Beiträge für Forschung und Kultur

Leierkastensänger und Nonsenspoet. Der (Kinder-)Lyriker James Krüss

Gut 56 Jahre nachdem James Krüss höchstpersönlich zu einer Lesung vor Kindern im Hause Unter den Linden zu Besuch war, lud die Kinder- und Jugendbuchabteilung am 5. April 2016 im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Kinderbuch im Gespräch“ zu einem Vortrag über den berühmten Kinderbuchautor ein.

1)Prof. Heller, Prof. Dr. Ewers und Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, im abschließenden Gespräch mit dem Publikum

Prof. Heller, Prof. Dr. Ewers und Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, im abschließenden Gespräch mit dem Publikum

Der Vortragende selbst, Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, gilt seinerseits als unlängst emeritierter Professor der Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur und ehemaliger Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main als einer der renommiertesten Forscher auf seinem Gebiet. Mit zahlreichen Zitaten unterhaltsam gespickt, bekamen die Zuhörer einen umfassenden Überblick insbesondere über das lyrische Wirken von James Krüss serviert. Prof. Ewers zeigte interessante stilistische Parallelen, u.a. zum Werk Heinz Erhardts, auf und belegte schließlich, dass Krüss trotz seiner großen Beliebtheit kein wirklicher „Kinderversteher“ war. Gerade in den Texten, in denen sich der Lyriker um eine kindliche Erzählperspektive bemüht habe, lasse sich letztlich stets die Stimme des Erwachsenen heraushören.

Das schmälert jedoch nicht die Begeisterung für Krüss‘ Werke, die, wie z.B. das vor fünfzig Jahren erstmals erschienene Bilderbuch „Henriette Bimmelbahn“, noch immer verlegt werden. Auch heute, zwanzig Jahre nach dem Tod des Autors, lassen sich die Leserinnen und Leser von der grundsätzlichen Absicht Krüss‘ verzaubern: “Haltet die Uhren an. Vergesst die Zeit. Ich will euch Geschichten erzählen.” (Aus: Sommer auf den Hummerklippen)

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine kleine Vitrinenausstellung, die Zeichnungen und Aquarelle von Eberhard Binder sowie Eva-Johanna Rubin zu verschiedenen Werken James Krüss‘ zeigte. Diese Originalillustrationen – der Leserschaft aus den gedruckten Werken zumeist wohlbekannt – zählen zur Sammlung der Originalillustrationen, einem der Schätze der Kinder- und Jugendbuchabteilung.

Skizzenheft von Eva Johanna Rubin zu James Krüss‘ Werk „Der Drachenturm“

Skizzenheft von Eva Johanna Rubin zu James Krüss‘ Werk „Der Drachenturm“

Risse im kulturellen Gedächtnis

Unter dieser Überschrift hat der Journalist Roland Koch für die Helmholtz-Gemeinschaft einen ausführlichen Bericht geschrieben, der die Wichtigkeit der im Sommer 2015 verabschiedeten bundesweiten Handlungsempfehlungen für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts unterstreicht. Für seinen Bericht besuchte er unter anderem die Restaurierungswerkstatt der Staatsbibliothek zu Berlin und sprach mit der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des Schriftlichen Kulturguts, KEK, die in der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelt ist: http://www.helmholtz.de/wissenschaft_und_gesellschaft/risse-im-kulturellen-gedaechtnis-5468/

„Frühe Schriften der von Martin Luther initiierten Reformation“ – Übergabe der UNESCO-Urkunde an die Staatsbibliothek

Am Abend des 17. März überreichte die deutsche UNESCO-Kommission den beteiligten deutschen Bibliotheken und Archiven die Urkunden über die Aufnahme der von ihnen bewahrten Zeugnisse des schriftlichen Kulturerbes in das  Weltdokumentenerbe „Frühe Schriften der von Martin Luther initiierten Reformation“.

Im Refektorium des Lutherhauses in Lutherstadt Wittenberg sprachen zu den Vertreterinnen und Vertretern der gewürdigten Institutionen der Vizepräsident der deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Christoph Wulf, der Justizminister und Reformationsbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Gerhard Robbers, der Direktor des Staatsarchivs Bremen und stellv. Vorsitzende des Memory of the World-Nominierungskomitees, Prof. Dr. Konrad Elmshäuser , Frau Prof. Dr. Irene Dingel (Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz) sowie der Vorstand und Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Dr. Stefan Rhein. Die Wortbeiträge wurden musikalisch umrahmt durch Mitglieder der Wittenberger Hofkapelle unter der Leitung von Thomas Höhne.

Beim Festakt in Wittenberg war die Staatsbibliothek vertreten durch Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf (mittig). - Foto: Cornelia Kirsch

Die Urkunde der UNESCO, unterzeichnet von Generaldirektorin Irina Bokova.

Ausgewählte Schriften Martin Luthers sind in das Weltregister des Dokumentenerbes der UNESCO aufgenommen worden. Die 14 Schriften, darunter aus den Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin ein Handexemplar Luthers der Hebräischen Bibelausgabe sowie ein Plakatdruck der 95 Ablassthesen, ferner die Bibelübersetzung und seine Schrift an die Ratsherren zur Einrichtung von Schulen, sind Meilensteine der Reformation. Sie stehen für verschiedene Facetten der Reformation und sind in ihrer inhaltlichen Aussage und historischen Überlieferung einzigartig und unersetzbar. Über die Aufnahme der ihnen anvertrauten Dokumente freuen sich: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Anhaltische Landesbücherei Dessau, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Herzogin Anna Amalia Bibliothek – Klassik Stiftung Weimar, Forschungsbibliothek Gotha, Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Universitätsbibliothek Heidelberg, Stadtbibliothek Worms und Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Der Antrag wurde maßgeblich vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz erarbeitet.