Beiträge aus der Abteilung Historische Drucke

Über 14.000 preußische Drucke des 17. Jahrhunderts online verfügbar

Vor kurzem konnte ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt der Abteilung Historische Drucke abgeschlossen werden, das sich die Digitalisierung aller im historischen Raum Preußen- Nordostdeutschland erschienenen Drucke im Bestand der Staatsbibliothek zur Aufgabe machte, die im „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts“ (VD 17) erfasst sind und bisher nicht als digitale Ausgaben verfügbar waren. Weiterlesen

Fokus Kirchenbibliotheken: St. Marien in Barth

Die evangelische St. Marienkirche in Barth (Mecklenburg-Vorpommern) beherbergt eine der ältesten Kirchenbibliotheken Deutschlands, bereits im Jahr 1398 wurde eine Büchersammlung in St. Marien im Testament eines Geistlichen erstmals erwähnt. Weiterlesen

Candide und Wilhelmine: Spektakuläre Neuerwerbungen der Abteilung Historische Drucke

Als Voltaire den satirisch-philosophischen Roman Candide, Ou L’Optimisme schrieb, war er 64 Jahre alt. Aus Paris verbannt und schweren Konflikten mit kirchlichen und staatlichen Autoritäten ausgesetzt, war er zugleich der populärste Autor der französischen Aufklärung und ein wohlhabender Mann. In der turbulenten Handlung des Romans, einer Parodie damals beliebter Abenteuerromane, wird mit drastischem Realismus, sarkastischem Spott und weitherziger Anteilnahme “die beste aller Welten” in Frage gestellt. Das Werk ist voller Bezüge auf aktuelle Konflikte und Katastrophen: den Siebenjährigen Krieg, das Erdbeben von Lissabon, kirchliche Inquisition, Feudalherrschaft, Folter, Sklaverei … Entstanden während der Auseinandersetzungen um das Verbot der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert wurde es selbst Gegenstand der Zensur: Mit seinem Erscheinen war der Candide ein verbotenes Buch. Es stand im katholischen Frankreich ebenso auf dem Index wie im protestantischen Genf, eine Ausnahme bildete nur England. Trotzdem, besser gesagt: gerade deswegen, hatte der Candide in kürzester Zeit einen beispiellosen Erfolg.

1759 erschienen an mehreren Orten in Europa mindestens 17 verschiedene französische Drucke des umstrittenen Werks. Einige waren zweifellos Raubdrucke, andere jedoch wurden bewusst vom Verfasser und seinen Verlegern lanciert, um die Zensur zu unterlaufen und den Roman zu verbreiten.

Mit großzügiger Unterstützung des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. konnte die Abteilung Historische Drucke kürzlich 5 der 17 originalsprachlichen Ausgaben erwerben, darunter die tatsächliche Erstausgabe. Zusammen mit einem Band aus der Bibliothek Bruno Kaisers besitzt sie damit 6 französische Candide-Ausgaben von 1759: 4 mit 299 Seiten aus Genf, London und Frankreich, und 2 aus Paris mit 237 Seiten. 2 Ausgaben sind Kriegsverlust: ein französischer Druck mit 315 [i.e. 215] und ein Basler Druck mit 301 Seiten, beide mit den vorhandenen 6 also nicht identisch.

In keiner Ausgabe ist der Verfasser genannt, vielmehr wird das Werk als vermeintliche Übersetzung aus dem Deutschen eines “Mr. Le Docteur Ralph” ausgegeben. Ebenso wenig sind die (wirklichen) Erscheinungsorte, Drucker oder Verleger erwähnt.

Die rechtmäßigen Verleger des Candide waren die Frères Cramer in Genf, mit denen Voltaire eng zusammenarbeitete. Ihre Ausgabe ist in der Werk-Edition der Voltaire Foundation nach Seitenzahl und Erscheinungsort als 299 G (299 S., Genf) verzeichnet (OCV = Œuvres complètes de Voltaire, 48.1980, S. 86), Signatur in der SBB-PK: 50 MA 50944, Exemplar aus der Provenienz des englischen Malers George Clausen (1852-1944).

 

Voltaire war ein Autor, der seine Werke immer wieder überarbeitete. Dabei suchte der den Austausch mit Bekannten und Freunden und ließ handschriftliche Abschriften erstellen, die sich oft in Details unterschieden. Eine solche Kopie des Candide-Textes ist erhalten, das sogenannte “La Vallière Manuskript” aus dem Nachlass des Duc de La Vallière (1708-1780).

Und sogar nachdem der eigentliche Druckprozess schon abgeschlossen war, wünschte Voltaire noch Änderungen: In einigen Exemplaren der Erstausgabe 299 G – auch in unserem – ist am Schluss ein “Avis Au Relieur” enthalten, eine Anweisung an den Buchbinder, 8 Seiten bzw. 4 Blätter durch beigefügte “Cartons” (Austauschblätter) zu ersetzen.

Voltaire Avis

 

Besonders große Ähnlichkeit mit der Genfer Erstausgabe hat die erste englische Edition von John Nourse, zu dem die Cramers enge Geschäftsbeziehungen unterhielten: 299 L (299 Seiten, London).

 

Sogar die Titelvignette wurde kopiert:                                                                              

 

Candide_Vignetten_1

Das Verhältnis zwischen den Ausgaben gibt jedoch Rätsel auf: Denn Vergleiche mit dem La Vallière Manuskript und den Cartons ergeben, dass die Londoner Ausgaben (auch die 2. Edition, 299 La) frühere Versionen des Textes enthalten als die Erstausgabe der Cramers. (So steht auf S. 242 (Kapitel 25) noch der Abschnitt “Candide était affligé de ces discours, il respectait Homere, il aimait Milton. …” mit einer Anspielung auf die deutsche Poesie, den Voltaire offenbar im letzten Moment aus 299 G entfernen ließ, wahrscheinlich aus Rücksicht auf den dichtenden König in Sanssouci. In spätere Ausgaben hat Voltaire die Passage leicht abgemildert wieder aufgenommen.) Andererseits sind die Drucke im Satz nahezu identisch, sie können also nur nach einer gedruckten, 299 G sehr ähnlichen Vorlage gesetzt worden sein. (Dazu s. Barber, G.: Some early English editions of Voltaire. In: The British library journal. 4.1978,2, S. 106.)

 

Wie ist das zu erklären? Vieles spricht dafür, dass Voltaire und die Frères Cramer bereits Ende 1758 einen Probedruck an Nourse geschickt haben, nach dem dieser seine Ausgaben setzen ließ. Grund: die Zensur. Verfasser und Verleger expedierten die gefährliche Fracht vorab schon mal ins liberalere England, um die Veröffentlichung sicherzustellen, noch ehe ihre eigene Ausgabe ganz fertig war.

 

Ode Sur La Mort De Son Altesse Royale Madame La Markgrave De Bareith

Angebunden an die Erstausgabe des Candide ist ein besonders seltenes Stück: die Ode zum Tod von Wilhelmine Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth, ebenfalls aus dem Jahr 1759. Wilhelmine war die Lieblingsschwester des preußischen Königs Friedrichs II. Sie war auch mit Voltaire gut befreundet. Auch die Ode auf Wilhelmine überarbeitete Voltaire mehrmals grundlegend. Als Reaktion auf das Verbot der Encyclopédie fügte er einen Epilog bei: Lettre à quelques Gens de Lettres, in späteren Ausgaben unter dem Titel Notes de Monsieur de Morza. Sogar Voltaire selbst hatte Bedenken, der Text mit heftigen Angriffen u.a. auf die Jesuiten könne zu scharf sein: “Der Epilog der Ode wird ordentlich Lärm machen. […] Es könnte eventuell nötig sein einige Stellen zu versüßen. Ich habe Sorge, zu viel Essig an den Salat gegeben zu haben.” (“J’ay peur d’avoir trop vinaigré la salade.” Brief an Gabriel Cramer vom 3.4.1759. In: OCV 104.1971, D8247)

Auch bei der Ode handelt es sich um die Erstausgabe. Hier sind Verfasser und (vermeintliche) Verleger auf der Titelseite genannt:

Voltaire Titel Ode

Bei einem Vergleich mit den Candide-Ausgaben aber kommt Erstaunliches zutage: Typen, Wasserzeichen und Vignetten stimmen nicht mit der Ausgabe der Frères Cramer, sondern mit 299 L, der ersten Londoner Candide-Ausgabe von Nourse überein.

Vignetten:

Candide_Ode_Vignetten

 

Wasserzeichen:

Ode …                                                                                      Candide, 299 L

 

Voltaire Wasserzeichen 1                                                       Voltaire Wasserzeichen 2

 

Tatsächlich dürfte es sich auch bei der Ode um einen Londoner Druck von Nourse handeln, der ihn nach Vorabdrucken der Cramers hergestellt hat. (Das hat erstmals Nicholas Marlowe entdeckt, vgl. Nicholas Marlowe Rare Books. List 3: The Candide conspiracy. London & Montpellier, 2015.) Dafür spricht auch, dass Exemplare dieser äußerst seltenen Ausgabe bisher ausschließlich in Großbritannien nachweisbar waren. Wahrscheinlicher Grund auch in diesem Fall: der “Essig” in Voltaires Text.

 

Ein eigenes Thema wäre die “Seconde Partie” zum Candide, ein apokryphes, ebenso klandestin wie sein Vorbild erschienenes Werk, das – in unterschiedlichen Editionen – an die 2. Londoner und  die 1. Pariser Ausgabe des Candide (299 La und 237 P) angebunden ist.

Dass das komplette “Set” der Candide-Drucke von 1759 mit 299 Seiten, dazu die erste in Frankreich gedruckte Ausgabe, die vermeintliche Fortsetzung, und als besonderes Rarissimum die Ode auf Friedrichs Schwester zusammen im Original erworben werden konnten, ist – auch in Hinblick auf das preußische Erbe – ein unschätzbarer Glücksfall für die Bibliothek und ihre Benutzer.

 

[Text von Ruth Weiß.]

Wie der Untergang der Titanic mit E.T.A. Hoffmann zusammenhängt

Die Advents- und Weihnachtszeit ist traditionell die Zeit des Geschichtenerzählens. Auch heute noch? Vielleicht nicht mehr so ganz? Wir nehmen den Faden jedenfalls auf und erzählen Ihnen heute eine Geschichte – eine wahre Geschichte, die spannende Geschichte eines Buches. Denn im Projekt E.T.A. Hoffmann-Portal arbeiten wir gerade daran, die Bücher des großen Geschichtenerzählers Hoffmann digital zu präsentieren. In vielen Bänden können Sie in Zukunft online blättern, sich in die Illustrationen unterschiedlichster Künstlerinnen und Künstler vertiefen, die Entstehungsgeschichte des Werkes oder das individuelle Schicksal eines einzelnen Exemplars im Laufe der Zeit nachverfolgen, ehemalige Besitzerinnen und Besitzer kennenlernen, Details der Einbände erkunden und vieles mehr…

Darauf geben wir Ihnen heute einen kleinen Vorgeschmack und erzählen die Geschichte eines besonderen Kleinods aus unserer Sammlung Künstlerischer Drucke: Es ist ein einzigartiges Sonderexemplar der Nachtstücke, aus einer Vorzugsausgabe in Ganzleder, die 1913 im Münchner Verlag Georg Müller erschienen ist.

 

Von der Nachtseite der menschlichen Seele

Die Geschichte beginnt mit der Entstehung der Texte. In den Jahren 1815-1817 arbeitete E.T.A. Hoffmann als Richter in Berlin. Der verantwortungsvolle Posten sicherte seinen Lebensunterhalt, bedeutete aber auch eine große Belastung, von der er sich des Nachts befreite, indem er seiner literarischen Phantasie freien Lauf ließ – möglicherweise, und nicht ganz unwahrscheinlich, unterstützt durch ausgiebigen Opiumgenuss. Anregungen für seine phantastischen Erzählungen und den sprechenden Titel Nachtstücke hatte Hoffmann dabei in Fülle vor Augen. So bezeichnet der Begriff in der Malerei Gemälde mit nächtlichen, schauerhaften Szenen, die nur spärlich durch Fackellicht beleuchtet werden. Die einschlägigen Werke von Künstlern wie Pieter Breughel dem Jüngeren oder Antonio Correggio kannte und liebte Hoffmann sehr. Auch die aus England bekannten Gothic Novels inspirierten ihn zu seiner unvergleichlichen Schauerromantik.

 

Ein kleines Juwel der Druckkunst

So verwundert es nicht, dass die Meister der Druckkunst zahlreich versuchen, Hoffmanns Geschichten in ihren Ausgaben weiterzuerzählen, indem sie die Atmosphäre der Texte auf die Materialität des Buches übertragen. Der nummerierte Nachtstücke-Band Nr. 45, den wir Ihnen hier präsentieren, wurde beispielsweise erschaffen als eines von nur 100 Exemplaren einer Liebhaberausgabe, die auf edles holländisches Bütten gedruckt und in Ganzleder gebunden wurde. Als Schrift setzte die Spamer’sche Druckerei in Leipzig ihre Hausfraktur ein – eine gebrochene Schrift, die den Charakter des Unheimlichen auf eindrückliche Weise verkörpert. Für die Buchillustration wurde kein geringerer als der österreichische Grafiker, Schriftsteller und Buchillustrator Alfred Kubin verpflichtet, dessen Zeichenstil Christoph Brockhaus als „von geheimen Kräften getrieben“ und als „märchenhaft, phantastisch und grotesk“ beschreibt, der „den grenzenlosen Strom psychischen Erlebens“ auffängt (Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 158-160). Wer könnte Hoffmanns Geschichten also besser weitererzählen als Alfred Kubin? So schuf er denn auch 48 Zeichnungen, die als teils ganzseitige Illustrationen in die Ausgabe aufgenommen wurden.

 

Statt Futura ein Stilleben mit Totenschädel und brennender Kerze – Die Buchausstattung von Paul Renner

Auch der unikale Einband nimmt die unheimliche Atmosphäre aus Hoffmanns phantastischen Erzählungen auf. Das beeindruckende Stück schöner Schauerlichkeit entstand in der bedeutenden Leipziger Buchbinderei Hübel und Denck. In ihrem Auftrag schuf der Typograph Paul Renner die Buchausstattung, zu der vermutlich auch die individuelle Gestaltung dieses Sondereinbandes gezählt werden kann, die ganz im Gegensatz zu dem Schriftentwurf steht, für den Renner 1927 berühmt wurde: die Antiqua-Schrift Futura, die sich durch klare, gleichmäßige Formen auszeichnet. Der Einband dagegen erzählt in Bildern von den Geschichten Hoffmanns: Die Leserinnen und Leser können das leichte Unbehagen bereits spüren, das die traumatischen Szenen bei der Lektüre hervorrufen werden. Ein Totenschädel greift das alte Vanitasmotiv auf und spielt auf die Vergänglichkeit des Lebens an, oder ist es eine Maske, die auf Identitätsprobleme und den Wandel zwischen Traum und Wirklichkeit hindeutet? Der nächtlich dunkle Hintergrund wird knapp von einer kaum dem Wind widerstehenden Kerze beleuchtet, deren Rauchschwaden Gedanken an den möglichen Opiumrausch des Autors hervorrufen. Die Natur überdauert mit grell-roten Blüten und rankenden Pflanzen. Ganz individuelle Merkmale unseres Exemplars Nr. 45 sind zudem auch der edle textile Vorsatz aus geometrisch-ornamentalen Mustern in Silber und Schwarz sowie der passend verzierte Schnitt, die die Komposition des Einbandes abrunden.

 

Die Titanic kommt ins Spiel

Das Gefühl der Vergänglichkeit bleibt, wenn man den Band Nr. 45 aufschlägt und das Exlibris der ehemaligen Besitzer betrachtet: Baron Curt von Faber du Faur und seine 14 Jahre ältere Ehefrau Emma erwarben dieses Exemplar. Der Baron war Barockforscher, Mitbegründer des traditionsreichen Auktionshauses für Kunst und antiquarische Bücher Karl & Faber in München und Bibliothekar und Germanist an der Yale University Library  – so wundert man sich ebenso wenig über sein Interesse an E.T.A. Hoffmann wie über das liebevoll gestaltete und sorgfältig eingeklebte Exlibris mit dem Familienwappen der Faber du Faur. Mit seiner Gattin Emma Faber du Faur begegnen wir dagegen einer ungewöhnlichen Biographie – spannend nicht nur wegen ihrer ereignisreichen Familiengeschichte (die geborene New Yorkerin Emma Mock war nicht nur die verheiratete Frau Faber du Faur, sondern auch die reiche Witwe des 44 Jahre älteren Rufus Blake, die geschiedene Ehefrau des Hamburger Militärhauptmanns Paul Schabert und Mutter zweier Kinder, die auf den besten Schiffen der Zeit zwischen Europa und den USA hin- und herreiste), sondern weil sie als eine der wenigen Überlebenden der RMS Titanic in die Geschichte einging. Ihre Aussagen trugen dazu bei, den Hergang von Untergang und Rettung in der Aprilnacht 1912 ein Stück weiter nachzuvollziehen. Unser schönes Exemplar Nr. 45 wurde zwar erst 1913 gedruckt und gelangte vermutlich erst irgendwann nach der Hochzeit mit Baron von Faber du Faur im Jahr 1928 in den Besitz des Ehepaars (ein genaues Datum ist nicht überliefert), doch ist es nun unlösbar mit der Geschichte des Untergangs der Titanic verbunden.

Schließlich erwarb die Staatsbibliothek zu Berlin über eine Auktion den außergewöhnlichen Band für ihre Sammlung Künstlerischer Drucke. Damit endet unsere kleine Geschichte, obwohl die Geschichte des Buches noch lange nicht ihren Abschluss gefunden hat und vielleicht eines Tages weitererzählt wird…

 

Hier noch ein paar visuelle Eindrücke:

 

 

Alle Jahre wieder – Kalender der SBB

Auf der Suche nach letzten Geschenkideen bietet sich ein Blick in die drei Kalender der Staatsbibliothek an, die in Kooperation mit dem DuMont Kalenderverlag erscheinen:

Geographisch-Kartographischer Kalender 2016 : Archäologie und Antike
Er ist der Klassiker unter den Kartenkalendern – seit 1965 im Handel. Die Kartensammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin und der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden zeigen spektakuläre alte Karten von berühmten Ausgrabungsstätten. Informative Begleittexte finden sich auf einem separaten Textblatt.

https://www.dumontkalender.de/geographisch-kartographischer-kalender-2016-kalender.html

 

DuMonts Botanisches Kabinett 2016: Botanica Pharmaceutica
Andreas Friedrich Happe (1733–1802), ein Apotheker und Naturalienmaler der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, schuf mit der »Botanica Pharmaceutica« ein weit verbreitetes Nachschlagewerk für medizinisch nutzbare Pflanzen, die wir heute vielfach als Garten- und Wildblumen kennen.
Die in diesem Kalender abgebildeten Tafeln stammen aus der Rara-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin.

https://www.dumontkalender.de/dumonts-botanisches-kabinett-2016-kalender.html

 

Redoutés Rosen 2016
Taschenkalender

https://www.dumontkalender.de/redoutes-rosen-2016-kalender.html

Begeisterte Gäste beim “Memory of the World”-Tag

Über 900 Besucher kamen am 5. Dezember in unser Haus Unter den Linden, wo sie die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, die 95 Thesen gegen den Ablass von Martin Luther sowie die hebräische Handbibel M. Luthers sahen. Im Oktober hatte die UNESCO die drei Stücke in das Register “Memory of the World / Gedächtnis der Menschheit” aufgenommen; schon seit 2001 ist dort eine weitere Pretiose aus der Staatsbibliothek zu Berlin verzeichnet: die Arbeitspartitur von Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9.

Am vergangenen Samstag waren die Gäste durchweg begeistert, und zwar nicht allein davon, dass sie in Ruhe alles betrachten konnten. Vor allem auch die ausführlichen Erläuterungen der Experten der Bibliothek, die ihre Stücke wie auch deren historische Einbettung und eine Reihe von “interessanten Geschichten drumherum aus dem Effeff” kennen, fesselten die Besucher. Im Durchschnitt blieben diese etwas länger als eine halbe Stunde, die längste Wartezeit zuvor hatte 25 Minuten betragen, was aufgrund der Einmaligkeit dieser Präsentation gern in Kauf genommen wurde. Die meisten Besucher verkürzten sich die Wartezeit mit dem Lesen der Broschüren zu den drei neuen Memory-of-the-World-Stücken und waren so bestens auf die Begegnung mit den Originalen eingestimmt.

Die Staatsbibliothek zu Berlin bedankt sich auch bei Presse und Rundfunk, denn ohne deren unermüdliches Hinweisen auf diesen besonderen Termin hätten weniger Menschen von diesem einmaligen und nur 8 Stunden dauernden Ereignis erfahren. Jetzt liegen die Originale wieder sicher verwahrt in ihren Tresoren bei 18 Grad Celsius und 50 % relativer Luftfeuchte.

Wer’s verpasst hat, kann sich in unserer Digitalen Bibliothek alles selbst anschauen:

h-Moll-Messe von J. S. Bach, Druck der 95 Thesen von M. Luther
Hebräische Bibel Martin Luthers
, und der Vollständigkeit halber auch die zuerst in das Memory of the World aufgenommene Sinfonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven.

5.12. Unter den Linden: Wir zeigen die Originale! Bach und Luther – UNESCO-Dokumentenerbe in Berlin

Am Sonnabend, den 5. Dezember – und nur an diesem Tag! – präsentieren wir Ihnen zwischen 11 und 19 Uhr unsere UNESCO-Weltdokumentenerbe-Stücke im Haus Unter den Linden (Eingang: Dorotheenstraße 27):

• die Originalhandschrift der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach
• der Druck der 95 Thesen Martin Luthers
• die hebräische Bibel Martin Luthers, die er – versehen mit seinen  handschriftlichen Anmerkungen – für seine Bibelübersetzung ins Deutsche verwendete

Wir freuen uns, Sie am 5.12. bei uns zu sehen.
Unser Programm an diesem Tag:

10.30 Uhr: Führung durch das Haus Unter den Linden, Treffpunkt Rotunde

11 – 19 Uhr: Besichtigung der Memory of the World-Schätze (letzter Einlass: 18.30 Uhr)

12, 14, 16 und 18 Uhr: Kurzführungen in den 2013 eröffneten Allgemeinen Lesesaal

Der Eintritt ist frei

Mehr Informationen über unsere drei Memory of the World-Schätze

Messbuch kehrt nach Nowgorod zurück

Ein vollständig erhaltenes Messbuch der orthodoxen Kirche aus dem 17. Jahrhundert kehrt zurück nach Russland. Es befand sich bislang in der Staatsbibliothek zu Berlin und wurde hier von Provenienzforschern zweifelsfrei als Kriegsverlust des Museums Nowgorod identifiziert.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und deutscher Sprecher des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, DRMD, und Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, übergaben das 1651 in Moskau verlegte Werk heute an Natalja Grigorjewa, Direktorin des Staatlichen Museums Nowgorod, und an Michail Piotrowski, Generaldirektor der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und russischer Sprecher des DRMD.

Hermann Parzinger sieht in der Rückgabe viel mehr als nur ein Einzelwerk: „Die Provenienzforschung ist auf allen Ebenen zu einem zentralen Aufgabenfeld in den Sammlungen der Museen, Bibliothek und Archive geworden. Mit ihrer Hilfe war auch die Zuordnung dieses herausragenden Messbuches aus Nowgorod möglich. Die Rückgabe unterstreicht den vertrauensvollen und partnerschaftlichen Umgang in den deutschrussischen Kulturbeziehungen. Wenn auch die großen politischen Fragestellungen der kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter weiterhin einer Lösung harren, so entwickeln sich die deutsch-russischen Fachkontakte kontinuierlich weiter und sind so intensiv wie selten zuvor. Der Einzelfund aus Nowgorod freut mich auch persönlich sehr, da bekanntermaßen Nowgorod erhebliche Kriegsverluste hatte und keinerlei Aufzeichnungen dazu vorhanden sind.“

Die Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Kulturstaatsministerin Monika Grütters begrüßt die Rückgabe des Messbuchs sehr: „Die Übergabe des bedeutenden Messbuchs an das Museum in Nowgorod ist ein Erfolg der Provenienzforschung und eine Chance für die Fortsetzung des deutsch-russischen Kulturgüterdialogs. Wir haben vielfältige Kontakte deutscher und russischer Fachleute im Kulturbereich. Ich schätze diese sehr, und sie sollten weiter ausgebaut werden. Dies ist wichtig, gibt es doch im Bereich der Kulturgüter den noch immer offenen, vor dem geschichtlichen Hintergrund auch schmerzlichen Wunsch der Deutschen und der Russen nach Rückkehr ihrer jeweils noch im Ausland befindlichen Kulturgüter. Gerade in einer Zeit der Globalisierung ist sich die Bevölkerung eines Landes der identitätsstiftenden Wirkung von Kultur besonders bewusst. Deshalb haben sich Deutschland und Russland im deutsch-sowjetischen Nachbarschaftsvertrag von 1990 und im deutsch-russischen Kulturabkommen von 1992 völkerrechtlich verbindlich geeinigt, verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kunstschätze/Kulturgüter, die sich auf ihrem Territorium befinden, an den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger zurückzugeben.“

Im Messbuch findet sich ein handschriftlicher Eintrag, der den Druck der Bibliothek des Klosters Antonius des Römers bei Nowgorod zuordnet. Aus der bedeutenden Bibliothek dieses Klosters, eines der ältesten im nordwestlichen Russland, sind heute nicht mehr als etwa 15 Bücher erhalten geblieben. Außerdem ist ein Vorkriegsstempel der Wissenschaftlichen Bibliothek des Nowgoroder Museums vorhanden. Die russische Stadt war von 1941 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt, die auch Kulturgüter abtransportieren ließen, darunter über 30.000 Bücher. Wohin die Werke kamen, ist nur zum Teil bekannt. Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg plante in Riga eine „Ostbibliothek“ aufzubauen, vermutlich sollte das Messbuch dort integriert werden. Wie es schließlich in die Ost-Berliner Staatsbibliothek gelangte, lässt sich heute nicht rekonstruieren. Während der systematischen Prüfungen verdächtiger Bestände, die die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Jahren vornimmt, wurde das Messbuch als Eigentum des Nowgoroder Museums identifiziert.

honorarfreie Pressebilder zum Download:
Pressebild 1 – Auf der ersten und letzten Seite des Messbuchs
findet sich ein schwer lesbarer Stempel des Museums in Nowgorod,

Pressebild 2 Vorsatzblatt mit handschriftlichen Eintragungen

Rara- und Musiklesesaal am 4.12. ab 13 Uhr und am 5.12. ganztägig geschlossen

Am Sonnabend vor dem zweiten Advent zeigen wir Ihnen einen Tag lang im Original die drei Werke aus unserem Bestand, die jüngst in das ‘Memory of the World’ der UNESCO aufgenommen wurden. Auch die Aufbauarbeiten benötigen Zeit, aus diesem Grund bleibt der Rara- und Musiklesesaal im Haus Unter den Linden am Freitag, dem 4.12. bereits ab 13 Uhr und am 5.12.2015 ganztägig geschlossen.

Wir bitten um Ihr Verständnis und freuen uns, wenn Sie bei Interesse die Ausstellung besuchen.

Bestände der St. Nikolai-Kirchenbibliothek in Berlin-Spandau vollständig im VD 17 erfasst

Als eine der drei Trägerbibliotheken des „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD 17)“ übernahm die Staatsbibliothek bereits mehrfach die Verzeichnung gerade kleinerer Bibliotheksbestände in der VD 17-Datenbank .

Ein durchaus umfangreiches Projekt dieser Art konnte jetzt in Zusammenarbeit mit der St. Nikolai-Kirchenbibliothek Spandau erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Anfängen in der Reformationszeit wurde die Spandauer Kirchenbibliothek seit dem Ende des 16. Jahrhunderts intensiv aufgebaut und wuchs bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf ca. 2.700 Bände. Im Zweiten Weltkrieg war auch die Kirchenbibliothek von Verlusten betroffen, 1965 übernahm die Kirchliche Hochschule Berlin die Verwaltung der Bücher, bis die Bibliothek 1993 wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückgebracht werden konnte, wo sie nun in den Räumen des kirchlichen Museums Spandovia Sacra aufbewahrt wird. 

Das von der Abteilung Historische Drucke durchgeführte Projekt zur Erfassung des VD 17-relevanten Bestandes der Spandauer Kirchenbibliothek ergab ca. 1.700 einschlägige Titel – mehr als bislang angenommen –, darunter sogar ca. 250 Nova, d.h. bislang noch nicht in der VD 17-Datenbank nachgewiesene Drucke, die über das Digitalisierungszentrum der Staatsbibliothek vollständig digitalisiert wurden und nun in den Digitalisierten Sammlungen weltweit der Forschung zur Verfügung stehen.

Den jetzt vollständigen Nachweis dieses interessanten Bestandes im VD 17 machten zum einen die ausgezeichneten Vorarbeiten des ehrenamtlichen Mitarbeiters der Evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai, Prof. Dr. Ralph Brennecke, und zum anderen der Einsatz der Referendarin Isabelle Hüfner (2013) sowie der beiden Auszubildenden Kristin Albrecht (2013/14) und Paul Hahn (2014/15) überhaupt erst möglich. Dank gilt schließlich auch der Leiterin des Museums Spandovia Sacra, Frau Sabine Müller, für die Betreuung der Erfassungsarbeiten vor Ort.

Bestand der St. Nikolai-Kirchenbibliothek im VD 17: http://sbb.berlin/7a581u

VD 17-Nova aus Spandau in den Digitalisierten Sammlungen: http://sbb.berlin/1i8dbk

 

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