Beiträge für Forschung und Kultur

Nachlass Alexander von Humboldts digital + erschlossen für jeden zugänglich Abschlusskonferenz mit Science-Slam

Für viele Zweige der Wissenschaften wie auch für all jene, die die Forschungen und Impulse des Forschers, Entdeckers, Netzwerkers und Europäers, des in jeder Hinsicht bemerkenswerten Berliners Alexander von Humboldt (1769-1859) aufnehmen wollen, gibt es jetzt keinerlei Beschränkungen mehr: Der gesamte Nachlass einschließlich der neun weltberühmten, im Jahr 2013 von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erworbenen Amerikanischen Reisetagebücher ist im Netz digital zugänglich und erschlossen.

Alexander von Humboldts Nachlass online
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk/

Abschlusskonferenz am 17./18. Januar 2017
„Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“
Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33
Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan
Kostenlose Anmeldung: http://sbb.berlin/ps64d9

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Zum bevorstehenden Abschluss des über drei Jahre vom Bund geförderten Projektes führt Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek – Preußischer Kulturbesitz aus: „Mit Begeisterung unterstützte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das gemeinsame Vorhaben der Staatsbibliothek zu Berlin und der Universität Potsdam, die 2013 von der Bibliothek erworbenen neun Tagebücher der Amerikanischen Reise Alexander von Humboldts sowie seinen gesamten Nachlass digital aufzubereiten und nach bestimmten Fragestellungen wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Denn für die Wissenschaften wie auch für jeden Liebhaber der Naturwissenschaften und der Künste ist es ein großer Gewinn, ohne irgendeine Einschränkung via Internet mit rund 75.000 Images den überlieferten Humboldt-Nachlass in seiner Gesamtheit lebendig werden lassen zu können. Die von ihm geschaffenen Inhalte wie auch die jeweiligen Erscheinungsbilder seiner Reistagebücher, Briefe, Notizen, Forschungsaufzeichnungen, Manuskripte und einzigartigen Themensammlungen sind jetzt in bester Qualität anzuschauen und zu recherchieren. Ich lade herzlich dazu ein, sich mit den von Humboldt in der Regel sehr eng beschriebenen Blättern und den teils über Jahrzehnte hinweg ergänzten Annotationen zu befassen, mit seinen zahlreichen Querverweisen auf frühere Erkenntnisse, mit seinen Zeichnungen von geologischen Formationen, von Tieren, Pflanzen und Menschen! Beispiele für die intensive Befassung mit einzelnen Fragestellungen präsentieren demnächst junge Wissenschaftler aus Potsdam – auch ich sehe gespannt den Ergebnissen ihrer dreijährigen Forschungen entgegen. Zunächst aber übergeben wir mit Freude der Öffentlichkeit einen wissenschaftlichen und kulturhistorischen Fundus, der in der thematischen Breite und Tiefe seinesgleichen sucht und und dessen allgemeine komfortable Zugänglichkeit eben deshalb ein zentrales Anliegen der Staatsbibliothek zu Berlin war.“

Berlin und Krakau: Nachlass restauriert, digitalisiert, erschlossen

Generaldirektorin Schneider-Kempf bedankt sich besonders bei ihrem Amtskollegen Direktor Pietrzyk von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau. Dort befindet sich kriegsbedingt ein Teil des Nachlasses Alexander von Humboldts. Und so war es nur in gemeinsamer Anstrengung und im kollegialen Einvernehmen möglich, den Nachlass komplett zu digitalisieren und zu erschließen. Diese wichtige internationale Kooperation wurde über die umfangreiche Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hinaus ab Oktober 2015 zusätzlich von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien finanziell unterstützt.
Vor der Digitalisierung wurde in Berlin und Krakau jedes einzelne Blatt dahingehend überprüft, ob restauratorische Schritte zu unternehmen waren. Zudem wurden alle Dokumente in neu beschriftete, säurefreie Mappen und Kästen umgelagert.

Insgesamt wurden von rund 22.000 Blatt des Nachlassteils in der Staatsbibliothek zu Berlin 50.000 Images gefertigt (darin rund 4.000 Images von den Amerikanischen Reisetagebüchern). Der Nachlassteil in Krakau umfasst etwa 11.000 Blatt, davon wurden 25.000 Images gefertigt. Insgesamt handelt es sich um 33.000 Blatt, teils sehr komplexe Dokumente, von denen 75.000 Images gefertigt wurden.

Potsdam: junge Wissenschaftler erforschten Reisetagebücher

Seit Anfang des Jahres 2014 arbeiten am Institut für Romanistik der Universität Potsdam unter der Leitung von Ottmar Ette in einem international besetzten Team drei Doktorandinnen und zwei Postdoktoranden an der Erforschung der neun Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts, die etwa 4.000 eng beschriebene Seiten umfassen.
Untersucht wurden die Tagebücher, die Humboldt während seiner Entdeckungs- und Forschungsreise durch Mittel- und Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804 geschrieben hatte, nach den Schwerpunkten Landschaftsdarstellung, Darstellung von Sklaverei sowie Skizzen und Zeichnungen. Eine der Untersuchungen galt der Darstellung einer italienischen Reise aus dem Jahr 1805, diese Aufzeichnungen hatte Humboldt in das Konvolut der Amerikanischen Reisetagebücher mit eingebunden. Zu jeder Untersuchung der Potsdamer Wissenschaftler entsteht derzeit je eine Monographie.
Für die Wissenschaftler gab es auch gemeinsame Fragestellungen, etwa nach der Arbeitsweise Alexander von Humboldts, der lebenslang an und mit den Tagebüchern arbeitete. Auch waren die Bedingungen, unter denen er reiste und forschte, sowie die literarischen Verfahren seines Schreibens von gemeinsamem Forschungsinteresse. Während der gesamten Projektlaufzeit von 2014 bis jetzt berichteten die jungen Wissenschaftler in Fachkreisen wie auch gegenüber der interessierten Öffentlichkeit fortlaufend mit Vorträgen und Publikationen von ihren Forschungsergebnissen, weitere sind in Vorbereitung.

Konferenz zum Abschluss des BMBF-Verbundprojektes
am 17./18. Januar 2017 in Berlin

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und die Universität Potsdam laden nun unter dem Titel „Ideen können nur nützen, wenn sie in vielen Köpfen lebendig werden“ zur abschließenden Konferenz ihres Verbundprojektes ein.
Eine moderne Form der Auseinandersetzung mit Humboldts Werk und Schaffen wird der Wissenschafts-Slam am Nachmittag des 17. Januar sein: Eine Kunsthistorikerin, ein Physiker und eine Alt-Amerikanistin werden je zehn Minuten über Die Maisgöttin, ein 37 x 17 x 16 cm großes, aus Tuffstein geschaffenes und über 6,5 kg schweres Objekt aus dem Bestand des Ethnologischen Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ‚slammen‘. Alexander von Humboldt schenkte diese mexikanische Aztekenfigur dem Preußischen König.
Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy beantwortet die mit dem Titel ihrer Rede gestellte Frage „Kultur(gut) besitzen?“. Von der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau spricht Monika Jaglarz zu „Ein ungehobener Schatz? Die Berliner Sammlungen in Krakau“. Ottmar Ette von der Universität Potsdam spricht über „Humboldts globale Landschaften“. Julian Drews von der Universität Potsdam und Sandra Ewers von der Staatsbibliothek zu Berlin beleuchten die Bedeutung und den Verlauf des gesamten BMBF-Verbundprojektes. Am Schluss der Konferenz stellen Jutta Weber und Barbara Schneider-Kempf, beide Staatsbibliothek zu Berlin, weitere Perspektiven von Kooperationen vor.

Link zum vollständigen Konferenzprogramm: http://sbb.berlin/2r1xan

Ausstellungsplakat BUSONI

Finissage der BUSONI-Ausstellung am 8.1.

Ein letztes Mal die Ausstellung BUSONI. Freiheit für die Tonkunst erleben und dabei viel Interessantes erfahren und Busoni hören: Das ist möglich auf der Finissage am Sonntag, dem 8.1.2017 von 11.30 bis 17 Uhr am Kulturforum.

Das Programm:

(als pdf zum Ausdrucken)

Im Vortragssaal des Kunstgewerbemuseums
11.30 Uhr Christian Schaper und Ullrich Scheideler, HU Berlin
Schriften und Briefwechsel Busonis. Möglichkeiten und Chancen einer digitalen Edition
12.15 Uhr Carsten Schmidt, SIMPK
›… jeder Ton für ewig‹: Busoni, gestanzt und graviert

– Pause –

14.30 Uhr Wolfgang Rathert, LMU München
Im Land der ›unmöglichen Begrenztheit‹. Ferruccio Busoni und Amerika

Im Foyer der Kunstbibliothek
15.30 Uhr Podiumsgespräch
mit Thomas Ertelt, Susanne Fontaine, Michael Lailach, Albrecht Riethmüller und Marina Schieke-Gordienko

Im Ausstellungsraum der Kunstbibliothek
16.30 Uhr Ausklang

Holger Groschopp, Klavier
Adele Bitter, Violoncello
spielen Werke von Ferruccio Busoni

Der Eintritt ist frei

Weitere Informationen zur Ausstellung sowie zum Busoni-Nachlass in der Staatsbibliothek

Geheimnisvolle Räume in der Staatsbibliothek

Wie sehen 11 Millionen Bücher aus? Ich weiß es… Zuallererst möchte ich mich aber kurz vorstellen. Ich bin im Jahrgang 2016/17 (September bis August) als Freiwillige im Sozialen Jahr (Kultur) in der Stabi und hatte am Anfang bestimmt genauso viele Fragen wie Benutzerinnen und Benutzer, die zum ersten Mal in die Bibliothek kommen. Mit diesem Beitrag möchte ich etwas Licht ins Dunkel bringen! Dazu nehme ich Sie mit in die Welt der Magazine. Für Leserinnen und Leser eine geheimnisvolle Welt, denn der Zutritt ist nur dem Personal erlaubt.

Kompaktanlage - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Tabea Mosolf - CC BY-SA-NC 3.0

Kompaktanlage – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Tabea Mosolf – CC BY-SA-NC 3.0

Da die Stabi als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands einen Archivauftrag erfüllt, sind die Magazine notwendig. Der Auftrag bedeutet, dass eine große Menge an Büchern aufbewahrt werden muss und täglich neue dazu kommen. Vielleicht wissen viele von Ihnen gar nicht, dass die Staatsbibliothek über 11 Millionen Bücher besitzt. Oder haben Sie sich beim Betreten des Lesesaals schon mal gefragt, wo denn die restlichen Bücher sind und wie man an diese herankommt?

11 Millionen Bücher sind ein Menge, das weiß ich und Sie wissen das auch. Aber wussten Sie auch, dass alle Bücher aneinander gereiht etwa eine Strecke von Berlin bis nach Kiel ergeben? Das sind ca. 360km. Auch mich erstaunte dieser Fakt zu Beginn sehr. Bemerkenswert ist auch, dass die Bücher auf vier Standorte verteilt sind. In der Potsdamer Straße befinden sich ca. vier Millionen Bände, im Haus Unter den Linden etwa die Hälfte. Im Westhafen befinden sich sehr wenige; ca. eine Million Bücher haben dort ihren Platz. Der letzte Standort ist den wenigsten Nutzern bekannt. Friedrichshagen, das Speichermagazin, ist im Besitz von etwa vier Millionen Bänden.

Signaturen - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Tabea Mosolf - CC BY-SA-NC 3.0

Signaturen – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Tabea Mosolf – CC BY-SA-NC 3.0

An der Auskunft, oder für die Erstbenutzer an der Anmeldung wird oft gefragt, wie lange es dauert, bis das Buch bereitgestellt ist. Die Antwort ist so ziemlich immer dieselbe.  Etwa zwei Stunden dauert es, bis Ihr Buch bereitgestellt wurde. Voraussetzung ist, dass Ihr Band sich auch im Magazin vor Ort befindet. Wenn nicht, dauert es etwa einen Tag.
Aber warum dauert es zwei Stunden? Auf dem Weg zu Ihnen durchläuft der Band mehrere Stationen. Es beginnt mit dem Heraussuchen im Magazin. Dabei werden die vorhandenen Bestellungen ausgedruckt, durch die Magazinmitarbeiter und –mitarbeiterinnen herausgesucht und mit der Kastenförderanlage  an die Leihstelle zur Verbuchung geschickt. Bei vielen hundert Bestellungen pro Tag können Sie sich sicher vorstellen, dass niemand mal eben losgeht, um einen einzelnen Band zu holen.

Weitere Arbeiten des Magazinpersonals sind unter anderem die Fernleihe, der Dokumentenlieferdienst, die Revision, die Belegungsplanung und häufig auch Umzugsvorbereitungen. In den letzten Jahren hat es nämlich eine große Anzahl umfangreicher Bestandsumzüge gegeben: Vier Millionen Bücher vom Haus Potsdamer Straße nach Friedrichshagen, Altbestandsumzüge ins Haus Unter den Linden, Umzüge vom Westhafen in beide Häuser und innerhalb des Hauses Potsdamer Straße Bestandsumzüge wegen Sanierungsarbeiten.

Bücher - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Tabea Mosolf - CC BY-SA-NC 3.0

Bücher im Magazin – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Tabea Mosolf – CC BY-SA-NC 3.0

Mit dem Abschluss dieser Buchbewegungen im kommenden Jahr werden die gesamten Bestände des Hauptmagazins einmal und zum großen Teil sogar zweimal bewegt worden sein.

Jetzt haben Sie einen kleinen Einblick in die sonst für Sie verschlossenen Magazine der Staatsbibliothek bekommen und können sich bei Ihrer nächsten Bestellung genau vorstellen, wie das bestellte Buch zu Ihnen kommt.

Ein Artikel von Tabea Mosolf, Praktikantin im Freiwilligen sozialen Jahr in der Kultur 2016/17

Nur in Berlin: Die einzige Luther-Ausstellung mit allen drei Thesen-Drucken von 1517

„BIBEL – THESEN – PROPAGANDA.
Die Reformation erzählt in 95 Objekten“

Daten zur Ausstellung
3. Februar – 2. April 2017
+ zum Evangelischen Kirchentag 24. – 28. Mai 2017
dienstags-samstags 11-19 Uhr, sonntags 13-18 Uhr

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum, 10785 Berlin
freier Eintritt
Katalog + original gefaltetes Faksimile des Thesen-Drucks, dazu eine deutsche Übersetzung der Thesen

Honorarfreie Abbildung des Nürnberger Drucks der 95 Thesen
http://sbb.berlin/ferztk
seit 2015 ist dieses Exemplar aufgenommen in das Weltdokumentenerbe der UNESCO / „Memory of the World“

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Einer der wesentlichen Auslöser der Reformationsbewegung ab dem Ende des Jahres 1517 war die Verbreitung der 95 Thesen Martin Luthers, in denen er seine fundamentale Kritik zum Ablasshandel niedergeschrieben hatte. Seine Thesen sandte er am 31. Oktober 1517 dem Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg, zugleich kursierten in Luthers Umfeld einige Abschriften. Gleichzeitig wurden drei Ausgaben der in Latein abgefassten Thesen gedruckt: zwei Plakatdrucke entstanden in Nürnberg und in Leipzig, eine kleinere Ausgabe auf vier Blättern im Quartformat in Basel.

Heute  sind nur noch sieben Exemplare der Thesendrucke aus Nürnberg und Leipzig bekannt, zwei davon werden in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufbewahrt: Die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt einen Druck aus Nürnberg, das Geheime Staatsarchiv einen aus Leipzig. In den ersten beiden Wochen der Ausstellung, im Februar 2017, werden diese beiden Plakatdrucke zusammen mit dem Baseler Druck nebeneinander gezeigt.

Der Nürnberger Plakatdruck der Staatsbibliothek zu Berlin wurde 2015 in das UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen und damit zum Weltdokumentenerbe erklärt. Zur Ausstellung erscheint von diesem Exemplar ein Faksimile, das auf praktische Handgröße gefaltet ist, ebenso wie es die Faltspuren des Originals aus dem Jahr 1517 zeigen.

Im Jahr 1518 ließ Luther den „Sermon von dem Ablass und Gnade“ drucken, diesen Text verfasste er in Deutsch und erreichte so ein allgemeines Verständnis seiner Kritik an der kirchlichen Praxis. Auch mit diesem Text löste er die Reformationsbewegung wesentlich mit aus – selbstverständlich ist von diesem Text in der Ausstellung ein Druck zu sehen.

Eine der Pretiosen ist auch der eigenhändige Briefentwurf Luthers für den Rektor und die Professoren der Universität Wittenberg an Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, in dem um Schutz für ebendiesen Martin Luther gebeten wird. Zu sehen ist auch ein Druck der päpstlichen Bulle, mit der Papst Leo X. im Jahr 1520 Luther den Bann androhte. Es folgen Hauptschriften Luthers und anderer Reformatoren, Flugblätter und prachtvolle, u. a. von Lucas Cranach d.J. ausgestaltete Pergamentbibeln.

Neben der ersten Übersetzung der Luther-Bibel in das Sorbische sind auch Übersetzungen in eine Variante der Hindustani-Sprache oder ins Chinesische zu sehen. Zur lutherischen Kirchenmusik sind Autographe Bachs, Telemanns und Mendelssohns zu bewundern, ebenso ein sofort wieder verworfener Kompositionsversuch Martin Luthers selbst.

Die Ausstellung „BIBEL – THESEN – PRROPAGANDA“ stellt die Quellen der Reformationsbewegung, die vor 500 Jahren ihren Anfang nahm, wie auch deren weiteren Verlauf bis hin zur Manifestation der lutherischen Kirche zunächst in Europa, später auf anderen Kontinenten, in großer formaler Breite und inhaltlicher Tiefe vor.  Der Eintritt zur Ausstellung ist frei, in zahlreichen Führungen werden die einzelnen Objekte erläutert.

Arktis, Meerespolitik und „Blaues Wachstum“

 

Ein Beitrag aus unserer Reihe Meere und Ozeane zum Wissenschaftsjahr 2016*2017.

 

In diesem Blog-Beitrag geht es um Aspekte der „Meerespolitik“, ein sehr breites Themengebiet, das alle internationalen, nationalstaatlichen und regionalen politischen Prozesse und Entscheidungen mit Bezug zu diesem riesigen Lebensraum umfasst. Exemplarisch werden hier einige Bereiche kurz vorgestellt:

Die EU-Arktis-Politik

Im April 2016 hat Federica Mogherini, die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, zusammen mit der Europäischen Kommission ein integriertes Konzept zur Bewältigung der Herausforderungen in der Arktis vorgelegt. Darin erklärte Mogherini u.a.: „Es handelt sich um eine Region von immenser ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung für uns alle. […] Denn die Arktis ist auch für die regionale und globale Sicherheit wesentlich und die damit zusammenhängenden Themen bilden eine strategische Komponente unserer Außenpolitik.“ Die aktuelle politische Bedeutung dieser Region für die Europäische Union, die ja vorwiegend aus Meer besteht, ist also groß und vielfältig.

Aus der Geschichte

Natürlich hat man sich auch schon im 19 Jh. für die Arktis interessiert, auch wenn zu dieser Zeit der Umweltschutz und in Rohstoffausbeutung in dieser Region noch nicht im Vordergrund standen.

Maukisch, Heinrich Eduard: John Ross zweite Entdeckungsreise nach den Gegenden des Nordpols , 1836; Staatsbibliothek zu Berlin, CC-BY-NC-SA

Aus: Zetzsch, Adolf: Die Ozean-Dampfschiffahrt und die Postdampferlinien nach … : mit einer Karte der deutschen und … , 1886 , Staatsbibliothek zu Berlin, CC-BY-NC-SA

Titelblatt (Ausschnitt): Grapow, Max: Die deutsche Flagge im Stillen Ozean: mit einer Karte der Südsee / von v. Grapow, … , 1916; Staatsbibliothek zu Berlin; Public Domain

Früher wie heute war die Meerespolitik häufig auch Geopolitik: Welche Schiffsrouten mussten befahren und, gefördert und verteidigt werden, wo gibt es Rohstoffe zu holen ? Dazu gehörten die Subventionierung von Dampferlinien der zivilen Schifffahrt, aber auch eher expansionistisch-militärische Ziele: In Kriegszeiten stand der sicherheitspolitische Aspekt der Meere klar im Vordergrund.

U-Bootswirkung im Mittelmeer : 12 Monate uneingeschränkten U-Bootkrieges ... , 1918 ; Staatsbibliothek zu Berlin, Public Domain

U-Bootswirkung im Mittelmeer : 12 Monate uneingeschränkten U-Bootkrieges … , 1918 ; Staatsbibliothek zu Berlin, Public Domain

 

Grundlagen der heutigen Meerespolitik

Aktuelle Meerespolitik ist vielfältiger. Ich versuche, den Überblick ein wenig systematisch zu gestalten, und zwar mit der Fragestellung: Wo findet Meerespolitik statt?

Wir finden Meerespolitik dort, wo überhaupt Politik gemacht wird: Nämlich auf nationaler Ebene vorwiegend in den Regierungs- und Legislativorganen der Gebietskörperschaften. In Deutschland also in den am Meer gelegenen Landesregierungen und – parlamenten sowie in der Bundesregierung und im Bundestag. Ob Länder, der Bund und/oder die EU für die Gesetzgebung in den Teilbereichen der Meerespolitik zuständig sind, richtet sich nach den Kompetenzregeln im Grundgesetz (GG) und im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV).

Nach Art.3 AEUV hat die EU u.a die alleinige Zuständigkeit für die Erhaltung der biologischen Meeresschätze im Rahmen der gemeinsamen Fischereipolitik, die gemeinsame Handelspolitik und für den Abschluss bestimmter völkerrechtlicher Verträge. In diesen Bereichen findet Meerespolitik also vorwiegend in der EU-Kommission, dem EU-Parlament, aber auch im Rat der Europäischen Union statt, der sich wiederum aus Regierungsmitgliedern der EU-Mitgliedstaaten zusammensetzt.

Die Bereiche Energiepolitik, Verkehrspolitik, Umweltpolitik fallen nach Art.4 AEUV unter die „geteilte Zuständigkeit“, d.h. dass die nationalen Gesetzgebungsorgane tätig werden können, wenn das Thema nicht von der EU in Angriff genommen wird. Hier besteht also politischer Spielraum für Bund und Länder.

Wer dann innerhalb Deutschlands zuständig ist, ergibt sich aus den Kompetenzregeln des GG. Die Verteidigungspolitik – und damit auch die maritime Sicherheitspolitik – fällt in die ausschließliche Gesetzgebungszuständigkeit des Bundes (Art.71, 73 GG), die Raumordnung (auch in der Küstenzone), die Küsten- und Hochseeschifffahrt sowie der Naturschutz in die konkurrierende Gesetzgebungszuständigkeit (Art. 72, 74 GG), nach der regelmäßig ein vorhandenes Bundesgesetz Vorrang vor den Landesgesetzen hat. Dagegen unterliegt mangels abweichender Zuständigkeitsvorschrift die Meeresforschung an Hochschulinstituten der Kulturhoheit der Länder (aus Art. 30 GG).

HDW-Kran an der Kieler Förde By Isderion / Foto an allen Seiten beschnitten, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HDW_Kran.jpg Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

HDW-Kran an der Kieler Förde By Isderion / Foto an allen Seiten beschnitten,
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HDW_Kran.jpg
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

 

Aspekte der Hafenpolitik, des Schiffbaus oder der Offshore-Technik können – je nach Aspekt – der Gesetzgebungskompetenz des Bundes oder der Länder zugeordnet sein. Natürlich geht es innerhalb der EU nicht ohne Kooperation, denn die EU-Küsten (70.000 km) sind ja gleichzeitig Küsten der Mitgliedstaaten. Die Integrierte Meerespolitik (IMP) der EU schafft den Rahmen für eine gemeinsame Politik zur nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzung der Meere. 90 % des EU-Außenhandels und 40 % des EU-Binnenhandels werden über Meere abgefertigt.

 

Titel: 2012-05-13 Nordsee-Luftbilder; Foto: Martina Nolte/ Foto an allen Seiten beschnitten; Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/ ; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2012-05-13_Nordsee-Luftbilder_DSCF8886.jpg

Titel: 2012-05-13 Nordsee-Luftbilder; Foto: Martina Nolte/ Foto an allen Seiten beschnitten;
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/ ;
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2012-05-13_Nordsee-Luftbilder_DSCF8886.jpg

 

Blaues Wachstum

Wegen der großen Bedeutung des Meeres als Wirtschaftsfaktor ist die langfristige EU-Strategie „Blaues Wachstum“ ein wichtiger Baustein der Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Die „blaue“ Wirtschaft beschäftigt 5,4 Millionen Menschen und verzeichnet eine Bruttowertschöpfung von knapp 500 Milliarden Euro jährlich. In einigen Bereichen gibt es jedoch weiteres Wachstumspotenzial.

Literatur für die Expertise

Eine der wichtigen Voraussetzungen für den Einstieg in die Meerespolitik ist Wissen über das Meer und die Ozeane, womit wir wieder den Ball zurück in die Bibliothek spielen: Denn natürlich ist das, was auf den verlinkten EU-Seiten zu finden ist, längst nicht alles, was Sie für die Expertise in maritimer Forschung brauchen. Die Hintergrundliteratur finden Sie bei uns.

 

Vorschau: Jetzt haben Sie schon viel über Meere und Ozeane erfahren und wissen, wie viel Literatur wir Ihnen dazu anbieten können. Ein ganz naheliegendes Thema haben Sie bisher aber vielleicht vermisst: Die Fischerei! Dem Meer als Nahrungsquelle widmen wir uns deshalb im nächsten Beitrag – Seien Sie gespannt!

Studentisches Projekt in der Eingangshalle

Weitläufige Verkehrsflächen - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Weitläufige Verkehrsflächen – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Die Diele ist die Visitenkarte eines Hauses. Was für Wohnhäuser gilt, hat durchaus auch seine Berechtigung für große, öffentliche Gebäude. Gemeinsam mit einer Gruppe von Studentinnen und Studenten wollen wir in den nächsten zwei Monaten überlegen, wie sich auch die ‚Diele‘ unseres Hauses Potsdamer Straße trotz Denkmalschutz, knapper Kassen und baulicher Beschränkungen etwas angenehmer gestalten lassen könnte. Es handelt sich dabei nicht um Vorarbeiten zu einer größeren Umbaumaßnahme, diese steht mit der geplanten Generalsanierung erst in einigen Jahren ins Haus. Viel eher soll überlegt werden, wie vielleicht mit kleineren Veränderungen ansehnliche Effekte erzielt werden können.

Besonders in den Fokus genommen wird das südliche Ende der Eingangshalle, das ist der Bereich mit den zahlreichen Garderobenschränken vor der Leihstelle. Dieser Bereich hat seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1978 schon einige Nutzungsänderungen erfahren. Als ‚Kataloghalle‘ vom Architekten konzipiert, standen Kataloge der Staatsbibliothek nur kurze Zeit im Mittelpunkt des Bereichs. Schon bald zog der Berliner Gesamtkatalog ein und dominierte mit seinen elektrisch bedienbaren Rollkatalogschränken diesen Teil der Eingangshalle. Später wurden hier PCs aufgestellt, welche vor allem für die Recherche im Bibliothekskatalog dienen sollten. Zu dieser Zeit wurde auch die Katalogauskunft wieder besetzt. Allerdings war die Katalogauskunft vom Eingang aus nicht sofort zu sehen. Aus diesem Grund wurde sie nach einigen Jahren in den besser sichtbaren I-Punkt verlegt. Heute erfolgt der Katalogzugriff von zuhause aus oder unterwegs auf dem mobilen Gerät. Katalogschränke werden nur noch sehr selten gebraucht. Die Benutzung der PCs und der ebenfalls dort aufgestellten Mikrofiche-Lesegeräte ließ mehr und mehr nach und so kam es zum heutigen, etwas verwaisten Zustand.

Ehemalige Mikrofichearbeitsplätze - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Ehemalige Mikrofichearbeitsplätze – Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Sie als Nutzerinnen und Nutzer unserer Bibliothek können uns bei den Überlegungen unterstützen. Die am Projekt beteiligten Studentinnen und Studenten werden Sie in der Eingangshalle ansprechen und Sie haben dann die Möglichkeit, auch Ihre Vorstellungen und Wünsche in das Projekt einfließen zu lassen. Auch hier im Blog haben Sie natürlich die Möglichkeit, Ihre Hinweise und Kommentare zu hinterlassen. Was von allen Ideen dann tatsächlich verwirklicht wird, können wir allerdings noch nicht versprechen. Vielfältig sind die Beschränkungen, die Denkmal- und Brandschutz vorgeben, um nur die wichtigsten ‚Stakeholder‘ bei diesem Projekt zu nennen. Trotzdem freuen wir uns auf die Ideen der Studierenden und auch auf Ihre. Wenn dann auch noch die Umsetzung gelingt, steigern wir die Aufenthaltsqualität für Sie!

Alte Katalogschränke in der Eingangshalle/Staatsbibliothek zu Berlin-PK - C. Ricks - CC BY-SA-NC 3.0

Alte Katalogschränke in der Eingangshalle/Staatsbibliothek zu Berlin-PK – C. Ricks – CC BY-SA-NC 3.0

Erste Vertonung von Shakespeares „Romeo und Julia“ erworben

Die Musikabteilung konnte die sehr seltene Erstausgabe von Georg Anton Bendas Oper „Romeo und Julie“ erwerben. Damit wurde wieder einmal ein Kriegsverlust getilgt. Der sehr schöne, gut erhaltene Klavierauszug im Typendruck von 1778 ist zudem eine gelungene Ergänzung zum Autograph der späteren Mannheimer Fassung des Werks von 1784, das bei uns verwahrt wird (Signatur: Mus.ms. autogr. Benda, G. 9).

Georg Benda gilt als „markanter Repräsentant der stilistischen Wandlungen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (soweit das Musiklexikon „Musik in Geschichte und Gegenwart“) und wirkte seit 1742 in Potsdam als Violinist in der Hofkapelle. 1750 war er dann Hofkapellmeister in Gotha. In seinem Œuvre sind besonders seine Melodramen im Rousseauschen Geiste der Aufklärung hervorzuheben. Hierzu zählt auch „Romeo und Julie“ – die erste Vertonung dieses Shakespeare-Stoffes überhaupt!

Das zwei Jahre vor dem Erscheinen des Klavierauszugs am 25. September 1776 in Gotha uraufgeführte melodramatische Singspiel, das der Leipziger Verleger auf dem Titelblatt als „Oper“ bezeichnet, erreichte bis ins 19. Jahrhundert beispiellose Popularität. Dazu beigetragen haben wahrscheinlich auch die für ein Singspiel auffallenden virtuos-dankbaren Solopartien. Selbst Mozart soll „Romeo und Julie“ gelobt haben. Anders als bei Shakespeare schließt das Werk mit einem Happy-End, in dem die beiden Verliebten Terzen- und Sexten-selig ihr Liebesglück besingen. Mit dem Klavierauszug von „Romeo und Julie“ ist die Staatsbibliothek um ein bedeutendes Dokument der Entwicklung des Singspiels vor Mozart reicher geworden. Die Ausgabe wird in Kürze in unserer Digitalen Bibliothek verfügbar sein.

[Text: Jean Christophe Gero]

„Acht Schwestern“ – Die letzte Ära der großen Frachtsegler

 

Ein Beitrag aus unserer Reihe Meere und Ozeane zum Wissenschaftsjahr 2016*2017 von Sabine Teitge

 

Das Meer und die Schifffahrt sind untrennbar mit einander verbunden. Auf Hafenrundfahrten kann man die großen Ozeanriesen bestaunen, die heute die Weltmeere befahren – darunter Luxusliner der Kreuzfahrt und gigantische Containerschiffe mit teilweise mehr als 360 Metern Länge. Zur Geschichte der Schifffahrt gehören aber auch die großen Frachtsegler, die heute fast nur noch bei großen Windjammerparaden – z.B. der Kieler Woche – zu bewundern sind. Dabei sind es gerade die Segelschiffe, die die Betrachter in ihren Bann ziehen und Fernweh wecken – auch als Frachtsegler büßen sie nichts an Schönheit ein.

 

Windjammer auf der Sail 2000 in Bremerhaven / Wilfried Wittkowsky (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Windjammertreffen_Sail%2C_Bremerhaven%2C_2000.jpg) - Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Windjammer auf der Sail 2000 in Bremerhaven / Wilfried Wittkowsky (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Windjammertreffen_Sail%2C_Bremerhaven%2C_2000.jpg) – Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

 

Die Flying P-Liner

Berühmt für ihre unverwüstlichen leistungsstarken Frachtsegler ist die alteingesessene Hamburger Reederei F. Laeisz, die1824 durch Ferdinand Laeisz gegründet wurde. Neben ihrem Stammhaus in Hamburg unterhält sie Sitze in Rostock, Bremerhaven und Grabow. Auch sie ist auf den Weltmeeren mit Container-, Massengut-, Gas- und Car Carrier und Forschungsschiffen vertreten. In der Vergangenheit war sie aber vor allem für ihre schnellen und robusten Großsegler, Flying P-Liner genannt, bekannt. Fast alle Schiffe der Reederei F. Laeisz führen den Anfangsbuchstaben „P“ im Namen und sind in den Reedereifarben schwarz (Rumpf über der Wasserlinie), weiß (Wasserlinie) und rot (Unterwasserschiff) gestrichen. Ihren Weltruf erlangten die Segler durch ihre einzigartige Verbindung von Geschwindigkeit und wetterunabhängiger Sicherheit. Damit waren sie nicht weniger zuverlässig als die neuen Dampfschiffe und konnten dem aufkeimenden Wettbewerbsdruck erstaunlich lange standhalten.

Dünger und Sprengstoff

Haupteinsatzgebiet der Großsegler war die Salpeterfahrt. Als Salpeterfahrt wurde der Transport von Salpeter Chile nach Europa vom 19. bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts auf dem Seeweg bezeichnet. Salpeter diente für die Herstellung von Dünger und Sprengstoff als ein wertvoller Rohstoff. Erst mit dem Beginn der industriellen Produktion von Ammoniak nach dem Haber-Bosch-Verfahren und Ostwaldverfahren wurden diese Transporte unnötig.

Die Acht Schwestern

Zu den insgesamt 83 legendären Flying P-Linern gehörten neben der Pommern (liegt heute als Museumsschiff in Mariehamn (Finnland)) die als „acht Schwestern“ bezeichneten letzten acht Großsegler, die die Reederei in Dienst stellte. Es waren die zwischen 1903 und 1926 erbauten Viermastbarken Pangani, Petschili, Pamir, Peking, Passat, Pola, Priwall  und Padua (heute Kruzenshtern). Diese Bezeichnung ist allerdings nicht korrekt, da Schwesternschiffen gleiche Baupläne zugrunde liegen. Echte Schwesternschiffe waren Peking und Passat  bzw. Pola und Priwall. Nach sehr unterschiedlichen Schicksalen sind von den „acht Schwestern“ heute noch die Passat (Travemünde), die Peking (New York) und die Kruzenshtern (ehemals Padua) erhalten.

Pangani und Petschili – die Ersten der Letzten

Die Segler Pangani und Petschili aus der Werft Joh. C. Tecklenborg, Geestemünde (Wesermünde) liefen beide 1903 vom Stapel. Leider war ihnen nur ein kurzes Leben beschieden. Schon im Januar 1913 sank die Pangani im Ärmelkanal nach einem Zusammenstoß mit dem französischen Dampfer Phryné. Die Petschili wurde nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges interniert und lag die nächsten fünf Jahre im Hafen von Valparaíso vor Anker, wo sie durch einen Sturm 1919 zerstört wurde.

Pamir – das Ende der frachtfahrenden Schulschiffe

1905 erfolgte die Indienststellung der Pamir (gebaut bei Blohm & Voss). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie als Reparationsleistung an Italien abgetreten. Der Reederei F. Laeisz gelang es 1924 die Pamir für nur 7.000 Pfund Sterling zurück zu erwerben. Die Salpeterfahrten wurden allerdings unrentabel und so wurde die Pamir 1931 für 60.000 Reichsmark an den Reeder Gustaf Erikson aus dem finnischen Mariehamn (Alandinseln) verkauft. Neben Weizentransporten aus Australien wurde sie ab 1937 für Transporte von Guano und Nickelerz sowie Wolle, Kohle und anderen Ladungen eingesetzt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie 1941 im Hafen von Wellington (Neuseeland) von einem neuseeländischen Zollbeamten als Prise beschlagnahmt und fuhr danach unter neuseeländischer Flagge. 1948 wurde die Pamir feierlich an Erikson zurückgegeben und wieder unter finnische Flagge gestellt. Nach mehreren weiteren Eignerwechseln wurde der Segler in den 1950er Jahren (wie auch die Passat) als Frachtsegelschulschiff zwischen Europa und Südamerikas Ostküste eingesetzt. Die Pamir sank 1957 in dem Hurrikan „Carrie“ etwa 600 Seemeilen (ca. 1.100 km) westsüdwestlich der Azoren. Die Unglücksursache ist zwar bis heute umstritten, führte aber zu einer  Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für Großsegler und Schulschiffe. Der Untergang der Pamir und die Außerdienststellung der Passat bedeuteten das Ende der frachtfahrenden Schulschiffe.

Peking – Bald als Museumsschiff wieder in Hamburg

Die Peking lief 1911 bei Blohm & Voss vom Stapel. 1932 wurde das Schiff in Folge der Weltwirtschaftskrise an die Shaftesbury Homes and Arethuse Training Ship, London verkauft. Sie wurde zu einem stationären Schulschiff umgebaut und in Arethusa umbenannt. 1974 wurde die Viermastbark an die J. Aron Charitable Foundation versteigert. 1975 gelangte der Rumpf der Peking nach New York. Dort wurde sie originalgetreu wieder aufgeriggt. Auch ihr alter Heimathafen „Hamburg“ prangt nun wieder am Heck. Seitdem liegt sie unter ihrem ursprünglichen Namen Peking am Pier des South Street Seaport Museum in New York. 2015 beschloss der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages, die mittlerweile völlig marode Peking für das im Aufbau befindliche Hafenmuseum Hamburg nach Hamburg zurückzuholen.

Passat – Herberge für Schulklassen

Ebenso 1911 verließ das Schwesternschiff Passat die Werft von Blohm & Voss. Der Frachtsegler wurde in den 1950er Jahren als Frachtsegelschulschiff zwischen Europa und Südamerikas Ostküste eingesetzt, bis sie 1957 wegen Unrentabilität außer Dienst gestellt wurde. Die Stadt Lübeck kaufte sie 1959 und seit 1960 dient sie als stationäres Museumsschiff, Jugendherberge und Veranstaltungsort in Travemünde.

Viermast-Stahlbark Passat, ein Museumsschiff in Travemünde. Blick vom alten Leuchtturm / Jürgen Howaldt (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Viermastbark_Passat_in_Travemuende-1.jpg) - Ränder beschnitten - Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Viermast-Stahlbark Passat, ein Museumsschiff in Travemünde. Blick vom alten Leuchtturm / Jürgen Howaldt (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Viermastbark_Passat_in_Travemuende-1.jpg) – Ränder beschnitten – Nutzungsbedingungen: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

 

Pola und Priwall

Die ebenfalls von Blohm & Voss gefertigen Schwesternschiffe Pola und Priwall ereilte kein gutes Schicksal: Während die Pola nach ihrem Stapellauf 1916 und Fertigstellung 1919  gleich als Reparationsleistung an Frankreich ausgeliefert und dort 1933 abgewrackt wurde, fuhr die 1920 ausgelieferte Priwall zwei Jahrzehnte über die Weltmeere – ab 1941 unter chilenischer Flagge. Doch nach einem Brand explodierte das in Lautaro umbenannte Schiff 1945 vor der Küste Perus.

Kruzenshtern (ehemals Padua): 90 Jahre und kein bisschen müde

Die Padua lief als letztes Schiff der Werft Joh. C. Tecklenborg 1926 vom Stapel und wurde als  Frachtsegler und Segelschulschiff eingesetzt. Ebenso diente es als Filmkulisse für die Filme „Die Meuterei auf der Elsinore„, „Ein Herz geht vor Anker“ und „Große Freiheit Nr. 7″ .

Kruzenshtern. Quelle: Privat. Rechte vorbehalten.

Kruzenshtern. Quelle: Privat. Rechte vorbehalten.

Kruzenshtern. Quelle: Privat. Rechte vorbehalten.

Kruzenshtern. Quelle: Privat. Rechte vorbehalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Padua als Reparationsleistung an die Sowjetunion. Neuer Heimathafen wurde Kaliningrad. Es erfolgte eine Umbenennung nach dem deutsch-baltischen Kapitän und russischen Admiral Adam Johann von Krusenstern. Der neue Name lautet Kruzenshtern (russisch Крузенште́рн). Im Deutschen findet man vielfach den Namen Krusenstern. Heute nutzt das russische Ministerium für Fischwirtschaft die Kruzenshtern zur Ausbildung des Nachwuchses der Fischereiflotte. Seit 1974 nimmt die Kruzenshtern an vielen internationalen Regatten teil, so auch an der Kieler Woche und der alle fünf Jahre stattfindenden Sail in Bremerhaven. Dabei werden zunehmend auch zahlende Passagiere (Trainees) mitgenommen, die zum Unterhalt des Schiffes beitragen. Die Kruzenshtern ist der Einzige der berühmten Flying P-Liner der Flotte der Reederei F. Laeisz, der noch heute auf den Weltmeeren zu Hause ist. Wünschen wir diesem Traditionssegler auch weiterhin immer eine Handbreite Wasser unter dem Kiel.

Kruzenshtern. Quelle: Privat. Rechte vorbehalten.

Kruzenshtern. Quelle: Privat. Rechte vorbehalten.

 

Die Staatsbibliothek zu Berlin hat in ihrem Bestand zahlreiche Publikationen zum Thema Schiffe und Schifffahrt. Eine Auswahl finden Sie hier.

 

Vorschau: Schiffe und Meeresbewohner sind nicht nur auf dem Wasser aktiv, sondern auch in der Politik – Bewegen Sie sich mit uns im nächsten Beitrag auf politischem Parkett und erfahren Sie, welche Meeresthemen dort eine Rolle spielen.

 

Märchenlesung von Barbara Schneider-Kempf am16.11.16; Foto: Carola Seifert SBB-PK, CC-BY-NC-SA

Märchenhafte Lesung in der Staatsbibliothek

30 Paar Drittklässler-Ohren der Silberstein-Grundschule aus Neukölln lauschten am 16.11.16 aufmerksam einer Lesung der Generaldirektorin Barbara-Schneider-Kempf im Rahmen der Reihe „Märchenreise mit Prominenten“. Passend zum diesjährigen Thema der 27. Berliner Märchentage „Dornröschen erwacht…! Mädchen und Frauen in Märchen und Geschichten“ wählte sie ein Märchen, das von einer mutigen Häuptlingstochter erzählt, die ihren Stamm rettet.

Die 9-jährigen Bibliotheksbesucher zeigten sich auch im Anschluss ausgesprochen interessiert: „Was ist Dein Lieblingsbuch“? oder „Warum hast Du die Bibliothek ‚Staatsbibliothek‘ genannt?“ und „Wie wird man Generaldirektorin einer Bibliothek?“. Damit war der Wissensdurst jedoch noch längst nicht gestillt: „Warum ist dieses Gebäude keine Villa und noch so neu?“, hieß es weiter, „Schläfst Du hier auch?“ und „Kanntest Du den ersten Direktor der Staatsbibliothek noch?“…
Die Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, Carola Pohlmann, präsentierte der staunenden Gruppe zum krönenden Abschluss u.a. Verwandlungsbilderbücher und historische sowie moderne Ausgaben der Märchen der Gebrüder Grimm.

Spätestens nach der Frage, ob sie nun selbst einige Bücher lesen dürften, zeigte sich, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg war, und Bücher die jüngste Generation auch nach wie vor in ihren Bann ziehen.

Weitere Informationen zur Kinder- und Jugendbuchabteilung

Weitere Informationen zu den Berliner Märchentagen

Adoleszenz in den Comics. Damals und heute

Vortrag von Dr. Felix Giesa in der Staatsbibliothek

Von Indra Heinrich und Sigrun Putjenter

Vor fast genau einem Jahr wurde die Comicerwerbung in der Staatsbibliothek mit einem eigenen Sammlungskonzept auf völlig neue Beine gestellt. Historisch oder gesellschaftswissenschaftlich interessante bzw. künstlerisch herausragende Erwachsenencomics gehören seitdem ebenso dazu wie entsprechende Comics für Kinder und Jugendliche. Das verstärkte Engagement der Staatsbibliothek auf diesem Gebiet wurde nun durch den Vortrag des Comicexperten und zweiten Vorsitzenden der Gesellschaft für Comicforschung (ComFor) Dr. Felix Giesa (Universität zu Köln, ALEKI – Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung) mit einer ersten Veranstaltung eigens gewürdigt.

V. l.: Indra Heinrich (Fachreferentin u.a. für Kunst), Carola Pohlmann (Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung), Dr. Felix Giesa (Comicexperte, Universität Köln). - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

V. l.: Indra Heinrich (Fachreferentin u.a. für Kunst), Carola Pohlmann (Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung), Dr. Felix Giesa (Comicexperte, Universität Köln). – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Was sind eigentlich Comics?

Bildgeschichten, Comics, Comicroman, Graphic Novel, Mangas – viele unterschiedliche Bezeichnungen, doch wie kann man Comics eigentlich definitorisch fassen? Comics sind, so Felix Giesa, Bildgeschichten, bei denen die unterschiedlichen Bilder in enger zeitlicher Sequenz aufeinander folgen. Im Gegensatz dazu zeichnet sich das klassische Bilderbuch durch eine „weite“ Abfolge der Bilder aus. Im Amerikanischen hat sich für Comics deswegen der Begriff der “graphic narrative“ etabliert.

Die wichtigsten Elemente eines Comics sind das Panel als kleinste Bildeinheit, der Blocktext als Ort der Erzählerrede und die Sprechblase als Ort der Figurenrede. Der Zwischenraum zwischen den Panels trennt diese zeitlich voneinander. Diese Lücke muss vom Betrachtenden selbstständig gedanklich ausgefüllt werden. („Da wird der Leser mitunter zum Mörder!“) Die Geschichte entsteht schließlich in der Abfolge der einzelnen Panels. Die Comicleser*innen müssen dabei sowohl den Text als auch die nonverbalen Elemente des Bildes verstehen und deuten.

Und wie verhält es sich nun mit der Unterscheidung von Comics, Graphic Novels und Mangas? Folgt man Felix Giesa, dann sind diese Begriffe im Wesentlichen unterschiedliche Labels, um die Bildgeschichten in unterschiedlichen Ländern und Kontexten zu vermarkten: Der Comic wird als Fortsetzungsgeschichte in Heften verkauft; Mangas, die ganz eigene Stilmittel aufweisen, stammen ursprünglich aus Japan, haben sich jedoch längst über den asiatischen Raum hinaus verbreitet; und  der Terminus „Graphic Novel“ gilt mittlerweile als Qualitätsmerkmal für einen anspruchsvolleren Comic in Buchform. Als solche habe sich der Comic inzwischen auch in der sogenannten Hochkultur fest etabliert, erläuterte Giesa am Beispiel des Titels Im Eisland. Der Träger des diesjährigen Jugendliteraturpreises in der Sparte Sachbuch werde als Graphic Novel beworben, obgleich die von Kristina Gehrmann gewählte Erzählweise und Bildgestaltung eigentlich den Mangas entspreche.

Dietrich-Bonhoeffer-Saal und Simón-Bolivar-Saal lockten an diesem Abend zeitgleich mit Veranstaltungen. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Dietrich-Bonhoeffer-Saal und Simón-Bolivar-Saal lockten an diesem Abend zeitgleich mit Veranstaltungen. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Adoleszenz in den Comics

In seinem Vortrag widmete sich Felix Giesa dem verhältnismäßig jungen Genre der Adoleszenzcomics, die auf realistische Weise von den Problemen Jugendlicher beim Erwachsenwerden erzählen. Allerdings stehen diese Comics am Ende einer Entwicklung von den frühen Zeitungscomics bis heute. Jugendliche als Motive tauchten schon sehr früh in den Comics auf, wurden dem erwachsenen Publikum aber – wie etwa in den Comicstrips The Yellow Kid – zunächst vor allem komisch präsentiert. Eine realistische Darstellungsweise, die sich auch an ein jüngeres Publikum richtete, setzte sich erst allmählich durch.

So entstanden in den USA nach dem Ersten Weltkrieg Teenagerserien wie Harold Teen von Carl Ed, etwas später auch Archie von Bob Montana oder die “girls‘ comics“ wie Patsy Walker, in denen Teenager zwar in ihrem realistischen Lebensumfeld dargestellt wurden, deren Darstellungen aber immer noch in erster Linie auf eine humorvolle Geschichte hin angelegt waren. Erst mit der Entstehung der „Underground Comics“ ab den 1960er Jahren sollte sich das ändern: In diesen neuartigen und aufregenden Comics beispielsweise von Robert Crumb und Justin Green wurden die jugendliche Subkultur dargestellt, die eigene Biographie zum Sujet aufgewertet und neue Erzählverfahren zur Darstellung nonverbaler Aspekte, z.B. von Gefühlen, entwickelt. Die Herausforderungen der Adoleszenzphase wurden auf somit neu darstellbar. In den 1980er Jahren differenzierten sich diese Entwicklungen im Bereich der „Alternative Comics“ noch weiter aus. Prominente Beispiele dafür sind die Anthologien RAW von Art Spiegelman, dem späteren Gewinner des Pulitzer-Preises, und seiner Partnerin Françoise Mouly sowie Weirdo von Robert Crumb und die autobiografischen Berichte der eigenen Adoleszenz von Chester Brown.

Dr. Felix Giesa. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Dr. Felix Giesa. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Im Laufe der 1970er Jahren wurden diese Trends im frankobelgischen Bereich aufgegriffen. Ganz im Sinne der Schule problemorientierter Jugendliteratur gerieten der Alltag und die Gefühle von Heranwachsenden stärker in den Fokus von Comiczeichnern. Dies schlug sich nicht zuletzt in den realistischen Darstellungen der eigenen Adoleszenzphase nieder, die ab den 1990er Jahren prominent, beispielsweise von Lewis Trondheim, forciert wurden.

Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in Deutschland beobachten. Hier waren es vor allem Künstler*innen im Gefolge der 68er Bewegung wie Franziska Becker und Ralf König, die das Thema Adoleszenz als Sujet für ihre Comics entdeckten. In den 1990er Jahren nahmen auch deutsche Zeichner*innen die Anregungen der US-amerikanischen Comic Avantgarde auf und erprobten neue Möglichkeiten des Erzählens durch Comics. Momentaufnahmen aus dem eigenen Leben spielten nun eine zunehmend wichtigere Rolle, wie das Beispiel Smalltown Boy (1999) von Andreas Michalke zeigt. In den Werken der neuen Generation der Comiczeichner*innen seit der Jahrtausendwende stellte Giesa schließlich zwei unterschiedliche Kategorien von Adoleszenzdarstellungen fest: die autobiographische Darstellung, wie beispielsweise Kati Rickenbachs Jetzt kommt später (2011), und die fiktive Adoleszenzerzählung, wie sie Arne Bellstorf für acht, neun, zehn (2005) entwarf.

Die anschließende engagierte Diskussion unter den zahlreichen Anwesenden zeigte die enorme Bandbreite des Interesses, auf die das Thema Comics stößt. So wurde sowohl nach den Adressen einschlägiger Comic-Läden gefragt als auch versucht, die eigene Comic-Lektüre im dargebotenen Kontext zu verorten, oder Annahmen über die Leistungen des menschlichen Gehirns bei der Lektüre von Bildergeschichten zu treffen. – Die kognitive Verarbeitung von Bildergeschichten, das sei am Rande erwähnt, wird zur Zeit im Rahmen eines vom BMBF geförderten Projekts an der Universität Potsdam erforscht.

Fachgespräche am Rande der begleitenden Ausstellung. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Fachgespräche am Rande der begleitenden Ausstellung. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Begleitet wurde der Vortrag von einer kleinen Ausstellung historischer und aktueller Comics, die Julia Lausch aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek vorbereitet hatte. Sie ermöglichte allen Anwesenden einen guten visuellen Einblick in das Vortragsthema, ein Eintauchen geradezu in die unterschiedlichen Lebenswelten von Jugendlichen.

Weitere Facetten dieses spannenden Themengebiets vorzustellen, soll Gegenstand zukünftiger Werkstattgespräche sein.