auch gegenüber der interessierten Öffentlichkeit fortlaufend mit Vorträgen und Publikationen von ihren Forschungsergebnissen, weitere sind in Vorbereitung.

Konferenz zum Abschluss des BMBF-Verbundprojektes
am 17./18. Januar 2017 in Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und die Universität Potsdam laden nun unter dem Titel „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“ zur abschließenden Konferenz ihres Verbundprojektes ein.
Eine moderne Form der Auseinandersetzung mit Humboldts Werk und Schaffen wird der Wissenschafts-Slam am Nachmittag des 17. Januar sein: Eine Kunsthistorikerin, ein Physiker und eine Alt-Amerikanistin werden je zehn Minuten über Die Maisgöttin, ein 37 x 17 x 16 cm großes, aus Tuffstein geschaffenes und über 6,5 kg schweres Objekt aus dem Bestand des Ethnologischen Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ‚slammen‘. Alexander von Humboldt schenkte diese mexikanische Aztekenfigur dem Preußischen König.
Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy beantwortet die mit dem Titel ihrer Rede gestellte Frage „Kultur(gut) besitzen?“. Von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau spricht Monika Jaglarz zu „Ein ungehobener Schatz? Die Berliner Sammlungen in Krakau“. Ottmar Ette von der Universität Potsdam spricht über „Humboldts globale Landschaften“. Julian Drews von der Universität Potsdam und Sandra Ewers von der Staatsbibliothek zu Berlin beleuchten die Bedeutung und den Verlauf des gesamten BMBF-Verbundprojektes. Am Schluss der Konferenz stellen Jutta Weber und Barbara Schneider-Kempf, beide Staatsbibliothek zu Berlin, weitere Perspektiven von Kooperationen vor.

Link zum vollständigen Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Wissenswerkstatt im Januar

Im Januar bietet Ihnen die Wissenswerkstatt wieder Workshops zu unterschiedlichen Fächern und Themen an. Bereits im Sommer 2016 haben wir unser Angebot mit neuen Reihen vorgestellt und möchten Sie auch im kommenden Monat herzlich dazu einladen, alles rund um die Recherche kennenzulernen.

 

In der Reihe „Workshop-Klassiker“ zeigen wir Ihnen alle Tipps und Tricks zur Recherche in der Medienwissenschaft:
Medien & Medienwissenschaft – Einführung in Datenbankrecherchen
Dienstag, 17. Januar, 17 Uhr

Unsere „Zeitmaschine StaBi“ führt Sie in unsere Sammlungen mit historischen und neuen Beständen:
Von digitaler Wiedergeburt bis „born-digital“: digitale Medien in der Kinder- und Jugendbuchabteilung
Dienstag, 24. Januar, 15 Uhr

Den freien Zugang zu wissenschaftlichen Angeboten stellen wir Ihnen in der Reihe „Open Access – Publikationskulturen im Wandel“ vor:
Open Access Sozialwissenschaften
Mittwoch, 25. Januar, 14 Uhr

 

Außerdem starten wir ab 24.1. wieder unsere Asien-Reihe und zeigen Ihnen das Portal CrossAsia.

 

Zur Übersicht der Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

„Er schuff sie eyn menlin und frewlin“ – Luther und die Ehe

Luthers 1524 publizierter Sendbrief zur Praxis der Eheversprechen in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“.

Ein Beitrag von Evelyn Hanisch.

„So wie mein Herz bisher gestanden und jetzt steht, wird es nicht geschehen, daß ich ein Weib nehme – ich bin weder Holz noch Stein, aber mein Sinn ist fern vom Heiraten“ schrieb Martin Luther in einem Brief am 30. November 1524, kurz nachdem er aus dem Orden der Augustiner-Eremiten ausgetreten war. Nur ein halbes Jahr später, am 13. Juni 1525 heiratete er Katharina von Bora. Sein neues Verständnis von der Ehe findet sich schon in einigen früheren Werken.

Nicht autorisierter Druck der Predigt vom ehelichen Stand. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Nicht autorisierter Druck der Predigt vom ehelichen Stand. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Am Anfang war die Predigt

Erstmals äußerte er sich am 16. Januar 1519 in einer Predigt öffentlich zur Eheproblematik, von der kurz darauf – ohne Luthers Einverständnis – eine Nachschrift bei Wolfgang Stöckel in Leipzig in den Druck ging. Diese von ihm nicht autorisierte Variante rief Luther auf den Plan und noch im selben Jahr ließ er bei Johann Rhau-Grunenberg in Wittenberg die überarbeitete und korrigierte Version Eyn Sermon von dem Elichen stand drucken. Der Sermon erlangte große Popularität, es erschienen vierzehn weitere Ausgaben, darunter eine Übersetzung ins Dänische. Luther unterscheidet in der Predigt dreierlei Liebe, die falsche, die natürliche und die eheliche Liebe, die er als die höchste Liebe anerkennt. Schon im darauffolgenden Jahre entwickelte sich die Priesterehe zu einem zentralen Reformthema bei Luther. In den programmatischen Schriften von 1520 An den Christlichen Adel deutscher Nation und De captivitate Babylonica ecclesiae behandelt er unter anderem das Problem des Eheverbots für Priester: „wir sehen auch wie die priesterschafft gefallen, und mancher armer pfaff mit weib und kind ubirladen“ und spricht sich gegen den Sakramentscharakter der Ehe aus. In beiden Werken entwickelt Luther erstmals die Idee der Abschaffung des Priesterzölibats.

Von Luther korrigierte Druck der Predigt vom ehelichen Stand. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Von Luther autorisierter Druck der Predigt vom ehelichen Stand. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Luthers Theorie vom ehelichen Leben

Im Jahre 1522 reizte es Luther erneut, sich öffentlich mit der Ehethematik in der Schrift Vom ehelichen Leben auseinanderzusetzen, die er wieder bei Johann Rhau-Grunenberg in Druck gab. Mit zwölf Nachdrucken, darunter einer niederländischen Übersetzung, fand der Traktat eine ähnliche Verbreitung wie die Predigt vom ehelichen Stand. Vom ehelichen Leben ist Luthers reformatorisches Programm von Familie und Ehe in drei Teilen: Im ersten Teil geht er auf die Frage ein, welche Menschen heiraten können, den geistlichen Stand eingeschlossen, im zweiten beschäftigt er sich mit Gründen für eine Scheidung, entweder durch Hurerei und Ehebruch oder durch Verweigerung der ehelichen Pflichten, im dritten Teil führt er aus, wie der Ehestand christlich und gottgefällig zu führen sei.

Luthers Traktat Vom ehelichen Leben (1522). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Luthers Traktat Vom ehelichen Leben (1522). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Nein zum Priesterzölibat

Im Sommer 1523 schließlich erreichte die Auseinandersetzung über den Priesterzölibat seinen Höhepunkt. Ausgelöst durch die Heirat dreier Priester im sächsischen Raum war das Thema in der Öffentlickeit höchst virulent. Im selben Jahr entflohen immer mehr Nonnen und Mönche den Klostermauern, darunter auch jene zwölf Nonnen, die mit Luthers tatkräftiger Unterstützung in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Zisterzienserkloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma flohen – unter ihnen seine spätere Ehefrau Katharina von Bora. Im August 1523 verfasste er mit Das siebende Capitel S. Pauli zu den Chorintern ein nachdrückliches Statement gegen den Zölibat und für die Ehe.

Der Fall Hans Schott

Im Frühjahr 1524 veröffentliche Luther die kleine Schrift Daß Eltern die Kinder zur Ehe nicht zwingen noch hindern, und die Kinder ohne der Eltern Willen sich nicht verloben sollen. Das als Sendbrief gestaltete Werk ist an jenen fränkischen Reichsritter Hans Schott von Schottenstein gerichtet, der Luther 1521 bei dessen Ankunft auf dem Reichstag zu Worms zur Herberge geleitete. Wenige Jahre nach diesem schicksalsträchtigen Reichstag schrieb Hans Schott in eigener Sache an Luther. Der Brief ist nicht erhalten, aber er behandelte wohl den Fall der erzwungenen Ehe von Jakob Hufener und dessen Ehefrau Anna, geb. Auerbach, die in Unfrieden mit ihrem ehebrecherischen Ehemann lebte. Sie trennte sich von ihrem Ehemann, der sich eine andere Frau ins Haus geholt hatte, erwirkte von einem Torgauer Prediger den Ehedispens und ehelichte schließlich Hans Schott von Schottenstein. Der Fall wurde publik und Luther sprach 1526 sein Bedenken gegen diese Hochzeit aus. Schließlich erklärte Kurfürst Johann von Sachsen 1528 in einem Urteilsspruch die Ehe zwischen Hans Schott und Anna Auerbach für ungültig. Anna sollte zu ihrem ersten Ehemann Jakob Hufener zurückkehren und Schott zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden.

„das eyn mensch zur ehe geschaffen ist … als ein bawm geschaffen ist, öpffel odder byrn zu tragen“

In dem Sendbrief von 1524 thematisiert Luther das häufig auftretende Eherechtsproblem der heimlichen Verlöbnisse. Im ersten Teil spricht sich Luther sowohl gegen Eheversprechen zwischen Brautleuten ohne elterliches Einverständnis aus, als auch gegen Eltern, die ihre Kinder gegen ihren Willen zur Ehe zwingen wollen: „Denn es ist yhe leydlicher, das die liebe, so zwey gegenander haben, zutrennet und verhyndert werde, denn das zwey zusamen getrieben werden, die widder lust noch liebe zusamen haben“. Luther appelliert an die Väter, in ihrer Fürsorge das rechte Maß walten zu lassen, denn sonst liefen sie Gefahr, zu Tyrannen zu werden, die ihre Herrschafft missbrauchen und somit gegen Gott handeln würden. Dabei wirft Luther die Frage auf, ob „eyn kind schüldig sey dem vater gehorsam zu seyn, der es zur ehe, odder zu der person dringet, da es nicht lust zu hatt“. Er beantwortet die Frage mit einem Nein, in solch einem Falle müsse die weltliche Obrigkeit eingreifen und eine erzwungene Ehe bestrafen. Im zweiten Teil erörtert Luther heimliche Verlöbnisse und die Frage, ob Kinder eine gültige Ehe ohne das elterliche Einverständnis eingehen könnten. Auch hier rät Luther, das Maß zu wahren und keinen Zwang auf die Kinder auszuüben, denn „die elltern sollen wissen, das eyn mensch zur ehe geschaffen ist, früchte seynes leibs zu zichten, so wol als eyn bawm geschaffen ist, öpffel odder byrn zu tragen“. Deshalb müsse es das erklärte Ziel der Eltern sein, den Kindern zu einer guten Ehe zu verhelfen. Täten sie das nicht, seien sie keine Eltern mehr und „so ist das kind schuldig sich selb zu verloben“. Ebensowenig wie ein Vater sein Kind zur Ehe zwingen dürfe, dürfe er es zur Keuschheit und zur Ehelosigkeit zwingen. Die Ehe, „das weltlich ding“, ist der Stand, in dem der Mensch Gott vor allem durch die Erziehung der Kinder dient.

Schutzmarke Lutherrose

Der Sendbrief, dessen Erstausgabe bei Lucas Cranach d. Ä. in Wittenberg erschien, war mit zehn Nachdrucken, einer lateinischen Übersetzung und dem Abdruck in den Gesamtausgaben ebenfalls sehr erfolgreich. In der Wittenberger Druckerpresse von Lucas Cranach d. Ä., die er zwischen 1523 und 1526 gemeinsam mit Christian Döring betrieb, enstanden in diesem kurzen Zeitraum nur insgesamt 45 Drucke, davon 39 reine Lutherdrucke. Die Druckergemeinschaft tat sich mit besonders modern gestalteten Titelblättern hervor. Das Titelblatt des Sendbriefs illustriert ein architektonisch streng gestalteter Titelrahmen. Der mittig in einer viereckigen Tafel stehende Titel ist von einem reich verzierten Tonnengewölbe umrahmt, das auf vier Säulen ruht. Unter dem Titel halten zwei Engel die Lutherrose mit den Initialen M. L. Diese Luthersche Schutzmarke wurde zu Beginn des Jahres 1524 von Cranach und Döring als Zeichen der Authentizität Wittenberger Lutherdrucke mit nachhaltigem Erfolg eingeführt. Unter der Lutherrose verkündet eine zweite querrechteckige Tafel das Motto des Sendbriefs: „Er schuff sie eyn menlin und frewlin.“

Vom 3.2. bis 2.4.2017 können Sie dieses und viele weitere Objekte zu den theologischen und moralischen Positionen Martin Luthers selbst bei uns in der Staatsbibliothek in Augenschein nehmen.

Luthers Sendbrief zur Praxis der Eheversprechen von 1524. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Titelblatt zu Luthers Sendbrief zur Praxis der Eheversprechen von 1524. Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Luther als Erfinder des Weihnachtsbaums – eine Interpretation des 19. Jahrhunderts

Karl Reinthalers Weihnachtsbüchlein für alle Christenkinder in der Ausstellung „Bibel – Thesen – Propaganda“.

Ein Beitrag von Carola Pohlmann.

Das Martinsstift im Erfurter Augustinerkloster

Titelblatt von Reinthalers Weihnachtsbüchlein aus dem Jahre 1843. Kinder- und Jugendbuchabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Titelblatt zu Karl Reinthalers Weihnachtsbüchlein von 1843. Kinder- und Jugendbuchabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Im Erfurter Augustinerkloster, dem Martin Luther von 1505 bis 1511 angehörte, wurde 1821 das Martinsstift gegründet, eine karitative Einrichtung, die sich der Erziehung hilfsbedürftiger, verwaister und verwahrloster Kinder widmete. Initiator und langjähriger Leiter des Stifts war der evangelische Theologe, Pädagoge und Schriftsteller Karl Christian Wilhelm Reinthaler (1794-1863). Zum 22. Jahrestag des Martinsstifts im Jahr 1843 erschien das von Reinthaler zusammengestellte, mit vier Stahlstichen illustrierte Buch „Adam und Christus oder der Christbaum in M. Luthers Kinderstube. Ein Weihnachtsbüchlein für alle Christenkinder“.

Reinthalers Weihnachtsbüchlein und die Wiederbelebung des Kirchengesangs

Der Band enthält Andachten, Choräle und Kirchenlieder sowie drei „Weihnachtsgespräche“ der Familie Luther. Zu dem Textband erschien der Anhang „Sangweisen und Saitenspiel zum Christbaum in M. Luthers Kinderstube“, in dem die Noten zu 80 Kirchenliedern abgedruckt sind – darunter zu dem Luther-Choral „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, den einige Jahre zuvor auch Felix Mendelssohn-Bartholdy in Rom zum Ausgangspunkt einer Kantatenkomposition machte. Im Vorwort weist der Herausgeber auf sein Anliegen hin, den Kirchengesang wiederbeleben zu wollen: „Die Sangweisen unsrer Kirchenlieder erscheinen hier wieder in ihrer ursprünglichen Form, also auch wieder in dem volksthümlichen Rhythmus, durch welchen sich der deutsche Gemeinde-Gesang wesentlich von dem römischen Priester-Chorale geschieden hat.“

Der Luther-Choral "Vom Himmel hoch da komm ich her" in Reinthalers Weihnachtsbüchlein. Kinder- und Jugendbuchabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Noten zum Luther-Choral „Vom Himmel hoch da komm ich her“ (mit dem Text der Strophen 3-5 des Luther-Chorals „Vom Himmel kam der Engel Schar“) in Reinthalers Weihnachtsbüchlein. Kinder- und Jugendbuchabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Die Darstellung des Weihnachtsabends bei der Familie Luther von Carl August Schwerdgeburth

Das Weihnachtsbüchlein wurde in drei Ausgaben publiziert: in einer großformatigen auf sogenantem Propatria-Papier und in zwei preiswerteren Ausführungen, der vorliegenden auf Velin-Papier und einem Druck auf billigerem Papier ohne Stahlstiche. Folgenreich war das Frontispiz des Thüringer Malers und Kupferstechers Carl August Schwerdgeburth (1785–1878), das einen fiktiven Weihnachtsabend bei der Familie Luther zeigt. Auf dem Bild ist ein Lichterbaum zu sehen, der – ebenso wie der Titel des Buchs – fälschlich den Eindruck erweckt, der Weihnachtsbaum sei bereits zur Zeit der Reformation verbreitet gewesen und damit sogar die Annahme begründete, der Christbaum wäre von Martin Luther eingeführt worden. Zwar gibt es im 16. Jahrhundert erste Erwähnungen von Weihnachtsbäumen, darunter den urkundlichen Beleg aus dem Jahr 1539 über die Aufstellung eines Baums im Straßburger Münster, doch im umfangreichen Schrifttum zu Luther ist kein Weihnachtsbaum nachgewiesen.  Der Brauch eines geschmückten Baums zu Weihnachten setzte sich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch. Eines der ersten literarischen Zeugnisse für den Weihnachtsbaum findet sich Goethes „Leiden des jungen Werther“. Unter dem Datum 20. Dezember 1772 wird ein Besuch Werthers bei Lotte beschrieben, in dem dieser von „den Zeiten, da einen die unerwartete Öffnung der Tür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesische Entzückung setzte“ spricht.

Vom 3.2. bis 2.4.2017 können Sie dieses und viele weitere Objekte zur Reformationsgeschichte und ihrer Interpretation in späteren Jahrhunderten – bis hin zu den aktuellen Abenteuern der Abrafaxe – selbst bei uns in der Staatsbibliothek in Augenschein nehmen.

Frontispiz zu Karl Reinthalers Weihnachtsbüchlein von 1843. Kinder- und Jugendbuchabteilung. Lizenz: CC-BY-NC-SA