Beiträge für Forschung und Kultur

Großzügige Schenkung für die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Eine wunderbare Ergänzung erhielt die Porträtsammlung der Musikabteilung Ende Juni 2017 von einem Londoner Antiquariat. Bei der Schenkung handelt es sich um ein Konvolut von 18 Lithografien aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Grafiken stammen aus dem Nachlass des Weißenfelser Musikpädagogen Ernst Julius Hentschel (1804-1875).

Bemerkenswert an dieser Sammlung ist, wie exakt sich die Lebensstationen Hentschels an der Auswahl der Porträtierten und deren Umfeld ablesen lässt. Neben Schlesien spielt auch Berlin eine wichtige Rolle in diesem „preußischen“ Konvolut.
Im Jahre 1823 hielt sich Hentschel in Berlin auf, wo er bei Carl Friedrich Zelter (1758-1832) Gesangsunterricht und bei Johannes Bernhard Logier (1777-1846) Harmonieunterricht nahm. Am königlichen Schauspielhaus wurde in diesem Jahr mehrmals die Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit Heinrich Blume (1788-1856) in der Hauptrolle aufgeführt. Die Vermutung liegt nahe, dass auch Hentschel an einer Aufführung zugegen war, denn es findet sich ein vortreffliches Porträt von Heinrich Blume mit der handschriftlichen Notiz „Don Juan“ in der Sammlung. Die Titelrolle des „Don Giovanni“ galt als seine Glanzrolle, er konnte aber auch gleichzeitig die Rollen des Leporello, des Masetto und des Il Commendatore (des Komturs) singen. Die Vorzeichnung dieser seltenen Lithografie schuf der berühmte Porträtist und Pferdemaler Franz Krüger (1797-1857), der Blume auf einem späteren Gemälde „Parade auf dem Opernplatz“ nochmals verewigen sollte.

[Text von Titus Mehlig]

Carl Maria von Weber: Romanza siciliana

Autographen aus den ersten zwanzig Lebensjahren Carl Maria von Webers haben Seltenheitswert; umso überraschender war es, als 2015 die Reinschrift der Romanza siciliana auftauchte, die der Komponist Ende 1805, kurz nach seinem 19. Geburtstag abgeschlossen hatte. Der letzte Hinweis auf den Verbleib dieses Manuskripts, das sich lange Zeit (vermutlich seit 1839) im Archiv des Berliner Verlages Schlesinger befunden hatte, stammte aus dem November 1925, als es in New York im Auktionshaus Anderson Galleries „unter den Hammer kam“; seitdem galt das Autograph als verschollen. Im Februar 2017 konnte das Frühwerk für die Weberiana-Sammlung der Staatsbibliothek erworben werden und ist – dank der Unterstützung der Restaurierungs-Abteilung – nun auch, obgleich fragil, in einem Zustand, der die Benutzung zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt.

Weber vermerkte auf seinem Manuskript zu den Entstehungsumständen des Werks: „componirt in Breslau für H: Kauffmann Zahn den 24t December. 1805.“ In der schlesischen Metropole hatte der junge Musiker im Sommer 1804 (noch nicht 18jährig) sein erstes besoldetes Amt als Musikdirektor am Theater angetreten, seine dienstlichen Verpflichtungen ließen ihm allerdings wenig Zeit für eigene Arbeiten, so dass er seinen 1806 auslaufenden Zweijahresvertrag nicht verlängerte. Zu den wenigen bekannten Kompositionen der Breslauer Periode gehört dieses gerade 59 Takte umfassende Vortragsstück für Solo-Flöte und Orchester, dessen Adressat der Kaufmann Jakob Conrad Zahn war: ein Liebhaber von Flötenmusik, der 1803 einen Quartettverein gegründet hatte und in seinem Hause Privatkonzerte veranstaltete. Ob Weber von Zahn einen entsprechenden Auftrag erhalten hatte oder von seinem Freund Friedrich Wilhelm Berner zur Komposition angeregt wurde, der im Zahn’schen Quartettverein aktiv war und ebenfalls Werke für den Mäzen schrieb, ist nicht überliefert. Solist der um den Jahreswechsel 1805/06 anzunehmenden Uraufführung dürfte der Breslauer Flötist Adam (auch Adamy) gewesen sein, ebenso ein Freund Berners sowie Ehrenmitglied des genannten Vereins.

Das Autograph diente, wie Stechervermerke mit Bleistift sowie die auf der ersten Seite hinzugefügte Verlagsnummer „S. 2321.“ ausweisen, als Stichvorlage für die im September 1839 erschienene Erstpublikation des Werks bei Schlesinger (als Nr. 2 der „Nachgelassenen Werke“). Ein Rezensent attestierte dem Werk damals eine „schön empfundene schlichte Romanzenmelodie, welche die Flöte meist ganz ungeschmückt, wie einen weichen Hirtengesang vorträgt; nur einige Male klingen mässige Bravouren hinein“ (Allgemeine musikalische Zeitung, 1938, Sp 1042f.). Dass es sich dabei nicht um ein Spitzenwerk des Komponisten, sondern eher eine musikalische Gefälligkeit handelt, ließ der Kritiker nur dezent anklingen, indem er auf die „ungesuchte“ Melodie, „sinnige“ Harmonien und die Kürze des einsätzigen Stücks hinwies und betonte, dass dieses – wie auch von Weber beabsichtigt – seinen Platz in „geselligen Zirkeln“ habe, also nicht auf dem Konzertpodium, sondern eher im Salon (bzw. der Hausmusik). Ungeachtet dieser Einschränkung bezüglich seiner musikpraktischen Relevanz ist das Manuskript als Dokument der musikalischen Entwicklung des „frühen“ Weber von besonderer Bedeutung. Neben Eintragungen des Stechers (laut Schlesinger-Verlagsbuch in diesem Falle F. Wessely) findet sich auf den insgesamt vier Blättern des Autographs als weiterer Zusatz von fremder Hand eine Echtheitsbestätigung des „Vaters der Weber-Forschung“ Friedrich Wilhelm Jähns vom 8. Juli 1863.

Digitalisat der Handschrift

[Text von Frank Ziegler]

Ausstellung „Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der islamischen Welt“

14. Juli – 15. Oktober 2017
Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum
Bodestraße, 10178 Berlin
Besuchereingang über den Kolonnadenhof

Eine Sonderausstellung des Museums für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz und der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz

Öffnungszeiten und Informationen zu Eintrittspreisen


Koptischer Papyruskodex mit den Sprüchen Salomos (Abschrift Ägypten, Ende 4. Jh., SBB-Orientabteilung, Ms. or. oct. 987) © Staatsbibliothek zu Berlin – PK || CC BY-SANC 3.0

 

Anhand von herausragenden Handschriften zeigt die Ausstellung “Gläubiges Staunen” die Vielfalt der christlichen Traditionen im Vorderen Orient – von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert.

Bibelhandschriften jüdischer und orientalisch-christlicher Glaubensgemeinschaften werden gemeinsam mit islamischen Handschriften, die biblische Sujets reflektieren, präsentiert. Neben prächtig illuminierten armenischen Evangeliarien, syrischen Pergamentbibeln oder koptischen Papyri werden u.a. auch indische Miniaturen mit christlichen Motiven zu sehen sein.

Der kulturelle und künstlerische Austausch zwischen den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften war im östlichen Mittelmeerraum ein häufiges Phänomen. Die Bibel entstand im Orient – Judäa, Ägypten und Persien sind einige ihrer historischen Schauplätze. Der Islam wiederrum entstand in einem von Judentum und Christentum geprägten Umfeld; und der Koran bezieht sich an mehreren Stellen auf den biblischen Text und setzt diese Themen und Gestalten als bekannt voraus.

In der Ausstellung werden hochkarätige Handschriften aus den reichen Beständen der Orientabteilung der Staatsbibliothek für drei Monate mit islamischer Buchkunst aus der Privatsammlung Vollmer und dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Dialog treten. Anhand zahlreicher Beispiele werden so die Verbindungen zwischen christlicher und islamischer Buchkunst sichtbar: Die Illustrationen in manchen islamischen Bilderhandschriften haben nicht selten verblüffende Ähnlichkeiten mit zeitgenössischen christlichen Vorbildern aus byzantinischen, armenischen und syrischen Manuskripten, besonders aus illustrierten Bibeln. Umgekehrt reflektieren auch die christlichen Bibelhandschriften den jahrhundertelangen Kulturkontakt mit ihrer muslimischen Umwelt.

Die Ausstellung beginnt bei den Ursprüngen der Bibel mit hebräischen und griechischen Urtexten: Ein früher koptischer Kodex (4. Jh. n.Chr.) aus Ägypten mit den Sprüchen Salomos ist das älteste Objekt. Eine Besonderheit stellt eine samaritanische Tora dar, die an der Stelle des Aaronitischen Segens von den Küssen der Gläubigen dunkel gefärbt ist. Sehr seltene biblische Zeugnisse aus dem einstmals christlichen Nubien des 10./11. Jahrhunderts, die ersten jemals gefundenen Texte der nubisch-christlichen Kultur, werden zu sehen sein. Leuchtende Farben und eine direkte Bildsprache zeichnen die äthiopischen Pergamenthandschriften aus, Zeugen einer ungebrochenen tiefen Religiosität, die bis heute das christliche Äthiopien prägt. Für die reiche arabisch-christliche materielle und geistige Kultur stehen ein Evangeliar aus dem Palästina des 11. Jahrhunderts und ein wunderbar illuminiertes Prophetenbuch aus dem frühen 14. Jahrhundert. In den gezeigten muslimischen Handschriften treten vertraute biblische Gestalten und Geschichten gleichsam verändert auf und sind doch immer wiederzuerkennen. Den zahlreichen im Koran und anderen islamischen Überlieferungen zu findenden biblischen Gestalten sind etwa die Qiṣaṣ al-anbiyāʾ (Erzählungen von den Propheten) gewidmet. Die indischen Miniaturen mit zahlreichen Heiligen- und Madonnendarstellungen aus der Sammlung Vollmer zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit europäischer Kunst, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zu beobachten ist.


Pressebilder: www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/presse/pressebilder.html


Ausführliche Berichte über diese Ausstellung erschienen unter anderem hier:

14. Juli 2017, RBB Kulturradio / Kulturtermin, 5’20 min, Timecode 0:14

13. Juli 2017, Deutschlandfunk Kultur

14. Juli 2017, Deutsche Welle/Arabisches Programm Qantara

Meine Leidenschaft für das Buch!

Die Bürgerstiftung Berlin ist Ausdruck des privaten Engagements Berliner Bürgerinnen und Bürger, die mit gezielten Projekten das Zusammenleben der Menschen in der Hauptstadt stärken. Mit der Bürgerstiftung Berlin können die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mehr Mitverantwortung für die Gestaltung ihres Gemeinwesens übernehmen. Eigeninitiative und Gemeinsinn bilden den ideellen Kern. Daraus entwickeln sich die Projekte, die die Kompetenzen jedes Einzelnen fördern.

Die Stiftung motiviert seit nunmehr 15 Jahren Mitbürger zum gesellschaftlichen Engagement. Im Fokus der Projekte, die seit der Stiftungsgründung umgesetzt wurden, steht die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Als Mitglied des Kuratoriums der Bürgerstiftung wurde ich gebeten, das Sommerfest 2017 im St.-Michaels-Heim am Herthasee im Grunewald durch ein Grußwort zu begleiten, in dem ich meine Leidenschaft für das Buch beschrieb. Dieser Bitte kam ich – nicht zuletzt als Unterstützerin der Aktion „LeseLust“ – ehrenamtliche Lesepaten besuchen Kinder in Berliner Grundschulen und Kindergärten, um mit ihnen gemeinsam zu lesen oder Bilderbücher anzusehen – sehr gerne nach und berichtete den mehr als 100 Gästen:

 

Liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren,

die Bürgerstiftung bat mich, Ihnen von meiner Leidenschaft für das Buch zu erzählen. Dem komme ich gerne nach, wenngleich die Sache ein wenig vielschichtiger ist, als man zunächst vermuten mag, denn als Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz habe ich eine Leidenschaft für das Buch als solches wie auch für unsere Sammlung von mittlerweile elf Millionen Büchern. Sie mögen sich nun fragen, ob in einem solchen Massenbetrieb denn auch das einzelne Buch noch immer die nötige Wertschätzung besitzt und erfährt oder ob man, irgendwann nach dem siebenmillionten Buch, abstumpft, und das Buch, wie die vielen Baumstämme eines großen Waldes, nur noch in Regalkilometern begreift: nein, ganz gewiss nicht. Denn jedes einzelne Buch wird ja irgendwann entliehen, manches häufig, manches seltener, aber jedes einzelne Buch beschäftigt dann einen Leser oder eine Leserin, tritt in einen Lektüredialog mit einem Menschen. Und jedes Buch sorgt für einen Erkenntnisgewinn, hoffentlich häufig für positive und hilfreiche Erfahrungen! (denn es gibt ja auch genug Bücher, über die wir uns eigentlich nur ärgern und die wir rasch wieder vergessen wollen). Jedes Buch also unter diesen 11 Millionen Büchern erfüllt einen Zweck: es bildet, es unterrichtet oder es unterhält, je nach Natur des Buches und der Fragestellung des Lesers und der Leserin. Was für ein wunderbarer Beruf, so werde ich oft angesprochen, Bücher zu kaufen und zu vermitteln, um für Forschung und Kultur tätig zu sein – und überdies so nachhaltig. Kein Schauspielintendant, kein Opernregisseur verfügt über einen sich immer weiter vergrößernden Kultur- und Wissensschatz; die darstellenden Künste liefern einen Abend lang ein wunderbares Momenterlebnis, das dann anschließend aber nur noch in unser Erinnerung, in unserem Gedächtnis weiterlebt. Haptisch greifbar ist allein noch das Programmheft – und dies ist sogar schon wieder sammelnswert für eine Bibliothek…

Meine Leidenschaft für das Buch entstammt also zu einem Gutteil der schönen Erfahrung, Teil einer nützlichen Zirkulationsbewegung zu sein. Wenn ich mich morgens dem Bibliotheksgebäude nähere, sitzen sie auf den Fahrrädern, entsteigen den Bussen und den S-Bahnen: Menschen, die in den klarsichtigen Plastiktüten der Bibliothek unsere Bücher wieder zurückbringen. Ein schönes Gefühl, darüber nachzudenken, daß diese Menschen den gestrigen Abend über diesen Büchern verbracht haben, über Büchern, die aus öffentlichen Mitteln erworben wurden, um möglichst vielen Menschen nacheinander nützlich zu sein. Bücher, die nun neuerlich in den großen Kreislauf eingespeist werden, Bücher, die teilweise schon vorbestellt sind, weil andere Leserinnen und Leser dringlich auf sie warten. Und wenn ich im Laufe des Tages aus dem Fenster meines Dienstzimmers blicke, sehe ich wieder andere Menschen, die die Stahlkörbchen auf ihren Fahrrädern befüllen mit wieder neuen Büchern, denn die Lektüre wissenschaftlicher Werke weckt das Verlangen nach weiteren Büchern, um das bisher Gelesene zu überprüfen, die bis dato gewonnenen Erkenntnisse zu erweitern oder neuen Seitenpfaden nachzugehen.

Können Sie meine Begeisterung nachvollziehen? Ich hoffe ja, aber ich soll Ihnen ja nicht von der Begeisterung für das Buch und die Bücher erzählen, sondern von der Leidenschaft, was ja noch einmal eine ganze Menge mehr ist. Begeistert von Büchern sind sicherlich die meisten von Ihnen, denn wer sich als Lesepatin oder als Lesepate ehrenamtlich engagiert, wird dem Buch als Kulturgut ohnehin mehr als gewogen gegenüberstehen. Wie aber entsteht Leidenschaft? „Das Buch“ – was ist das eigentlich für die meisten von uns? In aller Regeln denken wir zunächst an die eigenen heimischen Bücherregale, in denen sich anfindet, was in den vergangenen Jahrzehnten den Weg in die eigenen vier Wände fand: gekauft oder geschenkt, selten aber einmal älter als dreißig oder vierzig Jahre. – In der Staatsbibliothek aber sieht die Sache ein wenig anders aus und erinnert uns daran, auf welchen hohen kulturellen Schultern wir heute stehen. Seit gut 550 Jahren kann man Bücher nach dem Gutenberg’schen Verfahren drucken – und diese frühen Kulturzeugnisse sind Dokumente der deutschen, der europäischen und der Menschheitsgeschichte, die wir zu Tausenden besitzen, pflegen und im Rahmen von Ausstellungen auch präsentieren. Als das Drucken mit beweglichen Lettern noch eine solche technische Sensation war wie das Internet vor 20 Jahren eine gigantische Innovation darstellte, da entstanden die ersten massenhaft gedruckten Bücher – und manche dieser Bücher haben schon damals in der Tat die Welt sehr nachhaltig verändert.

Wir haben diesen Umstand gerade zu Beginn dieses Jahres wieder eindrucksvoll erfahren können, als wir in unserer viel beachteten Ausstellung zu „500 Jahren Reformation“ verdeutlicht haben: Kernstück der beginnenden Reformation war im Herbst 1517 der Druck der95 Thesen Martin Luthers! Dieses einseitig bedruckte Blatt wurde überall blitzschnell nachgedruckt, es verbreitete sich aufgrund des modernen Bleisatzes so schnell wie heute eine Nachricht in den sozialen Medien. Die Reformation wäre anders verlaufen, vielleicht auch in ihren Anfängen versiegt und versandet, wenn sich nicht Luther und seine Anhänger die neuartige Methode des Druckes zu Eigen gemacht hätten. – Und so ging es weiter: auch der Dreißigjährige Krieg setzte auf Propaganda, auf gedruckte Pamphlete und Traktate. All diese Druckerzeugnisse, mit denen eine Einzelperson oder eine Gruppe von Menschen andere Menschen lenken oder manipulieren, belehren und bekehren, aufhetzen oder überzeugen möchte, versammeln sich in der Staatsbibliothek. Ahnen Sie, wie Leidenschaft wachsen kann, wenn man erkennt, welchen Stellenwert in der Menschheitsentwicklung der vergangenen Jahrhunderte das gedruckte Buch besessen hat – und wenn man diese Schätze verwalten und vermehren darf?

Ich sprach eben von der Menschheitsentwicklung – und habe ganz bewusst dieses große Wort gewählt. Das Buch ist ja – trotz aller Diversität – ein weltumspannendes Medium. Diese Tatsache mögen Sie eine Binsenweisheit nennen, und doch berührt es mich jedes Mal auf eine eigentümliche und ganz faszinierende Weise, Bücher aus fremden Kulturkreisen in Händen zu halten, Bücher in mir ganz unverständlichen Sprachen und Schriftzeichen. Eine so große und global ausgerichtete Bibliothek wie die Staatsbibliothek erwirbt Literatur aus aller Herren Länder – und hin und wieder fällt bei Führungen durch unsere Häuser mein Blick auf Bücher, die sich anschließend als solche aus Georgien, aus Kambodscha oder aus Armenien herausstellen. Ja, so entsteht Leidenschaft, wenn die weltumspannende Wirkung des Buches greifbar wird. Egal, welche Sprache wir sprechen, an welchen Gott wir glauben und auf welchem Kontinent wir leben: das Buch ist Medium der Verständigung, des Diskurses und der Kontroverse, durch das Buch vollziehen sich Bildung und Forschung, heitere Zerstreuung und politische Agitation. Ein wirklich faszinierendes Objekt, das Buch – und nicht allein das Buch! Denn wir Bibliothekarinnen und Bibliothekare spannen den Radius ja ein wenig breiter: das Universum Buch umfasst auch Karten und gedruckte Partituren und Libretti, Karten und Stadtpläne, Zeitschriften und Tageszeitungen – letztlich den gesamten Kosmos des Gedruckten.

Sie erkennen, meine Damen und Herren: Bücher sind nützlich, sie können die Welt verändern und sie sind das weltweite Informationsmedium – seit Jahrhunderten. Auch noch in der Zukunft? Wir wissen es nicht. Die Bedeutung des gedruckten Buches wird mit der weiteren Vervollkommnung des Digitalen Zeitalters schwinden, ohne Frage. Zweifeln Sie aber nicht am Buch, das wäre ganz falsch. Halten Sie dem Buch mit all seinem Potential, mit seiner großen geschichtlichen Vergangenheit und seiner kaum absehbaren digitalen Zukunft die Treue – so wie ich es mit Leidenschaft seit über 30 Jahren Tag für Tag tue!

Besuchen Sie die Bürgerstiftung!

„Wirklich in Verfall“ – Wilhelm von Humboldt und die Königliche Bibliothek

Im Rahmen einer abendlichen Podiumsdiskussion diskutierten am Abend des 20. Juni in der Staatsbibliothek über Wilhelm von Humboldts historische und gegenwärtige Bedeutung Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz; Heinz-Elmar Tenorth, Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und Jürgen Trabant, Professor für Sprachwissenschaft am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität Berlin. Die Einführung und Moderation übernahm Heike Schmoll, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zuständig für Bildungspolitik und verantwortlich für die Seite ,Bildungswelten‘.

Auf dem Podium: Dr. h.c. Heike Schmoll als Diskussionsleiterin, Prof. Dr. Trabant, Prof. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Prof. Dr. Tenorth

 

Als Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erläuterte ich eingangs die besonderen Beziehungen Humboldts zur Königlichen Bibliothek:

„Meine Damen und Herren, wenn wir uns heute Abend fragen, ob Wilhelm von Humboldt denn allein als der allerorts anerkannte Bildungsreformer zu gelten hat oder ob wir ihm anlässlich seines 250. Geburtstags noch einige andere Verdienste bescheinigen dürfen, so möchte ich als Generaldirektorin der Staatsbibliothek, die zu Humboldts Zeiten ja noch als Königliche Bibliothek fungierte, gerne behaupten: ja, in gewisser Weise hat sich Humboldt sogar als Bibliotheksreformer erwiesen; wenn auch nicht flächendeckend für den gesamten Staat Preußen, so aber doch maßgeblich für die Königliche Bibliothek.

Nach Jahren der sanierungsbedingten Veranstaltungsabstinenz: unser Debut Unter den Linden!

 

Es geht, wie so gerne, ums Geld – präziser: um den Etat, um Bücher und wissenschaftliche Zeitschriften kaufen zu können. Das war vor zweihundert Jahren ebenso ein Thema wie heute und vermutlich wird der sogenannte „Erwerbungshaushalt“ ein Thema auch bleiben, solange es Bibliotheken noch gibt. Denn Bücher kosten Geld, damals wie heute; und für Bibliotheken darf es immer auch noch „ein wenig mehr“ Geld sein. Doch der Anstoß dazu muß in aller Regel von oben kommen, aus den Ministerien; die Forderungen der Bibliothekare an der Basis verhallen zumeist ungehört. In der Tat war die Erwerbungslage der Königlichen Bibliothek im 18. Jahrhundert über Jahrzehnte hinweg desolat gewesen. Unter Friedrich Wilhelm, der den Soldaten bekanntlich mehr Interesse entgegenbrachte als den Büchern, wurde sechs Jahre lang nicht ein einziges Buch für die Bibliothek erworben; und auch anschließend bestand der Erwerbungsetat ganz überwiegend aus den Einnahmen, die die Bibliothek durch den Verkauf von Dubletten erzielte. Noch im Jahr 1776 musste sie – für einen völlig sachfremden Zweck! – vierhundert Thaler bereitstellen, um vierzig Dorfschulmeister schleunigst in das neugewonnene Westpreußen zu befördern. Kein Wunder mithin, dass Wilhelm von Humboldt im August 1809 diagnostizierte, dass „einige weniger begünstigte Institute, wie z.B. die Bibliothek, wirklich in Verfall gerieten“. Deutliche Worte sind dies eines Mannes, der erst seit Mitte April, also seit vier Monaten, sein neues Amt als Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern ausübte. Nunmehr, in Königsberg, Hof und Regierung residierten in jenen Tag dort, gelangt er zu der Auffassung, es sei bislang „eine wirklich erbärmliche Summe auf die Vermehrung der Bibliothek“ veranschlagt worden. Humboldt erkannte, dass eine Universität – nämlich ‚seine‘ soeben in Berlin gegründete Universität – ohne leistungsfähige Bibliothek kaum jemals erfolgreich würde wirken können und veranschlagte bei der Etatisierung der Universität von Anbeginn auch deren Literaturversorgung großzügig mit ein.

Vermutlich waren seine Vorstellungen in diesen wirtschaftlich schwierigen und militärisch kostspieligen Zeiten allzu hochfliegend, denn die 10.000 Taler, die Humboldt der Bibliothek gerne jährlich zugewiesen hätte, ließen sich beim Finanzminister Altenstein nicht durchsetzen. Am Ende wurden aus den vormals 2.000 Talern jährlich immerhin 3.500 – ein ganzes Drittel mehr, und zwar dauerhaft! Nun war Planungssicherheit gegeben und vor allem war durch die materielle Besserstellung zugleich auch der immaterielle Wert der Bibliothek deutlich herausgestellt. Was nichts kostet, ist auch nichts wert oder anders gewendet: Teuer = wertvoll, nützlich und unterstützenswert. Als Minister Altenstein 1817 vom Finanzressort zum Kultus wechselte, erhöhte er den Bibliotheksetat dann auf 4.000 Taler; Ende der zwanziger Jahre lag er bereits bei 8.000 Talern, von Sondermitteln und außerordentlichen Zuschüssen ganz zu schweigen.

Eine anspruchsvolle Veranstaltung in prachtvollem Ambiente

 

Man mag nun einwenden, dass Humboldt, als er die Mittel für die Königliche Bibliothek erhöhte, ja gar nicht an die Bibliothek als solche dachte, sondern eigentlich allein die Universität und deren Literaturversorgung im Kopf hatte. So berechtigt dieser Einwand auch ist, er ändert nichts an neuen finanziellen Wertschätzung, die der Bibliothek nun zuteilwurde. Und ganz nebenbei wurde die Königliche Bibliothek durch diese neue akademische Aufgabenbestimmung auch erstmals an eine Zielgruppe, nämlich an die universitäre Forschung und Lehre, herangeführt. Wir haben somit Wilhelm von Humboldt in doppelter Hinsicht zu danken: für die monetäre Besserstellung wie auch für die damit verbundene Verpflichtung der Bibliothek gegenüber ihrer neuen Klientel. Seit ihrer Gründung war die Bibliothek ein wenig orientierungslos gewesen und diente Theologen und Juristen, Kammerherren und Militärs, Hofbeamten und Schöngeistern als Gebrauchsbibliothek. Nun aber, kaum dass sich die Wissenschaften in Berlin überhaupt erst etablierten, hier gleich nebenan im Palais des Prinzen Heinrich, sorgte Wilhelm von Humboldt für die Verzahnung von Hochschule und Königlicher Bibliothek.

Ich begrüße Professor Markschies, den ehemaligen Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin

 

Bis heute ist es dabei im Wesentlichen geblieben. Noch immer ist die Bibliothek eben auch eine Universitätsbibliotheksbibliothek: an die drei Viertel unserer Leserinnen und Leser sind Studierende, Doktoranden oder entstammen dem Lehrkörper. Die Saat, die Wilhelm von Humboldt 1809 säte, ist fulminant aufgegangen: wer in Berlin wissenschaftlich arbeitet, ob akademisch eingebunden oder auch außeruniversitär, kommt an der Staatsbibliothek nicht vorbei. Und auch der Erwerbungsetat ist noch immer ein Thema. Erfreulicherweise ist es in diesem Jahr, 2017, gelungen, den Etat der Bibliothek sehr maßgeblich, aufzustocken – wir wollen hoffen, dass die Humboldt’sche Erkenntnis des Jahres 1809, den Erfolg der Wissenschaften in Berlin auch durch eine verbesserte Etatisierung der maßgebenden Bibliothek zu erreichen, auch die heutigen Entscheidungsträger auch weiterhin lenken möge. Als Generaldirektorin der Staatsbibliothek gratuliere ich Wilhelm von Humboldt sehr herzlich zu seinem 250. Geburtstag und danke von Herzen für sein so fruchtbringendes Engagement zum Besten der Königlichen Bibliothek!

Und um Wilhelm von Humboldt dauerhaft die Ehre zu erweisen, nutzte ich die Gunst der Jubiläumsstunde und benannte den Großen Festsaal des Hauses Unter den Linden für die Zukunft nach Wilhelm von Humboldt!

 

Leben wir in Zeiten des abnehmenden Lichts?

Ein Werkstattgespräch mit Eugen Ruge am Montag 26. Juni 2017

Nein, an diesem Abend war das Licht nicht abnehmend. Der Dietrich-Bonhoeffersaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin Barbara Schneider-Kempf die geschätzt 150 Besucher zum Gespräch mit dem Schriftsteller Eugen Ruge begrüßte. Es sollte bewusst keine reine „Dichterlesung“ sein, obwohl auch gelesen wurde. Vielmehr  sollte man den Autor und seine Leben in einem Gespräch „aus dem Atelier“  kennenlernen. Zunächst stellte Frau Schneider-Kempf  Eugen Ruge kurz vor: „ Am ersten Juni dieses Monats hatte die Verfilmung Ihres Erfolgsromans In Zeiten des abnehmenden Lichts Premiere. Eine Verfilmung, von der Sie zunächst behaupteten, sie sei nicht möglich, der Roman sei nicht verfilmbar. Der Film hat bei Kritik und Publikum begeisterte Aufnahme gefunden. Lieber Herr Ruge, bestimmt haben Sie zurzeit einen vollen Terminkalender, umso mehr freuen wir uns, dass Sie heute bei uns sind“.

Die Freude war auf beiden Seiten. Der Moderator des Abends, Raimund Waligora, wissenschaftlicher Fachreferent an der Staatsbibliothek, der den Autor seit Schultagen kennt, stieg ein mit Fragen zum Lebensweg Eugen Ruges. Ruge wurde 1954 (ein Jahr und zwei Monate nach dem Tode Stalins) in dem kleinen Ort Sosswa hinter dem Ural geboren. Geburtsjahr und Ort waren nicht zufällig, sein Vater war zur lebenslänglichen Verbannung dorthin verschickt worden. In der nun ansetzenden „Tauwetterperiode“ lockerten sich die harten Lebensbedingungen allmählich. 1956 kam Eugen mit den Eltern in die DDR, die Mutter Russin (sowjetische Staatsbürgerin), der Vater bald bedeutender Historiker  im jungen Arbeiter- und Bauernstaat. Im lockeren Dialog spielten sich Waligora und Ruge gegenseitig  die Bälle zu, was auch an der Machart des Abends lag, der sich nicht detailliert an einer Fragenliste abarbeiten wollte. Dadurch gestaltete sich der gegenseitige Austausch spontan, farbig und abwechslungsreich. Zu den Themen, die angesprochen wurden, gehörten etwa Ruges Zweisprachigkeit und seine Verwurzelung in unterschiedlichen Kulturen sowie die Frage, ob sich daraus Ausgrenzungen in Kindheit und Schulzeit ergeben hätten.
Ausgeschmückt mit mancher Anekdote erzählte Eugen Ruge von einer durchaus lebenswerten, spannenden Kindheit und Jugend in der DDR, in einer erweiterten Oberschule mit mathematischem Profil. Stationen seines weiteren Bildungswegs waren zunächst: ein Mathematikstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin und einige Jahre Tätigkeit im Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam, wo auch sein Wohnort lag.

Das eher unpolitische und künstlerisch wenig ambitionierte Leben als Erdbebenforscher füllte Eugen Ruge nicht aus, 1986 wagte er den Sprung ins  kalte Wasser und wurde freier Autor. Zunächst als Mitarbeiter im DEFA-Dokumentarstudio, dann als Hörspiel und Theaterautor.  1988 fand er die DDR schließlich so reformunwillig und wohl auch -unfähig, dass er von einer Westreise nicht zurückkehrte. Erst im Jahr 1995 zog Ruge wieder in den jetzt nur noch geographischen Osten Deutschlands um.

Die DDR war Geschichte, für Ruge aber künstlerische und wissenschaftliche Herausforderung. Es entstanden neue Prosatexte, eigene dramatische Versuche (seine Theaterstücke wurden auf über 50 deutschen Bühnen gespielt), wissenschaftliche Bearbeitungen von Texten seines Vaters und schließlich der Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts, ein Werk, das inzwischen in 29 (!) Sprachen übersetzt wurde, und für das Ruge unter anderem 2011 den Deutschen Buchpreis zugesprochen bekam.
Diese auch als „DDR-Buddenbrooks“ bezeichnete Familiensaga spiegelt die Spätzeit der DDR aus der Perspektive von vier Generationen wider, die alle beim 90. Geburtstag des überzeugten Kommunisten Wilhelm Powileit  zusammentreffen. Ruge führt so vom Mexikoemigranten zur Zeit des Faschismus bis zum eher unpolitischen Urenkel verschiedene Lebenswege und Haltungen zur DDR montageartig zusammen.

Da es sich ja um keine Dichterlesung im engeren Sinne handelte, bei der ein Werk vorgestellt und diskutiert wird, las Ruge auch nicht aus einem der schon bekannten Romane, sondern brachte eine kleine Erzählung zu Gehör, die nach seinem eigenem Zeugnis auf einer wahren Geschichte beruht. Sie wurde bisher nicht veröffentlicht, trägt den Arbeitstitel SALOMO und handelt von den Verfolgungsphantasien und Ängsten eines jungen  Literaten, der Probleme mit den staatlichen Behörden hat. Von der panischen Angst erfüllt, abgehört zu werden, vernichtet er seine technischen Geräte, lässt sich ganze Zähne ziehen und läuft zuletzt in einem selbstgebastelten faradayschen Käfig durch die Straßen… Aber mehr sei hier nicht verraten.

Leben und Werk Ruges sowie die vorgetragene Kurzgeschichte boten genug Anknüpfungspunkte, um nun auch das Publikum in das Werkstattgespräch einzubeziehen. Es machte von der Gelegenheit, Fragen an den Autor zu stellen, regen Gebrauch und nahm auch die Möglichkeit zur Buchsignierung dankbar an.

 

[Raimund Waligora / Jens Prellwitz]

 

 

Coole Zeitschrift!

Trotz Zopf-Klischee und Staubvorwürfen gelingt es zuzeiten auch Bibliotheken, hart am Wind des herrschenden Zeitgeschmacks zu segeln. Das behaupten wir jetzt einfach mal so, haben wir doch, um im Bild zu bleiben, den Rückenwind einiges positiven Feedbacks auf unserer Seite.

Seit der im Februar erschienenen ersten Ausgabe 2017 präsentiert sich das bereits im zwölften Jahr erscheinende Magazin im gänzlich neuen Gewand. Prägte lange Zeit ein schlichtes Weiß als Leinwand für wechselnde Motive aus Beständen oder Bibliotheksgebäuden die Titelbilder der Zeitschrift, so ruft das neue Heft in fröhlichem Rot den potentiellen Leserinnen und Lesern ein ‘Nimm mich mit!’ entgegen. Das scheint auch ganz praktisch zu funktionieren, war doch die Ausgabe 1/2017 schnell vergriffen.

Auch sonst hat sich so einiges verändert, hier ein Auszug aus dem Begleitbrief zum ersten Heft im neuen Gewand:

Auf den ersten Blick mag nichts an das bisher gewohnte Magazin erinnern. Neu ist die auffällige Titelgestaltung, die sich bis auf die Rückseite erstreckt. Neu ist ein kleiner Berlin-München-Navigator, der uns am unteren rechten Seitenrand mitteilt, aus welcher Bibliothek ein Beitrag stammt. Und neu sind auch die verwendeten Schriften aus dem Hause Foundry in London. Soweit der erste Blick.

An der Seitenaufteilung, dem sogenannten Raster und grafischen Herz jeder Publikation, wurden kaum Veränderungen vorgenommen. Die Artikel erscheinen wie gewohnt in zwei Spalten. Eine dritte Randspalte schafft Platz für Zusatzinformationen. Wer in einer Bibliothek tätig ist, der weiß, dass sich diese Aufteilung über Jahrhunderte etabliert und bewährt hat. Sie wurde tausendfach nach Kriterien der Lesefreundlichkeit und Ästhetik untersucht und schneidet bis heute mit Bestnoten ab, selbst bei rasant verändernden Lesegewohnheiten.

So haben wir grafisch erneuert und dabei das Gute und Bewährte erhalten. Die redaktionelle Arbeit erfolgt auf ebenso bewährte Weise wie bisher an den Standorten in Berlin und München.

Das grafische Konzept und die Gestaltung stammen von Sandra Caspers, einer Mitarbeiterin der Staatsbibliothek zu Berlin. Sie hatte im Vorfeld eine Reihe von verschiedenen Entwürfen erarbeitet, die Auswahl des kühnsten unter diesen trafen in einem sehr demokratischen Abstimmungsprozess die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Bibliothek.

Inhaltlich spannt sich der Bogen wie eh und je über das gesamte Spektrum der Arbeitsgebiete der beiden Staatsbibliotheken in Berlin und München. Da gibt es Aufsehen erregende Entdeckungen in den alten Sammlungen, neueste Forschungsprojekte und Feuilletonistisches – gemeinsam ist allen Artikeln, dass sie weniger belehren, als vielmehr unterhalten wollen. Auch dazu passt – so finden wir – das neue Design hervorragend.

Und selbstverständlich freut es uns, wenn  Lob auch aus unerwarteten Richtungen kommt. So schrieb ein Leser der Bayerischen Staatsbibliothek: “Kürzlich kam die vierzehnjährige Claire in mein Büro, erblickte das Bibliotheksmagazin 1/17 auf meinem Schreibtisch und rief, ohne mich zu begrüßen, aus: ‘Coole Zeitschrift’.” Herzlichen Dank für diese Zuschrift und natürlich auch an Claire für das Lob, da ist uns offensichtlich auch die Ansprache jüngerer Leserinnen und Leser gelungen.

Und Sie sind jetzt hoffentlich neugierig genug und möchten wissen, wie Sie an die neueste Ausgabe herankommen können? Online ist sie bereits verfügbar und unter diesem Link erhältlich. Die gedruckte Ausgabe wird in diesen Tagen in unseren Häusern ausgelegt. Achten Sie auf ein cooles Heft in Rot!

Nachlässe digital – internationale Konferenz in der Staatsbibliothek

Nachlässe – digital
Koop-Litera International – Konferenz 2017
20.-22. Juni 2017
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dietrich-Bonhoeffer-Saal der Staatsbibliothek

 

Koop-Litera ist ein Netzwerk von Institutionen, die schriftliche Nachlässe und Autographen verwalten. Nach den Veranstaltungen in Mersch/Luxemburg (2011) und Bern/Schweiz (2014) findet 2017 die internationale Konferenz dieses Verbundes in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. 100 Vertreter von Einrichtungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und anderen Ländern werden sich hier treffen, um über das Thema Nachlässe, einem Kernbestand des kulturellen Erbes, im digitalen Zeitalter in allen seinen Facetten zu diskutieren. Die 20 Vorträge und 3 Workshops widmen sich der Frage, wie die Digitalisierung die Forschung mit Ihren Fragestellungen und Prozessen verändert und was die digitale Transformation für die Erwerbung, Erschließung und Vermittlung von Nachlässen bedeutet.

Tagungsprogramm und weitere Informationen

Europeana 1914-1918, Rolf Kranz, CC-BY-SA; Berliner Tageblatt 28.5.1915, Staatsbibliothek zu Berlin, Public Domain

22./23. Juni: Europeana Transcribathon Campus Berlin 2017

22./23. Juni 2017 in der Staatsbibliothek zu Berlin:
Briefe, Tagebücher und Zeitungen aus dem Ersten Weltkrieg transkribieren

Am 22. Juni 2017 beginnt um 14 Uhr in der Staatsbibliothek zu Berlin ein 28-stündiger Transkriptionswettbewerb. Generationsübergreifende Teams aus Berlin und mehreren Ländern messen ihre Fähigkeiten im Umgang mit historischen Zeugnissen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Begleitend finden thematische Workshops zur Digitalisierung des europäischen kulturellen Erbes statt.

Seit 2011 sammelt, digitalisiert und veröffentlicht das Crowdsourcing Projekt Europeana 1914-1918 unzählige private Erinnerungsstücke von Familien aus ganz Europa. Diese werden auf www.europeana1914-1918.eu durch Dokumente, Fotos und Filme von Bibliotheken und Archiven aus der ganzen Welt sowie durch Millionen von digitalisierten Zeitungen auf www.europeana-newspapers.eu ergänzt.

Um entdecken zu können, was vor 100 Jahren geschrieben wurde, geht nun die Citizen-Science-Initiative Europeana Transcribe einen Schritt weiter. Auf www.transcribathon.eu können die historischen Quellen transkribiert und mit Ortsangaben und Schlagwörtern verknüpft werden. Dabei treten die Nutzer in einen spielerischen Wettbewerb mit Anderen. Ihr Sportsgeist wird durch thematische Wettläufe z.B. zu Liebesbriefen, Gedichten oder Weihnachtspost angespornt.

Beim Europeana Transcribathon Campus Berlin 2017 konkurrieren Teams direkt miteinander, um innerhalb von 28 Stunden Dokumente, z.B. Tagebücher, zu transkribieren und mit anderen Quellen, z.B. Zeitungen zu verknüpfen. Zum Abschluss präsentieren sie ihre Ergebnisse und die Gewinner werden von einer internationalen Jury ausgezeichnet.

Begleitend zum Wettbewerb werden am Freitag, den 23. Juni, gemeinsam mit den Kooperationspartnern Deutsche Digitale Bibliothek, Wikimedia Deutschland e.V. sowie Europeana und Facts & Files Workshops zu den Themen Transkription, Annotation, Geo-Tagging, Linked Open Data und Wikimedia angeboten.

2.100 Besucher besichtigten Baustelle, Veranstaltungssäle, Magazin und Lesesaal Unter den Linden

Im sanierten Büro der Generaldirektorin || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

Über 2.100 Besucherinnen und Besucher kamen am Samstag, 10. Juni 2017, zu den Besichtigungstouren durch das Haus Unter den Linden 8, dem riesigen Gebäudekomplex mit  107 x 170 Metern Grundfläche und 13 Etagen. Zu 80% ist das Gebäude inzwischen saniert, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung und die Staatsbibliothek zu Berlin sind jetzt im Endspurt auf der Großbaustelle.

Bei einer individuell gestalteten und drei geführten Touren entstand ein eindrucksvolles Bild von der Dimension der gestalterischen wie auch planerischen und technischen Herausforderungen, die bei diesem Bauvorhaben bereits gemeistert wurden oder noch vor den Verantwortlichen liegen.

In den jüngst übergebenen Veranstaltungsbereichen und Büros zeigte sich die Verbindung von moderner Ausstattung mit sanierten, teils rekonstruierten Räumen. Die räumliche Gestaltung und die Ersteinrichtung des 1914 eingeweihten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wurden, wo immer möglich, erhalten bzw. wiederhergestellt. Ansonsten ist das Haus mit modernem Mobiliar und technischen Anlagen auf dem neuesten Stand ausgestattet.

Helmpflicht auf der Baustelle || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

 

Während der Führungen über die Baustelle der noch zu sanierenden Bereiche verdeutlichten sich die teils extremen Herausforderungen der bautechnisch anspruchsvollen Sanierungsaufgaben des gesamten Bauprojekts.

Mit dem Gang in eines der Magazine wurde zugleich die jüngst wiedererrichtete Kuppel über dem Hauptportal des Bibliotheksgebäudes betreten – die originale Kuppel war im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer zerstört worden.

Die Rundgänge durch den seit vier Jahren betriebenen, als 36 m hoher Glaskubus ausgeführten Lesesaal vermittelten neben vielem anderen auch Ausblicke auf die Gestaltung der noch in Sanierung stehenden Lesesäle für die Sondersammlungen dieser Bibliothek von Weltrang.

 

 

links der letzte Abschnitt des gigantischen Bauvorhabens, rechts die wiedererrichtete Kuppel über dem Hauptportal || Copyright: SPK/photothek.net/Stefanie Loos

Die Sanierung und Modernisierung des Altbaus und die Ergänzung mit den Neubauten begann im Jahr 2005 nach dem Abschluss aller vorbereitenden Arbeiten. Derzeit ist das Ende der Bauzeit für 2018 prognostiziert. Bislang waren 405 Hochbaufirmen, 181 Fachtechnikfirmen und 115 Planungsbüros und Gutachter beteiligt.
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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

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kürzlich waren Medienberichte über das Bauen in der Staatsbibliothek und den Tag der offenen Tür unter anderem hier zu finden: