Beiträge aus der Abteilung Historische Drucke

Begeisterte Gäste beim „Memory of the World“-Tag

Über 900 Besucher kamen am 5. Dezember in unser Haus Unter den Linden, wo sie die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, die 95 Thesen gegen den Ablass von Martin Luther sowie die hebräische Handbibel M. Luthers sahen. Im Oktober hatte die UNESCO die drei Stücke in das Register „Memory of the World / Gedächtnis der Menschheit“ aufgenommen; schon seit 2001 ist dort eine weitere Pretiose aus der Staatsbibliothek zu Berlin verzeichnet: die Arbeitspartitur von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9.

Am vergangenen Samstag waren die Gäste durchweg begeistert, und zwar nicht allein davon, dass sie in Ruhe alles betrachten konnten. Vor allem auch die ausführlichen Erläuterungen der Experten der Bibliothek, die ihre Stücke wie auch deren historische Einbettung und eine Reihe von „interessanten Geschichten drumherum aus dem Effeff“ kennen, fesselten die Besucher. Im Durchschnitt blieben diese etwas länger als eine halbe Stunde, die längste Wartezeit zuvor hatte 25 Minuten betragen, was aufgrund der Einmaligkeit dieser Präsentation gern in Kauf genommen wurde. Die meisten Besucher verkürzten sich die Wartezeit mit dem Lesen der Broschüren zu den drei neuen Memory-of-the-World-Stücken und waren so bestens auf die Begegnung mit den Originalen eingestimmt.

Die Staatsbibliothek zu Berlin bedankt sich auch bei Presse und Rundfunk, denn ohne deren unermüdliches Hinweisen auf diesen besonderen Termin hätten weniger Menschen von diesem einmaligen und nur 8 Stunden dauernden Ereignis erfahren. Jetzt liegen die Originale wieder sicher verwahrt in ihren Tresoren bei 18 Grad Celsius und 50 % relativer Luftfeuchte.

Wer’s verpasst hat, kann sich in unserer Digitalen Bibliothek alles selbst anschauen:

h-Moll-Messe von J. S. Bach, Druck der 95 Thesen von M. Luther
Hebräische Bibel Martin Luthers
, und der Vollständigkeit halber auch die zuerst in das Memory of the World aufgenommene Sinfonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven.

5.12. Unter den Linden: Wir zeigen die Originale! Bach und Luther – UNESCO-Dokumentenerbe in Berlin

Am Sonnabend, den 5. Dezember – und nur an diesem Tag! – präsentieren wir Ihnen zwischen 11 und 19 Uhr unsere UNESCO-Weltdokumentenerbe-Stücke im Haus Unter den Linden (Eingang: Dorotheenstraße 27):

• die Originalhandschrift der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach
• der Druck der 95 Thesen Martin Luthers
• die hebräische Bibel Martin Luthers, die er – versehen mit seinen  handschriftlichen Anmerkungen – für seine Bibelübersetzung ins Deutsche verwendete

Wir freuen uns, Sie am 5.12. bei uns zu sehen.
Unser Programm an diesem Tag:

10.30 Uhr: Führung durch das Haus Unter den Linden, Treffpunkt Rotunde

11 – 19 Uhr: Besichtigung der Memory of the World-Schätze (letzter Einlass: 18.30 Uhr)

12, 14, 16 und 18 Uhr: Kurzführungen in den 2013 eröffneten Allgemeinen Lesesaal

Der Eintritt ist frei

Mehr Informationen über unsere drei Memory of the World-Schätze

Messbuch kehrt nach Nowgorod zurück

Ein vollständig erhaltenes Messbuch der orthodoxen Kirche aus dem 17. Jahrhundert kehrt zurück nach Russland. Es befand sich bislang in der Staatsbibliothek zu Berlin und wurde hier von Provenienzforschern zweifelsfrei als Kriegsverlust des Museums Nowgorod identifiziert.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und deutscher Sprecher des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, DRMD, und Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, übergaben das 1651 in Moskau verlegte Werk heute an Natalja Grigorjewa, Direktorin des Staatlichen Museums Nowgorod, und an Michail Piotrowski, Generaldirektor der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und russischer Sprecher des DRMD.

Hermann Parzinger sieht in der Rückgabe viel mehr als nur ein Einzelwerk: „Die Provenienzforschung ist auf allen Ebenen zu einem zentralen Aufgabenfeld in den Sammlungen der Museen, Bibliothek und Archive geworden. Mit ihrer Hilfe war auch die Zuordnung dieses herausragenden Messbuches aus Nowgorod möglich. Die Rückgabe unterstreicht den vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang in den deutschrussischen Kulturbeziehungen. Wenn auch die großen politischen Fragestellungen der kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter weiterhin einer Lösung harren, so entwickeln sich die deutsch-russischen Fachkontakte kontinuierlich weiter und sind so intensiv wie selten zuvor. Der Einzelfund aus Nowgorod freut mich auch persönlich sehr, da bekanntermaßen Nowgorod erhebliche Kriegsverluste hatte und keinerlei Aufzeichnungen dazu vorhanden sind.“

Die Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Kulturstaatsministerin Monika Grütters begrüßt die Rückgabe des Messbuchs sehr: „Die Übergabe des bedeutenden Messbuchs an das Museum in Nowgorod ist ein Erfolg der Provenienzforschung und eine Chance für die Fortsetzung des deutsch-russischen Kulturgüterdialogs. Wir haben vielfältige Kontakte deutscher und russischer Fachleute im Kulturbereich. Ich schätze diese sehr, und sie sollten weiter ausgebaut werden. Dies ist wichtig, gibt es doch im Bereich der Kulturgüter den noch immer offenen, vor dem geschichtlichen Hintergrund auch schmerzlichen Wunsch der Deutschen und der Russen nach Rückkehr ihrer jeweils noch im Ausland befindlichen Kulturgüter. Gerade in einer Zeit der Globalisierung ist sich die Bevölkerung eines Landes der identitätsstiftenden Wirkung von Kultur besonders bewusst. Deshalb haben sich Deutschland und Russland im deutsch-sowjetischen Nachbarschaftsvertrag von 1990 und im deutsch-russischen Kulturabkommen von 1992 völkerrechtlich verbindlich geeinigt, verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kunstschätze/Kulturgüter, die sich auf ihrem Territorium befinden, an den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger zurückzugeben.“

Im Messbuch findet sich ein handschriftlicher Eintrag, der den Druck der Bibliothek des Klosters Antonius des Römers bei Nowgorod zuordnet. Aus der bedeutenden Bibliothek dieses Klosters, eines der ältesten im nordwestlichen Russland, sind heute nicht mehr als etwa 15 Bücher erhalten geblieben. Außerdem ist ein Vorkriegsstempel der Wissenschaftlichen Bibliothek des Nowgoroder Museums vorhanden. Die russische Stadt war von 1941 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt, die auch Kulturgüter abtransportieren ließen, darunter über 30.000 Bücher. Wohin die Werke kamen, ist nur zum Teil bekannt. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg plante in Riga eine „Ostbibliothek“ aufzubauen, vermutlich sollte das Messbuch dort integriert werden. Wie es schließlich in die Ost-Berliner Staatsbibliothek gelangte, lässt sich heute nicht rekonstruieren. Während der systematischen Prüfungen verdächtiger Bestände, die die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Jahren vornimmt, wurde das Messbuch als Eigentum des Nowgoroder Museums identifiziert.

honorarfreie Pressebilder zum Download:
Pressebild 1 – Auf der ersten und letzten Seite des Messbuchs
findet sich ein schwer lesbarer Stempel des Museums in Nowgorod,

Pressebild 2 Vorsatzblatt mit handschriftlichen Eintragungen

Rara- und Musiklesesaal am 4.12. ab 13 Uhr und am 5.12. ganztägig geschlossen

Am Sonnabend vor dem zweiten Advent zeigen wir Ihnen einen Tag lang im Original die drei Werke aus unserem Bestand, die jüngst in das ‚Memory of the World‘ der UNESCO aufgenommen wurden. Auch die Aufbauarbeiten benötigen Zeit, aus diesem Grund bleibt der Rara- und Musiklesesaal im Haus Unter den Linden am Freitag, dem 4.12. bereits ab 13 Uhr und am 5.12.2015 ganztägig geschlossen.

Wir bitten um Ihr Verständnis und freuen uns, wenn Sie bei Interesse die Ausstellung besuchen.

Bestände der St. Nikolai-Kirchenbibliothek in Berlin-Spandau vollständig im VD 17 erfasst

Als eine der drei Trägerbibliotheken des „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD 17)“ übernahm die Staatsbibliothek bereits mehrfach die Verzeichnung gerade kleinerer Bibliotheksbestände in der VD 17-Datenbank .

Ein durchaus umfangreiches Projekt dieser Art konnte jetzt in Zusammenarbeit mit der St. Nikolai-Kirchenbibliothek Spandau erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Anfängen in der Reformationszeit wurde die Spandauer Kirchenbibliothek seit dem Ende des 16. Jahrhunderts intensiv aufgebaut und wuchs bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf ca. 2.700 Bände. Im Zweiten Weltkrieg war auch die Kirchenbibliothek von Verlusten betroffen, 1965 übernahm die Kirchliche Hochschule Berlin die Verwaltung der Bücher, bis die Bibliothek 1993 wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgebracht werden konnte, wo sie nun in den Räumen des kirchlichen Museums Spandovia Sacra aufbewahrt wird. 

Das von der Abteilung Historische Drucke durchgeführte Projekt zur Erfassung des VD 17-relevanten Bestandes der Spandauer Kirchenbibliothek ergab ca. 1.700 einschlägige Titel – mehr als bislang angenommen –, darunter sogar ca. 250 Nova, d.h. bislang noch nicht in der VD 17-Datenbank nachgewiesene Drucke, die über das Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek vollständig digitalisiert wurden und nun in den Digitalisierten Sammlungen weltweit der Forschung zur Verfügung stehen.

Den jetzt vollständigen Nachweis dieses interessanten Bestandes im VD 17 machten zum einen die ausgezeichneten Vorarbeiten des ehrenamtlichen Mitarbeiters der Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai, Prof. Dr. Ralph Brennecke, und zum anderen der Einsatz der Referendarin Isabelle Hüfner (2013) sowie der beiden Auszubildenden Kristin Albrecht (2013/14) und Paul Hahn (2014/15) überhaupt erst möglich. Dank gilt schließlich auch der Leiterin des Museums Spandovia Sacra, Frau Sabine Müller, für die Betreuung der Erfassungsarbeiten vor Ort.

Bestand der St. Nikolai-Kirchenbibliothek im VD 17: http://sbb.berlin/7a581u

VD 17-Nova aus Spandau in den Digitalisierten Sammlungen: http://sbb.berlin/1i8dbk

 

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