Beiträge für Forschung und Kultur

„Mit herzlichen Grüßen, Ihr Wilhelm Furtwängler“

Die Musikabteilung konnte jüngst über ein Berliner Antiquariat eine wichtige Ergänzung zum Nachlass des Dirigenten Wilhelm Furtwängler (1886-1954) erwerben: es handelt sich um den wohl vollständigen Briefwechsel Furtwänglers mit dem Verleger Fritz Oeser (1911-1982) vom Brucknerverlag Wiesbaden. Dabei tauschen sich die Briefpartner hauptsächlich über die Revisionen an der 2. Sinfonie in e-Moll (WF 119) sowie am Symphonischen Konzert für Klavier und Orchester (WF 114) von Wilhelm Furtwängler aus, außerdem werden die beiden Sinfonien Nr. 3 in Cis (WF 120) und Nr. 1 in h-Moll (WF 110b) in der Korrespondenz aufgegriffen.

Die Korrespondenz beginnt mit einem Brief Furtwänglers vom 31. Dezember 1950, in dem Furtwängler seine Absicht äußert, von der Universal Edition Wien zum Brucknerverlag wechseln zu wollen. In 148 originalen Textzeugen fächert sich dann die Beziehung des Dirigenten und Komponisten zu seinem Verleger auf, die fast vier Jahre andauerte. 50 Briefe von Wilhelm Furtwängler und einige Telegramme und Kurzbriefe der Sekretärin Henriette Speiser an Oeser sind überliefert sowie 60 Original-Briefdurchschriften von Oeser an Furtwängler. Dabei entsteht das Bild einer fruchtbaren Arbeitsbeziehung, die den Komponisten Furtwängler ins Zentrum rückt: Sichtbar wird, wie viel Arbeitskraft Wilhelm Furtwängler in die Komposition und Revision seiner Werke vor dem Druck steckte, aber auch welche Bedeutung die Aufführung seiner eigenen Werke für ihn hatte. „Ich werde im Laufe des nächsten Jahres sehr wenig dirigieren, habe aber die Absicht, in der zweiten Hälfte der Saison mehrere Aufführungen meiner eigenen Sachen zu veranstalten“, schrieb Furtwängler im Februar 1951. Einer der letzten Sätze an Oeser zeugt von der schweren Erkrankung des Dirigenten, Mitte November 1954 schrieb er aus Clarens: „Leider laboriere ich augenblicklich an einer Bronchitis, die mich seit einigen Tagen sogar ins Bett fesselt.“ Er sollte sich von dieser Krankheit nicht mehr davon erholen und verstarb Ende des Monats.

[Beitrag veröffentlicht von Jessica Ermes]

Einzige Luther-Ausstellung mit allen drei Thesendrucken von 1517

Bibel  Thesen  Propaganda. Die Reformation erzählt in 95 Objekten

Die Staatsbibliothek feiert 500 Jahre Reformation

3. Februar bis 2. April 2017

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33 am Kulturforum
10785 Berlin

Dienstag bis Samstag 11 bis 19 Uhr, Sonntag 13 bis 18 Uhr

Eintritt frei

 

Zur Pressemitteilung

 

Führungen sonntags um 15 Uhr.
Kuratorenführungen am 8. und 22. Februar sowie am 8. und 22. März 2017, jeweils um 17 Uhr

Gruppenführungen ab 10 Personen unter luther2017@sbb.spk-berlin.de bzw. Tel. 030 266 43 1919 (Mo bis Fr 10 bis 14 Uhr)

 

BEGLEITVERANSTALTUNGEN

Dienstag, 7. Februar 2017, 18.15 Uhr

95 Thesen zur Neugestaltung der Lutherbibel
Werkstattgespräch mit Friedrich Forssman im Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße 33
Um Anmeldung wird gebeten

Donnerstag, 23. Februar 2017, jeweils um 17 und um 18 Uhr
Christliche Bildbetrachtung. Die drei Drucke der 95 Thesen Martin Luthers und andere Werke der frühen Reformationszeit. Mit Andreas Wittenberg und Bernd Krebs.

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.

 

Holen Sie sich die Thesen nach Hause:

  • Katalog zur Ausstellung: 224 S., ISBN 978-3-88053-217-5 20,00 Euro (im Buchhandel 25,00 Euro)
  • Faksimilemappe: Nürnberger Plakatdruck der 95 Thesen mit der Beschreibung des Berliner Exemplars und einer Übersetzung der Thesen: 8,00 Euro (Berliner Faksimile 13)

 

Weitere Informationen finden Sie in unter: blog.sbb.berlin/bibel-thesen-propaganda/

 

DFG fördert weiter FID Recht

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, setzt die Förderung für den im Jahr 2014 an der Staatsbibliothek zu Berlin eingerichteten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung (FID Recht)  fort und unterstreicht damit die Qualität wie auch die Bedeutung des FID Recht.

Mit verbesserten Serviceangeboten und neu entwickelten Dienstleistungen – darunter ein überregional zugänglicher Lizenzraum für hochspezialisierte elektronische Zeitschriften und Datenbanken für einen definierten Teilnehmerkreis – wird bis zum Ende des Jahres  2019 der Ausbau des FID Recht, der auf den aktuellen Informationsbedarf der Forschenden ausgerichtet ist, abgeschlossen. Der Wissenschaftsrat hatte für den Ausbau des FID Recht das Leitbild „Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland“ vorgelegt, darin wurden die Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer, die Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung sowie deren stärkere Internationalisierung in den Fokus gestellt. Auf der Grundlage dieses Leitbildes und zugleich im engen Kontakt mit der Wissenschaftscommunity an Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland hat der FID Recht sieben strategische Handlungsfelder identifiziert, darunter die nutzungsgesteuerte Erwerbung, der Relaunch der Virtuellen Fachbibliothek Recht, das Unterbreiten zielgruppenspezifischer Beratungsangebote zum Open-Access-Publizieren oder der Aufbau von Infrastrukturen für juristische Wissenschaftsblogs.

Das deutsche und ausländische Recht zählt seit Jahrhunderten zu den Sammelschwerpunkten der vor über 355 Jahren gegründeten Staatsbibliothek zu Berlin. Die Bibliothek verfügt heute über die größte Universalsammlung juristischer Quellen und rechtswissenschaftlicher Forschungsliteratur in Deutschland: 1,25 Millionen Bände an Druckschriften, darunter allein 230 Tausend Werke im historischen Bestand.

Die DFG-Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Von 1949 bis zum Jahr 2013/15 unterhielt die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Kooperation mit zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet ein dezentrales System von disziplin- bzw. länderspezifischen Sondersammelgebieten. Durch diese thematisch koordinierte Erwerbungskooperation wurde, unabhängig von der jeweiligen Nutzung, ein möglichst umfassendes Reservoir an internationaler Spezialliteratur aufgebaut und überregional verfügbar gehalten. Dieses System war in den Nachkriegsjahren mit dem Ziel errichtet worden, dem Mangel an fremdsprachigen Forschungspublikationen in Deutschland durch Fernleihen zu begegnen.

Der inzwischen eingetretene Strukturwandel sowohl des wissenschaftlichen Publikationsmarktes wie auch der Forschungsprozesse im digitalen Zeitalter machte eine grundlegende Revision des Sondersammelgebietssystems erforderlich. Mit Wirkung zum 1. Januar 2014 hat die DFG das System umgestellt auf den Auf- und Ausbau bibliothekarischer Dienstleistungsangebote, die auf konkrete Nachfragen und den aktuellen Informationsbedarf der jeweiligen wissenschaftlichen Fachcommunity reagieren. Seither entwickeln sich die ehemaligen Sondersammelgebiete zu „Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft“, die sich den regulären Prüfverfahren der DFG zur Förderung zu stellen haben: Im Dreijahresturnus müssen die Fachinformationsdienste ihre Leistungsfähigkeit im Dienst der Forschung unter Beweis stellen und die weitere Förderung beantragen.

Dem gleichen Antragsverfahren unterliegt das Kompetenzzentrum für die überregionale Lizenzierung elektronischer Publikationen, der Dienstleister für alle Fachinformationsdienste, der die Beschaffung und Bereitstellung kostenpflichtiger digitaler Medien koordiniert und unterstützt. Das Kompetenzzentrum wird von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen sowie der Bayerischen Staatsbibliothek München getragen.

 

 

"Andaman-Inseln - Fischfang mit Bogen." (um 1895), aus "Malerische Studien. Eine Reise um die Welt in 200 farbigen Photographien nach Naturaufnahmen", Leipzig: R. P. Koehler o.J. (1900); Bd. 2 | © bpk

Meeresbuffet – Versorgung und Ernährung aus dem Meer

Ein Beitrag aus unserer Reihe Meere und Ozeane zum Wissenschaftsjahr 2016*2017.

 

Bevor sich erste Menschen mit selbstgebauten Booten auf das Meer wagten, oder vom Ufer aus mit Netzen, Reusen oder Speeren Fischfang betrieben, sammelten sie bereits an Land gespülte Gegenstände aber auch Muscheln und andere Schalentiere. Erste Funde in Terra Amata nahe Nizza konnten Archäologen auf ein Alter von ca. 400.000 Jahren datieren. Muschelhaufen aus späteren Epochen enthalten auch Steinwerkzeuge oder befinden sich in der Nähe von Feuerstellen, was eindeutig auf menschlichen Ursprung dieser Fundstellen schließen lässt. Strenggenommen handelt es sich hierbei meist um Abfallhaufen, durch deren Analyse heute weitreichende Rückschlüsse auf Lebensweise und Ernährung der Küstenbewohner gezogen werden können. Fundorte dieser historischen „Quellen“  – auch unter dem Fachbegriff „Kökkenmödding“ bekannt – sind in Europa vor allem an der Atlantikküste, aber auch auf allen anderen Kontinenten zu finden.

 

Maritimes Suchbeispiel Nr. 1:

Selbst mit dem sehr speziellen Fachbegriff „Kökkenmödding“, der aus dem Dänischen übersetzt so viel wie „Küchenmisthaufen“ bedeutet und sich vor allem auf prähistorische Überreste von Mahlzeiten aus Muscheln und anderen Meerestieren bezieht, lassen sich in unserer Literatursuchmaschine stabikat+ noch eine Vielzahl von Treffern ermitteln. Zum Suchbeispiel.

Doch irgendwann begnügten sich Jäger und Sammler nicht mehr mit dem, was ihnen das Meer eher zufällig vor die Füße spülte. Schritt für Schritt eroberten unsere Vorfahren Meere und Ozeane, indem sie sich anfangs mit einfachen Booten (Einbäumen) immer weiter von den Küsten entfernten, um ihren Lebensraum auszudehnen und ihren Speisezettel zu erweitern. Die ältesten Funde von gefangenen Hochseefischen stammen aus Osttimor und lassen sich auf ein Alter von 42.000 Jahren datieren. Zusammen mit den Gräten von Thunfischen, deren Fang aufgrund ihrer Größe Geschick und eine gewisse Planung voraussetzen, wurden dort in Höhlen auch Überreste von Angelzubehör entdeckt. Der bislang älteste Angelhaken – um 23.000 v. Chr. –  wurde aus der Schale einer Meeresschnecke hergestellt und hat eine Länge von vier Zentimetern. Der Fundort lässt auf eine Verwendung in Küstengewässern schließen.

Bilder-Atlas für Schüler : ein unterhaltendes Büchlein für jedermann. Bd. 3. 1870. SBB-PK (Signatur B XVIII 3b, 762-3) CC BY-NC-SA 3.0

Bilder-Atlas für Schüler : ein unterhaltendes Büchlein für jedermann. Bd. 3. 1870. SBB-PK (Signatur B XVIII 3b, 762-3) CC BY-NC-SA 3.0

Für die folgenden Jahrtausende nimmt die Zahl der Fundstücke stark zu, Angelhaken aus Knochen oder Horn überwiegen, es gibt aber auch Exemplare aus Feuerstein im Ostseeraum. Weitere Praktiken, Fische zur Strecke zu bringen, sind die Jagd mit Speeren und Harpunen, aber auch Stellzäune aus Haselruten oder Netze werden nicht nur an Binnengewässern genutzt. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass am Ende der Jungsteinzeit alle heute noch gebrauchten Geräte zum Fischfang in einer ersten Variante genutzt wurden.

Vor allem in Küstennähe fand eine Spezialisierung hin zum Fischfang statt. Im Einklang mit der Natur lebten Kulturen auf allen Kontinenten mit und vom Meer. Charakteristisch ist hier vor allem der Verzehr von frischem Fisch. Darüber hinaus werden aber auch Gebrauchs- und Kunstgegenstände aus Meeresprodukten hergestellt und gehandelt.

 

Maritimes Suchbeispiel Nr. 2:

In den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek finden sich unzählige Beispiele mit Beschreibungen und historischen Darstellungen von Meerestieren oder Fischfang. Gerade für ältere Literatur eine Fundgrube. Zum Suchbeispiel.

 

Erst die Erfindung von Konservierungsmethoden wie Trocknen oder Einsalzen ermöglichten die Verbreitung von Meeresfischen auch im Landesinneren. Wenn diese Praktiken heute auch vielerorts als veraltet gelten, so haben sich doch zahlreiche regionale Spezialitäten aus dieser Zeit erhalten, wie z.B. Stock- oder Klippfisch.
Mit der verbesserten Haltbarmachung wuchs auch die Nachfrage nach der Nahrung aus dem Meer. Fischer blieben länger auf See, um größere Fangmengen zu erhalten. Zu diesem Zweck wurden die sogenannten „well-smack“ Boote entwickelt, die einen durch fließendes Meerwasser gefüllten Tank an Bord hatten, der es ermöglichte, den Fang über einen längeren Zeitraum lebend zu transportieren.

 

Maritimes Suchbeispiel Nr. 3:

Auch zu diesem sehr speziellen Suchbegriff „well-smack“ finden Sie interessante Treffer in unserer Literatursuchmaschine stabikat+. Zum Suchbeispiel.

 

Mit der Industriellen Revolution erhöhte sich der Fischbedarf noch weiter, der Ausbau von Straßen- und Schienennetzen sowie die Erfindung der Dampfkraft trugen aber auch zu einer noch schnelleren Verbreitung der Waren bei.
Und auch im 20. Jahrhundert machte die technische Entwicklung keinen Halt. Stabilere, immer größere Schleppnetze, schwimmende Fischfabriken, die eine vollständige Verarbeitung des Fangs direkt an Bord ermöglichen, Echolotortung von Schwärmen, ausgedehnte Aquakulturen vor den Küsten, all das hat nicht mehr viel mit den ursprünglichen, naturnahen Praktiken unserer Vorfahren zu tun.

 

Great Yarmouth, Herring Fishing Fleet, circa 1936 | Britannica ImageQuest © Mirrorpix \ Universal Images Group

Great Yarmouth, Herring Fishing Fleet, circa 1936 | Britannica ImageQuest © Mirrorpix Universal Images Group

Eine Folge des auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter zunehmenden Hungers nach Meerestieren ist seit Jahrzehnten wahrzunehmen: Überfischung bedroht zahlreiche Arten der Meeresbewohner, darunter besonders die großen Raub- und Speisefische wie Hai, Schwert- und Thunfisch. Für die europäischen Fanggebiete galten bereits 2012 fast die Hälfte der Bestände als überfischt.

Durch strengere Fangquoten oder das Ausweisen von Schutzzonen versucht die Politik hier einzugreifen. Regionale Initiativen und Umweltorganisationen machen auf Überfischung und ihre Auswirkungen aufmerksam und bemühen sich, die Verbraucher mit ins Boot zu holen.
Greenpeace oder WWF informieren ausführlich auf ihren Webseiten und zeigen auf, was jeder Einzelne zur Lösung des Problems beitragen kann.

Mittlerweile besinnt man sich in vielen Küstenregionen wieder auf alte Traditionen und Methoden des Fischfangs. Hier stehen dann nicht mehr die hohen Erträge im Mittelpunkt sondern vielmehr die Bewahrung von Kulturgut und Brauchtum.

 

Vorschau: Die Überfischung ist nicht das einzige große Problem der Ozeane, auch Plastikteile im Meer gefährden das Ökosystem in bedrohlichem Maße. Lesen Sie  mehr zu diesem Thema im nächsten Beitrag!

 

Nachlass Alexander von Humboldts digital + erschlossen für jeden zugänglich Abschlusskonferenz mit Science-Slam

Für viele Zweige der Wissenschaften wie auch für all jene, die die Forschungen und Impulse des Forschers, Entdeckers, Netzwerkers und Europäers, des in jeder Hinsicht bemerkenswerten Berliners Alexander von Humboldt (1769-1859) aufnehmen wollen, gibt es jetzt keinerlei Beschränkungen mehr: Der gesamte Nachlass einschließlich der neun weltberühmten, im Jahr 2013 von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erworbenen Amerikanischen Reisetagebücher ist im Netz digital zugänglich und erschlossen.

Alexander von Humboldts Nachlass online
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/

Abschlusskonferenz am 17./18. Januar 2017
„Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“
Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33
Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan
Kostenlose Anmeldung: http://sbb.berlin/ps64d9

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Zum bevorstehenden Abschluss des über drei Jahre vom Bund geförderten Projektes führt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz aus: „Mit Begeisterung unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das gemeinsame Vorhaben der Staatsbibliothek zu Berlin und der Universität Potsdam, die 2013 von der Bibliothek erworbenen neun Tagebücher der Amerikanischen Reise Alexander von Humboldts sowie seinen gesamten Nachlass digital aufzubereiten und nach bestimmten Fragestellungen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Denn für die Wissenschaften wie auch für jeden Liebhaber der Naturwissenschaften und der Künste ist es ein großer Gewinn, ohne irgendeine Einschränkung via Internet mit rund 75.000 Images den überlieferten Humboldt-Nachlass in seiner Gesamtheit lebendig werden lassen zu können. Die von ihm geschaffenen Inhalte wie auch die jeweiligen Erscheinungsbilder seiner Reistagebücher, Briefe, Notizen, Forschungsaufzeichnungen, Manuskripte und einzigartigen Themensammlungen sind jetzt in bester Qualität anzuschauen und zu recherchieren. Ich lade herzlich dazu ein, sich mit den von Humboldt in der Regel sehr eng beschriebenen Blättern und den teils über Jahrzehnte hinweg ergänzten Annotationen zu befassen, mit seinen zahlreichen Querverweisen auf frühere Erkenntnisse, mit seinen Zeichnungen von geologischen Formationen, von Tieren, Pflanzen und Menschen! Beispiele für die intensive Befassung mit einzelnen Fragestellungen präsentieren demnächst junge Wissenschaftler aus Potsdam – auch ich sehe gespannt den Ergebnissen ihrer dreijährigen Forschungen entgegen. Zunächst aber übergeben wir mit Freude der Öffentlichkeit einen wissenschaftlichen und kulturhistorischen Fundus, der in der thematischen Breite und Tiefe seinesgleichen sucht und und dessen allgemeine komfortable Zugänglichkeit eben deshalb ein zentrales Anliegen der Staatsbibliothek zu Berlin war.“

Berlin und Krakau: Nachlass restauriert, digitalisiert, erschlossen

Generaldirektorin Schneider-Kempf bedankt sich besonders bei ihrem Amtskollegen Direktor Pietrzyk von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau. Dort befindet sich kriegsbedingt ein Teil des Nachlasses Alexander von Humboldts. Und so war es nur in gemeinsamer Anstrengung und im kollegialen Einvernehmen möglich, den Nachlass komplett zu digitalisieren und zu erschließen. Diese wichtige internationale Kooperation wurde über die umfangreiche Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hinaus ab Oktober 2015 zusätzlich von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien finanziell unterstützt.
Vor der Digitalisierung wurde in Berlin und Krakau jedes einzelne Blatt dahingehend überprüft, ob restauratorische Schritte zu unternehmen waren. Zudem wurden alle Dokumente in neu beschriftete, säurefreie Mappen und Kästen umgelagert.

Insgesamt wurden von rund 22.000 Blatt des Nachlassteils in der Staatsbibliothek zu Berlin 50.000 Images gefertigt (darin rund 4.000 Images von den Amerikanischen Reisetagebüchern). Der Nachlassteil in Krakau umfasst etwa 11.000 Blatt, davon wurden 25.000 Images gefertigt. Insgesamt handelt es sich um 33.000 Blatt, teils sehr komplexe Dokumente, von denen 75.000 Images gefertigt wurden.

Potsdam: junge Wissenschaftler erforschten Reisetagebücher

Seit Anfang des Jahres 2014 arbeiten am Institut für Romanistik der Universität Potsdam unter der Leitung von Ottmar Ette in einem international besetzten Team drei Doktorandinnen und zwei Postdoktoranden an der Erforschung der neun Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, die etwa 4.000 eng beschriebene Seiten umfassen.
Untersucht wurden die Tagebücher, die Humboldt während seiner Entdeckungs- und Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 geschrieben hatte, nach den Schwerpunkten Landschaftsdarstellung, Darstellung von Sklaverei sowie Skizzen und Zeichnungen. Eine der Untersuchungen galt der Darstellung einer italienischen Reise aus dem Jahr 1805, diese Aufzeichnungen hatte Humboldt in das Konvolut der Amerikanischen Reisetagebücher mit eingebunden. Zu jeder Untersuchung der Potsdamer Wissenschaftler entsteht derzeit je eine Monographie.
Für die Wissenschaftler gab es auch gemeinsame Fragestellungen, etwa nach der Arbeitsweise Alexander von Humboldts, der lebenslang an und mit den Tagebüchern arbeitete. Auch waren die Bedingungen, unter denen er reiste und forschte, sowie die literarischen Verfahren seines Schreibens von gemeinsamem Forschungsinteresse. Während der gesamten Projektlaufzeit von 2014 bis jetzt berichteten die jungen Wissenschaftler in Fachkreisen wie auch gegenüber der interessierten Öffentlichkeit fortlaufend mit Vorträgen und Publikationen von ihren Forschungsergebnissen, weitere sind in Vorbereitung.

Konferenz zum Abschluss des BMBF-Verbundprojektes
am 17./18. Januar 2017 in Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und die Universität Potsdam laden nun unter dem Titel „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“ zur abschließenden Konferenz ihres Verbundprojektes ein.
Eine moderne Form der Auseinandersetzung mit Humboldts Werk und Schaffen wird der Wissenschafts-Slam am Nachmittag des 17. Januar sein: Eine Kunsthistorikerin, ein Physiker und eine Alt-Amerikanistin werden je zehn Minuten über Die Maisgöttin, ein 37 x 17 x 16 cm großes, aus Tuffstein geschaffenes und über 6,5 kg schweres Objekt aus dem Bestand des Ethnologischen Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ‚slammen‘. Alexander von Humboldt schenkte diese mexikanische Aztekenfigur dem Preußischen König.
Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy beantwortet die mit dem Titel ihrer Rede gestellte Frage „Kultur(gut) besitzen?“. Von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau spricht Monika Jaglarz zu „Ein ungehobener Schatz? Die Berliner Sammlungen in Krakau“. Ottmar Ette von der Universität Potsdam spricht über „Humboldts globale Landschaften“. Julian Drews von der Universität Potsdam und Sandra Ewers von der Staatsbibliothek zu Berlin beleuchten die Bedeutung und den Verlauf des gesamten BMBF-Verbundprojektes. Am Schluss der Konferenz stellen Jutta Weber und Barbara Schneider-Kempf, beide Staatsbibliothek zu Berlin, weitere Perspektiven von Kooperationen vor.

Link zum vollständigen Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan

Ausstellungsplakat BUSONI

Finissage der BUSONI-Ausstellung am 8.1.

Ein letztes Mal die Ausstellung BUSONI. Freiheit für die Tonkunst erleben und dabei viel Interessantes erfahren und Busoni hören: Das ist möglich auf der Finissage am Sonntag, dem 8.1.2017 von 11.30 bis 17 Uhr am Kulturforum.

Das Programm:

(als pdf zum Ausdrucken)

Im Vortragssaal des Kunstgewerbemuseums
11.30 Uhr Christian Schaper und Ullrich Scheideler, HU Berlin
Schriften und Briefwechsel Busonis. Möglichkeiten und Chancen einer digitalen Edition
12.15 Uhr Carsten Schmidt, SIMPK
›… jeder Ton für ewig‹: Busoni, gestanzt und graviert

– Pause –

14.30 Uhr Wolfgang Rathert, LMU München
Im Land der ›unmöglichen Begrenztheit‹. Ferruccio Busoni und Amerika

Im Foyer der Kunstbibliothek
15.30 Uhr Podiumsgespräch
mit Thomas Ertelt, Susanne Fontaine, Michael Lailach, Albrecht Riethmüller und Marina Schieke-Gordienko

Im Ausstellungsraum der Kunstbibliothek
16.30 Uhr Ausklang

Holger Groschopp, Klavier
Adele Bitter, Violoncello
spielen Werke von Ferruccio Busoni

Der Eintritt ist frei

Weitere Informationen zur Ausstellung sowie zum Busoni-Nachlass in der Staatsbibliothek

Geheimnisvolle Räume in der Staatsbibliothek

Wie sehen 11 Millionen Bücher aus? Ich weiß es… Zuallererst möchte ich mich aber kurz vorstellen. Ich bin im Jahrgang 2016/17 (September bis August) als Freiwillige im Sozialen Jahr (Kultur) in der Stabi und hatte am Anfang bestimmt genauso viele Fragen wie Benutzerinnen und Benutzer, die zum ersten Mal in die Bibliothek kommen. Mit diesem Beitrag möchte ich etwas Licht ins Dunkel bringen! Dazu nehme ich Sie mit in die Welt der Magazine. Für Leserinnen und Leser eine geheimnisvolle Welt, denn der Zutritt ist nur dem Personal erlaubt.

Kompaktanlage - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Tabea Mosolf - CC BY-SA-NC 3.0

Kompaktanlage – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Tabea Mosolf – CC BY-SA-NC 3.0

Da die Stabi als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands einen Archivauftrag erfüllt, sind die Magazine notwendig. Der Auftrag bedeutet, dass eine große Menge an Büchern aufbewahrt werden muss und täglich neue dazu kommen. Vielleicht wissen viele von Ihnen gar nicht, dass die Staatsbibliothek über 11 Millionen Bücher besitzt. Oder haben Sie sich beim Betreten des Lesesaals schon mal gefragt, wo denn die restlichen Bücher sind und wie man an diese herankommt?

11 Millionen Bücher sind ein Menge, das weiß ich und Sie wissen das auch. Aber wussten Sie auch, dass alle Bücher aneinander gereiht etwa eine Strecke von Berlin bis nach Kiel ergeben? Das sind ca. 360km. Auch mich erstaunte dieser Fakt zu Beginn sehr. Bemerkenswert ist auch, dass die Bücher auf vier Standorte verteilt sind. In der Potsdamer Straße befinden sich ca. vier Millionen Bände, im Haus Unter den Linden etwa die Hälfte. Im Westhafen befinden sich sehr wenige; ca. eine Million Bücher haben dort ihren Platz. Der letzte Standort ist den wenigsten Nutzern bekannt. Friedrichshagen, das Speichermagazin, ist im Besitz von etwa vier Millionen Bänden.

Signaturen - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Tabea Mosolf - CC BY-SA-NC 3.0

Signaturen – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Tabea Mosolf – CC BY-SA-NC 3.0

An der Auskunft, oder für die Erstbenutzer an der Anmeldung wird oft gefragt, wie lange es dauert, bis das Buch bereitgestellt ist. Die Antwort ist so ziemlich immer dieselbe.  Etwa zwei Stunden dauert es, bis Ihr Buch bereitgestellt wurde. Voraussetzung ist, dass Ihr Band sich auch im Magazin vor Ort befindet. Wenn nicht, dauert es etwa einen Tag.
Aber warum dauert es zwei Stunden? Auf dem Weg zu Ihnen durchläuft der Band mehrere Stationen. Es beginnt mit dem Heraussuchen im Magazin. Dabei werden die vorhandenen Bestellungen ausgedruckt, durch die Magazinmitarbeiter und –mitarbeiterinnen herausgesucht und mit der Kastenförderanlage  an die Leihstelle zur Verbuchung geschickt. Bei vielen hundert Bestellungen pro Tag können Sie sich sicher vorstellen, dass niemand mal eben losgeht, um einen einzelnen Band zu holen.

Weitere Arbeiten des Magazinpersonals sind unter anderem die Fernleihe, der Dokumentenlieferdienst, die Revision, die Belegungsplanung und häufig auch Umzugsvorbereitungen. In den letzten Jahren hat es nämlich eine große Anzahl umfangreicher Bestandsumzüge gegeben: Vier Millionen Bücher vom Haus Potsdamer Straße nach Friedrichshagen, Altbestandsumzüge ins Haus Unter den Linden, Umzüge vom Westhafen in beide Häuser und innerhalb des Hauses Potsdamer Straße Bestandsumzüge wegen Sanierungsarbeiten.

Bücher - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Tabea Mosolf - CC BY-SA-NC 3.0

Bücher im Magazin – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Tabea Mosolf – CC BY-SA-NC 3.0

Mit dem Abschluss dieser Buchbewegungen im kommenden Jahr werden die gesamten Bestände des Hauptmagazins einmal und zum großen Teil sogar zweimal bewegt worden sein.

Jetzt haben Sie einen kleinen Einblick in die sonst für Sie verschlossenen Magazine der Staatsbibliothek bekommen und können sich bei Ihrer nächsten Bestellung genau vorstellen, wie das bestellte Buch zu Ihnen kommt.

Ein Artikel von Tabea Mosolf, Praktikantin im Freiwilligen sozialen Jahr in der Kultur 2016/17

Arktis, Meerespolitik und „Blaues Wachstum“

 

Ein Beitrag aus unserer Reihe Meere und Ozeane zum Wissenschaftsjahr 2016*2017.

 

In diesem Blog-Beitrag geht es um Aspekte der „Meerespolitik“, ein sehr breites Themengebiet, das alle internationalen, nationalstaatlichen und regionalen politischen Prozesse und Entscheidungen mit Bezug zu diesem riesigen Lebensraum umfasst. Exemplarisch werden hier einige Bereiche kurz vorgestellt:

Die EU-Arktis-Politik

Im April 2016 hat Federica Mogherini, die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, zusammen mit der Europäischen Kommission ein integriertes Konzept zur Bewältigung der Herausforderungen in der Arktis vorgelegt. Darin erklärte Mogherini u.a.: „Es handelt sich um eine Region von immenser ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung für uns alle. […] Denn die Arktis ist auch für die regionale und globale Sicherheit wesentlich und die damit zusammenhängenden Themen bilden eine strategische Komponente unserer Außenpolitik.“ Die aktuelle politische Bedeutung dieser Region für die Europäische Union, die ja vorwiegend aus Meer besteht, ist also groß und vielfältig.

Aus der Geschichte

Natürlich hat man sich auch schon im 19 Jh. für die Arktis interessiert, auch wenn zu dieser Zeit der Umweltschutz und in Rohstoffausbeutung in dieser Region noch nicht im Vordergrund standen.

Maukisch, Heinrich Eduard: John Ross zweite Entdeckungsreise nach den Gegenden des Nordpols , 1836; Staatsbibliothek zu Berlin, CC-BY-NC-SA

Aus: Zetzsch, Adolf: Die Ozean-Dampfschiffahrt und die Postdampferlinien nach … : mit einer Karte der deutschen und … , 1886 , Staatsbibliothek zu Berlin, CC-BY-NC-SA

Titelblatt (Ausschnitt): Grapow, Max: Die deutsche Flagge im Stillen Ozean: mit einer Karte der Südsee / von v. Grapow, … , 1916; Staatsbibliothek zu Berlin; Public Domain

Früher wie heute war die Meerespolitik häufig auch Geopolitik: Welche Schiffsrouten mussten befahren und, gefördert und verteidigt werden, wo gibt es Rohstoffe zu holen ? Dazu gehörten die Subventionierung von Dampferlinien der zivilen Schifffahrt, aber auch eher expansionistisch-militärische Ziele: In Kriegszeiten stand der sicherheitspolitische Aspekt der Meere klar im Vordergrund.

U-Bootswirkung im Mittelmeer : 12 Monate uneingeschränkten U-Bootkrieges ... , 1918 ; Staatsbibliothek zu Berlin, Public Domain

U-Bootswirkung im Mittelmeer : 12 Monate uneingeschränkten U-Bootkrieges … , 1918 ; Staatsbibliothek zu Berlin, Public Domain

 

Grundlagen der heutigen Meerespolitik

Aktuelle Meerespolitik ist vielfältiger. Ich versuche, den Überblick ein wenig systematisch zu gestalten, und zwar mit der Fragestellung: Wo findet Meerespolitik statt?

Wir finden Meerespolitik dort, wo überhaupt Politik gemacht wird: Nämlich auf nationaler Ebene vorwiegend in den Regierungs- und Legislativorganen der Gebietskörperschaften. In Deutschland also in den am Meer gelegenen Landesregierungen und – parlamenten sowie in der Bundesregierung und im Bundestag. Ob Länder, der Bund und/oder die EU für die Gesetzgebung in den Teilbereichen der Meerespolitik zuständig sind, richtet sich nach den Kompetenzregeln im Grundgesetz (GG) und im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV).

Nach Art.3 AEUV hat die EU u.a die alleinige Zuständigkeit für die Erhaltung der biologischen Meeresschätze im Rahmen der gemeinsamen Fischereipolitik, die gemeinsame Handelspolitik und für den Abschluss bestimmter völkerrechtlicher Verträge. In diesen Bereichen findet Meerespolitik also vorwiegend in der EU-Kommission, dem EU-Parlament, aber auch im Rat der Europäischen Union statt, der sich wiederum aus Regierungsmitgliedern der EU-Mitgliedstaaten zusammensetzt.

Die Bereiche Energiepolitik, Verkehrspolitik, Umweltpolitik fallen nach Art.4 AEUV unter die „geteilte Zuständigkeit“, d.h. dass die nationalen Gesetzgebungsorgane tätig werden können, wenn das Thema nicht von der EU in Angriff genommen wird. Hier besteht also politischer Spielraum für Bund und Länder.

Wer dann innerhalb Deutschlands zuständig ist, ergibt sich aus den Kompetenzregeln des GG. Die Verteidigungspolitik – und damit auch die maritime Sicherheitspolitik – fällt in die ausschließliche Gesetzgebungszuständigkeit des Bundes (Art.71, 73 GG), die Raumordnung (auch in der Küstenzone), die Küsten- und Hochseeschifffahrt sowie der Naturschutz in die konkurrierende Gesetzgebungszuständigkeit (Art. 72, 74 GG), nach der regelmäßig ein vorhandenes Bundesgesetz Vorrang vor den Landesgesetzen hat. Dagegen unterliegt mangels abweichender Zuständigkeitsvorschrift die Meeresforschung an Hochschulinstituten der Kulturhoheit der Länder (aus Art. 30 GG).

HDW-Kran an der Kieler Förde By Isderion / Foto an allen Seiten beschnitten, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HDW_Kran.jpg Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

HDW-Kran an der Kieler Förde By Isderion / Foto an allen Seiten beschnitten,
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HDW_Kran.jpg
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

 

Aspekte der Hafenpolitik, des Schiffbaus oder der Offshore-Technik können – je nach Aspekt – der Gesetzgebungskompetenz des Bundes oder der Länder zugeordnet sein. Natürlich geht es innerhalb der EU nicht ohne Kooperation, denn die EU-Küsten (70.000 km) sind ja gleichzeitig Küsten der Mitgliedstaaten. Die Integrierte Meerespolitik (IMP) der EU schafft den Rahmen für eine gemeinsame Politik zur nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung der Meere. 90 % des EU-Außenhandels und 40 % des EU-Binnenhandels werden über Meere abgefertigt.

 

Titel: 2012-05-13 Nordsee-Luftbilder; Foto: Martina Nolte/ Foto an allen Seiten beschnitten; Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/ ; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2012-05-13_Nordsee-Luftbilder_DSCF8886.jpg

Titel: 2012-05-13 Nordsee-Luftbilder; Foto: Martina Nolte/ Foto an allen Seiten beschnitten;
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/ ;
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2012-05-13_Nordsee-Luftbilder_DSCF8886.jpg

 

Blaues Wachstum

Wegen der großen Bedeutung des Meeres als Wirtschaftsfaktor ist die langfristige EU-Strategie „Blaues Wachstum“ ein wichtiger Baustein der Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Die „blaue“ Wirtschaft beschäftigt 5,4 Millionen Menschen und verzeichnet eine Bruttowertschöpfung von knapp 500 Milliarden Euro jährlich. In einigen Bereichen gibt es jedoch weiteres Wachstumspotenzial.

Literatur für die Expertise

Eine der wichtigen Voraussetzungen für den Einstieg in die Meerespolitik ist Wissen über das Meer und die Ozeane, womit wir wieder den Ball zurück in die Bibliothek spielen: Denn natürlich ist das, was auf den verlinkten EU-Seiten zu finden ist, längst nicht alles, was Sie für die Expertise in maritimer Forschung brauchen. Die Hintergrundliteratur finden Sie bei uns.

 

Vorschau: Jetzt haben Sie schon viel über Meere und Ozeane erfahren und wissen, wie viel Literatur wir Ihnen dazu anbieten können. Ein ganz naheliegendes Thema haben Sie bisher aber vielleicht vermisst: Die Fischerei! Dem Meer als Nahrungsquelle widmen wir uns deshalb im nächsten Beitrag – Seien Sie gespannt!

Studentisches Projekt in der Eingangshalle

Weitläufige Verkehrsflächen - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Weitläufige Verkehrsflächen – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Die Diele ist die Visitenkarte eines Hauses. Was für Wohnhäuser gilt, hat durchaus auch seine Berechtigung für große, öffentliche Gebäude. Gemeinsam mit einer Gruppe von Studentinnen und Studenten wollen wir in den nächsten zwei Monaten überlegen, wie sich auch die ‚Diele‘ unseres Hauses Potsdamer Straße trotz Denkmalschutz, knapper Kassen und baulicher Beschränkungen etwas angenehmer gestalten lassen könnte. Es handelt sich dabei nicht um Vorarbeiten zu einer größeren Umbaumaßnahme, diese steht mit der geplanten Generalsanierung erst in einigen Jahren ins Haus. Viel eher soll überlegt werden, wie vielleicht mit kleineren Veränderungen ansehnliche Effekte erzielt werden können.

Besonders in den Fokus genommen wird das südliche Ende der Eingangshalle, das ist der Bereich mit den zahlreichen Garderobenschränken vor der Leihstelle. Dieser Bereich hat seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1978 schon einige Nutzungsänderungen erfahren. Als ‚Kataloghalle‘ vom Architekten konzipiert, standen Kataloge der Staatsbibliothek nur kurze Zeit im Mittelpunkt des Bereichs. Schon bald zog der Berliner Gesamtkatalog ein und dominierte mit seinen elektrisch bedienbaren Rollkatalogschränken diesen Teil der Eingangshalle. Später wurden hier PCs aufgestellt, welche vor allem für die Recherche im Bibliothekskatalog dienen sollten. Zu dieser Zeit wurde auch die Katalogauskunft wieder besetzt. Allerdings war die Katalogauskunft vom Eingang aus nicht sofort zu sehen. Aus diesem Grund wurde sie nach einigen Jahren in den besser sichtbaren I-Punkt verlegt. Heute erfolgt der Katalogzugriff von zuhause aus oder unterwegs auf dem mobilen Gerät. Katalogschränke werden nur noch sehr selten gebraucht. Die Benutzung der PCs und der ebenfalls dort aufgestellten Mikrofiche-Lesegeräte ließ mehr und mehr nach und so kam es zum heutigen, etwas verwaisten Zustand.

Ehemalige Mikrofichearbeitsplätze - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Ehemalige Mikrofichearbeitsplätze – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Sie als Nutzerinnen und Nutzer unserer Bibliothek können uns bei den Überlegungen unterstützen. Die am Projekt beteiligten Studentinnen und Studenten werden Sie in der Eingangshalle ansprechen und Sie haben dann die Möglichkeit, auch Ihre Vorstellungen und Wünsche in das Projekt einfließen zu lassen. Auch hier im Blog haben Sie natürlich die Möglichkeit, Ihre Hinweise und Kommentare zu hinterlassen. Was von allen Ideen dann tatsächlich verwirklicht wird, können wir allerdings noch nicht versprechen. Vielfältig sind die Beschränkungen, die Denkmal- und Brandschutz vorgeben, um nur die wichtigsten ‚Stakeholder‘ bei diesem Projekt zu nennen. Trotzdem freuen wir uns auf die Ideen der Studierenden und auch auf Ihre. Wenn dann auch noch die Umsetzung gelingt, steigern wir die Aufenthaltsqualität für Sie!

Alte Katalogschränke in der Eingangshalle/Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Alte Katalogschränke in der Eingangshalle/Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Erste Vertonung von Shakespeares „Romeo und Julia“ erworben

Die Musikabteilung konnte die sehr seltene Erstausgabe von Georg Anton Bendas Oper „Romeo und Julie“ erwerben. Damit wurde wieder einmal ein Kriegsverlust getilgt. Der sehr schöne, gut erhaltene Klavierauszug im Typendruck von 1778 ist zudem eine gelungene Ergänzung zum Autograph der späteren Mannheimer Fassung des Werks von 1784, das bei uns verwahrt wird (Signatur: Mus.ms. autogr. Benda, G. 9).

Georg Benda gilt als „markanter Repräsentant der stilistischen Wandlungen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (soweit das Musiklexikon „Musik in Geschichte und Gegenwart“) und wirkte seit 1742 in Potsdam als Violinist in der Hofkapelle. 1750 war er dann Hofkapellmeister in Gotha. In seinem Œuvre sind besonders seine Melodramen im Rousseauschen Geiste der Aufklärung hervorzuheben. Hierzu zählt auch „Romeo und Julie“ – die erste Vertonung dieses Shakespeare-Stoffes überhaupt!

Das zwei Jahre vor dem Erscheinen des Klavierauszugs am 25. September 1776 in Gotha uraufgeführte melodramatische Singspiel, das der Leipziger Verleger auf dem Titelblatt als „Oper“ bezeichnet, erreichte bis ins 19. Jahrhundert beispiellose Popularität. Dazu beigetragen haben wahrscheinlich auch die für ein Singspiel auffallenden virtuos-dankbaren Solopartien. Selbst Mozart soll „Romeo und Julie“ gelobt haben. Anders als bei Shakespeare schließt das Werk mit einem Happy-End, in dem die beiden Verliebten Terzen- und Sexten-selig ihr Liebesglück besingen. Mit dem Klavierauszug von „Romeo und Julie“ ist die Staatsbibliothek um ein bedeutendes Dokument der Entwicklung des Singspiels vor Mozart reicher geworden. Die Ausgabe wird in Kürze in unserer Digitalen Bibliothek verfügbar sein.

[Text von Jean Christophe Gero]