Unsere Beiträge zu den Wissenschaften und Forschung

Researchers from all over the world welcome!

Sie kommen schon immer hierher, die Forschenden von allen Enden der Welt. Seit 2009 jedoch ist in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein spezielles Instrument zur Förderung internationaler Forschungsbesuche etabliert: das Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es dient dazu,

„in erster Linie ausländische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in die Lage [zu] versetzen, in den Museen, Bibliotheken und Archiven der SPK zu arbeiten, am wissenschaftlichen und kulturellen Leben innerhalb der SPK und in Berlin teilzunehmen und Fachkontakte zu Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der SPK sowie anderer Einrichtungen in Deutschland zu knüpfen.“

Mit „ausländisch“ ist dabei keineswegs die Staatsbürgerschaft oder gar die Nationalität gemeint, sondern der dauerhafte Wohnsitz. Denn es geht darum, die Mehrkosten bei Aufenthalt „in der Fremde“ aufzufangen. Wichtig ist deshalb auch, dass als zusätzliche Unterstützung ein Reisekostenzuschuss eingeplant ist. Jede Institution innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gestaltet das Programm mit eigenen Modifikationen im vorgegebenen Rahmen.

Stiftungsweite zentrale Vorgaben sind neben dem Antragsformular und den notwendigen Bewerbungsunterlagen

– die Stipendiendauer von maximal 3 Monaten

– die Vergabe des Stipendiums in zwei Kategorien:

– Kategorie A für Personen mit erstem Hochschulabschluss, ohne Promotion

– Kategorie B für Personen mit Promotion (oder Äquivalent)

– die Höhe des monatlichen Stipendiums in der jeweiligen Kategorie:

– Kategorie A: 900 €

– Kategorie B: 1200 €

– die Möglichkeit der Erstattung von Reisekosten bis maximal 500 €

Ebenfalls sind einige Verpflichtungen seitens der gastgebenden Einrichtung und seitens der Stipendiaten formuliert.

 

Für die Staatsbibliothek wird die Zielausrichtung des Programms folgendermaßen spezifiziert: Das Stipendienprogramm

„soll es in erster Linie im Ausland lebenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern  ermöglichen, nach Berlin zu kommen, um die reichhaltigen Sammlungen der Bibliothek und der anderen Stiftungseinrichtungen für ihre Forschungsarbeiten auszuwerten und Fachkontakte in Deutschland zu knüpfen.“

Der Bewerbungszeitraum für ein Stipendium zur Durchführung von Forschungsarbeiten bei der Staatsbibliothek zu Berlin ist separat festgelegt: Bis 30. September jeden Jahres werden Bewerbungen für ein Stipendium im darauffolgenden Jahr angenommen. Der Antrag ist zusammen mit den erforderlichen Unterlagen per Post an die Generaldirektion zu richten:

Staatsbibliothek zu Berlin

– Die Generaldirektorin –

Potsdamer Straße 33

D-10785 Berlin

All diese Informationen finden Sie auf den Stipendienseiten unserer Hompage, die komplett auch auf Englisch zur Verfügung stehen.

Konkret gestaltet es sich in der Staatsbibliothek so, dass mit dem Budget jährlich 6 – 8 Stipendien (incl. Nebenkosten) ermöglicht werden können. Neben einem kostenlosen Bibliotheksausweis wird bei Bedarf eine über unsere ohnehin angebotenen Serviceleistungen hinausgehende fachliche Betreuung gewährt. Die Stipendiaten stellen wenn irgend möglich ihr Forschungsprojekt in einem Werkstattgespräch innerhalb unserer Wissenswerkstatt vor. Wenn es sich organisatorisch anbietet, kann diese Präsentation auch zu einem späteren Zeitpunkt außerhalb der Stipendienmonate erfolgen. Seit dem Bestehen des Blognetzwerkes der SBB haben sie zudem die Möglichkeit, ihr Thema hier in einem eigenen Beitrag einem breiteren Interessentenkreis nahezubringen.

Für Stipendien im Jahr 2018 freuen wir uns über Bewerbungen bis zum 30. September 2017!

Eine zahlenmäßige und inhaltliche Übersicht über die bisherigen Stipendienjahrgänge folgt in einem separaten Beitrag demnächst in diesem Blog!

Friedrich Nicolai und die erste chemische Fachzeitschrift

Gastbeitrag von Anna Gielas, University of St Andrews, Edinburgh

Streitlustig und streitbar soll Friedrich Nicolai (1733-1811) gewesen sein. Fest steht, dass der Berliner Buchhändler und Verleger zu den zentralen Akteuren der Aufklärung zählte. Heute gehört seine Korrespondenz zu den wichtigsten und meistbenutzten Nachlässen der Staatsbibliothek. Unter den 20.000 Briefen finden sich 130 Stück von einem Professor aus Helmstedt, dessen Name den meisten von uns nichts sagt – der jedoch den Lauf der Chemie nachhaltig beeinflusst hat.

Lorenz von Crell (1744–1816), Professor an der Universität Helmstedt

Dabei hat Lorenz Friedrich Crell (1744-1816) zeit seines Lebens weder eine wichtige chemische Entdeckung noch Erfindung gemacht. Stattdessen gründete Crell die erste chemische Fachzeitschrift – und schuf damit in der Zeit eines politisch zerklüfteten und späterhin in die Napoleonischen Kriege verstrickten Europas ein internationales Forum für den Austausch chemischer Forscher. Mithilfe seines Journals bot der Helmstedter einen regelmäßigen Fluss neuer wissenschaftlicher Beobachtungen, erlaubte seinen Lesern, diese zu kommentieren, aufzugreifen und weiter zu untersuchen – und synchronisierte auf diese Weise ein Stück weit die Bemühungen der europäischen Chemiker. Zum Vorteil der Forschung.

Crells Briefe im Nachlass Nicolais erlauben einen einzigartigen Einblick in die Entstehung und Leitung des chemischen Periodikums. In keinem anderen Archiv scheinen annähernd so viele Briefe des Helmstedters überdauert zu haben.

Crell begann seine Korrespondenz mit Nicolai als erfolgloser 33-jähriger Hochschuldozent. Streitlustig hat er den Berliner Verleger nicht erlebt, streitbar noch weniger: Der Helmstedter war Nicolai über Jahrzehnte hinweg in Dankbarkeit und Freundschaft zugetan. Auch als seine „Chemischen Annalen“ längst über die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches hinweg bekannt waren, hielt er den Kontakt zu Nicolai.

Der Jungprofessor und der Verleger fanden sich im Jahre 1777, hauptsächlich über Nicolais „Allgemeine Deutsche Bibliothek“ (ADB), ein führendes Rezensionsorgan der Aufklärung. Im November 1777 schrieb Crell: „Ich kann diese Gelegenheit nicht vorbeylaßen, ohne Ihnen zu äusern, daß, wenn eine Stelle eines Recensenten in der practischen Arzneygelahrtheit, der Chemie, Mineralogie, oder Materia medi(c)a, für Ihre schätzbare allgemeine Deutsche Bibliothek etwa offen seyn sollte, und Sie sie durch mich wieder ausfüllenwollten, ich diesen Antrag mit vielem Vergnügen annehmen würde.“

Handschriftenabteilung der SBB, Nachlass Friedrich Nicolai: Crell an Nicolai, Brief 8, 27. Februar 1778

Obgleich Crell zu dieser Zeit an der ersten Ausgabe seines „Chemischen Journals“, des ersten seiner insgesamt neun chemischen Fachperiodika, arbeitete, verfasste er von November 1777 bis Anfang Februar 1778 mindestens sechzehn Rezensionen für Nicolais hochbeliebte Zeitschrift. Dabei besprach der Professor primär jene Publikationen, die für sein eigenes Journal wichtig waren.

Die beachtliche Sammlung von Crells Briefen an Nicolai zeigt, dass der Verleger sehr schnell zu einer essentiellen Ressource für den Jungredakteur wurde. Nicolai verfügte über jahrelange Erfahrung im Leiten einer Zeitschrift und hatte sowohl zahlreiche Möglichkeiten als auch den Willen, dem Helmstedter unter die Arme zu greifen. So ließ er Crell sogar seine chemische Zeitschrift für die ADB rezensieren: Hinter dem Schleier der Anonymität durfte der Jungredakteur sein eigenes Blatt preisen und weiterempfehlen.

Crell suchte bei Nicolai auch Rat in essentiellen redaktionellen Fragen, etwa der Serialität seiner chemischen Publikation: „Sollte es hier am rahtsamsten seyn, das Journal (…) wieder so, wie bisher, 2 kl. Theile jede Meße, herauszugeben? oder Stückweise, zu 6 Bogen?“ Auch bat der Redakteur um Nachrichten zur chemischen Forschung in der preußischen Hauptstadt. Nicolai kannte die führenden Forscher seiner Zeit, darunter Johann Christian Wiegleb, Johann Friedrich Gmelin und Johann Friedrich Göttling. Crell wiederum war gleich doppelt isoliert, als er sein Journal ins Leben rief: Zum einen durch seinen Wohnort Helmstedt mit rund 4.000 Einwohnern in der östlichen Peripherie des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel; zum anderen durch einen Mangel an Kontakten zu weiteren Forschern der Chemie.

Nicolai schloss den rund zehn Jahre jüngeren Mann mit der Zeit ins Herz. Immer wieder bereitete er Crell Überraschungen. So schrieb der Jungredakteur: „auch bin ich Ihnen vorzügl. für das so reichl[ich]e Honorar. für Kirwan’s Übersetzg doppelt verbunden, weil es freywillig ist, u. ich es nicht so hoch erwartete.“ Trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen fand Nicolai die Zeit, Crell in Helmstedt zu besuchen. Das festigte nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch die Zusammenarbeit, und Crell veröffentlichte mindestens acht Publikationen zur Chemie und Medizin im Nicolaischen Verlag.

Doch gerade für die Gründung und die ersten Jahre des „Chemischen Journals“

Deckblatt der ersten Ausgabe des “Chemischen Journals”, Exemplar der Bibliothek des Polytechnicums Carlsruhe

spielte Nicolai eine wesentliche Rolle. Er war, wie es scheint, der einzige einflussreiche Helfer des jungen Crell – und eine treibende Kraft hinter der ersten chemischen Fachzeitschrift. Die Briefe des Helmstedters können als neuer Beleg für die Vielseitigkeit von Nicolais Wirken und sein breites Engagement interpretiert werden.

 

Frau Anna Gielas, University of St Andrews, war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2017 als Stipendiatin an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: “Lorenz Crells Briefe an Friedrich Nicolai und die Genese sowie Konsolidierung der ersten chemischen Fachperiodika (1777 – 1785)”

CRL – Center for Research Libraries

Ein Beitrag von Cordula Gumbrecht

Seit neuestem ist die Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin als „global member“ von CRL, dem Center for Research Libraries, gelistet. Das CRL, mit Sitz in Chicago, ist ein internationales Konsortium von Universitäts-, Hochschul- sowie unabhängigen Forschungsbibliotheken. Schon seit 1949 unterstützt das CRL Lehre und Forschung in den Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften, indem es rare und außergewöhnliche Quellen dieser Wissenschaftsbereiche aus der ganzen Welt aufbewahrt und verfügbar macht. Als „global member“ von CRL ist die Ostasienabteilung zur Ausleihe von Medien, Büchern, Zeitschriften und Zeitungen sowie Mikrofilmen, zum Auslösen von Digitalisierungsaufträgen sowie zur Anfrage nach Dokumentenbereitstellung (Zeitschriftenartikeln, Archivauszügen etc.) berechtigt. Für den Zugang zum Portal nutzen Sie bitte – nach Anmeldung bei CrossAsia – diesen link bzw. rufen selbiges über die Liste der lizensierten Datenbanken in CrossAsia auf.

In CRL kann man sich unter dem Menüpunkt Collections/Topic guides einen nach Themenbereichen geordneten Überblick über die vorhandenen Quellen verschaffen, unter dem Menüpunkt Collections/CRL Collecting Areas findet sich zum einen eine nach Fächern – wie z.B. Nachrichten, Recht und Regierungsinformationen, Naturwissenschaften/Technologie/Ingenieurwissenschaften – , zum anderen nach Art der Ressourcen – wie z.B. Archive, Serien, Monographien, Dissertationen sortierte Zusammenstellung.

Ausleihen werden für eine Dauer von 90 Tagen gewährt, die Frist kann auf Anfrage verlängert werden. Wenn immer möglich, werden Leihanfragen auf dem Wege der Digitalisierung beantwortet, bei Bestellung eines Einzelbandes bzw. eines Mikrofilms nimmt die Digitalisierung fünf Arbeitstage in Anspruch. Ausleihanfragen aus dem CRL-Bestand richten Sie bitte an folgende Adresse: ostasienabteilung(at)sbb.spk-berlin.de

Unter dem Menüpunkt Electronic Resources/Digital Collections sind Beispiele von für Mitglieder von CRL frei zugängliche digitalisierte Quellen aus deren Beständen  versammelt, so z.B. eine Sammlung chinesischer Pamphlete aus der Zeit der Kulturrevolution oder auch der Zugang zur Digital South Asia Library.

Zu diesen für Mitglieder von CRL frei verfügbaren Dokumenten aus dem Bereich China gehören u.a.:

English Language Newspapers

  • Canton Register [1827-1843]
  • Celestial Empire (Shanghai) [1874-1927]
  • China Mail (Hong Kong) [1845-1968]
  • China Press (Shanghai) [1914-1949]
  • Hong Kong Daily Press [1864-1941]
  • Hong Kong Telegraph [1881-1951]
  • North-China Daily News [1855-1951]
  • North-China Herald [1850-1941]
  • South China Morning Post [1904-2009]

Chinese Language Newspapers

  • Beijing ri bao (北京日報) [1956-1968]
  • Da gong bao (大公報) [1929-1966]
  • Gong ren ri bao (工人日報) [1951-1966]
  • Guang ming ri bao (光明日報) [1950-1974]
  • Hua zi ri bao (華字日報) = The Chinese mail [1895-1940]
  • Nanfang ri bao (南方日報) [1949-1969]
  • Ren min ri bao (人民日報) [1949-1995]
  • Shen bao (申報) [1872-1949]
  • Shi bao (時報) (Shanghai) [1909-1937]
  • Shun tian shi bao (順天時報) [1901-1926]
  • Xing dao wan bao (星島晚報) [1946-1989]
  • Zhong yang ri bao (中央日報) [1950-1994]
    =Central Daily News (Taiwan)
  • Zi li wan bao (自立晚報) [1947-1987]
    = Independence Evening Post

Other News Resources

  • S. Information Service
    • Chinese Press Review [1945-1950]
    • Survey of China Press [1950-1977]
    • Current Background [1950-1977]
  • Foreign Broadcast Information Service
    • Daily report, foreign radio broadcasts [1941-1995]
    • Daily news release / Hsinhua News Agency release (Beijing) [1949-    ]
    • Fei qu di fang guang bo xin wen / Gong fei di fang guang bo xuan ji [1956-1981]
      共匪地方广播选集
    • Millard’s review of the Far East / China Weekly Review [1917-1953]
    • Official Gazettes
      • Cheng-fu kung-pao (政府公报) [1912-1919]
      • Kuo-min Cheng-fu kung-pao (国民政府公报) [1938-1943]
      • Ching fu kung pao (Manchuria) (清府公报) [1932-1945]
      • Hong Kong government gazette  [1918-1921]
      • Additional municipal and provincial gazettes

In Kürze werden diese und alle anderen frei verfügbaren Quellen aus CRL mit ihren bibliografischen Daten in die CrossAsia Suche integriert werden und damit dort direkt recherchierbar sein.

Dieser Beitrag erschien zuerst im CrossAsia Blog

Carl Maria von Weber: Romanza siciliana

Autographen aus den ersten zwanzig Lebensjahren Carl Maria von Webers haben Seltenheitswert; umso überraschender war es, als 2015 die Reinschrift der Romanza siciliana auftauchte, die der Komponist Ende 1805, kurz nach seinem 19. Geburtstag abgeschlossen hatte. Der letzte Hinweis auf den Verbleib dieses Manuskripts, das sich lange Zeit (vermutlich seit 1839) im Archiv des Berliner Verlages Schlesinger befunden hatte, stammte aus dem November 1925, als es in New York im Auktionshaus Anderson Galleries „unter den Hammer kam“; seitdem galt das Autograph als verschollen. Im Februar 2017 konnte das Frühwerk für die Weberiana-Sammlung der Staatsbibliothek erworben werden und ist – dank der Unterstützung der Restaurierungs-Abteilung – nun auch, obgleich fragil, in einem Zustand, der die Benutzung zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt.

Weber vermerkte auf seinem Manuskript zu den Entstehungsumständen des Werks: „componirt in Breslau für H: Kauffmann Zahn den 24t December. 1805.“ In der schlesischen Metropole hatte der junge Musiker im Sommer 1804 (noch nicht 18jährig) sein erstes besoldetes Amt als Musikdirektor am Theater angetreten, seine dienstlichen Verpflichtungen ließen ihm allerdings wenig Zeit für eigene Arbeiten, so dass er seinen 1806 auslaufenden Zweijahresvertrag nicht verlängerte. Zu den wenigen bekannten Kompositionen der Breslauer Periode gehört dieses gerade 59 Takte umfassende Vortragsstück für Solo-Flöte und Orchester, dessen Adressat der Kaufmann Jakob Conrad Zahn war: ein Liebhaber von Flötenmusik, der 1803 einen Quartettverein gegründet hatte und in seinem Hause Privatkonzerte veranstaltete. Ob Weber von Zahn einen entsprechenden Auftrag erhalten hatte oder von seinem Freund Friedrich Wilhelm Berner zur Komposition angeregt wurde, der im Zahn’schen Quartettverein aktiv war und ebenfalls Werke für den Mäzen schrieb, ist nicht überliefert. Solist der um den Jahreswechsel 1805/06 anzunehmenden Uraufführung dürfte der Breslauer Flötist Adam (auch Adamy) gewesen sein, ebenso ein Freund Berners sowie Ehrenmitglied des genannten Vereins.

Das Autograph diente, wie Stechervermerke mit Bleistift sowie die auf der ersten Seite hinzugefügte Verlagsnummer „S. 2321.“ ausweisen, als Stichvorlage für die im September 1839 erschienene Erstpublikation des Werks bei Schlesinger (als Nr. 2 der „Nachgelassenen Werke“). Ein Rezensent attestierte dem Werk damals eine „schön empfundene schlichte Romanzenmelodie, welche die Flöte meist ganz ungeschmückt, wie einen weichen Hirtengesang vorträgt; nur einige Male klingen mässige Bravouren hinein“ (Allgemeine musikalische Zeitung, 1938, Sp 1042f.). Dass es sich dabei nicht um ein Spitzenwerk des Komponisten, sondern eher eine musikalische Gefälligkeit handelt, ließ der Kritiker nur dezent anklingen, indem er auf die „ungesuchte“ Melodie, „sinnige“ Harmonien und die Kürze des einsätzigen Stücks hinwies und betonte, dass dieses – wie auch von Weber beabsichtigt – seinen Platz in „geselligen Zirkeln“ habe, also nicht auf dem Konzertpodium, sondern eher im Salon (bzw. der Hausmusik). Ungeachtet dieser Einschränkung bezüglich seiner musikpraktischen Relevanz ist das Manuskript als Dokument der musikalischen Entwicklung des „frühen“ Weber von besonderer Bedeutung. Neben Eintragungen des Stechers (laut Schlesinger-Verlagsbuch in diesem Falle F. Wessely) findet sich auf den insgesamt vier Blättern des Autographs als weiterer Zusatz von fremder Hand eine Echtheitsbestätigung des „Vaters der Weber-Forschung“ Friedrich Wilhelm Jähns vom 8. Juli 1863.

Digitalisat der Handschrift

[Text von Frank Ziegler]

„Wirklich in Verfall“ – Wilhelm von Humboldt und die Königliche Bibliothek

Im Rahmen einer abendlichen Podiumsdiskussion diskutierten am Abend des 20. Juni in der Staatsbibliothek über Wilhelm von Humboldts historische und gegenwärtige Bedeutung Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Heinz-Elmar Tenorth, Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und Jürgen Trabant, Professor für Sprachwissenschaft am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität Berlin. Die Einführung und Moderation übernahm Heike Schmoll, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zuständig für Bildungspolitik und verantwortlich für die Seite ,Bildungswelten‘.

Auf dem Podium: Dr. h.c. Heike Schmoll als Diskussionsleiterin, Prof. Dr. Trabant, Prof. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Prof. Dr. Tenorth

 

Als Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erläuterte ich eingangs die besonderen Beziehungen Humboldts zur Königlichen Bibliothek:

„Meine Damen und Herren, wenn wir uns heute Abend fragen, ob Wilhelm von Humboldt denn allein als der allerorts anerkannte Bildungsreformer zu gelten hat oder ob wir ihm anlässlich seines 250. Geburtstags noch einige andere Verdienste bescheinigen dürfen, so möchte ich als Generaldirektorin der Staatsbibliothek, die zu Humboldts Zeiten ja noch als Königliche Bibliothek fungierte, gerne behaupten: ja, in gewisser Weise hat sich Humboldt sogar als Bibliotheksreformer erwiesen; wenn auch nicht flächendeckend für den gesamten Staat Preußen, so aber doch maßgeblich für die Königliche Bibliothek.

Nach Jahren der sanierungsbedingten Veranstaltungsabstinenz: unser Debut Unter den Linden!

 

Es geht, wie so gerne, ums Geld – präziser: um den Etat, um Bücher und wissenschaftliche Zeitschriften kaufen zu können. Das war vor zweihundert Jahren ebenso ein Thema wie heute und vermutlich wird der sogenannte „Erwerbungshaushalt“ ein Thema auch bleiben, solange es Bibliotheken noch gibt. Denn Bücher kosten Geld, damals wie heute; und für Bibliotheken darf es immer auch noch „ein wenig mehr“ Geld sein. Doch der Anstoß dazu muß in aller Regel von oben kommen, aus den Ministerien; die Forderungen der Bibliothekare an der Basis verhallen zumeist ungehört. In der Tat war die Erwerbungslage der Königlichen Bibliothek im 18. Jahrhundert über Jahrzehnte hinweg desolat gewesen. Unter Friedrich Wilhelm, der den Soldaten bekanntlich mehr Interesse entgegenbrachte als den Büchern, wurde sechs Jahre lang nicht ein einziges Buch für die Bibliothek erworben; und auch anschließend bestand der Erwerbungsetat ganz überwiegend aus den Einnahmen, die die Bibliothek durch den Verkauf von Dubletten erzielte. Noch im Jahr 1776 musste sie – für einen völlig sachfremden Zweck! – vierhundert Thaler bereitstellen, um vierzig Dorfschulmeister schleunigst in das neugewonnene Westpreußen zu befördern. Kein Wunder mithin, dass Wilhelm von Humboldt im August 1809 diagnostizierte, dass „einige weniger begünstigte Institute, wie z.B. die Bibliothek, wirklich in Verfall gerieten“. Deutliche Worte sind dies eines Mannes, der erst seit Mitte April, also seit vier Monaten, sein neues Amt als Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern ausübte. Nunmehr, in Königsberg, Hof und Regierung residierten in jenen Tag dort, gelangt er zu der Auffassung, es sei bislang „eine wirklich erbärmliche Summe auf die Vermehrung der Bibliothek“ veranschlagt worden. Humboldt erkannte, dass eine Universität – nämlich ‚seine‘ soeben in Berlin gegründete Universität – ohne leistungsfähige Bibliothek kaum jemals erfolgreich würde wirken können und veranschlagte bei der Etatisierung der Universität von Anbeginn auch deren Literaturversorgung großzügig mit ein.

Vermutlich waren seine Vorstellungen in diesen wirtschaftlich schwierigen und militärisch kostspieligen Zeiten allzu hochfliegend, denn die 10.000 Taler, die Humboldt der Bibliothek gerne jährlich zugewiesen hätte, ließen sich beim Finanzminister Altenstein nicht durchsetzen. Am Ende wurden aus den vormals 2.000 Talern jährlich immerhin 3.500 – ein ganzes Drittel mehr, und zwar dauerhaft! Nun war Planungssicherheit gegeben und vor allem war durch die materielle Besserstellung zugleich auch der immaterielle Wert der Bibliothek deutlich herausgestellt. Was nichts kostet, ist auch nichts wert oder anders gewendet: Teuer = wertvoll, nützlich und unterstützenswert. Als Minister Altenstein 1817 vom Finanzressort zum Kultus wechselte, erhöhte er den Bibliotheksetat dann auf 4.000 Taler; Ende der zwanziger Jahre lag er bereits bei 8.000 Talern, von Sondermitteln und außerordentlichen Zuschüssen ganz zu schweigen.

Eine anspruchsvolle Veranstaltung in prachtvollem Ambiente

 

Man mag nun einwenden, dass Humboldt, als er die Mittel für die Königliche Bibliothek erhöhte, ja gar nicht an die Bibliothek als solche dachte, sondern eigentlich allein die Universität und deren Literaturversorgung im Kopf hatte. So berechtigt dieser Einwand auch ist, er ändert nichts an neuen finanziellen Wertschätzung, die der Bibliothek nun zuteilwurde. Und ganz nebenbei wurde die Königliche Bibliothek durch diese neue akademische Aufgabenbestimmung auch erstmals an eine Zielgruppe, nämlich an die universitäre Forschung und Lehre, herangeführt. Wir haben somit Wilhelm von Humboldt in doppelter Hinsicht zu danken: für die monetäre Besserstellung wie auch für die damit verbundene Verpflichtung der Bibliothek gegenüber ihrer neuen Klientel. Seit ihrer Gründung war die Bibliothek ein wenig orientierungslos gewesen und diente Theologen und Juristen, Kammerherren und Militärs, Hofbeamten und Schöngeistern als Gebrauchsbibliothek. Nun aber, kaum dass sich die Wissenschaften in Berlin überhaupt erst etablierten, hier gleich nebenan im Palais des Prinzen Heinrich, sorgte Wilhelm von Humboldt für die Verzahnung von Hochschule und Königlicher Bibliothek.

Ich begrüße Professor Markschies, den ehemaligen Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin

 

Bis heute ist es dabei im Wesentlichen geblieben. Noch immer ist die Bibliothek eben auch eine Universitätsbibliotheksbibliothek: an die drei Viertel unserer Leserinnen und Leser sind Studierende, Doktoranden oder entstammen dem Lehrkörper. Die Saat, die Wilhelm von Humboldt 1809 säte, ist fulminant aufgegangen: wer in Berlin wissenschaftlich arbeitet, ob akademisch eingebunden oder auch außeruniversitär, kommt an der Staatsbibliothek nicht vorbei. Und auch der Erwerbungsetat ist noch immer ein Thema. Erfreulicherweise ist es in diesem Jahr, 2017, gelungen, den Etat der Bibliothek sehr maßgeblich, aufzustocken – wir wollen hoffen, dass die Humboldt’sche Erkenntnis des Jahres 1809, den Erfolg der Wissenschaften in Berlin auch durch eine verbesserte Etatisierung der maßgebenden Bibliothek zu erreichen, auch die heutigen Entscheidungsträger auch weiterhin lenken möge. Als Generaldirektorin der Staatsbibliothek gratuliere ich Wilhelm von Humboldt sehr herzlich zu seinem 250. Geburtstag und danke von Herzen für sein so fruchtbringendes Engagement zum Besten der Königlichen Bibliothek!

Und um Wilhelm von Humboldt dauerhaft die Ehre zu erweisen, nutzte ich die Gunst der Jubiläumsstunde und benannte den Großen Festsaal des Hauses Unter den Linden für die Zukunft nach Wilhelm von Humboldt!

 

Leben wir in Zeiten des abnehmenden Lichts?

Ein Werkstattgespräch mit Eugen Ruge am Montag 26. Juni 2017

Nein, an diesem Abend war das Licht nicht abnehmend. Der Dietrich-Bonhoeffersaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin Barbara Schneider-Kempf die geschätzt 150 Besucher zum Gespräch mit dem Schriftsteller Eugen Ruge begrüßte. Es sollte bewusst keine reine „Dichterlesung“ sein, obwohl auch gelesen wurde. Vielmehr  sollte man den Autor und seine Leben in einem Gespräch „aus dem Atelier“  kennenlernen. Zunächst stellte Frau Schneider-Kempf  Eugen Ruge kurz vor: „ Am ersten Juni dieses Monats hatte die Verfilmung Ihres Erfolgsromans In Zeiten des abnehmenden Lichts Premiere. Eine Verfilmung, von der Sie zunächst behaupteten, sie sei nicht möglich, der Roman sei nicht verfilmbar. Der Film hat bei Kritik und Publikum begeisterte Aufnahme gefunden. Lieber Herr Ruge, bestimmt haben Sie zurzeit einen vollen Terminkalender, umso mehr freuen wir uns, dass Sie heute bei uns sind“.

Die Freude war auf beiden Seiten. Der Moderator des Abends, Raimund Waligora, wissenschaftlicher Fachreferent an der Staatsbibliothek, der den Autor seit Schultagen kennt, stieg ein mit Fragen zum Lebensweg Eugen Ruges. Ruge wurde 1954 (ein Jahr und zwei Monate nach dem Tode Stalins) in dem kleinen Ort Sosswa hinter dem Ural geboren. Geburtsjahr und Ort waren nicht zufällig, sein Vater war zur lebenslänglichen Verbannung dorthin verschickt worden. In der nun ansetzenden „Tauwetterperiode“ lockerten sich die harten Lebensbedingungen allmählich. 1956 kam Eugen mit den Eltern in die DDR, die Mutter Russin (sowjetische Staatsbürgerin), der Vater bald bedeutender Historiker  im jungen Arbeiter- und Bauernstaat. Im lockeren Dialog spielten sich Waligora und Ruge gegenseitig  die Bälle zu, was auch an der Machart des Abends lag, der sich nicht detailliert an einer Fragenliste abarbeiten wollte. Dadurch gestaltete sich der gegenseitige Austausch spontan, farbig und abwechslungsreich. Zu den Themen, die angesprochen wurden, gehörten etwa Ruges Zweisprachigkeit und seine Verwurzelung in unterschiedlichen Kulturen sowie die Frage, ob sich daraus Ausgrenzungen in Kindheit und Schulzeit ergeben hätten.
Ausgeschmückt mit mancher Anekdote erzählte Eugen Ruge von einer durchaus lebenswerten, spannenden Kindheit und Jugend in der DDR, in einer erweiterten Oberschule mit mathematischem Profil. Stationen seines weiteren Bildungswegs waren zunächst: ein Mathematikstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin und einige Jahre Tätigkeit im Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam, wo auch sein Wohnort lag.

Das eher unpolitische und künstlerisch wenig ambitionierte Leben als Erdbebenforscher füllte Eugen Ruge nicht aus, 1986 wagte er den Sprung ins  kalte Wasser und wurde freier Autor. Zunächst als Mitarbeiter im DEFA-Dokumentarstudio, dann als Hörspiel und Theaterautor.  1988 fand er die DDR schließlich so reformunwillig und wohl auch -unfähig, dass er von einer Westreise nicht zurückkehrte. Erst im Jahr 1995 zog Ruge wieder in den jetzt nur noch geographischen Osten Deutschlands um.

Die DDR war Geschichte, für Ruge aber künstlerische und wissenschaftliche Herausforderung. Es entstanden neue Prosatexte, eigene dramatische Versuche (seine Theaterstücke wurden auf über 50 deutschen Bühnen gespielt), wissenschaftliche Bearbeitungen von Texten seines Vaters und schließlich der Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts, ein Werk, das inzwischen in 29 (!) Sprachen übersetzt wurde, und für das Ruge unter anderem 2011 den Deutschen Buchpreis zugesprochen bekam.
Diese auch als „DDR-Buddenbrooks“ bezeichnete Familiensaga spiegelt die Spätzeit der DDR aus der Perspektive von vier Generationen wider, die alle beim 90. Geburtstag des überzeugten Kommunisten Wilhelm Powileit  zusammentreffen. Ruge führt so vom Mexikoemigranten zur Zeit des Faschismus bis zum eher unpolitischen Urenkel verschiedene Lebenswege und Haltungen zur DDR montageartig zusammen.

Da es sich ja um keine Dichterlesung im engeren Sinne handelte, bei der ein Werk vorgestellt und diskutiert wird, las Ruge auch nicht aus einem der schon bekannten Romane, sondern brachte eine kleine Erzählung zu Gehör, die nach seinem eigenem Zeugnis auf einer wahren Geschichte beruht. Sie wurde bisher nicht veröffentlicht, trägt den Arbeitstitel SALOMO und handelt von den Verfolgungsphantasien und Ängsten eines jungen  Literaten, der Probleme mit den staatlichen Behörden hat. Von der panischen Angst erfüllt, abgehört zu werden, vernichtet er seine technischen Geräte, lässt sich ganze Zähne ziehen und läuft zuletzt in einem selbstgebastelten faradayschen Käfig durch die Straßen… Aber mehr sei hier nicht verraten.

Leben und Werk Ruges sowie die vorgetragene Kurzgeschichte boten genug Anknüpfungspunkte, um nun auch das Publikum in das Werkstattgespräch einzubeziehen. Es machte von der Gelegenheit, Fragen an den Autor zu stellen, regen Gebrauch und nahm auch die Möglichkeit zur Buchsignierung dankbar an.

 

[Raimund Waligora / Jens Prellwitz]

 

 

Berliner Theaterlandschaft im Wandel – Castorf und Peymann an der Staatsbibliothek

Das Berliner Theater befindet sich im Wandel. In diesen Tagen wird zum letzten Mal eine Inszenierung von Frank Castorf, der die Theaterlandschaft der Hauptstadt geprägt hat wie kaum ein zweiter, in der Volksbühne zu sehen sein. Die Zeichen stehen auf Abschied – das wird nicht nur durch die Abnahme des Schriftzuges OST auf dem Dach der Volksbühne deutlich. Chris Dercon, früherer Direktor der Tate Gallery of Modern Art in London, wird als Nachfolger von Castorf der Volksbühne ein ganz neues Gesicht verleihen. Seine Vision ist die eines Mehrspartenhauses für Theater, Tanz, Musik, Mode und vieles mehr. Dercon erhielt dafür bereits im Vorfeld harte Kritik. Wie sich das Haus verändern wird, wird sich jedoch erst in den nächsten Monaten zeigen.

Frank Castorf hinterlässt auf jeden Fall ein großes Erbe. Schon früh ging er – damals noch in der DDR – ans Theater. Auch wenn er immer wieder in Westdeutschland inszenierte, Frank Castorf war und ist immer mit der Volksbühne im Osten Berlins verbunden. Bereits seit 1992 ist er dort als Intendant tätig. Castorf wurde mehrmals von der Theaterzeitschrift „Theater heute“ zum Regisseur des Jahres gewählt und hat durch seine experimentelle Ästhetik das Theater der Bundesrepublik maßgeblich geprägt. Sein „postdramatisches Theater“ ist für Publikum wie Schauspielerinnen und Schauspieler immer anstrengend und herausfordernd. Stundenlange Provokationen, eine lediglich als Inspirationsquelle und manchmal bis zur Unkenntlichkeit veränderte literarische Vorlage sowie der intensive Einsatz von Kamera und Leinwand sind klare Anzeichen für einen „echten“ Castorf. Seine letzte Inszenierung von Goethes Faust wurde von der Kritik begeistert aufgenommen. Mit Baumeister Solness nach Henrik Ibsen wird die Ära Castorf an der Volksbühne am 1. Juli 2017 schließlich beendet.

Doch nicht nur Frank Castorf verlässt die Volksbühne, auch Claus Peymann am Berliner Ensemble überlässt ab der Saison 17/18 das Ruder am Brechtschen Traditionshaus Oliver Reese, der von Frankfurt nach Berlin übersiedelt. Auch Peymann hat das Theater in der Hauptstadt über lange Jahre mitgestaltet. Nach Stationen als Schauspieldirektor in Stuttgart und Bochum sowie der Direktion des Burgtheaters Wien wurde Peymann 1999 Intendant des Berliner Ensembles. Auch Peymann liebt die Provokation und machte sich mit umstrittenen Inszenierungen wie Thomas Bernhards „Heldenplatz“ einen Namen.  Am 2. Juli 2017 wird er sich als Intendant verabschieden und seinem Nachfolger das Feld überlassen. Der Generationswechsel in der Berliner Theaterlandschaft ist nicht aufzuhalten. Es werden neue Stücke, neue Ensembles und ganz neue Konzepte für das Theater in Berlin folgen. Es bleibt abzuwarten, was sich daraus alles entwickeln wird.

Die Staatsbibliothek hat traditionell einen großen Theaterbestand. Ob das nun Primär- und Forschungsliteratur oder gar unser umfangreiche Bestand an Theaterzetteln ist. Theater hatte und hat immer einen besonderen Stellenwert in der Bibliothek. Selbstverständlich darf da auch die aktuelle Literatur zu Castorf und Peymann nicht fehlen. Hier eine kleine Auswahl:

 

Literatur zu Frank Castorf:

Der Verlag „Theater der Zeit“ hat bereits im vergangenen Jahr Castorf ein eigenes Arbeitsbuch mit vielen spannenden Aufsätzen von renommierten Theaterschaffenden und TheaterwissenschaftlerInnen gewidmet. Wenn Sie mehr über die Ästhetik von Castorf wissen möchten, dann werden Sie hier sicher fündig:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=86244120X

Gespräche mit Frank Castorf haben wir gleich mehrfach im Bestand:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=278877273

Der Titel „Republik Castorf: die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz seit 1992: Gespräche“ herausgegeben von Frank Raddatz befindet sich ebenfalls im Bestand, ist aber momentan noch in Bearbeitung.

Ein Blick in die Geschichte der Volksbühne bietet der Titel „Zehn Jahre Volksbühne“:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=360571727

Wenn Sie mehr über das Leben Castorfs erfahren möchten, können Sie sich in dieser Biografie informieren:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=352865822

 

Literatur zu Peymann:

18 Jahre war Claus Peymann Intendant beim Berliner Ensemble. Diese Zeit hat er nun auch in einer zweibändigen Veröffentlichung mit Fotos und Materialien festgehalten: Ferbers, Jutta/Peymann, Claus: „Das schönste Theater. Bertolt-Brecht-Platz 1: Direktion Claus Peymann 1999-2017: Erinnerungen und Bilanz. Ein Foto- und ein Materialienband.

Autobiographisches von Peymann finden Sie im Titel „Mord und Totschlag“. Interviews, Briefe und andere Dokumente geben ein facettenreiches Bild vom langjährigen Intendanten des Berliner Ensembles.

Auf diese beiden Titel können Sie ebenfalls gespannt sein. Verfolgen Sie unsere Neuerwerbungen. Bald werden die Titel für Sie zur Verfügung stehen.

Und schließlich sollten bei „Peymann von A bis Z“ alle Fragen beantwortet werden können:

http://stabikat.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=566030470

 

Wenn Sie vom Theater immer noch nicht genug haben, dann stöbern Sie doch mal im neuen Portal des Fachinformationsdienstes für darstellende Kunst:

http://www.performing-arts.eu/

Mit nur einem Klick können Sie hier sämtliche relevante Datenbanken, Bestände von Bibliotheken, Museen und Archive und vieles mehr durchsuchen.

Nachlässe digital – internationale Konferenz in der Staatsbibliothek

Nachlässe – digital
Koop-Litera International – Konferenz 2017
20.-22. Juni 2017
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dietrich-Bonhoeffer-Saal der Staatsbibliothek

 

Koop-Litera ist ein Netzwerk von Institutionen, die schriftliche Nachlässe und Autographen verwalten. Nach den Veranstaltungen in Mersch/Luxemburg (2011) und Bern/Schweiz (2014) findet 2017 die internationale Konferenz dieses Verbundes in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. 100 Vertreter von Einrichtungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und anderen Ländern werden sich hier treffen, um über das Thema Nachlässe, einem Kernbestand des kulturellen Erbes, im digitalen Zeitalter in allen seinen Facetten zu diskutieren. Die 20 Vorträge und 3 Workshops widmen sich der Frage, wie die Digitalisierung die Forschung mit Ihren Fragestellungen und Prozessen verändert und was die digitale Transformation für die Erwerbung, Erschließung und Vermittlung von Nachlässen bedeutet.

Tagungsprogramm und weitere Informationen

Songs are unlike literature…

Kurz vor Ablauf der Frist hat Bob Dylan am 4. Juni 2017 in Los Angeles seine Nobelpreis-Lesung aufgezeichnet und damit alle Verpflichtungen erfüllt, die mit der Auszeichnung verbunden sind. Bob Dylan ist damit der 109. Träger des Literaturnobelpreises und gleichzeitig erste hauptberufliche Musiker, der mit der international bedeutendsten Ehrung für literarische Leistungen ausgezeichnet worden ist.

In seiner Lesung spricht Bob Dylan über seine musikalischen Wurzeln, die tief in den Genres Country, Western, Rock’n’Roll und Rhythm’n’Blues liegen, und über sein Idol Buddy Holly, den „elder brother“ und den „archetype“ gleichermaßen. Ein wenig hört man aus Dylans alter Stimme noch den Trotz und den Eigensinn des 17-jährigen Jungen aus Hibbing, Minnesota heraus, wenn er sich an die Anfänge erinnert:

„When I started writing my own songs, the folk lingo was the only vocabulary that I knew, and I used it.“

Neben seinen musikalischen Einflüssen reflektiert Bob Dylan in seiner Lesung aber vor allem über die Literatur, die ihn geprägt hat, und die – mal eher unterbewusst und mal ganz explizit – in seine Songtexte eingeflossen ist. Dazu zählt er die traditionellen Lektürestoffe der Oberschule, die er aufgesogen hat und die ihm schon früh „a way of looking at life and understanding of human nature, a standard to measure things by” gegeben haben.

Über diese Werke können Sie sich ausgiebig in den Beständen der Staatsbibliothek informieren – sei es über zahlreiche Ausgaben der Werke selbst oder über die reichlich vorhandene Forschungsliteratur bspw. zur Stoff- und Motivgeschichte oder zur Rezeption. Namentlich führt Dylan Abenteuergeschichten wie Miguel de Cervantes‘ große Ritterroman-Parodie Don Quijote an, die im Jahr 2002 von einhundert Schriftstellern zum besten Buch der Welt gekürt wurde, aber auch Sir Walter Scotts Historienroman über den Kreuzritter Sir Wilfred of Ivanhoe, die Geschichte des schiffbrüchigen Robinson Crusoe von Daniel Defoe, in der die Gattung der Robinsonaden ihren Ursprung hat, Jonathan Swifts Satire Gulliver‘s Travels, der als Jugendbuch weltberühmt wurde, und schließlich Charles Dickens‘ A Tale of Two Cities, in der die Lebensgeschichten von Dr. Manette und dessen Familie in den Wirren der Französischen Revolution und des noblen Londoner Eigenbrödlers Sidney Carson erzählt werden. Ganz besonders beeinflusst fühlt sich Bob Dylan aber von drei Werken der Weltliteratur:

 

Herman Melville: Moby Dick – “Quotable poetic phrases that can’t be beat.”

…ein Seefahrerroman voller biblischer Allegorien, antiker Mythen, britischer Legenden und zoologischer Exkurse zum Thema Walfang, der davon erzählt, wie unterschiedlich Menschen auf dieselben Erfahrungen reagieren, und den Dylan in verschiedenen seiner Songs – man denke etwa an „Bob Dylan’s 115th Dream“ aus dem 1965er Album Bringing It All Back Home – verarbeitet hat.

 

Erich Maria Remarque: All Quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues) – “This is a book where you lose your childhood”

…ein Roman über die grausamen Erlebnisse eines jungen Soldaten im Ersten Weltkrieg, der als Antikriegsroman in die Weltliteratur eingegangen ist, und der Bob Dylan so tief erschüttert hat, dass er nach der Lektüre “never wanted to read another war novel again – and I never did.“ Dylan sieht hier erzählerisch eine Parallele zu Charlie Poole (1892–1931), einem Songschreiber aus North Carolina, der ähnliche Kriegsschrecken in seinem Song “You ain’t talking to me” verarbeitet. Pooles Song hat Dylan übrigens erst in jüngerer Zeit zu einem eigenen Stück inspiriert: „Ain’t Talkin‘“, erschienen auf dem Album Modern Times (2006).

 

Homer: The Odyssey – “You too have come so far and have been so far blown back.”

…eine der einflussreichsten Dichtungen der Welt über die Irrfahrten des Odysseus, die den Stoff für zahlreiche Bearbeitungen gab und, wohlgemerkt, vom wiederum gleichsam mythischen Dichter Homer einem Sänger in den Mund gelegt wurde. Auch einige der berühmtesten Countrysongs rekurrieren auf den Stoff, darunter „Homeward Bound“ von Simon & Garfunkel, Curly Putmans „Green Green Grass of Home“ über den Heimattraum eines Mannes in der Nacht vor seiner Hinrichtung, das durch Interpreten wie Tom Jones und Elvis Presley internationale Erfolge feierte, und „Home on the Range“, dessen Textgrundlage ein Gedicht des Heimatsuchenden Brewster M. Higley ist.

 

And you want your songs to sound good…

Dylan erläutert, er müsse ein Werk nicht verstehen, um sich davon beeinflussen zu lassen. Es muss ihn aber emotional bewegen. Als Beispiel führt er eine Zeile des vielfach als rätselhaft geltenden englischen „metaphysical poet“ John Donne (1572–1631) an und kommentiert: „ I don’t know what it means, either. But it sounds good. And you want your songs to sound good.”

Für Bob Dylan sind Songs nicht wie Literatur. Warum hat er dann den Nobelpreis für Literatur bekommen, könnte man fragen. Kritikerstimmen waren zur Genüge zu hören. Oder wieso hat er den Preis nach fast zweiwöchiger Funkstille angenommen? – Weil Songs mehr sind als Literatur, so wie Shakespeares Theaterstücke mehr sind als Texte. Sie müssen gesungen, gespielt, aufgeführt werden: “But songs are unlike literature, they meant to be sung, not read. The words in Shakespeare’s plays were meant to be acted on the stage, just as lyrics in songs are meant to be sung, not read on a page.”

“And I hope some of you get the chance to listen to these lyrics the way they were intended to be heard: in concert or on record or however people are listening to songs these days”

In diesem Sinne ist auch die Nobelpreis-Lesung von Bob Dylan mehr: Man muss sie anhören und dem Klang von Dylans Stimme lauschen…

Stimmen der Bibliothek: Digitalisierung der Bibliotheken

Bibliotheken sind seit Jahrhunderten etablierte Spieler im Bereich der Wissenssammlung und -katalogisierung und sehen sich im digitalen Zeitalter einer Reihe von Herausforderungen gegenüber.

Im Podcast “Forschergeist” des Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. spricht Tim Pritlove mit Ralf Stockmann, Leiter des Referates „Innovations-Management – Online-Bibliotheksdienstleistungen“ an der Staatsbibliothek zu Berlin über traditionelle und zukünftige Rollen von Bibliotheken.

Thematisch wird ein weiter Bogen gespannt: der Zugang zu Wissen und Forschung, die Erschließung und Katalogisierung von Quellen, das Aufbereiten und Verfügbarmachen der Daten, die Bewahrung und Archivierung der gewonnenen Informationen, das Verhältnis der Bibliotheken zu Wissensprojekten wie Wikipedia und Suchmaschinen.

Auch denkbare Zukunftsfelder für eine digitale Transformation von Bibliotheken werden gestreift: die Möglichkeiten der Analyse von Big Data (Kataloge als Objekt von Forschung) oder die Anwendung neuer Methoden des maschinellen Lernens und der künstlicher Intelligenz.